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Full text of "Finnisch-ugrische Forschungen"

HANDBOUND 
AT THE 



UNIVIiRSITY OF 
TORONTO PRESS 



FINNISCH-UGRISCHE 

FORSCHUNGEN 

ZEITSCHRIFT 



FÜR 



FINNISCH-UGRISCHE SPRACH- UND VOLKSKUNDE 



UNTER MITWIRKUNG YON FACHGENOSSEN 



HERAUSGEGEBEN 



VON 



E. N. SETÄLÄ UM) KAARLE KROHN 



V- ^ 

ERSTER BAND 
1901 



"R?" 



HELSINGFORS LEIPZIG 

KED. DER ZEITSCHRIFT OTTO HARRASSOWITZ 




994ß4« 



PH 

) 

Fi' 



HELSIXCIFORS 

DRUCKEREI DER FINNISCHEN EITTERATIR-GESELLSCHAF 
1902. 



Inhalt des I. bandes. 



Seite 



Donner O. Die uralaltaischen sprachen ..... 12S — 146 
Ekm.vn E. A. siehe Tunkelo E. A. 

Kroh.v Ka.-\rle. Wo und wann entstanden die finni- 
schen zauberlieder? 52 — 72, 147 — 181 

I. Finnisch-ugrische zeit 52 — 57 

II. Finnisch-mordwinische zeit 57 — 67 

III. Urfinnische zeit 67 — 72 

1\'. Finnisch-estnische parallelen 147 — iSi 

— — siehe auch Setälä E. N. 

MiKKOLA Joos. J. Das Verhältnis des slavischen Wor- 
tes ktnjiga zum ungarischen könjrv 'buch' und 

dem mordwinischen konöv 'papief' 112 — 115 

— » — Ein altes slavisches lehnwort im finnischen . 115 — 117 

— >' — Fremde namen für körperliche gebrechen . iSl — 182 
Setäl.\ E. N. Dem andenken Matthias Alexander Ca- 

stren's i — 5 

— » — Kurze notiz über das opferholz bei den Som- 

piolappen (aus d. j. 1670J 187 — 189 

— » — Über die transskription der finnisch-ugrischen 

sprachen .. 15 — 5^ 

I. Historik . 16—32 

II. \'orschläge 32 — 52 

— ; — • und Krohn Kaarle. Plan der Zeitschrift . 6 — 14 
SiMONVi Siegmund. Mongolisches im ungarischen. . 126 — 128 
SziNNVEi J. Über den Ursprung des personalsuffixes 

-n im ungarischen 73 — ^^ 

Tunkelo E. A. Finnische und estnische konjunktionen 

nordischen Ursprungs 117 — 126 

1. Fi. eli etc 117 — 121 

2. Est. enge 121 

3. Fi. entä, estS. ent 121 — 126 

— ;> — Nordische lehnwörter im finnischen und \a\)- 

pischen 183 — 187 

Wichmann Yrjö. Die syrjänische bildung auf -ob, -öp 

und der komparativ im finnisch-ugrischen . . . 189 — 193 

— • » — Etymologisches aus den permischen sprachen 99 — iii 

1. Wotj. lu'ves, urbets 99 — 104 

2. Wotj. Kuzon 104 — loS 

3. Syrj. nebög, nebög 109 — iii 

WiKLUND K. B. Zur geschichte des urlappischen ä 

und ü in unbetonter silbe. I 81 — 99 



Abkürzungen. 



aderb = aderbedschaiiisch. 

AkE = Akademiai Ertesitü. Eed. v. 
Iv. SziLY. 

alt. = altaisch. 

anthr. — anthropoloaio. anthropolo- 
jrisch. 

arch. = archiv. 

ArcliE = Arcliseolo o-iai Ertesitü (Bibl. 
YIII 300). 

ÄH = Setälä, Yhteissnomalainen 
äännohistoria. 

BlpL = QviGSTAD u. AViKLUND, Biblio- 
graphie der lappischen litteratur. 

dschag. — dschagataisch. 

EKSA = Eesti Kirjarneeste Sejtsi 
Aastaraamat. 

EPhilK = Egyetemes Philologiai 
Küzlöny. 

Ethn. = E"thnographia (Bibl. I 6). 

ethnogr. = ethnographie. 

ethnol. — ethnologie. 

Etn. Obozr. = 3Tnorpa(|iii<iecKoe oöo- 
sp-iinie (Bibl. 18). 

EÜAlb. = Eesti Üliöplaste Seltsi Al- 
bum. 

EV -^ Xeus, Estnische Volkslieder. 

EBB = Thom>ex, Beröringer mellem 
de finske og de baltiske (litauisk- 
lettiske) sprog. 

fi. (f.) = finnisch (suomi) 

fingr. ~ finnisch-ugTisch. 

FLG = Finnische Litteraturgesell- 
schaft. 

FM = Finskt Museum (Bibl. II 3). 

FUF — Finnisch-ugrische Forschun- 
gen. 

FUG = Finnisch-ugrische Gesell- 
schaft. 

Gel. Estn. Ges. = Gelehrte Estnische 
Gesellschaft. 

GSI — Thomsen. Den gotiske sprog- 
klasses indflydelse pä den finske. 

H. — J. Hurt's folkloristische Samm- 
lung. 

lALE = \YiEDE-MANN, Aus dem inne- 
ren und äiisseren Leben der Ehsten. 



Irod. Közl. — Irodalomtörti'noti Küz- 
lenu^nyek (Bibl. VIII 2). 

jak. = jakutisch. 

JSFOu. = .Journal de la Societe Fin- 
no-Ougrienne — Snomalais-ugi-ilai- 
sen Seuran aikakauskirja (Bibl. I 
1-2). 

kas. = Kasan-tatarisch. 

kir. = kirgisisch. 

KSz. - Keleti Szemle (Bibl. I 3'. 

magy. = magyar, magj^arisch. 

MKSz. = Magyar Könvvszemle (Bibl. 
YIII 3). "^ 

MML = Kreltzw ALD u. Xels, Mythi- 
sche u. magische Lieder der Ehsten. 

MSFOu. == Memoires de la Socie- 
ti- Finno-ougrienne = Suomalais- 
ugrilaisen Seui-an toimituksia. 

MTSz. = Szixxyei, Magyar Täjszötär. 

MUSz. ^; Bidenz, Magyar-ugor Ösz- 
szehasonlitö Szötär. 

Xt^prE = A Magyar Nemzeti Müzeum 
Neprajzi Osztälvänak Ertesitöje 
(Bibl. I 109). 

XyK -- Xvelvtiadomänyi Kozleme- 
nyek (Bibl. 14). 

Xyr = Magyar Nyelvör * Bibl. VIII 1 ). 

'SySz. = SzARVAs u. SimoaYi, Magyar 
Xyelvtörteneti Szötär. 

RY = Kunokokous Väinämöisestä. 

SM =-- Suomen Museo (Bibl. II 2). 

SMY'Aik. = Suomen Muinaismuisto- 
yhdistyksen Aikakauskirja. 

TuM =- Setalä, Zur geschichte der 
tempus- und modusstammbildung 
in den finnisch-ugrischen sprachen. 

TörtT =- Tortenelmi Tär. Eed. von 

A. KOMÄROMY. 

UAW = Ungarische Akademie der 

Wissenschaften, 
iirgesch. = Urgeschichte. 
Yalv. = Yalvoia (finn. Zeitschrift). 
Vir. = Yirittäjä (Bibh II 1). 
YK = Kalevala 1835. 
Ziv. Star. = /Knuaii CTapniia. 



Über die benennungen der finnisch-ugrischen Völker und die ab- 
kürzungen derselben siehe Anz. 179 — 181. 

Die übrigen abkürzungen sind die gewöhnlichen und dürften ohne 
erklärung verständlich sein. 



DEM ANDENKEN 



Matthias Alexander Castr^n's, 



Ein halbes Jahrhundert ist heute seit dem tage (14 märz 
1851) verflossen, wo die finnisch-ugrische sprach- und Volks- 
kunde einen festen platz an der finnischen Universität erhielt, 
wo Matthias Alexander Castren zum professor der finni- 
schen spräche ernannt wurde. Damit schwang sich über- 
haupt zum ersten mal die vergleichende finnisch-ugrische for- 
schung zu einem festen akademischen lehrstuhl empor, denn 
die Universitätslehrer für einzelne finnisch-ugrische sprachen, 
die vQtfher existiert, hatten sich bloss auf das Studium ein- 
zelner sprachen oder auf den praktischen Unterricht in den- 
selben beschränkt. Wenn wir nun ein unternehmen beginnen, 
welches der finnisch-ugrischen sprach- und Volkskunde gewid- 
met ist, so haben wir das erste wort an dieser stelle dem 
andenken dieses denkwürdigen tages und dieses denkwürdigen 
mannes weihen wollen. 

Matthias Alexander Castren hatte erst sein einundzwan- 
zigstes lebensjahr vollendet, als 1835 das von Elias Lönnrot 
redigierte finnische nationaiepos Kalevala erschien. Dieses 



2 • E. N. Setälä. 

ereignis bewirkte, dass Castren den entschluss fasste, wie er 
selbst sagt, „die Wirksamkeit seines lebens der Untersuchung der 
spraciie, religion, sitten, lebensweise und der übrigen ethno- 
graphischen Verhältnisse der finnischen und anderer mit ihm 
verwandter volksstämme zu weihen". Und als er sah, dass er 
diese Studien nicht erfolgreich an der band schriftlicher quellen 
würde treiben können, da war er bereit sich auf lange mü- 
hevolle reisen zu begeben um reichlicheres und zuverlässigeres 
material zusammen zu bringen. 

Sein arbeitstag ist nicht lang geworden — im ganzen 
konnte er ungefähr fünfzehn jähre der wissenchaftlichen for- 
schung widmen und kaum mehr als ein jähr seiner professur 
an der Universität obliegen — aber ganz erstaunlich ist die fülle 
der ergebnisse, zu denen er während seiner arbeitszeit gelangte. 
Er begann mit der vergleichung des finnischen, estnischen und 
lappischen und hörte auf mit der vergleichung aller „altaischen" 
sprachen. Er untersuchte die verschiedensten sprachen, sowohl 
finnisch-ugrische wie besonders die samojedischen sprachen, 
deren Studium er als eine der hauptaufgaben seines lebens gesetzt 
hatte. Er erweiterte die finnische mythologie zu einer finnisch- 
ugrischen und schuf von derselben ein für die Zeitverhältnisse 
wunderbar klares bild. Er erforschte mit offenem und ver- 
ständnisvollem blick die ethnologischen Verhältnisse der Völ- 
ker, die er besuchte; sogar der archäologie hatte ai' sein 
Interesse zugewendet. Und während seiner kurzen lehrthätig- 
keit an der Universität behandelte er in seinen Universitäts- 
vorlesungen weite gebiete der Sprachwissenschaft, ethnologie, 
volkslitteratur und mythologie und erweckte in der Jugend 
Interesse für diese gegenstände, die die Objekte seines eigenen 
wärmsten Interesses waren. Und in allem, was von seiner 
arbeit auf die nachlebenden gekommen ist, offenbart sich seine 
intelligente auffassung, sein weitschauender blick und seine liebe 
zu dem gegenständ seiner forschung. 



Dem andenken M. A. Castren's. 



Matthias Alexander Castren fiel allzufrüh der Wissen- 
schaft zum opfer. Die unsäglichen Schwierigkeiten auf den 
mühevollen reisen untergruben seine gesundheit, aber trotz- 
alledem arbeitete er weiter, arbeitete sogar noch mit der feder 
in der hand auf dem krankenbette, von dem er nie mehr auf- 
gestanden ist. 

Was für kräfte waren es, die den jungen forscher dazu 
vermochten seine gesundheit und sein leben einzusetzen, mühen 
und gefahren auf den samojedischen tundren oder in den jurten 
Sibiriens zu erdulden, krank und ermattet noch für die errei- 
chung des einmal gesteckten hauptzieles seines lebens zu 
arbeiten? Dass eine von ihnen jener in der menschenbrust 
wohnende drang nach Wahrheit gewesen ist, darf nicht bezweifelt 
werden. Aber das war es nicht allein. Er hat selbst beim 
aufbruch zu einer grossen reise in seinen vom universitäts- 
katheder an die zuhörer gerichteten abschiedsworten auf die 
frage, „w^as die macht ist, welche den menschen antreibt mit 
hintansetzung seiner eigenen vorteile für einen allgemeinen 
zweck zu wirken", mit den Worten geantwortet: „Es ist das 
gefühl für das Vaterland. Wäre dieses nicht, so würde es in 
der that kein gemeinwesen geben, und ohne gemeinwesen wäre 
keine bildung, keine menschlichkeit.'' Und indem er die hoff- 
nung ausspricht, dass auch in seinen zuhörern dasselbe vater- 
landsgefühl durch das leben hindurch wohnen möchte, fährt er 
fort: .,Es ist freudiger zu kämpfen, wenn man für einen zweck 
kämpft, in dem auch andere ihr behagen, ihr Interesse rinden. 
Man kämpft dann mit der Überzeugung, dass man nicht das 
glück und die genüsse eines ganzen lebens für leere grillen nur 
aufgeopfert hat, dass man nicht ein fruchtlos verrinnender bach, 
sondern ein tropfen in dem fluss ist, welcher ein armes, aber 
herrliches land — unser finnisches Vaterland befruchtet. Mit 
dieser Überzeugung . . . verlasse ich bald mein Vaterland, bereit 
zu leben, bereit zu sterben für dessen Zukunft." 



E. N. Setälä. 



Castren's anschauung ging also dahin, dass er, wenn er 
seinem volke durch seine wissenschaftliche arbeit ehre machte, 
wenn er durch seine forschungen über die Vergangenheit seines 
eigenen Volkes und dessen stammesverwandten der internatio- 
nellen Wissenschaft beitrage darbot, beitrage, die er am leichtesten 
erreichen und die er am besten fruchtbar machen konnte, dass 
er damit an der arbeit für die allgemeine bildung, für die 
menschheit, teilnehmen könne. Demnächst bewirkte sein na- 
tionaler ausgangspunkt, dass er — wie ein fremder beurteiler 
seiner forschung (A. N. Pypin) treffend bemerkt hat — „ein 
warmes mitgefühl diesen Völkern gegenüber hegte, die er für 
stammverwandte seines eignen Volkes ansah, ein mitgefühl, 
welches nicht so sehr von einem Stammesinstinkt, als viel- 
mehr von einem breiten allgemeinmenschlichen gefühl ein- 
gegeben wurde, und dieses trieb ihn an, den historischen und 
menschlichen wert dieser Völker zu würdigen". 

Die wissenschaftlichen und vaterländischen, die allgemein- 
menschlichen und nationalen motive waren also in seiner edlen 
anschauungsweise vereinigt. 

Wenn wir jetzt die gelehrten der heimat und des aus- 
ländes zu gemeinsamer arbeit zusammenrufen um der wissen- 
schaftlichen weit forschungsarbeit zu übergeben, deren ziel die 
aufklärung des alten geistigen besitzes der finnisch-ugrischen 
Völker auf dem boden der spräche, der Volksdichtung und stoff- 
lichen kultur ist, so gehen wir von der anschauung aus, die 
auch Castren eigen war, dass selbst nicht das kleinste Stück- 
chen menschlicher kulturentwicklung für das menschliche wissen 
wertlos sei, dass auch die finnisch-ugrische forschung etwas 
zu bieten hat, was sowohl für die eigentlichen nationalen for- 
schungszweige der verschiedenen länder,, als auch der allgemein- 
menschlichen Wissenschaft von bedeutung sein kann. Wir 
geben uns der hoffnung hin, dass diese anschauungsweise alle 
die arbeitsgenossen, die ausserhalb des finnisch-ugrischen ethno- 



Dem andenken M. A. Castren's. 



graphischen raj^ons stehen, mit den finnisch-ugrischen forschem 
x'ereinigen wird, welchen diese forschung zugleich eine natio- 
nale oder wenigstens heimische angelegenheit ist. 

Matthias Alexander Castren's geniales wesen, sein nie- 
mals mangelnder eifer, seine liebe, die er alle der Wissenschaft 
zum opfer brachte — das bild seiner ganzen persönlichkeit 
sind ein andenken," welches beim beginn einer solchen arbeit 
zwecks nacheiferung und ermunterung wachzurufen uns wohl 
angebracht erscheint. 

Helsingfors den 14 märz 1901. E. N. SetäLÄ. 




PLAN DER ZEITSCHRIFT. 



Ganz abgesehen von dem natürlichen eifer, mit dem man 
in Ungarn und bei uns der finnisch-ugrischen forschung folgt, 
hat dieser zweig der Wissenschaft allmählich in den \-erschie- 
denen ländern immer mehr, darunter bedeutende, Vertreter und 
freunde gefunden. Einzelne gebiete der finnisch-ugrischen Wis- 
senschaft sind dazu angethan auch den forscher der indo- 
europäischen sprachen und kultur zu fesseln; wir meinen be- 
sonders die berührungen zwischen den finnisch-ugrischen und 
den indoeuropäischen Völkern ; ist doch bekannt, dass die finno- 
ugrier indoeuropäisches sprachgut in älterer form beu-ahrt ha- 
ben, als es die schriftlichen quellen darbieten, und ähnliches 
hat man zum teil auch auf dem gebiet der Volkskunde aufzei- 
gen wollen. Ist auf der einen seite die methode der Sprach- 
forschung auf indoeuropäischem boden bis zu einer ausser- 
ordentlich hohen stufe der entwicklung vorgedrungen, so könnte 
es andrerseits vielleicht dem indoeuropäischen forscher besonders 
wünschenswert sein diese methode auch auf anderen Sprach- 
gebieten nach möglichkeit angewandt und kontrolliert zu sehen, 
hier auf finnisch-ugrischem, wo in dieser richtung schon ge- 
arbeitet worden ist. Die Kalevala-forschung ist geeignet licht 
über die entstehungsgeschichte des grossen griechischen epos 
zu verbreiten, und die überaus reichhaltigen finnischen und 
estnischen folkloristischen Sammlungen bieten material für wich- 



Plan der Zeitschrift. 



tige aufschlüsse auch in allgemeinmethodischer hinsieht, ganz 
abgesehen davon, dass sie inhaltlicherseits interessante Ver- 
gleichspunkte liefern und berührungen zwischen den volkslitte- 
raturen der indoeuropäer und denen anderer stamme aufweisen 
können. Die archäologische erforschung der heutigen und 
• vormaligen finnisch-ugrischen gebiete vermag die Urgeschichte 
auch der indoeuropäer und anderer Völkerstämme zu beleuchten. 
Die finnisch-ugrische ethnographie — denken wir bloss z. b. an 
die eigenartige Ornamentik dieser Völker — kann der allgemei- 
nen ethnographie beachtungswerte probleme darbieten. 

Stoff von vielseitigem interesse ist also vorhanden, einen 
eigentlichen Sammelplatz für diese Interessen aber hat man \'er- 
misst. Der finnisch-ugrischen forschung zugehörende gegen- 
stände werden an x'erschiedenen stellen behandelt, ausser in 
Ungarn und bei uns, auch in Russland, Skandinavien und im 
übrigen Europa, ja sogar in Amerika, wenn nicht über anderes, 
so ist über das Kalevala und die läppen in den verschiedensten 
Publikationen geschrieben worden. Alles aber ist, abgesehen 
\'on den Veröffentlichungen einiger wissenschaftlicher gesell- 
schaften, hier und dort verstreut, oft in Zeitschriften, ja sogar 
in tagesblättern oder russischen gouvernementszeitungen. Diese 
Veröffentlichungen sind natürlich an wissenschaftlichem wert 
sehr ungleich, aber oftmals können ja auch an durchaus be- 
scheidener stelle wertvolle materialien erscheinen. Wenn nun 
dazu noch kommt, dass der grösste teil von diesen Veröffent- 
lichungen in sprachen geschrieben ist, die nicht einmal alle 
diejenigen beherrschen, die finnisch-ugrische Studien ex professo 
treiben, geschweige alle europäischen gelehrten, so ist klar, 
dass der ausbeutung dieses materials zu wissenschaftlichen 
zwecken grosse Schwierigkeiten im wege stehen. Das wirk- 
samste mittel, um diese Schwierigkeiten zu überwinden, wäre 
ohne zweifei ein organ, welches v-ersuchte in den allgemein 
bekannten sprachen Europas den fachleuten wie den \'olks- und 



Plan der Zeitschrift. 



Sprachwissenschaftlern überhaupt ein gesammtbild von dem 
jetzigen stand und den aufgaben der finnisch-ugrischen Wissen- 
schaft sowie vom Verhältnis derselben zu anderer forschungs- 
arbeit auf dem gebiete der sprach- und Volkskunde zu geben. 
Der gedanke, ein solches organ ins leben zu rufen, ist 
nicht neu. Schon im herbst 1892 tauchte, in erster linie durch 
Brugmann's und Streitberg's Indogermanische Forschungen an- 
geregt, ein diesbezüglicher plan unter den hiesigen jüngeren 
Sprachforschern auf,' wenngleich gründe verschiedener art, die 
hier nicht der ort ist eingehender auseinanderzusetsen, bewirk- 
ten, dass die Verwirklichung desselben immer weiter hinaus- 
geschoben wurde. Das grosse Interesse, das alle die gelehrten, 
mit denen wir uns mündlich oder schriftlich über die ange- 
legenheit beraten konnten, schon damals, wie auch jetzt von 
neuem, an den tag gelegt haben, ist ein zeugnis dafür, dass der 
mangel eines organs der erwähnten art sich sehr fühlbar 
macht. Dies bezeugt weiterhin der umstand, dass ein ähnlicher 
gedanke auch anderenorts lautgeworden ist. Wir meinen den 
Vorschlag bezüglich des zustandebringens eines „Anzeigers für 
tinnisch-ugrische sprachen und Volkskunde, anthropologie, Urge- 
schichte, archäologie u. dgl. (zentralorgan für ugrologie)", den 
dr. Anton Hermann auf dem orientalistenkongress in Rom, 
herbst 1899, machte — ein Vorschlag, der jedoch unausgeführt 
geblieben ist. In Ungarn ist allerdings statt dessen im \-origen 
jähr die Zeitschrift „Keleti szemle — Revue Orientale" gegründet 
worden, aber diese ist auf „uralaltaische Studien" überhaupt abge- 
sehen und scheint sich vorläufig besonders zu einem organ für 
turkologie herausgebildet zu haben, sodass sie also nicht dem 
entspricht, was wir beabsichtigt haben. Auch das „Journal de 
la Societe Finno-ougrienne", von dem schon der 19:te band 



^ Die vorbereitende korrespondenz war bereits eingeleitet 
worden, und aus diesem anlass gelangte auch eine mitteilung über 
das vorhaben in Nj'elvtudomänyi Közlemenyek XXUI 13. 



Plan der Zeitschrift. 



erschienen ist, hat artikel von anderem als finnisch-ugrischem 
gebiet enthalten, zudem ist in demselben als Jahrbuch der 
finnisch-ugrischen gesellschaft den inneren angelegenheiten der 
gesellschaft: den Jahres- und Sitzungsberichten, den reiseberich- 
ten der Stipendiaten u. a. ein weiter räum gegeben. Dazu kommt, 
dass. beide organe artikel auch in anderen als den grossen . 
europäischen kultursprachen enthalten. Ausschliesslich in unga- 
rischer spräche erscheint wiederum „Nyelvtudomänyi Közleme- 
nyek" (bis jetzt 30 bände); hinsichtlich ihres programms ist 
diese Zeitschrift ausserdem jetzt allgemeinlinguistisch, wennschon 
die finnisch-ugrischen gegenstände die erste stelle einnehmen. 

Unter diesen umständen ist also nach unserer meinung 
dem mangel an einem Sammelplatz nur durch die gründung 
eines neuen organs abzuhelfen, und diese haben die unterzeich- 
neten ins werk zu setzen sich erkühnt in der Überzeugung, 
dass es an wissenschaftlichem ertrag nicht fehlen wird, und 
zugleich in der hoffnung, dass die regierung und die wissen- 
schaftlichen gesellschaften unsres landes wie auch gönner der 
Wissenschaft dem unternehmen die notwendige materielle Unter- 
stützung nicht versagen werden. ^ 

Die Finnisch-ugrischen forschungen haben einen 
doppelten zweck: auf der einen seite in selbständigen Original- 
artikeln die einzelnen fragen der finn-isch-ugrischen sprach- und 
Volkskunde zu behandeln, und auf der anderen seite durch 
Übersetzung, referat sowie in einem besonderen Anzeiger 
durch kritik und bibliographie ein gesammtbild von dem gegen- 
wärtigen stand der finnisch-ugrischen sprach- und Volkskunde, 
ihren problemen und ergebnissen zu bieten. Als spräche der 
artikel wird in erster linie das deutsche verwandt, doch sind 
auch alle auf den Orientalistenkongressen anerkannten sprachen 



^ Es sei erwähnt, dass ein ungenannter gönner im vorigen jalir 
der Finnisch-ugrischen gesellschaft 6,172 Fmk 80 p. als fond schenkte, 
von dem die zinsen für eine solche Zeitschrift verwandt werden sollen. 



lO Plan der Zeitschrift. 



(auch französisch, englisch, italienisch und lateinisch) gestattet. 
Als Originalartikel sollen in der regel nur solche aufzätze auf- 
genommen werden, die einen wissenschaftlichen fortschritt hin- 
sichtlich ihrer ergebnisse oder ihrer methode enthalten, oder 
auch solche, die vorher nicht behandelte epochen der geschichte 
der forschung darstellen; zugleich ist jedoch beabsichtigt klei- 
neren aufsätzen räum zu gewähren, die beobachtungen, etymo- 
logische und andere beitrage enthalten, und wegen ihres gerin- 
gen umfangs nicht als selbständige werke erscheinen können. 
In erster linie ist unsere Zeitschrift für aufsätze gedacht, die 
erforschen, wie die formen entstanden sind oder auf welchem 
wege man zu ihnen zu gelangen hat, also für die geschichte 
und methodik. Dagegen sind alle reinen materialsammlun- 
gen jeglicher art ausgeschlossen, da für deren Veröffentli- 
chung anderen orts genügend gelegenheit geboten ist. 

Wir wollen keiner besondern schule oder richtung dienen, 
sondern sind bereit jeden artikel anzunehmen, der ernste me- 
thodische grundsätze und ern.stes, unvoreingenommes streben 
nach dem wissenschaftlichen Verständnis des zu behandelnden 
gegenständes verrät. Auch versagen wir nicht artikeln den 
räum, die vom Standpunkt der redaktion abweichen, noch 
wollen wir wissenschaftliche diskussion verhindern, hoffen viel- 
mehr dazu ermuntern zu können, aber einer rein persönlichen 
polemik werden wir in unserer Zeitschrift keinen platz gewähren. 

Unter den fragen, deren behandlung wir besonders in 
unserer Zeitschrift erhoffen, wollen wir hervorheben: 

1. Finnisch-ugrische Sprachgeschichte, sowohl allgemeine 
wie einzelsprachliche. 

2. Phonetik und transskription der tinnisch-ugrischen 
sprachen. 

3. Fragen nach den gegenseitigen beziehungen der fin- 
nisch-ugrischen sprachen unter einander. 

4. Fragen nach den beziehungen der finnisch-ugrischen 



Plan der Zeitschrift. 1 1 



sprachen zu den sog. ural-altaischen sprachen sowie den berüh- 
rungen mit diesen. Wir stellen uns in dieser hinsieht auf den 
unvoreingenommenen Standpunkt, dass wir die Urverwandt- 
schaft für noch nicht wissenschaftlich bewiesen betrachten. 
Aufsätze, welche türkische, samojedische, mongolische oder 
mandschu-tungusische sprachen oder Völker ohne rücksicht auf 
die finnisch-ugrischen behandeln, können wir im einklang mit 
dem plan der Zeitschrift nicht aufnehmen. 

5. Fragen nach den beziehungen und berührungen der 
finnisch-ugrischen sprachen mit den indoeuropäischen (älteste 
beziehungen, arische, baltische, germanische und slavische be- 
ziehungen). Auf diesem gebiet existieren bereits ausgezeichnete 
werke — erwähnt zu werden brauchen bloss Vilh. Thomsen's 
geniale und umfassende forschungen, die von jüngeren forschem 
fortgesetzt worden sind. Diesen äusserst interessanten forschun- 
gen gedenken wir besondere beachtung zu schenken und nach 
möglichkeit neue beitrage zu veröffentlichen suchen. 

6. Allgemeinsprachwissenschaftliche (sprachphilosophische 
und phonetische) fragen durch beispiele und belege aus den 
finnisch-ugrischen sprachen beleuchtet oder durch diese angeregt. 

7. Urgeschichte und alte kultur der finnisch-ugrischen 
Völker auf grund der linguistik als hilfswissenschaft. Dieses 
gebiet der forschung ist auf finnisch-ugrischem boden sehr alt, 
denn schon im XVIII. Jahrhundert hat der gründer der finnischen 
Philologie Henrik Gabriel Porthan mit sprachlichen mittein 
ein bild von der alten kultur der finnen zu schaffen versucht. 
Später hat bei uns Aug. Ahlqvist denselben gedanken aufge- 
nommen und zu verwirklichen versucht. Da die etymologische 
forschung immer weitere fortschritte macht, ist die auffassung 
von diesen gegenständen fortwährend dem wandel unterworfen 
und in der entwicklung begriffen. 

8. Religion und mythologie der finnisch-ugrischen Völker 
von sowohl sprachlicher als folkloristischer seite beleuchtet. 



I 2 Plan der Zeitschrift. 



9. Erforschung der finnisch-ugrischen v^olksdichtung : der 
epischen, lyrischen und magischen lieder nebst ihren melr)dien, 
der märchen und sagen, der Sprichwörter, rätsei u. dgl. Fra- 
gen nach dem Ursprung und der urform, nach der geographi- 
schen Verbreitung und historischen entwicklung, nach den gegen- 
seitigen beziehungen der volkspoesie der finnisch-ugrischen 
Völker sammt den diesbezüglichen berührungen mit den indo- 
europäischen und anderen Völkern. Die grösste aufmerksamkeit 
wollen wir richten auf die entstehung und allmähliche Ver- 
schmelzung der bestandtteile des Kalevala-epos. 

10. Erkenntnis der gebrauche und sitten der finnisch- 
ugrischen Völker durch vergleichende forschung. 

1 1 . Allgemeine methodik der Volkskunde auf grund von 
beispielen und belegen von finnisch-ugrischer seite, mit beson- 
derer beachtung der methode Julius Krohn's. 

12. Die stoffliche ethnographie der finnisch-ugrischen Völ- 
ker mit dem bestreben die typologische entwicklung und den 
Ursprung der formen zu erklären. 

13. Die archäologische forschung über die ehemaligen 
Wohnsitze, Wanderungen und ursprüngliche kultur der finnisch- 
ugrischen Völker wie auch über die berührungen^ derselben 
mit den kulturen anderer Völker, 

14. Die anthropologische erforschung der finnisch-ugri- 
schen Völker in ihrer beziehung zur ethnographie und archäologie. 

15. Geschichte der finnisch-ugrischen forschung. 

16. Pläne und programme für neue forschungsarbeiten 
auf finnisch-ugrischem gebiet. 

Da es auf finnisch-ugrischem forschungsgebiete fast \'oll- 
ständig an wissenschaftlicher kritik gefehlt hat, versuchen wir 
besondere aufmerksamkeit dem zuzuwenden, dass alle selbstän- 
dig erschienenen werke von wissenschaftlichem wert — soweit 
wie möglich — in dem Anzeiger beurteilt werden, sowohl hin- 
sichtlich ihrer ergebnisse wie besonders hinsichtlich der me- 



Plan der Zeitschrift. 13 



thode, die in unserem fach oft durchaus mangelhaft gewe- 
sen ist. 

Eine ebenso wichtige, wenn nicht noch wichtigere stelle 
ist in dieser Zeitschrift für die bibliographie in aussieht genom- 
men, welche besonders einen überblick über die litteratur der 
finnisch-ugrischen sprach- und Volkskunde zu geben hätte. Man 
hat schon früher in den ersten bänden des „Journal de la So- 
ciete Finno-ougrienne" den anfang gemacht finnisch-ugrische 
bibliographien zustandezubringen, welche jedoch später ganz 
und gar aufgehört haben. In der bekannten „Orientalischen 
Bibliographie" L. Scherman's werden allerdings die meisten 
wichtigeren erscheinungen auch auf dem finnisch-ugrischen ge- 
biete aufgezählt, um von den kleineren bibliographischen arti- 
keln in den ungarischen Zeitschriften „Nyelvtudomänyi Közle- 
menyek" und ,, Magyar Nyelvör" nicht zu reden. Aber kein 
versuch ist noch gemacht worden durch zusammenwirken meh- 
rerer fachleute dabei eine relative Vollständigkeit zu erreichen 
und zugleich auch den Inhalt der verschiedenen erscheinungen zu 
berichten. — Wir glauben am besten den bedürfnissen der leser 
in der weise nachzukommen, dass wir immer die jährliche 
bibliographie zusammenfassen um sie nicht zu sehr zu zersplit- 
tern. Dieselbe soll so eingerichtet werden, dass sie kurze Inhalts- 
angaben der in der zeitschriftenlitteratur erschienenen aufsätze ent- 
hält, nicht aber berichte über für sich erschienene werke, die nach 
möglichkeit in der kritischen abteilung behandelt werden sollen. 
Nähere mitteilungen über die in der bibliographie zu befolgenden 
Prinzipien werden an den anfang der bibliographischen abteilung 
des Anzeigers zu stehen kommen. Ausserdem soll der Anzeiger 
kleinere mitteilungen, nachrichten von den Universitätsstudien auf 
finnisch-ugrischem gebiet, von vortragen, die in Versammlungen 
wissenschaftlicher vereine gehalten worden, und wichtigeren \"or- 
schlägen in denselben, forschungsreisen und expeditionen, per- 
sonalnotizen u. s. w. enthaken. 



14 Plan der Zeitschrift. 



Die Zeitschrift ersciieint vorläufig in zwangloser folge ; der 
Anzeiger folgt besonders paginiert mit den heften. Drei hefte, 
mit Anzeiger zusammen 20 — 24 bogen, bilden einen band, 
dessen preis 10 Fmk (= 10 Frcs := 8 Rm) ist. 

In der redaktionsarbeit unterstützen uns beständig mag. 
phil. Alfr. Hackman, der die archäologische seite vertritt, und 
dozent dr. phil. Yrjö Wichmann, sowie dr. phil. Gustav Schmidt, 
welcher besonders über dem deutschsprachlichen gewand der 
Zeitschrift wachen \\'ird, und der uns auch als Übersetzer gute 
dienste geleistet hat. In Ungarn hat prof. J. Szinnyei der re- 
daktion mit ausserordentlicher liehenswürdigkeit in allen Ungarn 
betreffenden angelegenheiten beigestanden. 

Die übrigen mitarbeiter werden wir am Schlüsse des ersten 
bandes aufführen; an alle fachgenossen haben wir uns noch 
nicht wenden w'ollen, bevor wir in diesem probeheft mit eini- 
ger Vollständigkeit unser programm haben entwickeln können. 
Dieses programm übergeben \\ir hiermit der beurteilung und 
bitten zugleich um bemerkungen und \\ inke über dasselbe, die 
wir nach möglichkeit aufnehmen wollen. 

Wir können die Schwierigkeit der aufgäbe und die Un- 
möglichkeit, unser unternehmen ohne geistige Unterstützung 
von den verschiedenen Seiten durchzuführen, vollauf bemessen. 
Die freundschaft, mit welcher die redaktion bei der besorgung 
dieses probehefts unterstützt worden ist, und für die wir unse- 
ren aufrichtigsten dank aussprechen, giebt uns den anlass zu 
dem sicheren vertrauen, dass es an dieser Unterstützung auch 
in der zukunft nicht fehlen wird, und somit wollen wir auch 
nicht daran zweifeln, dass die erforderliche materielle Unter- 
stützung erzielt wird. 

E. N. Setälä, Kaarle Krohn. 

verantwortlicher redakteur 
der -Finnisch-ugrischen Forschungen . 



über transskription der finnisch-ugrischen sprachen. 

Historik und vorschlage. 



Wenn jetzt ein neues organ für finnisch-ugrische forschun- 
gen in die w^elt tritt, ein organ, das nach möglichkeit darnach 
strebt ein zentralorgan auf diesem gebiet zu sein, so gehört zu 
den ersten gegenständen, welche in diskussion zu nehmen sind, 
die frage nach der aufstellung eines gemeinsamen transskrip- 
tionssystems für die wissenschaftliche fixierung der finnisch- 
ugrischen sprachen. Dass ein solches System zustande kom- 
men m()chte, über das sich nicht nur alle forscher nach mög- 
lichkeit einigen könnten, sondern das auch genügend lebens- 
kräftig wäre um für künftige zwecke weiter entwickelt zu wer- 
den, in diesem wünsche dürften wohl alle übereinstimmen, doch 
liegt die befürchtung nahe, dass die Übereinstimmung aufhört, 
sobald zur frage geschritten wird, wie nun der beklagenswerte 
Wirrwarr zu beseiügen und eine einigung zu erzielen sei. 

Bezüglich des letzteren ziels wäre natürlich allererstens zu 
wünschen, dass man sich so weit wie möglich auf bisher an- 
gewandte bewährte transskriptionsweisen stützte. Ein geachte- 
ter fachgenosse ^ ist sogar bis zur aufstellung des grundsatzes 
gegangen : der erforscher eines lebenden dialekts solle im allge- 
meinen der transskriptionsweise seines Vorgängers folgen, wenn 
sich nämlich diese befriedigend genau erweise; nur in der be- 
zeichnung solcher laute, die in den von diesem erforschten 
dialekten nicht anzutreffen sind, habe der nachfolger freie hand. 
Derselbe gelehrte ist im allgemeinen der meinung, die Verant- 
wortung für die grosse buntscheckigkeit, in die man in der 
transskription geraten ist, treffe uns finnen, die wir nicht genug 
bei alten Schreibweisen geblieben seien. 



1 M. SziLASi, XyK XXVI 494, bei besprechung der »Wotja- 
kischen sprachproben» von Yrjö Wichmaxn. 



i6 E. N. Setälä. 

Es ist nicht zu leugnen, dass es in einer solchen ange- 
legenheit wie der transskription die pflicht des einzelnen for- 
schers ist etwas von seinen wünschen zu opfern, trotzdem 
aber kann ich mich nicht unbedingt dem grundsatz anschlies- 
sen, dass der frühere gebrauch allein zu entscheiden habe. 
Nach meiner ansieht hat eine entscheidende bedeutung auch 
der obenangedeutete gesichtspunkt, dass man nicht nur ein 
gemeinsames, sondern zugleich ein solches transskriptionssystem 
zu schaffen suchen müsse, welches gemäss seiner eigenen 
Prinzipien weiter entwickelt werden könnte, um neu auftauchen- 
den bedürfnissen gerecht zu werden. 

Um uns darüber klar werden zu können, in welchem 
masse die bisher angewandten transskriptionssj'steme die zu- 
letzt gestellte forderung erfüllen, dürfte es angebracht sein einen 
blick auf die verschiedenen transskriptionsweisen zu werfen, die 
bis dahin zur bezeichnung der finnisch-ugrischen sprachen ver- 
wandt worden sind, ehe wir uns dem Vortrag der eigentlichen 
vorschlage zuwenden. 



Historik. 



In den ältesten versuchen den lautbestand der finnisch- 
ugrischen sprachen darzustellen hat man sich im allgemeinen 
mit den hilfsmitteln begnügt, die das gewöhnliche lateinische, 
oder wenn man russische buchstaben verwandte, dieses noch 
reichere russische aiphabet bot, obschon man merkte, dass diese 
alphabete als solche zur bezeichnung der laute jener sprachen 
doch nicht ausreichten noch sich mit ihren lautwerten deckten. 
Ich lasse natürlich hier die geschichte der für den praktischen 
bedarf in den \-erschiedenen finnisch-ugrischen sprachen ge- 
bildeten Orthographien bei seite und berühre nur die schreib- 
\veisen, die in wissenschaftlicher absieht angewandt worden 
sind. Weiter glaube ich die Schreibweisen der ältesten forscher 
wie Sajxovics, Porthax, Gyarmathi aus dem spiele lassen zu 
dürfen, da sie überhaupt keine präzise bezeichnung der \-er- 
schiedenen laute beabsichtigt haben. 



über transskription der finnisch-ugrischen sprachen. 17 

In der hauptsache auf dem Standpunkt dieser alten for- 
scher verharrte noch der tinne Andreas Jomaxx Sjögren in 
seinen ältesten Schriften. Auch er verwandte zur bezeichnung 
der syrjänischen ^ oder auch der wotischen ^ laute bloss das 
lateinische aiphabet; er gebraucht digraphen zur bezeichnung 
eines lautes (z. b. seh :^russ. m, ss = s, ch = x^) und einen 
buchstaben zur bezeichnung zweier neben einander stehender 
konsonantischer laute (z := f-\- s, russ. u); ein und derselbe 
buchstabe kann verschiedene laute bezeichnen, z. b. s = stimm- 
loses und stimmhaftes s (s und z). Erwähnt sei noch, dass er 
russ. 1.1 durch // wiedergab. Wo er davon spricht, dass A. 
Flerov in seiner 1813 in russischer spräche veröffentlichten 
syrjänischen grammatik zur bezeichnung syrjänischer laute das 
um die zeichen j und ö vermehrte russische aiphabet verwandt 
hatte, meint Sjögren, dass man „\-on rechtswegen" noch weiter 
gehen ..und nach dem Beispiele orientalischer Sprachen auch 
noch für ds (ds), dsli idow), dseh {diu) und dtsch (du) besondere 
neue Buchstaben einfijhren müsste, zumal da sich Wfirter damit 
anfangen, sie auch als ganz einfache Laute ausgesprochen wer- 
den, die Sprache obendrein, gleich der finnischen, mehrere 
Konsonanten neben einander nicht liebt", hat dies jedoch nicht 
verwirklicht. 

Der mann, der durch Verwendung von hilfsbuchstaben 
und nebenzeichen den ersten grund zu einer transskription 
auf dem finnisch-ugrischen Sprachgebiet gelegt hat, ist der däne 
Rasmus Rask in seinem ausgezeichneten werke „Raesonneret 
lappisk Sproglsere" (1832) nebst berichtigungen und nachtragen, 
bei welch letzteren er gelegenheit hatte beobachtungen über 
die ausspräche an einem geborenen läppen zu machen. Rask 
komplettierte das lateinische aiphabet durch folgende konso- 



1 Ueber den grammatischen Bau der Sürjänischen Sprache 
mit Rücksicht auf die Finnische. Mem. de l'Acad. Imp. des 
Sciences ä St. Petersbourg, VI Ser. T. I 149 (183OJ. 

'•^ Über die finnische Bevölkerung des St. Petersburgischen 
Gouvernements u. s. \v. Mem. de l'Acad. Imp. des Sc. VI Ser. 
T. II 150 fif (1833) = Gesammelte Schritten I 563 ft'. 

■* Der kürze wegen anticipier eich bei den erklärungen das 
später vorzuschlagende transkriptionssystem. 



E. N. Setälä. 



sonantenzeichen: d = d (^ d' in Leem's grammatik \on 1748); 
t =z ^ (= t' bei Leem) ; ^ = y (= g' bei Leem) ; g für den 
„gutturalnasal", für den er jedoch schon in den nachtragen 
T] einsetzt (wobei er sagt, dass der laut auf diese weise richti- 
ger bezeichnet sei, da er zu den „fliessenden buchstaben", nicht 
in erster reihe zu den ,.gaumenbuchstaben" gehöre); 3 = „hartes 
ds, ital. z, maltesisch und altdeutsch 3". Weiter war z (bei Leem 
s) zur bezeichnung des stimmhaften s und c für fs zu gebrauchen. 
Er erinnerte daran, dass im lappischen noch Zischlaute („hvis- 
lelyde") existierten, die man im slavischen und lettischen und 
anderen sprachen mit s, z, c, g ^ wiedergebe, hat aber in die- 
sem werke ihre anwendung noch nicht empfohlen; da es in 
den meisten druckereien Schwierigkeiten verursachen und zu- 
gleich weit mehr von der Schreibweise seiner Vorgänger ab- 
weichen würde, wage er sie nicht einzuführen, er schrieb da- 
für sh, zh, ch, 5h; ch wird jedoch auch für x gebraucht, 
welches allerdings — „entsprechend d, t — k mit strich darüber 
geschrieben werden müsste". — Rask's vokalzeichen (Rettelser 
og tillseg s. 259) waren: a, ä, a („drei offene grundlaute''), ä 
(umlaut des a, „neigt ein wenig nach aj hin, bleibt jedoch 
stets eine art a-laut", z. b. in sädne 'wort'), a („unter- 
scheidet sich mehr von reinem a", z. b. jakke "jähr"), a 
(„dunkles a, nach ä hinneigend"), £e (umlaut des x: ^edne 
'mutter': illat. sednaj, e („nähert sich etwas mehr e'". z. b. 
6ni 'er hatte' ^ anam, 'ich habe'), ä (umlaut des vorherg.), 
e umlaut des e (näher nach i hin), o, ö (zweiter komponent des 
diftongs uö). Durch das zeichen wird ' der Vorschlag in diphthon- 
gen angedeutet: ä, 'ä, ö, 'ö, e (;=?«, oä, vo, uö, iß), von 
isl. e ausgehend; „wenn e so lang wird, dass Leem iee oder 
jee schreibt", schlägt Rask die Schreibweise h vor, „welches das 
böhmische zeichen für denselben laut ist" (z. b. mtl;kke "schwert" 
0: miekke); und dieses zeichen hat das mitgebracht (z. b. 
chöpam 'ich haue" o: cuopam). — Die vokallänge war „in 
Übereinstimmung mit dem ungarischen, böhmischen und vie- 
len anderen sprachen" durch den akut zu bezeichnen (ä u. s. w.). 



^ Die form des hakens über dem buchstaben ist eine etwas ab- 
weichende ('ähnlich); diese typen besitzt unsere druckerei jedoch 
nicht. 



über transskription der finnisch-ugrischen sprachen. l9 

Ich habe Rask's transskription so ausführlich vorgeführt 
einmal, weil sie den ersten versuch darstellt und zugleich zeigt, 
auf welchem wege man zu den neuen zeichen gelangt war, 
dann aber, weil viele von den bezeichnungen sich bis auf unsere 
tage erhalten haben, zum teil in der allgemeinen Orthographie 
des schriftlappischen, zum teil in wissenschaftlichen transskrip- 
tionsweisen. Wir sehen, dass Rask seine hilfsbuchstaben vor- 
züglich durch entlehnung aus anderen alphabeten erhielt; solche 
sind: altdeutsch j und 3, slav.-balt. (s), z, (z), c, (c), ö; griech. 
£, ; r{ (das letztere jedoch eher direkt aus n geformt); dän., 
schvved., bezw. deutsch ä, ^e, ä, ö; dem isl. ö wurde d nachgebildet; 
als isländisch bezeichnet er auch e; endlich sind zu den lehn- 
zeichen noch zu rechnen ä und ä. Weiter nötige buchstaben 
erhielt man analog durch Verwendung der nebenzeichen, welche 
in diesen lehnbuchstaben auftreten, wie (3), ö, t, se, *', e; ebenso 
ä, 5 nach dem isl. e. Die quantitätsbezeichnung war, wie er- 
wähnt, auch nach dem beispiel des ungarischen und czechischen 
u. a. gegeben'. Dagegen vermied Rask den gebrauch neuer 
zeichen und nebenzeichen. 

Von Rask's zeichen sind in das norw'egisch-lappische allge- 
meine aiphabet aufgenommen d, t, e, 3, t] und dazu sogar 
die zeichen, die Rask noch nicht anzuwenden „gewagt" hatte; 
s, e, 3; nach dem muster von d und t ist ferner g gebildet 
worden. Diese neuerungen führte nämlich N. V. Stockfleth 
praktisch ein, welcher 1835 „ein blatt mit lappischen buchstaben 
und einige lappische lesestücke (antiquaj in Kristiania drucken 
Hess'' 2, und der sie auch in seine lappische grammatik (1840) 
aufnahm. Stockfleth, der den oben erwähnten geborenen läp- 
pen für Rask nach Kopenhagen gebracht und sich daselbst mit 
diesem läppen und in fortwährendem verkehr mit Rask fünf 



^ Diese Schreibweise wollte Rask auch für das finnische ein- 
geführt \\nssen; besonders forderte er den lexikographen Gustav 
Renvall auf, sich ihrer zu bedienen, wie man aus Renvall's briefen 
an Rask schliessen kann, veröffentlicht in Suomi II i 223 ff., 
siehe besonders s. 226, 228, 233. 

'^ S. QviGSTAD und WiKLUXD, Bibliographie der lappischen 
litteratur 82 N. 15; Stockfleth. Dagbog over mine Missionsreiser 
i Finmarken 108. 



E. N. Setälä. 



monate aufgehalten hatte, setzte diesen \-erkehr schriftlich weiter 
fort; wie aus diesem briefwechseP hervorgeht, hat er sich mit 
Rask über alle fragen der lappischen Orthographie beraten, 
und demnach ist Rask als der eigentliche Urheber der gan- 
zen neuerung in der Orthographie des norw. -lappischen an- 
zusehen. — In wissenschaftlichen finnisch-ugrischen werken hat 
man von Rask's zeichen (mit teilweisen kleinen formverände- 
rungen) zum teil fest, zum teil hier und da von neuem s, z, 
z, c, c, 5, % V[, d, t, in das lappische betreffenden werken sogar 
noch ä, e in anwendung gebracht. 

Von den folgenden werken enthalten H. C. v. d. G.\be- 
LENTz' „Versuch einer mordwinischen Grammatik" (1839) und 
„Grundzüge der syrjänischen Grammatik" (1841) keine fort- 
schritte in der transskription, sondern eher das gegenteil (er- 
wähnt sei jedoch y = russ. bi); er schrieb z. b. ch =■ /, seh = s, 
sJi = z, f^ = russ. u, fscli = russ. i, dsh = dz. Eines 
besseren transskriptionss3'Stems als Gabelentz bediente sich, in 
der hauptsache an Rask anschliessend, M. A. Castren. Seine 
erste dissertation „De affinitate declinationum in lingua Fennica, 
Esthonica et Lapponica" (1839) kann allerdings hier nicht eigent- 
lich in betracht gezogen werden, da er wegen mangels an t^'pen 
auf eine einfachere transskription angewiesen war (erwähnt sei, 
dass er isl. 8 und {) = Rask's d und t, und fraktura g für spi- 
rantisches g gebraucht). In seinen das syrjänische und tschere- 
missische betreffenden werken („De nominum declinatione in 
lingua Syrjaena", 1844, „Elementa grammatices Syrjaenae". 1844, 
und „Elementa grammatices Tscheremissae", 1845) hat er sich 
Rask's Schreibweisen angeschlossen, soweit es die typographi- 
schen Verhältnisse möglich machten (z, z\ s\ c, c'; jedoch nicht 
3 und g, sondern dz, dz', wie auch ds, ds' de'); für i] steht 
bloss n, ng (z. b. Icänyez' "aestas'), vermutlich, weil die type 
fehlte, ebenso wird von intervokalischen tscher. b, d, g ge- 
sagt, dass sie „ut aspiratce [d. h. Spiranten] enuntiantur", ohne 
dass sie besonders bezeichnet wären. Als neues zeichen tritt 



^ Stockfleth's briefe an Rask (aus den jähren 1825 — 32) 
werden in der Universitätsbibliothek in Kopenhagen aufbewahrt, wo 
der unterzeichnete sie sich hat kopieren lassen. 



über transskription der finnisch-ugrischen sprachen. 21 



an die stelle des in der S3'rjänischen grammatik verwandten ch 
in der tscheremissischen grammatik x (= russ. x). In Castren's 
1845 erschienener schrift „Vom Einfluss des Accents in der 
lappischen Sprache", ist im allgemeinen die gleiche Schreibweise 
beobachtet; jedoch sind hier z = Rask's 3, / = 5, und d\ f, g' 
z=z (t, t, g, vermutlich aus typographischen rücksichten; als 
neues zeichen begegnet ii =■ t). 

F. J. Wiedemann's erste v\'erke auf linnisch-ugrischem ge- 
biete („Versuch einer Grammatik der tscheremissischen Sprache", 
1847, „Versuch einer Grammatik der syrjänischen Sprache", 1847) 
stehen, was die transskription anbelangt, ungefähr auf demselben 
Standpunkt wie die v. d. GABELENTz'schen (z. b. ch, seh, sh, 
tsch, dsh, schtsch). Ebenso ist es in der hauptsache in seiner 
„Grammatik der wotjakischen Sprache" (1851), in der eigentüm- 
licherweise als transskriptionsmaterial fraktur benutzt ist; als 
zeichen, die nicht in den letztgenannten werken Wiedemann's 
auftreten, erscheinen hier n und 0. — So wenig gutes man 
auch von Wiedemann's transskription in diesen werken sagen 
kann, so zeigt sich in ihnen doch eine wichtige Verbesserung: 
die mouillierung, die vorher bloss durch ein dem konsonanten 
nachgesetztes j angedeutet war, erhielt das zeichen ' (z. b. tscher. 
shol'a). Sjögren, der Rask und Castren folgend begonnen 
hatte eine bessere transskriptionsweise zu beobachten, ver- 
wandte statt dessen in seinen estnischen und livischen sprach- 
proben (in seiner schrift „Zur Ethnographie Livlands", 1849 1) 
als zeichen der mouillierung den gravis ' über dem buchstaben. 

Inzwischen war ein versuch in einer anderen richtung 
gemacht worden : die finnisch-ugrischen sprachen mit russischen 
und aus russischen geformten buchstaben zu transskribieren. 
Mit russischen und altrussischen buchstaben hatte man schon 
früher finnisch-ugrische sprachen geschrieben, teils in besonde- 
ren grammatikalischen versuchen, teils in den Übersetzungen 
der evangelien und anderer religiöser bücher. Der bereits er- 



' Melanges russes I 160 (s. bes. 173 — 174) zrz Bulletin 
hist.-phil. T. VII, nr. i — 5. Von seinen zeichen seien erwähnt 
z, s", z', c wie bei R4SK und Castren, e = geschlossenes franz. 
e, cC :=: breites ä, für rj findet sich ein besonderes zeichen, wel- 
ches )i ähnelt. Das zeichen für vokallänge war '. 



22 E. N. Setälä. 



wähnte A^erfasser einer syrjänischen grammatik Flerov («I'.iepoB'b, 
iSupaHCKaa rpaMMaxHKa, 1813) hatte das russische aiphabet um 
einige hiifsbuchstaben vermehrt: ö, j, und 4 (wie h, aber 
„sehr hart und durch die zahne"), wobei Sjögren die oben 
mitgeteilte bemerkung machte (in seiner schrift „lieber den 
grammatischen Bau der Sürj. Sprache" '), dass noch mehrere 
buchstabenzeichen nötig seien. Sjögren verwirklichte diesen 
plan in seiner „Ossetischen Sprachlehre" (1844), wo ein ganzes 
aus dem russischen aiphabet hergestelltes transskriptionssystem 
erscheint. Dieses System ist infolge besonderer umstände, wor- 
über gleich mehr, in der hauptsache in Castren's „Versuch einer 
ostjakischen Sprachlehre" (erste autlage 1849, I:er teil seiner 
„Nordischen Reisen und Forschungen") gebraucht. Zu den 
vokalen des russischen alphabets kamen hier hinzu y und ö so- 
wie zu den konsonantenzeichen j nebst den Verbindungen von 
j; -f- 3 (=: 3) und ji, ^ m (== 5), der laut tj wurde durch Um- 
formung von H bezeichnet. Das aus t und einem für h er- 
fundenen zeichen geformte bild, das Sjögren, soviel aus seiner 
beschreibung (Oss. Sprachl. 16) hervorgeht, zur bezeichnung 
der aspirata verwandte, war hier zur wiedergäbe der eigentüm- 
lichen ostjakischen lateralexplosiva (= t -f stimmloses l; od. nur 
stimmloses 1?), und das analog aus jx geformte neue zeichen 
zur wiedergäbe des entsprechenden stimmhaften lautkomplexes 
gebraucht. Die mouillierung der konsonanten wurde durch 
einen gravis über den konsonantenzeichen angedeutet, z. b. 
T, k u. s. w. ; die länge der vokale wurde durch einen über 
den vokal gesetzten strich bezeichnet, z. b. ä, e u. s. w. — 
Dieser hiifsbuchstaben (j, ö, der Verbindungen von ä + 3 und 
;i, -|- m) bedienen sich auch P. Savvaitov 2 und N. Rogov 3 in 
ihren das syrjänische betreffenden werken; haben sie doch 
nach demselben prinzip noch neue buchstaben gebildet: \-er- 
bindungen v'on ä mit ^, und t mit n (Savvaitov), sowie 'i mit 



' Sieh oben s. 17. 

■^ ]"paMMaTiiKa aupaiiCKaio iiai.iKa, 1850; 3bip;iHCK0-i)yccKiii ir pyccKO- E 
3bip>incKiii cioBapb, 1850. 

■' OnuTt ipa.MMaTiiKii nep.MauKaro iiauKa, 1860: IlepMüHKO-pyccKiii 11 
pyccKO-nepMnuKiii cjiOBapb. 1869 



über transskription der finnisch-ugrischen sprachen. 23 

tu (RoGov). Die erwähnten Verbindungen aus a -f- 3 und ji -\- jk 
xerwendet auch C. S. Lytkin 1, welcher die mouillierung ebenso 
wie Sjögren und Castrex bezeichnet, während sie Savvaitov 
und RoGov bloss mit j wiedergeben. 

Bleibende bedeutung haben diese versuche mit dem rus- 
sischen aiphabet für die transskription finnisch-ugrischer sprachen 
in der Wissenschaft nicht gehabt, denn die Verwendung desselben 
beschränkt sich auf nur sehr wenige russisch verfasste werke 2. 
l'brigens ist zu bemerken, dass die Verwendung der russischen 
transskription \-on Castrex selbst weder beabsichtigt noch ange- 
ordnet war. Castren hatte nämlich in seinem manuskript das um- 
geformte lateinische aiphabet gebraucht, welches der setzer für 
den druck in das obengenannte von Sjögren umsetzen musste, 
da die enste ausgäbe der ostjakischen Sprachlehre Castren's mit 
einer solchen eile besorgt wurde, dass man nicht mehr die zuerst 
in der nach seinem tode erschienenen samojedischen Sprachlehre 
(1854i angewandten schriftzeichen herbeischaffen konnte ^. Die- 
ser letzterwähnten transskriptionsweise, die A. Schiefner auch 
in der zweiten aufläge von Castren's ostjakischer Sprachlehre 
(1858) durchführte, eigentümlich war besonders die bezeichnung 
der mouillierung durch virgulierung des buchstabens (nach dem 
Vorbild des lettischen), wogegen s = s, z =: i, c = c und 3 = 3 
waren; für die ostjakischen „lateralexplosivae'' waren besondere 



' 3bipflHCKin Kpaii, 1889. 

- Weske hat es verwandt in seinem werke ^HscjitjioBaHia 
liapli'iiHX'b 'lepeMiiccKaro asbiKa > (»Untersuchungen über die dialekte 
des tscheremissischen») (HcBicTin OßiuecTBa Apxeojorin, HcTopiii 11 
9THorpa(|)iii VII, 1889) und in >CjiaBHHo-t|)iiHCKiji Ky.ibTypmja OTHoiueniH 
uo ^laHHUMt asbiKa» (»Slavisch-linnische kulturelle beziehungen auf 
grund sprachlicher thatsachen», ibid. VIII, 1890); er hat zu den 
russischen l^uchstaben hinzugefügt jj = est. ö, Ü, y (zwischen u 
und 01; u, '•' gebraucht auch Troickij in seinem HepeiiuecKO- 
pycciciii c.iOBapb, 1895, und für tj hat er eine Verbindung aus H und 
r, welche auch in den schritten der russischen mission auf die 
empfehlung von Nikolai Il'minskij (siehe ß^-b nepeniicKii iio Bonjiocy 
(I npiurfeiieuiH pyccKaro ajii|)aBHTa ku iiHOi)o;i,'iecKHMT, acbiKaMb, 1889, s. 
1 3 j vorkommt. 

•' A'orwort von A. Schiefner zu dem »Versuch einer ost- 
jakischen Sprachlehre», zweite verbesserte aufläge, 1858. 



24 E. N. Setälä. 

zeichen erfunden (i, d), und das zeichen für den „guttural"- 
nasal war T|. In seiner 1850 erschienenen abhandlung „De affixis 
personalibus linguarum Altaicarum" hatte Castrex als zeichen 
der mouillierung den nach vorn deutenden akut ' hinter dem 
konsonanten gebraucht — soviel ich weiss zum ersten mal 
auf finnisch-ugrischem gebiet — und diese Schreibweise hat 
sich, abgesehen von dem bisweilen auftretenden gebrauch des 
', der nur durch typographische gründe bedingt ist, und Castren's 
eigenem \-ersuch virgulierte zeichen zu gebrauchen, dauernd 
behauptet. 

Übrigens ist in den in den fünfzigerjahren des 19:ten 
Jahrhunderts, wohin wir mit dem vorhergehenden gelangt sind, 
erschienenen werken verhältnismässig wenig bemerkenswertes in 
der transskription zu finden. Erwähnt sei, dass Löxxrot in sei- 
ner Schrift „Über den Enarelappischen Dialekt" (1854) den gravis 
zur darstellung \"on zwischenvokalen vorschlägt (z. b. ii = \okal 
zwischen a und «, r = ein solcher zwischen c und /, b = ein 
solcher zwischen o und u; sie sind jedoch nicht in der praxis 
durchgeführt); ebenso sei erwähnt, dass er ein ül -- russ. h, 
und e := „ein geschlossenes e, dem ein nebenlaut \on o folgt", 
hat; die länge der vokale wurde durch doppelschreibung be- 
zeichnet. Ferner ist zu bemerken, dass man bei Löxxrot und 
ebenso bei Ahlovist spuren von einer art normalisierungsbe- 
streben beobachten kann, das heisst: aus theoretischen gründen 
werden die laute nicht so bezeichnet, wie sie klingen, sondern, 
wie sie die forscher für ursprünglichei- halten '. 



* LÖNXROT sa^rt z. b. in »Om det nordtschudiska spräket» 
s. 32: »Steht das harte / unmittelbar hinter dem vokal der ersten 
silbe und folgt ihm ein anderer konsonant, so wird es wie r aus- 
gesprochen, z. b. in: .silclttnc 'brücke'... oldü 'sein'..., welche 
ungefähr wie sifdane, ovda . . . klingen. Ist der vorhergehende vokal 
ein a oder e, so geht dieser in und ö über, weshalb die worte 
valgtus 'weisse' . . . peJd 'acker' . . . sich wie vovgtus . . . pörd . . . an- 
hören und gewiss auch so geschrieben werden müssten, 
wollte man nicht auf ihren Ursprung rücksicht nehmen». 
Für eine anschauungsweise derselben art könnte man auch aus Ahl- 
QVIST's werken beispiele aufzeigen (z. b. in seiner »Votisk gram- 
matik» 1856, »Anteckningar i Nord-Tschudiskan», 1859;), und der- 
selben ist er augenscheinlich einigermassen liis zuletzt treu geblie- 



über transskription der finnisch-ugrischen sprachen. 25 

Ahlqvist's „Mokscha-mordwinische Grammatik" und die 
\on WiEDEMANN besorgte und herausgegebene ,,Livische Gram- 
matik" SjöGREx's, beide aus dem jähre 1861, verraten einflüsse 
\on Lepsius' „Standard aiphabet'" (erste aufl. 1855 ^). Darnach 
haben sie beide i'i = „guttural" -nasal, ebenso bei Wiedemann 
a, a, o, o, (.), u, bei Ahlqvist y :=: j, 1 = russ. Li, desgleichen 
t=:c, d ^ 3, t (ein längeres, „emphatisches" t ?) 2. 

Auch O. Donner in seinem „Vergleichenden Wörterbuch 
der finnisch-ugrischen sprachen" (1874 — 88), wie schon früher 
in seiner abhandlung „Das Personalpronomen in den altaischen 
sprachen" (1865), hat sich eng an das „Standard aiphabet" 
(2:te aufl. 1863) angeschlossen. Von Ahlqvist abweichend und 
ebenso wie die Ungarn (s. gleich unten), gebrauchte er die 
zeichen c (= f.s), c, 5, x> Y^ ^'^ "^'on sonstigen zeichen seien 
erwähnt J (= „dsch"), i und d = zeichen der ostj. lateral - 
explosivae, u = schwed. u, 7 z=z russ. w, Ö = est. ö '^. 

In Ungarn, wo man früher mit Vorliebe die finnisch-ugri- 
schen sprachen nach der ungarischen Orthographie transskribiert 



ben, wie man auch z. b. aus dem Verhältnis zwischen seinem 
;> Wogulischen Wörterverzeichnis» (vom Verfasser fertiggestellt, aber 
erst nach seinem tode 1891 erschienen) und seinen primärauf- 
zeichnungen schliessen kann. 

1 Schon früher haben Ahlovist und Wiedemann das »Stan- 
dard aiphabet» in ihren kleineren Schriften verwandt (Ahlqvist, 
Eine kurze Nachricht über das Wogulische, Bull. hist. phil. XVI 
nr. 1,2 s. 25 ff. = Melanges russes IV 623; Wiedemann, Ueber 
die livische Sprache und ihr \'erhältniss zu der Ehstnischen, Bull, 
hist.-phil. t. XVI nr. 13, 14, 15, 16 s. 193 ff., 1859 = Melan- 
ges russes IV 675). 

■^ Ahlqvist behielt die meisten von ihm verwandten zeichen 
in seinen späteren Veröffentlichungen bei (ausser y rzr j, und i, 
wofür i eintrat). Von den zeichen, die er anwandte, seien aussei 
den genannten noch erwähnt li (nach dem »Standard aiphabet») 
= / (später gebrauchte er statt dessen x), g :=: y, q = wog. 
postpalatales (aspiriertes ?) k und i = ostj. lateralexplosiva. — 
In seinen späteren werken (über das mordwinische, syrjänische 
und wotjakische) schliesst sich Wiedemann nicht so genau dem 
Standard aiphabet» an, wie in der »Livischen Grammatik» (z. b. ä, ö). 

•* Von diesen zeichen gehören c, ;f, y, J, / dem »Standard 
aiphabet» (2:te aufl.) an. 



26 E. N. Setälä. 

hatte ^ begannen P. Hunfalvy und J. Bidenz nach 1860 
die Sammlungen des ungarischen reisenden A. Reguly der 
öffentlichkeit zu übergeben, und auch sonst eine sehr rege 
thätigkeit auf dem finnisch-ugrischen gebiete zu entwickeln. 
In der transskription adoptierten diese forscher einen grossen 
teil dessen, was schon früher vorgeschlagen und auch*gebräuch- 
lich geworden war, \\'ie die „lateinisch-slavischen" s, z, c, c, 
5, 3 — die alten bekannten aus Rask's zeiten. In der bearbei- 
tung der tscheremissischen aufzeichnungen von Reguly („Reguly 
cseremisz mondatai" = „Regltly's tscheremissische sprüche", — 
in der Zeitschrift „Nyelvtudomänyi közlemenj^ek" := „Sprach- 
wissenschaftliche mitteilungen", welche 1862 zu erscheinen be- 
gann, III 99, 1864) bezeichnete Budenz die mouillierung noch 
durch ' (f/, f, i), HuxFAL^"i• aber (in „Vogul fcild es nep" =^ 
„Land und volk der wogulen", 1864) und in seinen folgenden 
Veröffentlichungen auch Budenz durch das gebräuchlich ge- 
wordene kommazeichen. Den „guttural '"-nasal gaben beide for- 
scher anfangs mit blossem n, ng wieder, nahmen dafür jedoch 
später das zeichen n auf. Für den laut des russischen u setzte 
man das zeichen i und analog e für das „tiefe e" (Budenz, 
„Mordvin közlesek", 1866:= „Mordwinische mitteilungen", NyK 
V 115). In Budenz' erstem versuch eines vergleichenden Wör- 
terbuchs („A magyar es finn-ugor nyelvekbeli szoegj^ezesek" 
(:= „Die wortparallelen in der ungarischen und den finnisch- 
ugrischen sprachen", NyK VI u. \1I, 1867—69) kommen hierzu 
noch die vom" „Standard aiphabet" vorgeschlagenen zeichen %, 



1 Z. b. Kallay, Finn-mag}'ar nj-elv (1844): fi. szüttie o: silmä 
idaneben jedoch mord. sodüU 'ich weiss'). So auch Hunfal\'\', 
A török, magA'ar es finn szök eg}-behasonHtäsa, 1855 (:=^ »Ver- 
gleichung der türkischen, magyarischen und finnischen Wörter«): 
mord. szälme o: sälme äuge', und in der Zeitschrift »Magyar 
nvelveszet» (»Ungarische Sprachwissenschaft») z. b. mord. szädo 
o: sado 'hundert', s\rj. dasz d: das 'zehn', mord. kämencze pel 
o: kämentse pel", Ip. accsam o: accam 'mein vater' (in dem auf- 
satz -A" mordvin nvelvrül» z^: »Über die mordwinische spräche», 
MNyelveszet II 290 ff., 1856); ebenso wird in dem aufsatze »Osztjäk 
nyelv» (:=: »Die ostjakische spräche», MNjelveszet IV 142 ff.; 
s = S, sz := .y, \y = l\ n}- = >5, ty z= f\ cz =1 fs, es 3= ts, 
f'S ireschrieben. 



über transskription der finnisch-ugrischen sprachen. 27 

y, 6, sowie in ostj. Wörtern ^ und / als zeichen für die sog. ostj. 
lateralexplosivae t + 1 und d + 1; an die stelle des e tritt das 
est. ö. In ihrer endlichen form stellt sich Budenz transskription 
dar in seinem hauptwerke .,Mag3'ar-ugor összehasonh'tö sz()tär" 
r= ., Vergleichendes magyarisch-ugrisches Wörterbuch", 1873 
— 81)^. Bemerkenswerte neucrungen gegen das vorige sind 
a = labialisiertes a, i = russ. u (früher 1), = est. ö (früher 
e, 0), / := ostj. t -f- 1 (früher /), / = ostj. d -]- 1 früher /), c 
= ein syrj. c „mit einem stärkeren \-orschlag", t = spiranti- 
sches ^ (engl, stimmloses th), .v = ein unbestimmbarer hinterer 
(„tiefer") vokal, ,v ;= ein unbestimmbarer vorderer („hoher") 
vokal. Sonst ist die frühere transskription beibehalten (z. b. z, 
6-, z, c, i; 3, 5; x, ?, ^)- 

Budenz' transskriptionsweise ist die grundlage für die trans- 
skription gewesen, die später in Ungarn gebraucht worden ist. 
Zum teil ist dieselbe auch bei uns in Finland in gebrauch ge- 
kommen, und zu einem teil haben auch die von den finnischen 
forscher n x'orgeschlagenen zusätze in Ungarn beachtung gefun- 
den. x\ufgegeben ist von Budexz' zeichen r, an dessen stelle 
^ getreten ist (z. b. Haläsz „Svedlapp nyelv", 1881), während 
die übrigen zeichen im allgemeinen beibehalten sind. Hinzu- 
gekommen sind die nach demselben prinzip dem griechischen 
aiphabet entlehnten ß (in den in Ungarn veröffentlichten sprach- 
proben von A. Genetz, NyK XV, 1879; auch Halasz gebraucht es 
wenigstens in seinen früheren, das lappische betreffenden ver- 
r)ffentlichungen, gegenüber /r --= interlabialis spirans bei Mun- 
KACsij und (f (Genetz, Tscheremissische Studien, JSFOu VII 
1889^. Das \okalzeichen ? brachte das zeichen e mit (Munkacsi, 
\'otjäk nepkölteszeti hagyomäm'ok" =: „Wotjakische folklore- 
überlieferungen", 1887j, das dasselbe zu bezeichnen bezweckte, 
was Budenz mit ft wiedergab. Daneben ist jedoch auch der buch- 



1 Als material des transskriptionsalphabets wurde in den älte- 
ren werken meistenteils die aufrecht stehende antiquaschrift (bis- 
weilen fraktura, siehe oben) angewandt. Seit den Wörterbüchern 
von Budenz und Donner wurde die kursivschrift immer allffe- 



28 E. N. Setälä. 



Stabe (9 beibehalten ; Haläsz sagt ^ er bezeichne mit (-> das est 
nische ö (das est. ö ist ein hinterer vokal mit Zurückziehung der 
lippen), sagt aber zugleich, es sei ein laut zwischen e und ö, und 
ein andermal, es sei ein vokal mit „lippenschluss" (ajakzarassaP. 
Im wotjakischen verwandte es Munkäcsi zur bezeichnung eines 
lautes, „der sich dadurch von ö unterscheidet, dass bei ihm der 
lippenschluss nicht so fest ist, und der ungefähr den Übergang 
von ö zu e bildet" {e = ein sehr geschlossener nach / „hinneigen- 
der e-laut"). Ausser dem zeichen </, das bei HalAsz einen „mit- 
tellaut zwischen o und ö" ausdrückt, sind neue zeichen meisten- 
teils mit hilfe von diakritischen zeichen gebildet. Fleissig ver- 
wandt ist der punkt, sowohl unter wie über den buchstaben, 
in Verbindung mit vokalzeichen zur darstellung grösserer ge- 
schlossenheit (O, ö, w, ü, daneben jedoch e, und bei HalAsz r?i, 
unter konsonantenzeichen deutet es bei Haläsz stimmlose me- 
dien oder halbstimmhafte (resp. satzphonetisch wechselnd stimm- 
hafte und stimmlose?) laute an: /•, t, ;?, c, c. Durchquerung 
deutet auf kakuminale ausspräche (MUxVkAcsi im wotj.); mit 
dem graväs werden 'bei HalAsz) gebildet: c = schwed. tj, s = 
zvvischenlaut zwischen >■ und .<•, .5 zwischenlaut zwischen .j und 
5 (ziemlich dasselbe wie c und o dürften wohl MuxkAcsi's wotj. 
(5 3 =: f -\- s und (/ = d' -\- z sein); durch ^ unter dem buch- 
staben bildet HalAsz >■ z= preussisches, uvulares r, / := russ., 
poln. l\ (bei MunkAcsi im u'ogul.) ist mittellaut zwischen 
und i( (tat. o) u. s. w. 

.Alle verschiedenen bildungen können hier natürlich nicht 
besprochen werden, dafür möchte ich aber noch einige trans- 
skriptionsversuche in einigermassen abweichenden richtungen 
erwähnen. 

Genetz hat in seinen abhandlungen „Lautphysiologische 
Einführung"' und „Karelische Lautlehre" (1877 die von Brücke 
in seinem werke „Grundzüge der Ph3'siologie" aufgestellte an- 
ordnung der buchstaben mit Ziffern ui^ a^ <is u. s. w.) aufge- 



1 Jemtlandi läpp nyelv 4 = NyK XX 76. 
'^ Pite lappmarki szötär es nyelvtan s. IV. 

-* Daneben bisweilen auch b ohne weitere bemerkunii" ül)er 
die ausspräche, z. h. ciik-, cül'nl-, \'Sz 324. 



über transskription der finnisch-ugrischen sprachen. 29 



nommen, d. h. er hat dieselbe nur bei der bezeichnung ein- 
zelner laute angewandt, nicht aber in zusammenhängender 
Schrift, wo er sich zunächst an Ahlqvist (z. b. /, (/), später 
aber an Budenz (in seinen und Porkka's tscheremissischen 
sprachproben, 1888 und 1895, wie auch in seinem kolalappi- 
schen Wörterbuch 1890) angeschlossen hat. 

Die in den nachbarländern Finlands, in Schweden und 
Norwegen aufgetretenen s^'steme für die lautschrift des schwe- 
dischen und norwegischen — ■ J. A. Lundell's „Det svenska 
landsmälsalfabetef' (1879) und Joh. Storm's .,Norsk Lydskrift 
med Omrids af Fonetiken'" 1 1884) ^ — sind natürlich nicht 
ohne einwirkung besonders auf die aus diesen ländern gebür- 
tigen gelehrten gewesen, die als forscher der finnisch-ugrischen 
sprachen aufgetreten sind. 

Zunächst in anlehnung an die norwegische lautschrift hat 
J. QviGSTAD in seinen „Lappischen sprachproben" (JSFOu III, 
1888) mit einem punkt versehene vokalzeichen a, ä, r, e. 0, ö 
angewandt; abweichend erscheinen 1?, ^, g für stimmlose h, d, 
(/. sowie 5 = ds, f) =-- d's. In viel weiterer ausdehnung hat er die 
norwegische lautschrift aufgenommen in seiner arbßit „Nordi- 
sche Lehnwörter im Lappischen" (Christiania 1893j, bei deren 
anwendung wohl auch typographische gründe Vorschub geleis- 
tet haben. Die bemerkenswertesten zeichen in diesem aipha- 
bet (vgl. 1. c. „Schreibweise und Transskription") sind die antiqua- 
lettern mitten unter den kursiven zur bezeichnug der stimmlosig- 
keit (antiqua bedeutet jedoch nicht immer dieses), das zeichen 
t) (:= Spirant, ß), sowie die häkchen unter d, l\ l, n, .s-, t zur 
bezeichnung der palatalisation. 

Das schwedische dialektalphabet hat zur wiedergäbe der 
lappischen laute K. B. Wiklund in seinem „Lulelappischen Wör- 
terbuch" MemSFOu I, 1890, der text in Stockholm gedruckt) 



^ JOH. Stokm's abhandlung war für die Zeitschrift »Norvegia, 
Tidskrift för det norske Folks Maal og Minder, udgivet af Forenin- 
gen for norske Dialekter og Traditioner ved Moltke Moe og JOH. 
Storji», verfasst, von der 132 seiten gedruckt sind, die aber nie ange- 
fangen hat zu erscheinen noch im buchhandel zu haben ist. Als 
l:)eilage zur »Norvegia» war gedacht JOH. Storm's »Kortere Ord- 
liste med Forklaring af Lydskriften » , welche weiter verbreitet ist. 



30 E. N. Setälä. 

und in seiner „Laut- und formenlehre der Lule-lappischen dia- 
lekte" (1891)' verwendet; hierhergehörige zeichen sind: a ^= ä, 
y für den präpatalen, dagegen ^ für den mediopalatalen 
nasal, k z=z stimmloses engl, w, ,> z= tonloser vokal; viele \on 
diesen typen existieren nicht in unserer druckerei und können 
nicht nachgebildet werden. Die vokallänge und konsonantenge- 
mination wurde durch einen unter das zeichen gesetzten strich 
ausgedrückt z. b. (q, l). Von dem system abweichend gebrauchte 
WiKLuxD jedoch .s, c, c, 0. o. 

Der verf. dieser Zeilen hat in seinem werke „Vhteissuo- 
malainen äännehistoria" (= „Gemeinfinnische lautgeschichte" I, 
II 1890 — 91) ein paar zeichen aus Lundell's aiphabet, ./, ^, ver- 
wandt. Demselben prinzip wie Lundell folgend formte ich 
einige zeichen durch modifikation der lateinischen lettern mit 
symbolischen beistrichen: « 1= hinteres e ;= g), i hinteres / 
(= /),?/=: russ. poln. (hinteres) /; j und u bedeuteten halb- 
vokale, g, d, b, z (antiqua) zeigten stimmlose //. d^ h. z an. 
Länge und gemination ebenso wie bei Luxdell '^. 

Unter diesen umständen drohte die transskription der fin- 
nisch-ugrischen sprachen nach ganz verschiedenen richtungen 
auseinanderzugehen. Die verschiedenen forscher brauchten jeder 
seine eigene Umschreibung, auch bildete dazu keine von den 
transskriptionsweisen ein einheitliches System. Diesen missstand 
schmerzlich empfindend traten verschiedene jüngere forscher 
in Helsingfors im herbst 1892 zur beratung über ein befriedi- 
gendes transkriptionssystem zusammen. Die angelegenheit wurde 
in mehreren Versammlungen erwägt, in der sich als teilnehmer 
ausser dem unterzeichneten die herren Joos. J. Mikkola, H. 
Paasonen und Yrjö Wichmann (von Helsingfors) sowie K. B. 
WiKLUND (von Upsala), der sich damals in Helsingfors aufhielt, 
befanden — diese beratungen standen in Verbindung mit der 
schon damals beabsichtigten finnisch-ugrischen Zeitschrift. In 



1 Göteborgs Kongl. Vetenskaps och \'itterhets Samhälles Hand- 
lingar, Ny tidsföljd, 25 haftet, in Stockholm gedruckt. 

- Der erste teil der ÄH war eine konkurrenzarbeit, die zu 
einem bestimmten termin erscheinen musste, weshalb das sj'Stem 
in mancher beziehung halbfertig blieb. 



über transskription der finnisch-ugrischen sprachen. 31 

denselben wurden die leitenden allgemeinen grundsätze und 
das billigenswerte in den bisherigen transskriptionsweisen, sowie 
die formung notwendiger neuer zeichen diskutiert. Im äuge be- 
halten wurden auch anderenorts verwandte transskriptionssys- 
teme, besonders dasjenige F. Techmer's in der „Internationalen 
Zeitschrift für allgemeine Sprachwissenschaft". So einigte man 
sich über eine transskriptionsweise, die dann in der hauptsache 
in den folgenden arbeiten befolgt wurde: Paasonen, „Mordvini- 
sche lautlehre" jedoch auch mit einigen wichtigeren abwei- 
chungen), K. B. Wiklund, „Die südlappischen forschungen des 
herrn dr. Ignacz Haläsz" (JSFOu XI 2) und Yrjö Wichmann, 
„Wotjakische sprachproben" (JSFOu XI 1), alle 1893 erschie- 
nen, auch ist dieselbe darnach in der hauptsache von jüngeren 
forschern in ihren Publikationen in dem Journal und den 
Memoiren der Finnisch-ugrischen gesellschaft angewandt wor- 
den. — Als 1899 die grossangelegte Sammlung des Wortschatzes 
der finnischen Volkssprache in gang gesetzt wurde, wurde das- 
selbe transskriptionssystem denen zum gebrauch empfohlen, die 
die Worte mit feinerer bezeichnung wiedergeben wollten; des- 
halb schrieb herr E. A. Ekman für die wortsammler einen leit- 
faden des in redestehenden Systems, der noch nicht gedruckt 
ist, sondern bloss autographiert an die wortsammler abge- 
geben wird. 

Es ist meine absieht im folgenden die hauptgrundzüge 
dieses Systems den fachgenossen zu sachverständiger beurtei- 
lung zu unterbreiten. In der hauptsache stelle ich dieselben 
so dar, wie man sich darüber in den erwähnten beratungen ge- 
einigt hat. Ich will jedoch bemerken, dass ich bei der ausarbei- 
tung des Vorschlages keine gelegenheit gehabt habe über ein- 
zelheiten mit denjenigen zu beraten, die an der abfassung der 
ursprünglichen vorschlage beteiligt gewesen sind; ebenso bin 
ich auch für die form, in der die motivierung des Systems hier 
erscheint, allein verantwortlich. 

Die vorschlage treten nicht mit dem anspruch auf end- 
gültigheit auf. Im gegenteil erhoffe ich viel gutes von den 
bemerkungen, die wir von den fachgenossen werden entgegen- 
nehmen dürfen. Auf grund der eingelaufenen bemerkungen 
werden wir — soweit wir sie grundsätzlich billigen können — 



32 E. N. Setälä. 



geneigt sein sowohl in einzelheiten des Systems wie im System 
selbst änderungen zu vollziehen. 



II. Vorschläge. 

Die feinere transskription (lautschrift). 

1. Allgemeine grundsätze. 

1. Die lautschrift soll in einer praktischen weise 
wissenschaftlichen zwecken dienen. Sie soll also die 
gesprochene spräche so genau wie möglich bezeichnen, 
so zwar, dass der grad der genauigkeit mit dem über- 
einstimmt, w^as der zweck in dem gegebenen fall fordert. 

Im namen der wissenschaftlichen \ollständigkeit könnte 
man verlangen, dass so viel wie möglich zu bezeichnen wäre, 
d. h. dass alle einzelnen phonetischen momente beachtet wür- 
den; vom Standpunkt der praxis hinwieder ist zu hotfen, 
dass nur so wenig bezeichnet würde, wie ohne Schädigung 
der klarheit möglich ist, d. h. däss alles, was unwesentlich 
oder in dem betreffenden fall selbstverständlich oder nicht in 
frage kommend ist, unbezeichnet gelassen würde. 

Es ist an und für sich klar, dass die bezeichnung aller 
einzelnen phonetischen momente in einer schrift, die lesbar 
sein soll, praktisch unmöglich ist. Im allgemeinen ist man 
ja gezwungen sich in der hauptsache mit der bezeichnung der 
einzellaute zu begnügen, und wie man auch den einzellaut 
definieren wolle, auf alle fälle ist er eine ziemlich willkürliche 
abstraktion, unter der man eine ganze gruppe von lauten \'er- 
steht, deren akustische Wirkung einigermassen gleich ist, und 
deren ph3^siologische bildung in derselben artikulationszone vor 
sich geht. Aus der theoretisch unbegrenzten anzahi der laute 
werden gewisse lautt^'pen ausgewählt, die als gegensätze ver- 
wandt werden, und die wir als einzellaute auffassen und be- 
zeichnen. Auch von solchen momenten wie der stärke, stimm- 
höhe und Sprechdauer wird bei der bestimmung der einzellaute 
völlig abstrahiert, und was die bezeichnung dieser momente 
betrifft, so hat man sich in diesem punkte nur mit der angäbe 
ihres relativen grades zu begnügen. 



über transskription der finnisch-ugrischen sprachen. 33 

Wenn also die forderungen der wissenschaftlichen genauig- 
keit mit den forderungen der prgixis in einklang gebracht werden 
sollen, so sehen wir, dass das prinzip der gegensätzlichen Ver- 
wendung eine bestimmende bedeutung hat. Aber dieses prin- 
zip enthält schon die möglichkeit, dass man das transskriptions- 
system für die verschiedenen fälle in verschiedener weise an- 
wenden kann. Es ist ja die zahl der phonetischen gegensätze 
in jeder einzelnen Sprachgemeinschaft verhältnismässig begrenzt, 
für jede einzelne spräche kann man sich also in dieser weise mit 
einer begrenzteren zahl von zeichen begnügen. Wenn z. b. im 
finnischen mediopalatales l regelmässig stets in Verbindung mit 
hinteren und präpalatales Ic (k) immer in x'erbindung mit vor- 
deren vokalen erscheint, so kann man sagen, dass Je und k im 
finnischen nicht als gegensätze zu einander verwandt werden, 
sondern dass man sie sehr wohl mit einem zeichen bezeichnen 
kann. Wenn hingegen in irgendwelchen lappischen dialekten Z; 
auch vor hinteren und im gegensatz dazu h auch vor vorderen 
vokalen erscheinen kann, so sind sie in diesem fall von einander 
zu unterscheiden. Ja, ich möchte so weit gehen zu erklären, 
dass, falls z. b. in irgendeiner Sprachgemeinschaft f, d, s, etc. 
immer postdental, in einer andern aber immer alveolar sind, 
man beide in jeder der beiden Sprachgemeinschaften mit ein- 
fachem i. d, s bezeichnen dürfe, wenn nur zuvor ihr lautwert 
klargestellt ist. — Nach demselben prinzip kann man z. b. den 
exspiratorischen accent der finnischen spräche unbezeichnet las- 
sen, da sein sitz fest ist, und ihn z. b. im wotjakischen nur 
dann bezeichnen, wenn der stärkste nachdruck nicht auf der 
letzten silbe ruht. 

Ich glaube daher, dass dieses prinzip, das auch im fol- 
genden immer im äuge zu behalten ist, vernünftig angewandt, 
zu einem teil der grossen Vielfältigkeit und der daraus entsprin- 
genden Schwerlesbarkeit entgegenwirken könnte, welche die 
Schattenseiten der neuzeitlichen genauen transskriptionen sind. 
2. Die phonetische transskription hat die einzel- 
laute zu bezeichnen und, so oft es nötig wird, auch das 
relative mass der stärke, stimmhöhe und sprech- 
dauer. Die lautübergänge werden nur dann bezeich- 
net, .jwenn sie wieder auf kürzestem wege, noch mit 



34 E. N. Setälä. 

geringstem kraftaufwand, noch in normaler zeit bewirkt 
werden" ^ , 

Bezüglich des begriffs „laut" ist das obige zu beachten; 
unter dem althergebrachten namen „laut" verstehen wir hier 
auch die lautlosen momente, die in gewissen fällen mit den 
hörbaren lauten gleichwertig sind, d. h. das, was einige pho- 
netiker „Sprachelemente" haben nennen wollen (also: „die Sta- 
tionen der lautung", Techmer a. a. o.). 

3. Für jeden laut in einer gegebenen Sprachge- 
meinschaft ein bestimmter, und nur dieser eine buch- 
stabe. 

Diese grundregel einer jeden phonetischen Schreibweise 
braucht wohl nicht weiter motiviert zu werden, aus ihr aber 
sind auch die Konsequenzen zu ziehen. Darnach sollen also 
nicht zwei laute mit einem buchstaben wiedergegeben werden, 
daher z. b. die zeichen c= t-\-s, c =^ f -{- S oder t -\- s, 5 = 
d -\- z oder d -(- x zu verwerfen sind. Ebenso darf durch zwei 
gleichwertig nebeneinander gestellte buchstaben („digraphen") 
nicht ein laut bezeichnet werden (z. b. nicht gh := j' u. ä). 

4. Jedes zeichen (buchstabe, nebenzeichen) soll 
nur für einen bestimmten zweck verwandt werden. 

Darnach kann man also nicht gutheissen, dass z. b. 
das zeichen " in den einen fällen zur andeutung der labialisie- 
rung (z. b. ä, a), in anderen aber ganz entgegengesetzt für 
laute, die unter Zurückziehung der lippen (und auch der zunge) 
gebildet werden, verwandt wird (?, e). Vgl. andere beispiele 
oben. 

5. Als hauptmaterial des transskriptionsalphabets. 
dienen die kleinen buchstaben der lateinischen kursiv- 
schrift. Da diese bei weitem nicht ausreichen, ent- 
lehnt man buchstaben aus anderen alphabeten oder 
Schriftarten, oder bildet neue durch umkehrung oder 
beschneidung der lateinischen lettern, oder verwendet 
nebenzeichen, die womöglich in symbolischem Zu- 
sammenhang mit dem stehen, was sie bezeichnen, und 
(nach grundsatz 4) immer gleichwertig sein sollen. 



^ Techmer, Internationale Zeitschritt I 172. 



über transskription der finnisch-ugrischen sprachen. 35 

Dabei hat man niög'lichst systematisch zu verfahren, 
zugleich aber weder von dem hergebrachten unnötig 
abzuweichen noch die rücksicht auf die druckerei ausser 
acht zu lassen. 

Dass das lateinische aiphabet als das meist bekannte der 
transskription zu gründe zu legen ist, bedarf keiner weiteren 
motivierung; ebenso ist es auch allgemein geworden die kursiv- 
schrift zu gebrauchen, die sich passend von der gewöhnlichen 
aufrechtstehenden schrift abhebt. Wie aber weitere nötige zeichen 
zu formen sind, darüber sind die ansichten weit auseinander- 
gegangen. Die hauptmeinungsverschiedenheit hat die frage be- 
troffen, ob die neuen zeichen hauptsächlich durch diakritische 
zeichen zu formen sind, oder ob zu ihrer formung (symbolische) 
beistriche zu verwenden sind, die an die grenzstriche des buch- 
stabens selbst anschliessen. Zu gunsten der letzteren art, die 
am vollständigsten in J. A. Lundell's „Svenska landsmälsalfa- 
betet" durchgeführt ist, kann geltend gemacht werden: 1) dass 
dadurch die einheit des schriftcharakters besser gewahrt wird; 
2) dass, da man für die mit diakritischen zeichen versehenen 
buchstaben, wenigstens wenn sie mehr gebraucht werden, neue 
typen giessen lassen muss, man ebenso leicht ganz neue zei- 
chen anfertigen lassen kann, welche den vorteil haben, dass 
die verschiedenen teile der type nicht während des drucks 
abbrechen, wie es häufig bei den mit diakritischen zeichen 
versehenen typen geschieht. Auf der andern seite könnte man 
aber gegen dieses system hervorheben: 1) dass die zeichen durch 
die modifizierenden linien leicht zu verschnörkelt \\'erden (z. b. 
die zeichen a, .7, a, d, g des Landsmälsalfabet's), wogegen die 
diakritischen zeichen nicht im selben masse das aussehen der 
grundt\'pe verdunkeln; 2) dass man gezwungen ist für die 
kleinste modifikation eine neue schrifttype giessen zu lassen, 
wogegen man mit diakritischen zeichen versehene buchstaben 
meistenteils durch „bauen" (durch unter- und überlegen) for- 
men kann; dieses mittel kann besonders anwendung finden, 
wenn ein zeichen sehr selten (zur erklärung oder als citat) nötig 
würde. Die letzterwähnten gründe würden — ungeachtet des 
schönen Systems des Landsmälsalfabet's — doch unbedingt 
der Verwendung diakritischer zeichen den Vorzug zuerteilen. 



36 E. N. Setälä. 



Da jedoch auch die anschaffung oder das „bauen" der 
mit diakritischen nebenzeichen versehenen tj^pen der buchdrucl<e- 
rei Schwierigkeiten bereitet, so dürfte es geboten sein auch 
andere mittel zu versuchen. Zunächst giebt es in den meisten 
druckereien buchstaben aus anderen alphabeten (aus dem grie- 
chischen, russischen), mit denen das aiphabet füglich zu be- 
reichern ist (z. b. griech. /, x — russ. a etc.). Auch vom 
lateinischen aiphabet giebt es verschiedene arten, von denen 
sich besonders die kapitälchen (in der höhe der kleinen, aus 
der zeile nicht hervortretenden buchstaben) für bestimmte zwecke 
eignen; dagegen ist meiner ansieht nach die Verwendung 
der gewöhnlichen (stehenden) antiqualettern unter kursivbuch- 
staben nicht absolut zu empfehlen da sie mit diesen gemischt 
schwer zu schreiben sind und auch im druck nicht ange- 
nehm berühren. Zur bereicherung des buchstabenvorrates kann 
man auch auf den köpf gestellte lateinische buchstaben* ver- 
wenden (z. b. 9, ü etc.) sowie die auch bei Techmer anzu- 
treffende beschneidung der buchstabenzeichen (z. b. v oder f^), 
obgleich man dieses mittel nicht in grösserer ausdehnung an- 
wenden sollte, und es auch für den setzer nicht gerade bequem 
ist. Ich werde nun darthun, wie wir uns dieses s^'stem auf 
die einzelnen fälle angewandt gedacht haben. 

2. Die buchstaben der kleinen lateinischen kursivschrift. 

Von den kleinen buchstaben der lateinischen kursiv^schrift 
werden die folgenden gebraucht : 

a ä 1) d e fg h i j Tc l m n o ö p r s f u ü v z. 

Von ihren lautwerten wollen wir nur folgendes sagen: 

1) dass j spirantisch (nicht halbvokal) ist; 

2) dass z ein stimmhaftes s bezeichnet; 

3) dass l' t p unaspiriert sind; 

4) dass a ein sog. „reines" (italienisches) a ist; 

5) dass ä ein „breites ä", wie im schwedischen vor r, 
darstellt ; 

6) dass man mit e i o ö u ü, wenn nicht das gegenteil 
hervorgehoben ist, ziemlich offene („wide") Varianten der be- 
treffenden laute bezeichnet. 



über transskription der finnisch-ugrischen sprachen. 37 

7) dass h einen laryngalen schall, dem sich ein schwäche- 
res oder stärkeres diffuses reibegeräusch im ansatzrohr zu- 
gesellt, bezeichnet; der betreffende laut ist gewöhnlich stimmlos, 
scheint aber zwischen stimmhaften lauten auch mit stimmton 
ausgesprochen zu werden i; 

3. Entlehnte buchstaben. 

Aus anderen alphabeten und Schriftarten entlehnte buch- 
staben sind: 

1) Kapitälchen (siehe oben s. 36), durch welche das fehlen 
des Stimmtons eines gew'öhnlich stimmhaften lautes bezeichnet 
wird, wie b d g l m y h v z a e 1 u. s. w. (z. b. est. tußh 'stube', 
estS. l-ülähs 'in dem dorfe', fi. tcüiuE 'hierher'). 

Bemerkung. Den unterschied zwischen einem stimm- 
losen und stimmhaften h braucht man wohl nicht zu bezeich- 
nen (wenn es nötig wird, kann man den stimmlosen laut ti, 
den stimmhaften hingegen h schreiben). 

2) Griechische buchstaben: 

a} Buchstaben mit ungefähr demselben lautwert wie im 
neugriechischen : 

ß = der stimmhafte labiale spirant. 

(f ^= der entsprechende stimmlose spirant. 

ö = der stimmhafte dentale spirant (engl, stimmhaftes th). 

ä = der entsprechende stimmlose spirant (engl, stimmloses th.), 

Y zzz der stimmhafte (medio-, prä-)palatale spirant. 

^ =: der entsprechende stimmlose spirant. 

b) Griechische buchstaben zur bezeichnung einiger laut- 
varianten: 

e = ein offener e-laut (z\\'ischen ä und e, wird statt eines 
„beschnittenen" e gebraucht, siehe unten abteil. 5. s. 39), 
z. b. wotj. o'sts imnare 'mein gott'. 



^ Siehe Pippixg, Zur Phonetik der finnischen Sprache 224. 



38 E. N. Setälä. 

« =: das „dunkle" a im lappischen (Friis, Qvigstad ä, Q\ig- 
STAD a antiqua); diese bezeichnungsweise könnte wenig- 
stens vorläufig, bis die natur dieses schwer aufzufassenden 
vokals näher bestimmt ist, gebraucht werden. 

(o = schwed. o in bo, ro (statt, u, vgl. unten 7. 4), s. 40). 

Q = uvulares r; der entsprechende stimmlose laut könnte 
durch p bezeichnet werden, 
c) Ohne jede rücksicht auf den griechischen lautwert, teils 

auf grund der äusseren formenähnlichkeit werden verwandt: 

ij (y) als zeichen für den palatalen („gutturalen'") nasal (der 
entsprechende stimmlose laut kann durch Jf wiedergege- 
ben werden). 

ip als zeichen für den labialen zitterlaut: der entsprechende 
stimmlose laut wird durch W bezeichnet. 

3) Andere entlehnte buchstaben. 

russ. .1 = „dickes" („gutturales") russ. .i. 

russ. H = ungerolltes r. 

czech. .^ 2 = zeichen für bekannte alveolare Zischlaute (mit 

rinnenbildung der zunge). 
deutsch, ü wie im deutschen (im fi. etwas offener, vgl. oben 

1. 6) s. 36). 
nord. 5 = alveolarer tremulant mit einem schlag, z. b. fi. ^jac^oM 

'des topfes'. 
schwed. ä = labialisiertes a. 

4) Zifferzeichen. 

3 = kollektivzeichen für jeglichen stimmhaften vokal f„mund- 
öffnungslaut"), den man in dem betr. falle nicht bestimmen 
will oder kann, z. b. fi. ■< Ical'si <C fiugr. *l-3Tit3. 

8 = kollektivzeichen für jeglichen hinteren stimmhaften vokal, 
z. b. fi. j;ofo 'dämm' «< fiugr. *psös. 

8 = kollektivzeichen füi» jeglichen vorderen stimmhaften vo- 
kal, z. b. fi. re.si 'wasser' ■< fiugr. *rsf>^. 

4. Durch umkehrung hergestellte buchstaben. 

1) Durch umkehrung von ni bildet man mit rücksicht auf 
die äussere form des in der weise hergestellten buchstaben 
lu = schwed. oder norw. u in hus. 



über transskription der finnisch-ugrischen sprachen. 39 

2) Durch umkehrung der vokalzeichen stellt man zei- 
chen für „indifferente" oder in einer oder anderer hinsieht un- 
vollkommene vokale her. So bedeuten z. b. die zeichen i 9 
)) d i die unvollkommen artikulierten Varianten der vokale, 
welche mit den zeichen i e a e i bezeichnet werden (über e 
und i siehe unten 7. 7), s. 40). 

3) Durch umkehrung \-on c erhält man 

:> = kollektivzeichen für jeglichen stimmlosen vokal. 

5. Durch beschneidung hergesteUte buchstaben. 

Durch beschneidung werden folgende buchstaben ge- 
formt : 

n ^= ein -offener o-laut. 
^> z=z ein offener ö-laut. 

Statt eines beschnittenen e wird das der form nach ähn- 
liche € verwendet (siehe oben 3. 2) b), s. 37). 

6. Apostrophen- und aspirationszeichen. 

bezeichnet den starken laryngalen klusil (explosiva) im süd- 
estnischen (z. b. fule 'komm') und einen ebensolchen 
schwächeren laut im finnischen (z. b. anxa oUa 'lass sein'). 
Dasselbe zeichen oder lieber ein gewöhnliches apostrophen- 
zeichen (') wird zur bezeichnung des sog. stosstons (:= 
laryngaler schluss immitten des stimmtons) verwandt, z. 
b. liv. )}ia 'nieder' (eig. )iia'°'), sowie auch zur bezeich- 
nung des festen ein- bezw. absatzes, wenn es vonnöten 
ist diesen zu bezeichnen. 

bezeichnet den gehauchten ein- bezw. absatz, kann aber auch 
als kollektivbezeichnung des stimmlosen lautübergangs zwi- 
schen konsonanten gebraucht werden, z. b. IpLul. otkült 
'auswendig' (= ol'^kUlt, vgl. 9. 1), s. 43). — Die aspirierten 
klusilen werden Ic f p bezeichnet. 

7. Nebenzeichen zur herstellung neuer buchstaben. 

Nebenzeichen werden teils unterhalb, teils oberhalb der 
buchstaben, wo aber die zusammengesetzten typen nicht vor- 
handen sind oder durch unter- resp. überlegen nicht her- 



40 E. N. Setälä. 

gestellt werden können, teils unten rechts, teils oben rechts 
von den lettern verwandt. Die nebenzeichen sind folgende: 

1) --^-- bezeichnet, das der betr. laut während der Inspiration 

erzeugt wird z. b. /I«l'ja'. 

2) --- bezeichnet Schnalzlaute (die mit einsaugen der luft in 

die mundhöhle gebildet werden), z. b. ^j^. 
3) --.- bezeichnet, dass der betreffende laut naso-oral („nasa- 
liert") ist, z. b. n, /, (fi. isä haftii "der hut des vaters'). 

4) -V- bedeutet, dass die artikulationsstelle relativ mehr nach 

hinten in der betreffenden zone liegt, z. b. k, l, q u. 
s. w. (fi. Tt^Jta 'gelb'). 

--S-- bedeutet, dass die artikulationssteile relativ mehr nach 
vorn in der betreffenden zone liegt, z. b. k, s, ^, (fi. h^Itä 
'von wem'). 

5) -V- der artikulafionsgrad ist offener (die zunge, bezw. die 

Unterlippe etwas mehr nach unten) als gewöhnlich, z. b. 
u. Statt dessen kann in gewissen fällen der bequem- 
lichkeit halber die offenschneidung (siehe oben 5. s. 39) 
gebraucht werden, z. b. <'> = o, f> r= ö. 

-;- der artikulationsgrad ist geschlossener (die zunge, bezw. 
die Unterlippe mehr nach oben) als gewöhnlich, z. b. i, 
ü\ durch h {'/) könnte der finn. silbenauslautende h mit 
stärkerem mundgeräusch (mit etwas gehobenem zungen- 
rücken ausgesprochen) wiedergegeben werden, wenn 
man diese nuance besonders bezeichnen will. Statt die- 
ses nebenzeichens kann in gewissen fällen der bequem- 
lichkeit halber auch 

— '-- über den vokalzeichen verwendet werden, z. b. t» := g, 
e — e. 
6) ..-'-- über, bezw. oben rechts von den lettern bezeichnet die 
„palatalisierung" oder „mouillierung" der konsonanten, 
z. b. //, r, s, p, V, (/', /', f. 
7) — „- bezeichnet die Zurückziehung der zunge nebst Zurück- 
ziehung der lippen, z. b. a, e {=^ est. ö), / (= ein laut, 
zu dem russ. u nahe steht ohne jedoch diphthongisch 
der sein). 

----- bezeichnet die höchste kakuminalstelle, z. b. /, d, S, S. 



über transskription der finnisch-ugrischen sprachen. 41 



8. Übersicht der einzellaute, 
a. Die konsonant en (inundengeschlusslaute). 



T., Schnalz- 
Nasen- 

laute 


l 








i 
i 

-KCl 












i 
i 










^ 


^' 










?s- 


.g 


■S5 






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05 


ö?" 














CO 






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i 
1 












1 








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5^ 


'Cd" 

9 
Co" 








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>* 
>< 






■^ 


■jr. ^ 












Vi 






ta es" 

1^ 1 -Jlv 


i 




JJ 


's 

.1 ^ 

1 1 


c 

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.2 

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<U 

'S 


u 

Co 

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'S 



'S 

c 

a 

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^ -7: 

£1, 3 
.ST 

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>- 


i 

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i 

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O- 

CO 


Oh 


Ol 

u 
ca 

's 

3 


V 






tu 
a> Ol ^ 

J Q 0. 


C 
> 

ca 

J 


) 



42 



E. N. Setälä. 



b. Die vokale (niundöffnungslaute). 
(Vgl. Techmer, Internationale Zeitschrift IV ii6}. 

Die zunge 
zurückgezogen vorwärts 

1 2 :! 4 4 3 2 1 



/ 












i 


i 
i i 




e 

e 




i 




§ 


e 

e ^ 








s 








£ 












a 


■ 


ä 
ä 










(f) 


ß) 


(V) 


a 


a 

> 




(^) 


(l) 










ä 




äo 












n o 








n n 

> 























ö 






ö 












q 




ii 






1 
I 




m 


ü 
ü 



TT- 



cc o 



Bemerkung. Die ziffern bezeichnen die relative grosse der arti- 
kulationsöffnung: i = Techmer's apertura minima, 2 = a. minor, 3 = a. 
major, 4 a. maxima. 

Über do siehe 9. 2), s. 43. 

Dazu kommen: 

i) l d t) 9 l unvollkommen gebildete vokale. 

2) A Ä / u. s. w. stimmlose vokale. 

3) (l e i '^- s. w. naso-orale vokale. 

4) Kollektivzeichen: i) 3 für jeden stimmhaften vokal; 2)9 
für jeden stimmhaften hinteren vokal; 3) i' für jeden stimmhaften vor- 
deren vokal; 4) für jeden stimmlosen vokal. 



über transskription der finnisch-ugrischen sprachen. 43 

9. Die kleinen buchstaben über und unter der zeile. 

1) Mit kleinen buchstaben über der zeile werden die 
schwa- oder svarabhakti-vokale und übergangslaute so- 
wie überhaupt die überkurzen laute bezeichnet, z. b. fi. 
sil'mä oder sihnä 'äuge', alion 'ich habe die absieht', mord. 
ma^fa 'mit', laU'f 'fische', fi. (südwestl.) fänn^ 'hierher'. 

2) Mit kleinen buchstaben unter der zeile wird die 
nebenartikulation, \\'elche zugleich mit der hauptartikulation 
stattfindet, bezeichnet; z. b. 

/(„, ]t(, hi u. s. w. = h mit resonanzraum von a, e, i u. s. w. 

tf, ku u. s. w. = t, bezw. h mit gleichzeitiger e-, bezw. 
t<-arfikulation verbunden. 

So auch: 
äo ■= labialisiertes // {ä mit lippenrundung; äo'. ä = ä [= Uo]: 

rt), z. b. weps. fäoU!^ 'voll'. 
So = .s mit lippenrundung. 

10. Zeichen für die bezeichnung der Silbenfunktion, bezw. 
Silbenscheide. 

1) ---^- unter dem konsonantenzeichen (dem zeichen für „mund- 
engeschlusslaut") bedeutet, dass der konsonant („der 
mundengeschlusslaut") in sonantischer funktion vor- 
kommt, z. b. liv. fca'^7 'hals". 
--„'-- unter dem vokalzeichen bedeutet, dass der vokal („der 
mundüffnungslaut") in konsonantischer funktion vor- 
kommt, z. b. fi. aiJca 'zeit', iaU-a 'fuss'. 
^.(- bezeichnet die silbenscheide, z. b. wot. iiic(fsässä 'aus 
dem walde'. 
Bemerkung. Ein konsonant zwischen zwei sonanten 
wird zur folgenden silbe (fi. poUin = pojan 'des knaben') ge- 
zogen und von mehreren konsonanten der letzte (fi. siuipsidcJca 
'Schnecke'); die geminata wird immer auf zwei silben verteilt 
(Ip. Itoppmörüt o: Jcojiipmörtit 'sich bücken'). Nur die aus- 
nahmen werden bezeichnet (fi. hiHfcm = 'kiiuiuin 'lange', wot. 
me( tsässä). 

u. Sprechtaktbildung, bezw. worttrennung. 

Auf grund praktischer rücksichten werden die verschiede- 
nen Wörter getrennt geschrieben. Will man jedoch die nahe 



44 E. N. Setälä. 

lautliche Zusammengehörigkeit der Wörter bezeichnen, so ver- 
wendet man dafür das zeichen — zwischen den buchstaben- 
gruppen, die den Wörtern entsprechen. 

Die grenze des Sprechtakts wird durch und die der takt- 
gruppe durch bezeichnet. 

Z. b. fi. el—ole j aiat ' nlnlcun—oli \ ennen 'die Zeiten sind 
nicht mehr, wie sie früher waren'. 

12. Die dauer (Quantität). 

Die zeichen für die quantität werden oberhalb der zeile und 
oberhalb, bezw. oben rechts von den lettern gestellt. Diese 
zeichen sind folgende: 

-"-- kurz (gew. unbezeichnet). 

--- halblang. 

--"- lang. 

— -- überlang. 

Beim gebrauch dieser zeichen ist das prinzip der gegen- 
sätzlichen ver\\'endung besonders zu beachten. So darf man 
z. b. im finnischen die quantität des silbenauslautenden kon- 
sonanten unbezeichnet lassen, u'eil derselbe immer halblang ist 
(z. b. fi. ih)ia statt ir))ia); wenn dagegen der silbenauslautende 
konsonant im finnischen ausnahmsweise kurz ist, muss hier die 
kürze, welche überhaupt unbezeichnet bleibt, bezeichnet wer- 
den, z. b. fi. dial. part. 'kannri 'die henne'. Im estnischen, wo 
der silbenauslautende konsonant sowohl kurz als halblang (bezw. 
lang) sein kann, ist, wie gewöhnlich, die kürze unbezeichnet 
zu lassen, die länge aber zu bezeichnen, z. b. iT)n 'luft', part. 
iVma, gen. ilma. — Beispiele für länge und überlänge haben 
wir z. b. im est. snnia "erhalten': sämä-päev. 

Die überkurzen laute werden mit kleinen buchstaben 
über der zeile bezeichnet, siehe oben 9. 1), s. 43. 

Die doppelschreibung bedeutet nie einen quantitäts- 
grad, sondern zeigt an, dass der betreffende laut zu zwei ver- 
schiedenen Silben gehört, z. b. fi. vr/ati, gen. von rälca 'wage', 
fi. Unna 'bürg', est. liii 'stadt', gen. Unna, part. Unna, estS. 
liila 'dorf, part. küll((\ illat. JcäPlä. 



über transskription der finnisch-ugrischen sprachen. 45 

13. Die stärke (der exspiratorische accent). 

Die nebenzeichen für die relative stärke werden hinter den 
buchstaben, welcher den sonanten der silbe angiebt (rechts 
in der zeile), gestellt: 

- • -- stark (.,hauptaccent"), z. b. fi. m'na 'wort'. 
--■--■ mittelstark („nebenaccent"), z. b. fi. scrnonur.fon 'unaus- 
sprechlich'. 

Schwäche („unbetontheit") bleibt unbezeichnet. 

Die relative stärke der Sprechtakte kann durch kleine 
Ziffern über der zeile bezeichnet werden, wobei die kleinere zahl 
den stärkeren takt andeutet, z. b. fi. ^ei—nihiulla ^ ifseUänihjn 
|3 oJer—raha \\^ srdiTcTca muüle anta 'ich habe selbst kein geld, 
noch weniger den anderen zu geben'. 

14. Die stimmhöhe (der musikaUsche accent). 

1) Weil die höhere stimme gewöhnlich mit der grösseren 
stärke verbunden ist, bedarf sie in der regel keiner besonderen 
bezeichnung. Die fallende oder steigende richtung kann durch 
schiefe striche oberhalb der zeile bezeichnet werden: 

"^-^ fallend, z. b. fi. Jc'rto^ 'danke'. 

^^ steigend, z. b. f. Irito's 'danke'. 

Wo eine genauere bezeichnung nötig ist, kann man be- 
sondere mittel gebrauchen (z. b. solche, die Techmer in der 
Internationalen Ztschr. I 181 beschreibt, sodass man das Inter- 
vall von der unbezeichnet bleibenden mittleren stimmhöhe durch 
die arabischen, resp. römischen zahlen bezeichnet), von deren 
darstellung ich hier absehe, weil die bedürfnisse in den ver- 
schiedenen sprachen verschieden sein können. 

2) Der musikalische satzaccent wird bezeichnet durch vor- 
gesetzte 

( für hohe Stimmlage; 

I für niedere Stimmlage. 



46 E. N. Setälä. , 

Die mittlere Stimmlage bleibt unbezeichnet. 

y oder / bezeichnet allgemeine Steigerung der 

stimmhöhe. 

\ oder \ bezeichnet allmähliches sinken der 

stimmhühe. 



Dies sind nun die grundzüge unseres Vorschlages. Ich 
habe mehr beabsichtigt die allgemeine richtung und die grund- 
sätze des S3^stems als die einzelheiten, welche sich für die 
verschiedenen spräche in etwas verschiedener weise gestalten, 
darzustellen. Ich sehe hier auch von einer detaillierten exem- 
plifikation des Systems ab, w^eil die beste exemplifikation in ein- 
zeldarstellungen der phonetik und transskription der verschie- 
denen finnisch-ugrischen sprachen gegeben wird. Von solchen 
einzeldarstellungen ist schon ein aufsatz „Zur ausspräche des 
norwegisch-lappischen" von Koxrad Nielsex (dozent der fin- 
nischen und lappischen spräche in Kristiania) eingegangen, 
und ich hoffe, dass wir in der zukunft solchen über das laut- 
sy.stem verschiedener finnisch-ugrischer sprachen (z. b. des 
mordwinischen, wotjakischen, ostjakischen, hoffentlich auch des 
finnischen und ungarischen) entgegensehen können. 



Die gröbere transskription (bezw. citatschrift). 

Viel feinere unterschiede als oben vorgeschlagen worden, 
Hessen sich natürlich machen, aber für manchen sind wohl 
schon die hier vorgeschlagenen allzu fein. Ein ganz einfaches 
sj'stem, welches demungeachtet den mannichfaltigen bedürfnissen 
der erforschung lebendiger mundarten entsprechen könnte, ist ja 
überhaupt nicht möglich, aber es muss zugestanden v.'erden, dass 
man in vielen fällen mit einer viel einfacheren transskription 
auskommen kann. Besonders wäre es ganz \-erdrie.sslich, ja 



über transskription der finnisch-ugrischen sprachen. 47 



sogar unthunlich, die formen der litteratursprachen mit ihren 
hergebrachten und ausgeglichenen Orthographien, wie auch die 
von den älteren forschern überlieferten mit einer gröberen trans- 
skription aufgezeichneten formen in die feinere bezeichnungsvveise 
umsetzen zu wollen. Man kann also nicht umhin solche formen 
in hauptsächlicher Übereinstimmung mit den quellen selbst zu 
geben, aber zugleich ist es nötig solche gröber und abweichend 
bezeichnete formen auch sichtbar \'on der feineren transskription 
zu unterscheiden. Weil wir die kursivschrift der feineren trans- 
skription allein haben vorbehalten wollen, haben wir für die 
gröbere transskription eine halbfette (stehende) schrift (corpus 
egyptienne), welche in der druckerei zu unserer Verfügung 
stand, gewählt. Diese schrift ist vielleicht ein bischen zu schwarz, 
was buntscheckigkeit hervorrufen könnte, aber diesmal konnte 
der Sache nicht anders entsprochen werden; wenn die geehr- 
ten fachgenossen sich entschieden gegen den gebrauch dieser 
Schriftart aussprechen, werden wir massregeln treffen um eine 
etwas magrere schrift anzuschaffen. Jedenfalls aber bin ich 
der ansieht, dass man die verschiedenen transskriptionsarten 
nicht in ein und derselben weise, nur mit kursivschrift, be- 
zeichnen sollte; in einer Zeitschrift, die hauptsächlich mit den 
altüberlieferten Schriftsprachen operiert (wie z. b. die Indoger- 
manischen Forschungen), kann dieses angehen, nicht aber hier, 
wo die meisten belege aus den lebendigen mundarten herbei- 
geschafft werden müssen. 

Die gröbere transskription wird also in folgenden fällen 
verwandt. 

1. Zur bezeichnung der finnischen, estnischen, lappi- 
schen und ungarischen Schriftsprache und der betr. dia- 
lektformen, die in hauptsächlicher Übereinstimmung 
mit den Orthographien der Schriftsprachen aufgezeichnet 
worden sind. 

Im finnischen ist zu merken: y = ü; j = /; n vor 
k ^ ?/, ng ^ iy>/; doppelschreibung der vokale aa 00 u. s. w. 
bedeutet die länge: =: ä ö u. s. w. 

Im estnischen ö = (?; g d b =: stimmlose mediae 
(0 T) I)); k t p sind eigentlich geminaten, von welchen ein sehr 
kurzer teil zur ersteren silbe gehört; doppelschreibung der vo- 
kale wie im finnischen. Abweichend schreiben wir jedoch v 



48 E. N. Setälä. 

(statt w) und bezeichnen, womöglich, auch die mouillierung nach 
dem WiEDEMAXx'schen muster, z. b. tuul' 'wind', önn 'glück'; 
auch z wird je nach den quellen geschrieben. 

Im lappischen : ae = ä oder eä, c = ts, c = t!§, d = ö, 5 ^ ds, 
ns, 5 = d'S, v5, g =: y, 1] = 11^ h =^ h,t =^ ^. Dazu kommen 
noch einige zeichen, die in wissenschaftlichen \\'erken der grös- 
seren genauigkeit wegen (teils schon von Frhs, teils von Qvig- 
stad) gebraucht worden sind: a = das „dunkle a" (ein ö-arti- 
ger laut ?), e = e, „ein et^'mologisches e, das in gewissen dia- 
lekten i ausgesprochen wird'', ö ^ <? (?), sowie auch ', welches 
,,die länge des vorhergehenden konsonanten oder vokals" in der 
starken stufe bezeichnet (z. b. nach der gewöhnlichen Orthogra- 
phie juolgge, nach Friis juölgge, nach Qvigstad juöl'ge "fuss'). 

Im ungarischen: a = a, c oder cz =:: Ay, es = U, 
gy := d\ ly = /', bezw. j; ny = h, s = .s-, sz = s, ty =. f, 
z :rr: ^j zs ;= s, a e 6 ü i ö ü := r7 e ö ?7 / ü. In den dialekt- 
aufzeichnungen : ä = rt, ä ;= «, e = ?, e ;= «, e =- li. 

2. In den citaten aus den älteren quellen (aus der älteren 
litteratur, aus alten grammatiken und \\'örterbüchern), welche 
überhaupt noch gröbere oder wenigstens ungleichmässigere 
Schreibweisen zeigen als die heutigen Orthographien der Schrift- 
sprachen. Dabei werden natürlich die Schreibweisen der quel- 
len diplomatisch genau wiedergegeben. 

3. Bei der anführung von formen der verschiedenen nicht- 
litterarischen sprachen nach den (älteren) forschern, die sich einer 
gröberen transskription bedient haben, also karelisch nach Am.- 
QvisT und Genetz 1, wepsisch nach Lönxrot und Ahlqvist (und 
Basilier), wotisch nach Ahlqvist (und Mustonex), li\'isch nach 
Sjögren und Wiedemanx, Inari- od. Enare-lappisch nach Löxxrot 
und Andelin, mordwinisch nach Ahlqvist, Wiedemaxx und 
Budenz-Reguly, tschere missisch ^ach Castren, Wiedemaxx und 
Budenz-Reguly, syrjänisch und wotjakisch nach Castrex und 
Wiedemaxx, wogulisch nach Huxfal\^'-(Bl'dexz-)Reguly und 



^ D. h. nach den arbeiten »Tutkimus Venäjän Karjalan kie- 
lestä» und »Tutkimus Aunuksen kielestä», wo eine etwas gröbere 
transskriptionsweise, in naher Übereinstimmung mit der Orthographie 
der li. Schriftsprache (Jedoch natürlich mit zusatz von verschiedenen 
buchstaben), gebraucht worden ist. 



über transskription der finnisch-ugrischen sprachen. 49 

Ahlovist, ostjakisch nach Castren, Hunfalvy und Ahl(jvist. 
Diese transskriptionen stehen ja, was ihre grobheit, bezw. fein- 
heit betrifft, ungefähr auf demselben Standpunkt wie die Ortho- 
graphien der Schriftsprachen und lassen sich in sehr vielen 
fällen nicht mit Sicherheit in die unsrige umsetzen (man kann 
z. b. oft nicht genau sagen, ob ein c = U oder ü oder /.v, 
y =: / oder i sein soll u. s. w.). Weil jedoch in diesen trans- 
skriptionen sehr oft verschiedene bezeichnungen für dieselbe 
Sache vorkommen (z. b. bei einigen c, bei anderen t), haben 
■wir geglaubt im Interesse des lesers zu handeln, wenn wir 
einige bestimmte bezeichnungsweisen gewählt haben, sodass 
eine und dieselbe sache, soweit wie möglich, immer nur auf 
eine weise bezeichnet werden möge. Die buchstaben des in 
der weise gebildeten gröberen transskriptionsalphabets, die von 
dem ge\\'öhnlichen lateinischen aiphabet entweder in ihi'em laut- 
wert oder in ihrer form abweichen, sind folgende: 

y (WiEDEMANN y, Uv. 0, LÖNNROT, 11, U., ÄNDELIN V, AhLQVIST 

i, i, Budenz-Reguly i, Budenz 1)=/, /, 5, o, teils auch i. 

Ö (WiEDEMANN Ö Und 0, AhLQVIST ü) = 6, 9, 9. 

e (Ahlovizt, Andelin, Budenz-Reguly e) ^ e, 9, 9, viell. auch e. 

c (Castren und Budenz c) = h'. 

<i (Hunfalvy und Budenz c, Castren c\ c, Lönnrot c', Ahl- 

QviST c, Andelin c, Ahlqvist, Genetz und Mustonen 

t) = t'§, fs, Av. 
3 (Castren und Budenz 3, Lönnrot und Andelin z) = dz, ds. 
g (Budenz 3, Castren 3, Lönnrot z', Andelin z, Ahlovist 

und Genetz d, Donner /) z= d'i, dz, ds, df. 

Bemerkung. Wenn die quellen ts, ts, ts, dz, dz, dz 

schreiben, werden diese Schreibweisen unverändert beibehalten. 

i (Castren i, Ahlovist i, Budenz /) =: die ostj. stimmlose 
„lateralexplosiva" (ti- oder teilweise viell. nur l ?). 

d (Castren d, Budenz /) = die ostj. stimmhafte „lateral- 
explosiva" (?). 

d (Lönnrot und Andelin d') = d. 

t (Lönnrot und Andelin t') = ,!/. 

g (Lönnrot und Andelin g, Ahlqvist g) = y. 

X (Ahlqvist und Castren x, Hunfaln-y ch) = x. 

4 



50 E. N. Setälä. 

Bemerkung. Hier können auch die zeichen 6, .!A, )' und x 
gebraucht werden, obgleich die zeichen d, t, g (wie im Ipj und 
X typographisch besser mit den übrigen t^-pen übereinstimmen. 
q (Ahlqvist im wogul.) = /• (/.' ?). 
T\ (Castren und Andelin t], Lönnrot n', Ahlqvist, Genetz 

und Basilier n, Budenz u) = jy. 
z ^ ^. 
s z (allgem. s z, Castren s' z', s z, Lönnrot s', Andelix s, 

Wiedemaxn anfangs seh sh) = *? z. 
r f n s z u. a. mit dem mouillierungszeichen versehene buch- 

staben = t r n s z u. s. w. der feineren transskription. 

4. Bei der anführung von formen nach den mit russischen 
lettern geschriebenen quellen. Dabei werden überhaupt die 
oben angeführten bezeichnungsmittel verwandt (z. b. c = u, 
c :^ M, z = ;-!, z :=r /K, y zr: ij, ' :^ 1,; ji, K), e, 3 Werden je 
nach dem, was man sonst von der Schreibweise der liietr. ar- 
beiten weiss, entweder durch 'a 'u 'e e oder durch ä ü e ö (ö) 
wiedergegeben). 

5. Bei der anführung von citaten aus sprachen, die ande- 
ren Sprachgebieten angehören, welche citate überhaupt nach 
den in der Schreibung dieser sprachen altbewährten weisen 
mitgeteilt werden. Was besonders die Umschreibung slavischer 
Wörter betrifft, gebraucht man die gewöhnliche slavische trans- 
skription (welche eine Umschreibung der slavischen buchst ab en, 
nicht aber transskription der slavischen laute ist i). 

In allen übrigen fällen verwendet man, so weit wie mög- 
lich, die feinere transskription, so auch z. b. in den erschlosse- 
nen formen, wenn es nur möglich ist, z. b. fi. seison 'ich 
stehe' ■< *sansoin. Die den werken neuerer forschei", die 
ebenso feine oder vielleicht sogar feinere unterschiede machen 
als unsere transskription, entnommenen formen werden. wO' 
es sich mit Sicherheit bewerkstelligen lässt, in unsere feinere 
transskription umgesetzt. Allerdings kommen auch solche fälle 
vor, wo man sich eine Umsetzung (entweder in die feinere 
oder in die gröbere transskription) nicht auszuführen getraut 



1 Diese transskriptionsmethode wird auch in den slav. namen 
und in den Ortsnamen, die nicht für l^hnworter anzusehen sind,, 
verwandt. 



über transskription der finnisch-ugrischen sprachen. 5 i 

oder wo man sonst die Schreibweise des citierten v^erfassers 
unverändert geben will. In solchen fällen führt man natürlich 
die Schreibweise des betr. Verfassers nach seiner eigenen trans- 
skription (auch der Schriftart: kursiv, antiqua u. s. w. nach) 
ganz genau an ; um miss Verständnissen vorzubeugen, setzt man 
jedoch ein "i" vor die citierte form, um anzudeuten, dass das be- 
treffende citat eine Schreibweise enthält, die weder unserer 
feineren noch der gröberen transskription angehörte 



Diese vorschlage zur typographischen anordnung der trans- 
skription will die redaktion vorläufig in der praxis durchführen. 
Die mitarbeiter, die aus triftigen gründen eine abweichende 
Schreibweise gebrauchen wollen, werden gebeten dieses am 
eingange des betreffenden artikels besonders zu bemerken und 
die von ihnen gebrauchte transskription durch einen Schlüssel 
zur unsrigen in beziehung zu setzen. 

Behufs der einheit der äusseren anordnung der manu- 
skripte, wollen wir folgendes hinzufügen. Der laufende text 
unserer Zeitschrift wird in gewöhnlicher (stehender) lateinischer 
Schrift '^ gedruckt, welche zur auszeichnung mit spatium oder 
in kapitälchen (bei anführung von verfassernamen) gesetzt 
wird; die transskriptionen werden, wie schon gesagt, die fei- 
nere in kursivschrift, die gröbere in halbfetten lettern gesetzt. 
In der schrift des manuskripts wolle man 

spatium . . . . . durch .. 

KAPITÄLCHEN .... durch . 

gröbere transskription durch 
feinere fmnss'kripüon . durch 



andeuten. 



1 Dagegen deutet das ■*" keine reservation gegen die treue 
der wiedergäbe an. 

- Die deutsche Orthographie nach Duden, Vollständiges ortho- 
jjraphisches Wörterbuch der deutschen Sprache, 1900, mit der aus- 
nähme, dass die hauptwörter nicht mit grossen anfangsbuchstaben 
geschrieben werden. 



52 Kaarle Krohn. 



Schliesslich will ich noch bitten, dass die geehrten mit- 
arbeiter und fachgenossen ihre meinung nicht nur über die 
feinere transskription, worüber ich schon oben um beurteilung 
gebeten habe, sondern auch über die ganze typographische an- 
ordnung unserer Zeitschrift aussprechen wollen. Auf grund 
dieser bemerkungen, der erfahrungen während des laufes der 
arbeit, sowie auch der bedürfnisse, die sich bei der anwendung 
des transskriptionssystems auf die verschiedenen sprachen fühl- 
bar machen, ^\■ird die redaktion später einen mehr oder weniger 
\-eränderten und hoffentlich verbesserten \-orschlag erscheinen 
lassen können. 

Helsingfors. 

E. N. Setälä. 



Wo nnd wann entstanden die finnischen zanberlieder? 



In dem posthumen werke .Julius Krohn's Suomen suvun paka- 
nallinen j umalanpalveliis (Der heidnische gottesdienst des finnischen 
Stammes, 1894 137 — 140) ist vom herausgeber die theorie angedeutet 
worden, welche hier näher dargestellt und begründet werden soll. 
Ein referat nnd eine rezension dieser arbeit von K. B,hamm ist im Glo- 
bus LXVH n. 22 — 23 erschienen. Seitdem haben dieselbe frage behan- 
delt: H. Paasonen in Valvoja 1897 136 — 9, John Abercrojiby in seiner 
arbeit The Pre- and Proto-histoi-ic Finns II 1898 ixnd A. R. Niemi in 
Virittäjä 1899 n. 4 & 5. 



I. Finnisch-ugrische zeit. 

Eine eigenartige gattung der europäischen \'olkspoesie 
bilden die finnischen zauberlieder. Obwohl auch anderswo in 
den volkstümlichen beschwörungen ansätze zu einer poetischen 
form vorkommen, steht doch an zahl, mannigfaltigkeit des In- 
haltes und Schönheit der form die magische poesie der finnen 
einzig da. Dieser reichtum an zauberliedern wird gewöhnlich 
in Verbindung gebracht mit dem uralten zauberrufe, welcher 
schon in den isländischen sagen den finnen zuerkannt wird. 
Der grund dieser grossartigen Schöpfung wird infolge dessen 



1 

I 



Wo und wann entstanden die finnischen zauberlieder? 53 

in dem schamanistischen Charakter des finnischen \"olkes ge- 
sucht, welcher von der urreligion der ältesten finnisch-ugrischen 
zeit herzuleiten sei. 

Dass aber die zauberlieder in keiner direkten beziehung 
zum schamanismus stehen, bezeugt am besten der mangel die- 
ser dichtungsart bei den läppen, deren rühm als Vertreter der 
Zauberkunst denjenigen der finnen weit überhallt. Ebenso we- 
nig sind bei den ostjaken und wogulen, welche das zeichen 
des schamanismus, die zaubertrommel, noch treuer als die läp- 
pen bis auf die neuste zeit bewahrt haben, beschwörungsfor- 
meln vorhanden. 

Ganz richtig erklärt J. Abercromby (II 44), dass im ur- 
sprünglichen Stadium des schamanismus krankheiten haupt- 
sächlich durch opfer geheilt wurden, wobei der zauberer die 
aufgäbe hatte, mit hülfe seiner trommel zu erforschen, wem 
und was zu opfern sei. „Wenn sie überhaupt irgendwelche 
formein kannten, so waren sie gewiss von sehr einfachem Cha- 
rakter: ein anruf an einen hülfeleister — — vom übel zu be- 
freien, und mehr in der art eines gebetes als einer magischen 
beschwörung. Sicher ist, dass die kenntnis der magie in der 
modernen bedeutung des Wortes noch nicht existierte. Kein 
gedanke, dass etwas erreichbar wäre mit andern, als scheinbar 
ganz natürlichen mittein. •' 

Feste Zauberformeln finden wir bei den wotjaken, tsche- 
remissen und mordwinen, und diese sind augenscheinlich einer 
und derselben art. 

Die wotjakischen von Y. Wichmanx (JSFOu XI 169 — 
193) veröffentlichten sprachproben geben uns den deutlichsten 
begriff vom Charakter dieser prosaischen Zaubersprüche. Bei 
den wotjaken finden wir zwei verschiedene formen, die wir 
mit ,,wenn"- und „wie"-form kurz bezeichnen können. Die ge- 
wöhnlichere „wenn "-form bringt etwas unmögliches vor, welches 
geschehen müsste, bevor das vom zauberer bekämpfte wesen 
die überhand bekäme oder ihm entranne. Von dieser form 
können noch sprachlich drei Varietäten unterschieden werden. 

a) Wenn er die sonne und den mond zurückwenden kann, 
dann mö^e er diesen menschen verderben können! (n. 3). 

1)) Wenn du diese weit im dunkel halten kannst, dann talle 
deine zuno;e auf diesen menschen! 124). 



54 Kaarle Krohn. 



c) Wenn der hund sich mit der katze befreundet, dann werde 
ein mensch aus dir! (i c). 

Von der anderen „\\ie"-form genüge als beispiel: 
Sowie die sonne klar ist, so möge auch dieser mensch klar 
werden (4 h). 

Beide formein werden gewöhnlich in ketten von zwei, 
drei, vier oder mehreren parallelen angewandt. Sogar mit ein- 
ander verbunden treten sie zuweilen auf, z. b. (1 b): 

Wenn aus dem ambos ein mensch wird, dann werde ein 
mensch aus dir I 

Wenn du einen menschen aus dem Schlägel machst, dann 
u. s. w. 

Einer sprudelnden quelle ähnlich fliesse aus dir der eiter I 

Dass diese Zaubersprüche bei den wotjaken nicht heimisch 
sind, ist unschwer zu finden. Schon das häuhge vorkommen 
des meeres bei einem volke, welches das meer nie gesehen 
hat, setzt fremden einfluss voraus. 

Wenn der blick das äuge des meerfisches tritft (4 bi. 

Wenn er die fische vom lioden von 70 meeren verderl)en 
kann (3 b). 

Nachdem du vom boden von 77 meeren sand geholt und 
davon einen strick gedreht hast, wenn es dir dann gelingt Ijis in 
den himmel hinauf zu klettern (23). 

Wenn du den ausfluss des meeres erreichst (331. 

Wenn er den auf dem meeresboden ruhenden anker anzün- 
den kann (8). 

W^enn es dir gelingt mit der zunge leckend vom boden des 
meeres, vom l)oden der Wolga den anker aufzuheben 135 c). 

Dass hier einfluss eines christlichen Volkes anzunehmen 
ist, bezeugen folgende wotjakische Zaubersprüche: 

Wenn der fisch das kreuz der kirche sieht (20). 

Wenn du das kreuz der mutterkirche erreichst (331. 

Wenn sie den teufel auf einem kreuze bringen können (181. 

Wenn es dir gelingt aus 1 2 badestubendächern eine kirche, 
aus 1 2 kirchendächern ein pferd, aus dem donner einen wagen zu 
machen (35 b). 

Wenn du die kugel des propheten Elias mit deiner stirn stüt- 
zen kannst (2). 

Die letztangeführte formel hat wohl eine scheinbar heid- 
nische parallele: 

Wenn er sich dem donnerkeil (eigentl. kugel) des ii'unar mit 
seiner stirn entgegenstellen kann ('^1. 



Wo und wann entstanden die finnischen zauberlieder? 55 

Doch ist leicht zu beweisen, dass an dieser stelle der ur- 
sprüngliche tinnisch-ugrische luftgott (Iiiiiior = finn. nmaxi) 
in seiner späteren, vom muhamedanismus und Christentum be- 
einflussten bedeutung \'om höchsten gott im himmel auftritt. 
Sein attribut, die blitzkugel, wird in beiden formein mit einem 
und demselben worte d'adra bezeichnet, welches aus dem russi- 
schen (jadro» entlehnt ist. Und beide formein haben gleicher- 
weise unmittelbar eine und dieselbe fortsetzung, in welcher die 
unm()glichkeit dargestellt wird, das kassengewölbe des kaisers 
zu füllen. 

Die \orstellung vom russischen herrscher und dem russi- 
schen gelde kommt noch in einigen anderen Zaubersprüchen vor: 

Sowie der köpf iles menschen sich zu dem kaiser wendet, so 
wende sich auch der köpf dieses menschen zu mir (aus liebe) (5). 

Diesem menschen bleibe eine stelle, die nicht grösser als diese 
kopeke ist! (6). 

Wenn er die mit einer beschwörung geworfene kopeke zu 
einem pflüge machen kann (7). 

Auf russischen einfluss weist noch die benennung des 
meeres mit dem slavischen lehnworte mora (3, 4b, 8, 33, 35c), 
seltener mit dem iranischen zariz (23, 35 c); vgl. auch die' be- 
zeichnung des schiffsankers 'karahfnis l'acjirez (3) und l'al-orez 
(35 c) mit dem russischen jakof. 

Es unterliegt also keinem zweifei, dass die wotjakischen 
Zaubersprüche, wie schon Abercromby (II 7) bemerkt hat, Imita- 
tionen russischer beschwörungen sind, in welchen nicht nur die 
.,wie"-form, die auch anderen Völkern geläufig ist, häufig ange- 
wandt wird, sondern auch die hier charakteristische „wenn"- 
form, obgleich seltener, vorkommt (z. b. L. Maikov, BcjiiKopyc- 
CKin aaKJiiiuaiiin 1869 n. 75 — 7; vgl. Abercromby II 31). 

Als beispiel tscheremissischer Zaubersprüche genügen ein 
paar sprüche aus den osttscheremissischen sprachproben \'on 
A. Ge>etz (JSFOu VII 142—7). 

Das teuer kommt wie ein trockner baumstamm brennend her- 
angewälzt; wenn es jemals in den Ut-(Patam-, Besert-)fluss drin- 
gen, denselben fluss verkohlen, zu asche verwandeln, verschlingen 
und aussaufen kann ; dann erst im selben augenblick möge die 
brandwunde sich meiner bemächtigen. Wie die butter (der honig, 
der morgennebel, am morgen der reif) schmilzt, so möge die brand- 
wunde in einem augenf>lick fortschmelzen (6). 



56 Kaarle Krohn. 



Auf dem S'pfel eines hohen berges ist eine goldene (silberne 
etc.) truhe, in der goldenen truhe ein goldener becher, in dem 
goldenen becher ein seidener knäul; wenn die schlänge in einem 
augenblick da hineindringen, beissen, fassen, es auffressen und aus- 
saufen kann, dann erst möge sie mich beissen können (8). 

In dem ersteren Spruche linden wir die „wenn "-form von 
der ..wie" -form begleitet, in dem letzteren aber geht derselben 
eine neue formel voraus, die in den russischen beschwörungen 
sehr beliebt ist, und die wir ,, wo'' -form nennen können. 

Alle drei formein zusammen kommen in einem mordwi- 
nischen, von H. Paasonen (JSFOu XII 13, n. 11) veröffent- 
lichten Zauberspruche vor. 

Ein grosser, grosser, grosser hügel, auf dem gipfel des hü- 
gels ein apfelbaum, um die erde herum strecken sich seine wur- 
zeln, am wipfel sind seine äste, an den spitzen der äste seine 
blätter, zwischen den blättern seine äpfel. Wenn die kerne der 
äpfel gezählt werden, wenn seine wurzeln in der erde gezählt 
werden, dann hafte die Verfluchung, dann kehre sie mit geräusch 
zurück! Ein grosses, grosses, grosses feld, auf dem grossen felde 
ist eine quelle, wie silber quillt ihr wasser hervor, wie gold fliesst 
das oberste ihres wassers, über die erde hin wirft sie ihren sand 
und grund. Wenn diese auf eine stelle gesammelt und gezählt 
und an ihren platz gebracht werden, dann u. s. w. 

Noch manche andere formein können wir in den mord- 
winischen Zaubersprüchen finden, wie folgende auch von russen 
angewandte (z. b. Maikov n. 142): 

Nicht ich bin es, der bläst, Gott bläst i JSFOu XII 6). 

Da aber das mordwinische material zum grössten teil noch 
unveröffentlicht ist, muss auf eine eingehende analysierung des- 
selben vorläufig verzichtet werden. 

Statt dessen können wir einige interessante beobachtungen 
inbetreff der finnisch-tatarischen tschuwassen machen. In 
V. Magnickij's Sammlung alten tschuwassischen aberglaubens 
(Maxcpia.ibi kx oöiflCHeHiio ciapoii MyRauicKoii Btpw^lSSl) 
finden wir beschwörungen, welche mit den wotjakischen fa.st 
wörtlich übereinstimmen, z. b. 

Wenn die sonne sich zurückwenden kann, dann mögest tlu 
dich vom platze bewegen (s. 153). 

Wie die sonne errötend aufsteht, so möge ich schTm in N. X.'s. 
äugen aussehen (s. 154). 



Wo und wann entstanden die tinnischen zauberlieder? 57 

Ausser der .,wenn"- und „wie "-form rtnden wir noch die 
.,wo"- und sogar die ,,niciit-ich"-form in einer und derselben be- 
schwörung angewandt, welche im anhange des Wörterbuches 
von N. I. ZoLOTNicKij (KopiiCBOii HyBauicKO-pyccKlH cjioBapb 
1875 178—180) abgedruckt ist. 

Dass die tschuwassischen Zaubersprüche aus derselben 
quelle wie die der erwähnten finnisch-ugrischen Völker geschöpft 
sind, beweisen nicht nur etliche christliche elemente, sondern 
vor allem das häufige vorkommen des meeres, welches den 
tschuwassen ebenso wenig wie den wotjaken bekannt ist. Dass 
dieses auch keine tatarische reminiscenz vom Schwarzen meere 
ist, sieht man deutlich aus folgendem spruch: 

Wie auf dem meere das eis kalt ist, möge dieser mensch 
kalt werden (Magnickij 155). 

Es muss notwendig ein einfluss aus dem norden von den 
Wohnsitzen der tschuwassen angenommen werden. 

Als resultat bleibt, dass die Zaubersprüche der wotjaken, 
tscheremissen, mordwinen und tschuwassen von den grossrussen 
in christlicher und zwar sehr später zeit entlehnt sind und so- 
mit nur einen negativen beweis für die existenz einer magi- 
schen poesie in der finnisch-ugrischen ui'zeit liefern können. 



11. Finnisch-mordwinische zeit. 

In seinem aufsatze über die poesie der ostfinnischen Völ- 
ker warnt jedoch H. Paasonex (Valv. 1897 139) vor allzu 
voreiligen Schlüssen, bevor das folkloristische material dieser 
Völker vollständig und genau gesammelt worden ist. Gern 
möge zugegeben werden, dass gerade bei den mordwinen, unter 
welchen er in der letzten zeit grossartige Sammlungen hat ver- 
anstalten lassen, die grösste möglichkeit ist, neues beweismate- 
rial zu entdecken. Wir können noch die frage aufu'erfen, ob 
der Ursprung der finnischen zauberlieder nicht aus der finnisch- 
mordwinischen zeit herzuleiten sei. 

Paasoxex zeigt 1) dass das versma.ss der mordwinen mit 
dem der finnen übereinsfimmt und eine gemeinsame poesie 
voraussetzt, und 2) dass in diesem versmasse nicht nur episch- 



58 Kaarle Krohn. 



lyrische lieder, sondern zuweilen auch magische gedichtet wor- 
den sind. Doch giebt er zu, dass diese letzteren hinsichtlich 
ihres Inhalts mit den finnischen nichts gemeinsames haben. 
Ausserdem muss bemerkt werden, dass die von ihm angeführ- 
ten beispiele ausschliesslich gebete, und keine beschwörungen 
sind. Das in dem erwähnten aufsatze vorkommende gebet zum 
waldgotte um gute fruchte im walde zu finden schliesst mit 
dem versprechen eines opfers. Ein anderes in seiner reise- 
beschreibung (JFSOu XVIII 4, 7) als liebeszauber bezeich- 
netes lied hat eine christlich -gefärbte einleitung, welche auch 
in den russischen liebesspri.ichen vorkommt (z. b. Maikov, 
n. 16, 24). 

Die gleichheit des versmasses bekräftigt wohl die möglich- 
keit einer früheren gemeinsamen poesie, beweist aber nicht, 
dass die uns erhaltenen lieder der finnen und mordwinen aus 
dieser dichtung stammen. Es müsste wenigstens an einem ein- 
zigen liede der gemeinsame Ursprung sicher festgestellt oder 
wahrscheinlich gemacht werden, um die annähme einer so 
speciellen gattung wie die der zauberlieder in der finnisch- 
mordwinischen zeit zu rechtfertigen. Es sind auch einige pa- 
rallelen aufgefunden worden, von welchen die merkwürdigste 

ein lied vom hopfen ist. 

Schon A. Ahlovist (Suomi 1857 10) hatte dieses lied bei 
den mordwinen aufgezeichnet und bemerkt, dass es einige 
ähnlichkeit mit dem aus dem Kalevala bekannten liede vom 
Ursprung des bieres hat. Dasselbe mordwinische lied hat 
Paasoxex in vollständiger form aufgeschrieben, und er findet 
beim vergleiche, dieses sei fast eine Variante des finnischen, 
wie es in Kanteletar (I n. 110) vorliegt. A. R. NieiMi (Vir. ISQ'-^ 
60) macht noch darauf aufmerksam, dass sich das finnische 
gegenstück in der von Lönnrot herausgegebenen Sammlung 
von Zauberliedern (Suomen kansan muinaisia loitsurunoja 298» 
findet, sodass hier m()glicherweise ein auch für die magische 
poesie bindernder beweis geliefert werden könnte. Eine spe- 
cielle unter-suchung ist also im vorliegenden falle wohl nötig. 

Bei den mordwinen fängt das lied mit der geburt und 
dem wachsen des hopfens an; diesen trägt der wind den weg 



Wo und wann entstanden die finnischen zauberlieder? 59 



entlang auf ein feld, wo ein reicher Erzja hier braut. Dann 
wird gesungen (JSFOu IX 77): 

Wohlan, getreide, machen wir friede, 
Wohlan, getreide, schliessen wir ein bündnis ! ^ 

— »Ich bin das getreide, bin sehr kräftig, 
Bin sehr kräftig, hänge mich an das herz..> 

— Ich bin der hopfen, bin sehr gallig, 
Bin sehr gallig, hänge mich an den köpf. 

Die nicht-streitenden bringen wir zum streiten, 
Die nicht-hadernden bringen wir zum hadern. 
Die nicht-singenden bringen wir zum singen, 
Die nicht-tanzenden bringen wir zum tanzen. 

Im estnischen volksliede ist das thema sehr beliebt und 
in reichlich über hundert aufzeichnungen aus allen gegenden 
Estlands und Livlands vorhanden. Eine dem angeführten teile 
des mordwinischen liedes genau entsprechende form kann ich 
jedoch nur in drei exemplarep aufweisen. Eines stammt aus 
dem Pernauschen kreis am Ri^aer meerbusen und lautet: 



Humal uikasi orunna, 

Kesu keeruti mäele, 

Vesi lauli laineella: 

xKuna me kolmi kokku saame, 

Siis me tükim tünderisse, 
Vajom vaadide vahele, 
V'ötam meele meeste päästa, 

Poole meele poiste päästa, 

Natukese naiste päästa, 
Tüki meelt tüdruku päästa. 



Hopfen jodelte im thale, 
Gerste drillte auf dem hügel, 
Sang das wasser auf den wellen : 
»Wenn wir drei zusammen kom- 
men, 
Drängen wir uns in die tonne, 
Sinken in die fässer, stehlend 
Den verstand vom haupt der 

männer, 
Halbverstand vom haupt der 
knaben, 
Etwas auch vom haupt der frauen. 
Und ein stück vom haupt der 
mädchen.» 



iHurt. II 24 738, aufgez. von J. Einer in Saarde oder 
Häädemeeste. 1 



In dem zweiten exemplare aus dem Dörptschen steht der 
schluss dem mordwinischen noch näher: 



6o Kaarle Krohn. 



Aame mibe mürrama, Männer treiben wir zum lärmen, 

Naise tantsma tanuta, Frau'n zum tanzen ohne haube, 

Latse palla pörmanduUa. Nackt die kinder auf der diele. 

(Hurt, II 30 651, aufgez. von T. Grünfeldt in Ronuu.i 

Ein drittes exemplar derselben art, aus Wierland an der 
grenze von Ingermanland, hat M. Weske in seiner ausgäbe 
estnischer Volkslieder (Eesti rahvalaulud I n. 47 1 veröffentlicht. 

Das auftreten dieser liedform sowohl im Südwesten als 
Südosten wie noch im nordosten des estnischen Sprachgebietes 
beweist, dass es allgemein bekannt gewesen sein muss. Als 
eine Variante desselben kann noch eine aufzeichnung gerechnet 
werden, in welcher die Schilderung des effekts fehlt und nur 
auf die frage .,wann" geantwortet wird. 

Umal uigasi oruna, • Hopfen jodelte im thale, 

Vesi See lauli lätteenna, Sang das wasser in der quelle, 

Kesu keerudi mäele : Gerste drillte auf dem hügel : 

Kunas me kolmi kokku saame, »Wann ist unsere Versammlung, 

Kolmi kokku kukkumaie, Um zu dreien hell zu tönen, 

Nellä ütte laulamaie? Um zu vieren schön zu singen? 

Sellel suurel jöulu pühal, An dem grossen Weihnachtsabend, 

Siis me kolmi kokku saame, Dann ist unsere Versammlung, 

Kolmi kokku kukkumaie, Um zu dreien hell zu tönen, 

Nellä ütte laulamaie.) Um zu vieren schön zu singen. )> 

(Hurt III 5 S53, aufgez. von ]. Kuusik i8<S9 aus Karksi im 
Pernauschen. Wahrscheinlich nur eine kopie davon ist H III 4 
219, von O. Kuusik 1890 gesandt aus Ambla in Jerwen : ohne 
zweifei ein plagiat ist H III 18 455.) 

Die drei ingredienzien des bieres treten uns auch in einer 
anderen form, ohne gespräch, entgegen. Es ist dies eine auf- 
zeichnung von W. VON DiTMAR in Rosenplänters Beiträgen (IV 
164 n. 48). 

Olge terve ölleseppad, Seid gegrüsst, ihr bieresschmiede, 

Kes need kolmed kokko pannud? Die vereinigt habt die dreizahl : 
Essite vessi veddela, Allererst das fiüss'ge wasser, 

Teiseks se makki maggus, Dann den süssen malz zum zwei- 

ten, 
Kolmadeks vihhad hummalad : Und zuletzt den liittren hopfen ; 



Wo und wann entstanden die finnischen zauberlieder? 



6i 



Kes vottis mele meeste peast, 

Poled meletl poiste peast. 

Tanno tariz;a naese peast? 
Mehhed mütsati mürravad, 
Naesed tannota tansivad, 
Poisid pole küljakül. 



Welcher stahl verstand von män- 

nern, 
Hall)verstand vom haupt der 
knaben, 
Klugen frau'n vom köpf die haube. 
Männer lärmen ohne mutze, 
Frauen tanzen ohne haube, 
Knaben halb geneigt zur seite. 



\'on derselben form finde ich noch zwei neuere Varianten 
aus Jerwen und Ösel vor. In der ersteren (Eisens samml. s. 
9374 aus Ambla) tritt als vierte ingredienz des bieres der Wa- 
cholder hinzu, in der letzteren (Hurt II 3.5 623 aus Poide) wer- 
den ihrer nicht weniger als sechs aufgezählt: wasser, feuer, 
kiefernrinde, malz, hopfen und hefe. 

In einer dritten Variante aus dem Dörptschen sind wir 
vom dialoge durch die anrede in die reine erzählungsform 
geraten. 



Öisu mees tegi ölutta. 

Pärnu mees pani pärmi sisse. 
Viru mees viha umalad, 
Järv^a mees jahud jämedad, 
Tuli siis ölu tugeva, 
Vötis meeled j. n. e. 



Ein mann aus EuseküU braute 

bier, 
Ein Pernauer legte hefe hinein, 
Ein Wierländer bitteren hopfen, 
Einer aus Jerwen grobes mehl, 
So wurde das bier stark. 
Nahm weg den verstand u. s. w. 



(H. II 30 334, von H. Raag aus Rannu. EuseküU liegt im 
Fellinschen.) 



Die geu'öhnlichste form des liedes vom hopfen ist aber 
die eines monologes, welcher in dem allergrössten teile der auf- 
zeichnungen vorkommt. Es genügt hier ein beispiel anzuführen; 
einige andere sind in den gedruckten Sammlungen von Neus 
und Hurt leicht zu finden (Ehstnische Volkslieder n. 101 H; 
\'ana kannel II n. .347 — 8). 



Umalas huikas paeussa, 

Käbi kärkis pöosaessa: 

> Tule tänna, noori mees sa, 



Rief der hopfen in der weide, 
Schrie der zapfen im gebüsche : 
»Komm hierher, du jünger bur- 
sche. 



62 



Kaarle Krohn. 



Vii mind kotiga koduje. 

Pane parre ääre peale. 

Sealt mina veeren veerikusse, 

Poen öUe poolikusse. 

\'ötan meeled meeste peasta, 

Pooled meeled poiste peasta, 

Mehed siis mütsata müravad, 
Naised tanuta tantsivad, 
Poisid poolisaabasteta. ;» 



Bringe mich im sack nach hause, 
Lege auf den rand der latten. 
\'on dort kriech' ich in die tonne. 
Schlüpf ich in des bieres kufe, 
Stehle den verstand von männem, 
Halbverstand vom haupt der 
knaben, 
Männer tanzen ohne mutze, 
Frauen tanzen ohne haube, 
Knaben ohne halbe stiefeln.:» 



(Eisens samml. 8022, von P. Kivisild von der insel Mohn.) 

Statt als monolog kann dasselbe aber auch in einfach er- 
zählender form vorgetragen werden (z. b. Xeus n. 101 J und 
98 E). 

Von den übrigen Variationen des estnischen liedes möge 
noch auf eine hingewiesen werden, wo statt des hopfens sein 
gefährte, die gerste, der hafer erklärt, wie sie (die gerste) zum 
malz gemacht, u. a. auf den latten getrocknet und mit dem 
hopfen in dieselbe kufe gedrängt wird, wonach sie alle um 
den verstand und zum tanzen bringt (H. II 20 91 aus dem 
Pernauschen). 

Es unterliegt also keinem zweifei, dass sowohl der hopfen 
als die gerste ursprünglich zum estnischen liede von der Wir- 
kung des bieres gehören. Diese annähme wird noch durch 
seine finnischen Varianten bestätigt. 

In Mittel-Ingermanland, in der gegend von Oranienbaum, 
ist das lied in folgender form erhalten (Porkka I n. 162). 



Hummala tapusta huusi, 
Odra pelloin pientaresta: 
Konsa me j'htehen yhymmän, 

Siit me miehen juovutamman. 
Ja miehen ilolla piämän. > 



Rief der hopfen von der hecke, 
Und die gerste von dem feldrain: 
»Wenn wir mal zusammenkom- 
men. 
Machen wir den mann betrunken, 
Halten ihn in lust und freude.» 



Diesem geht ein anderes lied vom brauen des bieres voran. 
In einer Variante (Porkka I n. 163) ist es sogar zwischen die 
Zeilen dieses kurzen Stückes eingefügt, sodass von dem ge- 
brauten biere gesungen wird: 



Wo und wann entstanden die finnischen zauberlieder? 63 



Siit hään naiset toruttelloo, Macht dann, dass die frauen zan- 

ken, 

.Miehet tappeloitteloo ; Macht, dass auch die männer 

streiten ; 

oder auch in einem dritten defekten, aber sichtbar ähnlichen 
oxemplare (Europaeus III 3 n. 75): 

HuUut tappeloitteleepi, Macht, dass die verrückten streiten, 

X'iisahat toruttele[epi]. Macht, dass auch die klugen 

zanken. 

In Xord-Ingermanland tritt zu dem hopfen und der gerste, 
wie auch im estnischen, noch dass wasser hinzu. 

Humala taposta huusi, Rief der hopfen aus der hecke, 

Otra pellon rintehestä, Gerste von dem offnen felde, 

\'esi kaivosta syvästä : Wasser von dem tiefen brunnen : 

Kons me yhteen yhymme? »Wann ist unsere Versammlung? 

loulun pitkinä pyhinä. In den langen weihnachtsfesten, 

Pääpyhinä pääsiäissä.» An dem grössten feste, ostern.» 

iSaxbäck n. 215; vgl. Reinholm XI n. 346.) 

Wie in einer estnischen \'ariante, ist hier nur von der zeit 
des bierbrauens die rede. Doch ist auch von der Wirkung 
des biertrinkens eine spur in einem anderen nordingerman- 
ländischen exemplare sichtbar, in welcher die allerdings aus 
einem anderen liede entlehnte Fortsetzung lautet: 

Sitt' on leikki lyötäneen, Dann ist zeit ein spiel zu »schla- 

gen», 
Tanssu tallajeltaneen. Und auch einen tanz zu »treten». 

(Saxbäck n. 266 b; vgl. Neovius, Paraske's Varianten zum Kale- 

vala r. 20.) 

Noch in Russisch-Karelien ist das lied vom hopfen und 
von seiner Wirkung angetroffen worden. 

Huutipa humala maasta. Rief der hopfen aus der erde, 

Otra pellon pient[arelta], Gerste von dem rain des feldes. 



64 Kaarle Krohn. 



Vesi kaivosta syvästä: Wasser aus dem tiefen brunnen; 

»Konsa me koolle saam[me], »Wenn wir mal zusammenkom- 

men, 
Ystävät vihollisiksi./ Freunde machen wir zu feinden. 

(Lönnrot A II 9 n. 57 aus Uhtue.) 

Diesem stück geht ein lied vom branntwein voran. Aber 
auch mit dem bierbrauen verbunden, wie in Mittel-Ingerman- 
land, und zwar im liede von Lemminkäinens fahrt zum gast- 
mahle ist die frage dieser drei ingredienzien des bieres, obwohl 
ohne jegliche antwort, anzutreffen, z. b. 

Humala huhusi puusta, Rief der hopfen von dem bäume, 

Vesi Juort[anin] joesta, Aus dem Jordanfluss das wasser, 

Otrat pellon pientaresta : Und die gerste von dem feldrain : 

>- Konsa me kooUa saamme, y.Wann ist unsere Versammlung, 

Millon yhteen yh3-mmä?>' Die vereinung mit einander?; 

I Lönnrot A II 5 n. 49 aus Lonkka im A'uokkiniemi-kirch- 
spiel; gedruckt in SuomI III 16: A. R. Niemi, \'anhan Kalevalan 
epilliset ainekset 162 — 3). 

Dass dieses lied in Russisch-Karelien nicht heimisch ist, be • 
weist schon der umstand, dass das wort humala nur in der 
bedeutung rausch gebraucht wird. Sowohl die kultur des hop- 
fens als das bierbrauen ist den Sängern dieser nördlichsten Va- 
rianten unseres liedes unbekannt. Es ist mehr als wahrschein- 
lich, dass auch dieses den weg so vieler anderer lieder aus Est- 
land durch Ingermanland und Finnisch-Karelien gewandert ist. 
und dass also nur das estnische original mit der mordwinischen 
parallele zu vergleichen ist. Es ist aber zweifelhaft, ob diese 
einmal direkt miteinander in Verbindung gebracht \\'erden können. 

Dasselbe thema scheint nämlich auch bei den litauern 
und letten beliebt zu sein, wie schon Julius Krohx in seiner 
finnischen litteraturgeschichte (I 332-3) gezeigt hat. 

Das gerstkorn sagte Der hopfen sagte 

Im scheunfach liegend : Auf dem gerüste : 

»Ich bin das körn doch, »Ich bin verschlagen 

Mein ist die stärke.» Und frisch und munter. ;' 



Wo und wann entstanden die finnischen zauberlieder? 65 



Die hefe sagte, 
Im fasse gährend: 
»Nichts seid ilir beide, 
Wenn ich euch fehle.» 

Der roggen sagte 
Im Speicher liegend: 
»So schweiget doch nur. 
Was wollt ihr reden? 



Wenn wir zusammen 
Die kanne füllen. 
Wir mögen reden 
Wie's jedem zukommt, 

Das reich sich prahlet. 
Und stark sich waget, 
Dass jung sich herzet, 
Und alt sich wälzet.» 



(G. H. F. Nesselmann. Littauische Volkslieder n. 321.) 



Ei du loser hopfen, 
Ei du grüner Schleicher, 
Als du allein warst, 
Gab es keinen hader; 



Seit du dich verbunden 
Mit der reinen gerste. 
Du böser hopfen. 
Machst du streit und hader. 



(Nesselmann n. 234.) 



Hinterm berge sät' ich gerste, 
Dass der hopfen es nicht merke; 
Aber pfiffig ist der hopfen. 
Steigt auf einen bäum und 

lauert. — 



Ach, du hopfen, struwelköpfger. 
Was verübtest du am männlein? 
Männlein stolpert auf dem wege 
Hin und her die mutze schwen- 
kend. 



(K. Ulimann, Lettische Volkslieder n. 228 u. 229.) 



Es muss somit die möglichkeit, dass dieses lied von den 
litauern oder letten entlehnt sei, in betracht gezogen werden. 
Zu den esten und finnen kann es entweder in älterer zeit von 
den litauern übergegangen oder in späterer zeit von den letten 
eingewandert sein. Die mordwinen können es aber bloss in 
älterer zeit von den litauern erhalten haben. Es wäre also denk- 
bar, dass es aus finnisch-mordwinischer zeit stammt, als ge- 
meinsames lehngut aus dem litauischen. 

Doch ist noch eine dritte erklärung der Übereinstimmung 
nicht nur möglich, sondern sehr wahrscheinlich. Ein bedeu- 
tender teil der mordwinischen lieder ist sichtbar russischen Ur- 
sprungs, und das könnte auch hier der fall sein, da die russen 
von dem hopfen lieder besitzen, wie er in einem monologe mit 
seiner Wirkung prahlt (A. I. Sobolevskij, BeünKopyccKia napoi- 
HUfl ntCHH I n. 501 — 3), obgleich ich keine vollständig bewei- 
sende parallele, in der der dialog mit der gerste vorkäme, zur 



66 Kaarle Krohn. 



hand habe. Unser lied könnte also ein slavisch-litauisches sein 
— nicht notwendig in der bedeutung gemeinsamen urbestandes, 
sondern ebenso gut durch entlehnung entstandenen besitzes — 
und einerseits von den russen zu den mordwinen und anderer- 
seits, wie erwähnt, von den letten zu den esten und von 
den esten zu den finnen gewandert sein, allerdings in ziemlich 
später zeit, wo sie alle schon ihre jetzigen Wohnsitze einge- 
nommen hatten. 

Die entstehung dieses liedes in der finnisch-mordwinischen 
zeit ist also mehr als zweifelhaft. Aber wäre die annähme 
auch sicher, so würde sie doch keinen anhaltspunkt für die 
entstehung der zauberlieder liefern. Denn das lied vom hopfen 
ist weder bei den mordwinen noch bei den esten oder finnen 
ein zauberlied. Bei den esten kommen wohl ein paar Zeilen 
dieses liedes in einem quasi-zauberliede vor, welches bei der 
Säuerung des dünnbieres gesungen wird. 

Taari laul. Dünnbierlied. 

Mede taar hapnema, Unser dünnbier werde sauer, 

Küla poisid kaklema, Nachbarsknaben mögen zanken. 

Kis juub, sii joonus jäägu, Wer trinkt, bleibe so betrunken, 

Kis maitseb, sii maha kukub, Wer sckmeckt, falle auf die erde, 

Küla poisid upakille. Nachbarsknaben mögen purzeln, 

Mehed mütsata mürama, Männer lärmen ohne mutze, 

Naesed tanuta tantsima. Frauen tanzen ohne haube. 

(Hurt III 14 329, von J. Täht aus Viljandi, kreis Fellin. 
Vgl. H. III 8 220, von J. Oja aus Nöo, kreis Dorpat.) 

In Ingermanland und Russisch-Karelien hat sich unser lied, wie 
schon bemerkt, mit dem liede vom bierbrauen vereinigt, welches 
wiederum mit sowohl epischen gesängen und lyrischen fest- 
liedern als noch mit zauberliedern verbunden auftritt. Das ist 
aber auch alles, was das lied vom gespräche und der Wirkung 
des hopfens mit zauberliedern zu thun hat. 

Doch findet sich im finnischen noch ein anderes lied vom 
Ursprünge des hopfens, obleich nur in einem einzigen exem- 
plare aus dem vorigen Jahrhundert erhalten, als zauberlied mit 
denen vom bierbrauen und vom Ursprünge des eisens ver- 
bunden. 



Wo und wann entstanden die finnischen zauberlieder? 67 



Humalan Syndy. Der Ursprung des Hopfens. 

Humalainen hupeloinen, Kleiner hopfen, possenreisser, 

Kyinä mahan kylfvettihin, Wie nattern gesäet in die erde, 

\'iholaisa viskoittihin Und als nessel hingeworfen 

Osman pellon pengerehen, An den rain von Osmas felde, 

Karjalan nijtj-n kanten, Auf die wiese des Kareliens. 

Tolta nousi nora vöinä, Schoss empor mit schnür als 

gürtel, 
Kasvoi koysi kainalossa. Wuchs mit strick vom arm um- 

schlossen, 
Kusisa kufvatteleksen, Trug zur schau sich längs den 

flehten, 
Xäreisä näyteleksen. Zeigte sich auf jungen flehten. 

(Suomi III 14 55. K. Fr. Bergs samml., herausg. von A. R. 
Niemi, n. 15 aus Nilsiä in Nord-Savolax.) 

Dieses lied hat Niemi verglichen mit dem anfange des 
erwähnten mordwinischen liedes. Der hopfen wird geschildert 
als geboren auf jener seite der Sura, Wolga an einem feuchten 
orte in dem riede, in dem weidengebüsch. Als er heranwuchs, 
umschlang er die \\'eide: „busenketten sind seine äste, marken 
von erz seine blättchen, kleine klappern seine knösplein". 

Die ähnlichkeit beider lieder ist jedoch allzu allgemein, 
um zur annähme eines gemeinsamen Ursprunges berechtigen 
zu können. Die speciellen züge sind derart verschieden, dass 
sie sehr gut ganz unabhängig von einander haben entstehen 
können. 

Mit dem liede vom hopfen zerfällt vorläufig die hoffnung 
gemeinsame zauberlieder aus der finnisch-mordwinischen zeit 
aufzuweisen. Um von der zukunft neue beweise hoffen zu 
können, müssen wir erst im klaren darüber sein, ob es uns 
möglich wird, die existenz der finnischen zauberlieder in der 
nächst folgenden, urfinnischen periode irgendwie wahrschein- 
lich zu machen. 



III. Urfinnische zeit. 

Der mangel an zauberliedern bei den liven und woten 
bedeutet an und für sich nicht viel, da ihr liederschatz über- 
haupt ein geringer ist. Man hat immer den ausweg eine ältere, 



68 Kaarle Krohn. 



verlorene poesie vorauszusetzen, obgleich anderseits in einer 
nüchternen forschung dieser ausweg nicht ohne begründung 
benutzt werden darf. 

Etwas mehr beweist schon die thatsache, dass bei den 
wepsen, deren dichtung ebenso spärlich ist, statt zauberlieder 
eine anzahl prosaischer Zaubersprüche aufgezeichnet worden 
sind. Aus der kleinen Sammlung von Ahlovist (Anteckningar 
i Nord-Tschudiskan 64 — 66) möge folgendes beispiel angeführt 
werden. 

Ich stand auf in der Segnung (blaslovas), wusch mich in 
der Segnung, begab mich, rührte mich auf das offene feld, auf 
die grüne wiese; auf dem offenen felde, auf der grünen wiese ein 
goldenes meer, in dem goldenen meere ein goldener stein, auf 
dem goldenen steine ein goldener hahn; wie der stein sich legte 
ins meer für allewige zeit, so möge dieses übel sich legen für 
allewige zeit! 

Dass dies eine russische Zauberformel ist, bedarf keiner 
weiteren erklärung. Es wird nicht nur von der „\n'o"- und 
„wie"-form, sondern auch von der einleitung sowie vom Inhalt 
genügend bewiesen (offenes feld — meer — stein). 

Es könnte wohl auch hier der einwand erhoben werden, 
die nordtschuden hätten ihre ursprünglichen zauberlieder ver- 
gessen und später die der russen erlernt. 

Wir haben aber noch die esten, bei denen \-on vergessen 
nicht die rede sein kann, da sie einen liederreichtum von über 
50000 Varianten besitzen. Dass unter diesen eine verschwin- 
dend kleine anzahl von zauberliedern zu finden ist, kann nicht 
mehr als zufall gerechnet werden, da fast jedes Örtchen im 
estnischen Sprachgebiete durch J. Hurt's unermüdliche Sammler 
durchstöbert worden ist. Dazu kommt, dass der grösste und 
beste teil der estnischen zauberlieder von den finnen entlehnt 
ist. Dies zu beweisen fordert aber ein besonderes und aus- 
führliches kapitel, welches zum nächsten hefte aufgeschoben 
werden muss. 

Zuvor aber ist noch eine frage zu beantworten. Wäre es 
nicht möglich wie in der Sprachwissenschaft durch die lehn- 
wörter, so auch in der volkspoesie durch bewiesene entlehnun- 
gen eine sichere Zeitbestimmung zu erhalten? Es ist jedoch in 
der Volkskunde ungemein schwieriger als in der Sprachwissen- 
schaft kriterien für das respektive alter der entlehnungen zu 



Wo und wann entstanden die finnischen zauberlieder? 69 

linden, wo ein einfluss zu verschiedenen Zeiten angenommen 
werden kann. Die finnischien zauberlieder sind sicher von den 
germanischen Zaubersprüchen beeinflusst worden, dass es aber 
in der zeit der gotischen Wörterentlehnungen geschehen sei, ist 
unmöglich zu beweisen, da wir über keine gotischen zauber- 
lieder verfügen, und da mit so vielfachem späteren germanischen 
einfluss auf die finnen gerechnet werden muss. Höchstens 
kann ein negatives resultat erzielt werden, wenn durch andere 
thatsachen \varhscheinlich gemacht wird, dass die germanischen 
zauberlieder selber nicht so alt sind. 

Bloss der litauische einfluss ist derart, dass ein positiv^er 
beweis für die urfinnische zeit erreicht werden könnte. Hätten 
die finnen mit den litauern oder letten gem.einsame zauberlie- 
der, die in neuerer zeit nicht durch Estland gewandert w^ären, 
so müsste die entlehnung geschehen sein, vordem die finnen 
ihre jetzigen Wohnsitze erreicht hatten. 

NiEMi hat zwischen den finnischen und lettischen zauber- 
liedern mehrere interessante parallelen aufgezeigt, von welchen 
er besonderes eine als beweisbar direkte entlehnung hervorhebt. 
Es ist die formel „wolle — mund", welche in der finnischen 
Schlangenbeschwörung gebräuchlich ist und im folgenden letti- 
schen Zauberspruche vorkommt: 

Die ehrliche, gnädige frau schläft am wegrande auf dem sande 
(im sumpfe auf einem erdhügel, im walde unter der wurzel); der 
mund ist voll mit wolle. (J. Alknis, Materialien zur lettischen volks- 
medicin n. 128, in R. Roberts Historischen Studien IV.) 

Dass sie auch bei den esten angetroffen ist (Kreutzwald 
und Neus, Myth. u. mag. Lieder der Ehsten n. 13), ist in die- 
sem falle kein hindernis für die annähme einer direkten bezie- 
hung in älteren zeit. Denn die von Kreutzwald angeführten 
drei ersten Varianten (A, B, C) sind auch die einzigen, in wel- 
chen sie vorkommt; in neuerer zeit ist kein weiterer beleg ge- 
funden worden. Von diesen aber ist die dritte (C) wahrscheinlich 
nur eine Umarbeitung der zweiten (B) — die lieder der er- 
wähnten Sammlung sind gewiss nicht alle in der aufgezeich- 
neten form abgedruckt — und die erste (A) ist eine erweiterung 
von Neus, EV n. 18, mit hülfe anderer handschriften, die ich 
nicht gefunden, hergestellt. Es ist also nur ein zuverlässiger 
beleg aus Jerwen (B) vorhanden, vielleicht ein zweiter (A) aus 



70 Kaarle Krohn. 



dem Nord-Dörptschen. — der zweifelhafte dritte (C) ist angeb- 
lich aus Wierland — also jedenfalls aus gegenden unweit 
der grenze von Ingermanland. Zum beweis, dass diese 
Schlangenbeschwörungen finnischen Ursprungs sind, will ich 
hier, nur eine beobachtung von O. Kallas anführen. In der 
ersten Variante (A) ist die erste zeile: mida karva Leena- 
kene 'welcher färbe bist du, Lene', bloss eine miss verstandene 
form der finnischen zeile : mikä karva lienetkänä 'welcher färbe 
auch magst du sein', wie auch eine spätere aufzeichnung aus 
Wierland (Hurt II 34 289): midas karva leenekene, bezeugt. 
Mehr zu^eifel erregt jedoch die richtige bemerkung von 
NiEMi, dass ein ähnliches bild auch in einem nordtschudischen 
Zauberspruche vorkommt (Ahlqvist 65 — 6). 

Ich stand auf in der Segnung — — auf dem offenen felde, 

auf der grünen wiese eine schwarze schlänge, graue schlänge, 

bunte Schlange, braune schlänge und aller schlangen älteste, im 
munde wolle, im köpfe wolle — — 

Dieses bild kann also auch von den russen entlehnt sein 
und zwar in später zeit, da die russischen Zaubersprüche über- 
haupt zweifellos christlichen Inhalts sind. 

XiEMi (s. 57) weist jedoch auf noch eine möglichkeit hin 
die beziehungen der litauischen und finnischen beschwörungen 
zu erklären. „Wenigstens teilweise haben die beiden ganz ge- 
wiss eine gemeinsame quelle: die germanische beschwörung''. 

Aber sobald mit der letzten annähme als einer möglichen, 
ja sogar als einer wahrscheinlichen, gerechnet werden muss, 
steht auch jener beweis für eine direkte beziehung zwischen 
den finnen und letten auf unsicherem gründe. 

Besitzen wir denn überhaupt einen festen boden für der- 
artige vergleiche? Wenn man die ziemlich vollständige Samm- 
lung lettischer Zaubersprüche von J. Alksnis durchliest, fängt 
man unwillkürlich an daran zu zweifeln. Überall und reichlich 
vertreten sind in diesen die christlichen elemente: Gott selbst, 
Gottes Sohn, Heiliger Geist, Jungfrau Maria, Johannes, Petrus, 
Zacharias, Abraham, Jordan, kirche, kreuz, pastor, taufvater 
u. a. Auch die namen von Städten: Riga, Windau, Libau, 
Mitau, nebst dem vorkommen von pistolen (n. 277), zeugen 
von christlicher zeit. 



Wo und wann entstanden die finnischen zauberlieder? 7 1 

Welches sind aber die heidnischen elemente in den letti- 
schen Zaubersprüchen? Böse geister haben im Volksglauben 
auch, ja gerade in der christlichen zeit eine grosse rolle gespielt; 
in frage kann nur gestellt werden, in welchem grade das böse 
prinzip schon in heidnischer zeit bekannt gewesen ist. Der 
donnergott Pehrkons hat sicher noch in der christlichen Vor- 
stellung des lettischen Volkes fortgelebt, er existiert ja sogar noch 
bei den finnen als bezeichnung des bösen : perkele. Er tritt 
in der Sammlung von Alksnis fünfmal (36, 164, 256, 288, 332) 
als vertreiber der bösen geister auf; die idee, dass dem bösen 
geist vor dem donner besonders bangt, ist überall in den 
sagen der christlichen Völker verbreitet. In drei von diesen 
fällen (164, 256, 332), sowie noch in zwei andern (75, 154) 
finden wir die christliche drei- oder neun- (auch 3 X 9-)zahl. 
In einem Zauberspruche (330) reitet der heilige Gott auf dem 
rosse des Pehrkons, woraus die Verschmelzung dieses We- 
sens mit dem christlichen glauben am besten erhellt. Sein 
vorkommen ist mit dem erscheinen des liimar in den wotja- 
kischen zauberliedern gleichzustellen. — Neben der Jungfrau 
Maria, kommen noch zwei andere weibliche wesen vor: 
Mahfa und Laima 'göttin des glucks'. „Soweit man nach den 
vorhandenen Quellen urtheilen kann", erklärt Alksxis (s. 177), 
„ist zwischen Laima und Mahi'a (deminut. Alahrina) kein be- 
stimmter Unterschied. Der Name Mahfa = Maria möge unter 
dem Einfluss des katholischen Glaubens in späterer Zeit an die 
Stelle der Laima getreten sein, denn die Besprechungsformeln 
lassen es ohne Weiteres erkennen, dass die lettische Gottheit 
Laima in ihrem Handeln auffallend nahe kommt der segnenden 
Mutter Christi; es lassen sich wenigstens für Mahfa keine be- 
sonderen Functionen auffinden, welche nicht auch der Laima 
zugesprochen würden. " 

Die „liebe" Mahfa, die „heilige frau", welche mit ihrer 
rechten band ein heiliges kreuz schlägt (208), ist ohne zweifei 
identisch mit der lieben und heiligen Mutter Gottes. Aber es ist 
möglich, dass auch Laima, die „liebe" (92), die „mutter" (142; 
vgl. 280 mütterchen L. mit dem goldenen besen, mit welcher 
in n. 123 Mahfina dreimal um die kirche läuft) in diesen Zau- 
bersprüchen nur eine Substitution derselben ist. In der magi- 
schen poesie der finnen treffen wir ähnliche poetische umschrei- 



72 Kaarle Krohn. 



bungen der Jungfrau Maria in Ilmatar 'Luftmaid', Synnytär 
'Geburtsmaid' und Luonnotar 'Naturmaid'. 

Bis in die letzten zelten hat wohl als axiom gegolten, 
dass christliche namen in der volkspoesie Stellvertreter früherer 
heidnischer namen sind. Diese vom Verhältnisse zwischen dem 
klassischen heidentume und dem christlichen Volksglauben 
ererbte anschauung kann aber in betreff der nordischen Völker 
nicht mehr ohne weiteres gutgeheissen werden. Das einzig 
richtige prinzip bei der beurteilung des heidnischen oder christ- 
lichen Ursprungs einer Volksüberlieferung kann folgendes sein. 
Wenn in allen exemplaren derselben ausschliesslich und sicher 
heidnische elemente vorzufinden sind, so muss ein heidnischer 
Ursprung angenommen werden, bis das entgegengesetzte be- 
wiesen worden ist. Kommen aber in allen vorhandenen auf- 
zeichnungen bloss und deutlich christliche elemente vor, so soll 
ebenfalls ein christlicher Ursprung angenommen und die beweis- 
führung der widersprechenden meinung abgefordert werden. 
Jedoch in den interessantesten fällen, wenn so\vohl heidnische 
als christliche namen in verschiedenen Varianten einer und der- 
selben Überlieferung oder sogar in einer und derselben Variante 
gemischt auftreten, kann ohne prüfung der beweise beiderseits 
überhaupt keine annähme gelten. 

An und für sich ist die substituierung eines heidnischen 
namens an die stelle eines christlichen gewiss nicht schwerer 
denkbar als die umgekehrte. Vorausgesetzt wird im ersteren 
falle, dass ein aus der heidnischen zeit ererbter name, teilweise 
mit applizierter bedeutung, in dem christlichen Volksglauben 
erhalten sei; im letzteren falle, dass ausser dem namen eine an 
diesen geknüpfte sage fortgelebt habe. 

Auf diese frage, eine der wichtigsten in der mythologie 
moderner Völker, werde ich gelegentlich zurückkommen. Dies- 
mal gilt es fest zu stellen, dass sich keine anhaltspunkte für 
die annähme urfinnischer zauberlieder finden, und zu diesem 
zweck müssen, wie gesagt, die estnischen zauberlieder im fol- 
genden kapitel näher untersucht werden. (Fortsetzung folgt.) 



Kaarle Krohn. 



über den Ursprung des personalsuffixes -n im ungarischen. 73 



Über den Ursprung- des personalsuffixes -n 
im ungarischen. 



Die ungarischen v^erba scheiden sich ihrer subjektiven 
konjugation nach in zwei gruppen, deren eine in der 3. person 
sing, -ik als personalsuffix hat, in der anderen aber giebt es 
in der 3. person sing, im allgemeinen kein personalsuffix, 
ausser im imperativ, in welchem die 3. person sing, immer 
durch -n gekennzeichnet ist (z. b. varjon 'soll warten', kerjen 
'soll bitten'), und im praesens des verbums 'sein': vagyon 
"er ist'. Ausser diesen kommt das personalsuffix -n nur in 
wenigen beispielen, im praesens und praeteritum gewisser verba 
vor; namentlich in folgenden: leszen Geszen) 'er wird', teszen 
(teszen) 'er thut, er macht', veszen (veszen) 'er nimmt', viszen 
'er trägt', hiszen 'er glaubt' megyen (dial.: megyen, menen, 
menyen, mengyen) 'er geht' | jön 'er kommt' j nincsen 'er ist 
nicht', sincsen 'er ist auch nicht' ^ metszen 'er schneidet', 
vonszon 'er zieht, schleppt'; eszen (eszen) 'er isst', iszon 'er 
trinkt', fekszen 'er liegt', aloszon 'er schläft' (in der älteren 
litteratur) hin, hin 'er ruft', szin, szin 'er saugt', rin, ren, rin 
'er weint', sen-ren 'er weint immerfort', Ion 'er schies.st', fön 
'er kocht' (intrans.), szön 'er webt', ben 'er brüllt, heult', nyön 
'er wetzt ab, trägt ab; er rauft aus (hanf)', nyün 'er wächst', 
fun 'er bläst' (hie und da in der Volkssprache) |; tön 'er that, 
er machte', Ion 'er wurde', von 'er nahm' | ten, len, ven id.: 
ön 'er ass', hün 'er glaubte' (in der älteren litteratur). Aber 
auch in diesen ist das suffix -n keineswegs beständig; anstatt 
eszen (eszen), iszon, fekszen, aloszon kommen die formen mit 
dem suffix -ik (eszik, iszik, fekszik, aloszik od. aluszik, alszik) 
schon in den ältesten Schriftdenkmälern bei weitem häu- 
figer vor, und seit geraumer zeit werden diese (mit ausnähme 



1 Auffallend ist in nincsen und sincsen das offene e f= ä), 
während sonst vor dem suffix -n immer geschlossenes e (e) (und 
dem entsprechend in Wörtern mit hinteren vokalen o) steht. 



74 J- SZINNYEI. 

des gemeinspr. suffixlosen meg-esz 'er isst auf, z. b. alles, 
dich, euch' und dem dial. vorkommenden eszen) ausschliesslich 
gebraucht; die übrigen kommen alle auch ohne jegliches per- 
sonalsuffix vor, z. b. lesz, tesz, vesz, megy, jö, nincs; leve 
u. s. \v., und zwar sind die suffixlosen praesensformen keines- 
wegs nur ausnahmsweise gebrauchte, sondern ganz gewöhn- 
liche formen, die in der jetzigen spräche beinahe alle entschie- 
den häufiger vorkommen, als die mit -n. ^ 

In den übrigen finnisch-ugrischen sprachen finden wir, 
dass die 3. person sing, (übereinstimmend mit dem ungarischen) 
im allgemeinen nur im imperativ immer mit einem perso- 
nalsuffix bezeichnet, sonst aber (mit wenigen ausnahmen) 
suffixlos ist. Z. b. IpN. lokka- 'lesen": praes. (1. loga-m, 2. 
loga-k), 3. lokka; praet. (1. lokki-m, 2. lokki-k), 3. logai; po- 
tent. (1. logaca-m, 2. logaca-k), 3. logaca; — imperat. 3. lokku-s 
(personalsuffix : -s); IpS. vieso- "leben': praes. (1. vieso-b, 2. 
vieso-h), 3. vieso; praet. (1. viesoi-b, 2. viesoi-h), 3. viesoi: 
potent. (1. viesoea-b, 2. viesoea-h), 3. viesoc; optat. od. kondit. 
(mit einem hülfszeitwort) 1. viesoli-m, 2. viesoli-h), 3. viesoli; 
— (eee- 'lieben') imperat. 3. ece-s, eco-s (personalsuffix: -s) 
finn. (suomi) mene- 'gehen': praes. (1. mene-n, 2. mene-t), 
3. menee ■{■= praesensstamm ; Setälä, TuM 4); praet. (1. 
meni-n, 2. meni-t), 3. meni; potent. (1. menne-n, 2. mennet), 
3. mennee {= potentialstamm, vgl. praesens); kondit. (1. me- 
nisi-n, 2. menisi-t), 3. menisi; — imperat. (optat.) 3. menkään, 
menköön << * })ie}]M-hen, * metjTcö-hen (personalsuffix: * -heu 
<l* -sen) mord. pele- 'fürchten': praes. (1. pela-n, 2. pel'a-t << 
*peli-cm, -af: nomen verbale -f hülfszeit\\-ort), 3. peli (nomen 
verbale); praet. (1. peli-n, peli-n, 2. peli-t, peli-£), 3. pels, pelz, 
pelez (nomen verbalej; potent. (1. pelele-n, pelevli-n, 2. pele- 
le-t, pelevli-t' •< *pele-uliii, -ulit\ mit einem hülfszeitwort), 3. 
pelel, pelevel (<< *pele-nl': vgl. kunda-ul "würde fangen'; ul 
<C *uli nomen verbale); — imperat. 3. pele-za, pele-ze (perso- 
nalsuffix: -za, -ze) t sc her. pokto- 'treiben, jagen", tele- "kom- 
men": praes. (1. pokte-m, tola-m, 2. pokte-d, tola-d), 3. pokta, 
toles (nomen \erbale): praet. (1. poktoso-m, toro-m, 2. pok- 



^ Nur jön ist gebräuchlicher als jö; metszen und vonszon 
sind gänzlich veraltet. 



über den Ursprung des personalsuffixes -n im ungarischen. 75 

tose-c, tolu-c), 3. poktos, tol'o; praet. (mit einem hülfszeitwort) 
(1. poktena-m, tolona-m, 2. poktena-d, tolonad-; am, a.d<^* nla-m. 
*uJ.a-d), 3. pokten, tolon (nomen verbale); — kondit. 3. pok- 
tene-ze, tolne-ze ( personalsuffix : -ze); imperat. 3. pokto-zo, 
tol-zo (personalsuffix: -zo) I syrj.-wotj. (die 3. person mit 
personalsuffix) ostjS. men- 'gehen': praes. (1. mende-m, 2. 
mende-n), 3. meni; praet. (1. mene-m, 2. mene-n), 3. men; — 
potent. 3. menT]a-t; imperat. 3. menaga-t j wogML. min- 'ge- 
hen': praes. (1. mine-m, 2. mine-n), 3. mini: praet. (1. minse-^n, 

2. minse-n). 3. mins; kondit. (1. minne-m, 2.minne-n), S.minni: 

— imperat. 3. min-ä (personalsuffix: -«). 

Dem Singular entsprechend ist auch die 3. person plur. 
im allgemeinen nur im imperativ immer durch ein personal- 
suffix bezeichnet, sonst aber ist sie (mit wenigen ausnahmen) 
bloss mit dem merkmale des plurals gebildet. Z. b. IpN. 
praes. lokke-k; praet. lokke; potent, logaee-k; — imperat. lokku- 
sek; IpS. praes. vieso-h; potent, viesoce-h; — imperat. manne- 
se 'sie sollen gehen", kocu-se 'sie sollen wachen'; die endung 
-n des praeteritums und des optativs (konditionals) ist unklar, 
finn. (^suomi) praes. menevä-t (wo -vä das bildungssuffix des 
praesensstammes ist); praet. meni-t, kond. menisi-t (in der äl- 
teren litteratur und dialeküsch); — imperat. (optat.) menkäät, 
menkööt <^ *metjl-ä-hef, *mejjl-ö-hef mord. praes. peli-ht (<; 
*peli-f, vgl. BuDExz, Mordvin n3'elvtan 21), pel'-t; praet. pels-t, 
peles-t; potent, pelel'-ht, pelevel'-t «^ * pele-iili-t : — imperat. 
pele-st tscher. praes. pokta-d, tolo-d; praet. pokte-ve, tol'e-ve 
("Ve ist eigentlich das bildungssuffix des praesensstammes ; nach- 
dem man es daselbst als pluralendung aufzufassen angefangen 
hatte, ist es auch ins praeteritum übergegangen; vgl. Setälä, 
TuM 26) ; — kond. poktene-äd, tolne-äd (-st) ; imperat pokto-st, 
tolo-st s3'ri.-\votj. (die 3. person mit personalsuffix) ostjS. 
praes. mende-t; praet. men-t; — potent. menT)i-i; imperat. 
meni-dat wogML. praes. mini-t : praet. mines-t; kond. minne-t: 

— imperat. mine-t (t < tt: personalsuffix -t -j- pluralendung -f) 
oder (faTjl:j mine-t (vgl. praes.) 

Aus all diesem müssen wir den schluss ziehen, dass die 

3. person in den finnisch-ugrischen sprachen ursprünglich nur 
im imperativ mit einem personalsuffix bezeichnet gewesen ist, 
sonst aber suffixlos war. In betreff des ungarischen können 



76 ■ J. SZIXNYEI. 

wir annehmen, dass das ausser im imperativ nur in beschränk- 
ten fällen vorkommende suffix -n aus dem imperativ über- 
tragen worden ist; und hiermit auch das (zwar viel allge- 
meinere) suffix der 3. person plur. -nak, -nek, z. b. varja-nak 
'sie sollen warten" : var-nak 'sie warten', varna-nak 'sie würden 
warten'; kerje-nek 'sie sollen bitten": ker-nek "sie bitten", kere- 
•nek 'sie baten" ; nur in dem mit -t od. -tt gebildeten praeteritum 
ist die ursprünglichere suffixlose form bewahrt: varta-k 'sie 
haben gewartet', kerte-k "sie haben gebeten" (bloss mit der 
pluralendung -k). Für eine solche suffix Übertragung giebt es 
in den finnisch-ugrischen sprachen ganz unzweifelhafte belege; 
so sind — um uns auf ein beispiel zu beschränken — im fin- 
nischen (suomi) im praeteritum und im konditional die formen 
der 3. person plur. mit der endung -vat, -vät entstanden, z. b. 
tule- 'kommen', mene- 'gehen": praet. (urspr. [und dial. auch 
noch heutzutage] tuli-t, meni-t), kond. (urspr. [und dial. auch 
noch heutzutage] tulisi-t, menisi-t) ^ tuli-vat, meni-vät, tulisi- 
vat, menisi-vät, mit anlehnung an die praesensformen tulevat, 
menevät, in welchen das -va, -vä eigentlich das bildungselement 
des praesensstammes (^ urspr. nomen verbale) war, aber mit 
der zeit wurde die ganze endung -vat, vät als personalsuffix 
aufgefasst, und als solches ist es nachher auch in das praet. und 
in den kond. eingedrungen (siehe Setälä, TuM 12). 

Nun wollen wir versuchen das ung. suffix -n auf das 
pronomen der 3. person zurückzuführen. 

Dieses pronomen finden wir in den finnisch-ugrischen 
sprachen mit verschiedenem anlaut; namentlich: läpp, son, 
sodn finn. (suomi) hän («< *sän, * sen, vgl. estn. sen in pre- 
digten aus dem anfange des X"VII. Jahrhunderts) j mord. son, 
son- wog. "^täu (^täwä-), "^taw, ^teu, ^w j ostj. teu, ieiix, lu, 
jüX, ^jügh, ^jugli- 1 ung. ö, öv- (öve 'sein, ihr'), ön (vgl. Bu- 
DENz, iMUSz 845; NyK XXI 192; XXVI 31; im tscher. u. 
syrj.-wotj., so nie auch im estnischen fehlt das Personalprono- 
men der 3. person und wird durch ein demonstrativpronomen 
ersetzt). Dass diese pronominalformen, trotz der ziemlichen 
Verschiedenheit ihrer lautgestalt, namentlich ihres anlautes, 
zusammengehörig sind, hat schon Budexz (XyK XXI 190 — 
199) und von ihm unabhängig N. Anderson (Wandlungen der 
anlautenden dentalen Spirans im Ostjakischen, 1893) nachge- 



über den Ursprung des personalsuffixes -n im ungarischen. 77 

wiesen. Was der ursprüngliche anlaut des pronomens gewe- 
sen sei, darüber sind die ansichten verschieden (vgl. Setälä, 
ÄH 241—242 u. XyK XXIX 469); jedenfalls kann man, wie 
Setälä, annehmen, dass diese heutige Verschiedenheit des aii- 
lautes auf einer schon in der finnisch-ugrischen Ursprache N^or- 
handen gewesenen Verschiedenheit beruhen muss. 

Beinahe dieselbe lautvertretung finden wir auch in den 
personalsuffixen, mit ausnähme des ungarischen, wie es aus der 
folgenden Zusammenstellung ersichfiich ist: (siehe folg. seite.) 

Im ungarischen ist also der konsonant des suffixes der 
3. person anderer finnisch-ugrischer sprachen durch -j vertreten 
(in der objekdven konjugation). Auch die possessivsuffixe -a, 
-e, -i (<C -a, -e, -i <C *-«?', -ei) enthalten ein latent gewordenes 
-j, was ich in meinem aufsatze über die ung. possessivsuffixe 
(Xyr XVII 145 ff.) nachgewiesen habe. (Vgl. noch mein M. 
n^'elvhasonlitäs 92.) 

Dieselbe Vertretung im in- und auslaut finden wir auch 
anderwärts, nämlich in zwei Wörtern: läpp, muokse, muekse 
"leber": juoks 'bogen': finn. maksa; joutsi, jousi: mord. maksa, 
makso; jorjks: wog. ^majt, ^majte: '^jäU, ^jgjt; ostj. mügot, 
mügoi, imiyß: jögot, jögoi, jügol, javol' --^ ung. maj; ij. Dem 
s, t, i, 1, r anderer finnisch-ugrischer sprachen entspricht dem- 
nach im ungarischen auch hier j. 

Aus diesen thatsachen können wir den schluss ziehen, 
dass der anlaut des ungarischen pronomens der 3. 
person in vorhistorischer zeit j gewesen ist, dass also 
öv- (welches sich im nominativ zu ö entwickelt hat) und ön 
einst *j8v und *j8n gelautet haben (-v und -n sind bildungs- 
suffixe; 8 bezeichnet einen kurzen palatalen vokal, den wir 
nicht näher zu besfimmen imstande sind). 

Als belege für den schwund eines das anlautende s, t, 
t, i, j anderer finnisch-ugrischer sprachen vertretenden *j im un- 
garischen mögen angeführt werden: finn. syö- 'essen': mord. 
seve-: wog. te-: ostj. tev-, ie-, iiv-, ^jigh- (^Igh-) ~ ung. ev- 
(<C *J8v-) i Ip. salla 'klafter': finn. syli: mord. sei, säl: wog. 
täl: ostj. tet, lai, iül ---• ung. öl « *j8l) Ip. suodna, suona 
'sehne': finn. suoni: mord. san: wog. tan: ostj. ton, iän, iön 
'^ ung. in « ""jsn). (Xoch einige beispiele sind zu finden: 
NyK XXI 194; XXVI 11). 



78 



J. SZINNYEI. 



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-j (in den der ob- 
jektiven konjuga- 
tion angehörenden 
Suffixen: -ja, -juk, 
-jätok, -jak 
u. s. w.) 





1 Das dem eigentlichen personalsuffix vorangehende -n war 
ursprünglich ein die pluralität des besessenen ausdrückendes suffix 
(vgl. H. Paasonen, Mordvinische lautlehre 123 und Setälä's 
aufsatz im Virittäjä IV 1900 121). 



über den Ursprung des personalsuffixes -n im ungarischen. 79 

Das Suffix -n ist aus der pronominalform *j8n enstanden. 
Diese, als personalsuffix angewandt, war — wie aus meinen 
obigen erörterungen hervorgeht — ursprünglich nur dem im- 
perativ eigen. Der moduscharakter des Imperativs im ungari- 
schen war ursprünglich (und möglicherweise teils auch noch 
in historischer zeit) das dem finn. -ka, -kä entsprechende -x, -x'> 
aus dem sich das heutige -j entwickelt hat. Die heutigen for- 
men varjon, kerjen (s. oben) sind also aus ^var/s-jän (später nach 
dem gesetze der vokalharmonie: *varx8-J8n), ""ker^'s-jän enstan- 
den. Als Übergang von diesen zu den heutigen dienten die formen : 
*vär;{8n, ^kerx'sn (vgl. sirhon, syrhon 'soll weinen' in einer 
handschrift aus der zweiten hälfte des XVI. und in einer aus 
der ersten hälfte des XVI. Jahrhunderts). Da nun andere Im- 
perativformen mit den personalsuffixen -k, -mok, -mök, -tok, 
-tek, -m, -d u. s. w. 

*vär/8k *kerx'8|k 

*varx8niok ^ker/smök 

*varj(8tok ^ker^stek 

^var^sm *ker/'8m 

*värx8|d. ^ker/s d u. s. w. 

gelautet haben, wurde in den formen ^var/sn, *ker/8n das -n 
als personalendung aufgefasst. Ebenso ist aus der pluralform 
des pron.: *J8n8k (mit dem pluralzeichen -kj das heutige suffix 
-nak, -nek entstanden. 

Wie gesagt, kommt ausser der 3. person des Imperativs 
nur das verbum vagyon 'er ist' nie ohne -n vor. Man könnte 
zwar annehmen, dass dieses verbum einst auch eine suffixlose 
form gehabt habe, welche später durch die andere gänzlich 
verdrängt \vorden sei ; doch giebt es gründe, die uns bewegen, 
die beständigkeit des -n in dem fraglichen verbum anders zu 
erklären. Die 3. person sing, im praes. des verbums 'sein' er- 
weist sich nämlich in manchen finnisch-ugrischen sprachen als 
urspr. nomen verbale; so z. b, finn. on 'er ist' ■< * om, vgl. 
weps. estnS. om. liv. um'; plur. : weps. oma, omad, wot. omao, 
estn. ommad, ommat (in der älteren literatur), omnid, liv. 
mnä't (Setälä, TuAl 169, ÄH 406), mit demselben -ma suffix, 
mit welchem z. b. kuolema 'tod' gebildet ist | wotj. van, tjail 



80 J. SZINXYEI. 

'er ist' (eigentlich: 'das sein, das dasein, existenz; seiend, exis- 
tierend', MuNKÄcsi, Votjäk szötär 645), dessen vollständigere 
Stammform vanm- << *valm- ist (vgl. sin, Sin 'äuge' << sinni-, 
siihn- "^ finn. silmä, mord. selmä u. s. \v.), mit demselben bil- 
dungssuffix, mit welchem z. b. budem 'wuchs, erwachsen" ge- 
bildet ist. Nun giebt es im ungarischen ein der obigen ver- 
balform ganz gleichlautendes Substantiv: vagyon mit der be- 
deutung: 'vermögen' (urspr. 'seiend, existierend'), welches aus 
dem verbum 'sein' gebildet ist; das bildungssuffix -n stammt 
aus früherem -m (neben vagyon ist dial. auch vagyom gebrauch- 
lieh) und ist offenbar der Vertreter desselben suffixes, mit welchem 
finn. on, oin, wotj. van, vcuim- gebildet ist. Nach dem obigen 
können wir mit grosser Wahrscheinlichkeit annehmen, dass 
vagyon 'er ist" mit vagyon 'vermögen' (urspr. 'seiend, existie- 
rend') identisch ist, also urspr. ein nomen verbale war; und 
mit dieser annähme ist die beständigkeit seines -n (welches also 
anderen Ursprungs ist, als das -n der 3. person) hinlänglich 
erklärt. ^ 

Wenn diese annähme stichhaltig ist, so ist es sehr wahr- 
scheinlich, dass das ungemein häufig gebrauchte und mit der 



1 Vom anfange des XML Jahrhunderts an erscheint in der 
litteratur neben vagyon auch die kürzere form van, durch welche 
die andere mit der zeit grösstenteils verdrängt worden ist. Was 
das Verhältnis beider formen zu einander betrifft, so sind verschiedene 
auffassungen möglich. Namentlich kann man annehmen, dass die 
kürzere form aus der längeren durch schwund des inlautenden 
konsonanten und kontraktion der vokale entstanden ist, also: va- 
gyon ^ vaon (dial.) ^ *van ^ van [vgl. vagyok 'ich bin' ^ 
vaok (dial.) ^ vak (dial.)]. — Auch das ist möglich, dass sie aus 
verschiedenen stammen gebildet sind, nämlich vagyon aus dem 
frequentativstamm vagy- <^ *valgy- (<^ *vald- ' — ■ mord. ulende- 
'sein', wogK. ^ölent- id.) hingegen van aus dem einfachen val- 
stamm, also van <^ *valn- <; *valm- ^^ wotj. van, vanm- <^ 
*vahn-. (Bemerkenswert ist, dass auch van in der bedeutung: 
'vermögen, hab und gut' vorkommt, aber nur mundartlich.) — 
Drittens hat man auch angenommen, van sei aus der pluralform 
vannak (<^ vagynak) 'sie sind' durch anlehnung an die 3. person 
plur. und sing, anderer verba, also gemäss folgender gleichung 
entstanden: jarnak 'sie gehen': jar 'er geht' :zi: vannak 'sie sind': 
van "er ist'. 



Zur geschichte des urlapp:n ä und u in unbetonter silbe. 8i 

zeit natürlicherweise als N'erbalform aufgefasste vagyon viel dazu 
beigetragen hat, dass das -n des imperativs in das praesens 
und praeteritum mancher verba eingedrungen ist. 

Budapest. 

J. SZIXNYEI. 



Zur geschichte des urlappischen a und tt 
in unbetonter silbe. 



Ein jeder, der sich wenn auch nur ein wenig mit der 
lappischen spräche beschäftigt hat, ist sehr oft in der läge ge- 
wesen einen merkwürdigen Wechsel a '^ e oder o ^-^ u in der 
zweiten silbe der Wörter zu beobachten. Die nominalen e- 
Stämme haben im illativ sing, ein a statt des e der meisten 
übrigen singularkasus und die i^-stämme ein u statt o: N. F. 
guöUe 'fisch', gen. guöle, ess. guöllen, aber illat. guöllai; airro 
"rüder', gen. airo, illat. airrui. Die dreisilbigen stamme auf -es 
im nom. sing, haben in den übrigen formen ein -as-: N. F. 
males 'mahlzeit', gen. mallas, nom. plur. maUasak, illat. plur. 
mallasidi. Die diminutivableitungen haben ein a. bezw. ein u 
vor ihrem s, tS (= e): N. F. guolas, nom. plur. guolacak 'kleiner 
fisch"; airus, nom. plur. airucak "kleines rüder'. Die viersilbi- 
gen frequentativverba zeigen auch ein a statt des e ihrer drei- 
silbigen grundverba: N. F. doarredet 'verfolgen,' aber frequ. 
doarradaUat. U. s. w. Den eigentlichen grund dieses wech- 
seis und die raison d'etre des a, u, bezw. des e, o fällt es aber 
schwer zu erklären. 

Eine genauere, systematische vergleichung der lappischen 
Wörter mit e -^ a mit den entsprechenden finnischen Wörtern, 
giebt uns jedoch den Schlüssel zu der lösung dieses rätseis. 

I. 

Beginnen wir mit solchen dreisilbigen nominalstämmen, 
die im lappischen ein unveränderliches e haben, das im fin- 
nischen einem a (ä) entspricht, z. b.: N. F. Ibmel "Gott' = 

6 



82 K. B. WiKLUND. 



f. Jumala; dawer 'schätz, reichtümer' = f. tavara. Welcher 
von diesen vokalen der ursprünglichere ist, kann keinem zweifei 
unterliegen. Das ursprünglichere muss a sein, das z. b. in tavara 
unmittelbar aus dem a des slavischen TOBapi» aufgenommen ist. 
Auch im lappischen hat man eine grosse menge beispiele für 
aus nordischem a hervorgegangenes e: N. F". bardne 'söhn, knabe' 
■< urnord. *t)arna, altnord. barn 'kind' ; lairre 'lehm' ■< urn. 
*laira, an. leir id. etc. Es \\-ird wohl auch ohne weiteres von 
allen forschern angenommen, dass dem Wechsel a -^ e ein lappi- 
scher Vorgang zu gründe liegt, d. h. ein auf gewissen bedin- 
gungen beruhender, lappischer Übergang a > e. Dieser Über- 
gang muss \\"eiter urlappisch sein, da er in allen lappischen 
dialekten in ganz derselben weise auftritt; die ausnahmen von 
dieser allgemeinen regel sind so geringfügig, dass sie hier ausser 
acht gelassen werden können. Dem obengenannten norwegisch- 
lappischen bardne entspricht z. b. in Ter '^pä.rne, Kildin '^jjärn 
(mit weggefallenem e, das jedoch . vor seinem Schwund das ,• 
her\'Orgerufen hat), Enare bardne, parne, pärne, Lule par^ne, 
Arjeplog ^pardne, Sorsele, Hatijelddalen harnie. Stensele piarnie 
u. a. formen, Vilhelmina, Frostviken Barnes. Offerdal ßar^nes, 
Undersäker Bar^nee, Härjedalen oär^nee. Im illativ sing, aber 
endigt ein solches wort im russischlappischen auf -a. norw.- 
lapp. -ai, Lule und Arjeplog auf -üi, in den südlicheren dia- 
lekten im allgemeinen auf -an. Wie aus diesem beispiel her- 
vorgeht, sind e und a in einigen dialekten kurz, in anderen 
lang. Bei näherer Untersuchung wird man ohne zweifei finden, 
dass die länge in allen dialekten der jetzigen kurzen quantität 
dieser vokale vorausgegangen ist, und dass diese e und a also 
schon in urlappischer zeit lang waren. Dass ich schon in 
diesem artikel von einem urlappischen langen a spreche, 
ohne dass ich zur zeit vollgiltige beweise für die länge des- 
selben vorlegen kann, kommt zunächst daher, dass ich ein 
mittel brauche um dieses a von demjenigen vokal unterscheiden 
zu können, der in unbetonter silbe einem finnischen /, e oder 
n entspricht und in urlappischer zeit gewiss kurz gewesen ist: 
dulwat 'schwellen (von einem flusse)' = f. tulvia; gullat "hö- 
ren' = f. k'uiüe-; sokka 'geschlecht' = f. suku, etc. 

Bei der vergleichung der obengenannten u'örter mit un- 
veränderlichem e mit den entsprechenden finnischen sowie auch 



Zur geschichte des urlapp. a und u in unbetonter silbe. 83 

sonst haben wir in diesem artikel neben den norwegischlappi- 
schen Wörtern oder auch statt derselben diejenigen formen zu 
nennen, welche die betreffenden wcirter in solchen dialekten 
haben, wo keine kürzung des unbetonten ä und e stattgefunden 
hat. Da indessen, wenigstens soweit meine aufzeichnungen 
bezeugen können, alle die bisher näher untersuchten, hieher- 
gehörigen dialekte in diesem punkte fast völlig übereinstimmen, 
kann ich mich damit begnügen nur die Lulelappische form der 
wr)rter mitzuteilen. Aus dieser geht dann hervor, ob die nor- 
wegischlappische form ein ursprüngliches e, ü hat, oder ob ihr 
e aus / hervorgegangen ist, und ihr a wie „dunkles a" ausge- 
sprochen wird, d. h. auf ein urlappisches kurzes a zurückgeht. 

1 ) Von den Wörtern mit unveränderlichem e = finn. a, ä 
in der zweiten silbe seien zuerst die Wörter auf Lule -el, gen. 
-ela, N. F. -el erwähnt; ^ wir linden hier : ju^pmel, gen. juppmela, 
X. F. ibmel, gen. ibmela ■gr)tt' ■-= f. jumala; Mpmel, gen. 
kap''mela. N. F. gabmel, gen. -ela "seltsam' =: f. kamala; Lule 
kärjel, gen. -ela, N. F. garjel, gen. -ela "russe", vgl. f. Kar- 
jala; Mvvel, gen. -ela, N. F. gawvel, gen. -ela 'listig' = f. 
kavala. Diese w^örter haben also alle unveränderliche stamm- 
konsonanten, was beweist, dass der nom. sing, noch zu der 
zeit, als die ,.konsonantenschwächung" durchgeführt wurde, 
vokalischen auslaut hatte, \\'odurch die zweite silbe offen blieb. 
Dieser jetzt verschwundene end vokal muss einst ein a gewesen 
sein wie in den entsprechenden finnischen Wörtern. 

2) Analog sind die Wörter auf Lule -en, gen. -ena. N. F. 
-en = f. -ana: brpen-pelle 'kousine', orpenao nom. plur. 'ge- 
schwister' = f. orpana; rejpen, gen. reoplna, N. F. rseppen, 
gen. rseppena 'rauchloch' = f. reppänä. Erwähnt sei auch das 
wort miutem, gen. muofema, N. F. muttem 'irgendein' ::= f. 
muutama. 

3) Analog sind \\'eiter auch die Wörter auf Lule -er, gen. 
-era, N. F. -er = f. -ara: käJ^er, gen. Mo^era, N. F. gager, 
gen. gakkera 'renntiermist' = f. kakara; ladplr, gen. Mopera, 
N. F. gäpper, gen. gäppera 'mutze' = f. kypärä; TcuÖDper, 



1 Wenn nicht anders gesag;t wird, sind die Wörter Lulelap- 
pisch; die norwegischlappischen Wörter (N. F.) werden, wenn mög- 
lich, nach Qvigstad's > Beiträgen.) citiert. 



84 K. B. WiKLUND. 



gen. l:i(öd'2^era "klaue (der renntiere, kühe und ziegen)", X. F. 
guöber, gen. guöppera :=: f. kopara; muöSker, gen. imiöokera, 
N. F. muoger, gen. muokkera kleine mücke' = f. mäkärä; 
lookker, gen. -era. X. F. lohkkir, gen. lohkkarä 'hobel" := f. 
lukkara oder altnord. lokarr; fävver, gen. -era, X. F. daver, gen. 
dawvera "schätz, wäre' = f. tavara; veD't'Ser, gen. veo'tSera, 
X. F. vsecer, gen. vaeccera "hammer" =-- f. vasara. Die sch\\a- 
che stufe im nomin. sing, in X. F. ist wohl hier analogisch. 

4) Auch ein paar Wörter auf Lule -et. gen. -eta, X. F. -ed 
=: f. -nta gehören hierher: eenief, gen. esmtta, X. F. semed, 
gen, semeda 'hausfrau" = f. emäntä; iset, gen. iseta, X. F. 
ised, gen. iseda 'hausherr' = f. isäntä. Der Stammkonsonant 
ist hier immer schwach, weil die zweite silbe geschlossen ge- 
wesen ist: t <^ d <C dd <i nd =. f. nt. Erwähnt sei auch 
sapeolc, gen. sapejJca, X. F. sävek, gen. säveka "Schneeschuh' 
= f. sivakka. 

5) Gehen wir zu den dreisilbigen \-erben über, so tinden 
wir \\'iederum ein lappisches e in der zweiten silbe in einigen 
ableitungen, wo das finnische sowohl in der zweiten als in der 
dritten silbe ein a hat. Erstens ist dies der fall in dem ^^■orte 
oskeltif, X. F. oskel'det "vertrauen" := f. uskaltaa. 

6) Zweitens findet man dieselbe erscheinung in verben auf 
Lule -ertit, X. F. -erdet = f. -arta-: ijjpinerf/f, X. F. ibmerdet 
'verstehen' = f. ymmärtää; Jiobhmertit, Icoppmertit, N. F. gob- 
merdet 'sich bücken" = f. kumartaa. 

7) Analog sind auch einige verba auf Lule -Tstif. X. F. 
-estet := f. -asta- : lonestit, X. F. lonestet 'erlösen' = f. lu- 
nastaa; ösDpcstif, X. F. oapestet 'den weg weisen' = f. opas- 
taa. Hieher gehören auch die momentanen oder diminutiven 
verba auf Lule -estit, N. F. -estet = f. -ahta-, z. b.: puttestit, 
X. F. boaldestet von ^)or^^f, boalddet brennen' = f. *pol- 
tahtaa, polttaa; rafttstif, X. F. addestet \on vaddet. X. F. 
addet 'geben' ^ f. ^annahtaa, antaa. Auch in viersilbigen 
ableitungen bleibt das e vor dieser endung stehen: mälestastet 
von 7nälestit 'kochen', \\-oraus erhellt, dass das lappische ä hier 
einem finnischen a entspricht. Wo ein ä und nicht ein e vor 
-ästet steht, hat die endung nicht momentanbedeutung und kann 
also nicht mit f. -ahta- verglichen werden: arJcUJastet, armä- 
IcXstet 'sich erbarmen'; Teno l ähnäst et, X. F. gukkalmastet 'für 



II 



Zur geschichte des urlapp. a und u in unbetonter silbe. 85 



ZU lang halten'; nuppätastet 'wiederholen' von nuppütis 'zum 
zweiten mal'; sollörastet, viotsärcistet 'zwitschern', u. s. w. 

8) Hierher gehören weiter eine menge von verben auf 
Lule -etif, N. F. -edet =: f. -aa- < -ada-, z. b.: är^vetit, N. F. 
ar'vedet 'verstehen' = f. arvaan < *arvadcm; Mi^petif, N. F. 
gai'bedet 'verlangen' = f. kaipaan; kerjeüt, N. F. gaerjedet 

betteln' = f. kerjään; knufQJsetif, N. F. giwsedet 'plagen' = 
f. kiusaan; Tcor^jetit, N. F. goarjedet 'wegschaffen' = f. kor- 
jaan; lösdpetif, X. F. loppedet 'versprechen' = f. lupaan; 
merretit, N. F. mserredet 'bestimmen' = f. määrään. In ein 
paar Wörtern findet man jedoch ä statt e: häutätit, N. F. haw- 
dadet 'begraben' =: f. hautaan; kilhätif, N. F. gil'hadet neben 
gil'hedet 'sich verloben" =: f. kihlaan ; suölätit, N. F. suoladet 
stehlen' = f. salaan. Die in Mutütif und suölätit eingetre- 
tene konsonantenschwächung trennt auch diese verba von den 
\-(^rher erwähnten \'erben auf -etit. 

9) Eine andere gruppe von verben auf Lule -etit^ N. F. 
-edet entspricht den finnischen kausativen translativverben auf 
-enta-, z. b.: aletit. N. F. äledet 'erhöhen' = f. ylentää; fave- 
fif, X. F. davedet 'auf die see hinausführen' = f. syventää; 
vuöletif, X. F. vviöledet 'erniedrigen' = f. alentaa. Das fin- 
nische hat -hier in der zweiten silbe nicht ein a, wie man we- 
gen des lappischen e erwarten sollte, sondern ein e. Dasselbe 
■ findet man auch in den translativverben auf -ene- = Lule 
-änit (vgl. unten mom. L3): ylenen, syvenen, alenen (ein « fin- 
det man nur in paranen, parantaa = Lule puöryünit, puöretit). 
\'ielleicht hängt dieses e irgendwie mit dem Übergang « > e 
vor dem auch mit ui anfangenden komparativsuffixe zusam- 
men: syvä, syveijipi; paha, pahempi. Das n des translativ- 
suffixes geht nämlich auf ein früheres m zurück, welches in 
den südlichsten lappischen dialekten noch bewahrt ist: Härje- 
dalen ßuärämit 'besser werden', räigamit neben -änit 'ein 
loch bekommen', Offerdal nYiJ^emdit 'durchlöchern', bmsmdit 
'verkürzen', stiMÖrsmdit 'vergrössern', miöUnidit 'erniedrigen'; 
vgl. auch BuDENz, XyK XVIII 305 ff. Jedenfalls hat man 
in den finnischen kausativ-translativverben in der dritten silbe 
a, für welches im lappischen ein t auftritt, ganz wie in den 
bisher behandelten gruppen 1 — 8. 



86 K. B. WiKLUND. 



10) Ein e in der zweiten silbe tindet man auch in den 
zahlreichen kausativableitungen auf Lule -edtit, N. F. -etet =: f. 
-atta-, z. b.: esleofif. N. F. seletet 'ernähren' ^ f. elättää; kuöf- 
teotif. N. F. guoddetet 'tragen lassen, auf Saumtieren transpor- 
tieren' := f. kannattaa; tesf edtit. N. F. diedetet 'kundgeben' = 
f. tiedättää. 

In den hier behandelten gruppen 1 — 10 mit un- 
veränderlichem e in der zweiten silbe von dreisilbi- 
gen Stämmen finden wir also im finnischen überall 
ein a (ä) in der dritten silbe. Es wird demnächst von 
Interesse sein zu untersuchen, welchen vokal man in der dritten 
silbe von solchen finnischen Wörtern findet, die im lappischen 
in der zweiten silbe ein unveränderliches ä haben. 

11) Die nomina agentis auf Lule -är, gen. -ürcu N. F. 
-ar, gen. -ara entsprechen völlig den finnischen nomina agentis 
auf -ari, gen. -arin, deren suffix offenbar aus den nordischen 
sprachen stammt. ^ Auch in den nordischen sprachen hat es 
ursprünglich unmittelbar nach dem /• einen palatalen vokal ge- 
habt. Als beispiele können genannt werden: tuöppviür, gen. 
tuöppmära, N. F. duobmar, gen. duobmara richter' <^ f. tuo- 
mari oder direkt <^ altnord. domari; piutär, gen. pmtära. N. F. 
bivdar, gen. bivddar 'Jäger, fischer' = f. *p3r7täri, x'ielleicht 
erst auf lappischem boden aus pm^tet, N. F. bivddet 'jagen, 
fischen' gebildet. 

12) Die viersilbigen ableitungen auf Lule -älat'S, gen. 
-tdad'd'ki, N. F. -alas, gen. -alaga entsprechen finnischen Wörtern 
auf -allinen, wo also in der dritten silbe immer ein i steht, z. b.: 
lospälafS, N. F. lobalas 'erlaubt' = f. luvallinen; pithälatS 
'scherzhaft' := f. pilkalliaen; räfälat'S oder räfelatS, N. F. 
rafhalas 'friedlich' = f. rauhallinen; (SalmälafS 'scharfsichtig' 
= f. silmällinen ; värälat'S, N. F. varalas 'gefährlich" = f. vaa- 
rallinen; virJcälat^, N. F. virgalas "der ein amt hat' = f. vi- 
rallinen; vuöimälafS, N. F. vuoimalas kräftig" = f. voimalli- 
nen. Neben diesen Wörtern auf -älat'S giebt es auch einige auf 
-elafS, die im finnischen nach der soeben aufgestellten regel in 
der dritten silbe nicht ein i, sondern ein a haben sollten. In 



^ Vgl. jedoch FoRSMAN, Suomi III lo 2oN und Saxen, Sven- 
ska Landsmälen XI 3 88. 



Zur geschieh te des urlapp. a und u in unbetonter silbe. 87 

^ der that findet man auch hier ein finnisches a (ä) in einigen 
\\()rtern : X. F. laddelas 'finländer' =^ f. lantalainen ; N. F. 
suobmelas 'finnisch" :=: f. suonialainen (die formen suobma- 
las, suomalas bei Qvigstad haben ihr a wohl durch späteren 
finnischen einfluss erhalten): hieher gehört wohl auch sapme- 
laf'ß, X. F. sabmelas "lappisch", das mit den finnischen volks- 
namen hämäläinen, venäläinen, saksalainen u. s. \v. gleichzu- 
stellen ist. In anderen Wörtern wechselt das U mit c. z. b.: 
vmvälaf'S und raivelafS, X. F. vaivalas "mühsam' =: f. vaival- 
loinen mit << a: od'd'.^elafS neben ot't'Sülaf'S, X. F. oa5alas 
"fleischlich"; räfelafS und räfälafS, vgl. oben; al^melatS, aber 
X. F. almalas "himmlisch" = f. ilmaUinen ; äof'f.^elafS, aber 
X. F. acalas 'väterlich' = f. isällinen. Zwei verschiedene en- 
dungen sind also hier zusammengemischt worden; es ist aber 
interessant zu sehen, wie der Stammkonsonant vor -ülafS = f. 
-aUinen noch im allgemeinen schwach, ist, während er vor 
-elaCi =: f. -alainen in der starken form auftritt. 

13) Die translatix^en verba auf -nit haben immer ein ü \or 
der endung; die entsprechenden finnischen verba zeigen ein 
-ene-, von dessen e in der zweiten silbe \\'ir oben mom. 9 ge- 
sprochen haben; für das lappische kommt hier nur in betracht, 
dass die betreffenden finnischen Wörter in der dritten silbe 
ein e haben, z. b.: ciUänif, X. F. ällanet 'höher werden' = 
f. ylenen; iarvänif, X. F. dawanet "weiter auf die see hinaus- 
kommen' = f. syvenen; vuöUänit. X. F. vuöllanet 'niedriger 
\\'erden' = f. alenen. 

14) Von vielen dreisilbigen verben auf Lule -efif oder 
-eotif, X\ F. -edet oder -etet werden viersilbige verbalsubstan- 
tiva gebildet, die im nom. sing, in Lule auf -is oder -us en- 
digen, in X. F. auf -us. Der stamm hat in einigen von den 
Luledialekten, wo der nom. sing, -is vorkommt, ein i vor dem 
s. in anderen ein «, das sich vielleicht aus dem i entwickelt hat. 
Die entsprechenden finnischen Wörter gehen auf -us, gen. -uksen 
aus. Xach dem finnischen zu schliessen wäre also im lappi- 
schen das u das ursprüngliche ; es lässt sich aber denken, dass 
neben diesem 11 in alter zeit auch ein i vorgekommen ist. 
Jedenfalls haben alle diese Wörter in der zweiten silbe immer 
(1, nicht e. Beispiele sind: äjäofis, gen. -isä oder -asU 'ge- 
danke' := f. ajatus; ar^vätis, X. F. ar'vadus 'mutmassung' = 



88 K. B. WiKLUND. 



f. axvaus <^ * arvadus (vgl. är^vetit ^ i. arvaan); alüotus, gen. 
-usü, N. F. selatus 'lebensunterhalt' = f. elätys (aber esleotit 
== f. elättää) ; .^iunätus, N. F. sivdnadus 'segen' = f. siunaus 
(aber siiinetit := f. siunaan); västätus, N. F. vastadus ant- 
wort' =: f. vastaus (aber västetit = f. vastaan). 

15) \'iersilbige nomina auf Lule -üsatL gen. -üsad'd'ki. X. F". 
-asas, -asaga = finn. -a(h)inen (Qvigstad, Beiträge, s. 152), z. b.: 
äi^Jcäsat'S, N. F. ai'gasas 'einer gewissen zeit gehörig' ■= f. 
aikainen; sad'd'äsat'S, N. F. sagjasas 'Stellvertreter' ^^. sijamen. 

16) Die viersilbigen frequentativverba auf -cdlat =■■ tinn. 
-ele- haben in der zweiten silbe immer ein ä (= tinn. «, ä) 
vor dem in der nächsten silbe stehenden ä (= tinn. e), im ge- 
gensatz zu ihren grundverben, die in der zweiten silbe ein e 
aufweisen, z. b.: är^väfallat 'erraten, denken' = f. arvaella 
<^ *arvadella (aber ärh'etit := f. arvaan); l-02)p)mrt(dlat, frequ. 
von koppmertit, N. F. gobmardallat, gobmerdet 'sich bücken' 
(ö <^ ä nach o) = f. kumarrella von kumartaa; veisätallat, 
frequ. von veisetit "singen' = f. veisaella, veisata. Hierher 
gehören auch die verba imitandi auf -staUat = finn. -stele-, 
z. b. : harrästalJaf, X. F. haerrastallat 'sich wie ein herr be- 
tragen' = f. herrastella laixJcästallat 'faulenzen'. Auch z. b. 
vattästcdlaf, X. F. addastallat, frequ. von vattestit. X. F. ad- 
destet 'ein wenig, einmal geben" = f. *annahtelen. 

Die gruppen 11 — 16 mit unveränderlichem U in 
der zweiten silbe zeigen also im finnischen ein e. i 
oder u in der dritten silbe. 

Wenn wir den faden, den uns diese wortgruppen in 
die band gegeben haben, weiter verfolgen, finden wir uns 
sehr oft in der läge, dass wir für die betreffenden lappischen 
Wörter l<eine sicheren finnischen et3miologien finden können. 
In einigen fällen ist jedoch die form des entsprechenden finni- 
schen Suffixes bekannt. Doch auch wenn dies nicht der fall 
ist, unterliegt es meistens keiner Schwierigkeit zu entscheiden, 
aus welchem laute sich der jetzige vokal der dritten silbe ent- 
wickelt hat. Wenn nämlich in einer unbetonten silbe ein kur- 
zes a (oder X. F. dunkles a) steht, wissen wir schon ohne 
weiteres, dass es früher ein i, e oder u ge\\-esen ist, wie schon 1 
Qvigstad in seinen „Beiträgen" zur genüge bewiesen hat. Wir i 
können weiter schliessen, dass ein kurzes a im allgemeinen 



Zur geschichte des urlapp. ä und u in unbetonter silbe. 89 

nur in zweisilbigen Wörtern auf ein kurzes u zurückgehen kann ; 
in der dritten silbe haben wir es in den meisten fällen nur 
mit einem früheren i oder e, d. h. mit einem früheren pala- 
talen vokal zu thun (vgl. jedoch oben 7 und unten 20). 

Zuerst wollen wir die viersilbigen wortgruppen durch- 
mustern, wobei wir uns zunächst denjenigen gruppen zuwen-. 
den, wo in der zweiten silbe ein ä zu stehen pflegt. 

17) Viersilbige nomina auf Lule -cioTca, gen. -akä, N. F. 
-ak, -aga. \'or dem a (■< /. e) in der dritten silbe steht hier 
fast ausnahmslos ä in der zweiten silbe ; ein e findet man im 
Lulelappischen nur in: perjtta(dlca), N. F. baerjadak 'freitag' 
= f. perjantai (mit (i in der dritten silbe); perretafdka) 'hau- 
block", X. F. bserbmed; skerreta(dlca) "über reiserfeuer gebacke- 
nes brot\ Sonst findet man Überali nur U. was auch aus der 
beschaftenheit des entsprechenden finnischen suffixes zu erwar- 
ten ist. Das lappische -adlxa muss nämlich, wenigstens in de- 
verbalen ableitungen, dem finnischen -ege entsprechen, wel- 
ches man in wöitern wie käste, gen. kasteen aus kastaa 
(weps. liaste, IcaMJcen) u. s. w. findet. In dreisilbigen Wörtern 
findet man statt -aoTca Lule -a. gen. -aJca, N. F. -a, gen. -ag(a), 
z. b.: t'Säla, gen. t'Süllaha, N. F. eala, callag "schrift, brief aus 
t'Mütf, X. F. eallet 'schreiben". Die identität dieser beiden 
Suffixe hat schon Friis, Gramm., s. 110 bemerkt. Als beispiele 
für -ajJca können genannt werden : 

-ülaolca: Msrräla(9ha) 'eisrinde auf bäumen'; vuö^täla(oka), 
X. F. vuostalak 'Steigung des weges'. 

-altcioTca: xoarkälta(dTca), X. F. bargaldak "fiechte"; rattäJ- 
tafolcaj, X. F. addaldak 'gäbe'. 

-ärfaolca: siMrta(QTca} 'handtuch' von sikürtit 'abtrocknen'. 

-ästaoTca: t'§ulästa(dha) 'kuss' von fSulestit 'küssen'; uiiö- 
müstafoka) 'kleiner wald'. 

-ätaola: aläta(jTca) 'westwind'; brjäta/olca), X. F. oarja- 
dak 'südwind';. ha rlcäta(dlcä), X. F. hsergadak 'feil von einem 
verschnittenen rennochsen'. 

-äotaoka: käläjfa(jka), X. F. galatak "tiefer, loser schnee, 
in welchem man waten muss' ; vättsäota(oJca) 'pfad'. 

18) Mersilbige frequentativverba auf Lule, X. F. -addat 
=: f. -nte(le)-, -(kse)nte(le)-, -(ske)nte(le)- (Budenz, XyK XVIII, 
s. 183), z. b.: viiörHidaddat, frequ. von vuör^telit, vuörHet 'war- 



90 K. B. WiKLUND. 



ten" ; X. F. bataraddat, frequ. von bataret "fliehen" ; havvärad- 
dat neben Mwertit '\\'ie ein Schneehuhn plärren". 

19) In viersilbigen verben auf Lule -aottet, X. F. -attet 
kommt in der zweiten silbe fast nie ein e. sondern statt dessen 
ein ä vor, z. b.: mdtrüdtadttet. X. ¥. moaratattet "erzürnen", 
von niöerre, X. F. moarre 'zorn"; puörUsfoDtttt., X. F. buo- 
rastattet 'begrüssen', vgl. puöris, X. F. burist 'guten tag" ; 
ösjültaDttef, X. F. oajaldattet "vergessen". 

In diesen drei gruppen findet man also nach dem ä überall 
ein ä, das wohl ohne zweifei auf einen früheren palatalen vo- 
kal zurückgeht. 

Für e in der zweiten silbe von viersilbigen stammen giebt 
es (ausser den karitiven adjektiven und verben und den passi- 
ven verben) nicht so zahlreiche beispiele wie für ü. Hierher 
gehören : 

20) Lule -el-afS: ainJhat'S 'einzig', vgl. f. ainokainen; 
ösneTcats^ N. F. oanekas kurz"; u. s. w. Das -kat'S entspricht 
hier offenbar dem finnischen diminutivsuffixe -kainen. Zu der- 
selben gattung gehört \\ohl auch pärncdlcul^, X. F. bardne- 
kuos, dimin. von pär^ne. bardne "söhn, knabe". 

21) Lule plur. -elahäg oder -elihäo, z. b.: aUelahäo, Jidle- 
IcdiüD, brjelahao 'im westen, osten, Süden u'ohnend". 

22) Lule -eitles, gen. -eltusä, z. b.: aleltus, luleltus, brjel- 
tus 'die westliche, östliche, südliche seite eines berges". Das 
e ist in diesen beiden letzten gruppen etwas befremdend, da 
man nach dem oben gesagten eher ein ä erwarten sollte ; viel- 
leicht liegt hier ein analogischer, einfluss von den sehr oft ge- 
brauchten adverben auf -tlin etc. vor (vgl. unten mom. 32). 

23) Die karitiven adjektiva auf Lule -otipmt, X. F. -taebme 
= hnn. -ttoma- haben in der zweiten silbe immer ein e (falls 
das grundwort ein e-stamm ist), z. b.: TcuöleoüpmTi. X. F. guö- 
letsebme "fischlos" (Jcuölle, guölle 'fisch') := f. kalaton; Mala 
fSciTmeotep^me, Lule fkdmedtipine, X. F. calpietsebme, Ter 
^calme(d)e7n. Kildin '^calmxeintn "blind" ffSfd^ine. ealbme, etc. 
"äuge") = f. silmätön. Das i der dritten silbe in Lule dürfte 
hier also späteren Ursprungs sein, da die übrigen dialekte ein 
e oder ä haben (in den südlappischen dialekten kommt die prä- 
dikative form des suffixes nicht vor). Auch vor einem f"-laute 
ist also das ä in der zweiten silbe in p übergegangen. 



Zur o;eschichte des urlapp. a und ü in unbetonter silbe. 91 



l!4) Die von den karitiven adjekti\-en gebikleten translativ- 
\erba auf Lule -Dtuvvat und (kausativ) -jtuottet, N. F. -tuwat 
und -tuttet, haben gleichfalls immer ein e in der dritten silbe, 
wenn das grundwort ein e-stamm ist, z. b. : Itwleütuvvat, N. F. 
guöletuvvat "tischlos werden'; Möleotioftet. N. F. guöletuttet 
■fischlos machen'; t'hlmeofuvvaf, -otudUet, N. F. calmetuwat, 
-tuttet 'blind werden, machen'. Das u des suffixes stimmt 
\-öllig mit dem finnischen u in kmvua etc. überein und sollte 
also, wenn man von den oben mom. 14 behandelten Verhält- 
nissen bei den Verbalsubstantiven auf finn. -us ausgehen würde, 
eigentlich ein ä vor sich haben. Das e wäre also vielleicht 
analogisch aus den entsprechenden karitiven adjektiven hinein- 
gekommen. Hierfür spricht, dass man in anderen viersilbigea 
translati\-verben auf -tivvaf, -uditet, die nicht auf kariti\-e adjekti\-e 
zurückgehen, wirklich ein ä findet; es heisst nämlich : demästuv- 
raf, ^. F. oamasmuwat "alt werden" (öenies. gen. hpmäsa 'alt'); 
öopäsmuvvaf, ödpästuvvat. N. F, oapasmuwat 'bekannt wer- 
den' (ödpts, ODppäsa "bekannt"); pastühnudttet 'schärfen', piastül- 
niuvcat, N. F. bastalmuwat "scharf werden' (pjcistel. pdstela 
"scharf); säurätiivvat 'aushaltend werden" {säuere 'standhaft, 
aushaltend'); svaTjätuvvaf 'unbändig \\-erden (von einem renn- 
tiere)', vgl. sväljek 'ungezähmtes renntier', u. s. w. 

25) Die von zwei- oder dreisilbigen \-erben mit e in der 
zweiten silbe gebildeten passiven verba behalten im Lulelappi- 
schen immer das e des grundwortes: t'Sälejtuvvat, mälestuvvat, 
pass. von fiäUet 'schreiben', mcdestit 'kochen'. Ob dieses e 
das ursprüngliche sein kann, ist schwierig zu entscheiden, da 
das passivum in verschiedenen dialekten auf ziemlich verschie- 
dene weise gebildet wird; jedenfalls kommt das e auch im N. F. 
bei dreisilbigen stammen zum Vorschein: malestuwut (bei zwei- 
silbigen: eallujuwut). Möglich ist immerhin, dass es durch 
analogie aus den aktiven formen des verbums hineingekommen 
ist. Die frage, ob das u der dritten silbe vor sich ein- « oder 
ein e verlangt, muss also hier offen gelassen werden. 

In den jetzt behandelten gruppen 17 — 25 haben wir also 
die oben gegebenen regeln im grossen und ganzen bestätigt 
gefunden. \'or einem aus palatalem vokale entwickelten ä steht 
regelmässig ä, vor ä <C a und vor e, ä steht e, vor n steht e 
oder ü. 



92 K. B. WiKLUND. 



Indem wir jetzt zu den dreisilbigen stammen übergehen, 
wollen wir zuerst diejenigen stamme untersuchen, in welchen 
die zweite silbe ein unveränderliches ä oder e hat: 

26) Instrumentale nomina auf Lule -ün, N. F. -an, vgl. ? 
tinn. -ime-: nütän, X. F. njuvdan, gen. njuvddan stössel' von 
initet, N. F. njuvddet 'zerstossen'. Das suffix hat im süd- 
lappischen die form (Lindahl & Öhrling) -anje, Mala -and, z. b.: 
L. & Ö. kesanje, Mala kesänd, N. F. gaesan 'zugtier' von X. F. 
gsesset etc. 'ziehen'; L. <&: Ö. tsäpanje 'maus, ratte', von 
L. (^ Ö. tsäpet 'nagen', vgl. X. F. sapan, Ter '^ sähplinTce 
'maus'. Der jetzt in den meisten dialekten verschwundene 
end\T)kal sollte also im anschluss an das oben gesagte einem 
.finnischen palatalen vokal entsprechen; wenn das lappische 
suffix mit dem finnischen -ime- identisch ist, was wohl aber 
sehr zweifelhaft sein dürfte, hat man auch darin einen beweis 
für die einstige palatale qualität des endvokales zu sehen. 

21) Diminutiva auf Mala -ät§e, Lule -ät'§, gen. -ätSo, X. F. 
-as, gen. -aca, Kildin ^-(üic. Ter '^-aj. <^ -änSe- = finn. -aise- 
(Setälä, JSFOu III 13v3), z. b.: [Stensele (Halasz) 'fpärnece], 
Mala pär^fnäfSe, Lule pärnät'S, X. F. barnas, Kildin ^pärnanc, 
Ter ^pärnaj, dimin. von parfne, pär^nZ-, bardne, ^pürne 'söhn, 
knabe'; Lule rarmät'S, X. F. fiermas, Ter ^vinnaj dimin. von 
ver^me, fierbme, virme 'netz'. Aus dem finnischen erhellt, 
dass der vokal der dritten silbe einst palatal gewesen ist; in 
den südlappischen dialekten ist er im nomin. sing, noch nicht 
weggefallen; in urlappischer zeit muss er also auch in dieser 
form vor sich ein ü verlangt haben. 

Von dreisilbigen stammen werden diminutiva mittels der- 
selben Suffixe gebildet; sie haben jedoch hier einen stärkeren 
Stammkonsonanten als die soeben behandelten dreisilbigen dimi- 
nutiva: Lule -t§, gen. -t'fki. illat. -d'd'Sai. X. F. -s, gen. 5a, illat. 
-351. Vor diesem suffixe steht in der dritten silbe immer ein ä, 
vor welchem der vokal der zweiten silbe ein e ist, wenn das 
grundwort ein unveränderliches <} hat, aber ä. wenn das grund- 
wort ein ü oder ein veränderliches t- hat, z. b.: Jcajperat'S, X. F. 
gapperas, dimin. von TcaSper, gapper 'mutze' (vgl. oben 3) = 
finn. kypäräinen; Vo.yppelat'^, X. F. goappelas, dimin. von Voop- 
pel, gen. lojjjpela, X. F. goappel, gen. goappela 'auerhenne' 
^ f. koppelo; sapieolcat'S, X. F. savekas, dimin. von. sapeoli, 



Zur geschieht^ des urlapp. a und u in unbetonter silbe. 93 

gen. sapt^dhu. X. F. savek, saveka "Schneeschuh" ^ f. sivakka, 
dimin. sivakainen; mälläsnf.^. X. F. mallasas, dimin. von mäles, 
gen. ))iälläs(i, X. F. males, mallasa 'mahlzeit"; tudpäratS dimin. 
\-on tuper. gen. fuDpüra 'frisch gefallener schnee, der an den 
Schneeschuhen klebt". Die beiden letztgenannten beispiele wür- 
den also linnischen viersilbigen diminutiven auf -inen entspre- 
chen (solchen wie venehinen; von dreisilbigen Stämmen auf -e 
sind jedoch solche ableitungen mit nur einem diminutivsuffixe 
sehr selten; das gewöhnliche ist vempelöinen, lampahuiaen u. 
dgl.). In der dritten silbe steht also hier ein palataler vokal, 
der im lappischen wie gewöhnlich ein ä vor sich verlangt. In 
l:üSperaf§ u. s. \\'. (finn. -ainen, -äinen) steht dagegen in der 
dritten silbe ein ursprüngliches a, vor welchem das ä in e über- 
gegangen ist. 

28) Adjektiva auf Lule -ät^, gen. ät'kt, X. F. -as, gen. 
-aea, Kildin "^-anc, Ter '^-aj <C -änse- =■ tinn. -aise- (Setälä, 
a. a. o.), z. b.: tmu({§, X. F. dimas, Kildin '^tijmjanc, Ter 
'^fijmaj 'vorjährig', von tlmä, dima, '^tij)na 'voriges jähr'; viiö- 
lät'§, X. F. vuölas 'unterer" =: f. alainen; äihlfS. N. F. aigas 
'irgend einer zeit gehörend' ■=^ f. aikainen. Dieses -ainen muss 
also von dem oben mom. 15 erwähnten -a(h)inen unterschie- 
den werden. Die Ursachen für das verbleiben des ä sind die- 
selben wie oben mom. 27. 

29) Dem finnischen a, ä in den Zahlwörtern kolmas, nel- 
jäs und sadas entspricht im lappischen ein unveränderliches ä: 
Lule Jchehnüt, ndljät, fhiötät, X. F. goalmad, nseljad, cuodad. 
Ebenso in Lule hmotsät, auotsät, X. F. gavcad, ovcad, vgl. f. 
kahdeksas, yhdeksäs, sowie in Lule lokdt (ö <^ ä nach ö), X. F. 
logad "der zehnte". Vor dem e in der dritten silbe eru-artet 
man auch ein ä : f. kolmannen etc. Dass das ä auch im nomin. 
sing, unverändert bleibt (vgl. unten mom. 33), steht damit in 
Zusammenhang, da.ss auch im finnischen in diesen \\-örtern der 
endvokal im nomin. sing, wahrscheinlich sehr lange bewahrt 
geblieben ist, vgl. Setälä, ÄH 365. 

30) Hieher gehören auch die passiven verba auf Lule 
•äsit, X. F. -äset, deren ä wohl auf einem ehemaligen e in der 
dritten silbe beruhen muss; im finnischen sind diese verba un- 
bekannt (\-ieUeicht im vepsischen, vgl. Budexz, XyK X\1II, s. 
274); z. b.: pottnösit (ö >< ü nach ö), X. F. bodnjaset 'ge- 



94 K. B. WiKLUND. 



dreht werden', von potti'wt. bodnjat 'drehen" ; f'Salctüsif 'von 
einem fallenden bäume getötet werden" von fSaJcfat 'ein tier 
dadurch töten, dass man einen bäum über es fällt'; jäiräsit. 
X. F. jawaset 'von schnee überdeckt werden (von einem wege)", 
neben jävestit, N. F. javestet (mit kausativsuffix) 'mit schnee 
überdecken'. 

31) Von vielen verben werden adjektive auf Mala -äh, 
Lule -iL N. f. -el gebildet, welche bezeichnen, dass eine per- 
son oder sache die handlung des verbs ausführt, z. b.: Mala 
muijjlild. Lule miiixJel. gen. imdyjela, N. F. mviittel, gen. 
muittela "\\-elcher ein gutes gedächtnis hat" \'on Lule muiyjet. 
X. ¥. nmittet 'sich erinnern' ; Mala pcßtah. Lule pcistel. gen. 
pcisfela. X. F. bästel, gen. bästela 'scharf, schneidend", von 
Lule pcistet. X. F. bästet 'scharf sein, schneiden'. Diese Wör- 
ter können nicht ohne weiteres mit den finnischen adjektiven 
auf -elias verglichen werden: mnistelias, pisteliäs etc., da diese 
offenbar aus frequentativen verben auf -ele- gebildet sind und 
also lappischen formen mit kurzem a (^ finn. e) in der zwei- 
ten Silbe entsprechen würden. Formell entsprechen sie völlig 
den oben mom. 1 behandelten Wörtern aut -el: man wird 
daher geneigt anzunehmen, dass sie in der dritten silbe einst 
'ein a gehabt haben. 

Wie sich diese Wörter zu den viersilbigen adjektiven auf 
Lule -elis. X. F. -elas, -alas verhalten, ist schwieriger einzu- 
sehen: mädttelis (präd. form) 'möglich' von ]naDttet 'können'; 
teottelw^ N. F. diettelas, diettalas 'natürlich, selbstverständlich' 
von teeotet 'wissen' ; ihr -.5 steht vielleicht mit dem finnischen 
-s in pisteliäs u. s. w. in Verbindung. Xoch verwickelter ist 
die Sache bei den adjektiven auf Lule -tdis, X. F. -alas, z. b. : 
MsMlis, X. F. gaskalas bissig", von Mskef, gasket 'beissen'; 
ßciVoTcälis, N. F. bselkkalas "zänkisch" von pel^dket, bselkket 
'zanken'. Ihr langes ä zeigt, dass auch hier die finnische 
frequentativendung -ele- nicht herbeigezogen werden kann, an- 
dererseits muss in der dritten silbe ein palataler vokal gestan- 
den haben. 

32) Hierher gehören endlich auch die bekannten adverbia 
auf Lule -elin, -elis, -eli, -elf, -el(a), X. F. -elest, -eli, -eld, -el: 
pad'd'elin, N. F. bägjelest etc. 'über', von pad'de-. X. F. bagje- 
'oben befindlich'; vuöllelin, X. F. vuöUelest etc. 'unter', von 



Zur geschichte des urlapp. a und u in unbetonter silbe. 95 



vuölle-, X. F. vuöUe- "unten befindlich", u. s. w. Ihr überall 
beibehaltenes t in der zweiten silbe deutet auf ein ehemaliges 
a in der dritten silbe; ihr suffix ist demnach völlig identisch 
mit dem finnischen lokalsuffixe -la in Pohjola, Seppälä u. s. w. 
und sie gehciren also formell mit den oben im mom. 1 behan- 
delten Wörtern zusammen. 

Von den dreisilbigen stammen sind jetzt nur noch die 
Stämme mit veränderlichem (7, c ühng, d. h. die stamme mit e 
in der zweiten silbe im nomin. sing, (und der kürzeren form 
des essivs sing.) und mit ä in den übrigen kasus. Die weitaus 
meisten von diesen Wörtern endigen im nomin. sing, auf 

33) Lule -es, gen. -üsa (oder -ä), N. F. -gs, gen. -asa (oder 
-a), z. b.: feeres, gen. tarräsa, N. F. dgeres, gen. dserrasa 
'zwischenlage in nähten' =: f. tere; hünes, gen. hufnäsa, ess. 
hunen, hafnäsm, N. F. hanSs, gen. hadnasa 'geizig' = f. ahne; 
Hatfjelddalen fales, acc. fälab, Arjeplog fülis, gen. fallci(sa), 
Lule sväles, gen. svälläsa, N. F. fäles, gen. fälla, Enare välis, 
gen. valla, Ter. ^väles, gen. vällazi 'walfisch' < urnord. *hwa- 
laz, altnord. hvalr idem; Offerdal Gar^ves, nom. plur. Gar^väs, 
L'ndersäker, Frostviken, Vilhelmina oärves, nom. plur. Gärväs, 
Mala Mr^ves, nom. plur. larväs, Lule Tcärves, plur. Mr^väsao, 
X. F. garves, nom. plur. gar'va(sa)k 'fertig' <^ urnord. *3ar- 
waz (?), altnord. gorr idem. Der \\'echsel zwischen e und a ist 
allen dialekten gemeinsam, muss also urlappisch sein. Das a 
ist in den casus obliqui unverändert geblieben, weil die nächste 
silbe ursprünglich einen palatalen vokal enthalten hat, dem im 
finnischen ein e entspricht: X. F. oapes, gen. oappasa 'be- 
kannt' = f. opas, oppaan- <; *oppasen: X. F. ruoives, gen. 
ruoi'va 'hanf = f. roivas, roivaan <^ * roivasen : u. s. w. Der 
Übergang « >> e im nomin. sing, kann hier nicht auf einem 
Wechsel in der qualität der folgenden silbe beruhen, in welchem 
falle man auch im finnischen einen nominativ * oppase, * roivasa 
erwarten würde. Die eingetretene „konsonantenschwächung" 
{=z sch\\'ache stufe) zeigt, dass diese Wörter im nomin. sing, 
konsonantischen auslaut hatten; man muss also anneh- 
men, dass es ausser dem oben behandelten falle .,« >> e vor 
urspr. rt" auch einen fall „a >> e in der letzten silbe eines 
Wortes" gegeben hat; weiter unten werden wir in der that fin- 



96 K. B. WiKLUND. 



den, dass derselbe Übergang auch im absoluten auslaut statt- 
gefunden hat (kuölle „tisch" = f. kala). 

In den meisten lappischen dialekten ist der konsonantische 
auslaut im nomin. sing, der hier behandelten Wörter bei- 
behalten worden. Die jämtländischen dialekte machen jedoch 
insofern eine ausnähme von dieser regel, als in ihnen nur die 
adjektive auf konsonanten endigen, die Substantive aber auf 
-sd, -se, z. b. : Undersäker ourves 'fertig' ; Bösres 'alt' ; oäints 
'zahm'; aber nnwtjdSd 'flicken', Lule tüöTctjas; Gämass 'die haut 
auf den beinen eines tieres", Lule Jcämas: Gapthd 'womit man 
etwas überdeckt", Lule TcopfSos. Diese adjektive auf -.s- sind in 
der that die einzigen dreisilbigen stamme, die hier im nomin. 
sing, auf konsonanten endigen ; alle übrigen endigen auf -d, -t 
(-rd, -na», -Ad, -so etc.). Es m.uss also etwas zweifelhaft erschei- 
nen, ob diese substantiva auf -sd oder im allgemeinen alle diese 
Wörter wirklich in urlappischer zeit im nomin. sing, vokalischen 
auslaut gehabt haben, wie ich es in meinem „Entwurf einer 
urlappischen lautlehre" s. 121 vermutet habe. Man könnte ja 
vielleicht annehmen, dass in den Substantiven auf -sd. -se der 
vokalische auslaut sekundär und an alogisch ist, d. h. aus sol- 
chen dreisilbigen stammen aufgenommen, wo das -d, -s auf 
einen früheren vokal a = finn. a (nicht e) zurückgeht und die 
ungeschwächten Stammkonsonanten sowie das e der zweiten 
Silbe im Lulelappischen auf einen in alter zeit sicher vorhanden 
gewesenen vokalischen auslaut im nomin. sing, deuten (wie in 
jippmds 'gott' = Lule juppmel, f. jumala; reo'pens 'rauchloch' 
=: Lule reojjen, f. reppänä; veef'Sars 'hammer" ^ Lule vejfSei; 
f. vasara; u. s. w.). Eine solche analogische Umbildung des 
nominativs wäre auch sehr natürlich, da diese beiden klassen 
von dreisilbigen stammen sonst auf ganz dieselbe weise dekli- 
niert werden. Die adjektive würden dann durch einfluss der 
attributiven form auf -s ihr nominativ-.s- erhalten haben. Dass 
diese erklärung der jämtländischen nominative auf -sj in der 
that richtig ist, scheint aus den Verhältnissen in dem im letzten 
sommer von mir untersuchten dialekte in Mala bestätigt zu 
werden. \'on den dreisilbigen stammen endigen hier (mit we- 
nigen ausnahmen) alle nomina auf -.s- im nomin. sing, auf kon- 
sonanten, während die übrigen, die zwischen der zweiten und 
dritten silbe ein cL g. Je, l, m. n, f'S u. s. w. haben, im allge- 



Zur geschieh te des urlapp. ü und ti in unbetonter silbe. 97 



meinen auf vokal ausgehen; die nomina auf -/• mit vorange- 
hendem e, d, ü endigen auf Isonsonanten, diejenigen auf -üre. 
-(()■£ auf votcal. 

Auch in Mala dürften wohl einige von diesen vokalisch 
auslautenden nominativen analogisch sein; dies muss z. b. mit 
vielen von den nominativen auf -gd der fall sein, wie t'SäUdgd 
neben tSäldO 'schrift' = Lule tSäla, gen. tSüllaka, wo also 
die erste form offenbar analogisch ist. Diese Wörter entspre- 
chen im finnischen Wörtern auf -e', gen. -een <^ -eh, gen. -cgen. 
wo der konsonantische auslaut des nominativs also in finnisch- 
lappische zeit hinaufreicht. Andererseits müssen einige von den 
Wörtern auf -;■ den endvokal verloren haben, wie z. b. Tcuöopty. 
norn. plur. IcuödXJur 'klaue' = Lule IcuöSper^ TcnöoperaQ, f. ko- 
para, wo das urlappische nach dem oben gesagten im nomin. 
ein auslautendes a gehabt hat. 

Die nomina auf -,S' müssen wohl also, trotz ihres jämtlän- 
dischen -so. konsonantischen auslaut gehabt haben, was auch 
mit dem finnischen opas u. s. w. mit auslautendem s und „kon- 
sonantenschwächung" übereinstimmt. Die meinung Thomsen's, 
BFB 107 ff, dass diese finnischen Wörter konsonantenstämrne 
gewesen seien, wird also durch das lappische insofern bestätigt, 
als sie im nomin. sing, in finnisch-lappischer zeit konsonan- 
tischen auslaut gehabt haben. Die kürzere form des essivs 
sing, zeigt vielleicht auch im lappischen einen konsonantischen 
Stammauslaut: f. opas-na (neben oppaana analogisch nach op- 
paalla u. s. w.) und Lule hünm (neben analogischem Jiatnüsin) 
'geizig', Lule und Arjeplog sväinan (neben Lule sväi^nasin) 
von sväinas 'knecht' (Halasz, Sved-lapp nyelv VI xxi), wo 
hünm, sväinan wohl auf ein -sna zurückgeht, dessen sn in 
diesen gegenden wie gewöhnlich in n übergegangen ist, und 
dessen a vor sich ein e, nicht ä verlangt; die vorhandene 
schwache stufe zeigt auch, dass die zweite silbe ursprüng- 
lich geschlossen gewesen ist (an analogie vom nomin. sing, 
ist wohl kaum zu denken). Ob dasselbe auch im parti- 
tiv sing, der fall gewesen ist, wie im finnischen opasta etc., 
i.st schwieriger zu entscheiden; \\"enigstens haben die russisch- 
lappischen dialekte, in denen der part. sing, noch in gebrauch ist, 
einen vokal vor dem suffixe: ''^mttared von '^iiiUfaj- 'Zöllner'; 
pröroHcö oder ^j^röroJcc.tteö von prdvo'k 'prophet' (NyK XMI 

7 



98 K. B. WiKLUND. 



7). Man könnte jedoch vielleicht an solche formen denken 
wie N. F. olgold, Lule -otTcidt 'auswendig'; N. F. goabbeld, 
Lule hopiMt '\'on welcher seite', etc.; wie wir aber oben mom. 
32 gezeigt haben, erwartet man in diesen ableitungen in der 
dritten silbe eher ein ursprüngliches a als ein e. Die finnischen 
partitive von dreisilbigen stammen auf -la würden demgemäss 
nicht auf -lata ausgehen, sondern auf *-lta. 

Auch wenn diese dreisilbigen stamme auf nom. sing, -s 
in urlappischer zeit in gewissen formen konsonantischen stamm- 
auslaut gehabt haben, müssen deshalb nicht alle dreisilbigen 
Stämme auf -c diese eigentümlichkeit aufgewiesen haben. Oben 
im mom. 29 haben wir schon darauf hingewiesen, dass die 
Ordnungszahlen noch in finnischer zeit einen endvokal im no- 
min, sing, gehabt haben. Auch in anderen fällen ist gewiss 
ein endvokal, wenigstens in urlappischer zeit, vorhanden ge- 
wesen, wo wir im finnischen dreisilbige e-stämme finden. So 
vor allem in den diminutiv^en und adjektiven auf -t'L Mala -t'Se^ 
-fh (oben 27 und 28). Das auch im nomin. sing, vor dieser en- 
dung gebliebene fi deutet auf einen palatalen vokal in der dritten 
silbe. Die Schicksale des entsprechenden finnischen vokals 
sind unbekannt, da der nominafiv hier auf das etwas dunkle 
-nen, nicht auf -s oder -si endigt. Wenn man diese Wörter 
mit den Ordnungszahlen zusammenstellt, könnte man geneigt 
werden anzunehmen, dass eigentlich nur die dreisilbigen stamme 
mit langen konsonanten zwischen der zweiten und dritten 
silbe den endvokal bewahrt haben, offenbar weil die zweite 
silbe in solchen Wörtern einen nebenton erhalten haben muss, 
der gewissermassen die dritte silbe mit der zweiten silbe in 
zweisilbigen Wörtern gleichwerfig gemacht hat. Dieselbe er- 
klärung gilt auch für die oben im mom. 26 erwähnten nomina 
auf Mala -rnuK Lule -rm. wo die in allen kasus vorhandene 
schwache stufe auf ursprünglich langes n deutet. Bei den 
meisten übriger dreisilbigen nomina auf Mala -d dürfte das -c> 
einem finnischen -a entsprechen. 

Von den wenigen Wörtern auf Lule -eu (<< -em), gen. 
-cmia und -er. gen. -rtro können wir hier absehen, da man im 
allgemeinen keine völlig entsprechenden finnischen Wörter auf- 
weisen kann. 



Etymologisches aus den permischen sprachen. 99 

In den drei- und viersilbigen Wörtern haben wir also 
überall, wo wir überhaupt die Verhältnisse untersuchen konn- 
ten, die regel bestätigt gefunden, dass vor einem aus palatalem 
vokal entwickelten u in der zweiten silbe ein a steht und vor 
früherem a (und e, a) ein e; dieses e tritt auch auf, wenn kein 
\-okal folgt; vor u sind die Verhältnisse etwas unklar. 

Bevor wir zu der geschichte des unbetonten u in zwei- 
silbigen Wörtern übergehen, wollen wir zunächst einen blick auf 
die Schicksale des unbetonten fi in der zweiten silbe von drei- 
silbigen Wörtern werfen. Unter denselben Verhältnissen wie 
bei dem Wechsel a '^ e und grösstenteils in denselben fällen 
werden wir dort einen Wechsel ü '^' ü finden. (Forts.) 

Upsala im februar 1901. 

K. B. WiKLUXD. 



Etymolog-isches aus den permischen sprachen. 



1. Wotj. urves, urhefL 

Bei besprechung der von Vikar aufgestellten gleichung: 
finn. arpa 'Wahrsagungswerkzeug' (bei Renvall 'virga scrutatoris 
superstitiosa 1. divina ad res incognitas detegendas') : ' magy. 
orvos 'arzt', urus (szeklerdial.) 'zauberer' fragt Setälä: .,ist ur- 
sicher 'eichhorn' im wotj. ur-ves 'frühlingsfest bei den sarapuli- 
schen wotjaken'?", augenscheinlich die bedeutung 'eichhorn' in 
zweifei ziehend und auf die möglichkeit aufmerksam machend, 
dass wotj. ..ur-ves" in irgend einer beziehung zu den genann- 
ten Wörtern arpa und orvos stehen könnte (siehe JSFOu XVII 
4, 50 — 5). Den anlass zu dieser frage empfing Setälä daher, 
dass MuNKÄcsi in seinem wotjakischen Wörterbuch (109) 
dieses wort für ein kompositum hält, das eigentlich „eichhorn- 
opfer" (*ur 'eichhorn' + f^'ßs 'opfer') bedeutet („a szo jelentese ügy 
lätszik: 'evet äldozat'; v. ö. zürj. iir evet."). Die bedeutung 



1 Vgl. auch est. arp "loos, zaubermittel', arbutama 'hexen, 
zaubern'. 



loo Yrjö Wichmann. 



'frühlingsfest etc." hat Muxkäcsi, u'ie er mitteilt, von seinem sara- 
pulischen Sprachlehrer erhalten. Weniger aufmerksamkeit hat 
MuNKÄcsi sichtlich den nachrichten zugewandt, die Buch (Die 
Wotjäken 602, 603, 618) von den formen und bedeutungen 
dieses Wortes giebt, obgleich er allerdings darauf verweist. Nach 
Buch ist ,,urbeti oder urves" ein „schlimmer waldgeist niede- 
ren Schlags, der den menschen gern schadet" (603). Einen 
grund für die annähme, dass urvei „waldgeist" wäre, bringt 
Buch nicht vor. An anderer stelle (618 — 9), wo von den 
ceremonien erzählt wird, unter denen die wotjäken zu einer 
bestimmten zeit des Jahres die saitan ^ vertreiben, citiert Buch 
die folgenden gebetworte, die beim opfern gesprochen \\-erden: 
.,.osts inmars, hll'li t'Serli en Jcifsfl, urhef'Ml en sof!",^ d. h. 
„oh, osts inmar (gott des himmels), gieb uns nicht den krank- 
heiten und seuchen, gieb uns nicht dem urhet'^ preis!" Die 
Wörter TcU' und i'Scr bedeuten nicht bloss krankheit überhaupt, 
sondern auch den geist der krankheit. Da aus Buch's be- 
richt deutlich hervorgeht, dass der z\\'eck des opfers und der 
damit verbundenen ceremonien die Vertreibung der krank- 
heiten und krankheitsgeister ist, so darf man wohl annehmen, 
dass auch mit dem worte urhet'S etwas schädliches, vielleicht 
gerade vor allem ein krankheit verursachender geist, gemeint 
ist. Buch sagt selber in anderem Zusammenhang (602), die 
wotjäken hätten ihm urhefS als saitan, d. h. böser geist er- 
klärt. — Es begegnen aber auch sonst in der litteratur nach- 
richten vom ürhetS. Nach Verescagix ist 2<rves = „ceremonie 
zur Vertreibung \-on saitan' en und krankheiten" (Botakh Cochob- 
CKaro Kpafl 61 — 2), „ceremonie zur \"ertreibung des t'Ser 
(krankheitsgeistes)" (Bothkii CapanyjibCKaro ytsja 106). Auch 
Georgi erwähnt schon diese sitte und benennt die opfercere- 
monien mit dem namen orwas (siehe Beschreibung aller 
Nationen 61 — 2). Ausserdem berichten auch manche andere 
forscher von der sitte, die bösen geister zu vertreiben. •' Die 



^ Wotj. saitan = teufel, auch: böser geist im allgem. 

2 Transskription von mir. 

^ Sestakov, r.iasoBCKifi y'b;y't. BtcTHiiKB Feorp. Ouin. 1859, XXM 
107 — 8; Bechterev, Bötakii. B'tcrii. Kup. 1880, IX 160 — 2; Ko<UR- 
NIKOV, YiUTb BoTHKon'b Capaii. yta^ia, 23 — 4; Gavrilov, Tpy,iH wt- 
Bopraro apx. c[.'L:aa. T. II 95, 101; Pervuchix, ;^ckii:ii>i. II 112 — 8. 



Etymologisches aus den permischen sprachen. lOi 

henennung der ceremonie ist verschieden in den einzelnen 
gegenden, und in einzelnen punkten können auch abweichun- 
gen erscheinen. Die hauptzüge jedoch sind auf dem ganzen 
wotjakischen gebiete gleich: 1) eine opferhandlung (gewöhnl. in 
einem walde oder bei einem einsamen bäume ausserhalb des 
dorfes; die nötigen opferspeisen werden in jedem haus gesam- 
melt); 2) die Vertreibung der geister [die teilnehmer an der 
Opferhandlung kehren mit stocken, ruten, fackeln u. a. waffen 
ausgerüstet, ins dorf zurück, gehen unter gelärm in jedes haus, 
an dessen \\ ände ^ sie schlagen, peitschen die kleider der be- 
wohner und sogar die bewohner selbst, um auf diese weise 
die geister der krankheit zu x'ertreiben, wornach die \\-affen 
ausserhalb des dorfes (im winter) in eine tiefe grübe oder (im 
sommer) in einen fluss geworfen werden]. Aus dem gesagten 
dürfte hervorgehen, dass das eichhorn keine rolle in den urves- 
ceremonien spielt; irrig scheint auch Buch's annähme zu sein, 
nrves sei „waldgeist". Offenbar meinen die wotjaken heut- 
zutage mit dem worte tirves, urbet'S teils ein krankheit 
verursachendes geisteswesen,^ teils die opferceremo- 
nien, unt.er denen dieses geisteswesen vertrieben wird. 
Was die form des Wortes betrifft, so ist gar kein grund \'or 
banden es als kompositum aufzufassen. Der vokal der zweiten 
silbe der von Muxkacsi gegebenen form ..ur-VfiS" ist anzuzwei- 
feln ; sowohl in der von Buch als auch in der \-on Verescagin 
gegebenen form (beide ebenfalls sarapulisch) steht e, nicht e (o). 
In ISLEXTjEv's hand.schriftlichem Wörterbuch trifft man auch 
die form urves an (die bedeutung ist hier nicht angegeben). 
Würde das auftreten des e (o) daraus zu erklären sein, dass dem 
Wörterbuchverfasser ^irves als .,frühlingsfest" (vgl. wotj. ve§ 
'opfer, opferhandlung, opferfest') erklärt worden ist; oder ist 
,,ur-ves" eine wirkliche Volksetymologie, nicht bloss eine „ge- 
lehrte Volksetymologie"? 



^ Nach Verescagin wird in einem dorf beim schlagen ge- 
rufen : „urves vuiz! urves vuiz!'' d. h. ,,der urves ist gekommen!" 

'^ Krankheit schicken den menschen nach der annähme der 
wotjaken auch die verstorbenen. An manchen orten wird dieSver- 
treibung der krankheitsgeister in der ostergegend ins werk'gesetzt, 
wo die verstorbenen angcebhch aus dem totenreich hervorkommen. 



I02 Yrjö Wichmann. 



Um nun zu unserem ausgangspunkt zurückzukehren, so 
können wir auf grund des gesagten die müglichkeit der Zu- 
sammenstellung von urves, nrhetS mit tinn. arpa, magy. orvos, 
urus wenigstens der form nach zugestehen. Hinsichtlich der 
form schliesst sich das wotjakische wort am nächsten an die 
ungarischen an. Gegen die Zusammenstellung kann jedoch u. a. 
die bemerkung gemacht werden, dass die bedeutungen des wot- 
jakischen worts, wenigstens die heutigen, für die Zusammen- 
stellung keine genügende stütze bieten. Was das finn. arpa 
betrifft, so scheint besonders beachtung gewidmet werden zu 
müssen den bedeutungen: 'schlagruthe um verborgene dinge 
zu entdecken', arpa: 'budkafle' ('botschaftsstock', Juslenius), 
arpa-kapula 'bacillum emissorium 1. tessera' (Renvall), 'bud- 
kafle' (Lönnrot), arpa-mies 'der herumträger des botschafts- 
stockes' (Lönnrot). 1 Das arpa entsprechende kola-lappische 
"^vlii-pe hat nach Genetz die bedeutung: „Loos. (Jetzt bestehen 
die Loose aus V2 — 1 Zoll langen Ruthenstückchen; früher wurde 
beim Loosen ein ausgeschnittener Maser (iKiJike) an einem vom 
Dache herabhangenden Faden befestigt und in Bewegung ge- 
setzt)." 2 Es sei noch darauf aufmerksam gemacht, dass läpp. 
vuorbbe nach Frhs auch: 'manubrium, pertica, contus' bedeu- 
tet. ^ Ich erwähnte eben, dass die benennung der urves-cevQ- 
monie bei den wotjaken in den verschiedenen gegenden ver- 
schieden sei. Nach Verescagin wird dieselbe handlung in einer 
gegend mit dem namen /'.^oZ'JH-ar = 'hammer' („moüotok'l'') be- 
zeichnet, weil die vertreiber der krankheitsgeister einen „kleinen 
aus holz hergestellten hammer'" als waffe gebrauchen. Gavri- 



^ Vgl. auch Krohn, Suomen suvun pakanallinen jumalan- 
palvelus, 135, wo ausdrücklich bemerkt wird, dass in Kuusanio 
ein »aus espenholz geschnitzter klöppel (kalikka)» als wahr- 
sagungswerkzeug benutzt wird. 

'^ Vgl. auch Krohx 1. c. 

3 Ist das ersamordw. iirabei = 'stock'? Siehe Wiedemaxx 
Wörterb. : airabei nalksems Stöcke werfen, spielen. — iirabei 
nalkseme Stockspiel (wo man einen zugespitzten Stock so in den 
weichen Boden zu werfen sucht, dass er aufrecht stehen bleibt und 
zugleich den von dem Gegner geworfenen umstösst).» Und ist das 
wort urspr. mordwinisch oder lehnwort? Auf das letztere deutet 
das intervokalische h. 



Etymologisches aus den permischen sprachen. 103 

Lov nennt ähnliche im gouvernement Kasan abgehaltene cere- 
monien unter dem namen put'§i suJckon = 'das schlagen mit 
den weidenzweigen' („öiiiie Bepöofi"). Man könnte darnach für 
möglich halten, dass sich auch hinter den benennungen urve.^, 
urhet'ä ein ursprünglicher analoger sinn verbirgt. Wäre es zu 
kühn anzunehmen, dass urves, urbet'S ein „nomen possessoris" 
= urv-es, urh-ef'S „hammer, stock oder rute habend, d.h. 
mit Zauberwerkzeug versehen, zauberer" ist? vgl. wotj. 
gone?, sjTJ. geneS, genes 'haar habend, haarig' (gon, gen 'haar'); 
bezüglich des Schlusskonsonantismus vgl. z. b. syrj. biires 
"glückselig" neben huret'S 'angemessen, bescheiden" aus hur "gut; 
gute". ^ Ebenso vielleicht magy. orvos, urus = orvo-s, uru-s. - 
[Wotj. -syrj. -es, -es z= magy. -s {= s), vgl. Budenz, Az ugor 
nyeh'ek összehas. alakt. 256 — 7.] 

Hierbei ist noch zu beachten, dass die tschuwassen ein 
ähnliches fest der Vertreibung böser geister feiern,^ welches 
vifmeee oder virem, auch suren (vgl. tscher. surem) heisst 
{BiiptMe»ie, Biip3Mi), cLypeHL: Magxickij, Maiepia^bi kt. oö-l- 
flCHCHiio ciapoö 'jyBamcKOfi Etpu, 126 — 33). * Möglich ist, 
dass vifmeee in irgend einem Zusammenhang mit wotj. urhetS, 
iirvei steht (vgl. in lautlicher hinsieht z. b. tschuw. vit- '^ tat. 
üt-, tschuw. vil- '^^ tat. ül-, etc. ; die grössten Schwierigkeiten 
bereitet das Verhältnis wotj. rJj, rv --^ tschuw. fm). — Auf der 
anderen seite könnte tschuw. vifmeee, virem eine ableitung 
von dem verbum vif- "durch worte bezaubern' (iiaroBapiiBOTL, 
ZoLOTNicKij) sein, sodass vifem :== 'das bezaubern" wäre. 
ZoLOTxiCKij meint, das letzterwähnte verbum sei derselben 



1 Siehe auch Wiedemaxx, Syrj. Gramm. § 37. 

2 MuXKACSi's annähme (Ethnographia VIII 23 t, mag}', orvos 
sei slavischen Ursprungs [vgl. russ. BoporL 'feind; zauberer' (nicht: 
Zauber!)], ist aus lautlichen gründen kaum zu Ijilligen. Vgl. ASBOTH, 
Archiv für slav. Phil. XXII 479 f. 

3 Wie auch die christlichen tataren (s. Magxickij 133), die 
tscheremissen ( surem, s. Jakovlev, Pe.inriosHHe oupfl;i,H Mepejinci. 
31 — 49j und auch die mordwinen (s. Wiedemaxx, Grammatik der 
ersa-mordwinischen Sprache, 2). 

* Magxickij setzt die würter virem, vifmeee in beziehung 
zu türk.-tat. er-, ur-, vur- 'schlagen'. In diesem falle wäre jedoch 
im tschuwassischen als vokal der ersten silbe o oder u zu ervvarten, 
vgl. A^marix, MaTepia.iH ä-i« nsc.i. »ivBauicK. «auna 79, 7 — 9. 



I04 Yrjö Wichmann. 



..Wurzel'" wie türk.-tat. ür- (kaz.-tat. er-) "blasen; bellen", dessen 
tschuw. pendant jedoch ver-, und nicht vif- (BnpD ist, wie 
ZoLOTNicKij angiebt. ^ Ist also Zol. .,Biipt "durch worte be- 
zaubern'" wirklich = ver-, so hätte es nichts mit Magx. 
vifmece zu thun. vorausgesetzt nämlich, dass diese letztge- 
nannte form hinsichtlich des vokalismus richtig ist. 

Leider ist mit den jetzigen hilfsmitteln sch^/er über die 
etymologie von tschuw. vifmeee, virem klarheit zu erzielen, 
welche et3-mologie möglicherweise nicht nur hinter die fragli- 
chen finnisch-ugrischen Wörter licht bringen könnte, sondern 
auch hinter deren Verhältnis zu den türk. -tatarischen, die wie 
Setälä in dem oben erwähnten artikel treffend bemerkt hat, 
,,sowohl dem laute als der bedeutung nach an die finnisch- 
lappischen und magyarischen erinnern" (vgl. schor. orba, sag. 
orby, tel. alt. orbü "der Schlägel,"'^ mit dem der schaman 
.seine trommel schlägt', und auf der anderen seite arba (in vielen 
dialekten) "hexen, behexen, bezaubern, wahrsagen, besprechen 
(krankheiten)', kirg. arbau 'listige antwort', barab. 'hexerei', 
dschag. arba}', arbak "lüge, betrug, list, besprechung, hexerei', 
arba^ei, ost-turkest. arbakci, barab. arbaudzy 'hexenmeister, 
Zauberer', tel. alt. lebed. arban "murmeln, murren, unwillig 
sein', s. Setälä 1. c.l. 



2. "Wotj. Kuzon. 

Kasan wird in den Chroniken zum ersten male unter den 
Städten erw^ähnt, die im besitz der mongolen oder tataren wa- 
ren, als diese eben die herrschaft des mächtigen Bolgar ver- 
nichtet hatten (1236). Zu dieser zeit lag die Stadt (das ..alte 
Kasan") etwa 45 km nordöstlich von dem heutigen, ., neuen" 
Kasan, auf dem rechten ufer des Kasanka-flusses. Sicher weiss 
man nicht, ob die Stadt bereits vor der eroberung existierte, oder 
ob sie die tataren erst als Stützpunkt für ihre eroberungen ge- 
gründet haben. Die letztere annähme scheinen die nachrichten 
zu bekräftigen, nach denen Batu-khan, mit dem beinamen Sain, 



1 Siehe Asmarix 1. c. 78. 

2 Von mir spaziiert. 



Et3'mologisches aus den permischen sprachen. 105 



seine späher ausschickte um einen solchen platz zu suchen, 
von dem aus man die absichten und bevvegungen der fürsten 
von Rjäsan, Madimir und Moskau im äuge haben könnte; einen 
passenden platz fand man auf dem rechten ufer der Kasanka, 
und hier legte Batu das kriegslager an, dem der name Sain- 
jurt gegeben wurde. ^ Bemerkenswert ist, dass dieser von dem 
eroberer dem platze gegebene name sich nicht im gebrauch 
erhalten hat, dass vielmehr die Stadt schon unter der tataren- 
herrschaft allgemein Kazan genannt wurde. — Einige forscher 
halten es jedoch für möglich, dass die bolgaren diese Stadt 
oder diesen Lagerplatz schon vor der eroberung des landes 
durch die tataren gegründet hatten, um die ihnen tributpflichti- 
gen Völker (wotjaken, tscheremissen u. a.) besser regieren zu 
können.- Trifft dies zu, so ist es auch wahrscheinlich, dass die 
tatarische benennung Kazan den alten bolgarischen namen re- 
präsentiert oder ihm entspricht, sodass er sich auch leicht, trotz 
des neuen namens Sain-jurt, im gebrauch erhalten konnte, und 
zwar sogar bis zu dem grade, dass der letztere gänzlich bei 
Seite geschoben wurde. Die frage nach der nationalität der 
bolgaren d. h. des Volkes, das das bolgarenreich beherrschte, ist 
nicht mit voller Sicherheit entschieden worden. Manche gelehrte, 
wie z. b. Il'minskij, Kunik, Radloff halten es für sicher, dass 
die bolgaren ein stamm türkischen Ursprungs seien, und dass 
wahrscheinlich das heutige tschuwassische die fortsetzung der 
spräche sei, die die bolgaren gesprochen haben. Ist diese hypo- 
these richtig, und ist Kasan von den bolgaren gegründet, so 
würde also auch der heutige tschuwassische name der Stadt: 
Xozan, Xiizan, der lautlich dem tat. Kazan entspricht, den alten 
bolgarischen namen Kasans repräsentieren. 

Beachten wir nun einerseits, dass das bolgarenvolk seiner 
zeit das mächtigste von den Wolgavölkern gewesen ist und als 
solches ^auch die finnischen stamme der nachbarschaft (die per- 
mischen Völker, tscheremissen, mordwinen) in einer art abhän- 
gigkeitsverhältnis gehalten hat, und anderseits, dass im tschere- 
missischen, mordwinischen, wotjakischen und sogar auch im 
syrjänischen spuren sehr beträchtlichen tschuwassischen ein- 



^ Vgl. O. de Lebedeff, Abrege de l'histoire de Kazan 9—12. 
2 Vgl. Lebedeff 1. c. 



io6 Yrjö Wichmann. 



tlusses anzutreffen sind, so erscheint die erwähnte h3^pothese von 
dem x'erhältnis des heutigen tschuwassischen und der spräche 
der alten bolgaren sehr natürlich. Was die wotjaken betrifft, 
so scheinen sie sofort nach der tatarischen eroberung unter 
starken tatarischen einfluss geraten zu sein, wofür u. a. die 
zahlreichen tatarischen entlehnungen, besonders in den süd- 
lichen dialekten, ein deutlicher beweis sind. Mit den tschu- 
wassen haben sie darnach nicht in direkter berührung gestan- 
den, da diese schon sehr lange in ihren jetzigen, fern von den 
wotjaken gelegenen Wohnsitzen gewohnt haben. Unter den 
Wörtern, die die wotjaken aus dem tschuwassischen entlehnt 
haben, befindet sich auch der name für die Stadt Kasan, wotj. 
Kuzon, welches die regelrechte entsprechung der tschuw. for- 
men Xozan, Xnzan darstellt [vgl. z. b. wotjG. kulmi 'braut- 
geld' <C. tschuw. ZoL. xolym (hingegen wotj. halnn •< tat.. 
kalymj; wotj. uHo 'geld' << tschuw. Ahlqv. oksa, uksa (hin- 
gegen wotjS. MuNK. aksa <C tat. akca); wotj. idmo 'apfel' < 
tschuw. Ahlqv. olma, Radl. iilma (hingegen wotjU. alma •< 
tat. alma); wotj. juho "pfähl' << tschuw. Ahlqv. joba, etc.]. 
Aus dem tatarischen kann wotj. Kuzon nicht entlehnt sein, 
denn in diesem falle würde man im wotjakischen die form 
* Kasan erwarten, wie man aus mehreren der citierten beispiele 
ersehen kann. Der umstand, dass der wotjakische name Ka- 
sans von den tschuwassen, und nicht von den tataren entlehnt 
ist, ist darum wichtig, weil er erstens die annähme bekräftigen 
kann, Kasan habe vor der ankunft der tataren existiert, und 
zweitens die, dass das volk des bolgarenreiches eine spräche 
gesprochen habe, deren fortsetzung das heutige tschuwassische 
ist. ^ Hätten nämlich erst die tataren Kasan gegründet, so wäre 
es \\'ahrscheinlich, dass die wotjaken den namen der neuen 
Stadt von den tatarischen gründern entlehnt hätten, unter deren 
gewalt und einfluss sie jetzt nach der Zertrümmerung des bol- 
garenreiches geraten waren. Hiergegen könnte man geltend 
machen, die wotjaken hätten den namen durch Vermittlung der 
tschuwassen bekommen können, die ihn \'on den tataren haben 
entlehnen können. In diesem falle wäre jedoch in dem tschu- 



^ Auch der tscheremissische name Kasans, Ozan, ist aus dem 
tschuwassischen entlehnt. 



Etymolo^sches aus den permischen sprachen. 107 

\\'assischen namen ein anderer vokalismus zu erwarten: *Xazan, 
wie die neueren tatarischen lehnwörter im tschuwassischen 
zeigen (vgl. z. b. tschuw. Zol. paxea 'gemüsegarten" «< tat. 
bakca, tschuw. Zol. pazar 'markt' << tat. bazar, etc. vgl. Rad- 
LOFF Phonetik § 116, Asmarin, MaTepia.iii>i Ml), und auch 
jetzt würden wir im wotjakischen * Kazan erwarten. Einen 
weiteren einwand könnte man machen: das „alte Kasan'' wurde 
in einem von hügeln umgebenen k e s s e 1 artigen thale angelegt, 
weshalb die tataren der Stadt den namen Kazan (tat. kazan =: 
"kessel") gaben; da jedoch der kessel auf tschuwassisch xoran, 
xuran, der name der Stadt dagegen Xozan, Xuzan heisst, so 
würde dies zeigen, dass die tschuwassische benennung den- 
noch von den tataren entlehnt ist. Ausser dem erwähnten 
lautlichen grund, könnte man hiergegen N'orbringen, dass man 
nicht mit Sicherheit die Identität der tatar. \\-örter Kazan 'Kasan" 
und kazan 'kessel' beweisen kann; das tat. kazan hat nämlich 
in den türksprachen noch viele andre bedeutungen, wie aus 
Radloff's Wörterbuch hervorgeht, und u. a. erscheint es auch 
als Personenname (Kazan-khan). Wenn wir nun aber daran 
festhalten wollen, dass die gründer Kasans der Stadt ihren na- 
men wegen der kesseiförmigen örtlichkeit gegeben haben, was 
natürlich sehr wchl möglich ist, so sprechen die verschie- 
denen tschuwassischen namen für Kasan und kessel nicht un- 
bedingt dagegen; es ist ja möglich, dass das tschuw. Xozan, 
Xuzan entweder einen älteren lautlichen stand bewahrt hat, wie 
öfters die Ortsnamen, oder dass es eine alte wechselform des 
tschuw. xoran, xuran darstellt. Inlautendem und besonders aus- 
lautendem z (s) in anderen türksprachen entspricht nämlich oft 
tschuw. r, z. b. tschuw. Ahlqv. vurum 'lang', tat. uzun, jak. usun; 
tschuw. ZoL. sürü, Ahlqv. sür, sür, sürä, sire ring', tat. jözök, 
osm. jüzük, dschag. aderb, üzük; tschuw. Radl. cur, Ahlqv. sorä 
"frühling", tat. jaz, alt. jas, jak. sas; tschuw. Radl. sur, Ahlov. sor 
'sumpf, tat. saz, alt. sas, etc. Auf der anderen seite ist jedoch 
zu beachten, dass dem tschuw. z in anderen türksprachen oft 
auch z (s) entspricht, und ebenso tschuwassischem r : r, z. b. 
tschuw. Zgl. ozat, Ahlqv. ozad-, uzad- "den weg weisen", tat. 
alt. uzat; tschuw. Zol. syzar "marder", tat. sosar, alt. kir. suzar; 
tschuw. Ahlqv. tinis, tenis, Radl. tiriiz "meer", tat. diTjez, alt. 
teriis; tschuw. Zol. soras 'sich \ersöhnen', tat. järäs, alt. jaras; 



io8 Yrjö Wichmann. 



tschuw. ZoL. sorym "rücken", tat. kir. jauryn, alt. jaryn, jak. 
saryn; tschuw. Zol., Ahlov. xir 'feld', tat. kyr, alt. kyra. Dazu 
kommt noch, dass z (s) und r auch in anderen türksprachen nicht 
nur in verschiedenen sprachen sondern auch in denselben dia- 
lekten wechseln können, z. b. kir. Radl. .^atqyr 'hinlegen", tat. 
jatquz; in den Wolga-dialekten Radl. ütkär und ütkäz "hin- 
durchbringen' ; Radl. kas. kyz, kir. köz, alt. kös 'äuge", aber 
tat. kür, alt. kir. jak. kör "sehen" (ebenso tschuw. Ahlqv. kos, 
kus äuge', aber kar, kur "sehen"). Nach Radloff sind überall in 
türkischen dialekten dergleichen ., Übergänge", obschon wohl nur 
in vereinzelten fällen, zu konstatieren. In hinblick hierauf ist der 
..Übergang" des z in r schwerlich als eine eigentümlichkeit gewisser 
besonderer türkdialekte aufzufassen, vielmehr scheint der Wech- 
sel z (s) ---■ r eher als der rest eines alten stellungsphonetischen 
wechseis betrachtet werden zu müssen.^ Man kann es also 
nicht als eine Unmöglichkeit ansehen, dass die tschuw. Xozan, 
Xiizan und xoran, xuran wechselformen eines und desselben 
"kessel" bedeutenden Wortes sind, von denen sich die erstere als 
Ortsname bewahrt hat. In diesem falle wäre es durchaus natür- 
lich, dass die neuen ankömmlinge, die tataren, die Stadt mit 
dem entsprechenden worte ihrer eigenen spräche zu nennen 
angefangen hatten (bedeutungslehen).'- 

Da es also schwer ist zu einer anderen Schlussfolgerung 
zu kommen als der, dass die wotjaken den namen der Stadt 
Kasan vor der tatarischen eroberung von den tschuwassen ent- 
lehnt haben, und da es wahrscheinlich ist, dass die Stadt ihren 
namen von dem \-olke erhalten hatte, welches das bolgaren- 
reich innehatte, so würde sich die folgerung ergeben, dass dieses 
Volk eine spräche, deren fortsetzung das heutige tschuwassische 
ist, oder einen solchen türkdialekt gesprochen hat, der wenig- 
stens in bestimmten fällen denselben lautbestand zeigte wie das 
tschuwassische. 



^ Nach Radloff's ansieht ist s (z) der ursprüngliche und r 
der später daraus hervorgegangene laut. Phonetik § 286. 

- Oder könnte man vielleicht tat. Eazan für eigentl. lehn- 
wort halten? Über tschuw. lehnwörter im tatarischen, die es doch 
wohl giebt, habe ich in der mir zugängHchen litteratur keine dar- 
stellung gefunden. 



Etjmologisches aus den permischen sprachen. 109 



3. Syrj. nchög, nehög. 

\'on den das buchwesen und die schreibkunst betreffenden 
Wörtern der syrjänischen spräche sind mehrere, wie leicht vor- 
auszusetzen, zunächst aus dem russischen entlehnt; so z. b. kniga, 
iiiga (■< russ. Kniira) "buch", gumaga (<< russ. öyMara) "papier, 
Schrift", gramöia (<C russ. rpaMOia) 'schrift", Tcahala (<< russ. 
KaöaJia) "Schuldverschreibung, papier, schrift". Die Wörter, wel- 
che "schreiben" bedeuten, sind jedoch im syrjänischen original, 
näml. gizni, geini mit vielen ableitungen {gizöd, gized 'schrift", 
giiöin, gizem 'schrift, brief", gizas 'Unterschrift', gizis 'schreiber", 
gizet't'Sini 'korrespondieren' etc.) und Ud. fkiliädni {fkiTiödis 
'schreiber'), welche beide ursprünglich 'striche oder streifen 
ziehen" bedeuten (vgl. 2. b. gizta 'linie, strich"; t'hücödni auch 
=: "streifen"). Dem ersteren worte entsprechen im wotjakischen 
gozjähhini, gozjäni (beide frequent.), goztini (mom.) 'schreiben" 
{gozj((sl-em 'schrift', gozjäslis "schreiber', goztet "schrift, brief 
etc.): die ursprüngliche bedeutung ist dieselbe wie im syrjäni- 
schen (\'gl. goz "strich, linie, figur", gozmo "gestreift, streifig'). ^ 
Wahrscheinlich hat das wort schon in der urpermischen zeit 
eine figur zeichnen, ein zeichen malen, schreiben' bedeutet. 
Ausser dem erwähnten aus dem russischen entlehnten wort für 
buch giebt es im syrjänischen noch ein \\'ort der gleichen be- 
deutung, nämlich nebög (Savv.) buch' [neböga 'bücher-, buch-' 
(„KiiiiHaitiii")], nehög (AVied.) 'buch; bogen papier; gesetz (?)", 
neebock (Messerschmidt handschr.) buch, liber'. Savvaitov be- 
merkt besonders, dass das wort altertümlich sei („ciap. c,'"). 
Im wogulischen und ostjakischen tritt es auf als: wog. nepäk, 
nepek, nepex, näpix (Ahlqv. ) "papier, schrift" [nepäkyi), nepäk- 



" Mit diesen permischen Worten sind zusammenzustellen wog. 
qansam iAhlov.) 'bunt machen, schreiben' (qansa, qansä, qansi 
'stickerti: eingekerbte od. buntgemalte zierate, schritt'; qansyr) 
'bunt'; qansynys jontam 'ausnähen'), wogN. yansi ('Mvy.K.) 'bezeich- 
nen', Pel. ^JchanH 'schreiben" r/jmsü 'Stickerei', yailsäf} 'bunt, ge- 
schmückt';; ostj. xan,^iem, xan5yliiein (frequ.i, xasiem (Ahlov.) 
'bunt machen, schreiben' (xan.^a, xan,^i 'bunte arbeit, Stickerei, 
Schnitzerei, bild, Spielkarte': xan^ai], xansaT) 'lunit', xan.^ypsa 
'schrift'). 



1 1 o Yrjö Wichmann. 



qasp 'schriftgelehrter', nepek-soas (.,schrift-birkenrinde'') papier', 
nepex-lömjrt brief], KL. nepek, wogN. nepek. K. nepex (Munk.) 

papier, schrift, brief, nebak (Sorokix, siehe NyK XVl 480), nepak 
(Gluskov, Etn. Obozr. XLV 57), nepx (Benzexgrom, Etn. Obozr. 
XLV 64) 'papier", ostj. I. nebek, nebak, S. nipek (Castren) 

papier', ostjX. nepak, nepek, nepäk (Ahlqv.) 'papier, buch' 
[nepakyTi papierner', nepakyi]-xo "schriftkundiger, schriftgelehrter', 
kitta-nepek („gesandtes papier") 'brief], nipix (Papai) 'papier'. — 
GoMBocz ( A vogul nyelv idegen elemei : X\'K XXYIII 166) hält 
das wogulische wort für türkisches lehen und vergleicht osm. nebk 

schrift',^ und citiert auch die entsprechenden Wörter aus dem 
ostjakischen und syrjänischen, ohne jedoch das Verhältnis der 
letzteren zu dem ersteren genauer zu erklären. Wenn Gombocz 
in seinem Vorwort (1. c. 148 — 9) u. a. erwähnt, dieses lehn- 
wort gehöre zu der späteren schiebt türkischer lehnwörter (also 
zu den berührungen, die ende des XV. Jahrhunderts begannen), 
nicht zu der früheren (die nach Gombocz' annähme wahrschein- 
lich noch zur zeit der ostjakisch-wogulischen gemeinschaft ent- 
standen ist), so scheint es, als dächte er an eine Wanderung 
des in frage stehenden Wortes zu den ostjaken (und syrjänen?) 
durch Vermittlung der wogulen. Dies ist natürlich an und für 
sich in hinblick auf die nachbarschaft und den verkehr der 
wogulen und ostjaken (sowie syrjänen) nicht unmöglich. Zwei- 
fel kann jedoch der umstand erwecken, dass das fragliche tür- 
kische wort, soweit die heutigen quellen mitteilen, nur im fernen 
osmanli angetroffen wird (und auch hier ist es, wie auch Gom- 
bocz bemerkt zu haben scheint, lehnworti, somit warscheinlich 
niemals in die türksprachen aufgenommen worden ist, die für 



^ Osm. nybk, nebyk (Zenker 906 bi 'frucht des lotus', 
welches G. für dasselbe wort wie nebk 'schrift' zu halten scheint, 
ist wohl ganz von dem letzteren zu trennen. Beide sind ent- 
lehnungen aus dem arabischen ; das erstere, welches nicht blos 
lotusfrucht bedeutet (vgl. BiANCHi & Kieffer 1091 b: nebyq 
"fruit de l'arbre appele sedr'), ist wahrscheinlich ein urspr. arabi- 
sches wort (arab. nabk, nybk, nabik "fructus loti, fructus arboris' 
Freytag 233 b), während das letztere, das in der bedeutung 
"schrift' neben der form nanak erscheint (Zenker 919 c: »namk, 
nebenform nebk ;=: das schreiben, schrift > ) von iranischer seite 
ins arabische gekommen sein mag. 



Etymologisches aus den permischen sprachen. 1 1 1 

die finno-ugrier lehnträger gewesen sind (das tatarische, tschu- 
wassische). Ahlqvist hat, wo er von den kulturwörtern des 
wogulischen und ostjakischen spricht (Über die Kulturwörter 
der obisch-ugrischen Sprachen: JSFOu VIII), auch \\'og. nepäk 
etc., ostj. nepäk etc. behandelt, und sieht ihr original im syrj. 
iichöff, welches er für „eine verstümmelte form von russ. 6y- 
jiara" hält. Ahlqvist's letztgenannte annähme erweist sich jedoch 
als unbegründet, wenn man in betracht zieht, dass die russischen 
entlehnungen im syrjänischen im allgemeinen keine besonders 
„verstümmelte" form darbieten, und dass ganz dasselbe russ. 
öyjiara, wie oben erwähnt wurde, in der syrjänischen form 
gumaga auftritt. Hingegen halte ich meinerseits die ansieht Ahl- 
qvist's für sehr wohl wahrscheinlich, dass die fraglichen wog.- 
ostj. Wörter aus dem syrjänischen {nebög etc.) entlehnt sind, vgl. 
bezüglich der auslaute z. b. ostj. istek 'schwefel' <; syrj. iztög 
(Savv.), I. IzHeg. P. "^isteg (Gexetz) "schwefel"; ostj. (süs-)kurek, 
wog. küärex huhn' <^ syrj. hurög (Savv.), I. Icureg, P. ^Jcu/eg 
(Gen.) "huhn', etc. (vgl. Ahlqvist 1. c). 

Was schliesslich das syrjänische wort selbst betrifft, so ist 
dies augenscheinlich eine alte iranische entlehnung: vgl. phlv. 
nipek schrift'. Mit rücksicht darauf, dass sich im ostjakischen und 
wogulischen, wie auch in anderen finnisch-ugrischen sprachen, 
alte iranische entlehnungen finden, wäre es natürlich an sich nicht 
notwendig in den ostj. -wogulischen Wörtern (nepäk, nepäk etc.) 
entlehnungen aus dem syrjänischen sehen zu w^ollen, wenn sie 
nicht hinsichtlich ihrer form eine solche annähme sehr wahr- 
scheinlich machten. — Syrj. nehög ist seinerseits angethan die 
art der kulturellen berührungen zu beleuchten, die in fernem 
altertum zwischen den östlichen finno-ugriern und den iraniern 
bestanden haben. 

Helsingfors im februar 1901. 

Yrjö Wichmann. 



JOOS. J. MiKKOLA. 



Das Verhältnis des slavisehen wortes ki^njiga zum 
ungarischen könyv 'buch' und dem mord- 
winischen kon'ov "papier'. 



Es ist mit beliebten etymologien wie mit populären per- 
sonen: sie mögen noch so fehlerhaft sein, sie bleiben dennoch 
immer im ansehen. Das ungarische könyv ist schon mehrere 
male aus dem slavisehen k-Lnjiga hergeleitet worden. Weil nun 
das auslautende v des ungarischen wortes nicht recht mit der 
endsilbe -ga des slaxischen wortes übereinstimmt, so hat Miklo- 
sicH in seinem Etymologischen Wörterbuch eine slavische Ur- 
form *k'Lningva angesetzt. Eine solche urforni lässt sich aber, 
wie O. ÄsBöTH Archiv für slav. Phil. XXII 478 f. richtig be- 
merkt, nicht einmal durch das niedersörbische knigvy stützen, 
denn dieses ist eine junge speciell niedersorbische neubildung. 
Dagegen billigt Äsböth eine erklärung, die für das ung. 
könyv in der ungarischen Zeitschrift Ethnographia VIII 22 f. 
von B. MuNKÄcsi gegeben worden ist. Xach Munkäcsi ist 
könyv aus dem russischen ins ungarische durch die Vermitt- 
lung einer „ugrisch-türkischen", d. h. „einer bulgarisch-tschu- 
wassischen'' spräche gekommen. Diese Vermutung motiviert 
MuNKACSi in folgender weise. Dem ung. könyv entspricht im 
mordwinischen konov "papier', und da ein solches wort im 
mordwinischen vorkommt, so ist es aus einer jetzt ausgestorbe- 
nen spräche an der Wolga entlehnt. Diese spräche aber ge- 
hört unzweifelhaft der „ugrisch-türkischen" oder „bulgarisch- 
tschuwassischen" gruppe an, weil zwei andere dem könyv 
sich nahe anschliessende kulturwörter im ungarischen, nämlich 
betii buchstabe' und ir "schreiben" eben aus dieser erwähnten 
türksprache entlehnt sind. In dieser türkischen spräche soll 
nach MuNKACsi „der lautwandel \-on g zu v, u sehr bekannt" I 
sein, was wieder durch ung. orvos "arzt", welches aus dem 
russischen vorogt entlehnt sei, bestätigt werde. 

Gegenüber der letztangeführten Zusammenstellung hat 
ÄsBüTH a. a. o. seinen berechtigten zweifei ausgeprochen ; das 
wort orvos ist ia seitdem in ein anderes licht gestellt worden 



Slav. klnjiga, ung. könyv. mord. konov. 113 

(s. Vikar Nyr XX\'II 174, Setälä, Smirnow's Untersuchungen 
JSFOu XVII 4 50 fussn.). Dadurch fällt auch die hauptstütze 
für die annähme, das g des slavischen Wortes kinjiga sei bei 
der entlehnung ins tschuwassische durch v ersetzt \\'orden. Wei- 
ter sprechen für Muxkäcsi's theorie auch nicht die wirklich 
existierenden tschuwassischen formen hiege und Jcdnel:e 'buch', 
die ich dem handschriftlichen nachlass Aug. Ahlqvist's und 
der tschuwassischen grammatik von Asmarix entnehme. Die 
ungarischen betü und ir, deren türkischen Ursprung ich nicht 
bezweifeln w'ill, sind jedenfalls nicht aus dem tschuwassischen 
entlehnt, denn das tschuwassische kennt kein b im anlaut (Rad- 
LOFF Phonetik § 189) und 'schreiben" heisst tschuwassisch sür. ^ 
MuxKACSi hat aber ganz recht darin, dass ung. könyv 
'buch' mit mord. konov 'papier' eng zusammenhänge. Die- 
ses mordwinische wort kann wieder ebenso \\-enig aus dem 
slavischen, wie aus dem türkischen erklärt werden. Anderer- 
seits kann kaum behauptet werden, dass ung. könyv, mord. 
konov und slav. ktnjiga am ende gar keinen Zusammenhang 
mit einander haben, wenn auch eine entlehnung des ungarisch- 
mordwinischen Wortes aus dem slavischen in abrede gestellt 
werden muss. Wie ist nun dieses Verhältnis zu erklären? In 
seinem aufsatz „Ueber einen 'gutturalen' nasal im urfinnischen" 
(Festskrift til \llhelm Thomsen ss. 230 — 245) hat Setälä nach- 
gewiesen, dass ein ursprünglicher gutturalnasal in einigen fin- 
nisch-ugrischen sprachen, so auch im mordwinischen und unga- 
rischen, als V und j auftritt. Dieser Übergang ist aus dem 
mordwinischen selbst noch aufzuweisen. Einige beispiele mit 
erhaltenem nasal konnte schon Setälä in seinem erwähnten 
aufsatz aus der mordwinischen litteratur anführen. Jetzt hat 
H. Paasoxex in Alatyr, gouv. Simbirsk, den dialekt, woher die 
formen mit erhaltenem nasal augenscheinlich stammen, aufgesucht 
und studiert (JSFOu XVII 3 9). Ung. könyv und mord. konov 
gehen also etwa auf *l-fiitüij zurück. Eine solche form kann 



^ Die betr. türkischen Wörter sind — und zwar in einer unse- 
ren gegenständ interessierenden form — auch ins mongolische 
entlehnt worden: chir- 'schreiben', blfik 'schritt, buch, buchstabe', 
nach gefälliger mitteilung von mag. phil. G. J. Ramstedt; das 
letztere wort ist sogar ins mandschu sfedrunaren. 



114 JOOS. J. MiKKOLA. 



natürlich nicht aus dem russ. kniga entlehnt sein. Es giebt aber 
auch slavische formen mit nasalvokal. Das polnische hat ksi^ga 
aus *kniega, woraus litauisch kninga, und ebenso kennt das cze- 
chische neben kniha, kniha, gen. pl. kneh, dessen e auf e zu- 
rückgeht. Auch das i der altbulgarischen form k^njiga, russ. kniga 
u. s. \v. kann aus in entstanden sein, weil die gestossen betonten 
Verbindungen ia, un im slavischen i, y ergeben haben (s. verf. 
in Bezzenberger's Beiträgen XXII 246 ff. und F. Lorentz Ar- 
chiv für slav. Phil. X\'I1I 86 ff.), und für die urform dieses 
Wortes ist, wie serb. knj^ga zeigt, gestossene betonung anzu- 
setzen. Weil im serbischen e und i nicht wie z. b. im russi- 
schen den vorangehenden konsonanten mouillieren, das betref- 
fende wort aber im serbischen knjiga, nicht kniga, heisst, so 
geht die mouillierung in diesem worte schon auf das urslavi- 
sche zurück. Als urslavische grundformen sind also *k'i>nj^ga 
und ^ktnjiga (aus vorslav. *kxnjinga) anzusetzen. 

Dass diese urslavischen formen irgend einen Zusammen- 
hang mit der ungarisch-mordwinischen urform *Tc'ün^'r] haben, 
liegt auf der band. Eine entlehnung aus dem slavischen ist 
um so unwahrscheinlicher, weil nicht einmal im mordwinischen 
alte entlehnungen aus dem slavischen, genauer: russischen, v'or- 
kommen, und eine annähme der entlehnung in diesem fall 
würde sprachliche berührungen mit dem slavischen beinahe 
schon in ur-finnischugrischer zeit voraussetzen. Freilich hat 
A. L. PoGODix, ein junger russischer forscher, der mit wachem 
blick auch mit den in finnischer spräche erschienenen arbeiten 
der finnisch-ugrischen forschung in der wissenschaftlichen zeit- 
schriften-litteratur Russlands folgt, in einer anzeige in den II3- 
BtcTifl Oi/t-fejieHia pyccKaro HstiKa n cjioBecH. Ana;!. HayKt, 
V 1, 352 behauptet, dass sogar eine entlehnung aus vor- 
slavischer zeit im finnischen nachzuweisen sei, nämlich finn. 
hauki hecht aus vorslav. *skjauka. Vorausgesetzt aber, dass 
*skjaTika die vorslavische form für russ. scuka, poln. szczvika 
u. s. w. wäre, so würden wir im finnischen etwa *kau(k)ka und 
nicht hauki erwarten. 

Ebenso unwahrscheinlich wie entlehnungen aus dem sla- 
vischen. bezw. urrussischen in der zeit des Zusammenlebens der 
mordwinen und ungaren, sind auch entlehnungen ins slavische 
aus der zeit der finnisch-ugrischen Sprachgemeinschaft. Es 



Ein altes slavisches lehnwort im finnischen. 1 1 5 

müssen also sowohl mord.-ung. *k'H)Yiiij als auch urslav. *kTiDjiga, 
^kinj^ga bezw. vorslav. *kT>njinga, ^ktnjc^ga beide aus einer 
gemeinsamen quelle entlehnt sein. In welcher spräche diese 
quelle zu suchen ist, kann noch nicht ermittelt werden. Be- 
kanntlich hat schon der altmeister der slavischen philologie 
DoBROwsKY in seinen Institutiones unser wort mit chin. king 
zusammengestellt. Auch diese einsilbige form passt nicht zur 
Urform, wenn sie nicht auf eine zweisilbige der mord. -unga- 
rischen form entsprechende ältere form zurückgeführt w^erden 
kann. Für die Urgeschichte sowohl des finnisch-ugrischen als 
des slavischen Stammes wäre die ermittlung der Urquelle für 
dieses interessante kulturwort von grösster \\-ichtigkeit. 

Ilelsingfors. JOOS. J. MiKKOLA. 



Ein altes slavisches lehnwort im finnischen. 

Finn. ativo bedeutet nach Renvall 'domus soceri', in pl. 
'convivium familiäre annuum' und nach Lönnrot 'besuch im 
haus der Schwiegereltern', käydä ativoissa 'Schwiegereltern oder 
eigene eitern besuchen, seitdem man sich vom eiternhaus ge- 
trennt hat, auch überhaupt nahe verwandte besuchen', pl. 
ativot 'jährliches familienfest bei Schwiegereltern und anderen 
näheren verwandten'. Das wort kommt im gebiet des östlichen 
dialektes vor. Dem ausdruck käydä ativoissa entspricht in 
Tavastland orpanoida oder käydä orpanoissa 'nahe verwandte 
besuchen'. Hier bedeutet also pl. orpanat 'die verwandten', wie 
auch LÖNNROT angiebt; nach Renvall bedeute aber orpanat 'con- 
sanguinei remotiores'. Im sing, hat orpana gewöhnlich die bedeu- 
tung 'vetter, geschwisterkind' und in der volkspoesie ist es ein 
kosewort für mädchen und wird in parallelversen als synon^'m 
für neito "Jungfrau' gebraucht. Da nun käydä ativoissa sich 
zu ativo ganz wie käydä orpanoissa zu orpana verhält, so 
können die von Renvall und Lönnrot für sing, ativo angege- 
benen bedeutungen 'domus soceri', 'besuch im haus der Schwie- 
gereltern' nicht genau sein: sie sind ohne weiteres aus den 



Il6 JOOS. J. MiKKOLa. 



lokalkasus geleitet worden. Eher lässt sich a priori vermuten, 
dass ativo ebenso \\'ie orpana irgend einen grad von Ver- 
wandtschaft angiebt. Und so verhält es sich in der that. 
Aus dem karelischen wird von Genetz ad'ivo "ein verwandter 
als gast' angeführt, während Lönnrot Lex. die nebenform 
atimo ,gast im haus der Schwiegereltern' hat. Was für ein 
"gast' damit gemeint ist, geht aus der volkspoesie hervor. 
In Kanteletar I, 143 entspricht dem worte ativoihm im parallel- 
verse olj amiin und dem oljareisut im paralleherse ativoreisut. 
Nach Worterklärungen zur Kanteletar sagt man menee olja- 
miin von einer jungen frau, die auf besuch ins eiternhaus geht, 
und oljareisu ist 'die fahrt der jungen frau ins eiternhaus'. 
Und nach einer gütigen mitteilung des herrn dr. Niemi ist 
der ausdruck mennä ativoihin in Karelen ein terminus für den 
besuch der jungen frau im eiternhaus nach der hochzeit. Da- 
mit steht auch fest, dass ursprünglich ativo die in ein anderes 
haus verheiratete junge frau in ihrem Verhältnis zum eiternhaus 
bedeutet. Übrigens scheint ativo mit dem auslautenden o aus 
den pluralen lokalkasus gebildet zu sein; als ältere singular- 
form ist vielmehr *ativa anzunehmen. Die form atimo ist in 
anlehnung an die vielen worte auf -mo entstanden. 

Ausser dem finnischen scheint keine andere finnisch- 
ugrische spräche das wort zu kennen. Es macht auch den 
eindruck, als wäre es entlehnt. Und in der that kennt das 
slavische ein dem ativo lautlich und semasiologisch entsprechen- 
des wort, das nur merkwürdigerweise sich im serbischen erhalten 
hat. Ich meine serb. odiva (aus urslav. *odivä), welches von 
VuK folgendermassen erklärt \\'ird: 'udata je djevojka odiva 
kuci i kucanima odakle se udala', d. h. 'das mädchen ist 'odiva' für 
das haus und die hausgenossen, von welchen aus es (anderswo- 
hin) verheiratet \\'orden ist.' Also auch hier: die junge frau in 
ihrem Verhältnis zum eiternhaus. Eine et3'mologische erklä- 
rung von diesem serbischen Wortes habe ich nicht gesehen. 
Die herleitung von odici „weggehen" ist abzuweisen. Eher 
steht es im ablautsverhältnis zu deva „mädchen" ; zum anlaut 
o- vgl. Worte wie altbulg. omlatt : mlat-L, poln. om/ot: m/ot u. a. 

Durch das Vorhandensein eines dem serb. odiva lautlich 
und semasiologisch so nahe stehenden worte im finnischen 
wird die ehemalige existenz dieses Wortes auch in irgend einer 



Finn. und estn. ko^njunktionen nordischen Ursprungs. 117 

nordslavischen spräche wahrscheinlich, und für das finnische 
wird zu den schon bekannten ein interessantes slavisches lehn- 
wort von hohem alter nachgewiesen. 

Helsingfors. JOGS. J. MiKKOLA. 



Finnisclie und estnische konjunktionen nordischen 
Ursprungs. 



1. Fi. eli etc. 

Fi. eli (d: eli, eli), elli (stellenweise in Süd-Tavastland), elikkä, 
elikä (Metsämaa, Südwest-Finland, „wenig gebräuchlich" ^), 
ellikkä (Pälkäne, Tavastland), eUikä (Kylmäkoski, westl. 
Süd-Tavastland, selten 2) disjunktive konj.: 'oder', lat. 'vel, 
sive, seu, auf; adv.: 'sonst, andernfalls', lat. 'quod nisi 
fit', 'quod nisi ita est (sit)', 'ceteroquin' | est. elik = „fi. 
eli, elikkä, gleichbedeutend mit ehk ['oder'], aber jetzt wohl 
kaum mehr gebräuchlich" ^. (Russ.-karel. eU 'oder', wel- 
ches nur in den nördlichen teilen, an der finnischen grenze, 
und auch da selten, vorkommt, ist sichtlich ein aus Finland 
eingewandertes lehnwort *). 

Man hat schon früher an westliche herkunft des wortes 
gedacht. Gexetz hat die finnische konjunktion als aus dem 
schwedischen entlehnt bezeichnet ^, ohne jedoch das Verhältnis 
der finnischen formen zu einander oder zu gewissen schwedi- 
schen genauer zu erklären. Auch H. Vendell, welcher die in 
die äugen fallende Übereinstimmung in lauten und bedeutung 
des finn. eli mit der in dem schwedischen dialekt von Peders- 
öre-Purmo in Österbotten auftretenden konj. +«?* bemerkt, hat 



^ A. J. Hammaren, handschriftl. wörtei Sammlung im archiv 
der Finn. Litt.-Gesellsch. 

2 Mündliche mitteilung des herm A. J. Kannis 10. 

3 WiEDEMAXN, Gramm, der ehstn. Sprache 574; vgl. WlEDE- 
MANN-HURT, Wörterbuch 95. 

* Genetz, Tutk. V.-Karjalan kielestä 74, vgl. s. VI. 
^ Genetz, Suomen partikkelimuodot 126, 175. 



1 1 8 E. A. Ekman.* 

sich dahin ausgesprochen, „das finnische wort [eli] sei auf 
jeden fall schwedischen Ursprungs" ^ Als älter hat das wort 
QviGSTAD angesetzt, welcher beziehentlich mit anor\\'. ella oder 
finn. eli die folgende gruppe disjunktivkonjunktionen aus den 
schwedischlappischen dialekten zusammenstellt 2; 
Schwed.-lp. jalla, jsella, jselli, elli; Lule-lp. jalä, jale, jale ^, 

(selten) jaelä; Arjepl. jalä, Um. jelle, Sors. jalla, jsella, 

Hatfjd. jall(ä), jall, (Jmt.) jill 'oder'. 

Von diesen beziehentlichen Zusammenstellungen hat Wik- 
LUND 3 nur die letztere (mit eli) gebilligt, da das in einigen von 
den lappischen formen erscheinende kurze / und der lange vokal 
der zweiten silbe dabei befriedigend erklärt sind, was bei der 
Zusammenstellung mit der anord. partikel nicht der fall ist. 
Voraussetzung ist jedoch, dass finn. eli << *elik. Und dies 
erweisen die er\\'ähnten finnischen doppelformen auch als that- 
sache (eli': elik-kä =i tai': taik-ka :=: vai': vaik-ka). Wenn also 
finn. eli, die Lule-lp. und Arjeploug-formen sowie Frostviken 
jü'(bei WiKLUND = „Jmt. jill" bei Qvigstad?) lautliche entspre- 
chungen sind, so sind wohl die lappischen doppelformen, in de- 
nen l geminiert auftritt und der auslautende vokal kurz ist, und 
die auch mit hilfe des anorw. oder aschwed. zu erklären schwer 
fällt, mit der auf vokal auslautenden Varietät des wortes eü 
oder elli zusammenzustellen. Eine solche Variante hat, wenig- 
stens stellenweise, auch schon \-or der entwicklung -Tc > -' 
> existiert, durch welche in gewissen finnischen dialekten 
der Vertreter des auslautenden Tc entweder ganz oder aus ge- 
wissen satzphonetischen Stellungen verdrängt worden ist, denn 
sonst wäre das auftreten der formen elikä und ellikä in den 
dialekten, wo das auslautende Tc noch nicht spurlos geschwun- 
den ist, nicht zu erklären ■*. — Dagegen sind Inari-lp. eli 



^ Vendell, Bidr. tili kännedom om Finlands natur och folk 
LVI 68. 

^ Qvigstad, Nord. Lehnwörter im Lappischen 20 1. 

3 Für die formen jede, jale (Wiklund, Lule-lapp. Wörter- 
buch 22) hat Wiklund später jale (Entwurf einer urlapp. laut- 
lehre I 238). 

* Vgl. Suomi III 14, Kannisto, Äänneop. tutkimus (^ Väh. 
kirj. XXVII) 20. — In dem Vokabular von Metsämaa schreibt 
Hamm AREN z. b. eine', eläke', este'. 



Finn. und estn. konjunktionen nordischen Ursprungs. 119 

'oder' und russ.-lp. eli, elike ^ sichtlich späte entlehnungen 
aus dem finnischen (wie mag es sich mit schwed.-lp. elli 
verhalten? 2 Vgl. fi. elli). 

Dies wohl als sicher anzusehende Verhältnis, dass das 
wort ins schwed.-lp. aus dem finnischen gekommen ist, hat es 
WiKLUND unannehmbar gemacht dasselbe als entlehnung aus 
dem nordischen aufzufassen, da das wort erst ins finnische 
gekommen sei, nachdem sich infolge des i-umlauts das urnordi- 
sche a >> 86, und ins läpp, demnach so spät, dass sich anlauten- 
des j „kaum mehr entwickelt hätte" ^. 

Welches auch die geschichte dieses lautes im lappischen 
sein mag, das j ist gewiss nicht älter als der urlappische laut- 
\\'andel i >> a, der zur späteren entwiclclungsstufe des urlappi- 
schen gerechnet wird '^. Anderseits scheint die finnische wort- 
gruppe auf nordischem boden eine passende erklärung zu fin- 
den. — Wenn den anorw.-isl. doppelformen: ella 'andernfalls, 
sonst', 'oder' ^ ellar id., im aschwed. sella 'oder', 'sonst', 'ande- 
rerweise' '^' aellar id. entsprechen, so ist anzunehmen, dass 
den anorw.-isl. elliga [= ella] ^ eUigar id. auch im aschwed. 
*selligh8e '-- sellighar (in dem älteren west-gothländischen ge- 
setz :=: 'übrigens"; entsprechen, besonders wo dabei im goti- 
schen die lautlichen entsprechungen folgendermassen erschei- 
nen: aljaleikö ^ aljaleikos 'anders' ^. Aschwed. *8elliglia und 
anorw.-isl. elliga setzen eine späturnord. partikel *8elliga 'andern- 
falls, sonst' ('oder'?) voraus, als dessen schwachbetontes pendant 
*seliga anzunehmen ist ^. Dem letzterwähnten entspricht lautge- 
setzlich das von Vendell in dem heutigen dialekt von Peders- 
öre-Purmo beobachtete +ßZ* (? entspricht nicht dem Jl, vgl. 
uliig -- ruh, villig — +17/^, fälla subst. "^/k/?^, fallit \-. '^ 
rfah u. s. w.; -i ^^ aisl. und aschwed. adv.-endung -iga und 
adj.-endung -igr > -ig ^;. Die doppelformen *8elliga -^ *3eliga 



1 Friis, Lex. Läpp. 166. 

2 Urlapp. lautl. I 238. 
^ L. c. 42. 

* Tamm, Etym. svensk ordbok 122, sub vv. eller, eljest. 

^ XOREEX, Altschwed. Gramm. § 303. 

^ Bidrag tili kännedom om Finhs nat. o. folk LH 332. 
Vendell's Zusammenstellung: ^eli '^ aschwed. ella kann hoch- 



I20 E. A. Ekman. 

od. *eliga, mögen sie aschwed. oder späturnord. (s. u.) sein, 
haben im finnischen ihre lautlichen entsprechungen : ellikä -^-^ 
elikä. Nachdem diese, wohl ältesten formen sich an folgende 
ihrer bedeutung nach nahestehende gruppe angeschlossen hat- 
ten: tai' od. *taik: taikka = tahi' od. *tahik: tahikka = vai' 
od. *vaik: vaikka, entstanden auf der einen seite ellikkä und 
elikkä, auf der anderen (taikka: *tai: tai' = eMkkä: x^ : x-) 
elli' und eli', elli und eli. — Die ursprünglichen bedeutungen 
sind augenscheinlich dieselben gewesen wie die der entsprechen- 
den skandinavischen Wörter: 'sonst, oder', wovon die erste 
natürlich die ältere ist. 

Da die form *aelliga schon zu beginn des achten Jahr- 
hunderts hat existieren können ', hat sie bereits zu dieser zeit 
oder zu beginn der vikingerzeit auch ins finnische kommen 
können. Für eine noch frühere entlehnung kann man sie 
nicht ansehen, wie auch zum teil schon ihre Verbreitung an- 
deutet 2, wenn auch finnischerseits für eine viel spätere, z. b. 
I frühaltschwedische, so weit es die lappischen formen zulassen. 
Ins lappische kann das wort, das man nur im schwed. -lappi- 
schen angetroffen hat, kaum vor der auflösung der urlappischen 
gemeinschaft aus dem finnischen gekommen sein, die, wie man 
annimmt, im VIII. Jahrhundert noch nicht vollzogen war ^. — 
Est. elik ist wahrscheinlich direkt entlehnt. — Direkte entleh- 
nung aus dem schwedischen ins lappische — z. b. Lulelp. 



stens hinsichtlich seiner bedeutung stich halten, denn aschw. un- 
betontes a wird zu i nur in den deponensverben des dialekts, an eine 
analogie nach diesen ist aber bei der partikel kaum zu denken, 
da dort a nicht im auslaut steht (-as ^ ^-IS), und eher Schwund 
des -a zu erwarten wäre, vgl. aschw. illa • — ' "t";/, aisl. meira ■ — - 
+»i?^?r, aisl. heima ■■^ ^haim (1- c., 320 f.). 

1 NOREEN, Altisl. Gramm. 2 § 130, i, 4; § 66, i; Paul's 
Grundr. ^ I 446. 

2 In den westlichen dialekten ist das wort gewöhnlicher, und 
es finden sich von ihm mehr Varietäten, u. a. solche, die für die 
ältesten zu halten sind ; in den östlichen dialekten ist eli wenig- 
stens stellenweise minder gewöhnlich (in Parikkala, nach den auf- 
zeichnungen des herrn Väinö Pajari) oder selten (gegend von 
St. Michel, Paasonen, Väh. kirj. VII 22; in Ilomantsi ist das ältere 
elikkä jedoch gewöhnlicher als eli, J. Meriläinex). 

3 WiKLUND, Urlapp. lautl. I 19. 



Finn. und etsn. konjunktionen nordischen Ursprungs. I2l 

jala << schwed. *elig (<< *eliga vgl. Dalekarliens, Vermlands 
und West-Gothlands elliga in Rietz, Lexicon 117, sub ella) 
— erscheint nicht möglich, denn g wäre vermutlich anders 
vertreten, vgl. Lulelp. liirval- --^ schwed. Ivirfvig, maküke '^ 
mäktig, srdn^e ^^ aschwed. salogher (s. auch Wikluxd, Lule- 
lapp. laut- und formenlehre 138). 



2. Est. enge. 

EstS. enge (d : etjoe) 'sondern', ei ütJsindä . . . enge kä 'nicht 

nur . . . sondern auch'. 

Es scheint ein kompositum zu sein: en- (o: etj-) ist ent- 
weder das späturnord. en oder das aschw. sen oder en (tonlos ^} 
'aber", welches aisl.-norw. en 'und, aber', bisweilen 'wenn', 
adän. sen od. en(d) 'aber' entspricht, und v^on dessen heutigen 
gegenstücken der bedeutung nach Pedersöre-Purmo '^an 'aber, 
sondern' angeführt werden kann; — -ge (alias -ke) = -gi 
(-ki) der Reval-est. Schriftsprache, w'elches „einen nachdruck 
auf das wort legt, welchem es angehängt ist" ^. 



3. Fi. entä, estS. ent. 

Fi. entä, entäs 'aber, wenn aber?' (gewöhnlich am anfang eines 
fragesatzes) ; e. sitten 'aber denn! was denn, wenn auch'; 
südwestfi. Mnoäs, hchiDäst'^, auch änfäs [? mims] 'wenn 
aber', 'aber denn' | estS. ent (end) 'aber' („vor dem Sub- 
jekt stehend" *). 

Die südwestfi. formen kehren, wenn die gew^öhnlichen 
enklitischen endungen -s, -st abgetrennt werden, auch zur form 
entä zurück (an- •< en- wie dortiges ämänD <C gewöhnl. 



1 NoREEX, Altschw. Gramm. § 147. 

2 WiEDEMANX, Gramm, der ehstn. Sprache 320. 

3 Mündliche mitteilung des herrn H. OjANSUU, der die fol- 
gende von Genetz, Suomen partikkelimuodot 126, angeführte form 
äntäs nicht kennt. 

* WiEDEMANN, Gramm, der ehstn. Spr. 588. 



122 E. A. Ekman. 

emäntii und nlitü <C ehtyy i; dass das dort auftretende /; nicht 
ursprünglich zum worte gehört hat, sondern nach den eigen- 
arten des dialektes zu erklären ist, zeigt das entä des sonstigen 
finnischen). EstS. ent ■ — ' end (: nink --' ning, anfangs satz- 
phonetischer Wechsel, dann die zweite form verallgemeinert wor- 
den ; vgl. ep •~ eba bei Hupel) 'auch nicht' << *enDä ('■: entä). Das 
auftreten der konjunktion auf estnischem Sprachgebiet bloss im 
binnenland, während sie im uferland nach angaben Wiede- 
MANx's nicht vorkommt, deutet an, dass die Zusammenstellung 
von entä mit neusch\ved. ända ^ mit rücksicht auf die geo- 
graphische Verbreitung des est. Wortes kaum zu einer erklärung 
ausreicht. Auch eignet sich das entsprechende aschwed. sen od. 
en |)o 'men likväl', 'aber doch', dessen bedeutung allerdings nahe 
kommt, wenigstens als solches nicht zum pendant, denn sein 
betontes o ist schon urnordisch (vgl. aisl. en 1)6 'und doch' ^). 
Hätte das wort hingegen eine nebenform mit dem ton auf der 
ersten silbe gehabt, wie im heutigen schwedischen die accentuie- 
rung wechselt zwischen ä'nndä ^^' änndä* •*, so könnte dieses 
*8e'nJ)a "' als mögliche entsprechung in frage kommen (obgleich 
auch hieraus ebensowohl ein fi. *äntä wie entä hätte werden kön- 
nen, wenn die satzschwachtonige Stellung des wortes die Schrei- 
bung *enjjä nicht auch möglich machte). Infolge der aschwed. 
„Vokalharmonie" oder „vokalbalance" — der letzteren wenig- 
stens im XIV. Jahrhundert — wäre hieraus *8en{33e oder ^enjise 
geworden, wie bsera > bserae, ganga > gangse, kopa ^ kopse ''. 
Hiermit kann verglichen werden die anorw.-isl. konj. enda, 
in ostnorw. dialekten vom XIV Jahrhundert an augenscheinlich 
*endae ', schriftlich auch ende. Diese partikel leitet nämlich u. 
a. „einen satz ein, in dem etwas hervorgehoben wird, was 
darauf einfluss hat, in welcher ausdehnung der Inhalt des vor- 



1 TOIVONEN, Suomi III 2, 6. 

2 Genetz, Suomen partikkelimuodot 126. 

3 NOREEN, Altisl. u. altnorw. Gramm. § 117, 2. 
* Dalin, Ordbok öfver Svenska Spräket II 737. 

5 ScHLYTER (Glossarium 771) erwähnt die form Jia neben 
|)0. Wenn jene dieselbe grundform wie J)o repräsentierte, so 
wäre sie tonlos. 

^ NOREEN, Altschwed. Gramm. §§ 135, 141. 

"^ NOREEN, Altisl. u. altnorw. Gramm. § 123. 



Finn. und estn. konjunktionen nordischen Ursprungs. 123 

ausgegangenen etwas bedeutet, gültigkeit hat" : 'und doch, nichts- 
destoweniger', und „dient zum ausdruck des Übergangs von 
der aussage zur aufforderung, von der erzählung zum citat", 
oder es steht „zu beginn der worte, die jemandem in den 
mund gelegt werden, und knüpft alsdann die angeführten worte 
an andere, die nicht citiert sind, oder an etwas, was jener nicht 
gesagt, sondern bloss gedacht hat" ^. 

Eine andere erklärung könnte vielleicht noch in frage 
kommen, nämlich: anord. en, aschwed. sen, en 'aber' '^ -j- satz- 
schwachtoniges kurzes Jja (>< urnord. Jiä") = neuschwed. da 
'dann', 'denn' •*. Die Zusammensetzung wäre natürlich mit einem 
fragezeichen und als der „vokalharmonie" oder „vokalbalance" 
teilhaftig geworden zu denken. 

Beide möglichkeiten würden voraussetzen, dass die ost- 
nordische synkopierung des unbetonten vokals (worüber unten) 
in den dialekten, aus welchen die entlehnung erfolgte, später 
stattgefunden habe als die erwähnten vokalwechselerscheinun- 
gen. Ganz unmöglich wäre dies wohl nicht, da die synkopie- 
rung beispielsweise in Finland erst um 1550 in der Ortho- 
graphie der Ortsnamen zu bemerken ist, und da sich z. b. syn- 
kopiertes a in unseren schwedischen dialekten zunächst in e ^ 
verwandelt zu haben scheint (e <C se << a ?). Jedoch darf 
man die entlehnung vielleicht noch früher ansetzen als an den 
eintritt dieses synkopierungsgesetzes. 

Die anord. partikel en, die in der norw.-isl. litteratur u. m. 
„als Übergangspartikel dient, wo die rede abbricht, indem man 
von der oratio directa zur or. indirecta übergeht, einen gegen- 
ständ verlässt und einen neuen aufnimmt, sich von einer 
person zu einer anderen wendet" ", hat in den neunordischen 



^ Fritzner, Ordbog over det gamle norske Sprog I 330. 

2 NOREEN, Paul's Grundrisse I 505. 

3 NOREEN, Altisl. u. altnorw. Gramm. § 121, l. 

* Vgl. Tamm, Etym. svensk ordbok 113. Satzschwachtoniges 
])a ist in der gesetzessprache gewöhnlich, Schlyter, Glossarium 
742; ich vermag jedoch nicht zu sagen, ob Schlyter's angäbe 
fälle enthält, welche hier in frage kommen. Vgl. neuschwed. 'Hvar 
äT han da' od. 'Hvar är ham da?', 'An se-n da?' 

'" Saxen, Finska länord i ostsv. dialekter 23 f. 

^ Fritzxer, Ordbog over det gamle norske Sprog 2 I 327; 
Sperrung vom unterzeichneten. 



124 . E. A. Ekman. 

sprachen entsprechungen, die hinsichtlich ihrer bedeutung dem 
fi. entä(s) sehr nahe stehen: neuschvved. an, das zu beginn 
eines fragesatzes „eine fortsetzung, bisweilen auch die äusse- 
rung eines gewissen gefühls von trotz, ärger, verdruss, unbe- 
kümmertheit u. s. w. oder eine erinnerung, einen einwand, eine 
bemerkung u. s. w. andeutet: „Borjan af historien är god: an 
sedan? [aber was weiter"?]; „Du tror, att han skall bli ond pä 
mig: an se'n da? [was verschlägt's?]"^; — neudän. end 'mit einer 
bedingenden Wirkung od. im gegensatz zu etwas vorausgegan- 
genem und im fragesatz (conditionaliter s. adversative)' z. b. „End 
om han ej vil giv^e sit Samtykke ?""''; hiermit übereinstimmend 
im jytländischen : 'hvad om' (wenn nun aber) — — 'als An- 
leitung eines satzes, der eine frage oder einen ausruf ent- 
hält; ^eh han no et Tcomdr 'wenn er nun aber nicht kommt' ^; 

— neunorw. in der gegend von Trondhjem enn u. a. : beider 
erinnerung an etwas, das vergessen oder noch nicht erwähnt 
worden ist: „Enn han daa" 'aber er erst; was soll ich erst von 
ihm sagen?' „Enn slikt? 'wozu das, was soll das erst?" *; in Süd- 
norwegen ^ z. b. : „Enn for ei Evloysa" ! 'welcher Widersinn !' 
Dies dürfte wohl angethan sein die annähme zu bekräftigen, 
dass fi. en- und anord. en 'aber', der erste teil in den oben 
erwähnten anord. Verbindungen, ein und dasselbe wort sind. 
Wäre es aber nicht möglich, dass sich wenigstens einige von 
den heutigen fragepartikeln an, end, enn auf dieselbe frühere 
Urform zurückführen Hessen, die das fi. entlehnte entä darstellt? 

— Wie sowohl diesen als auch fi. entä regelmässig ein beton- 
ter Satzteil folgt, so nehme man auch ein proklitisches spät- 
urnord. oder runenschw. *e*nda an, dessen unbetontes -da ent- 
weder betontem \)ö- (<^ Jjauh) oder I)ä' (<^ |)an od. *\)^ = 
got. |)e, vgl. got. bi-Jje, duj)-|je, I)e-ei; anorw.-isl. ende 'und 
doch' "< *endiö << *enn-8e?') entsprechen kann. In den ost- 



^ Dalin, Ordbok öfver svenska spräket II 737. 
'■^ MoLBECH, Dansk Ordbog 213, end 3. 
3 Feilberg, Bidrag til en Ordbog etc. 246 b. 
•* Aasen, Norsk Ordbog loi. 

5 Ross, Norsk ordbog 142. 

6 NOREEN, Paul's Grundrisse I 468; Altisl. u. altnorw. 
Gramm. 2 § 124, 2. 

"' Id., Grundr.2 I 448; Altisl. u. altnorw. Gramm. 2 § 121, 2. 



Finn. und estn. konjunktionen nordischen Ursprungs. 125 

nordischen sprachen musste das auslautende a dieses — nach 
unserer annähme proklitischen — Wortes schwinden, wie Kate- 
rina >> Kadhrin, ingel)an ^ maen, huru ^ hur, nach den 
ostnordischen synkopierungsgesetzen, deren regelmässige Wir- 
kung in den denkmälern schon um 1300 zu verspüren ist^; 
-nd unterlag schon der um die mitte des XIV. Jahrhunderts be- 
ginnenden assimilation von nd zu nn 2, und nn wurde ver- 
kürzt, wenn es vor einer haupttonigen silbe stand. Somit 
steht kaum zu erwarten, dass man dieses, hauptsächlich der 
lebhaften Umgangssprache angehörige wort z. b. in den alten 
schwedischen denkmälern finden wird, die' ja vorzugsweise ge- 
setzes- und amtsprache enthalten. — Falls die hier beschriebene 
entwicklung in der Wirklichkeit ihre entsprechung gehabt hat, 
so dürfte das ä im worte entä in diesem falle von der palatali- 
sierung des unbetonten auslautenden a abhängig zu machen 
sein, deren ergebnis die in den denkmälern des XIV. Jahrhun- 
derts auftretende „vokalharmonie" und „-balance" a : se gewe- 
sen ist. 

Welche erklärung am wahrscheinlichsten ist, kann ich 
mit den mir zu geböte stehenden lexikalischen hilfsmitteln nicht 
entscheiden. Auch aus dem finnischen kann man hinsichtlich 
des alters der entlehnung keinen schluss ziehen, da ja die süd- 
westfi. formen äntäs, h(mDils{t) mit bewahrtem ä in der zwei- 
ten Silbe sowohl älter als jünger als die durchführung der 
südwestfinnischen synkopierung (vgl. laev, loim, vaikk, mutt, 
suutar, läppist, in Halikko * mit den gewöhnl. laiva, loimi, 
vaikka, mutta, suutari, lepistö) sein können. Würde es sich 
einmal meiner annähme zuwider zeigen, dass der Übergang 
en- > an- nicht auf dem südwestfinnischen boden stattgefun- 
den hat, so wäre wohl dortiges äntä. Jiänm- für eine spätere 
entlehnung aus dem mittelschwedischen, das sonstige fi. entä 
und est. ^ennä (? *entci) dagegen für eine ältere aus dem runen- 
schwedischen oder späturnordischen anzusehen. 



1 Id., Paul's Grundriss - I 482; Altschwed. Gramm. § 156, l b). 

2 NOREEX, Paul's Grundriss 2 I 486; Altschwed. Gramm. § 
292, 2. 

•' Id., Altschwed. Gramm. § 303. 
* Vgl. TOIVOXEN, Suomi III 2. 10. 



126 Siegmund Simonyi. 



Nachdem das obige schon druckfertig war, erfahre ich 
durch meinen vater, dass in meinem heimatlichen dialekt 
(kirchspiel Längelmäki in Tavastland) neben entäs auch eine 
andere form intäs, welcher ich selbst mich nur unsicher erin- 
nern konnte, wirklich, obwohl selten gebraucht wird. Noch 
vor 40 Jahren soll diese form etwas gewöhnlicher als jetzt, 
aber auch damals schon selten, gewesen sein. Die bedeutung 
des intäs ist mit der des ^ntüs identisch, und einen Über- 
gang von urfinn. e in ähnlicher Stellung zu i kann man in dem 
dialekt nicht konstatieren —^ man sagt z. b. l^ntä, l§ntäs 
(z= lentäisi), incntävä, s^ntän. Wenn daher ^nfä(s) für ein 
lehnwort anzusehen ist, so kann man hier eine noch ältere 
entlehnung — aus dem urnordischen — annehmen. Das in- 
wäre nach dieser erklärung die urnord. relativpartikel in 'aber'^ 
im altwestnord. en (Xoreen, Paul's Grundriss- I 504), und im 
übrigen wäre die konj. intä- mit einen urnord. ^in-öse, einer 
vorauszusetzenden Zwischenstufe (mit kurzem se im auslaut) 
zwischen einem urnord. in-cJäe und einem altwestnord. ende 
(siehe oben) zusammenzustellen. 

Helsingfors. 

E. A. Ekmax. 



Mongolisclies im ungarisciien. 

Der etymologe wird immer wieder von den so vielseitig 
interessanten erscheinungen angezogen, die \-on längst verges- 
senen Sprachenberührungen und kulturellen Wechselwirkungen 
Zeugnis ablegen. Besonders anziehend und zu weiteren nach- 
forschungen anspornend ist es, wenn wir deutliche spuren einsti- 
ger beeinflussung in sprachen entdecken, die sich seit Jahrhun- 
derten oder Jahrtausenden nicht berührt haben können. Dies 
ist der fall mit dem ungarischen und mongolischen. ^ 



^ Ähnlich ist es mir hie und da mit der ahnung von finnisch- 
türkischen Übereinstimmungen ergangen; meines wissens hat keiner 
sich damit eingehend beschäftigt. Vgl. fi. unhotta(a) und türk. 
unut(mak) 'v^ergessen' ; fi. arpaa- larvata) 'weissagen, losen' u. 



Mongolisches im ungarischen. 127 



Ungarisch-mongolische Übereinstimmungen sind längst ent- 
deckt worden, es stellte sich aber in den meisten fällen heraus, 
dass es nicht unmittelbare entlehnungen waren, sondern aus tür- 
kischen sprachen entlehnte Wörter, deren vorbild zu dem betr. 
mong. wort in irgendwelcher beziehung steht. In neuerer 
zeit fanden sich aber einzelne fälle, in denen entlehnung aus- 
dem mongolischen kaum mehr bezweifelt werden kann. So 
machte Budenz auf die Übereinstimmung der ung. tiernamen 
hiüz 'luchs', hölgy 'hermelin', zerge 'gemse', tulok 'juvencus' und 
der Wörter hurok 'schlinge' und harang 'glocke' mit den betr. 
mong. und mandschu-ausdrücken aufmerksam (NyK XX 148 — 
15.^; bei einzelnen, wie göreny 148 und hagyma 473, ist die. 
direkte entlehnung unsicher). 

Besonders interessant sind aber einige unserer mongoli- 
schen lehnwörter, die begriffe einer höhern kultur bezeichnen. 
Solche sind: 

ildomos klug = mong. ilgom 'scharfsinnig, einsichtsvoll,, 
aufmerksam' (schon bei Balint 1877 verglichen, in seinem Pär- 
huzam a magyar es mongol nyelv teren), mandschu ildamu 
'gescheit, geschickt, gewandt, flink, geistreich, witzig; anmutig, 
hübsch, stattlich' (auch im türkischen, jedoch bloss in der bed. 
'schnell, eilend': tschag. ildam, alt.-tat. yltam; vgl. Budenz a. a. 
0. 147). 

erdem verdienst = mong. erdem 'habilete, adresse, talent; 
qualite, merite; vertu'(ebenfalls bei Balint), mandschu erdemu 
'tugend, fähigkeit, gute, verdienst' (auch türkisch: uig. ertem 
'verdienst, vorteil, nutzen, tugend'). 

ige 'wort' = mong. (und uig.) üge 'wort, rede'. 

Diese gleichungen, die durch eingehendere beobachtungen 
sicherlich stark vermehrt werden können ^ machen nun auch 
die hier folgende er klär ung höchst wahrscheinlich. 



türk. arbaj-, arba- etc., 'weissagen, träume deuten' (sehr interessant 
ist die vergleichung des li. wortes mit ung. orvos 'arzt' bei Vikar, 
Nyr XXVIII 174; über das Verhältnis des fi. und türk. wortes siehe 
Setälä, Smirnow's Untersuchungen, JSFOu XVII 4 50 fussn.), fi. 
karmu, russ. u. türk. kurum id. (auch ung. korom). 

^ Ich erwähne hier beiläufig einige entsprechungen, deren 
Stichhaltigkeit noch zu prüfen ist: ung. öböl 'schoss', 'sinus' ;= mong. 



128 O. Donner. 

Es handelt sich um das ung. wort erkölcs 'sitte' (erkülcs, 
erkecs) 'moral, tugend, anstand', dem das mong. erkü 'distinc- 
tion, respect, veneration, egard, reverence, preference' auffallend 
ähnlich ist. Der unterschied in lautform und bedeutung wird 
ausgeglichen durch einen mongolischen ausdruck, dem ich in 
einer anzeige von Willy Bang begegnete. ^ In einer der Orkhon- 
inschriften findet sich nämlich die Verbindung erkü-ükcü, deren 
zweites glied nach Bang's unzweifelhafter deutung eine ablei- 
tung von ükkü 'donner, presenter, rendre, offrir' ist, so dass 
sich die bedeutung 'verehrung-darbringung, ehrenbezeugung' 
(syn. ung. tisztessegadas, tisztesseg-tetel) ergiebt, \'on der ein 
einziger schritt zur bedeutung des ung. erkölcs 'anstand, sitt- 
samkeit' hinüberführt. Es ist also möglich, dass erkölcs die 
Verstümmlung einer ständigen Verknüpfung erkil-ükcil ist. Es 
wäre aber auch möglich, dass es im mong. eine ableitung von 
erkil (mit dem denom. verbalsuffix -le und dem deverb. nomi- 
nalsuffix -si) gegeben hat: *erki(l)lesi mit der bedeutung: 'eh- 
rung', 'honoratio'. Da ^vären wir zwar von der bedeutung des 
ung. Wortes um einen schritt entfernter, seiner lautform aber 
einen schritt näher. 

Budapest. SiEGMUXD SiMONYL 



Die uralaltaisclien sprachen. 



Während seiner vieljährigen gefangenschaft in Russland 
und Sibirien verschaffte sich der schwedische offizier Philipp 
JOHAN V. Strahlenberg nähere kenntnis von den zahlreichen 
Völkern des östlichen und nördlichen teiles von Europa und 



ober, über id. : ung. kökörü 'bläulich' (hapax leg.) = mong. küke- 
bür id.; ung. sajin 'lebhaft, mutwillig, keck' (meist, wie es scheint, 
von mädchen) = mong. sajn 'schön, gut', ?ung. valaki 'aliquis', valami 
'aliquid' ^^^ mong. aliken, alijayun id. (alin 'welcher', all — ali 'ent- 
weder . . oder', ?vgl. fi. eli etc.). 

^ Wiener Zeitschr. für die Kunde des Morgenlandes Bd. X. 
über G. HuTH, Die Inschriften von Tsaghan-Baisin (Leipzig, Brock- 
haus, 1894). 



Die uralaltaischen sprachen. 129 



Asien. Auf grund seiner persönlichen berührung mit denselben 
und seiner kenntnisse in ihren sprachen kam er zu der Überzeu- 
gung, dass sie alle einer gemeinschaftlichen Völker familie ange- 
hören müssten. In seiner umfassenden arbeit: Das Nord- und 
Östliche Theil von Europa und Asia, Stockholm 1730, nannte 
er diese bisher wenig bekannten Völkerschaften die Tatarischen 
Völker und teilte sie in folgende sechs gruppen ein: 

1. Uiguren = die finnisch-ugrischen Völker; dazu 
noch die Barabai auf der ebene zwischen Ob und Jenissei. 
Er zählte sie alle zu den hunnen, obwohl sie nicht tata- 
ren seien. — 2. Turko-tataren. — 3. Samojeden. 

— 4. Mongolen und Mandschu. — 5. Tungusen. 

— 6. Stämme zwischen dem Schwarzen und Kaspischen 
meere. 

Nach Strahlexberg's epochemachendem werke suchten 
dann Sprachforscher und geschichtschreiber durch vertieftes Stu- 
dium der sprachen der genannten Völker die Zusammengehörig- 
keit derselben näher zu bestimmen. Besonders war man darauf 
bedacht lexikalisches material zu sammeln, welches einer primi- 
tiven entwicklungsstufe entspräche und demnach das gegen- 
seitige Verhältnis der betreffenden sprachen veranschaulichen 
könnte. Durch J. Sajnovics (Demonstratio 1770) und Sam. Gyar- 
MATHi (Affinitas 1799) wurde Strahlexberg's wohlbegründete be- 
hauptung betreffs der finnisch-ugrischen („uigurischen") gruppe 
ein für allemal erwiesen. Zur beurteilung der Verwandtschaft 
zwischen den übrigen glieder der sog. tatarischen Völker- 
gemeinschaft war jedoch das zusammengetragene material noch 
so wenig hinreichend, dass die gewagtesten hypothesen unter 
den fachmännern noch lange glaubwürdig erscheinen konnten. 
So vereinigte der ausgezeichnete dänische gelehrte R. Rask in 
einer 1819 geschriebenen aber erst später veröffentlichten ab- 
handlung nicht nur die von Strahlenberg als tatarisch be- 
zeichneten sondern auch eine menge anderer Völkerschaften 
unter dem gemeinschaftlichen namen „skytischer sprach- 
stamm", dessen glieder sich ununterbrochen von Grönland über 
den ganzen nördlichen teil von Amerika, Asien und Europa 
ausdehnen, und zu welchem als überbleibsei in Europa noch 
die kaukasischen sprachen und das baskische, sowie in Süd- 
indien die malabarische sprachenklasse (telugu, tamil, kana- 

9 



130 O. Donner. 

resisch, malaiisch) gehöre. Die Verwandtschaft zeige sich sowohl 
im sprachlichen bau als im ursprünglichen wortvorrat. 

Die anschauung von einer so weit ausgedehnten Verwandt- 
schaft beruhte wesentlich auf einem vergleich der formalen 
struktur dieser sprachen, einer struktur, die man hauptsächlich 
nach den tiefsinnigen sprachlichen Untersuchungen Wilhelm 
VON HuMBOLDT's im gegensatze zu der flexion der indogermani- 
schen sprachen als agglutinierend bezeichnete. Derselbe for- 
male gesichtspunkt war es auch, welcher Max Ml'ller zu dem 
versuche vermochte die entwicklungsgeschichte der nordasiati- 
schen und der dravidischen sprachen als eine gemeinschaftliche 
darzustellen, indem er sie alle unter dem unbestimmten namen 
des turanischen sprachstamms vereinigte (On the Classi- 
fication of the Turanian languages, 1854). Ohne wesentlich 
neue beweise vorzubringen wurde die von Rask und Max Mül- 
ler behauptete Verwandtschaft der dravidischen sprachen mit 
den übrigen \'on mehreren bedeutenden forschern wie Lassen, 
Lepsius und Caldwell, dem Verfasser einer ausführlichen ver- 
gleichenden grammatik der dravidischen sprachen (1875), an- 
erkannt, während sie andere, wie Weigle, Pott und Fr. Müller, 
entschieden bestritten. Caldwell behauptete sogar (Compar. 
gramm. s. 55): alle die eigentümlichkeiten der grammatischen 
struktur, in denen sich die dravidischen sprachen vom sans- 
krit unterscheiden, stimmten mit denen der skythischen spra- 
chen überein. Heute dürfte wohl der turanismus im sinne einer 
wirklichen Verwandtschaft von den Sprachforschern nur mehr 
als eine geniale hypothese betrachtet werden. Die forschung 
muss es entschieden ablehnen, sprachen nur auf grund eines 
ähnlichen allgemeinen typus und einiger formaler demente mit 
einander zu verknüpfen, ehe durch eine eingehende Unter- 
suchung der sprachlichen entwicklung die ältesten züge der- 
selben sicher gestellt sind, und dieserweise eine gesetzmässige 
Übereinstimmung im lautmateriale nachgewiesen werden kann. 
Bisher aber sind mehr berührungspunkte in der formalen bil- 
dungsvveise, bei den pronomina, im wortvorrat zwischen den 
indogermanischen und den uralaltaischen sprachen nachgewiesen 
worden, als zwischen diesen und den dravidischen, und den- 
noch haben es nur wenige gewagt an eine mögliche Urverwandt- 
schaft jener sprachen zu glauben, viel weniger sie mit Sicher- 
heit zu behaupten. 



Die uralaltaischen sprachen. 131 



Halten wir uns an den asiatischen norden, so finden wir 
auch hier die meinungen streitig bezüglich der ausdehnung des 
uralaltaischen. Klaproth und Siebold (1832) sprachen sich 
dahin aus, dass das japanische zu den übrigen altaischen spra- 
chen gehöre. Dieselbe ansieht vertraten auch Ewald, Boller 
(1857). W. Schott (1858), de Rosny (1856, 1861, 1873) und 
besonders der gründliche kenner des japanischen J. Hoff- 
mann (1857). Die Übereinstimmung des grammatischen baues, 
sowie eine gewisse ähnlichkeit verschiedener funktionselemente 
wurde als hinreichender beweis für die Verwandtschaft hervorge- 
hoben, eine Verwandtschaft, die sich teilweise auch im wortvor- 
rate zeige. De Rosny wollte den vergleich auch auf das chine- 
sische ausdehnen, wie Abel Remusat es früher (1820) auf das 
tibetische und Siebold auf das koreanische und Aino gethan 
hatten. Die Zusammengehörigkeit ist dann von Heinr. Winkler 
(1884 u. ff.) in mehreren Schriften aus phonetischen, flexivi- 
schen und lexikalischen gründen verfochten worden; in letztge- 
nannter hinsieht behauptet er sogar, dass der wortbestand der 
uralaltaischen sprachen und des japanischen wesentlich derselbe 
sei (Die spräche der zweit, columne etc. s. 4). Ihm schliesst 
sich J. Grunzel an in einem kurzen entwurf einer vergleichen- 
den grammatik der altaischen sprachen (1895), wo er in dem 
beigegebenen Wörterbuch unter beinahe 140 nummern zahl- 
reiche japanische wortstämme mit solchen aus den mongoli- 
schen, tungusischen und türkischen sprachen vergleicht. 

In der vorliegenden kleinen skizze kann hierauf nicht näher 
eingegangen werden. Die möglichkeit einer entfernteren Ver- 
wandtschaft kann wohl nicht abgewiesen werden, erwiesen aber 
ist sie in keiner weise. .Schon G. v. d. Gabelentz hat her- 
vorgehoben, wie leicht man bei sprachgeschichtlichen Unter- 
suchungen von irrlichtern auf falsche wege geführt wird. 
Es könne daher bei lautlich so abgeschliffenen sprachen wie 
der chinesischen und japanischen an keine unmittelbare wort- 
vergleichungen gedacht werden, ehe die Wörter in ihren uns 
bekannten zuständen auf ihre älteren lautformen zurückgeführt 
worden sind (Sprachwissenschaft s. 286). Was die gramma- 
tischen Übereinstimmungen betrifft, so können weder eine ge- 
wisse ähnlichkeit des grammatischen baues noch die der be 
stimmten Wortfolge als hinlängliche beweise für die verwandt- 



132 O. Donner. 

Schaft angeführt werden, weil dieselbe stufe der sprachentwick- 
lung und eine ähnliche Wortfolge vielfach auch anderswo wahr- 
genommen wird. So v^erlockend es auch erscheinen mag mit 
De Rosny einen sprachstamm Finno-Japonais gutzuheissen, 
welche benennung die entferntesten glieder desselben im osten 
und Westen andeuten würde, in ähnlichem sinne wie der 
name indogermanischer sprachstamm, so sind die bedingungen 
für die annähme dieses namens keineswegs vorhanden. Auch 
die anklänge an eine vokalharmonie als prägnanteste eigen- 
tümlichkeit sämmtlicher altaischen sprachen, welche m.an im 
japanischen gefunden zu haben glaubt, scheinen mir zu dürftig 
um mit ihrer hilfe die Verwandtschaft annehmbar zu machen. 

Weit mehr aufsehen erregte die schon von Westergaard, 
H. Ra\\t.inson, E. No.rris und anderen ausgesprochene und 
seit 1857 von J. Opfert lebhaft verteidigte ansieht, dass die 
erfinder der keilschrift, nahe verwandt mit den vorarischen 
bewohnern Mediens, zu den turanischen oder skythischen Völ- 
kern zu zählen seien. Später drückte er sich noch bestimmter 
aus in der aussage, dass die charakteristischen züge der ältes- 
ten keilschriftgattung, d, h. der nur dialektisch verschiedenen 
medischen, susischen und akkadischen sprachen, deutliche Ver- 
wandtschaft mit der ugrofinnischen gruppe des altaischen sprach- 
stammes bekundeten. Oppert's anschauungen fanden in Fr. Le- 
normant einen glänzenden Verteidiger. In zwei umfassenden 
arbeiten: „La magie chez les Chaldeens", 1874, und „La langue 
primitive de la Chaldee et les idiomes Touraniens", 1875, 
und anderen Schriften suchte er nicht nur formelle Überein- 
stimmungen in der grammatik sowie eine durchgehende ähn- 
lichkeit in den religiösen anschauungen nachzuweisen, sondern 
er glaubte auch im wortvorrate eine bedeutende anzahl \\'örter 
gefunden zu haben, in denen der lautbestand nach bestimmten 
gesetzen demselben in den verglichenen Wörtern der tinnisch- 
ugrischen sprachen entspräche. Er setzte dann die ältesten 
keilschriftsprachen als mittelglieder zwischen den ugrofinnischen 
und den turko-tatarischen sprachen an. 

Auch der vorsichtige deutsche keilschriftforscher Eberh. 
Schrader sprach sich, obwohl mit bestimmter modifikation, in 
dieser richtung aus, dass nämlich der agglutinierende Charakter 
des akkadischen, sowie eine gewisse Verwandtschaft im wort- 



Die uralaltaischen sprachen. 133 

Vorrat einen türkisch-tatarischen oder uralaltaischen Ursprung 
am wahrscheinlichsten mache. 

Derjenige, welcher nach Opfert und Lenormant die Ver- 
wandtschaftsverhältnisse des sumero-akkadischen am ausführlich- 
sten zu verteidigen versucht hat, ist unstreitig Fr. Hommel 
(Zeitschrift für Keilschriftforschung I. 1884). In seiner mus- 
terung verschiedener lautlicher und formaler Verhältnisse sucht 
er u. a. darzulegen, dass in den genannten sprachen spuren 
einer, wenn auch spärlichen vokalharmonie vorkommen; dass 
sich ähnliche lautübergänge wie im türkischen zeigen; dass die 
pronominalelemente, besonders die Urformen der personalprono- 
mina, übereinstimmen ; dass die ausdrücke für die Zahlwörter 
2, 3, 4, 5 und 10 „unzweifelhaft" identisch seien; dass verschie- 
dene postpositionen des akkadischen mehreren kasusaffixen 
und adverbialformen des turkotatarischen entsprechen. Diese 
durchgehenden Übereinstimmungen, meint er, können nicht zu- 
fällig sein, sie müssen zu dem schluss führen, dass das sumero- 
akkadische dem turkotatarischen zweige der uralaltaischen 
Sprachfamilie als ältestes Stadium ihrer entwicklung zuzu- 
zählen sei. 

In einem anhange zu P. Haupt's Vortrag über die akka- 
dische spräche auf dem orientalistenkongress zu Berlin 1883 
hatte ich geiegenheit mich über die bis dahin vorgebrachten 
beweise einer Verwandtschaft des sumero-akkadischen mit den 
uralaltaischen sprachen auszusprechen. Der leise anfang einer 
vokalharmonie sowie die formalen ähnlichkeiten waren meiner 
ansieht nach so wenig durchgreifend, dass man dieselben er- 
scheinungen auch in afrikanischen sprachen vertreten sehen 
konnte. Das akkadische könne daher mit keiner der jetzigen 
uralaltaischen sprachen in nähere Verbindung gebracht werden, 
um so weniger lägen hinreichende beweise für eine Urverwandt- 
schaft aus einem sprachzustande vor, \'on dessen wesen und 
formaler struktur wir keine ahnung haben können. Voraus- 
gesetzt auch, dass alle von Hommel in der erwähnten ab- 
handlung vorgebrachten keilschriftformen richtig gelesen seien, 
könnten sie meines erachtens doch nicht die verwandtschafts- 
frage entscheiden. Was besonders die verglichenen Zahlwörter 
betrifft, stimmen gewiss einige formen mit den entsprechenden 
türkischen überein. Da es aber im akkadischen von einander 



134 O. DoxxER. 

lautlich ganz abweichende wechselformen für dieselben giebt, 
ist das ursprüngliche oder gewöhnliche zahlwort unsicher; un- 
bekannt ist auch, inwieweit hier lehnwörter \-orliegen. Dass 
solche zuweilen in ausgedehntem grade gebraucht werden, zeigt 
das Brahui, welches zu den drei einheimischen asi 1, irä 2, 
mus 3 alle sieben folgenden aus den sansl^ritsprachen entlehnt 
hat, während sich die anderen dravidasprachen selbständiger 
ausdrücke bedienen. Die frage nach einer Verwandtschaft des 
akkadischen mit dem altaischen muss ich daher wie vor zwan- 
zig Jahren \-erneinend beantworten. 

Zu demselben resultate ist auf ganz anderem wege H. 
Winkler gelangt. Schon 1884 deutete er in seiner arbeit „Ural- 
altaische Völker und sprachen" s. 168 darauf hin, dass das 
medische ebensowenig wie das sumerische, \\"elches er wegen 
sehr erheblicher morphologischer Verschiedenheiten nicht zu dem- 
selben sprachstamm rechnet, keine uralaltaische spräche genannt 
werden könne. In einer besonderen schrift: „Die spräche der 
zweiten columne der dreisprachigen Inschriften und das altai- 
sche", Breslau (jähr ?, ? 1896), hat er dann die eigentüm- 
lichkeiten der susischen (medischen) spräche ausführlich unter 
vergleich mit den altaischen sprachen behandelt. Er hebt darin 
hervor, dass das susische attribut des Substantivs, gleichviel ob es 
genetiv, possessiv, adjektiv, demonstrativ oder zahh\'ort ist, seine 
Stellung hinter dem Substantiv hat; dass im altaischen mit 
noch grösserer strenge jede art attribut dem Substantiv voran- 
geht (s. 37). Das susische verb sei, seiner inneren beschaffen- 
heit und auch seiner äusseren form nach, lebendig ausgepräg- 
ter prädikativer ausdruck, nicht possessiver, in schroffem 
gegensatz zu dem gewöhnlichen, normalen, reinen altaischen 
Verbalausdruck (s. 50). Ganz abgesehen von seinem unaltai- 
schen, durchaus prädikati\'subjektiven Charakter, steht es 
durch seine fast absolute Unfähigkeit der Stammmodifikation 
geradezu in schroffem gegensatz zum altaischen und den ört- 
lich verwandten t3'pen (s. 56). Es kann hier auf einzelheiten 
nicht eingegangen werden, ohne aber, in allen punkten damit 
übereinzustimmen muss doch zugestanden werden, dass es 
Winkler gelungen ist den grossen unterschied im ganzen bau 
der spräche, welcher das susische von den altaischen sprachen 



Die uralaltaischen sprachen. 135 

scheidet, dermassen darzulegen, dass einer Zusammenstellung 
im sinne einer Verwandtschaft auch aus diesem gesichtspunkte 
alle stütze genommen wird. 



Wenden wir uns jetzt denjenigen sprachen zu, welche man 
allgemein unter dem namen der uralaltaischen zusammenzufas- 
sen pflegt, oder den fünf verschiedenen gruppen: das finnisch- 
ugrische, das samojedische, das turko-tatarische, das mongolische 
und das tungusische mit seinem zweige, dem mandschuischen, 
so zeigen sich bei diesen unzweifelhaft mehr merkmale einer 
Zusammengehörigkeit als zwischen anderen hierher gezogenen 
sprachen. Abel Remusat hob besonders ihre logische Verwandt- 
schaft hervor, ein umstand, welcher die ausdehnung des na- 
mens „langues tatares" auf das tibetische erklärlich macht. 
Von diesem gesichtspunkt aus wurden sie auch von Steinthal 
in seiner „Charakteristik der hauptsächlichsten Typen des Sprach- 
baues" zu einer einheit zusammengefasst. „In Bezug auf das 
lautliche Material, welches die Begriffe und Verhältnisse bezeich- 
net", heisst es (Charakter. 1860 s. 177), „weichen sie zum 
Theil sehr von einander ab; aber das Princip, welches sowohl 
im Innern die Bedeutung bildet, als auch äusserlich die Laut- 
gestalt und das Alphabet beherrscht, ist bei Tungusen und 
Osmanen, bei Mongolen, Samojeden, Finnen und Magyaren 
wesentlich dasselbe". Steixthal bestimmt dies prinzip nach den 
in formaler hinsieht am niedrigsten stehenden gliedern, ohne 
der auffallenden entwicklung anderer genügend rechnung zu 
tragen. Sie gelten ihm einfach nur für agglutinierend, wes- 
halb auch in Misteli's neubearbeitung seines werkes (1893) die 
dravidischen sprachen, welche im allgemeinen eine ähnliche 
struktur wie die uralaltaischen zeigen, mit diesen, jedoch als 
selbständiger typus, derselben agglutinierenden sprachklasse 
untergeordnet sind. Bei der weiteren Untersuchung über das 
wesen der agglutinierenden sprachen kommt er zu dem schluss, 
dass in den altaischen sprachen von einem wahren satze so 
wenig die rede sein könne wie im birmanischen und polyne- 



136 O. Donner. 

sischen, und dass somit der kern und keim aller wahrhaft for- 
malen gestaltung des sprachlichen ausdrucks fehle, dass heisst: 
des denkens selber (Charakteristik s. 186). 

Da die vorliegende Übersicht nicht das ziel verfolgt die 
entwicklungsstufen des menschlichen Sprachbaus näher zu 
untersuchen, liegt die frage nach der formalen natur, resp. 
formlosigkeit der uralaltaischen sprachen ausserhalb unseres 
rahmens. Nebenbei sei jedoch bemerkt, dass Steinthal's ab- 
sprechendes urteil jetzt wohl sehr w^enige anhänger mehr fin- 
den dürfte '. Bei besprechung der Verwandtschaftsverhältnisse 
jener sprachen war es immerhin von bedeutung, dass Stein- 
thal sie als besonderen typus unter einander verband, obwohl 
sie der inneren struktur nach mit anderen in eine kategorie 
fallen. Früher (Allgem. Liter. Zeitung 1849) hatte er die zur 
Stammverwandtschaft erforderliche einheit der grammatik ge- 
läugnet, die \\'urzelverwandtschaft aber zugegeben. 

Der ins einzelne gehende vergleich der uralaltaischen spra- 
chen fängt eigentlich mit W. Schott an. vSchon seine erste ar- 
beit: „Versuch über die tatarischen sprachen" 1836 führt mehrere 
allgemeine merkmale derselben auf, bespricht zugleich einige 
Übereinstimmungen in ^vörtern und \\urzeln (darunter prono- 
men und Zahlwort), und macht sogar auf eine anzahl ähnlich 
lautender grammatischer endungen aufmerksam. In einer reihe 
von abhandlungen („Über das altaische oder finnisch-tatarische 
Sprachengeschlecht", 1849, „Das zahlwort", 1853, „Altajische 
Studien" I — V, Berlin 1860—1872) hat er dann diese Überein- 
stimmungen an der band zahlreicher beispiele weiter zu verfol- 
gen gesucht. Das bestimmt negierende urteil, welches O. Böht- 
LiNGK schon 1851 über die zwei ersten arbeiten Schott's aus- 
sprach, trifft aber in gleichem grade auch die folgenden. Er 
erklärt es für ganz verkehrt, wenn man in einem \'erglei- 
chenden werke ein wort aus irgend einem gliede einer familie 
mit einem worte irgend eines gliedes einer anderen familie 
zusammenstellt, wenn nicht zugleich dargethan \\-ird, dass die 
mit einander verglichenen Wörter die Urformen jener familien, 



^ Vgl. einen Vortrag vom verf. dieses aufsatzes auf dem 
orientalistenkongress zu Rom 1899, der in den publikationen des 
kongresses erscheint. 



Die uralaltaischen sprachen. 137 

aus denen alle anderen formen zu erklären seien, darstellen 
oder diesen wenigstens sehr nahe kommen, wenn man bei 
lautlich nicht zusammenfallenden Wörtern die abweichung nicht 
auf bestimmte, für die familie, für das einzelne glied der familie 
geltende lautgesetze zurückzuführen sucht, sondern in jeder 
familie, in jedem gliede dieser familie jeden lautwechsel, der 
irgendwo wahrgenommen worden ist, für möglich hält; \\'enn 
man sogleich bereit ist wurzeln abzuziehen, ehe man sich von 
der endung rechenschaft zu geben vermag; wenn man endlich 
sprachen zur vergleichung heranzieht, die man nur aus dürf- 
tigen und unzuverlässigen Wörterverzeichnissen kennt fO. Böht- 
LixGK, „Über die spräche der Jakuten", s. XXXIV). Nur soviel 
scheine ihm durch Schott's massenhaftes zusammentragen 
verwandt scheinender Wörter und wurzeln erwiesen zu sein, 
dass die uralaltaischen sprachen wahrscheinlich in einem 
näheren \erwandtschaftsverhältnis zu einander als zu anderen 
sprachen stehen. Seine eigene ansieht über die Verwandt- 
schaftsverhältnisse derselben fasst er dahin zusammen, dass 
das eigentümliche lautsystem der uralaltaischen sprachen und 
zwar nicht nur die vokalharmonie, sondern auch der reich - 
tum an vokalen, bis dahin so zu sagen das einzige sichere 
allgemeine merkmal sei, das uns berechtige, alle in rede ste- 
henden sprachen unter einem kollektivnamen zusammenzu- 
fassen und dieselben aus einer quelle abzuleiten (s. XXXIII). 
Die von Böhtlingk formulierten sätze behalten zweifels- 
ohne bei bestimmung der Verwandtschaft wenig bekannter 
sprachen für alle zelten ihre gültigkeit. Es folgte auch jetzt 
eine rege thätigkeit zwecks Sammlung oder veröftentlichung 
sprachlichen materials aus den verschiedenen gebieten der hier- 
hergehörigen Völker. Vornehmlich \\'aren es Castren's durch 
ScHiEFXER 1853 — 1858 veröffentlichten epochemachenden arbei- 
ten, \\'elche ein ganz neues licht auf das sprachliche dunkel 
der altaier warfen. Selbst behandelte Castren zunächst einige 
finnisch-ugrische sprachen (lappisch, syrjänisch, tscheremissisch), 
dehnte aber dann ausser in den sprachlichen monographien seine 
Untersuchung in der abhandlung über die personalaffixe (1850) 
auf das ganze altaische gebiet aus. Durch seine während einer 
langen reihe von jähren erworbenen gediegenen kenntnisse 
war er vor allen anderen befugt sich über die Verwandtschaft 



138 O. Donner. 

auszusprechen. Er that es in folgenden Worten: „Nach mei- 
nen bisher über diese Sprachen angestellten Forschungen zu 
schliessen, hat man zwischen denselben kein so nahes \"er- 
wandtschaftsverhältniss zu suchen, wie es zwischen den ver- 
schiedenen Zweigen des indogermanischen Sprachstammes statt- 
findet, dass aber zahlreiche sowohl formelle als auch mate- 
rielle Uebereinstimmungen zwischen ihnen allen insgesammt 
und insbesondere zwischen den finnischen, samojedischen und 
türkischen Sprachen stattfinden, ist eine schon früher von mir 
ausgesprochene Ansicht, die ich noch jetzt festhalten muss. 
Ob diese Uebereinstimmungen so bedeutend sind, dass sie den 
Sprachforscher berechtigen die in Rede stehenden Sprachen 
auf einen und denselben Stamm zurückführen, ist eine Frage 
deren Beantwortung der Zukunft überlassen bleiben muss" 
(Kleinere Schriften, \' 151). Er schliesst seine abhandlung mit 
einem hinv\-eis darauf, dass eine Untersuchung der Sprachver- 
wandtschaft erst dann zuverlässig und fruchtbringend werden 
könne, wenn die vergleichende forschung alles, was während einer 
späteren entwicklungsperiode durch berührung mit fremden Völ- 
kern aus ihren sprachen entlehnt oder nach ihrem Vorgang ge- 
bildet \\'orden ist, von dem ursprünglichen Sprachschätze abge- 
sondert hat. Auch betrachtete er als ergebnis seiner Untersuchung, 
dass er „durch die Entdeckung der Personalaffixe in den samo- 
jedischen Sprachen, sowie in der burjatischen und tungusischen 
die Sprachforschung auf ein bisher unbekanntes Material ge- 
lenkt" und dadurch bemerkenswerte analogien nachgewiesen 
habe, welche die annähme einer ge\\issen veru'andtschaft be- 
gründen könnten. 

Gleichzeitig mit dem erscheinen der grammaüschen und 
lexikalischen arbeiten Castren's versuchte A. Boller in einer 
anzahl einzelabhandlungen die eigenart der uralaltaischen spra- 
chen näher zu beleuchten. Der grösste teil derselben ist de- 
skriptiver art, doch werden öfters formelle Übereinstimmungen 
und lautübergänge angenommen, welche in keiner weise als 
erwiesen betrachtet werden können, daher auch wenig zur auf- 
klärung des Verwandtschaftsverhältnisses beitragen. Besonders 
willkürlich ist die Zusammenstellung zahlreicher Wörter mit 
annähernd ähnlicher bedeutung, wo keine festen grenzen für die 



Die uralaltaischen sprachen. 139 

laut Vertretung gezogen werden. Trotz aller auf die arbeit ver- 
wendeten Sorgfalt und mühe sind doch keine neuen beweise 
für die Zusammengehörigkeit der uralaltaischen sprachen durch 
Boller's Untersuchungen gewonnen worden. 

Das wichtigste merkmal einer Zusammengehörigkeit der 
uralaltaischen sprachen, die sonst in grammatischer und lexi- 
kalischer beziehung so sehr von einander abweichen, ist nach 
BöHTLixGK die überraschende Übereinstimmung in den gesetzen 
der vokalharmonie. Die erscheinung, dass im finnischen die 
Vokalharmonie streng durchgeführt auftritt, während andere 
glieder dieses Stammes nur hie und da spärliche spuren davon 
aufzuweisen haben, schien ihm der ansieht günstig zu sein, 
dass jene strengen gesetze der vokalharmonie auf einer eigen- 
tümlichen Organisation der sprachorgane dieser v^ölker beruhen, 
und dass sie nur mit der zeit, vielleicht durch vielfache berüh- 
rungen mit Völkern andern Stammes, haben wieder aufgehoben 
werden können (Jakut. Grammatik s. 107). Seine auffassung 
fiel wesentlich mit der von Steinthal gegebenen erklärung 
zusammen, nach welcher die vokalharmonie als vorschreitende 
assimilation bloss die trägheit der vom geiste nicht beherrschten 
Organe, aber zugleich geistige Schlaffheit bekunde (Charakte- 
ristik 180). Diese anschauung eines rein mechanischen Vor- 
ganges wurde aber schon von Riedl als unzutreffend bezeich- 
net, indem er auf manche endungen des älteren magyarischen 
hinwies, u'elche^sich heute der vokalharmonie unterordnen, da 
sie ihre Selbständigkeit verloren haben, früher aber ihre eigenen 
vokale besassen, sowie darauf, dass bei der Zusammensetzung 
eine vokalische assimilation nicht stattfindet. Es liege ihr da- 
her eine begriffliche funktion zu gründe: das streben dem aus 
mehreren ursprünglich selbständigen dementen zu einer einheit 
zusammengefassten worte einen der ihm zu gründe liegenden 
begriffseinheit entsprechenden organischen bau zu geben und 
so die Sprache aus ursprünglicher Zusammensetzung zur eigent- 
lichen flexion zu erheben (Gramm, s. 41). Vor ihm hatte sich 
auch Aug. Schleicher in derselben richtung geäussert, dass 
nämlich durch die vokalharmonie die vokale der relationssilben 
gezwungen werden sich in harmonie mit den vokalen derjeni- 
gen Silben zu setzen, welche die bedeutung enthalten. Hier- 



140 O. DONXER. 

durch wird auf ein mal sowohl \\'orteinheit als übergewicht 
der bedeutung über die relationen geschaffen (Die Sprachen 
Europas, 1850). 

Spätere forscher stimmen in der hauptsache ziemlich 
alle mit den letzteren überein. Luciex Adam, der eine be- 
sondere Schrift über diesen gegenständ veröffentlicht hat (De 
l'harmonie des voyelles dans les langues Ouralo-Altaiques, 1874), 
denkt sich den Vorgang in der weise, dass sich die entwick- 
lung der vokalharmonie erst im laufe der zeit vollzogen habe,, 
als die ursprünglich monosyllabischen wurzeln durch neben- 
einandersetzung anderer zu zwei- oder mehrsilbigen wirklichen 
Wörtern zusammengeschmolzen iTharmonie d. voy. 66, 68), 
eine auffassung, welche die durch nichts erwiesene annähme der 
Zusammensetzung eines jeden zweisilbigen Wortes enthält. F. 
MisTELi sagt geradezu: „Die Vokalharmonie ist kein mecha- 
nisch-lautlicher, sondern ein grammatischer Vorgang und ein 
Mittel der Formung, weil sie Worteinheit schaffen soll" (Cha- 
rakteristik 1893, s. 351). In neuster zeit hebt Grunzel die 
phj^siologische seite hervor, indem er darauf hinweist, dass die 
vokalharmonie der stärker hervortretenden anziehungskraft der 
Zungen-, lippen- und gradattraktion ihre entstehung verdanke; 
dass wohl alle sprachen die anläge zu einer vokalharmonie 
in sich tragen, diese anläge aber nur in den uralaltaischen 
sprachen zu so regelmässiger entfaltung gelangt ist. Weniger 
klar ist seine äusserung, dass die \-erwertung df r vokalharmonie 
zur Wortbildung mit zur entwicklung dieser eigentümlichen 
Spracherscheinung beigetragen habe (Entwurf e. vergl. gram- 
matik d. alt spr. s.20, 21). 

Ist nun die vokalharmonie eine den ganzen bau der meis- 
ten uralaltaischen sprachen noch beherrschende grammatische 
erscheinung, so gewinnt sie eine noch höhere bedeutung für 
die sprachliche Zusammengehörigkeit der betreffenden Völker. 
Als leitendes prinzip gehört sie einer stufe der sprachentwick- 
lung an, die weit hinter dem aufkommen der verschiedenen 
formalen elemente liegt, oder wie sich Kellgren ausdrückt, 
einer zeit, wo „die Sprache nur erst in ihren ersten Herzblät- 
tern entknospet, die Grammatik noch arm an Formen war" 
(Grundzüge der finn. Sprache s. 44). Es ist daher erklärlich, 
dass sich gerade dieses formale dement in ihnen noch mit 



Die uralaltaischen sprachen. 141 

solcher schärfe kund giebt, eben weil es den ältesten entwick- 
lungszustand dieser sprachen repräsentiert. Die vokalharmonie 
war als wirksamer gestaltungstrieb in allen vorhanden, auch 
in allen samojedischen sprachen, wie dies von Castrex aus- 
drücklich betont wird, und wie die vollständige beibehaltung 
derselben im kamassinschen noch beweist (Castren, Samojed. 
gramm. s. 24, 35). 

Die bedeutendsten Sprachforscher stimmen darin überein, 
dass die pronominalbildung zu den altertümlichsten bildungen der 
Sprache gehöre, dass sie deshalb ganz besonders wichtig bei der 
entscheidung der sprachlichen Verwandtschaft zweier völker- 
stämme sei. L. Adam betrachtet daher die uralaltaischen spra- 
chen als eine „unite linguistique" auf grund der vokalharmonie 
und der Identität -des Personalpronomens (Congres des Orienta- 
listes, Paris 1873, I 419 ff). Böhtlingk hatte sich früher dahin 
geäussert, dass die Übereinstimmung der pronomina nichts zur 
entscheidung der verwandtschaftsfrage beitrage, da eine gewisse 
Übereinstimmung derselben nicht nur innerhalb der uralaltai- 
schen, sondern sogar zwischen diesen und den indogermani- 
schen stattfinde (Sprache der Jakuten s. XXX). Unterzieht man 
aber die anscheinend identische pronominalbildung der genann- 
ten Sprachstämme einer näheren prüfung, so treten doch bedeu- 
tende unterschiede hervor. Friedrich Müller hat zuerst dar- 
auf aufmerksam gemacht, dass das pronomen der ersten und 
zweiten person der altaischen und uralischen (o: finn.-ugr.) spra- 
chen sich nur mit den konsonantischen dementen desselben rede- 
teiles der indogermanischen sprachen, nämlich m, t, deckt, dass 
aber die ausgestaltung des pronomens auf den beiden gebieten 
eine radikale Verschiedenheit zeigt (Das Personalpronomen der 
altaischen Sprachen, Sitzgsber. der Wiener Akad. b. CXXXIV, 
1895). Als gemeinschaftlicher stamm der ersten person fungiere 
mi, später toi, in den obliquen kasus mina, min; als stamm 
der zweiten ta, das sich konform mit dem stamme der ersten 
person zu ti, dieses wieder zu ei, si, si weiter entwickelte, und 
in den obliquen kasus als cima, sama, sin, sin auftrat. Der 
plural wurde ursprünglich vom Singular durch vokalvariation, 
nämlich durch Verwendung des stärkeren vokals e, u, a im 
plural, gegenüber dem schwächeren vokal i im singular abge- 
leitet. Später bildeten sich andere formen, welche die älteren 



142 O. Donner. 

teilweise verdrängten. Dass die permischen und ugrischen 
sprachen, sowie das lappische, mordwinische umgekehrt den star- 
ken vokal im singular, den sch\\'achen dagegen im plural zeigen, 
dürfte auf einer Umbildung beruhen. Castrex nimmt als ur- 
sprüngliche formen der personalpronomina im finnischen 1. min, 
pl. me, 2. tin, pl. te an, aus welchen sich die übrigen formen 
entwickelt haben (Klein. Schrift., V 210). Welches der singu- 
larvokal dieser pronomina ursprünglich gewesen ist, mag bis auf 
weiteres dahingestellt bleiben (vgl. verf. Gegenseit. Verwandt- 
schaft 99 ff.), soviel ist jedoch sichere thatsache, dass auf 
dem ganzen uralaltaischen gebiet der gemeinschaftliche stamm 
der obliquen kasus ein n-element enthält, und dass der plural 
durch vokalvariation gebildet wird. Für die verwandtschafts- 
frage ist diese Identität von durchgreifender bödeutung. 

Was die formenbildung im allgemeinen betrifft, so ist sie 
wie bekannt mehr lockerer natur als in den indogermanischen 
sprachen. Man hat jedoch öfters auf übereinstimmende laut- 
elemente zur bezeichnung ähnlicher funktionen hingewiesen um 
dadurch die annähme der Verwandtschaft zu erhärten. So be- 
handelte B. MunkAcsi in einer längeren Untersuchung (Az altaji 
nyelvek szämkepzese = die numerusbildung der alt. spr., im 
Budenz-album 1884) die verschiedenen weisen die mehrzahl zu 
bezeichnen. Ob sich nun die ausführungen über verschiedene 
pluralausdrücke der altaischen sprachen im engeren sinne, d. 
h. der asiatischen, auch stichhaltig erweisen werden, z. b. die 
erklärung des türk. lar aus ol-ar, wo r <^ z <^ urspr. d sei^ 
muss der künftigen forschung überlassen werden. Immerhin 
ist das mongolisch-burjatische pluralsuffix ut, t, d, s, mandschu 
ta, sa, ri von bedeutung bei der beurteilung der frage. 

Zahlreiche stammbildungssuffixe, souie mehrere kasusex- 
ponenten mehr oder weniger ähnlichen aussehens sind ange- 
führt w'orden um die Verwandtschaft zu beweisen, so in der 
jüngsten zeit von J. Grunzel (Entwurf e. vergl. grammatik d. 
alt. spr. 1895). Ehe die hier behandelten sprachen vollständi- 
ger untersucht worden, und diese bildungen auf ihre ältere laut- 
formen zurückgeführt sind, können sie aber nur die möglich- 
keit der Verwandtschaft mehr oder weniger annehmbar machen. 
Sprachliche lautähnlichkeiten der formen findet man nämlich 
überall auch in von einander entfernter liegenden sprachen, und 



Die uralaltaischen sprachen. 143 

neben den ähnlichen bildungen sind in den einzelnen gliedern 
des uralaltaischen sprachstammes zahlreiche formelle Verschie- 
denheiten vorhanden, über deren Ursprung und relatives alter 
man sich noch kein sicheres urteil bilden kann. 

Mit recht hat man die in allen gliedern des uralaltaischen 
sprachstammes hervortretende abweichende gestaltung des Zahl- 
worts als beweis einer frühzeitig eingetretenen trennung der- 
selben hervorgehoben, wenn sie auch einst derselben grund- 
sprache entstammt sein mögen. Man kann daher weder positiv 
noch negativ einen bestimmten schluss aus diesem umstände 
ziehen. Was den wortvorrat betrifft, so sind beträchtliche Zu- 
sammenstellungen schon öfters gemacht worden; es muss auch 
zugestanden werden, dass auf diesem wege sicherere resultate 
erwartet werden können, wenn nur das material erst der nöti- 
gen Vorprüfung unterzogen worden ist. Bei der grossen be- 
weglichkeit und dauernden berührung der hierhergehörigen 
Völker und stamme ist es erklärlich, dass Wörter und ausdrücke 
massenhaft als lehn gut überall aufgenommen, dass die be- 
deutungen und formen vielfachen Veränderungen unterworfen 
wurden. Nur die sorgfältigste prüfung kann über gemeinsames 
und entlehntes entscheiden, und der vergleich muss der gleichen 
methode auf strengste folgen. Auch der letzten ziemlich umfang- 
reichen Zusammenstellung und vergleichung vornehmlich mongo- 
lischer, tungusischer und türkischer Wörter, welche Grunzel als 
ein „vergleichendes Wörterbuch" seinem entwurf einer verglei- 
chenden grammatik beigefügt hat (s. 67 — 90), kann in dieser hin- 
sieht nur sehr wenig beweiskraft zugeteilt werden. Entlehnte 
Wörter sind nicht ausgeschieden; ältere und jüngere formen 
stehen neben einander; gesetze der gegenseitigen lautvertretung 
sind noch nicht ermittelt worden, sie können sich erst als er- 
gebnisse einer vollständigeren kenntnis und durchforschung der 
einzelsprachen ergeben. 

In mehreren arbeiten ^ hat Heinr. Winkler die uralaltai- 
schen sprachen einzeln und vergleichend behandek. In der 



1 [Korrektumote.] In konzentrierter form stellt Winkler seine 
ansichten über diesbezügliche fragen dar in einem aufsatz in Keleti 
szemle 1900 132 ff., 195 ff., welcher mir jedoch vor der aus- 
arbeitung: dieser skizze nicht zu eesicht gekommen ist. 



144 O- Donner. 

ersten derselben („Uralaltaische Völker und sprachen", Berlin 
1884), stellt er eine kurze Übersicht und z. t. Charakterisierung 
der wesentlichsten allgemein-uralaltaischen eigentümlichkeiten 
derselben zusammen um einen ungefähren begriff von ihrem 
wesen zu geben (s. 92 — 100). Ausser den phonetischen, for- 
malen und anderen Übereinstimmungen, die er andeutet, findet 
er jedoch die wesentlichsten in der syntax, weshalb er alle 
dem dativbegriff dienenden und zu diesem in inniger beziehung 
stehenden elemente ausführlich untersucht. Bei dieser durch- 
musterung, betont er, ergeben sich die finnischen etc. sprachen 
deutlich als Weiterentwicklungen auf der im wesentlichen 
mit den östlichen auffallend gleichen grundlage (s. 100). Da 
hier die resultate der bisherigen forschung nur in äusserster 
kürze kritisch besprochen werden, kann auf die einzelheiten 
nicht näher eingegangen werden. Winkler' s Schriften bekun- 
den, wie sich F. Misteli ausdrückt, einen jeichtum an Stoff 
und gedanken, welche genugsam die anstrengung des lesers 
belohnen. Trotzdem und obwohl er im einzelnen vielfach dazu 
beigetragen hat, neues licht auf die sprachlichen erscheinungen 
des uralaltaischen zu ■werfen, kann ich ihm doch nicht darin 
beistimmen, dass der von ihm bezeichnete typus des uralaltai- 
schen Sprachbaues die genetische Verwandtschaft ihrer glieder 
beweise. Die flexionselemente sind nicht im allgemeinen stoff- 
wörter; wenn sie es aber auch gewesen sein sollten, so sind sie 
es doch nicht mehr, und die Umbildung bezeichnete dann hier eine 
ähnliche entwicklung wie auf anderen Sprachgebieten. Ebenso 
verhält es sich mit dem ursprünglich nominalen Charakter des 
Verbalausdrucks: in den westlichen gliedern ist dieser ent- 
schieden schon ein partizipial gedachter verbalstamm mit sub- 
jektiv gefassten pronominalanhängen wie auf verschiedenen 
anderen Sprachgebieten. Die ganze „innere sprachform" ist 
überhaupt eine sich entwickelnde, ein sprachliches bewusstsein, 
das verschiedene stufen aufzuweisen hat. Meines erachtens 
kann man daher nicht eine entwicklungsstufe, die psycholo- 
gisch ist, in fällen wo die spräche ähnlich gestaltet hat, für die 
beurteilung der Verwandtschaftsverhältnisse als ausschlaggebend 
in anspruch nehmen. 

Zu wiederholten malen hat Castren die ansieht \'on einer 
näheren Verwandtschaft der samojedischen sprachen mit den 



Die urulaltuischcn üpracht-n. 145 



finnischen als mit den übrigen uralaltaischen ausgesprochen. In 
der that betrachtete er das samojedische als mittelglied zwischen 
den finnisch-ugrischen und tatarischen sprachen, und seine be- 
wundernswürdige behandlung der fünf samojedsprachen bietet 
eine fülle grammatischer erscheinungen, welche diese auffassung 
unwiderleglich machen. Deklination, pronominalbildung, auch 
die bildung der dritten peison, der demonstratiwi, intei'i'ogati\a 
und des enklitischen frageworts, verschiedene modusaflixe, nega- 
tive konjugation und partikeln zeigen eine überiaschende Überein- 
stimmung in \-iel höherem grade als mit den übrigen uialaltai- 
schen sprachen. Ich habe diese Übereinstimmungen ausführ- 
licher behandelt in einem Vortrag auf dem Orientalistenkongresse 
zu Florenz im jähre 1878 (Die Samojedischen sprachen, Atti del 
IV Congresso intern, degli Orientalisti), dabei auch die von 
Castrex nachgewiesene ursprüngliche vokalharmonie des samo- 
jedischen erörtert. Ausser diesen phonetischen und formellen 
berührungspunkten, welche die beiden sprachzw^eige an einander 
reihen, habe ich aber im samojedischen dieselbe eigentümliche 
erscheinung nachgewiesen, die ich schon damals als gemein- 
schaftliches lautprinzip der finnisch-ugrischen sprachen bezeich- 
nen zu dürfen glaubte (.A.tti II 236. Vgl. Verf. Gegenseit. 
verw. der finn.-ugr. spr. 31—39) und welche gewöhnlich konso- 
nantenschwächung genannt wird. Setälä hat diesen in die 
lautverhältnisse der spräche so fief eingreifenden konsonanten- 
wechsel in seinen verschiedenen Stadien auf dem ganzen fin- 
nisch-ugrischen gebiete näher verfolgt und seine natur in treft'- 
lichster weise beleuchtet (Über quantitätswechsel im finnisch- 
ugrischen, J.SFOu. XIV 3, 1896). Ein lautgesetz aber, welches 
so durchgreifende bedeutung für die sprachliche gestaltung hat 
wie dieses, ist keine zufällige ähnlichkeit. Neben der vokalhar- 
monie gehört es zu den eigentümlichkeiten, welche der spräche 
ihre Individualität geben, und darf daher als wichtiges beweis- 
mittel für die relativ nähere Verwandtschaft des samojedischen 
mit den finnisch-ugrischen betrachtet werden. Nebenbei kann 
daran erinnert ^^ erden, dass sich auch in lexikalischer hinsieht ^ 

^ Die Verwandtschaft im wortvorrate der finniscli-u,a;rischen 
und samojedischen sprachen wurde von I. HalÄsz (NyK XXII u. 
XXIV, 1893 u. 1N94) ausluhrlicher behandelt. 

10 



146 O. DONNER. 



eine bedeutende anzahl von Wortübereinstimmungen nacliweisen 
lassen, worauf Castren sclion zu beginn seiner samojedischen 
Studien aufmerksam gemacht hat. 



Die vorliegende skizze kann sich nicht darauf einlassen 
die riesigen fortschritte der sprachlichen Untersuchung zu ver- 
folgen, welche während der letzten Jahrzehnte auf dem fin- 
nisch-ugrischen gebiete gemacht worden sind. Auch die türki- 
schen sprachen sind durch bedeutende forscher in ihrem laut- 
bestande und ihren sprachlichen erscheinungen immer klarer 
dargestellt worden. Mit der schnellen annäherung Mittel- und 
Ost-Asiens an Europa werden wohl auch die ferneren glieder 
der uralaltaischen sprachen einer vollständigeren bearbeitung 
unterzogen werden. Auf dem grund dieser einzelforschungen 
wird dann der weg gebahnt werden zur sicheren und mit streng- 
wissenschaftlicher methode durchgeführten beantwortung der 
frage nach den Verwandtschaftsverhältnissen der uralaltaischen 
sprachen. 

Helsiiigfors. 

O. Donner. 



■-S 




Wo und wann entstanden die finnischen 
zaaberliedep? 



IV. Finnisch-estnische parallelen. 

Im vergleich mit der enormen masse von epischen und 
lyrischen liedern, die sich bei den esten finden, ist die zahl 
ihrer beschwörungen überhaupt eine beschränkte, nicht volle 
■:] *'/o. Unter mehr als 50,000 nummern giebt es jedenfalls die 
hübsche summe von einem tausend und einigen hundert be- 
schwörungsformeln. Doch \\1rd diese anzahl gleich um mehrere 
hunderte von nummern reduziert durch reichliches vorkommen 
\on dubletten, tripletten und sogar zehnfachen aufzeichnungen 
(nicht Varianten) einer und derselben Überlieferung. Ausser 
einigen entlehnungen aus gedruckten quellen giebt es eine in 
kopien aus den verschiedensten gegenden erhaltene identische 
anzahl von beschwörungen, deren identische form nur durch 
das Vorhandensein älterer unter dem volke kursierender hand- 
schriften zu erklären ist. Eine noch viel grössere reduktion 
bewirkt die abrechnung der prosaischen Zaubersprüche, obgleich 
sich das numerische Verhältnis derselben zu den eigentlichen 
Zauberliedern wegen halb metrischer und allitterierender zwi- 
schenformen schwerlich genau bestimmen lässt. Jedenfalls wird 
der rest wieder bedeutend reduziert, wenn wir nur die estni- 
schen Zauberlieder in betracht ziehen, die mit den finnischen 
\er\\andt sind. 



148 I^ARLE KrOHN. 



Um die art der N'erwandtschaft zu bestimmen, ob sie eine 
Urverwandtschaft sei oder eine aus späterem verkehr der beiden 
Völker entstandene, müssen die tinnisch-estnischen parallelen 
einzeln, untersucht werden. 

Von den gemeinsamen zauberliedern kommen auf estni- 
schem gebiete nur zwei in einer etwas beträchtlicheren anzahl 
von x^arianten und auf einem grösseren areale verbreitet \'or: 
die beschwörungen wider Verrenkung und wider schlanoenbiss. 



a) Wider Verrenkung. 

In der beschwörung \\ider Verrenkung liegt die frage nach 
dem verhäknis des estnischen zauberliedes zum hnnischen am 
einfachsten, da von einem urbestande nicht die rede sein kann. 
Sie stammt aus einem germanischen Zauberspruche, welcher 
einen ganz christlichen Inhalt hat. Zu gründe liegt die biblische 
erzählung von der fahrt des Heilandes auf der eselin und ihrem 
füllen nach Jerusalem; wie der fuss des reittieres sich verrenkt 
habe und wieder geheilt worden sei, wird geschildert als ein 
gleichnis, welches auf den vorliegenden fall durch Sympathie 
heilend wirken soll. 

Am deutlichsten giebt diesen gedanken eine englische auf- 
zeichnung aus Devonshire kund (Kuhn Zschr. f. vergl. sprachf. 
XIII 54): As our blessed Lord and Saviour Jesus Christ \\'as 
riding into Jerusalem, His horse tripped and sprained his leg. 
Our blessed Lord and Saviour blessed it and said: „Bone to 
bone and vein to vein, o vein turn to thy rest again!'" M. X. 
so shall thine in the Name etc. 

Zwar giebt es eine scheinbar heidnische Variante dieses 
Zauberspruches, die bekannte Merseburger forme!: P(h)ol ende 
Uuodan vuorun zi holza, du uuart demo Balderes volon sin 
vuoz birenkit etc. Doch ist sie eine bloss scheinbar heidnische. 
Da Balder, wie Bdgge zeigt, als appellativum = Herr zu ver- 
stehen ist und Pol vh ist übergeschrieben) wohl einfach Paul 
bedeutet, so brauchen wir nur "Wodan als Substitut für (rott 
oder Heiland anzunehmen, um den gedanken ganz klar vor 
uns zu haben: „Paulus und Gott fuhren {=■ ritten) zum walde, 
da \\-ard dem füllen des Herrn sein fuss verrenkt". Es ist zu 



Wo und wann entstanden die finnischen zauberlieder? 149 

bemerken, dass sich diese formel in einer handschrift des 10. 
jahrh. mitten unter kirchlichen und frommen sätzen findet, also 
von einem mönche in rein christlicher zeit aufgeschrieben ist. 
Dass er den Wodan substituierte um nicht Gottes namen zu 
missbrauchen, ist sehr erklärlich. Auch die folgenden, teilweise 
unerklärten namen sind entweder für Substitutionen oder poe- 
tische ausschmückungen anzusehen, ähnlich wie vielfach in 
den alten isländischen liedern christliche legenden eine heidni- 
sche i^ibertünchung erhalten haben. 

Aber ganz abgesehen von der frage, ob der germanische 
Zauberspruch christlichen oder heidnischen Ursprungs ist, steht 
fest und sicher, dass er erst in christlicher zeit zu den finnen 
und esten gewandert ist. 

Dem finnischen zauberliede steht am nächsten ein schwe- 
discher Zauberspruch, nach welchem Jesus und Maria auf einem 
esel reiten (Bugge Studier I 550.) Jesus hat, wenn er nicht 
allein fährt — welche ursprünglichere form sich auch in Schwe- 
den erhalten hat (Porthan Op. sei. IV 193) — im finnischen 
die Jungfrau Maria bei sich. Der esel wird wohl selten aus- 
drücklich genannt, wie z. b. in einer Variante aus Süd-Tavast- 
land (K. F. Andersson n. 28): Jeesus ajaa aasilla, hürikalla 
hevosella. Regelmässig aber wird die parallelzeile 'auf dem 
mausfarbigen pferde' ange\\'andt und mit noch weiteren Um- 
schreibungen fortgesetzt, welche die graue färbe des esels mit 
der färbe des hechtes oder des schwarzen lachses vergleichen. 
Gewöhnlich reitet Jesus auf diesem tiere zur kirche, und in 
einer aufzeichnung wird erklärt, diese formel bezeichne die fahrt 
des Heilands auf der eselin nach Jerusalem (Tanttu n. 129). 

Dass das finnische zauberlied wider Verrenkung in West- 
finland entstanden ist und sich nach Ostfinland verbreitet hat, 
ist schon anderwärts bewiesen worden (Krohn Valv. 1891 
612 — 623). Von den unterwegs erhaltenen neuen zu.sätzen i.st 
hervorzuheben das motiv der Verrenkung: Pyy pyrähti, maa 
järähti, Jeesuksen syän särähti 'das haselhuhn fiog auf, die 
erde erbebte, Jesu herz zitterte'. Die fortsetzung in einer v^a- 
riante (Brander n. 30 aus Kides in Karelien): Jeesus pyyn pie- 
neksi kirosi, Jotta läpi sormuksen sopii, zeigt deutlich, dass 
die obigen Zeilen den poetischen kern einer kleinen prosalegende 
bilden. Das haselhuhn soll im anfang unserer Zeitrechnung \'on 



Kaarle Krohn. 



der grosse eines ochsen gewesen sein, vom Heiland aber, wel- 
chen es einmal erschreckt hatte, dazu verurteilt worden sein, 
solange die weit steht, kleiner und immer kleiner zu werden, 
bis es schliesslich mit ausgebreiteten flügeln durch einen tinger- 
ring schlüpfen kann. 

In einer ostfinnischen \-ariante w ird dem zauberliede diese 
legende ausdrücklich als erklärung beigegeben und noch hin- 
zugefügt, dass das kleinerwerden des haselhuhns durch den 
allmählichen schwund seines fleisches geschieht, welches auf die 
anderen vögel verteilt wird; das weissere fleisch der vögel auf 
beiden selten des rückgrates soll nach der meinung der alten 
leute vom haselhuhn stammen. „Dies muss man wissen und 
auch glauben, sonst hat der Zauberspruch keine kraft" (Hoti- 
nen n. 2). 

Durch Ostfinland ist dieses zauberlied mit den lutherischen 
einwanderern wärend der schwedischen eroberung (um 1600) 
nach Ingermanland gezogen. Dass es von dort auch über die 
estnische Sprachgrenze geschritten ist, erhellt schon aus der 
geographischen Verteilung der 25 estnischen exemplare, welche 
die erzählung von der fahrt des Heilands zur kirche in metri- 
scher form enthalten. 



Wiek 
o 


Harrien Jerwen 

O 2 


Wierl. ' 
4 


Ösel 
o 


Pernau Fellin 
o 7 


Dorpat 


Ulli: 


estimmt 5. 


i 
Werro 





"W (Wierland) 1 \'aivara (Hurt ser. II bd. 37 pag. 81). — 
2 Lüganuse (III i 596). — 3 Lüganiise {l\ 4 49). — 4 Nigula 
(II 34 287). 

J (Jerwen I 1 Ambla (III 12 56 ij. — 2 Peetri (iSIML n. 
26 B). 

ND (Xorddörpt.) 1 Laiuse (III 9 205). — 2 Palamuse (UI 
15 103). — 3 Kiusi (II 27 102 ). — 4 Kursi (III 21 288). 



Wo und wann entstanden die finnischen zauberlieder? 15 1 

SD (Süddörpt.) 1 Piihja illl 10 69). — 2 Rannu ill 30 544). 
— 3 Sangaste (II 44 699). 

NF fNordfellin.) 1 Pilistvere (111 14 649). — 2 Suure-Jaani 
(II 43 412). — 3 Kolga-Jaani (III 14 753)- 

SF (Südfellin.) 1 Viljandi (II. 26 193). — 2 Paistu (III 20 
365 (. — 3 Tarvastu (I 3 438). — 4 Helme (III 6 153J. 

X (Unbestimmbarer ort) 1—3 (II 30 127 1=1 III 22 177 rz: II 
22 1050). — ■ 4 — 5 (;MML n. 26 A u. D). Kreutzwalds angäbe: 
aus dem dorfe Kutschina in Pleskau» kann unmöglich richtig sein, 
öljgleich auch im entsprechenden manuskript (mit den nummern 
der MML: 15, 13 D, E, 18. 14 A. 26 A, D, 24, 19, 29, 25 B, 
22, 21, 20, 23, 31, 33, 34, 32 Ai von ihm angemerkt ist: j-von 
t'inem Kutschinschen Ehsten». Nach 32 A folgt im manuskript 
noch 32 B, welches laut MML. in Strand-Wierland von ihm selbst 
aufgezeichnet worden ist. Sowohl sprach- als liederform jener 
nummern widerstreiten der annähme des pleskauschen Ursprungs. 
Zu l:)emerken ist, dass MML n. 3: das lied von der grossen eiche, 
angeblich auch aus Pleskau stammt, dabei aber eine form auf- 
weist, die allgemein in Wierland, nie jedoch im pleskauschen vor- 
kommt. 

Den finnischen Ursprung dieser estnischen exemplare be- 
weist aber am deutlichsten ein vergleich der einzelnen Zeilen 
mit den entsprechenden im finnischen zauberliede. 

1. Jeesus kirkkohon ajavi (A) 1. menevi (B). 'Jesus 
fährt od. begiebt sich zur kirche.' Von den beiden in Flnland 
gebräuchlichen formen ist in Ingermanland B die vorwiegende. 
Im estnischen ist dieselbe ausschliesslich anzutreffen, z. b. Jee- 
sus kirkoje menesse (W 1) und Jeesus kiriku mine (J 1). 
Anzumerken ist, dass die dem finnischen näher stehende form 
des Wortes kirche sich in allen wierländischen aufzeichnungen 
erhalten hat: kirkui, kerkuje, kirku (W 2—4, vgl. noch SD 3: 
kerkude). In den übrigen hat die genuin estnische, aber me- 
trisch unpassende form kiriku überhand genommen. 

2. Maarian kanssa messuhun; Maaria messuhun menevi 
I. matavi. 'Mit Maria zur messe; Maria begiebt sich oder reist 
zur messe.' Diese parallelzeile ist nicht nach Ingermanland 
gedrungen, wahrscheinlich wegen des wortes messe, welches 
besonders den griechisch-katholischen sängern, welche nie 
romisch-katholisch gewesen sind, unverständlich war. Die zeile 



Kaarle Krohn. 



fehlt auch im estnischen. In der hauptzeile (1) kommt aber 
eine vom finnischen unabhängige Substitution: Jesus >> Maria, 
vor: Mari läks ratsiüa kiriku (NP" 1); vgl. ingermanl. (Porkka 
III n. 222) Luoja ratsaalla ajaa der Schöpfer fährt zu pferde". 

3. Jouluhuomenna varahin; Aamulla anivarahin, sunnun- 
taiiia hviomenessa ; Suntakaamvma varahin. 'Am weihnachts- 
morgen früh; früh am sonntagmorgen." Diesen im finnischen 
sporadisch \orkomm enden Zeilen, von welchen die letzte varia- 
fion in Südkarelien auf der grenze von Ingermanland ange- 
troffen worden ist (Europceus J. n. 311), entspricht in dreien 
estnischen aufzeichnungen: pühapääva hommikul iW 4, ND 2, 
NF 3). 

4. Hevosella hürikolla (A), hürakalla (B), hürevällä (C), 
hitroisella (Dj "auf einemi mausfarbigen pferde". In Westfin- 
land ist var. A vorwiegend, in Ingermanland B allgemein. 
\^ar. C kommt manchmal in Ostfinland \"or und aus D, welche 
bei den ansiedlern in W'ermland (Schweden) auch in der form 
hürisellä (Suomi II 11 240) x'orkommt, ist die gewöhnlichste ost- 
finnische form hirvisellä (hüri >■ hirvi = elentier) entstanden. — 
Die estnischen aufzeichnungen setzen teilweise var. C und 
hauptsächlich D voraus. Der ersteren entsprechen: hobosella 
hüre valla (W 2) und hobusüla hüravilla (W 3); der letzteren 
zunächst: hobusele idirusele (SD 1), hobosella jeerussella 
(W 1) und obesida ürusida (ND 3). Anstatt des pferdes im 
allgemeinen wird aber im estnischen öfter der graue (halli) sub- 
stituiert, wodurch folgende Variationen entstehen : hürulagi halli- 
lagi (ND 2), üruselle aUiselle (NF 2), hallisile hürusele iSF 4). 
Da abei" das adjektiv ürune im estnischen nicht existiert (vgl. 
schon in W'ierland hüre valla in zwei Wörtern), so ist es leicht 
erklärlich, dass aus der pluralform ürusilla das wort sild, silla 
"brücke" herausgeschieden wurde und ex analogia auch aus 
dem bekannteren worte aUisilla: üru süla alle süla (SD 2), 
welches letztere die bedeutung unter die brücke erhielt. 
Noch deutlicher kommt die Vorstellung der brücke in der 
verdrehten form: ilu süda alu (ailu od. aüo) silda (N 1 — 3) zum 
Vorschein, wo auch das erste wort mit 1 statt r eine bedeu- 
tung, und zwar die des schönen, erhalten hat. Die umge- 
kehrte substituierung des r für 1 im zweiten worte hat noch 
folgende formen gezeitigt: irussilla arassilla (ND 1 1, eeruselle 



Wo und wann entstanden die ünnischen zauberliedcr? 153 



aaruselle (X 4) und keeruselle viiruselle (NF 1), welche ebenso 
sinnlos sind wie die zeile: iljuselle aljuselle (J 2). Wir sehen 
also, wie die verständlichsten und dem finnischen ähnlichsten 
formen besonders in Wierland zu finden sind und mit der zuneh- 
menden entfernung unxerständlicher werden. 

5, Kalahauvin karvaisella mit dem hechtfarbigen'. Diese 
auf finnischem boden überall vorkommende zeile ist im estni- 
schen innerhalb des Wierländischen und Xordörptschen begrenzt : 
kala awi karvatsella (W 3, 2), kala halli karvasella (W 1) und 
kalu alli kaarnasilla (ND 1). Eine mischform aus finn. 4 und 
.") bietet: kala ürikarvaselle (X 4). Für eine reminiscenz dieser 
zeile kann noch fXF 1): kure karva kimmelille " kranichfarbiger 
Schimmel' angesehen werden. 

6. Lohen (A) 1. Maon (B) mustan muotoisella 'in der 
form des schwarzen lachses od. schlänge'. Var. A ist die all- 
gemeine und regelmässige form in Finland und Ingermanland. 
\'ar. B kommt nur im westlichen Ingermanland vor und auch 
dort selten (z. b. Länkelä IV. n. 18). Sie ist entstanden durch 
den einfluss der zauberlieder wider schlangenbiss : mato musta 
maanalainen, und gegen brandwunden, woselbst der blitz mit 
einer schwarzen und einer bunten schlänge verglichen wird: 
iski mustalla maolla, kirjavalla käärmehellä. Im estnischen ent- 
sprechen der var. A: lohe musta moodusella (W 2) und moo- 
ruselle (X 4). Öfter ist B vertreten: madu musta moodvitsella 
(W 3), moa musta mudasella (J 2), m.aa oli m.usta moto- 
silda (X 1, 3), in welchen nicht nur das unbekannte finnische 
wort muoto "form' verdreht, sondern auch infolge dessen das 
bekannte mato >> madu durch maa 'erde' ersetzt ist (J 2 könnte 
übersetzt werden: schlammfarbe der schwarzen erde). Am 
öftesten aber tritt das adjektiv musta schwarz^ ohne substanti\' 
auf: mustuseUe mooduselle (XP" 2), musta silla mutsu silla 
(SD 2), süsimusta moodusele (SD 1), auch moorussilla (ND 1) 
oder mudusida (SD 3), und noch murulande mustalagi (XD 2). 
Eine eigentümliche Verdrehung von finn. 4 und 6 kommt im 
Fellinschen vor: eleda iilgusega, Moosese mustusega (SF 1). 

Besonders im Fellinschen, aber auch im Dörptschen, kom- 
men zu finn. 4 und 6 noch neugebildete zusätze, welche 
gew<)hnlich die rote färbe des pferdes hervorheben, die zum 
ursprünglichen gedanken: grauer Esel nicht im mindesten 



154 Kaaele Krohn. 



passt: punaselle pooduselle (NF 2), punasile pullisile (SF 4, 
auch 3), tuulutas oder tuhkviri tulipunasele (ND 2, SD 1). 
r^Ianchmal wird nebenbei noch die blaue färbe erwähnt: sini- 
süe siirusile oder sillesüe (SF 3, 4). Die letzte form, \\'elche 
den gedanken einer blauen brücke hervorruft, könnte viel- 
leicht das auftreten der blauen und roten färbe erklären. In 
ostfinnischen Varianten, wennschon nicht in ingermanländischen, 
reitet der Heiland auf einer blauen und roten brücke: sivussa 
sinisen sülan, päässä portahan ptinaisen, als dem pferde das 
Unglück geschieht. Doch können diese beiden färben einfach 
durch einfluss zweier unten angeführter Zeilen, in welchen von 
blauem und rotem zwirn die rede ist, entstanden sein. Jeden- 
falls erscheint in einer norddörptschen \-ariante deutlich die 
brücke auf dem steinigen wege zur kirche: kivised kirikvisillad, 
paadised papitänavad (XD 3), die sicherlich von der sowohl in 
"W^est- als Ostfinland allgemeinen, aber in Ingermanland auch 
nicht vorhandenen, zeile: kivisellä kirkkotiellä (im westfinn. 
auch k. sillalla z. b. Pirilä n. 82) herstammen. 

7. Pyy pyrähti, maa järähti 'das haselhuhn flog auf, die 
erde erbebte". — 8. Tetri metsästä temahti 'das birkhuhn flog 
auf aus dem walde". Finn. 7 ist, wie oben erklärt, ein ost- 
tinnischer zusatz. Finn. 8 ist eine im \\'estlichen Ingermanland 
angehängte parallelzeile. Beide zusammen kommen auch im 
ersten wierländischen exemplare vor: tedre lendis tee suusta, 
püü peresti mättasta (W \). Eine Verschmelzung beider ist 
noch in W'ierland vertreten: püi hinnab, mets puriseb iW" 4). 
Eine spur von finn. 8 ist vielleicht noch im Dörptschen vor- 
handen: ttilli vasta mütsa mätsä (SD 3). Der finn. zeile 7 
entsprechen: püi pürises, maa mürises (XD 3, 4, vgl. 2), auch 
puu bäum" pur. (SD 1, SF 3), und tui "taube" lendas (XD 1), 
noch püss flinte' pöratas od. pikne "donner" pörutas, maa 
müratas (XF 3, SF 2): obsl piibli ratas, maami ratas (XF 2). 

9. Jeesuksen syän särähti (A) 'Jesu herz zitterte': Jee- 
suksen hepo pelästyi (B) od. heponen kuohtui (C) "Jesu 
pferd erschrak'. \'ar. A ist die ursprüngliche aus der er\\'ähn- 
ten legende stammende form. In Südkarelien und Nordinger- 
manland (B) ist die Wirkung des erschreckens des Heilands 
natürlicher weise auf das pferd übertragen worden, und somit 
die \-erschmelzuns; des neuen Zusatzes zustande gebracht; die 



Wo und wann entstanden die finnischen zauberlieder? 155 

westingermanländische form C ist nur eine sprachliche Variation. 
Der var. B entsprechen alle wierländischen formen : Jeesuse hobo 
pelästi oder pelasti (W 1, 4), auch elasti (W 3), mit der pa- 
rallelzeile: pöllii peenarta pelasti 'erschrak vor dem feldrande'. 
An C erinnert nur ein nordfellinsches exemplar: obo kohkos 
(NF 3). Sonst ist diese zeile noch in einer norddörptschen 
aufzeichnung vorhanden: hobu halli ehmatelles (ND 2). 

10. Hiveltyi (A), Niveltyi (B), Hiiikahtiii (C) od. Niu- 
kahtiii (D) hevosen jalka "der fuss des pferdes ward verrenkt'. 
\'ar. A ist die in West- und Ostfinland aligemeine. \'ar. B 
und C kommen in Ostfinland manchmal, D öfters vor. Letz- 
tere ist regelmässig in Ingermanland. Statt niukahtm finden 
wir zuweilen auch die form niukastui. Dieser entsprechen im 
estnischen zunächst: nikastas obuse jala (X 4), hobu jalga 
nikastas (J 1) oder niksatasi (SD 2), niksati (SF 3). 

11. Jeesus maahan ratsahilta (A) 1. rattahilta (B) 'Jesus 
herunter vom pferderücken od. karren'. Auch: Maaria m. r. 
'('). Var. B ist in Westfinland nur phonetisch: tt < ts, mit 
rattahilta wurde 'vom pferde' gemeint. Diese haben aber die 
Ostfinnen, bei denen ts andere Vertretungen hat, missverstan- 
den als aus rattaat 'karren" gebildet. In Ingermanland ist 
sow^ohl A, gewöhnlich im singular ratsahalta, als B vertreten. 
Beide formen kommen auch im estnischen vor. Der ersteren 
entsprechen: Jeesus maha ratsueli (W 1), auch ratsu alle 
(\\^ 2) und ratsuselta (NF 2); Jeesus ratsulta mahaje (\V 3) 
oder rabises (ND 4); J. ratsa alla (ND 1). Der einfluss von 
B ist festgestellt nicht nur durch die Übersetzung des finnischen 
Wortes rattahilta mit vankrielta (W 4), sondern auch durch 
direkte Übertragung (X 4): Jeesus maha rattaaUa (handschr. 
ratta alla). Sogar var. C ist in Estland bezeugt (J 2): Maarja 
jäi maale rattaalla (handschr. ratta aUa); vgl. auch: murri 
maha rutaüda (X 1 — 2) und murdis maha rutusüda (X 3). 

12. Lvikemahan, laulamahan "besprechen, besingen". In 
Ostfinland und Ingermanland gebräuchlicher vorsatz zur näch- 
sten zeile; hat im estnischen folgende variaüonen: lugema 
laulma (NF 3, SF 2), lugemaie lausumaie (W 1, 2, 3, ND 2, 
NF 2), obo jalga lausemaie (X 4) oder katsumaie (W 4). 

13. Siionia sovittamahan 'die sehnen anzupassen". Dieser 
im finnischen allgemeinen zeile entsprechen in dem ersten wier- 



I :;6 K.\ARLE Krohn. 



ländischen exemplare: soonije sohitsemaie (W 1) und in einem 
norddörptschen : sooni kokku sobistama (XD 2). Sonst aber wird 
das unverständliche wort sovittaa "anpassen" zu soovima oder 
soovitama "wünschen, empfehlen' verdreht, und infolge dessen 
auch das bekannte wort suoni — - soon "Sehne' in suu 'Mund 
oder söna 'Wort' verändert: suust soovimata (X 1 — 3), suuni 
suunma iXF 3), sönii sonima sönii soovima (.SF 2). Das 
kr)stlichste missverständnis kommt jedoch in einer der Kreutz- 
waldschen aufzeichnungen vor (J 2): Sohvia ei soovitamaie 
(übersetzt: nicht zu wünschen wusste Sofia), handschr. Sohvia 
ei sovita Maie 'Sofie empfiehlt nicht Maie', welches nicht nur 
falsch gehört sondern auch falsch geschrieben und gelesen sein 
muss. Oh ist die bezeichnung von ö; das folgende v ein 
schreib- oder lesefehler statt n; ia -[- ei vielleicht statt ije; so(o)- 
vitamaie fälschlich in zwei Wörter geteilt. Somit erhalten wir: 
soonije soovitamaie, welche form der finnischen am allernäch- 
sten steht. 

14. Lihoja hittelemähän (A); Lihaa, luita hittäm.ähän iB). 
15. Jäseniä jatkamahan (A) 1. üittämähän (B). Schon in 
Westfinland werden die Wörter hha "Fleisch u. luu 'knochen' 
mit dem allitterierenden worte Hittää zusammenfügen" und 
ebenso jäsen 'Glied" mit jatkaa 'verlängern' \"erbunden. Die 
misch form 15 B kommt in Ostfinland vor und ist in Inger- 
manland die regelmässige. Im estnischen treten finn. 14 
und 15 deutlich gesondert auf: tule luide lütemaie, jäsemida 
jätkamaie (SD 1); liha luida hitemaie, sooni sorima, jäsemid 
jägama (XF 2); jässotimed jötkama (XD 2). In einer wier- 
ländischen aufzeichnung iW 3) finden wir am Schlüsse noch 
die Zeilenfolge: kus on hige higastannd, sinne Uige higastagu, 
knst on jäse jälgestaniid, sinne jäse jälgestagu, welche den in 
Ostfinland, wennschon nicht in Ingermanland. allgemein vor- 
kommenden Zeilen: kust' on Hha Liikahtanna, sühen Uha liika- 
huta oder lüttyköhön, kust' on jäsen järkähtännä, sühen jäsen 
järkähytä oder järkähtäköön, vollkommen entspricht, mit der 
verändei'ung von liha "fieisch" zu lüge "gelenk" als parallelwort 
zu jäse "glied . 

16. Siteli 1. sitelen sinisen langan "er band od. ich binde 
den blauen zwirn'. — 17. Pujotti 1. puheh pnnaisen langan 
'lädelte durch od. besprach den roten zwirn". — 18. Langan 



Wo und wann entstanden die tinnischen zauberlieder? 157 

valkoisen valutti zog heraus den weissen zwirn". Diese dritte 
zeile ist ein seltener zusatz; zuweilen ist noch von schwarzem 
zwirn die rede. Recht allgemein sind auch die zw'ei ersten 
Zeilen erst in Ingermanland. Die erklärung dieser zeilen giebt 
der abergläubische gebrauch, zwirne mit knoten in verschiede- 
nen färben um die \"errenkte stelle zu umwinden. Auf estni- 
schem gebiet kommen dreizeilige formen in Wierland vor: ma 
sion sinise longa, poetan punase longa, vahelt pistän valge 
longa ( \V 2) und sidus s. 1., punus p. 1., keerutelle koldusella 
(W 4); ausserdem in einer Kreutz\\'aldschen aufzeichnung: sini- 
sega siduda, punasega punuda, kollasega kokko panna (X 5). 
\'ariationen der zwei ersten zeilen kommen noch in allen nord- 
dörptschen, einem süddörptschen (SD 2) und zwei südfellinschen 
iSF 4, 3) exemplaren vor, in der letzten z. b. pnhu nie punatse 
longa, seo nie sinitse longa. 

Aus der vergleichung dieser einzelnen zeilen im tinnischen 
und im estnischen zauberliede erhellt nicht nur, dass das est- 
nische aus dem finnischen entlehnt ist, sondern zugleich offen- 
bart sich der weg und die zeit der entlehnung. Die estnische 
form ist nicht direkt aus Westfinland übers meer herüber- 
gekommen, sondern stammt aus der ostfinnischen form und 
hat somit den langen umweg über „die karelische landzunge'" 
gemacht. Die estnische schliesst sich natürlich zunächst an die 
ingermanländische form (bes. z. 6, 8) an. Doch hat sie einige 
Züge der ostfinnischen Überlieferung erhalten, welche im west- 
lichen Ingermanland vergessen oder verändert worden sind 
iz. .'3, 9). Besonders ist zu bemerken, dass dieselbe an der 
entwicklung der westingermanländischen form, in welcher der 
Heiland zuerst überall nach einem kenner und könner (tietä- 
jäistä, taitajaista) sucht, bevor er sich selbst zum arzte macht, 
nicht teilgenommen hat. Das finnische zauberlied muss also 
\'or dieser entwicklung, wahrscheinlich schon bei seiner an- 
kunft in Ingermanland, unmittelbar über die estnische grenze 
weitergewandert sein. 

Die finnische herkunft des estnischen zauberliedes wird 
noch bestätigt durch das Vorhandensein einer prosaischen form, 
welche eine von dem finnischen unabhängige, direkte entleh- 
nung aus dem germanischen Zauberspruche ist. Gewöhnlich 
erscheint hier neben Jesus Petrus. In einer aufzeichnung 



m8 Kaarle Krohn. 



(WiEDEMAXN Aus dem inn. u. äuss. Leben d. Ehsten 402) fah- 
ren beide auf dem kirchenwege und ihr esel verstaucht 
sich den fuss. In einer anderen Variante (Hurt Gross-Quart 
I'IO aus Paide in Jerwen) wandern sie hoch oben auf dem 
berge Jerusalems. Zuweilen hat sich in diese prosaische form 
eine zeile und zwar die genuin finnische vom haselhuhn aus 
der metrischen verirrt; Jeesus söitis mööda Tabori mäge, Maa 
mürinal, püü pürinal etc. oder Eesus könd jungridega niägesid 
müödä, Obu söitis silda müödä, Obu hirnat, jalg niksat, Puu 
pvirati, maa müräti, Obu jalga niksati etc. (H. II 22 412 aus 
Hailiste im Pernauschen und I 3 314 aus Tarvastu im F'ellin- 
schen; vgl. I 7 264 = 111 18 381^=111 23 840). 

Schliesslich ist zu bemerken, dass auch im estnischen 
dem Zauberspruche wider Verrenkung zuweilen selbständig die 
metrische form angepasst ist, z. b. (H. II 20 541 von J. Peter- 
sen aus Vändra im Fellinschen). 

Jeesus niinede niduja, Jesus umbinder des bastes, 

Maarja soonede siduja, Maria verbinder der sehnen, 

Pauulus paegale paneja. Paulus anpasser an die stelle. 



b) Wider schlangenbiss. 

Von dem finnischen zauberliede wider schlangenbiss ist 
eine ausführliche monographie unter arbeit, weshalb ich mich 
damit begnüge mit einigen andeutungen meinen Standpunkt zu 
diesem liede festzustellen. Sowohl die Ursprungsworte als die 
beschwörung der schlänge haben ihre gegenstücke im est- 
nischen. 

Der Ursprung der schlänge aus dem geifer des Judas 
Ischariot durch den Heiland auf Petrus' bitte ist der im finnischen 
gewöhnlichste. Gerade dieser kommt auch im estnischen \'or. 
Vollständiger ist er aber nur in prosaischer form 4 mal auf- 
gezeichnet: in Wierland (s. unten), Nord-Fellin (H. II 43 411), 
Harrien (H. II 16 130) und aus der nordöstlichen ecke (X'ändra) 
des pernauschen kreises (H. II 20 zw. 576—625 märchen n. 7). 
In den beiden ersteren geht die beschwörung der schlänge der 
prosaischen erklärung voran. 



Wo und wann entstanden die finnischen zauberlieder? 159 



Die metrische ist nur als bruchstück \-on höchstens sechs 
Zeilen erhalten, hauptsächlich in W^ierland und sporadisch in 
der nächsten umgegend: 

Wierland 1 Vaivara (H. II 37 82). — 2 Johvi dll i 4211. 
— 3 Haljala (III 12 2361. 

Jerwen 1 Peetri (MML n. 13 B; vgl. C angeblich aus Wier- 
land». 

Nordfellin. 1 Pilistvere (III 7 460). 

Norddörpt. (?) 1 Kodavere (MML n. 13 A). 

X (Unbestimmbarer ort) 1 (MML n. 13 D). — 2 — 6 (H. II 
22 624 ^17 266 = II 30 zw. 125 — 7 n. 5 = III 22 17 = in 
22 176). 

Die östlichste \\'ierländische Variante (W 1) enthält sechs 
Zeilen; es sei bemerkt, dass diesen ausser der beschwörung 
der schlänge noch das besprechen der biene folgt (wie auch 
W 2). Unmittelbar im selben manuskripte geht diesem zau- 
berliede das von den finnen entlehnte wider Verrenkung voraus 
(vgl. auch J 1, X 1). Das zweite wierländische exemplar 
hat vom Ursprünge der schlänge vier, das dritte nur drei 
Zeilen. Die angeblich norddörptsche komposition (s. FUF" I 1 
69) hat auch nicht mehr als drei hierher gehörende Zeilen 
(z. 29, 32, 33). Die übrigen bezeichnen mit zweien oder nur 
einer zeile, dass die schlänge vom bösen geiste stamme. Zu 
bemerken ist die Vertretung der finnischen zeile: kuola juoksi 
konnan suusta 'geifer floss aus des bösewichts munde", welche 
in Wierland wörtlich erhalten: ku ola juoksis konna suusta 
(\V 3, vrgl. 2) oder richtig übertragen ist: 00 sina kuradi "des 
icufcls' koola (\V 1), aber weiterhin durch missverständnis des 
ligürlich angewandten Wortes konna kröte >> bösewicht' ver- 
dreht worden ist: koolnvid konna kudusta 'aus gestorbener 
kröte laich" (J 1; vgl. NF 1, ND 1). 

Die Ursprungsworte der schlänge sind unzweifelhaft christ- 
lichen inhalts, welcher schon die möglichkeit einer Urgemein- 
schaft zwischen den finnen und esten unannehmbar macht. 
Ivine selbständige entlehnung beiderseits aus der germanischen 
\olkstradition wäre nicht undenkbar, besonders in hinsieht auf 
die estnische prosaform. Doch ist es kaum denkbar, dass die 
cNten die legende selbständig und zwar bloss die einleitung der- 



i6o Kaarle Krohn. 



selben versifiziert hätten. Ganz unmöglich ist, dass die tinnen 
diese Zeilen entlehnt und mit der \-ersifizierung fortgesetzt hät- 
ten. Es bleibt somit als einzige annähme, dass die wahr- 
scheinlich germanische legende in Finland eine metrische form 
angenommen hat und durch Ingermanland als bruchstück zu 
den esten gewandert ist. 

Was aber die beschwörungsworte der schlänge betrifft, so 
hat XiEMi (Mr. 1899 61) eine entgegengesetzte ansieht aus- 
gesprochen, dass nämlich dieselben im estnischen ursprünglicher 
als im finnischen seien. Da er die erste charakteristische zeile: 
mato nmsta maan alainen 'schwarze schlänge, unterirdische" 
für den ausgangspunkt der übrigen hält, muss ich die estni- 
schen beschwörungen, in welchen diese zeile vorkommt, kurz 
besprechen. 

Die „schwarze schlänge" habe ich in 29 aufzeichnungen 
angetroffen. 

Wierland 1 \'aivara (H. III i 36). — 2 JOhvi dll i 42 ii. 

— 3 Lüganuse (Weske, aus Kestla n. 21). — 4 — 5 Xigula (H. II 
34 289 und 628). — 6 Haljala (II 38 2121. — 7 Jaagupi ill 
10 577>- 

Jerwen 1 Ambla (III 4 163). — 2 Järva-Jaani dl 13 733). 

— 3 Paide (II 38 872,). — 4 Peetri (MML n. 13 B; vgl. C. 

Harrien (Ost) 1 Joelähtme dll 3 38). — 2 Harju-Jaani dl 
15 651). 

Pernauscher kreis 1 — 2 1 Nord-Ost i \'ändra dl 42 119 und 

III 24 20). 

Nordfellinseh. 1 — 3 Pilistvere (III 14 649, 21 211 und 

IV 4 865). — 4 Pöltsama (II 26 1059). — 5 — 6 Kolga-Jaani (III 
7 754 u. 755'- 

Südfellinsch. 1 Tarvastu dl 49 124). 

Dörptscher kreis 1 (Nord) Kodavere (MML n. 13 Ai. — 2 

iSüdi Tartu-Maarja (H. III 9 4801. 

Werroscher kreis 1 Urvaste dll 9 7451. 

X (Unbestimmbarer ort) 1 — 2 (Wiedemanx 4051. — 3 — 4 
(Niemi II n. 1796 — 7 handschrift mit alter Orthographie; kopien n. 
1703 — 4, und 1093 — 4 aus Kärla in Ösel). 



Wo und wann entstanden die finnischen zauberlieder : 



i6r 



i 2 I 4 I 7 

, 2 i 6 1 

I 1 I 
I 



Schon diese Verbreitung der beschwörungsworte mit der 
des Ursprungs der schlänge verglichen weist auf die möglich- 
keit hin, dass beide zu gleicher zeit und zusammen von den 
tinnen zu den esten gewandert sind. Mit einander verbunden 
kommen sie vier mal, in Wierland (W 2, 3), Jerwen (J 4) 
und Norddörptschen (D 1) vor. Das zauberlied wider Verren- 
kung kommt in demselben manuskripte in einem wierländischen 
(W 4), einem jerwenschen (J 4) und einem nordfellinschen 
(NF 1) vor. 

Als beispiel möge eine abschrift aus der leider grössten- 
teils verlorenen Sammlung von M. Weske, w^elche mir im j. 
1883 erlaubt war zu katalogisieren und zu kopieren, vollständig 
abgedruckt werden (\V 3). 



Ussi sonad. 

Madu musta maa-alene, 

Kirjava kive-alene, 
Läbi kännäste kävijä, 

Alle mätäste asuja, 
Puujuuride pugeja. 

Luulid puiida purresta, 
Paju juurda pannesta, 
Ebäd puuda purrudgi, 
Paju juurd' et pannudgi; 
Purid liiojusse i1:)ija. 



Schlangenworte. 

Schwarze .schlänge unterm 
schlämme. 
Bunte schlänge unterm steine. 
Die du wanderst durch baum- 

stämme, 
Wohnest unter rasenstücken, 
Schlüpfest zwischen baumes- 

wurzeln. 
Dachtest du ins holz zu beissen,. 
Weidenwurzeln zu verwunden. 
Du ins holz hast nicht gebissen, 
Weidenwurzeln nicht verwundet, 
Hast dem vieh die haut ge- 
stochen. 



l62 



Kaarle Krohn. 



Püörä kuldesid nenija, 
Töidäsä äbenemaie, 
Pillujasa piilemaie. 
Vo karva, orasse karva, 
Sirepiui, sarapuu karva. 

Kulu karva, kuUa karva, 
Maa karva, mulla karva, 
Rohu karva, rooja karva, 
Paha karva, parra karva, 
Ilvesse, jänesse karva. 



Wende deine gold'nen spitzen 
Ihrer thaten sich zu schämen, 
Im versteck vor bösen thaten. 
Nebelfarbne, saatgrasfarbne, 
Naschbaumfarbne, nussbaum- 

farbne, 
Dürrgrasstarbne und goldfarbne. 
Erdefarbne, humusfarbne, 
Grasgrünfarbne, unflatfarbne. 
Auch des bösen, bartes farbne. 
Und des hichses, hasen farbne. 



Laulik naiiTe teatas järgmisi 
rahva arvamisi ussist. 



Kuri vaim magand kivi pääl, 
jätnud kuola lilai kivi pääle; sealt 
saanud uss. 



Jeesus üehiud Peetrusele : 
»pistä sörm tämä suhu». Peetrus 
pistnud sörme ussi suhu ja hüid- 
nud siis: »ai ai se on kibe!» 
Jeesus saatnud Peetrusele nöia- 
naise juure; naine teinud sorme 
terveks. 



Ussid vötavad maaviha välja 
ja konnad veeviha, muidu oleks 
kihvti rohud ja veed täis ja ini- 
mesed ja elajad ei vöiks elada. 



Die Sängerin kannte folgen- 
den Volksglauben inlietreft" der 
schlänge. 

Der böse geist, welcher auf 
einem steine geschlafen, hat auf 
demselben geifer zurückgelassen ; 
aus diesem ist die schlänge ent- 
standen. 

Jesus hat zu Petrus gesagt: 
»stecke dieser deinen finger in 
den mund». Petrus hat seinen 
finger in den mund der schlänge 
gesteckt und sogleich geschrieen : 
»au weh, es schmerzt!» Jesus hat 
um Petrus zu helfen ein zauber- 
weib herbeigeholt; dieses hat den 
finger gesund gemacht. 

Die schlangen absorbieren 
den krankheitsstoff der erde und 
die kröten den des wassers, sonst 
wären alle kräuter und gewässer 
voll von gift, und weder mensch 
noch vieh könnte leben. 



Dass diese zeilen einen finnischen klang haben, hört man 
beim ersten lesen. In der zeile pillujasa piilemaie << finn. pillo- 
jansa pülemähän sind beide Wörter im estnischen ungebräuch- 
lich. In seiner finnischen bedeutung wird hier auch das \\-ort 
liiulid angewandt. Die mit diesem \\-orte anfangende zeilen- 
reihe (luvdid — ebäd — panid) ist nur in Wierland (W 5 auch 
luiüid, W 2 statt dessen mötlid) und im Norddörptschen (D 1 



Wo und wann entstanden die finnischen zauberlieder? 163 

arwid) erhalten, welcher umstand ihren finnischen Ursprung 
noch bestätigt. Ebenso kommt die epithetenkette a) läbi kän- 
naste kävija (auch W 1 — 2), b) alle mätaste asuja (W 1 — 2 
läbi m. mänija), c) puujuiiride pugeja (W 2 läbi puiessa p.), 
welche den finnischen Zeilen: läpi kannon kaivelija, läpi mät- 
tähän menijä, puunjuuren pujottelija entsprechen, ausserhalb 
Wierlands nur in einer aufzeichnung aus Jerwen (J 1 bloss 
eine, aus b und c gemischte zeile) läbi mätete pugeja und in 
einer anderen aus dem Nordfellinschen (NF 6: b und c gemischt, 
a verändert) allta sammelde ajaja, allta mätaste pugeja, ümmer 
kannu keerutaja. 

Das angeführte (vgl. auch FUF I 1 69—70) möge genü- 
gen um meine ansieht zu erklären, dass auch dieses zauberlied 
wider schlangenbiss von Finland nach Estland durch Inger- 
manland gewandert ist, \\'ahrscheinlich zur selben zeit wie das 
zauberlied wider Verrenkung. 



c) Zur heilung der brandwunde. 

Der im finnischen so allgemein gebräuchlichen beschwö- 
rung des feuers entspricht im estnischen ein einziges vollstän- 
dig und gut erhaltenes exemplar, welches ausserhalb Estlands 
im Jamburgschen kreise Ingermanlands aufgezeichnet worden 
ist. Finnische wortformen wie valgija, kattila und Wortbedeu- 
tungen wie die von tuima, katsumaie bezeugen allzudeutlich 
seinen Ursprung, sodass aller zu'eifel ausgeschlossen ist. 



Tule sanad. Beschwörung des feuers. 

Kas tunned tule sanuja, Ob du kennst des feuers worte, 

Taijad rauva tarbeeida? Weisst das nöt'ge wider eisen? 

Tuli on tuima, raud on valju; Wild ist feuer, hart ist eisen; 

Tuli ei polda tuttudasa, Feuer brennt nicht den bekann- 

ten, 

Raud ei raiu langudasa. Eisen schlägt nicht den ver- 

wandten, 

Vesi ei vendada ubuda. Wasser nicht ertränkt den bruder. 



i64 



IvAARLE KrOHN. 



Tulg^u siis tule isanda, 
Tulgu siis tule emändä, 
Tulgu tulda katsumaije, 
Valgija valatamaije. 
Sei on kattila käässä, 
Sei on kulpi kattilassa ; 



Wirt des feuers möge kommen, 
Auch die wirtin möge kommen, 
Um zu sehen nach dem feuer, 
Um die flamme zu betrachten. 
Trägt mit händen einen kessel, 
Hat im kessel einen löftel; 



Migäs kattila käässä j. n. e. Was für einen kessel tragend u. s. w. 

1 . Vesi » » I . Einen wasser » » 

2. Salvi /> » 2. » salben » » 

3. Medu » » 3. » met » » 

(H. IV 6 139, von J. Esken. Wird drei mal über der brand- 
wunde gelesen, mit den i, 2, 3 bezeichneten Variationen.) 



Im eigentlichen Sprachgebiete des estnischen sind von der 
beschwörung des feuers bloss zwei metrische Stückchen vorhan- 
den, beide zu fünf Zeilen. Das eine ist aus Wierland und folgt 
im manuskripte unmittelbar einem erwähnten zauberliede vom 
Ursprung der schlänge (W' 3). 



Tule valu sönad. 

Valge mees touseb meresta, 

Valge kattela käässä, 
Valge kapp oli kattelassa. 
Ära puudu puna kivisse, 
Liha luiie liig-etesse. 



Worte wider brandwunde. 

W'eisser mann steigt aus dem 

meere. 
Tragend einen weissen kessel, 
Weisses schöpfgeschirr im kessel. 
Anfasse nicht rot (?) steine. 
Fleisch knochen, glieder. 



fH. III 12 237 von V. Klaas aus Haljala. 
über der brandwunde gelesen.) 



Wird dreimal 



Der schluss ist verderbt ; doch erhellt aus ihm soviel, dass 
das wort puuduma hier nicht in der gewöhnlichen estnischen 
bedeutung 'mangeln, fehlen' angewandt ist, sondern in der 
finnischen (neben der anderen gebräuchlichen) von "anfassen'. 

Die andere aufzeichnung stammt aus dem Xorddörpt- 
schen. In demselben manuskripte geht das zauberlied wider 
Verrenkung (ND 2 als n. 1) voran. 



Wo und wann entstanden die finnischen zauberlieder? 165 

Pölenud haavade sönad. Worte gegen brandwunde. 

Ei ole tule tundemine, Das feuer soll nicht fühlen, 

Ei ole leini leidemine, Der dampf soll nicht finden, 

Palava paletamine, Die hitze nicht brennen, 

Saana leini saatemine. Der dampf der badestube nicht 

bewirken. 
Jordani jugi jookse peale! Fluss Jordan fliesse drauf! 

(H. III 15 106 n. 3, von H. Maasen aus Palamuse.) 

Diese Zeilen gehören aber iiauptsächlich zu der beschwö- 
rung des dampfes in der badestube; vgl. im finnisciien: 



Ei 00 lö3-lyn löytämistä, Der dampf soll nicht finden, 

Lämpösen läpäsemistä. Die hitze soll nicht durchdringen. 

Löyly saunan sammaliin — Der dampf ins moos der bade- 

stube — 

(Roschier n. 25 aus Eno in Nordkarelien.) 



Eine metrische beschwörung des dampfes ist auch bei den 
esten im Jamburgischen kreise Ingermanlands angetroffen wor- 
den. Finnischen einfluss bezeugen die zeilen: 



Löülü puile, löülü maile, Dampf auf bäume, felder, 

Löülü kuumile kivile. Dampf auf heisse steine, 

Löülü seinä sammaluile! Dampf aufs moos der wand der 

Stube! 

(H. IV 6 519 von J. Esken.) 



Der form sammaluile steht finn. sammaliUe deutlich näher 
als estn. samblile. 



d) Zur blutstülung. 

Das finnische zauberlied zur blutstülung ist oft zusammen- 
gesetzt aus zwei verschiedenen beschwörungen, den Worten des 
eisens und des blutes. In dem erwähnten estnischen manu- 



i66 



Kaarle Krohn. 



Skript aus dem Jamburgschen in Ingermanland folgen den Wor- 
ten des feuers tule sanad unmittelbar nach einander raua sanad 
und vere sanad (H. IV 6 141—2; vgl. H. III 3 25 n. 2—3 
von demselben absender). Um uns vom finnischen Ursprung 
dieser lieder zu überzeugen, genügt die anführung einiger Zei- 
len: oh sina rauda raugiikkane — kes sotgis rauva soosta, 
kesse kaevis kangurista (finn. kankahasta 'aus der beide" ; die 
estnische zeile ist ohne sinn 'wer grub aus dem weber") - — 
maidu maha kaadamasta, punane pudenemasta (finn. kaatu- 
masta, putoaraasta). 

Innerhalb der grenzen Estlands ist diese kombination nur 
in dem östlichsten kirchspiele Wierlands Vaivara gefunden wor- 
den (H. II 37 80). Ihr folgen in demselben manuskript unmit- 
telbar die zauberlieder wider verrenkuns; und schlangenbiss. 



Ei sa ollud sillu suuri, 
Sillu suuri, sillu peeni, 

Kui sa maiduUa magasid, 

Neiu noorilla nisissa, 
Kao noore kaendelassa. 
Neidu käis karjassa kesalla, 

Neidu nukki mättaaije, 

Tühjast tünnist lüpsatije, 
Maha maidu pillitije; 
Säält söi Susi mägije, 

Rauda kallis kaivelaie. 
Küll tean terasse sünnid, 

Kui sinu soossa sotkutije, 

Vedelassa müllitije. 



Damals bist nicht gross gewesen, 

Damals gross, noch klein gewe- 
sen. 

Als du in der milch noch schlum- 
mertst, 

In der Jungfrau frischem busen, 

Unterm arm des jungen weibes. 

lungfrau führte vieh aufs brach- 
feld, 

Jungfrau schlief auf einem hüm- 
pel. 

Aus der leeren brüst gemolken 

Milch auf erde ward vergossen, 

Von dort ass der wolf die hü- 
gel (!), 

Teures eisen ward vergraben. 

Wohl weiss ich des Stahles Ur- 
sprung, 

Als ins moor du wardst getre- 
ten, 

Durch untl durch vermengt ins 
feuchte. 



Seisa kinni kui se seina, 
Paadu kinni kui se paasi, 
Seisa kui kivi meressa, 
Paas on Jordani joessa I 



Stehe fest so wie die Steilwand, 
Werde hart so wie der felsen. 
Stehe wie der stein im meere. 
Wie der fels im lordanflussel 



Wo und wann entstanden die finnischen zauberlieder? 167 

Seisa ninda kui alumine seina Steh' so wie der unterste wand- 
palki, balken, 

ja paadu ninda kui ahju alumine Und werde hart so wie der unter- 
paasi! ste ofenstein! 

Mesilane linnukene j. n. e. Honigbiene, kleiner vogel u. s. w. 

Die finnischen Wörter in diesem liede bedürfen kaum einer 
erklärung: sillu <^ finn. silloin; maidviILa aus finn. maito 'milch'; 
nukki <^ nukkui; müllitije <^ myllättihin (estn. müUama od. möl- 
lama bedeutet 'lärmen, toben'). Die unverständliche zeile: säält 
söi Susi mägije ist vielleicht zu lesen s. sai süsim. 'von dort 
kam in den kohlenhügel'. 

Die „Worte des blutes" sind noch in einem exemplare aus 
Jühvi, dem nachbarskirchspiele von Vaivara in Wierland, erhal- 
ten, in einer x'öUig unsinnigen fassung (H. II 1 n. 509). 



Üüdü, tüüdü tüma kaske, Tüüda türna jooksemasta, 

-Maha jooksi mahla kaske, Maha mahla langemasta. 



Die erste zeile ist ein versuch dem unverständlichen fin- 
nischen satze tyytyi Tyrjän (auch mit n statt j) koski 'der 
Wasserfall von T\'rjä hörte auf einen im estnischen begreif- 
lichen gedanken zu geben (turn 'zwergbirke', kask birke'), 
nach welchem die zweite zeile: 'in die erde floss der birke 
saft' mit hülfe der dritten und vierten gebildet ist. Diese letz- 
teren entsprechen wörtlich den finnischen Zeilen in einer inger- 
manländischen Variante (Alava 1891 n. 498 b): tyty Tyrny juokse- 
masta, mahla maahan kaatumasta 'Tyrny hörte auf zu fliessen, 
baumsaft auf die erde zu fallen'. Aus einer anderen ingerman- 
ländischen Variante (Alava 1891 n. 26v3) erhellt, dass mahla 
"saft bes. der birke' im finnischen als parallelwort des blutes 
gebraucht \\ ird : heitä veri vuotam^asta - — — m.ahla maahan 
kaatumasta. 

Es unterliegt wohl keinem zweifei, dass auch die zauber- 
lieder zur blutsfillung aus Finland durch Ingermanland über die 
grenze Estlands gewandert sind ^. 



^ In einer beschwörung der rose aus dem Nordfellinschen 
(H. II 26 1059) kommt auch die Wendung neidiste nisisse, kau 



i68 



Kaarle Krohn. 



e) Anrufung der honigbiene. 

Die vollständig abgedruckte beschwörung des eisens aus 
X'aivara schliesst mit einer anrufung der honigbiene um eine 
heilende salbe. Denselben schluss haben auch die zauberlieder 
wieder Verrenkung (W 1) und vom Ursprünge der schlänge 
(W 1), die in demselben manuskript unmittelbar folgen. 

In letzterer x'erbindung bietet die vollständigste form die- 
ser anrufung eine aufzeichnung aus dem östlich zunächstgele- 
genen kirchspiele Wierlands, Jöhvvi (W 2). 



Mesilane linnukene, 
Lenna pääva, lenna kaksi, 
Lenna kohe kolmatana, , 
Uli üheksa mereda, 
Üle mere kümenesta, 
Tuo mette keelelana, 
Keelelana, meelelana, 
Suula sula vuida. 
Vuia seesta, vöia päälta, 
Tee seesta terveesta, 
Seest tundematast, 
Päält nägematast. 



Honigbiene, kleiner vogel, 
Fliege einen tag, zwei tage, 
Fliege auch sogleich den dritten. 
Über meere neun sollst fliegen. 
Und noch übers meer das zehnte, 
Bringe honig mit der zunge, 
Mit der zunge, mit Verständnis, 
Mit dem munde flüss'ge butter. 
Salbe drauf und salbe drunter, 
Mache ganz gesund von innen. 
Ohne dass man fühlt von innen. 
Ohne dass man sieht von aussen. 



Derselbe anhang kommt auch in einem dritten exemplare 
aus dem Nordfellinschen (H. II 43 411), ausserdem in einei" 
wierländischen beschwörung der „schwarzen schlänge" (W 4) 
und einer Schlangenbeschwörung unbestimmbaren ortes (MML 
n. 13 E angebl. aus dem Pleskauschen; vor. 

Noch möge eine aufzeichnung aus dem Dörptschen ange- 
führt werden, in welcher die Verbindung der schlangenbeschwö- 
rung mit der anrufung der biene durch das bruchstück eines 



kaindelasse 'in die brüst der jungfraun, untern arm des weibes" 
wahrscheinlich aus der finnischen beschwörung des eisens zum Vor- 
schein. Dieses zauberlied, welchem die beschwörung der schlänge 
vorangeht, ist aus Zeilen aus dem Salme-liede u. a. zusammen- 
gesetzt. Zweifelhafter ist der Ursprung der Schlussworte noore 
neitsi nisassa in einem kurzen spruche zur blutstillung aus dem 
Dörptschen (H. II 51 179). — Vgl. auch Wiedemaxn 401. 



Wo und wann entstanden die finnischen zauberlieder? 169 

liedchens vom mäuschen, wahrscheinlich finnischen Ursprungs, 
\-ermittelt ist. Nach der frage, warum die schlänge gestochen 
hat, wird fortgesetzt: 



Küll so vatso paisunessa. 
Kost ma vaene mee vöta? 

Küll so kihu kisust minnu. 
Kost ma vaene vöi vöta? 
Minnu sa üle kümnema keriku, 
Ütessama hüva hobese, 
Katessama kala mere, 
Metta tooma tuvveenne, 
Vöida viima viieenne, 
Vadunu haavu paranda. 



Wohl schwillt dein bauch auf. 
Wovon nehme ich armer den 

honig? 
Wohl wird dein laauch bersten. 
Wovon ich armer die butter? 
Geh über die zehnte kirche, 
Über neun gute pferde, 
Über acht fischreiche meere, 
Honig bringe mit dir, 
Butter führe mit dir, 
Gezupfte (?) wunde zu heilen. 



(H. II 30 690, von P. Grünfeldt aus Runguj. 

Schliesslich möge eine halbmetrische Variante aus dem 
Fellinschen abgedruckt werden, die in einer beschwörung wider 
Zahnschmerzen vorkommt. 



Oh ^laarja sa madal vaim, 
Jeesuse ema veel ilusam, 
Kelle pea peenikene, 
Peastab pead pindajast, 
^'arsad vaja väänetest. 



O Maria niedrige frau, 
Jesu mutter noch schöner, 
Deren köpf fein, 
Löst die köpfe aus der klemme. 
Die füllen von drehung des 
Schauers. 



Mesilane, ilma lind, 

Lennab metsale, 

Lennab lepiku alused, 

Lennab üle üttessa maa, mere. 

Sealt toob metta meelelist, 

Haavu parandada 

Ja valu ka ära vötta 

Ja ka hammid terveks teha. 

Issa, Pojakene, Püha ristikene! 



Die biene, vogel der lüfte. 
Fliegt in den wald, 
FHegt unten durchs erlengehölz. 
Fliegt über neun länder, meere, 
Bringt den lieben honig, 
Um die wunden zu heilen. 
Und den schmerz wegzunehmen. 
Und um die zahne zu heilen. 
Vater, Sohn, Heiliges kreuz! 



(H. 1 7 574, von H. Lensin aus Paistu.; 



Die Wörter pead. pindajasta — vaja väänetest sind erklär- 
bar durch die finnischen piiat pintehistä — vatsan vääntehistä 



KA-A.RLE KROHN. 



'die mägde \'on der klemme' — 'von bauchschmerzen' ; doch 
ist schwer zu sagen, ob hier der einfluss des finnischen zauber- 
liedes bei geburtshülfe anzunehmen sei. Die esten haben einen 
gesang der Wöchnerin Nurganaese laul (z. b. Xeus EV n. 28), 
welcher mit demselben finnischen zauberliede verglichen wer- 
den könnte; da aber das estnische lied kein magisches ist und 
beide katholischen Charakter tragen ^, so können wir die Unter- 
suchung dieses Verhältnisses bei seite lassen. 

Ebenso würde es zu weit führen den beweis für den 
christlichen Ursprung der anrufung der biene zu liefern. Ich 
will nur andeuten, dass die von der biene gebrachte salbe 
ursprünglich von Jesus und Maria geschmeckt und geprüft wird, 
und dass der schmied llmarinen eine Substitution für jene bei- 
den ist. 

Jedenfalls bestäügt schon die Verbreitung des estnischen 
liedes, hauptsächlich in W^ierland, sowie seine Verbindungen 
mit den zauberliedern wider Verrenkung, schlangenbiss und Ver- 
blutung: genau denselben, mit welchen es auch in Ingerman- 
land verbunden ist, dass es als anhang zu diesen mit ihnen 
über die grenze Ingermanlands geschritten ist. 



f) Zum schütz der herde. 

M. Weske hat im jahrbuche der estnischen litteraturgesell- 
schaft (Eesti kirjameeste seltsi aastaraamat 1884 — 5 1 — 21) 
einige estnische zauberlieder zum schütz der herde mit den fin- 
nischen anrufungen der waldgötter verglichen. Er findet u. a. 
folgende parallelzeilen : 



Metsa urgu, metsa argu, Metsän ukko, metsän akka, 

Metsa kuldane kuningas, Metsän kultainen kuningas, 

Metsa eldene emanda, Metsän ehtoisa emäntä. 

Käse kallis neitsikene, Katajatar neiti kaunis, 

Hoia mu loomakest ilusti. Katsoote karjoani. 



1 Im Kalevipoeg II: 501 — 2 sind Ukko und Röugutaja statt 
Jesus und Maria von Kreutzwald eingesetzt. 



I 

I 



Wo und wann entstanden die finnischen zauberlieder? 171 

Kuule metsa alliparda, Metsän ukko halliparta. 

Keela omad kurjad koerad, Korjaele koiriasi. 

Pane koerad kaale'eie, Kahlehi penikkojasi. 

Küüned kütije vajuta. Kultaisihin kytkyihin. 

Die ähnlichkeit dieser Zeilen erklärt er durch die Urgemein- 
schaft in finnisch-ugrischer urzeit. Die möglichkeit der Wande- 
rung aus Finland nach Estland lehnt er wohl nicht ganz ab, 
meint aber, in dem falle müsse die entlehnung in vorchristlicher 
zeit stattgefunden haben, da die esten unter der deutschen herr- 
schaft derart an die schölle gebunden waren, dass sie sich 
nicht \'om einem gute zum nächsten rühren, geschweige denn 
reisen nach Finland unternehmen durften. 

Hierbei übersieht Weske, ausser der nähe Ingermanlands, 
den umstand, dass die Wanderungen der lieder nicht notwendig 
von den Veränderungen des Wohnsitzes ihrer sänger abhängig 
sind, sondern dass dieselben sich auch und hauptsächlich \'on 
mund zu mund, von nachbar zu nachbar, dorf zu dorf, kirch- 
spiel zu kirchspiel verbreiten. Die redensart huhu käy 'es geht 
ein gerücht' passt auf alle geistigen Produktionen des volkes. 

Wohl kommen in den \'on Weske angeführten beispielen 
christliche namen vor: püha Juri 'heiliger Georg', sogar mJt 
dem Vatersnamen Jörgovits, und Peeter püha sulane 'Petrus 
heiliger knecht'. Ersteren x'ergleicht er mit Jegorij in einem 
russischen zauberliede und behauptet, der glaube an Juri bei 
den esten sei von den russen entlehnt. Ähnlicherweise zeigt 
er, dass in einem deutschen Zauberspruche Sankt Petrus mit 
seinem himmelsschlüssel dem wolfe die schnautze verstopft, 
und ist der ansieht, der estnische heilige Peeter, welcher die 
,,hunde" fesseln soll, stamme aus dieser quelle ^ 

Die beiden namen jedoch fasst er als spätere Substitutio- 
nen für ältere namen der waldgötter auf, die sich noch bei den 
finnen finden lassen. Eine scheinbar glänzende bestätigung 



1 Vgl. in einer neueren aufzeichnung (H. III 15 32 aus 
Laiuse im Dörptschen): Sina metsa koer — — sinu löuad olgu 
lukku pandud Peetruse vötmega 'der hund des waldes — deine 
kinnladen mögen verschlossen sein mit Petri Schlüssel'. 



172 Kaarle Krohn. 



seiner ansieht erhielt er bald darauf, indem ihm von einem 
Sammler aus dem Pernauschen ein langes (92 Zeilen!) dreiteili- 
ges zauberlied zugestellt wurde, welches er im folgendem jahr- 
buche der gesellschaft (EKSA 1886—7 1 — 18) mit kommentar 
abdruckte. Hier fand er die ersehnten estnischen namen der 
waldgötter: den metsa taati Tabovane oder metsa Tabo tarka 
meesi, welcher sich mit dem linnischen Tapio, Tapiolan tarkka 
ukko deckt, und die metsa Mirmi hüvä emand, auch ineele- 
hea, welche der finnischen Mieükki oder Mimerkki metsän 
emäntä genau entspricht. 

Weske's Vermutung (1884-5 5 — 6), dass die zeile metsa 
urgti m. argu oder — iilpi — alpi, mit welcher die ■ beschwö- 
rung gewöhnlich anfängt, ähnlich der finnischen metsän ukko 
m. akka gelautet habe metsa ukku m. akka oder „da im fin- 
nischen neben akka auch die form akko (wahrscheinlich aus 
WiEDEMANN lÄLE 404 druckfchler?) altes weib bedeutet", sogar 
metsa ukku m. akku, schien auch durch dieses schöne zauber- 
lied sichergestellt zu sein. Es lautet die erste zeile desselben 
metsa ukku, metsa akko, und der aufschreiber hat ausdrück- 
lich versichert, dass die mit namen und wohnort angegebene 
Sängerin, welche es ihm um 1880 vorgesungen hätte, akko 
und nicht akku ausgesprochen habe. Auf grund dieser an- 
gäbe zieht Weske den schluss, dass sich der ursprünglichere 
vokal o am ende des Wortes entweder in dem dialekte die- 
ses ortes überhaupt oder auch nur in diesem liede erhalten 
habe. 

Dieser selbe umstand hätte aber Weske darauf aufmerk- 
sam machen müssen, dass er es mit einem falsifikat zu thun 
hatte. Schon in der zweiten zeile metsa kuldaine kuningas 
verrät der diphthong ai der zweiten silbe, in welcher er im fin- 
nischen vorkommt, die quelle dieses machwerkes. Es ist diese 
nirgends anders zu suchen, als in Weske's eignem aufsatz mit 
beispielen aus dem estnischen und finnischen, welche letzteren 
mit oder bloss in estnischer Übersetzung angeführt sind. Man 
vergleiche nur z. 36 — 43 mit Weske's Übertragung aus der 
32:sten rune des Kalevala. Eine zeilenx'erbindung wie z. 
34-5: 

Siidi sidemed ei suuda Körvekoeri kütkendada, 



Wo und wann entstanden die finnischen zauberlieder? 173 



zeigt auch, dass wir es nicht mit einem ächten volksliede zu 
thun haben. 

Aber abgesehen \'on diesem machwerl^e, besteht die gleich- 
heit, wenn auch nicht der namen, so doch der epithete: „greis 
des \\:aldes, greisin des waldes, des waldes goldener Icönig". 
Den finnischen Zeilen: metsän iikko, metsän akka, metsän kul- 
tainen kiiningas, entspricht am vollständigsten ein von Weske 
(s. 15) angeführtes bruchstück aus Vaivara im östlichsten Wier- 
land hart an der grenze von Ingermanland : metsa ukku, 
metsa kiikku, metsa kuldane kuningas. In dem nächstöstlichen 
kirchspiele Juhvi lautet die erste zeile: m. ikkid, m. akkid; 
der plural ist nur scheinbar, da die zweite zeile im Singular 
erhalten ist, ebensowie die folgende bitte, der waldkönig möge 
die schafe ruhig weiter wandern und die schweine unbehelligt 
sich vermehren lassen: läse mo lammad laialt käia, läse mo 
siad sigida (H. 11 37 473). Es ist zu bemerken, dass nicht 
nur akka, sondern auch ukko in appellativer bedeutung 'greis, 
gross\'ater' im estnischen ungebräuchlich ist. Statt des letzteren 
kommt weiterhin in Wierland (Nigula) atti 'vater' vor: m. etti 
m. atti; dieser 'könig des waldes', dazu noch 'lieber graue 
hund' genannt, wird angehalten die herde unangetastet zu 
lassen, indem man ihm droht, es würden ihm sonst die reiss- 
zähne ausgeschlagen. Es ist ausdrücklich eine beschwörung 
des Wolfes: hundi sönad (H. II 34 zw. 287—292 n. 8). In 
einer \ariante aus demselben kirchspiele erhält m. itti m. atti 
ausser "waldkönig" noch das epitheton: metsa krooni neitsi- 
kene "die gekrönte (?) Jungfrau des waldes"; mit der bitte an- 
derwärts das schloss der zahne zu öffnen, „auf unserer weide" 
aber die kiefer fest geschlossen zu haken (H. II 34 654). 

Auch westlicher in Jerwen wird deutlich der wolf mit 
1) ittu — attu, 2) hulli 'dumm" — halli 'grau' oder 3) illi 
'Schmeichelwort der kinder) — halli angerufen und mit den 
epitheten: des waldes 'goldener könig' (3) oder 'schöner wirf 
(2), auch "struppiger pelz' (2) oder 'weissköpfiges kalb' (3) be- 
zeichnet (H. II 38 873 aus Paide; Eisen 9403 Ambla; H. I 1 
195 Järva-Jaani). 

Ebenso ist im süden von Wierland im Dörptschen und 
Werroschen die bedeutung der anrufung 1) Ulli — halli, 2) 
esäke — emäke 'väterchen • — ■ mütterchen' oder 3) essä — 



174 



Kaarle Krohn. 



emä, 4) illu — allu und 5) ulpi — alpi "albern, sowie der 
epithete 'goldener könig' (2 3 4), 'junges fräulein' (1 4), schönge- 
kleidete \\-irtin' (5), 'weissköpfiges kalb' (4), gewöhnlich un- 
zweifelhaft; es wird der wolf gebeten, die herde in ruhe zu 
lassen (H. I 2 408 aus Lajuse; III 22 17 Otepää; II 31 zw. 
911—9 n. 13 Sangaste; III 11 749 u. 750 Wöobs). 

Weske (s. 10) kennt noch ein bruchstück aus dem Xord- 
dörptschen mit der anrufung hulli — halli. Er bestätigt, dass 
das erste wort "dumm" bedeutet, und giebt zu, dass metsa halli 
'der graue des waldes' eine euphemistische bezeichnung des 
Wolfes ist. Er meint, diese erste zeile sei einem liede vom 
wolfe entnommen und zwar statt der zeile mit metsa ukku 
eingesetzt, nachdem die bedeutung des letzteren vergessen wor- 
den sei. Es sei deutlich eine mischform, wenn man den wolf 
bittet die herde vor sich selbst zu hüten. 

Dergleichen anbetungen des wolfes giebt es wirklich sowohl 
im Dörptschen als besonders im Fellinschen. Weske (s. 5) 
führt eine beschwörung aus Kolga-Jaani an, welche den anruf : 
metsa urgu — argu 'scheu" und die epithete 'des waldes gol- 
dener kernig, gütige \\-irtin, der birke teures fräulein', enthält, 
mit der bitte: "hüte schön mein \'iehchenl' 

Dass aber der wolf nicht nur mit der ersten zeile gemeint 
ist, sondern durchs ganze lied hin, beweisen folgende zwei 
\"arianten aus dem Fellinschen. In der einen .sind: krümusilm. 
und paju-Villem gewöhnliche benennungen für den wolf. in 
der anderen wird dem "beschützer' anderes fleisch zum fressen 
geboten. 



Metsa huiku, metsa haiku, 

Metsa kuldane kuningas, 
Metsa ärdane emanda, 
Kriimusilma neitsikene, 
Paju-Villem poisikene! 
Pane omad koerad koduje, 
Armid koerad ahelisse, 
Kimled kivi päitsetesse. 
Lass mu kari kaudu käia, 
Karjakellad kaugelt kuulda. 
Et ei hunti sinna hulgu. 



Ruf des waldes, geruch (?) des 

waldes, 
Des waldes goldener könig. 
Des waldes herzige wirtin, 
Jungfrau mit gesicht voll streifen, 
Weiden-Wilhelm, junger bursche! 
Halt' zu hause deine hunde. 
Graue hunde in den ketten, 
Schimmelfarb'ge in steinhalftern. 
Lass' mein vieh vorüber ziehen. 
Die kuhschellen weithin schallen, 
Dass der wolf dorthin nicht wan- 
dert. 



Wo und wann entstanden die tinnischen zauberlieder? 175 



Metsa halli ei hammusta, 
Kimmel kisu härja kintsii, 
Paju-\'illem paati lehma. 

(H. III 21 73 von Ch. Orras aus Viljandi.) 



Dass der graue dort nicht an- 
beisst, 

Schimmel nicht reisst den ochsen- 
schenkel, 

Weiden-Wilhelm die braune kuh. 



Metsa intu, metsa untu, 

Metsa ärta härrakene, 
Metsa helde emanda, 
Metsa kuldne kuningas, 
Nirki närki neitsikene ! 
Vota hoida minu utte, 
Vota kaitse minu karja, 
Laotada lammasida. 
Mine sa linna lagedale, 
Sealt suU üva annetakse, 
Kena käkki käänetakse: 
Vana hobu rangikaela, 

Yaf\c\ härga hangussarve. 



Zähnefletscher (?), wolf des wal- 

des, 
Herzig herrchen du des waldes, 
Güt'ge wirtin du des waldes, 
Gold'ner könig du des waldes, 
Wieselchen, jungfrauchen! 
Bitte schütze meine schafe, 
Bitte hüte meine herde, 
Und verbreite meine schafe. 
Geh zur ebene unter der Stadt, 
Dort giebt man dir etwas gutes. 
Bietet einen hübschen blutkloss. 
Altes pferd mit hals wie kum- 

met, 
Alten ochs mit hörn wie gabel. 



(H. I 5 551 von P. Pallu ang. aus Viljandi (aus dem gouv. 
Minsk zugeschickt); dasselbe H. II 19 764 aus dem Pernauschen, 
vielleicht also beide kopien aus einer handschrift.) 



Es ist ferner zu bemerken, dass in der beschwörungs- 
form, in welcher 'des waldes könig' als aktiver beschützer der 
herde auftritt, öfter noch der heilige Georg erscheint. Z. b. bei 
Weske (s. 4 aus Kolga-Jaani) : metsa ulpi — alpi albern', — 
alliparda graubart', — kuldane kuningas, — kardane kasukas 
'blecherner pelz', püha Juri poisikene! Vgl. aus dem Dörpt- 
schen: M. itu — atu, — karvane kastikas — ellä pühä Juri; 
und : Püha Jürri poisigene, keela oma koerukessed, m. uiku - — 
aiku, — heldene emmanta, — kuldene kunningas, — nirki 
neitsigene; (H. II 30 924 aus Röngu; III 21 289 aus Kursi). 

Es ist nun fraglich, ob sich die epithete 'waldkönig' etc. 
näher an den heiligen Georg oder an den durch die anrufung 
bezeichneten wolf anschliessen. Unbedingt muss dem letzte- 



176 Kaarle Krohn. 



ren der Vorzug gegeben werden und zwar aus den folgenden 
gründen. 

Alle angeführten epithete passen auf den wolf, viele aber 
nicht auf einen anthropomorphen waldgott. Es möge noch 
auf eine Variante hinge\\'iesen werden, welche in einer grossen 
anzahl von kopien, wahrscheinlich einer und derselben hand- 
schrift, vertreten ist: metsa sikku — sokku (beide Wörter be- 
deuten 'bock'), — kuldane kuningas, — halli harvalöuga, 'grauer 
mit undichter zahnreihe' — peni pikkalöuga "hund mit langen 
kinnladen', wird gebeten die herde nicht anzurühren (H. I 7 
267 = II 22 626 n. 5 = 22 659 = 22 1042 = 27 1014 = III 2 
101 = 13 19 = 18 400 = 23 765 = 23 850; vgl. lÄLE 404 mit 
akku statt sokku). 

In der mehrzahl der Varianten kommt, wie wir gesehen 
haben, der wolf allein mit jenen epitheten vor. Der heilige 
Georg allein mit denselben epitheten, ohne auf den wolf bezüg- 
liche anfangsworte, tritt bloss in einer anzahl identischer exem- 
plare auf: als des waldes 'goldener könig' und 'mutter wirtin" 
wird er gebeten die herde zu hüten; alle werden ausdrücklich 
als 'des Wolfes worte' bezeichnet H. I 7 269 = II 22 626 n. 6 
-^22 1041=30 zw. 125-7 n. 3 = 111 22 175). 

Eine von Kreutzwald aufgezeichnete beschwörung (MML 
n. 35 A aus Kodavere im Xorddörptschen) zeigt uns, dass 
sogar: Püha Juri, pitka saksa "heiliger Georg, hoher herr', 
welcher ohne weitere benennungen angehalten wird moos zu 
fressen und die herde nicht anzurühren, den wolf selbst be- 
zeichnen kann. Es scheint im Volksglauben ein enger Zusam- 
menhang zwischen dem gefürchteten waldtiere und dem ange- 
beteten waldgotte zu existieren. 

Mit den benennungen der finnischen waldgötter können 
jedenfalls die estnischen epithete des wolfes nicht in direkte 
Verbindung gebracht werden. Am wenigsten ist eine Zusam- 
menstellung von Käse kallis neitsikene, der wolf als hinter der 
birke lauerndes fräulein, und Katajatar neito kaunis, poetische 
Personifikation des wachholders denkbar. 

Jedoch werden auch in finnischen zauberliedern dieselben 
epithete 'waldkönig' etc. auf den baren (seltener auf den wolf) 
bezogen. 



Wo und wann entstanden die finnischen zauberliedcr? 177 



Metsän hilli, metsän halli, 
Metsän kultainen kuningas! 
Älä sorra sonniani — 



Des Waldes stillsamer (?), grauer, 
Des Waldes goldener könig! 
Zerreisse nicht meine ochsen — 



(»Worte des wolfes». Hannus n. 40 aus Mouhijärvi in West- 
iinland.) 



Mettän kukko kultarinta. 



Des waldes hahn mit goldener 
brüst, 

Des waldes goldener könig! 

Wolle im munde, wolle im 

köpfe — 

(Paldani n. 25 b aus Ikaalinen in Westfinland.) 



Mettän kultanen kuningas! 
Villa suuna, villa päänä — 



Metän ukko, metän akka, 
Metän enty-nen emäntä, 
Metän kultanen kuningas, 
Metän hilli halliparta! 
Kätke kvnnet karvoihisi — 



Des waldes greis und greisin, 
Des waldes vormalige wirtin, 
Des waldes goldener könig, 
Des waldes stillsamer graubart! 
Verstecke deine nägel im pelze — 



(Ahlman n. 18 aus Mäntyharju in Savolax Ostfinland.) 



Metsän nytty, metsän nätti, 
Metsän kultainen kuningas ! 
Anna rauhaa raavahille — 
Mene mättähen välihin — 



Des waldes nette bündel, 
Des waldes goldener könig! 
Gieb frieden dem vieh — 
Gehe zwischen mooshüs:eln 



(Törneroos u. Tallqvist n. 181 aus dem mittl. Ingermanland.) 

In einer Variante aus Savolax (Ahlman n. 62) wird zwi- 
schen den bezeichnungen 'des waldes schöne wirtin' und 'gol- 
dener könig, \\-irt, graubart' ausdrücklich der unterschied ge- 
macht, dass erstere bei der anrufung eines weiblichen und letztere 
bei der eines männliches baren gebraucht werden soll. 

Ebenso wie in estnischen beschwörungen wird auch in 
finnischen dasselbe ^^■aldtier gebeten "seine hunde' gefesselt zu 
halten. 



Mettän ukko, mettän akka, 
Mettän kultaancn kuningas ! 
Sido sun koirasi kahleella 



Des waldes greis und greisin. 
Des waldes goldener könig! 
Binde deine hunde mit fesseln 



k 



178 Kaarle Krohn. 



Talvipäiviin asti. Bis zu den wintertagen. 

Mene silloin soita m^-öde, Wandere längs der sümpfe, 

Kun karjani menee mäkiä m. — Wenn meine herde auf den hü- 

areln — 



(Möykky n. 81 aus dem südl. Österbotten.j 



Mettän hiisi halliparta! Waldgeist, graubart! 

Pane koiras kahlehisin Fessele deine hunde 

Suviöistä talviöihin — Von Sommernächten zu winter- 

nächten — 
Sun ruokas vesi, hunaja — Dein essen sei wasser, honig — 

(Paldani n. 81 b aus Honkajoki in Westfinland.) 



Metsän ikki, metsän akki, Des waldes ? ? 

Metsän hilli halliparta! — Des waldes stillsamer graubart! 

Anna rauhaa raavahille — Gieb frieden dem vieh — 

Pane susille suitset päähän. Lege den Wolfen das gebiss an, 

Karhut rautakahlehisin — Den baren eiserne fesseln — 

(Törneroos u. Tallqvist n. 180 aus dem mittl. Ingermanland.) 

Das zuletzt angeführte beispiel mit der bitte: 'das vieh in 
ruhe zu lassen', hat keine volle beweiskraft. Dieselbe bitte wird 
in Ingermanland ebenfalls an den heiligen Georg gerichtet: 

Pvhä jvrki kormelitsal Heiliger Georg, emährer! 

Anna rauha raavahalle — Gieb frieden dem vieh — 

(Länkelä IV n. 1 1 aus dem westl. Ingermanland.) 

Der heilige Georg erscheint aber in den ingermanländi- 
schen, wie zuweilen in den estnischen beschwörungen auch 
mit dem wolfe zusammen, z. b. 



Pyhä Jyrki armollinen. Heiliger, gnädiger Georg, 

Pyhä Jyrki metsän herra! H. Georg des waldes herr! 

Katso meiän karjoitamme — Hüte unsere herde — 

Pie koirille kovoitus, Halte die hunde in zucht, 

Penikoille suuri pelko. Die hündchen in grosser furcht. 



Wo und wann entstanden die finnischen zauljerlieder? 179 

Metson huntti, metson häntti, Des waldes hund, langschwanz, 

Metson entinen elokas! Des w. vormaliger bewohner! 

Käv sie kaarren karjastain — Gehe meinem vieh aus dem 

wege — 

(Törneroos u. Tallqvist n. 395 aus dem mittl. Ingermanhtnd.) 



Es besteht also augenscheinlich eine nahe ver^^•andtschaft 
zwischen den estnischen und den finnischen beschwörungen 
zum schütze der herde. Nichts aber zwingt uns notwendig 
eine Urgemeinschaft anzunehmen. Die ähnlichkeit bezieht sich 
auf keine heidnischen götternamen, wohl aber auf einen christ- 
lichen heiligennamen: ingermanl. Jyrki = estn. Jyri. Poetische 
oder vielmehr euphemistische epithete wie 'goldener könig' etc. 
geben keinen sicheren anhält für die Zeitbestimmung. Die Ver- 
breitung der estnischen Varianten gerade im östlichen teil Est- 
lands und Livlands und zwar so, dass die östlichsten wier- 
ländischen formen den finnischen am nächsten stehen, bewei- 
sen alle eher eine entlehnung von den finnen durch die esten. 
Es würde jedoch über die grenzen dieses aufsatzes führen die 
schwierige analj'sierung und vergleichung eines liedes ohne 
epischen kern vorzunehmen. Ich will nur noch auf eine von 
Weske angeführte beschwörung hinweisen (s. 13 ^ lÄLE 404 
nach einem Kreutzw aidschen manuskripte aus Kodavere im 
Norddörptschen). Die zeile: Pane koerad kaale'eie, welche 
WiEDEMAXN mit der sinnlosen wendung 'v-ersetze die hunde in 
den Star' (kaal, kaale = grauer star im äuge) übersetzt, kann 
Weske mit hülfe des finnischen kahle = kette; im estn. 
ahelas) und mit hinweis auf die entsprechende finnische zeile 
richtig erklären. 



Zwischen den estnischen und finnischen zauberliedern 
können vielleicht noch einige einzelne parallelen aufgewiesen 
werden, wie z. b. das wider die wanze, welches in einem ein- 
zigen exemplare in Wierland gefunden worden ist (vgl. Lönn- 
ROT Loitsurun. 134). 



i8o Kaarle Krohn. 



Luttika lattika lasste ! Wanze, o du kind der wunze ! 

Süöö seiina, säästa minnda; Friss die wand, mich aber schone. 

Minu sellga törva sellga, Mein rücken aus teer, 

Sinu sellga rasva sellga. Dein rücken aus fett. 

(H. II 9 zw. 586 — 590 n. 39 von W. Klaas aus Haljala.) 

Zwischen den prosaischen und halbmetrischen Zauber- 
sprüchen der esten und den zauberliedern der finnen könnten 
auch manche ähnlichkeiten aufgewiesen werden. Niemi hat 
auf die bannung der krankheiten in tieren und bäumen als 
einen gemeinsamen charakterzug aufmerksam gemacht. Doch 
zeigt er, dass derselbe auch in den germanischen und letti- 
schen beschwörungen vorkommt und aus diesen wahrschein- 
lich durch nachahmung entlehnt ist (Vir. 1899 56 — 7). Ebenso 
ist er hinsichtlich des Zauberspruches wider Seitenstechen, \\'el- 
cher in prosaischer form sowohl bei den finnen als esten und 
auch bei den letten — wir können hinzufügen : noch bei den 
germanen — anzutreffen ist, der ansieht, dass dieser wander- 
gut sei ^ 

Die estnischen beschwörungen sind also teilweise prosai- 
sche Zaubersprüche, welche meistens unabhängig von den fin- 
nischen hauptsächlich durch entlehnung und nachahmung der 
germanischen (resp. lettischen) Zaubersprüche entstanden sind und 
ebenso unabhängig von der poetischen einkleidung der finni- 
schen oft eine halbmetrische und zuweilen sogar eine vollstän- 
dig metrische form angenommen haben. Das versmas lag ja 
den esten und finnen gleich nahe, obgleich die letzteren einen 
viel grösseren gebrauch in fast jeder art von volkstradition 
davon gemacht haben. 



^ Es ist nicht einmal ausgeschlossen, dass der Zauberspruch 
wider Seitenstechen von den finnen zu den esten gelangt wäre ; 
auf estnischem boden habe ich ihn in bloss drei exemplaren ange- 
troffen, von welchen die erste bei Wiedemann (IÄLE 401) mir 
unbekannten ortes ist, die zweite (H. Gr. 4:0 211) eine ganz kurze 
aufzeichnung aus Jerwen, also imweit der finnischen sprachgi'enze 
und die dritte aus dem Jamburgischen in Ingermanland, mit einer 
metrischen fortsetzung: Lohe lougade vahele, hauvi hammaste 
tahaje etc. (Pistu sanad H. IV 6 515 von J. Esken). 



Fremde namen für körperliche gebrechen. l8l 

Zum grössten teil sind aber die rein metrischen beschwö- 
rungen der esten durch Ingermanland gewanderte finnische 
Zauberlieder, welche wahrscheinlich erst um 1600 die grenze 
Estlands überschritten haben. F^ür die annähme einer magi- 
schen poesie in urfinnischer zeit können sie absolut keine an- 
haltspunkte abgeben. 

Helsingfors. 

Kaarle Krohn. 



Fremde namen für körperliclie gebrechen. 



Bekanntlich ist fi. sairas 'krank' eine alte entlehnung aus 
dem germanischen, Thomsen GSI 146. Auch scheint fi. tauti 
'krankheit' ebendaher zu stammen, vgl. altisl. dauöi, Thom- 
sen GSI 152. Es giebt ausserdem aber noch andere namen 
körperlicher gebrechen, die entweder aus dem germanischen 
oder noch früher aus dem iranischen entlehnt worden sind. Ich 
will natürlich keineswegs behaupten, dass diese Fremdwörter 
von der besonderen gesundheit unserer vorfahren zeugen, son- 
dern führe sie nur deshalb hier zusammen an, weil ich auf die 
entlehnungen dieser art zuletzt beim lesen des vortrefflichen 
Reallexikons der indogermanischen Altertumskunde von O. 
ScHRADER (artikel krankheit) gekommen bin. 

In ganz Ta\'astland und Westfinland ist teerenpisama 
der gewöhnliche name für Sommersprossen. Der zweite teil 
pisama bedeutet 'hautflecken, bläschen'. Der nominativ des ersten 
teiles teeri geht wie der gleichlautende vogelname auf tetri 
zurück. Das Sprachgefühl verbindet auch wahrscheinlich tee- 
renpisama mit teeri, teiri 'birkhuhn'. "Flecken des birkhuhns' 
hat aber keinen sinn, wogegen tetri in teeren-, tetrenpisama 
seine wahre bedeutung aus dem germanischen erhält. Es ist 
nämlich ein altes germanisches lehnwort: vgl. ags. teter 'flechte', 
ahd. zitaroh, auch lit. dedervine 'hautausschlag, flechte', eine 
in den indoeuropäischen sprachen weit verbreitete Wortsippe, s. 

O. SCHRADER 1. C. 



l82 JOOS. J. MiKKOLA. 



Finn. rupi 'schorf, eiterkruste', est. rubi 'pocke, ausschlag" 
ist gleicherweise germanischen Ursprungs: altisl. hrufa, schwed. 
rufva 'schorf. Das finn. wort setzt jedoch eine auf i aus- 
gehende altgerm. form hrulji voraus, die, wenn auch mit ande- 
rer ablautsstufe, in ahd. hriupi 'scabies' vorliegt. 

Bei got. J)rutsflll 'aussatz', dessen zweiter teil -All "feil" 
ist, denkt man an finn. riitto 'pest, wenn nämlich Jruts- und 
nicht |)rüts- zu lesen ist. Mit rücksicht auf altisl. |)rütiim 'ge- 
schwollen' und ags. J)rüstfel nimmt freilich Sievers (Beiträge 
IX 254'i langes ü in dem got. worte an, es könnte hier aber 
auch eine andere ablautsstufe vorliegen, vgl. altisl. I)rote 'ge- 
schwulst'. Wie dem auch sei, zeigt wenigstens das altisl. I)rote, 
dass wir finn. rutto gut aus dem germanischen herleiten dür- 
fen. Diese deutung des finn. Wortes scheint mir viel natürli- 
cher, als die landläufige, nach welcher rutto 'pest' mit adj. 
rutto 'schnell, geschwind' gleich wäre, ursprünglich also rutto- 
tauti 'morbus mortem subito afferens' (Renvall) bezeichnete. 

Wenden wir uns von den Scheusalen der beulenpest zu 
den weniger schrecklichen krankheiten, so begegnen wir wie- 
der entlehnungen. Aus dem lit. kurtus, *kiirtias (kufcias) stammt 
est. kuft, veps. kurdis, vot. kurre (stamm kurte-) 'taub', Thom- 
SEN FBB s. 192. Entlehnt sind wohl auch die finn. formen 
kuuro, kuurne, russ.-kar. kürneh, olon. kürnis mit derselben 
bedeutung. Hinsichtlich des suffixes erinnern die drei letzt- 
genannten an avest. karena-, nur muss das Originalwort, wel- 
ches die bezüglichen finn. formen abgegeben hat, eine andere 
ablautsstufe gehabt haben. Iranischer Ursprung bei finn. kutu-ne 
ist um so wahrscheinlicher, da auch finn. mykkä 'stumm aus 
diesen sprachen stammt, vgl. skrt. müka 'stumm'. Es wäre ver- 
lockend auch finn. rampa (schw. stamm ramma-) 'lahm' aus dem 
iranischen herzuleiten, vgl. skr. srämas. Entlehnung aus dem 
sla vischen chrom'L ist abzulehnen. Die form mit -mp- kann 
durch anlehnung an andere Wörter, in welchen mm mit mp 
wechselt, entstanden sein. Über iranischen Ursprung des finn. 
köhä 'trockner husten', vgl. skr. käs, siehe Munkacsi, Arja es 
kaukazusi elemek a finn-magyar nyelvekben s. 417. 

Helsingfors. 

Joes. J. MiKKOLA. 



I 



Germanische lehnwörter im finnischen und lappischen. 183 



Germanische lehnwörter im finnischen und 
lappischen. 



1. Fi. liinia. 
Fi. liima 'leim' 

«< urnord. *lhna, w^oraus auch altisl.-norw. lim n. 'binde- 
mittel, womit man eine sache an eine andere so klebt, dass 
jene an dieser festhängt, besonders der kalk'; altschw. lim 
'leim", 'kalk, mauerkitt'. 
Estn. lim 'leim' dagegen aus dem niederdeutschen, vgl. 

mittelnieder- und althochd. lim, und lap. libma lima aus den 

jüngeren nordischen formen ohne endvokal. 



2. Fi. liimake. 

Fi. liimake "lange birkenrute' (mit dem suffix -ke) 
<:^ späturnord. *llini ? altschwed. lime (cas. obl. *llma, 
Uma) 'reis, rute' ; vgl. altisl.-norw. limi m. 'reis- od. ruten- 
bündel, zusammengebundenes reis [lim n.] um damit zu 
peitschen oder zu fegen'. Vgl. auch das folg. 



3. Fi. Uimo, liimii, lima(koivu), limo. 

Fi. liimo, liimvi 'junger und dicker birkenwald'; fi. lima- 
(koivu), limo 'junger laubbaum', bes. junge birke, 'bund grüner 
zweige" 

<< urnord. * limo '^ * Uma \ vgl. altwestn. lim n. 'das feine, 
belaubte reis in den zweigen eines baumes" ; lim f. "dünner, 
schlanker zweig im baumgipfel oder zuäusserst an einem 
zweige, der das laub des baumes oder astes trägt'; limi 
m. id.; neunorw. lim m. "ausgeschnittene zweige eines 
laubbaumes'; lime 'nur als leeme belegt': 'feine zweige 
von laubbäumen, an welchen die blätter noch nicht oder 
nur teilweise ausgeschlagen haben'. 



184 E. A. TUNKELO. 



4. Fi. liimottaa. 

Fi. liimottaa 'hervorschimmern, in der ferne weisslich 
erscheinen, glimmern' 

<] urnord. *glmiün ? >> *glhna, v^gl. neunorw. glima \-. 
leuchten, (blendend) glänzen', 'glimmern'; altschwed. glima 
(auch glijma geschrieben) 'glimmern, glänzen', welche mit 
mittelhochd. glimen 'glänzen', altsächs. glimo 'glänz', alt- 
hochd. glimo 'glühwurm' zusammengestellt werden '. 
Eine Zusammenstellung mit urnord. Hwiün, das mit neu- 
norw. lima 'hell od. lichter werden', 'zu grünen anfangen' zu 
v^ergleichen wäre, scheint mir viel unsicherer. 



5. F\. lima, limo 'schleim'. 

Fi. lima 'schleim', 'schlämm'; 'pfeilkraut' ; lima, limo 'igel- 
kolbe (sparganium natans)' ; est. lima "schleim, eiter — — , 
feuchtigkeit' ; limu, lümo (u -< o, ü •< i) 'schleim', 'schlämm" 

<C urnord. *slima (■< *slimo) n.; \'gl. altschw. slim 'schleim". 

altisl.-norw. slim id., und Kluge, Etym. Wb. *> 342, s. \". 

schleim, 

Fi. limma 'Wasserlinse', 'lemna polyrhiza' (bei Lönnrot) 
gehört wohl auch hierher, wenn der nomin. \-on dem aufzeich- 
ner richtig aufgefasst und nicht nach dialektischen formen mit 
mm oder 7nm ^^ m, (z. b. limniä 1. litiiDiä, limmän 1. Unimrni) 
gebildet geworden ist. Natürlich kann diese analogiebildung 
auch in dem volksdialekt selbst \-orsichgegangen sein. 



6. Fi. levä, liva, liiva. 

Fi. levä 'schwankender sumpf, 'alga fluitans' (eine art meer- 
gras); fi. liva 'schleim, Schlüpfrigkeit, maisch', livo "Schlüpfrig- 
keit"; liiva 'zerquetschte oder gekochte, breiige od. schleimige 
masse', "meerschlamm", 'eiter' | kar. liiva "schleim" vot. liva 
'sand' est. liw 'sand, kies" 



1 Tamm, Et\Tn. SV. ordb. 220. 



Germanische lehnwörter im finnischen und lappischen. 185 

<< urnord. *sleva, *slwa (■< *sUvö); vgl. altisl.-norw. slefa 
"schleimartiges sekret aus dem munde abfliessend', neu- 
norw. sleve, sleva 'geifer, ausfliessender speichel'; neu- 
schwed. (dial.) slevig 'schlüpfrig'; altisl.-norw. sly n. 
"schleimartige Wasserpflanzen', neunorw. sli, sly n. 'schleim', 
"schleimartige gewächse im wasser', 'bodensatz von stein- 
mehl und metall'; neuschw. dial. sli od. sly 'schleim', 'sum- 
pfiger boden, bewachsen mit gebüsch und zwergbirke'. 



7. Lp. Ulvta, levt, leud. 

LpK Hlvta, (Notozero) Hevt 'lappisches lied ohne worte', 
levte (Friis) 'cantus'; Hlvfi-, (Notozero) Hevtje-, präs. sg. 3 
"^rivtäja. (Notozero) levtai 'singen' | LpS leud 'fragor, dän, brak' 

(LiNDAHL-ÖHRLING, FrIIS). 

Subst. levte, ^evt <i urnord. ^Hinda^ •< *HeHÖa; vgl. altisl.- 
norw. Ijöö 'Strophe in einem lied'; Hivta entspricht näher dem 
plur. *^Uf(dö, voraus auch altisl.-norw. Ijoö pl. 'lied' 2. Das verb 
'^leiije-, '^Ih'fi- <^ urnord. "^linda <^ *Ueuöön, wie altisl.-norw. 
Ijööa "singen' ; vgl. got. liu|)6n 'loben, singen'. Die entlehnung 
ist sichtlich älter als die gemeinaltnord. synkopierung. Mit rück- 
sicht auf den Wechsel des i {^=. °t oben) und e in den Kolalappi- 
schen dialekten kann man von urnord. formen mit -in- «^ -eu) 
ausgehen. Da der diphthong -eu- noch in runeninschriften aus 
der zeit vor 600 in Schweden vorkommt •*, stammt die entleh- 
nung ungefähr aus dem siebenten Jahrhundert her ^. 

LpS leud >< späturnord. od. altnord. '^*liud (>- altnorw. 
Ijöb s. 0.) oder ^*hliifd, woraus altisl.-norw. hljoö u. a. 'laut, 
der gehört wird', 'ton in der musik', 'gesang'. Vgl. neunorw. 
Ijod (Ijo, Ijod, lj0 u. s. w.) 'laut, ton; klang, besonders: starker 
laut', Ijoda (Ijoa, Ijoda u. a.) "lauten, tönen; (starken) laut her- 
vorbringen"; altschw. liu|) (lyudh u. s. w.) u. a. 'laut, stimme', 
liudha od. lyj)a 'lauten, schallen". Für IpS -eu- -^ altnorw. -j6-, 



^ d in den nord. Wörtern = d unseres Zeichensystems. 

2 Vgl. Kluge, Et>'m. Wb. 249 s. v. Hed. 

^ Noreen, Anorw. u. aisl. gramm.2 § 59. 
* » » » » » § 1 30. 



l86 E. A. TUNKELO. 



-jii hat auch Qvigstad beispiele ^. Die Ip. form setzt \-oraus, 
dass diese entlehnung nach der gemeinaltnord. synkopierung, 
aber vor dem wandel von iu > iü geschehen ist. Noreen - 
hält es für möglich, dass dieser lautwandel im anfang des 
dreizehnten Jahrhunderts in einigen altnorw. mundarten noch 
nicht durchgeführt war, weshalb das alter der entlehnung nur 
mit den Jahreszahlen 900 — 1200 bestimmt werden kann. 



S. Fi. luotattaa, luote; Ip. Hilde, luotte. 

Fi. luotattaa "brummen, murren'; luote 'zaubergesang, 
Weisheitsrunen", pl. luotteet 'zauber- od. kraftworte' ; luottehikas 
'magisch, abergläubisch'. 

LpK Vilite 'Opferung; die heidnische religion der läppen': 
riht-jmjle 'opferzeit am anfange des jahres"; "^IVüe-mlrr 'holz- 
bock, auf welchen das feil des geopferten renntiers gezogen 
wird zur nachbildung eines lebendigen renntiers'; '^r'hfede- 
'opfern, die heidnische religion ausüben' IpN luottai 1. luottas 
od. luottajes 'reich an gesängen oder improvisierten stücken'; 
luottat, luotam \-. a. 'lapponum more canere, tremulo cantu 
canere, cantare"; luotte, luode 'cantio'. 

Die formen '^I^hte und luotte entsprechen lautlich, jene 
auch mit hinsieht auf ihre bedeutung, urnord. *hlöfa subst. 
neutr., woraus altisl.-norw. blot neutr. "Opferung, opferfest', 
'götzenanbetung überhaupt', 'gegenständ der götzenanbetung 
oder was dabei gebraucht wird u. s. w.' Die verba luottat, 
Wite-de- und luota-tta- ( intens! vbil düng aus *lötta- wie z. b. 
kanna-tta-: kanta-) weisen auf urnord. *blöta ■< *hl(jtön hin, 
w^oraus altisl.-norw. blota, impf, blötaöe 'opfern', 'anbeten, als 
gottheit verehren' (auch mit starker flexion, impf, biet "opfern, 
mit opfer verehren'); vgl. auch got. blötan 'opfern, verehren", 
us-blöteins 'gebet, bitte'. Die bedeutungen von 'gesang" und 
"singen', 'brummen' beruhen wohl auf dem alten gebrauche 
das opfergebet als recitativ — zuweilen mit musikbegleitung — 



^ Nord, lehnwörter 46. 
~ A. a. § 59, anm. 



Das »opferholz» bei den läppen. 187 



oder singend vorzutragen ^ vielleicht auch darauf, dass beim 
opfermahl sowohl bei den alten germanen 2 als bei den finno- 
ugriern gesänge zu ehren der verstorbenen und der götter 
gesungen wurden ^. 

Helsingfors. E. A. TUNKELO. 



Kurze notiz über das „opferholz" bei den Sompio- 
lappen (aus dem jähre 1670). 



Aus anlass der Zusammenstellung fi. luote, Ip. luotte < 
urnord. *hlöta (oben s. 186), welcher Verbindung auch ich mir 
schon lange bewusst gewesen bin, möchte ich folgende kleine 
notiz mitteilen, die vielleicht in diesem Zusammenhang den leser 
interessieren könnte. 

Der finnische missionar Gabriel Tuderus, der 1669 — 73 
sazellan in Inari (Enare) war, und der sehr viel für die bekeh- 
rung der damals noch heidnischen finnischen läppen gethan, 
hat in dem bericht über seine missionsthätigkeit - eine beschrei- 



^ Krohx, Suomen suvun pakan. jumalanpalvelus 142, 146, 
157, 162, 173, 179, 180. 

2 MOGK, Pauls Grundr.2 i 1128. 

3 Krohn, s. a. a. 142, 165, 179, 180. 

* Eine gute Handschrift dieses berichtes (»En kort Berättelse, 
genom hwadh tilfälle Sodankylä, Sombio, Kuola Järfwi, Kitka och 
Maanselkä Lappars i Kiemi Lappmarck Affgudadyrkan, wijdskep- 
pelse och sknmptachtige Gudztienst, och hwaruti den bestär, ähr 
worden uppenbar, och huru de ähre sedermera til Gudh omwändne 
wordne») befindet sich auf der Universitätsbibliothek zu Upsala, wo 
ich gelegenheit hatte sie im j. 1888 zu studieren. Der bericht 
wurde im j. 1773 gedruckt (in dem schriftchen »Twä berättelser 
om Lapparnes omwändelse»), aber, was die lappischen und finnischen 
Wörter betrifft, in sehr korrumpierter form. Einige abteilungen der 
Schrift (auch die beschreibung des opfers) wurden von P. BAxG, 
Priscorum Sveo-Gothorum ecclesia (1675) 212 — 213 referiert. Siehe 
das nähere über Tuderus u. Bang bei Setälä, Pari suomalaista 
poimintoa L'psalan yliopiston kirjastosta 10 — 21. 



i88 E. X. Setälä. 

bung des opfers bei den heutzutage (schon seit beinahe einem 
Jahrhundert) ganz fennisierten Sompiolappen geliefert. In 
dieser beschreibung, worin zwar mehrere mis\'erständnisse sei- 
tens des aufzeichners vorkommen, welche aber trotzdem von 
grossem interesse ist, erzählt Tuderus, dass zu dem opfer aus- 
ser einem stein, den die läppen zeit nennen (= IpN sieidde 
' Opferstätte' , 'götzenbild') auch ein krummes holz, einem 
bootskiel ähnlich, gehörte. Das holz, welches neben den stein ge- 
stellt wurde, wurde Hijden wenet 'boot des Hiisi' (von ihm mit 
„bläkullabät" wiedergegeben) ^ oder mit einem anderen namen 
luottemurit (von ihm als „tillitelsens träd'' aufgefasst, welches 
Banxt als „arbor confidentise" übersetzt) genannt. Nach einer 
beschreibung des gesprächs des läppen mit dem götzen erzählt 
unser berichterstatter weiter, dass, wenn der götze ein lebendi- 
ges opfer fordert, ein vsi luottemurit („et nyt tillitelsens trä'', 
Bänxt: „alia arbor confidentise") aufgerichtet werde. Daran 
werde das lebendige opfer gebunden und ihm nach einer 
langen rede die axt in den schädel getrieben. Sowohl das 
holz als der stein u'erde dann mit dem blute des tieres be- 
strichen, und nachdem die opfernden das fleisch gekocht haben, 
schneiden sie dasselbe in kleine Scheiben, welche an gewun- 
dene reiserzweige gebunden und an dasselbe holz gehängt 
werden. 

Man kann nicht umhin in luottemurit die entsprechung 
des IpK HVitemlrr (*lpX luottemuorra) "opferholz' (siehe oben 
s. 186) - zu erkennen; die form murit wäre wohl als acc. pl. 
(im heutigen Ipl nach F. äimä mi(orain) aufzufassen. Die 
Übersetzung von Tuderus „holz des Vertrauens'" („arbor confi- 
dentise" ) ist durch eine falsche Verbindung des Wortes mit Ip. 
luottet "confidere', fi. luottaa id. zu erklären. — Vsi ^= fi. uusi 
neu stammt natürlich (wie Hilden vene) von dem finnisch 
redenden berichterstatter Tuderus' her. 



1 Könnte fi. Hiisi vielleicht hier in seinen urspr. bedeutung: 
('opferstätte', wahrsch. etj-mologisch = Ip. sieidde) stehen? 

- Für *luottemuorra existiert kein direktes vorbild im nord., 
denn das ano. blöttre bedeutet 'opferbaum', 'bäum, der gegen- 
ständ der anbetung ist'. Das läpp, opferholz ist ja auch sicher 
älteren Ursprungs. 



Die S3'rj. bildung auf -ob, -öp. 189 

In luottemurit haben wir also ein kleines sprachliciies 
denkmal aus einem ausgestorbenen dialekte, welches auch in 
mythologischer hinsieht von einem gewissen Interesse ist ^ 

Helsingfors. 

E. N. SetäLÄ. 



Die syrjänische bildung auf -ob, -öp und der kompa- 
rativ im finnisch-ugrischen. 



Das auftreten des suffixes *mp als eigentliches kompara- 
tivsuffix im finnischen (mp), lappischen (b, bb) und ungarischen 
(bb) scheint auf den ersten blick darauf hinzudeuten, dass die- 
ses suffixale dement schon in der finnisch-ugrischen Ursprache den 
komparativgrad bezeichnet habe (vgl. Budenz „Az ugor nyelvek 
összehasonlitö alaktana" 280). Andrerseits jedoch weist der 
umstand, dass das komparativsuffix in diesen sprachen auch 
an Substantive (vgl. z. b. fi. rannempana 'dem strande näher' 
V. ranta 'Strand', Ip. oaivab 'hoher' v. oaiwe 'haupt, köpf, 
ung. emberebb 'mehr mensch" v. ember 'mensch'), ja sogar 
auch „unorganisch" an adverbiell gebrauchte kasusformen (vgl. 
z. b. fi. tuonnempi 'der weiter hin sich befindet' v. tuonne 
'dahin", ung. odabb 'weiter hin' v. oda 'dahin', idebb 'näher 
her" v. ide 'hierher') treten kann, darauf hin, dass die ableitun- 
gen mit *mp ursprünglich keine reinen, adjektivischen kompa- 
rativformen gewesen sind. Heinrich Winkler, Das uraltaische 
und seine gruppen 106 — 9 meint, „die form des comparativ 
dürfte schwerlich formalen Ursprungs, vielmehr wahrscheinlich 
stoftwort, etwa menge, sehr bedeutend, sein", fügt jedoch 
hinzu: „gleichwohl muss man, da das magyarische bb genau 
dem westfinnischen comparati\'element entspricht, dasselbe auch 
im lappischen das gewöhnliche comparativzeichen darstellt, an- 
nehmen, dass diese bildung, wenn auch wenig durchgedrungen, 



^ Über luottemurit siehe auch Krohn, Suomen suvun paka- 
nallinen jumalanpalvelus 27 — 28. 



I90 Yrjö Wichmann. 



schon im urfinnischen ' wenigstens der anläge nach vorhan- 
den war*'. Dass diese komparativbildung, wennschon „der an- 
läge nach vorhanden", in der that „wenig durchgedrungen" 
war, bezeugt auch die thatsache, dass sie in keiner der übrigen 
liugr. sprachen als eigentlicher komparativ anzutreffen ist '•^. 
Material, welches geeignet ist die ursprüngliche natur der ablei- 
tung auf *mp zu beleuchten bietet auch das syrjänische. Im 
folgenden werde ich es in kurzen zügen darstellen. 

WiEDEMANN, Grammatik der s\'rjänischen Sprache i^ 31, er- 
wähnt einige mit den suffixen -ob, -öp, -ep, -yp abgeleitete 
nomina aus dem syrjänischen, „welche meist die Bedeutung 

des Leichten, Raschen haben und wieder den Stamm 

für abgeleitete \''erba desselben Sinnes geben", z. b. 'kut's'keh 
"leichter schlag' (htt'sl'mi 'schlagen"), sureh 'schnell, eilig, an- 
gestrengt' (sur tnunni 'eilen') und einige andere. Dass Wiede- 
mann's definition der bedeutung der mit dieser endung abgelei- 
teten nomina jedoch nicht ganz zutreffend ist, ersehen wir aus 
den folgenden beispielen (die sich übrigens alle auch in dem 
syrjänischen Wörterbuch Wiedemann's finden): 

*edeh: edelitini (=^ edeh-t-ini) 'stärker, heftiger werden"; 
vgl. ed 'hitze, wärme, kraft, anstrengung'. 

iieh, Izehen 'schnell, plötzlich, unvermutet', izehtini "sich 
schnell bewegen'; vgl. izjedni 'anregen'. 

Tcaneh, Tcanehen (instrum.; NB. nicht hinehten) '\-erstohlen'; 
\-gl. kau 'katze', lan Jean od. Jean hanen 'im stillen, verstohle- 
ner weise". 

IcarsJceh: karsTceb puktini 'einen schlag \-ersetzen*: vgl. 
karskini 'einen schlag geben'. 

*kizeh: k.zehtini 'aushusten"; vgl. kiz)ii 'husten'. 

kut'skeh 'leichter schlag'; vgl. kufskini 'schlagen". 

leskeb 'gänzlich, ganz und gar', leskeMini "auf den köpf 
schlagen, ohrfeigen'; vgl. lesalni 'behauen'. 



^ D. h. urlinniscliugrischen. 

2 Die von Budenz erwähnten »spuren eines komparativs mit 
mp» im tscheremissischen (tumb-al, umb-al 'pars ulterior', temb-al 
'pars citerior') und mordwinischen (ombo "alter, ulterior') kann man 
nicht für eigentliche adjektivische komparative ansehen. Übrigens 
bildet sowohl das tscheremissische wie das mordwinische seine 
Steigerungsgrade syntaktisch. 



Die S3rj. bildung auf -ob, -öp. 191 

l'iizeb: luzeben 'in langem zuge'; vgl. luzim-lazim {do^'pQ- 
lung des nachdrucks wegen) 'in langem zuge', also = l'uze- 
hen: hiz vidzni 'sich hinstrecken". 

"^pid^eh: pi(t5ehtini 'auspressen, erpressen, aussaugen, er- 
drücken'; vgl. pftSJcnri 'drücken, pressen". 

rczeh 'flink, gewandt', rezehen 'schnell, reissend (\erkauft 
werden)"; \'gl. rez 'spritzende tropfen', rezni 'spritzen'. 

'■rizgeh: rizgehtini Wied. {? rizgebtpii) 'lärmen (wie 
betrunkene)'; vgl. riz 'krach, geprassel', rizgini 'krachen, 
prasseln". 

sudzJceh. sufsJieh 'durchgehend, durchscheinend'; adv. 
"durch, quer durch', sutskeh munni "dahin eilen, sich schnell 
fortbewegen', sut'sTcehen viziltni 'schnell strömen, herausströ- 
men" {viziltni 'strömen'); vgl. Siutzhini. sufSJctn^ 'eintauchen; 
sich schnell fortbewegen, streben, trachten'. 

iiireh 'Schneesturm, Unwetter', tureh-aika "windbeutel, 
leichtsinniger mensch', tureh-sera 'aufrührerisch', turehes 'auf- 
rührerisch. Stürmisch'; vgl. turzini (=z tur-z-ini) 'stöbern (v. 
Schnee)". 

fsereh: Uereb munni, t'sereh vidi^ii. t'serebtini 'erschrek- 
ken, auffahren, sich sehr fürchten' ; vgl. t'serdni (= t'ser-d-ni) 
'erschrecken, scheu werden, auffahren'. 

tkil'eh: t'sul'ehen petni = tsul'edni petni "reichlich heraus- 
strömen". 

*Me6; lieht int, ueptini "lärmen"; vgl. ualni (^= u-al-ni) 
'dumpf tönen'. 

'■''Kt'eh, ut'ep: ut'ehttni, ut'ep herni 'schnell davon laufen, 
entschlüpfen, sich schnell fortschleichen' ; vgl. ufoltni (= uf- 
olt-ni) 'davon laufen'. 

vizleb 'strömendes wasser, stromstelle', va-vizleb 'Strom- 
schnelle, stromstelle', vizlehes 'voll Stromschnellen'; vgl. vizlahu 
"rieseln, fliessen, rinnen, strömen'. 

vol'sTceh 'glatt, schlüpfrig", vol'sl-ehtpii 'gleiten, entgleiten'; 
\'gl. vol'sjalni 'glitschen, ausgleiten'. 

zireh: zircb loni 'überfallen, anfallen, sich stürzen, losge- 
hen auf jem.'; vgl. zirni 'drängen, verdrängen'. 

Beispiele derselben bildung, von denen aber die entspre- 
chenden einfacheren formen nicht nachzuu'eisen sind, sind 
folgende : 



192 Yrjö Wichmann. 



hüheh "überhaupt, im ganzen (?)'. 

hirsJceh 'schnell, eilig', InrsJceh petni, hirslcehÜni 'hinauseilen'. 

guzeh 'unerwartet, plötzlich', guzeh-gazel) "auseinander'. 

ileb, il'eh 'häufe, menge", ihhen "haufenweise", ilehen lolcni 
'zusammenströmen'. 

irsheb, irskehen 'plötzlich, über hals und köpf, irsTceba 
"schnell, hitzig', irsJcebtini 'sich stürzen, laufen aus allen kräften'. 

itheb, ifkeben 'plötzlich, unerwartet, über hals und köpf, 
itkebtini 'stürzen, eilen, dringen'. 

lutkeb "leichter schlag". 

rizeh: rizeben nuni 'durchgehen mit etwas'. 

sareh 'deutlich, klar, schnell', sardien ^schnell". 

suJceb 'stürm, Schneesturm, regenwetter'. 

terib 'schnell, lebhaft, rasch, eilig, gleich bereit; Schnellig- 
keit'; terß inort 'flinker, rascher mann'. 

vuzeb 'unerwartet, plötzlich'. 

Die beispiele thun dar, dass das syrjänische mit der 
ableitungsendung -eh nomina, substantiva wie auch adjektiva 
bildet (die letzteren adverbiell im instrumental oder absolut 
gebraucht), die gegenüber dem Stammwort einen in gestei- 
gertem masse auftretenden zustand oder ebensolche eigen- 
schaft wiedergeben, mit anderen Worten: nomina augmenta- 
tiva, intensiv a. Die von Wiedemann a. a. o. zugleich mit 
den s^-rjänischen ableitungen auf eh erwähnten wotjakischen 
Wörter mit der endung ep (z. b. ulep, instrum. ulepkin 'leben- 
dig', Icusip 'Zwischenraum', t'Si/'ep 'netz') bergen, wie Wiede- 
mann selbst schon bemerkt, nicht denselben sinn wie die obigen 
syrjänischen Wörter in sich und dürften \"on diesen ganz fern- 
zuhalten sein '. 

Beachten wir, dass in den permischen sprachen ein nasal 
vor labialem verschlusslaut ebenso wie im ungarischen ge- 
schwunden ist [vgl. z. b. syrjS gihalni "schwimmen", s\v]V 
gihavni 'scharenweise schwimmen (v. fischen), wobei das was- 
ser sich kräuselt', ung. hab 'welle, schäum", wog. ^iimp id., 
wotj. ihini 'werfen, schleudern, schiessen', vgl. syrj. ebes "kraft, 
stärke', fi. ampua 'schiessen'; syrj. sohalni 'zappeln, patschen 



1 Auch BuDENZ a. a. o. 189 hält die ableitungen mit s}*rj. 
eh und wotj. epj für zusammengehörig. 



Die syrj. bildung auf -ob, -öp. 193 

(im morast)', vgl. est. somp 'Verwirrung, konfusion', sega-sompa 
'verwirrt, durcheinander', ü. sompelo 'Verwirrung, verfitzung'; 
wotj. uho 'blumenbeet, ackerbeet', vgl. syrj. ib 'feld', mord. 
uma (<< *iimha) 'ackerstück, anteil am felde' *], womit also der 
labiale verschlusslaut der in frage stehenden syrjänischen ablei- 
tungssilbe urspr. '^riip sehr gut entsprechen kann, so sind wir 
wohl berechtigt dieses ableitungssuffix der syrjänischen nomina 
augmentativa, intensiva für die etymologische entsprechung des 
finnischen, lappischen und ungarischen komparativsuffixes anzu- 
sehen. 

Angesichts der bedeutung und verv\-endung der sj'rjäni- 
schen nomina auf eh ist es schwer mit besfimmtheit zu ent- 
scheiden, ob solche nomina mit *inp in der fiugr. Ursprache 
überhaupt in der komparation gebraucht worden sind. Da sie 
jedoch heutzutage als eigenfiiche komparative in so weit \'on 
einander entfernten sprachen wie dem finnischen, lappischen 
und ungarischen erscheinen, ist grund für die annähme vor- 
handen, dass sie beim syntaktisch gebildeten komparativ so gut 
wie andere adjektive haben verwandt werden können, ebenso 
wie im heuügen wotjakischen bei der bildung des komparativs 
mit der endung gern, ges abgeleitete adjektive gebraucht wer- 
den können, z. b. wotjMU so tinisTcid {ablsit) Tciizmoges'^ odQV 
tinisTcid hiSmo 'er ist stärker als du' (die zweite konstruktion 
ist wenigstens in den südlichen dialekten des wotjakischen die 
gewöhnlichere). 

Hiernach halte ich Winkler's obenmitgeteilte annähme, 
dass die bildung des komparativs mit *mp schon in der fiugr. 
Ursprache „der anläge nach vorhanden war", für vollkommen 
gerechtfertigt. 

Ustsysolsk november 1901. YrjÖ WicHMANN. 



' Vgl. Setälä Über quantitätswechsel, JSFOu. XIV 329 anm.-. 
^ huSmo 'stark', Tcuzmoges 'etwas stark, etwas stärker'. 



HELSINGFORS 

DRUCKEREI DER FINNISCHEN LITTERATUR-GESELLSCHAFT 
1901 — 1902. 



ANZEIGER 



DER 



FINNISCH-UGRISCHEN FORSCHUNGEN 



BAND 1 AUGUST-DEZEMBER 1901 HEFT 3 



Zur Kalevalafrage. 



K. B. WiKLüXD, Om Kalevala, finnarnes nationalepos och forsknin- 
garna rörande detsamma (Über das nationalepos der finnen, das 
Kalevala, und die Kalevalaforschungen). Föreningen Heimdals 
folkskrifter n:r 71. Stockholm, Norstedt & Söner, 1901. 39 s. 
8:0. Preis: 25 öre. 

K. J. Hagfors, Om Elias Lönnrot och Kalevala. Tidskrift för 
folkskolan 1901 h. 6. 

I Anton Weis-Ulmenried, Die Ergebnisse der Kalevalaforschung. 
Die Grenzboten 1901 nr. 43. 

Kalevala eine mystifikation ! Mit diesem worte begleitet der 
deutsche referent in den Grenzboten Wiklund's äusserung, dass 
sich die Kalevaladichtung als ein nationales luftschloss erwiesen 
habe, und dass die finnischen forscher mit blutendem herzen daran 
gegangen seien dieses luftschloss niederzureissen. Der wohlmei- 
nende deutsche beklagt aufrichtig, dass dem finnischen volke »aber- 
mals bitteres leid» widerfahren sei! 

Es giebt auch in der Wissenschaft zuweilen noch kleine m}-- 
thenbildungen. Zu diesen wären auch die »blutenden herzen» 
{WiKLUND gebraucht den weniger drastischen ausdruck: »svidande») 
der finnischen forscher zu rechnen. Denn mit lust und liebe, ja 
mit begeisterung, haben dieselben während der letzten drei Jahr- 
zehnte gearbeitet im dem bewusstsein, dass der gegenständ ihrer 
forschung eins der interessantesten der folkloristischen Wissenschaft 
ist, und dass die Kalevalafrage bei weitem mehr positive als nega- 
tive arbeit bietet. 

Der behauptung, dass Lönnrot mit der Kalevaladichtung sein 
Volk .-.mystifiziert» hätte, widerspricht schon die anerkennung, dass 
Lönnrot »ein ehrlicher mann war, der mit grösster pietät und Sorg- 
falt alle seine aufzeichnuno-en ( Wikluxd : auch der anderen) aufbe- 



l86 Zur Kalevalafrage. 



wahrt hatte». Weiter wird zugegeben, dass Lönnrot sogar seine 
eigenen konzepte: die kleineren liederkomplexe (Lemminkäinen, 
Väinämöinen, Hochzeitsgesänge) sowie den ersten versuch ihrer 
Vereinigung iRunokokous Väinämöisestä ^ Runensammlung ül^er V., 
im folg. RV bezeichnet) mit allen nachträglichen vorschlagen der 
nachweit treu überliefert hat. Unter allen sog. volksepen der weit 
ist somit das Kalevalaepos das einzige, dessen entstehung fast bis 
auf jede einzelne zeile nachgewiesen werden kann. Ohne auf die 
Ossianische frage einzugehen und mit voller anerkennung von 
Macphersons bedeutung als erwecker der folkloristischen bestrebun- 
gen, muss gerade der unterschied zwischen Lönnrot und Macpher- 
son in dieser hinsieht hervorgehoben werden. 

Der deutsche referent weist noch auf die ansieht hin, dass 
Lönnrot als ein zweiter Macpherson »ein gut teil der verse selbst 
geschmiedet» hätte. Wiklund erklärt jedoch, dass die Zusätze 
Lönnrot's selten von ihm direkt geschaffen v.'urden, sondern aus 
bruchstücken anderer Volkslieder bestanden. Dies wird auch durch 
NiEMl's genaue Untersuchung der ältesten, erst neulich gedruckten 
Kalevalaredaktion vom j. 1833 bestätigt. Von den 5 tausend Zei- 
len des »Runokokous Väinämöisestä» sind 94 "/o sicher volkstüm- 
lich, I % setzt möglicherweise eine geringe anzahl verlorener oder 
nur in Lönnrots gedächtnis erhaltener Volkslieder voraus. 5 % 
verstreute zeilen sind nicht rein volkstümlich, aber bei weitem nicht 
alle aus Lönnrots eigener phantasie geflossen; beweisbar sind remi- 
niscenzen hauptsächlich aus den echten Volksliedern, zuweilen aus 
den gedichten der neueren bäuerlichen poeten und sogar aus ein- 
zelnen Zeilen älterer finnischer kunstdichter. 

Es sei besonders bemerkt, dass Lönnrot keine prosaischen 
erzählungen fürs Kalevalaepos versifiziert hat, wie noch neulich in 
einem deutschen Zeitungsartikel behauptet worden ist. Ob es 
überhaupt einem kunstdichter möglich ist, ein episches ihema im 
alten finnischen versmass volkstümlich zu behandeln, ist mehr als 
zweifelhaft. Der obligatorische parallelismus der kurzen zeilen setzt 
eine ursprünglichkeit der auffassung und einen naturreichtum des 
sprachlichen ausdrucks voraus, wie sie kein reflektierender poet 
besitzt. Lönnrots eigene kümmerliche versuche seinen selbständi- 
gen gedanken im Kalevalaversmass ausdruck zu verleihen, würden 
ihm jedenfalls diese möglichkeit absprechen, auch wenn wir keine 
positiven beweise hätten. 



Zur Kalevalafrage. 187 



Aber, meint Wikluxd, wenn man die kolossale masse der 
finnischen lieder und Varianten in betracht zieht, versteht man 
leicht, dass man aus ihnen ohne mühe Zeilen für alle denkbaren 
bedürfnisse erhalten kann, ohne genötigt zu sein etwas aus eige- 
ner phantasie zu schöpfen. »Man kann nicht sagen, dass Lönnrot 
das vorgefundene material auf die passendste weise bloss zusam- 
mengestellt hat. — Der Wahrheit am nächsten kommt man, wenn 
man sagt, dass Lönnrot das Kalevalaepos mit hilfe einer menge 
Volkslieder, Avelche sowohl in form als Inhalt wenig stabil waren, 
verfasst habe.» 

Wikluxd kennt noch eine dritte auffassung von Lönnrots 
arbeit. »Lönnrot stellte sich, natürlicherweise im guten glauben, 
den volkssängern gleich, und verfuhr mit den runen ungefähr in 
derselben weise wie die volkssänger. » Diese definition fällt aber 
bei ihm mit der vorigen zusammen, da der Vordersatz lautet: »Ein 
jeder sänger behandelte die lieder, welche er kannte, mit grosser 
freiheit). Die von ihm angenommene Instabilität des volksHedes 
' rläutert er noch durch folgende sätze, welche als resultate der 
neueren, wirklich wissenschaftlichen» Kalevalaforschung gelten sol- 
len: »dasselbe lied wurde von verschiedenen sängern gewöhnlich 
verschieden vorgetragen — ein sänger kannte gewisse lieder, ein 
anderer durchaus andere (!) — der eine trug die gesänge, die er 
kannte, in einer, der andere in ganz anderer Ordnung vor». 

Diesen Sätzen kann aber niemand, der gelegenheit gehabt 
liat, sich mit den finnischen und estnischen Volksliedersammlungen 
zu beschäftigen, zustimmen. Die anzahl der liedervarianten, welche 
sich bald 100,000 nummern nähert, lässt der annähme von zufälli- 
gen Übereinstimmungen und abweichungen wenig räum. Es ist 
nicht die Instabilität, sondern vielmehr die Stabilität einer liedform 
in einer gewissen gegend, welche hier in die äugen fällt und die 
iiauptsache ist; die individuellen Variationen der meisten volkssän- 
ger halten sich in engen grenzen. Eine neue liedform entsteht 
gewöhnlich bei der Wanderung eines liedes vom einen gesang- 
i,^ebiete zum andern und setzt natürlich eine grössere freiheit 
>ei einem höher begabten volkssänger voraus. Aber willkürlich 
ist sogar diese freiheit nicht, da die liedformen verschiedener 
gegenden meistens eine entwicklungskette in geographischer Ord- 
nung bilden. Dieses i.st der anhaltspunkt der finnischen Kalevala- 
forschunsf. 



Zur Kalevalafraye. 



Diesen hat auch Wikluxd an einer anderen stelle richtig 
dargestellt — ungeachtet des Widerspruchs mit den obigen Sätzen. 
»Bei eingehender Untersuchung hat man gefunden, dass wenigstens 
in vielen fällen die primitivsten und am wenigsten entwickelten 
runen im gebiete der esten anzutreffen sind, dass sich dieselben 
runen auch wieder in Ingermanland voiiinden, aber ausgestattet mit 
teilweise neuen zügen; im südlichen Kardien findet man sie in 
noch mehr veränderter und ausgebildeter form, im nördlichen Kare- 
lien schliesslich in der form, die den Kalevalarunen zu gründe liegt 
und die am meisten von den einfachen und primitiven formen des 
ursprünglichen gesanges abweichen.» Als konkretes lieispiel führt 
er den ersten gesang von der weltschöpfung an. 

Die erzählung von der weltschöpfung tritt als Volkslied in 
folgenden hauptformen auf, welche deutlich eine aus der andern 
entwickelt sind. 

1. Estnisch. Eine schwalbe fliegt umher, findet drei sträu- 
cher und wählt einen für ihr nest. Sie legt drei eier und beginnt 
sie auszubrüten. Aus den jungen entstehen sonne, mond und stern. 

2. Ingermanland. Schwalbe — drei mooshügelchen auf 
dem meere (später: ein mooshügelchen, eine insel, ein schiff") — 
das brüten wird selten erwähnt — drei eier (später: ein ei) — die 
eier fallen ins meer und zerbrechen — aus dem dotter entsteht 
die sonne, aus dem eiweiss der mond und aus dem übrigen der 
Stern (später: die sternej. 

3. Finnisch-Ostkarelien. Einleitung: das lied vom Lap- 
pen, welcher den alten Väinämöinen niederschiesst — eine ente 
fliegt — Väinämöinen erhebt sein knie wie einen mooshügel aus 
dem meere — brüten und bewegung des kniees — aus den be- 
standteilen eines eies entstehen ausser den hiramelslichtern noch 
der himmel' und die erde. 

4. Rus sisch - Kar elien. Dieselbe einleitung. Zusatz: Väi- 
nämöinen formt den meeresgrund. Mehrere, bis zu 7 — 8 eiern (in 
Finnisch-Karelien zerfällt das ei in 7 — 8 Stückchen). \'äinämöinen 
spricht die schöpfungsworte aus (einmal schon in Finnisch-Karelien). 
Als neue konstante Verbindung mit dem obigen tritt hier das 
Sampolied auf. 

An *clem gesange von der weltschöpfung haben also 4 — 5 
volkssänger nach einander und abhängig von einander gearbeitet. 
Der letzte in der reihe dieser volkssänger war Lönnrot, welchen 



Zur Kalevalafrage. igg 



das Schicksal glücklicherweise gerade in das nördlichste gesang- 
gebiet geführt hatte. 

Wie hat aber Lönnrot dies lied weiter entwickelt? In der 

i älteren Kalevalaredaktion (im folg. VK bezeichnet) bloss durch eine 
neue Verbindung: Väinämöinens geburt, welches seltene lied sich 
schwerlich anderswo einstellen Hess. In der neueren redaktion 
wohl durch die anwendung einer verdrehten form von Väinämöinen, 
Vein emoinen 'mutter des wassers', durch die ansetzung einer 
neuen einleitung aus anderen liedern und trennung der alten volks- 
tümlichen vom niederschiessen des Väinämöinen (s. Lönnrots moti- 
vierung Litteraturbl. 1849 16 — 17). Dies sind aber mehr fragen 
der Zusammensetzung und berühren nur mittelbar den Inhalt des 
iresanges von der weltschöpfung, welchen die vorhergehenden volks- 
-änger ein jeder weit mehr verändert haben. 

Dasselbe Verhältnis zwischen der arbeit Lönnrots und der seiner 

I Vorgänger kann in fast jeder beliebigen Kalevalarune nachgewiesen 

werden. Lönnrot war nicht nur »in gutem glauben», sondern in der 

Wirklichkeit der letzte volkssänger, wie er sich selbst bezeichnete. 

»Lönnrot unterscheidet sich», erklärt Julius Krohn, »von 

I seinen Vorgängern hauptsächlich nur dadurch, dass er alle schätze 
des volksgesanges in unvergleichlich höherem masse kannte als 
irgend einer von diesen und somit eine viel reichere quelle besass, 

I aus der er schöpfen konnte. Dazu kommt gewiss noch ein durch 
litterarische bildung verfeinertes poetisches gefühl bei der wähl der 
zuthaten. Andrerseits jedoch steht Lönnrot dennoch auch hierin, 
was die unbewusstheit des Schaffens betrifft, seinen Vorgängern 
ganz nahe. Selten ist einer von diesen im stände, selbst auch 
nur ein mittelmässiges reines gedieht zu verfassen, obgleich sie bei 
der ausbildung des gesanges — — oft einen bewunderungswerten 
}ioetischen instinkt zeigen.» 

Dass Lönnrot Interpolationen aus anderen Volksliedern zur 
.lusschmückung eines gesanges gebrauchte, unterscheidet ihn nicht 
im geringsten von den volkssängern, welche ein lied gerade mit 
hilfe anderer weiter entwickeln. Einen beweis für das feine gefühl, 
welches Lönnrot für die Volksdichtung besass, liefert das überra- 
schende faktum, welches schon Julius Krohx aufgewiesen hat, 
dass die volkssänger später manche details in derselben weise aus- 
i;eführt haben wie Lönnrot, nachweislich ohne beeinflussung durch 
das gedruckte Kalavalaepo.s. 



190 



Zur Kalevalafraüe. 



Wenn man also Lönnrot den Verfasser der Kalevaladich- 
tung nennen will, so können auch die volkssänger, welche eine 
neue variantenform erschaffen haben, diesen namen beanspruchen, 
und Lönnrot wäre jedenfalls nur der letzte Verfasser des epos. Da 
das attribut der letzte hier die hauptsache bezeichnet, so ist es 
unnötig zu begründen, inwiefern das wort Verfasser am platze ist. 
Es sei nur envähnt, dass wir, ganz abgesehen von dem gebrauche 
dieses ausdrucks für selbständige kunstdichter, auch in der teil- 
weise volkstümlichen dichtung verschiedene stufen unterscheiden 
müssen. Wir brauchen nur das Kalevalaepos mit seinen nachfol- 
gern Kalevipoeg und Hiawatha zu vergleichen, um die notwendig- 
keit einer näheren bestimmung der begriffe einzusehen. Longfellow 
war ein grosser dichter, welcher prosaische märchen in verse 
brachte; Kreutzwald ein mittelmässiger poet, der sowohl märchen 
als lieder zu seiner komposition benutzte; Lönnrot ein unbeholfener 
selbständiger versifikator, dem aber Volkslieder nicht nur in genü- 
gender anzahl, sondern auch in grösstenteils fertigen Verbindungen 
zu geböte standen. 

WiKLUND sagt wohl: »Der faden der erzählung ist Lönnrots 
werk: das volk kannte nur einzelne episoden». Dies ist nicht fak- 
tisch; die »Ordnung» der gesänge bei den volkssängern weist 
schon auf Verbindungen der episoden hin, welche gewiss nicht als 
bloss zufällige, instabile bezeichnet werden können. Bevor ich 
aber die frage von der Zusammensetzung des Kalevalaepos behandle, 
muss ich noch den nächst folgenden satz Wikluxd's besprechen: 
»Gewisse episoden hat Lönnrot ohne besonders grosse Veränderun- 
gen aufgenommen, andere aber statt dessen bis zur Unkenntlichkeit 
umgestaltet». Denn nur auf beide sätze bezogen kann man die 
behauptung Wiklund's verstehen, dass »die haupthandlung in der 
Kalevaladichtung, der gang ihrer Schilderung, nicht vom volke 
selbst, sondern von Lönnrot herrührt». 

Giebt es denn dermassen umgestaltete episoden, dass ihre 
haupthandlung, der gang ihrer Schilderung von Lönnrot herrührte? 
La der von NiEMl untersuchten ältesten Kalevalaredaktion hat eine 
episode, die befreiung der sonne und des mondes (RV XIU), mit 
hilfe anderer lieder von Lönnrot ihre Verknüpfung erhalten. \'on 
diesem hat gerade Lönnrot selbst in der vorrede ausdrücklich 
gesagt, dass er ihn »am wenigsten vollständig aus dem volksmunde 
erhalten habe und s:ezwun<ren srewesen sei stellenweise mit eigenen 



Zur Kalevalafrage. 191 



Worten die lücken auszufüllen». Ausserdem wäre der anfang der 
zweiten Kantelerune (RV XIV i — 70) und ein paar übergangstellen, 
wie Ilmarinens zweite fahrt nach Pohjola (RV X 146 — 167) zu 
erwähnen. Überhaupt aber ist der gang der Schilderung in den 
einzelnen episoden dieser redaktion durchaus volkstümlich. Dasselbe 
gilt noch für die redaktion von 1849, ungeachtet der ausdehnung 
der episoden durch reichliche Zusätze und mit ausnähme einiger 
neuer übergangsrunen besonders in den stark vermehrten Lemmin- 
käinen- und Kullervoliedern. 

Auch ist zu bemerken, dass sogar in diesen ausnahmefällen 
Lönnrot sich von jenen volkssängern, die eine wandernde liedform 
weiter entwickelt haben, und dabei zu mehr und grösseren neu- 
Isildungen gelangt sind, nicht wesentlich unterscheidet. 

Die Vorarbeit der volkssänger inbetreff der liederverbindungen 
vollständig zu beschreiben würde an dieser stelle zu weitläufig sein ; 
ein anderes mal hoffe ich gelegenheit zu finden diese interessante 
frage wiederaufzunehmen. Ich will hier nur die beiden von WlK- 
LUXD gewählten beispiele beleuchten, da seine darstellung bloss die 
halbe Wahrheit giebt, die andere hälfte aber unberücksichtigt lässt. 
Es ist vollkommen richtig, dass die zweite Kalevalarune aus drei 
gesängen zusammengesetzt ist, deren jeder für sich gesungen 
wird: a) das besäen der erde, b) die grosse eiche, cj der anbau 
des korns. Doch hätte hinzugefügt werden müssen, wie schon 
Julius Krohn gezeigt hat, dass sowohl a -|- b als auch a -[- e 
bereits bei den volkssängern vorkommen, und Lönnrot bloss beide 
A^erbindungen zu a -f- b -j" c vereint hat. Ebenso bestehen die 
Ainorunen gewiss aus drei teilen: a.) wettgesang zwischen Väinä- 
möinen imd Joukahainen, b) das eigentliche Ainolied, c) das fischen 
nach der wasserjungfrau. Dass weder a und b noch b und c im 
volksmunde verbunden vorkommen, ist auch wahr, doch darf nicht 
übersehen w^erden, dass nicht nur c mit a verbunden vorkommt, 
sondern auch der name Joukahainens mit dem der wasserjungfrau. 
In der ältesten Kalevalaredaktion (RVj kommen auch bloss a und c 
vereint vor und erst später in der gedruckten redaktion von 1835 
(\'Ki ist b von Lönnrot zwischen a und c eingefügt vorden. Es 
sei noch bemerkt, dass beide liedergruppen zu denen gehören, 
welche mit der haupthandlung des epos zu vereinigen Lönnrot am 
schwersten gefallen ist. 



IQ2 Zur Kalevalafrage. 



Seine arbeit als zusammensteller der Volkslieder hat Lönnrot 
folgendermassen bezeichnet: er habe zweierlei beim ordnen beob- 
achtet: erstens die Ordnung, an welche sich die volkssänger 
gehalten, und zweitens, wo diese nicht ausreichte, welche ord- 
nungsfolge »die natur der liederthemata v zu fordern schien (vgl. 
die vorreden zu RV und VK). 

Unter dieser natürlichen Ordnungsfolge brauchen wir keinen 
»roten faden» zu verstehen, wie ihn Wikluxd fordert, welcher 
durch alle volksgesänge hindurchgegangen und sie zu einem gan- 
zen verbunden hätte, unbeschadet der Veränderungen und Umbil- 
dungen, welche jeder einzelne gesang erlitten hätte. Diese forde- 
rung setzt die ansieht von einem ursprünglichen ganzen voraus, 
das in trümmer zerfallen und von Lönnrot wiederhergestellt wäre. 
Lönnrot selbst hat schon eine richtigere auffassung ausgesprochen 
(Litteraturbladet 1849 19): »Ich bin weit davon entfernt anzuneh- 
men, dass die Kalevalagesänge noch heutzutage dieselben wären, 
wie sie anfangs gesungen wurden, auch bin ich nicht mehr der- 
selben meinung wie diejenigen, welche glauben, dass wenn sich 
jemand einige Jahrhunderte früher vorgenommen hätte diese ge- 
sänge zu sammeln, die ernte dann viel reichlicher ausgefallen 
wäre » . 

Das Kalevalaepos ist weder mit einer uralten restaurierten 
schlossruine noch mit einem gelegentlichen luftschlosse eines mo- 
dernen künstlers zu vergleichen. Die einheit zwischen den liedern 
ist weder etwas ursprüngliches noch von einem einzelnen zusam- 
mensetzer erfundenes. Sie ist allmählich mit der zeit und wäh- 
rend der Wanderung der lieder entstanden. In Westfinland und 
Estland sehen wir nicht nur die verschiedenen arten der lieder, 
wie z. b. die epischen und die zauberlieder, von einander geschie- 
den, sondern auch die verschiedenen themata gewöhnlich jedes für 
sich gesondert; im östlichen Estland jedoch beginnen schon kon- 
stantere Verbindungen aufzutreten. Die ursprünglichen und selb- 
ständigen formen der westlinnischen und estnischen gesänge vereint 
nur ein einziges band, wennschon ein sehr bedeutendes, das ihnen 
allen gemeinsame versmass. Auf karelischem gebiete fliessen diese 
doppelten ströme von gesängen zusammen, erhalten neue Zuflüsse 
aus den heimatlichen karelischen quellen, und das ganze gerät 
gleichsam in einen Strudel, aus welchem immer neue schäumende 
wogen emportauchen. Es ist aber ein grosser unterschied zwischen 



Zur Kalevalafrage. ig-^ 



den verschiedenen karelischen gesanggebieten. In Ingermanland 
sind die schon ziemHch häufigen Verbindungen verschiedener the- 
mata meistens lose und unverschmolzen, die magischen lieder 
haben sich nur selten mit den epischen vermischt, und die persön- 
lichkeiten von \'äinämöinen und Ilmarinen treten nur erst in einigen 
wenigen gesängen auf. In Finnisch-Karelien sind aus den verbin- 
tlungen verschiedener themata durch vollständige Verschmelzung 
neue gesänge entstanden, eine ganz neue art episch-magischer 
clichtung hat sich herausgebildet, und einige personennamen begin- 
nen alle übrigen zu verdrängen. In Russisch-Karelien ist diese 
rntwicklung noch weiter vorgeschritten, die lieder gruppieren sich 
um gewisse personennamen, um diese zu vereinigen erscheinen 
weitere neubildungen, es entstehen gesangsc3'keln, und einer von 
diesen, der Sampocyklus, wird gleichsam zu einem mittelpunkte, 
welcher alles in die nähe kommende zu sich heranzieht ^. 

Die bedeutung des Sampocyklus für die Zusammenstellung 
der Kalevalalieder erhellt aus folgender graphischer darstellung der 
ersten 23 runen der alten Kalevalaredaktion, mit ausnähme der 
Lemminkäinenrunen (VK 6 — 8, 13, 17 — 18). 



I 

I — 2 3 — 4 5 9 10 II — 12 (14, 15, 16) 19 20 21 — 22 23 

I II II 



Der oberste strich bezeichnet den allgemeinen russisch-kare- 
hschen Sampocyklus; die innerhalb liegenden verschiedene Verbin- 
dungen desselben, welche schon Lönnrot kannte. Die unteren 
striche verbinden teile des Kantelecyklus, (der unterste den von 
Becker in Österbotten aufgezeichneten, der innerhalb liegende einen 
russisch-karelischen); späterhin sind sogar diese mit dem Sampo- 



* Die fragen, inwiefern der Sampocyklus den ästhetischen mittel- 
punkt der Kalevaiadichtung bilde, und ob Lönnrot bei der Zusam- 
mensetzung der ältesten redaktion diesen als mittelpunkt erkannt habe, 
berühren nicht das einfache faktum in betreff der entwicklung des 
volksgesange.s. 



194 



Zur Kalevalafrasje. 



cyklus vereinigt angetroffen worden. Auch von den runen 23 — 32 
des VK treten mehrere in Verbindung mit dem Sampocj'klus auf. 

Selbst wenn wir die bezeichnung zusammensteller ge- 
brauchen wollen, können wir also Lönnrot nicht als den einzigen 
hinstellen. Wie hoch sein verdienst in dieser hinsieht auch ange- 
schlagen werden muss, ist er im gründe nicht anders mit den 
Volksliedern umgegangen, als die volkssänger es thun. Auch diese 
beobachten bei ihren Zusammenstellungen von liedern zweierlei : 
die Verbindungen ihrer Vorgänger und die »natur der liederthe- 
mata» d. h. die möglichkeiten zu neuen Verbindungen in den über- 
lieferten liedformen. Sogar die letzte anregung zur Zusammenstel- 
lung eines gesammtepos hat Lönnrot, wie er selbst bezeugt, von 
einem volkssänger, Vaassila Kieleväinen in A'uonninen, erhalten; 
•obgleich die bedeutung einer verworrenen komposition dieses runen- 
sängers für die Ordnungsfolge der gesänge in der ältesten Kalevala- 
redaktion nicht überschätzt werden darf. 

Jetzt können wir die frage aufstellen: ist das Kalevala ein 
volksepos? Diese frage ist von den forschern sowohl bejaht als 
verneint worden, jenachdem der begriff' des volksepos definiert 
wurde. Julius Krohx hebt hervor, dass »ein jedes volksepos 
zuletzt notwendig einer auswählenden, ordnenden und zusammen- 
fügenden band bedürfe. — — Für die erhaltung des ursprüngli- 
chen, volkstümlichen Charakters ist es hiebei vorteilhaft, wenn diese 
letzte feilung in so vorsichtiger, leichter weise wie nur möglich 
geschieht, und es ist ein glücklicher umstand, wenn der diaskeuast 
selbst in der art seiner begabung den volkssängern so nahe wie 
möglich steht». Diese bedingungen erfüllt das Kalevalaepos; was 
die homerischen epen betrifft, ist er der meinung, dass die »dia- 
skeuasten derselben das Volkslied sichtlich viel eigenmächtiger und 
der kunstpoesie annähernd umgegossen haben. Der zusammenstel- 
ler des Xiebelungenliedes wieder stand der volkstümlichen sangart 
fremder gegenüber». 

COMPARETTi dagegen will nicht die Kalevaladichtung. aber 
auch — wohl zu merken — weder die homerischen gedichte noch 
die Niebelungen als volksepen bezeichnen. »Ein vom volke ge- 
schaffenes poem existiert nicht, noch lässt es sich für die Zukunft 
erwarten. — — Jedes poem ohne ausnähme, ob anonym oder 
nicht, ist ein individuelles werk, ist ein werk der kunst; sei die- 
selbe erhaben, edel und vollkommen, wie die der homerischen 



Zur Kalevalafrajje. 



195 



epen, oder flach und dürftig, wie die der mittelalterlichen, sie 
bleibt immer eine kunst» (Der Kalevala 320 — i). 

WiKLUND stellt sich, was das finnische epos betrifft, auf den 
Comparettischen Standpunkt, aber in bezug auf die homerischen 
epen und die Niebelungen sichtlich auf den anderen, da er die- 
selben dem Kalevalaepos gegenüberstellt. 

Notwendig aber muss man sich konsequent entweder an die 
eine oder die andere definition halten. Denn in der hauptsache 
stimmen beide erwähnten forscher überein. Es giebt streng genom- 
men kein reines volkstümliches gesammtepos. 

Es gilt daher jetzt festzustellen, was wir mit dem ausdrucke 
volksepos bezeichnen können, wenn wir überhaupt denselben ge- 
brauchen wollen. Dass kein diaskeuast im stände ist isolierte Volks- 
lieder zu einer ungezwungenen volkstümlichen einheit zu verbinden, 
beweisen genügend die missglückten versuche auf diesem gebiete. 
Dies wäre auch, was die iinnischen lieder betrifft, leicht einzuse- 
hen, wenn jemand sich vornehmen würde, z. b. die runengesänge 
Ingermanlands, welche an stoff- und Variantenreichtum die russisch- 
karelischen fast übertreffen, in ein ganzes zu bringen. Es gab nur 
eine zeit und nur eine gegend, deren gesangart einem manne 
die möglichkeit darbot das Kalevalaepos zusammenzustellen. Man 
hat wohl von seinen tausend möglichkeiten bei dieser arbeit gere- 
det, bis jetzt aber noch keine einzige andere Ordnung der gesänge 
vorgeschlagen. Als ein volksepos können wir also ein episches 
gedieht bezeichnen, welches nicht nur volkstümliches material ent- 
hält, sondern vom volke selbst bearbeitet worden ist, so weit es 
überhaupt in seinem bereiche liegt. Und wenn wir uns an diese 
definition des volkepos halten, so hat das finnische epos in erster 
reihe den ansprach darauf. Sogar den einzigen sicheren masstab 
in dieser hinsieht liefert das Kalevalaepos, dessen entstehung bis 
auf die kleinsten details erläutert werden kann, während die der 
üljrigen grösstenteils im dunkel liegt. 

Lönnrot hat, wie auch . NiE.Ml beweist, seine arbeit an der 
Kalevaladichtung immer zugestanden. Seinerseits liegt hier keine 
mystifikation vor, es sei denn, dass ein paar einzelne allzu beschei- 
dene ausdrücke missverstanden worden sind. Ein genaues Ver- 
zeichnis der von ihm hinzugefüg^ten zeilen und Wörter, Avie es 
NiEMi geliefert hat, wäre sogar von einem bewussten dichter ein 
wenig viel gefordert, unmöglich aber von einem unbewussten in 



iq6 Zur Kalevalafrage. 



der art der volkssänger. Dadurch dass Lönnrot seine manuskripte 
und konzepte aufbewahrt und seinen anteil in der hauptsache rich- 
tig geschätzt hat, hat er allen billigen ansprüchen genüge geleistet. 
Da der begriff »volkssänger» erst heutzutage hat festgestellt wer- 
den können, ist es auch nicht zu verwundern, dass man zu Lönn- 
rots Zeiten diesen ausdruck nicht verstanden und daher zu den 
Schablonen »zusammensteller > und »Verfasser» gegriffen hat. 

Hat aber Lönnrot in der wissenschaftlichen Wertschätzung der 
Kalevaladichtung sein volk mystifiziert? Wir dürfen uns nicht ver- 
wundern, dass er nicht höher als die folkloristische Wissenschaft 
seiner zeit stand, indem er nämlich den wert der volkstümlichen 
Varianten eines liederthemas nicht erkannte. Es waren ja so viele 
neue themata gefunden, dass ihr Inhalt die ganze aufmerksanikeit 
auf sich zog, und die kleineren Variationen in der form, Lönnrots 
eigene beim zusammensetzen entstandene mitgerechnet, in den 
hintergrund traten. Dies erklärt, dass Lönnrot der Kalevaladich- 
tung auch einigen wissenschaftlichen wert zuschrieb, jedoch in sehr 
anspruchsloser weise. »Wenn diese gesänge der finnischen mvtho- 
logie von einigem nutzen sein können — und ganz ohne solchen 
werden sie wohl nicht sein — so ist eine meiner hoft'nungen 
erfüllt; doch habe ich ihrer noch andere: ich möchte hotten, dass 
sie einigermassen das leben unserer vorfahren beleuchten, sowie 
die kenntnis der rinnischen spräche und metrik fördern werden ;> 
(vorrede zu VK XIIL). Zu ihrer zeit ist diese äusserung sogar 
allzu bescheiden, wenn man bedenkt, wie wenig man vor dem 
erscheinen des VK material gesammelt hatte. Sie würde noch 
heutzutage ihre geltung haben — wenn uns Lönnrot nicht die reich- 
lichere und zuverlässigere quelle der Varianten hinterlassen hätte. 

Es ist vollkommen richtig, dass man die Kalevaladichtung 
nicht mehr als wissenschaftlichen kodex für finnische mythologie 
etc. benutzen kann. Dies ist die forderung der neuesten Wissen- 
schaft, welche auch für die homerischen epen und die Eddalieder 
in wenigstens ebenso grossem masse gilt. Bei dem bescheidenen 
umfange der finnischen forschung macht es jedoch einen etwas 
komischen eindruck, wenn Wiklund beklagt, dass so viel arbeit 
auf dergleichen forschungen verwandt worden sei, deren resultate 
sich jetzt vollkommen wertlos gezeigt hätten, ohne den schwedi- 
schen leser auf tue unvergleichlich grössere Verschwendung \'on 
a;enie und "elehrsamkeit in seinem eigenen lande aufmerksam zu 



Zur Kalevala frage. igj 

maclien, wie Hagfors mit hinweis auf Olof Rudbeck und Viktor 
Rydberjj thut. Und wenn man die wucht z. b. der Homer-litte- 
ratur erwäg;t und Ijedenkt. was vielleicht noch alles über diesen 
gegenständ geschrieben wird, so sind die Kalevalaforscher wirk- 
lich beneidenswert mit so wenig mühe davongekommen zu sein, 
was die feststellung von Lünnrots anteil an dem Kalevalaepos an- 
langt. Etwas anderes ist, dass es noch viel mühe kosten wird, 
die successive arbeit der volkssänger an einem jeden liede darzu- 
legen. Aber auch an die lösung dieser aufgäbe kann die finnische 
forschung mit ihren massenhaften materialien getrosten mutes 
schreiten in der hoffnung schliesslich fast jede einzige zeile erklä- 
ren zu können. 

Das von Wiklund gewählte beispiel, der Sampomvthus, 
welcher den Kalevalaforscheni die meiste mühe verursacht hat, be- 
weist eher, wie wenig der anteil Lönnrots an und für sich die Wis- 
senschaft irre geleitet hat. Seine zuthat beim Sampomythus : die 
Schilderung des Schmiedens (aus dem Ursprünge des eisens und 
dem liede von der goldjungfrau ; das schmieden selbst wird schon 
im volksliede dem Sampo zugeteilt) hat von den drei dutzend ver- 
schiedenen erklärungen des Sampo eine einzige veranlasst, und 
zwar die in novellenform dargestellte (Sampo r= die idee des dich- 
ters, Avelche erst nach mehreren vergeblichen versuchen verwirk- 
hcht wird) von JUHANi Aho (Uusi Kuvalehti 1894 2 — 3), ein Jahr- 
zehnt nachdem dieser punkt von der Wissenschaft bereits erkannt 
warl Es ist die überreiche und widerspruchsvolle entwicklung die- 
ses mythus bei den russisch-karelischen volkssängerri, welche den 
forschern unlösbare Schwierigkeiten verursacht hat. Auch nachdem 
Julius Krohx den grössten teil der neubildungen festgestellt hatte, 
konnte man keine befriedigende erklärung des Sampomj-thus finden, 
obgleich man eine alte prosaische Variante der finnischen ansiedier 
in Schweden heranzog. 

Wiklund's darstellung der Sampofrage giebt dem leser eine 
sehr unvollkommene und verw^orrene Vorstellung. »Aus dem Kale- 
vala, welches sich hier zunächst auf die russisch-karelischen runen 
stützt, erhält man die auffassung — — Wenn man aber auf die 
wirklichen quellen, die gesänge und traditionen, zurückgeht, wie 
sie nach dem volksmund aufgezeichnet wurden (als ob die rus- 
sisch-karelischen nicht auch hierher gehörten), so kommt man unter 
leituu": c^er altertümlichsten runen (d. h. die eine erwähnte prosa- 



Iq8 Zur Kalevalafrage. 



Variante) zu dem überraschenden ergebnis, dass Sampo ursprüng- 
lich einen fliegenden frosch bezeichnete.» — »Die eigenschaft einer 
mühle hat Sampo aus einem prosaischen märchen erhalten, welche 
mit dem Sampo nichts zu thun hat >, wird in ül)ereinstimmung mit 
der neuesten auffassung richtig erklärt; gleich aber darauf altmo- 
disch fortgesetzt: »dieses inärchen giebt vielleicht die Vorstellung 
der nordischen Völker von der mühle Grotte wieder» (wennschon 
es undenkbar ist, dass der m)-thus vom Grotte ein allgemein euro- 
päisches märchen erzeugt hätte). Dem schwedischen leser einer 
volksschrift wird es schwer fallen den Widerspruch in diesen Sätzen 
zu bemerken. Dies ist natürlich an und für sich eine kleinigkeit. 
Doch wird der eindruck nur allzu einseitig, wenn die neueren 
Eddaforschungen nicht einmal in den wenigen fällen berührt wer- 
den, wo die parallelen Eddamythen erwähnt sind; während die 
wirklichen und vermeintlichen resultate der Kalevalaforschung mit 
einem geringschätzigen nachdruck und — was schlimmer ist — in 
inkorrekter weise referiert werden, wie in der folgenden darstel- 
lung der letzten ansichten über den Sampomythus. 

Setälä (Vir. I 3) hatte auf grund der erwähnten prosa- 
variante, in welcher Sammas beim gesange Väinämöinens in die 
luft fliegt und ihm zwei zehen abgehauen werden, aus denen das 
salz im meere und das gras auf der erde entsteht, erklärt: Sampo 
sei ein fliegendes, reichtum erzeugendes oder schätze bewachendes 
wesen, ähnlich wie der vogel ygvip in der Vorstellung der alten 
griechen. »Die etymologie des Wortes Sampo ist aber in ein 
undurchdringliches dunkel gehüllt gewesen.» Gleichzeitig war 
Waronen zu demselben (Suomen Museo 1896 s. 81 ) Aergleiche 
mit den wunderbaren vierfüssigen greifen gekommen; zugleich 
hatte er eine Vermutung Setälä's veröft'entlicht, welche dieser 
allerdings für noch nicht reif genug zur publikation gehalten 
hatte, dass Sampo etymologisch mit sammakko 'frosch' zu ver- 
binden sei. 

Die sachliche begründung giebt Wiklund sehr unvollkommen 
in einer anmerkung wieder: »Derlei fliegende untiere, greife, dra- 
chen spielen ja in den sagen aller Völker eine rolle». Dass die 
bedeutung »schatzbewahrendes wesen» hier das wesentliche ist, 
übersieht er und hält sich ausschliesslich an die mögliche etj'mo- 
logie des Wortes, wobei er zum zweiten und dritten mal wiederholt, 
dass Sampo ein frosch oder eine kröte sei. »Schliesslich weist die 



Zttr Kalevalafrage. iga 



Sprachwissenschaft nach, dass das wort Sampo, wenn es die be- 
zeichnung eines tieres sein sollte, einen frosch bedeuten muss. 
Wahrhaft ein grosser abstand zwischen einem fliegenden frosch 
und der sonne etc. ! » 

Es würde die Sprachwissenschaft — Sprachkenntnis wäre viel- 
leicht genügend — jedenfalls eine identifizierung der hergeleite- 
ten und der ursprünglichen (ety-mologischen) bedeutung eines Wor- 
tes nicht zulassen. Wenn die bedeutung des Sampo in der rune 
die eines schatzbewahrenden drachenvogels ist so ist die etN'molo- 
gische Verbindung des Wortes mit sammakko nur von sekundärer 
Wichtigkeit. In derselben weise m3'thologisierend könnte man z. b. 
behaupten, dass in dem zauberliede vom Ursprung der schlänge 
Judas Ischariot >der böse > (konna) ursprünglich eine kröte gewe- 
sen sei, wie auch die estnischen sänger das finnische wort miss- 
verstanden haben (FUF I 159). Die hauptsache jedoch ist, dass 
tue auf jene prosavariante gegründete annähme schwerlich haltbar 
sein kann, da die form derselben wahrscheinlich eine verstümmelte 
ist. Sogar die vorsichtige reservation Wiklund's : »wenn Sampo 
die bezeichnung eines tieres sein sollte» hilft nicht viel, da in der 
zoologischen reihe: vogel — drache — kröte — der fisch ver- 
iressen worden ist! 

Ich bin hier dem leser die erklärung meiner ansieht inbetrefF 
les Sampomythus schuldig und will sie in aller kürze liefern. 
Zugleich aber verweise ich auf eine ausführlichere begründung, die 
hoffentlich im nächsten jähre erscheinen wird. Von den Varianten 
des Sampoliedes ist die südlichste in Finland, die in Ilomants 
Finnisch-Karelien) vertretene, am wenigsten berücksichtigt wor- 
den, weil sie vom Sampo keine handgreifliche Vorstellung giebt. 
Ihr Inhalt ist in der kürze folgender i'Kalevalan toisinnot IL r, n. 
222, vgl. 223). 

Nach Verfertigung des bootes setzt Väinämöinen sowohl Ilma- 
rinen als Joukamoinen an die rüder und ergreift selbst das Steuer. 
In Pohjola angekommen schläfert er die männer ein. 
Darauf geht er zum Speicher, ladet sein ganzes schiff voll 
und lährt von Pohjola wieder ab. Joukaraoinen und Ilma- 
rinen fordern ihn auf zu singen, nachdem er den guten 'Sampi 
ikonjekt. nom. aus acc. Sammeni erhalten: das gold hing auf 
1er brüst, auf dem köpfe strahlte das silber. Väinä- 
möinen zaudert anfangs, weil die p f o r t e n von Pohjola 



Zur Kalevalafratre. 



noch s i c h 1 1 ) a r sind, die Ij u n t e n d e c k e 1 noch schim- 
mern. Endlich aber lässt er sich überreden und singt. [Zu- 
gleich beisst die ameise den kranich in Pohjola, und der letztere 
stösst einen gellenden schrei aus;] Pohjola erwacht. Die 
herrin von Pohjola findet ihre her de verschwunden, 
bemannt ein schiff mit hundert ruderern, tausend müssig sitzen- 
den, um die raub er zu verfolgen. A'äinämöinen bittet 
1 1 m a r i n e n nach r o r n e und J o u k a m o i n e n nach hinten 
zu spähen; hinten ist die luft unklar. Ilmarinen bit- 
tet V ä i n ä m ö i n e n um ein stück f e u e r s t e i n und z u n d e r , 
woraus ein unendlich langes riff gebildet wird. Daran 
erleidet das Pohjola-fahrzeug Schiffbruch. [Die herrin Pohjolas 
jedoch verwandelt sich in einen adler, setzt hundert mann auf ihre 
schwingen, tausend auf ihren sch^^anz] und erreicht bald die 
fliehenden. VäinämÖinen schlägt ihr mit seinem Steuerruder 
alle krallen ab mit ausnähme einer einzigen, womit sie das boot 
Väinämöinens in die höhe hebt. Auf Väinämöinens befehl senkt 
sich das boot wieder hinunter. (Es folgt eine etwas undeutliche 
Schilderung des nebeis, in welchem A'. drei nachte zubringt und 
welchen er dann mit einem peitschenschlage zerteilt. In einem 
anderen exemplare fällt beim heben des bootes das geraubte »ge- 
treide» ins meer; nur was unter den ruderbänken blieb, kam 
ans land.) 

Das Sampolied ist kein ursprünglich selbständiges lied, son- 
dern eine in Finnisch-Karelien durch Verbindung mehrerer lieder 
entstandene neubildung. Die lieder, aus welchen es zusammen- 
gesetzt ist, sind, ausser einigen in klammem gesetzten kleineren 
Stückchen: die Schiffahrt A'äinämöinens, Ilmarinens und Joukahai- 
nens, welche zur finnisch-karelischen form der Kantelerune gehört 
{mit gewöhnlichem druck bezeichnet); eine Variante des in Inger- 
manland beliebten gesanges von der befreiung der himmelslichter 
(spatium); und das in Ostkarelien gesungene lied von Ilmarinens 
brautwerbung (fetter druck). 

Die ähnlichkeiten mit dem ersteren liede wird jeder Kalevala- 
kenner leicht finden. A'on dem zweiten ingermanländischen liede 
mögen folgende Übereinstimmungen hervorgehoben werden: Gottes 
einziger Sohn reitet zu pferde aus um die sonne und den mond 
zu befreien — das dorf von Pohjola wird sichtbar, die pforten von 
Pohjola schimmern — das Pohjolavolk wird eingeschläfert, zuwei- 



Zur Kalevalafra<ie. 



len mit ausnähme eines alten weibes — die himmelslichter werden 
oft in einem Speicher verwahrt — der Sohn Gottes nimmt die 
sonne, resp. den mond, auf den köpf oder auf die brüst und fährt 
von Pohjola ab — als das erwachte Pohjolavolk ihm nacheilt, 
wirft er u. a. einen mitgenommen kleinen Schleifstein hinter sich, 
woraus ein grosser stein oder berg, zuweilen ein steinernes rift" im 
meere entsteht. (Zum schluss stellt er die zurückgebrachte sonne 
auf einen bäum : erst auf einen unteren ast, von wo sie bloss auf 
die reichen scheint, dann aber auf die bitte der armen auf einen 
höheren ast, von wo sie gleichmässig allen leuchtet.) 

Dass dieses lied sich wirklich mit dem vom Ursprünge der 
Kantele vereint hat, beweist eine aufzeichnung aus dem nächst 
südlich von Ilomants gelegenen kirchspiele Suojärvi (Europa?us H 
n. Q51. Beim kantelespiele Väinämöinens ist die sonne, welche 
sicli auf einen bäum niedergesenkt hat um zuzuhören, ergriffen 
und verriegelt worden ; Joukamoinen, Ilmarinen und ^"äinänlöinen 
versuchen nach einander die 9 Schlösser zu brechen. 

Das lied von der befreiung der sonne und das vom raube 
des Sampo sind, wie schon O. Donner richtig erkannt hat: »Va- 
riationen desselben themas» oder vielmehr: sie sind Varianten eines 
und desselben gesanges. 

Der name Sampo hat aber mit diesem gesange ursprünglich 
nichts zu thun. Er tritt in Suistamo (Ostkarelien) und in Tulemajärvi 
(Olonetz) in dem erwähnten Hede von Ilmarinens brautwerbung auf 
(Kai. tois. 11. I. n. 251, 254). Die nach vielen heldenthaten errun- 
gene l)raut bittet bei der fahrt nach hause den schmied Ilmarinen zu 
singen : Hyvän Sammen saatuasi, Valvatin vetäessäsi, 'nach dem 
du den guten Sampi erhalten, indem du die vielersehnte heimführst'. 

So weit war ich schon seit vielen jähren in meinen Vorle- 
sungen gekommen, ohne eine zufriedenstellende erklärung des 
Sampowortes zu finden. Wohl war einer von meinen zuhörern, 
O. Manninen, gleich auf den gedanken verfallen, dass hier der 
seltene und wertvolle Sampilisch 'stör' (acipenser sturio) gemeint 
sei, welcher in Finlands gewässern fast nur im Ladoga vorkommt. 
Doch suchte ich vergebens nach dem verbindenden gedanken zwi- 
schen : braut und diesem fisch, bis ich unlängst die erklärung in 
Lönnrots lexikon vorfand I Sampi ist dort nicht nur mit i ) 'stör' ' ; 



' Diese bedeutung hat auch im estnischen nacli ^\'IF,DEMANN : 
samm, gen. samma od. sammi. 



202 Zur Kalevalafrage. 



'torsk' übersetzt; sondern noch 2) 'stör hontisk, moderfisk' und 3) 
'stör 1. stark karl' ; ebenso Sampohauki = 'modergädda, gädd- 
moder' und Sampokala = 'moderfisk, fiskmoder'. Sampi mit dimin. 
Sampo hat also die bedeutung 2) 'grosser mutterfisch' und kann 
3) von einem grossen menschen gebraucht werden. Es ist aber 
nicht so sehr das grosse als das weibliche, welches hier die gedan- 
kenverbindung liefert (vgl. noch die fischbraut von Väinämöinen 
Kai. Vj. Der name Sampo bedeutet also ' f i seh wei b ch en' und 
ist als bildlicher aus druck von der braut Ilmarinens 
gebraucht und als solcher in das lied von der befreiung der sonne, 
nachdem dieses sich mit der Kantelerune verbunden hatte, und 
an die stelle der sonne eingedrungen. 

Ohne behaupten zu wollen, dass meine erkliirung die letzte 
sei — resultate der Wissenschaft als endgültig hinzustellen fordert 
stets gewisse vorsieht — hoffe ich den leser wenigstens überzeugt 
zu haben, dass Lönnrot ganz unschuldig an dem kopfzerbrechen ist, 
welches speciell der Sampomythus den forschern verursacht hat. 

Der vorübergehende schaden, den die Zusammensetzung der 
Kalevalarnnen der erforschung dieser überhaupt zugefügt haben 
kann, wird jedenfalls überreichlich aufgewogen durch die anregung 
zu neuen Sammlungen, welche gerade vom gedruckten Kalevala- 
epos ausgegangen ist. Die grossartigen entdeckungen von EuRO- 
P.EUS und anderen in den vierziger jähren wurden auf sammlungs- 
reisen zu gunsten der neuen Kalevalaredaktion gemacht, und noch 
ein Jahrzehnt nach dem erscheinen derselben war das Interesse 
Zusätze zu dieser aufzusuchen wach. Mit dem gedanken die >Ka- 
levalavarianten» herauszugeben fingen seit 1871 (Borenius, Ge- 
XETZ u. a.) die neuesten liedersammlungen zu wissenschaftlichem 
zwecke an. Welche bedeutung das Kalevalaepos mittelbar für die 
ganze finnische forschung gehabt hat, kann fast jeder finnische 
forscher persönlich bezeugen; ich brauche nur darauf hinzuweisen, 
dass durch dasselbe Castren's lebensaufgabe ihre richtung erhielt. 

In der folkloristischen forschung treten von jetzt an die ma- 
terialien des Kalevalaepos, die aufzeichnungen der Volkslieder, in 
den Vordergrund. Es werden aber immer die lieder und die lietl- 
formen, welche mit der Kalevalaredaktion zusammenhängen, mit 
dem grössten interesse behandelt werden. Und stets wird der 
erforschung der finnischen runen das den höchsten reiz verleihen, 
dass sich aus ihnen ein ganzes epos hat bilden können. 



Zur Kalevalafrage. 203 



Es bleibt aber noch eine frage übrig, welche in Finland, wenn 
luch nicht den Vertretern der neueren forschung, so doch den 
iusserhalb stehenden einige enttäuschung bereitet hat: haben die 
materialien des finnischen epos den wissenschaftlichen wert, wel- 
chen man für sie angenommen hat? Man hatte sich vorgestellt, 
dass die finnischen lieder i) absolut nationale erzeugnisse, 21 aus 
urheidnischer zeit und 3) hochmvthologischen inhalts seien. Es ist 
iliesell:)e sache wie mit der Eddaforschung, in welcher man statt von 
urgermanischen heidnischen mythen vielfach von i) entlehnten, 2) 
christlichen 3) legenden und märchen spricht. 

Die enttäuschung sowohl auf dem einen als dem anderen 
gebiet beruht teilweise auf einem missverständnis. Besonders der 
nachweis von entlehnungen, äussert Julius Krohn, »hat auf vielen 
selten schmerzliche gefühle geweckt, da man so gern in der Kale- 
vala ein durch und durch eigenartiges produkt des finnischen 
volksgeistes hat sehen wollen. — — Grossartig wäre freilich der 
L^edanke, dass das eigene volk imstande gewesen ist, aus der tiefe 
>eines geistes heraus alles zu schaffen, was alsdann seinen stolz 
(usmacht. Aber noch erhebender ist doch der anblick des einen 
grossen kulturstromes. — — Das eine volk nach dem andern 
empfängt ihn, entwickelt sich unter seinem einflusse und schickt 
ihn vergrössert und vermehrt zum nachbar». Es sei hinzugefügt, 
dass ja gerade die entlehnungen eine vergleichende folkloristische 
Wissenschaft möghch machen; das eigenartige hat zwar ein natio- 
nales, das entlehnte aber dazu noch ein internationales Interesse. 
Denn auch ein entlehnter stoft' ist gewöhnlich eigenartig umgestal- 
tet worden. »In bezug auf die dichtungen, um die es sich hier 
an erster stelle handelt, ist es nicht der stoff, welcher am wert- 
vollsten ist, sondern die künstlerische Umformung desselben.» 

Ausserdem sind die entlehnungen des Kalevalaepos stark 
übertrieben worden. Schon zu zelten Julius Krohn's hatte man 
aus seinen vergleichen zwischen den Edda- und Kalevalaliedern 
den schluss gezogen, dass fast die ganze dichtung von den skan- 
tlinaviern entlehnt worden sei ! Heutzutage sind durch den fort- 
schritt der forschung die gesanggebiete, der Eddalieder einerseits 
und der Kalevalalieder andrerseits, derart begrenzt und getrennt 
worden, dass eine direkte berührung zwischen ihnen absolut be- 
stritten werden muss. Die wenigen wirklichen ähnlichkeiten zwi- 
schen ihnen können nur durch eine dritte gemeinsame quelle 



204 



Zur Kalevalafrajje. 



erklärt werden, wie z. b. Sampo — Grotte aus einem allgemein 
europäischen märchen und der raub der sonne und des mondcs 
(die Jötunen — das Pohjolavolki aus einer christlichen legende, 
welche nacliweisbar auch die esten, und zwar unabhängig von den 
tinnen, aus germanisch-katholischer tradition erhalten haben. 

Ein wenig üljertreibt sogar Wiklund in der frage nach ent- 
lehnungen in der estnischen volkspoesie: »Sehr möglich und in 
gewissen fällen schon erwiesen ist, dass diese motive von ihren 
nachbarn. den Schweden im westen (und auf Dago und Ösel u. 
s. w.) und den letten im Süden zu den esten gekommen sind . 
Dies gründet sich, was die Schweden betrifft, auf ein einziges lied, 
das auf Ösel entstandene von der Jungfrau, welche erlöst werden 
soll. Später habe ich wohl ein paar legenden gefunden, in denen 
skandinavischer einfluss wahrscheinlich ist. Keine von diesen be- 
handelt aber einen Kalevalastoff. Es sind gerade die neuentdeck- 
ten estnischen materialien des Kalevalaepos, welche di'^ möglichkeit 
eines skandinavischen einflusses in vielen von Julius Krohn an- 
genommenen parallelen völlig widerlegen. Ebenso müssen die 
von ihm angenommenen litauischen und russischen entlehnungen 
auf einige wenige fälle beschränkt werden. 

Dass die karelier in Ingermanland etwas mehr als die hälfte 
ihrer erzählenden lieder von den esten erhalten haben, ist nicht im 
gewöhnlichen sinne eine entlehnung, sondern viel mehr ein Über- 
gang von einem dialekte zum andern. Das Verhältnis zwischen 
dem entlehnten und zugedichteten materiale bei der Wanderung 
eines gesanges aus Estland bis nach Russisch-Karelien erhellt ain 
deutlichsten aus Franssila's aufzählung der Zeilen des liedes von 
der grossen eiche (s. FUF I Anz. 26). In den 400 zeilen der 
archangelschen volkssänger sind bloss drei gedanken mit der est- 
nischen Urform gemeinsam: »die eiche wächst bis zum himmel — 
es fehlt der abhauer der eiche — die eiche wird abgehauen». 
Man kann sich den festen kern eines liedes kaum noch kleiner 
denken: 

Es ist fast zu bedauern, dass Julius Krohn's annähme vom 
eintlusse der Eddalieder nicht mehr lialtliar ist. Denn dadurch 
verlieren die Kalevalalieder eine wichtige Zeitbestimmung. Mit 
jetzigen mittein können wir mit Sicherheit nur bis 1300 hinauf- 
steigen. Gastox Paris hat die Überzeugung ausgesprochen, dass 
die im volksmunde erhaltenen lieder in Europa überhaupt nicht 



Zur Kalevalafrage. 20 = 



iilter sind, mit ausnähme einzelner tälle, für welche besondere be- 
weise jedesmal gefordert werden müssen. \'on diesem streng 
skeptischen Standpunkte aus müssen wir also warten, 1)is alle fin- 
nischen gesänge einzeln untersucht sind, und vorläufig mit der 
inöglichkeit rechnen, dass derselbe poetische frühling, welcher in 
den letzten Jahrhunderten des mittelalters die spanischen romanzen, 
die französischen »chansons», die englischen bailaden, die deut- 
schen Volkslieder, die skandinavischen »kämpeviser» und die russi- 
schen bylinen hervorbrachte, auch die finnische und estnische runen- 
poesie zur blute getrieben hat. 

\'om historischen und noch mehr vom sprachwissenschaft- 
lichen Standpunkte wäre es natürlich vorteilhaft handschriftliche 
aufzeichnungen aus so früher zeit wie möglich zu besitzen. Die 
mündliche Überlieferung und die späte schriftliche fixierung hat 
aber zum ersatz den praktischen vorteil zu bieten, dass die Kale- 
valagesänge dem finnischen leser fast unmittelbar verständHch und 
geniessbar sind. Welche pädagogische bedeutung das Kalevalaepos 
in den höheren klassen der elementarschulen und in den Volks- 
hochschulen dadurch erhält, dass es nicht bloss in einer Überset- 
zung oder vermittelst vieler sprachlicher Vorübungen, sondern im 
original mit hilfe leichter kommentarien zugänglich ist, wird jedem 
lehrer der muttersprache und der nationallitteratur ersichtlich sein. 

Vorderhand müssen wir uns wahrscheinlich auch damit zufrie- 
den geben, dass die finnischen, wie überhaupt die nordischen, 
mythen grösstenteils nicht im dunklen heidentum, sondern in der 
(lämmerung des Christentums entstanden sind. Es verhält sich 
damit ebenso wie mit den entlehnungen : ein nationaler geist hat 
(inen fremden stoflf aufgenommen, ein heidnischer sinn eine christ- 
liche idee empfangen und nach seiner eigenart umgebildet. 

Verlieren aber die Kalevalalieder bei dieser anschainig an 
wissenschaftlichem wert? \''om alten historisch-nationalen Stand- 
punkte gewissermassen, vom modernen folkloristisch-internationa- 
len : nein, im gegenteil. Wären die finnischen zauberlieder, wie 
CoMPARETTi behauptet, die ältesten erzeugnisse eines finnischen 
schamanismus, so wären sie wohl ein nationales wunder; sind sie 
aber die poetische blute der katholischen magie in ganz Europa, 
so haben sie ein unvergleichlich höheres internationales Interesse — 
von :>schamanistischer : finnischer zudichtung ist an ihnen auch in 
dem falle überirenuij. 



2o6 Zur Kalevalafrage. 



Eher ist es in nationaler hinsieht schade, dass die epischen 
lieder des Kalevalaepos nicht historisch sind, nicht einmal im scha- 
manistischen sinne Comparetti's. Aber wie würden die kämpfe 
der alten finnen in einem entlegenen winkel Europas andere als 
ihre eigenen nachkommen interessieren? Ist aber das Kalevala ein 
reines sagenepos, d. h. enthält es auch bloss Stoffe der volksphan- 
tasie, so sind diese Stoffe für die allgemeine europäische sagen- 
forschung von nicht geringem wert. Und was ist endlich der 
historische kern in einem volksgesange? Oft ein trocknes faktum 
oder ein blosser name, worum ein reines phantasiegewebe sicli 
gebildet hat. Und da kann es ziemlich einerlei sein, ob Väinä- 
möinen und Ilmarinen historische personennamen oder alte götter- 
namen gewesen sind. Jedenfalls sind sie jetzt poetische t\-pen des 
finnischen volkscharakters. 

Die ästhetische Wertschätzung der Kalevaladichtung ist weder 
abhängig von den ansichten über den Ursprung der lieder noch 
von der frage nach dem ' anteil Lönnrots. Mehr als unnütz ist 
Wiklund's doppelte Wertschätzung: >Wäre das Kalevalaepos wirk- 
lich das werk des finnischen volkes gewesen, so hätten wohl die 
enthusiastischen worte, mit welchen es bei seinem erscheinen auf- 
genommen wurde, grösstenteils die probe bestanden auch vor einer 
strengeren kritik; wenn man aber zu der auffassung gekommen ist. 
dass es eigentlich von einer bestimmten person verfasst ist, welche 
nicht den breiten schichten des volkes, sondern den gebildeten 
klassen angehört hat, so müssen auch die forderungen an sein 
werk ganz bedeutend erhöht werden». Die volkspoesie braucht 
gewiss keine nachsieht und keine Vorrechte. Sie ist das beste- 
hende, frische, immer geniessbare, während die kunstdichter, abge- 
sehen von einzelnen ausnahmen, mit der zeit mehr oder weniger 
veralten. 

Ungeachtet dessen, dass das Kalevalaepos als ein volksepos 
bezeichnet werden muss, wenn dieser ausdruck überhaupt gebraucht 
wird, hat es seine mängel, denen gegenüber die finnischen forscher 
nicht blind gewesen sind. Andrerseits bietet es Schönheiten, denen 
auch WiKLUND von seinem Standpunkte die anerkennung giebt, 
dass sie »sicherlich ihren rühm l:)ewahren» werden; er hebt beson- 
ders die Schönheit der Aino- und KuUervorunen hervor, in welchen 
Lönnrots ästhetische anordnung verhältnismässig bedeutend ist. 
Die hauptsache jedoch ist, dass die meisten litteraturhistoriker. 



Zur Kaie valaf rage. 207 



welche dem Kalevalaepos ihre anerkennung; gegeben, es als litte- 
rarisches produkt beurteilt haben, getrennt von der genetischen 
trage. 

Hat aber Lönnrot den ästhetischen wert seiner redaktion 
überschätzt? Er äussert sich in der vorrede zur alten Kalevala- 
redaktion (VK XLII): »Beiderlei giebt es, solche die unseren alten 
runen sehr grossen wert beilegen und andere, welche denselben nicht 
den geringsten geben. Meinerseits möchte ich sie nicht verächtlich 
behandelt, wennschon auch nicht allzu hoch geschätzt sehen. Mit 
den griechischen und römischen können sie nicht [in ästhetischer 
hinsieht] gleichgestellt werden, aber es genügt, wenn aus ihnen 
erhellt, dass unsere vorfahren auch in geistigen bestrebungen nicht 
ohne talent gewesen sind — und dies beweisen sie jedenfalls)^. 
Nicht einmal in dieser hinsieht hat Lönnrot sein volk »mysti- 
tiziert >. 

Ich bin gezwungen gewesen Wiklund's broschüre wie eine 
wissenschaftliche abhandlung mit peinlicher genauigkeit zu rezen- 
sieren, weil diese sowohl in Finland als im auslande als eine quell- 
schrift angewandt worden ist, mit hinweis auf seine autorität. 

l'm ihm nicht unrecht zu thun, will ich gern anerkennen, 
dass er der Kalevalalitteratur viel genauer und vollständiger gefolgt 
ist, als die meisten, welche ohne selbständige Studien über diesen 
gegenständ geschrieben haben. Es ist aber beim jetzigen Stand- 
punkte der wissensehaft fast unmöglich eine populäre darstellung 
zu geben, ohne eigene forschung in den manuskriptsammlungen 
getrieben zu haben. Julius Krohn's und Comparetti's ansichten 
können leicht jede für sich referiert werden, aber sie zusammen- 
zufassen und mit den neuesten erst bruchstückweise erschienenen 
torschungt-n zu vereinigen ist eine unmögliche aufgäbe, da sie ein- 
ander teilweise voraussetzen, teilweise ausschliessen. Auch sind 
manche Irrtümer dadurch entschuldigt, dass Wiklund diese Schrift 
für einen zufälligen Vortrag geschrieben hat; dass derselbe in einem 
akademischen kreise gehalten ist. erklärt vielleicht den stellenweise 
etwas übermütigen ton. welcher in einer ernsten volksschrift weni- 
ger am platze ist. 

Der finnische referent des Wiklundschen büchleins, seminar- 
lektor Hagfors, stellt, indem er bloss finnische forscher nennt, 
die Sache so dar, als enthielte dasselbe die hauptresultate der fin- 
nischen forschvmg. Da er JULIUS Krohn's Kalevalastutlien in 



2o8 ^ur Kaie valaf rage. 



schwedischer üljersetzung kennt i:>sch()n 1887^^! das finnische ori- 
ginal von 1883 — 85 scheint ihm unbekannt zu sein), so hätte er 
sich die mühe geben können mit hilfe derselben Wiklund's bro- 
schüre zu kontrollieren, bevor er diese den volksschullehrern auf 
(las wärmste» empfahl. Das hätte man um so mehr erwartet, als 
er mit hohem wissenschaftlichen pathos das l)eklagt, was . tausende 
armer Schulkinder» noch heutzutage in Z. Topelius' »Buche von 
unserem lande» lesen müssen. Wessen hat sich denn Topelius 
schuldig gemacht? Ja, er hat gesagt, das Kalevalaepos sei eine 
der merkwürdigsten Volksdichtungen, welche je erschienen und 
dazu »das finnische volk glücklich gepriesen es zu besitzen . Die 
benennung »Volksdichtung» ist bereits erklärt worden, das attribut 
»merkwürdig» ist gewiss nicht allzu pretenziös. Und wäre auch 
die Kalevaladichtung durch und durch Lönnrots arbeit, so dürfte 
man doch gewiss das finnische volk glücklich preisen diese gross- 
artige Schilderung des Volkslebens zu besitzen, mit eben so gutem 
rechte, wie es z. h. ein glück für das finnische volk ist, dass es 
Runeberg's gedichte sein eigen nennen darf. Weiter wird aber 
noch auf eine dritte stelle bei Topelius hingewiesen: »Die ältesten 
Kalevalarunen sind durch Jahrtausende gegangen». In dieser äus- 
serung stützt sich Topelius auf die wissenschaftlichen resultate der 
Kalevalaforschung seiner zeit von Castrex bis Julius Krohn und 
Weselovskij (die rune von der weltschöpfung). Sogar die hvpo- 
these des Sampon^ythus von Setälä, an welche sich auch Hag- 
FORS hält, so weit er sie aus Wiklund's broschüre kennt, würde 
möglicherweise für Topelius sprechen, wenn sie haltbar wäre: auch 
CoMPARETTi setzt den anfang der runenpoesie in die zeit vor 
einem Jahrtausend. Die neueste, konsequent skeptische forschung 
muss sich wohl damit liegnügen vorläufig nur dem namen Ilmari- 
nen = votj. Inmar das alter von tausenden jähren zuschreiben zu 
können. — Wer aber Topelius jenen Vorwurf macht, müsste doch 
selber der Wissenschaft seiner eigenen zeit in seinem eigenen lande 
ein wenig folgen. 

Jemand hat sogar Hagfors' aufsatz für eine wissenschaftliche 
arbeit angesehen, welche wert wäre zusammen mit der W^ik- 
lundschen l)roschüre ins ausländ gesandt zu werden. Der deutsche 
referent in den Grenzboten hat beide erschöpfend benutzt, sogar 
die angriffe gegen Topelius wiedergebend. Aber obgleich er auf 
grund dieser zu dem resultate kommt, das Lönnrot mit dt-r Kaie- 



Zur Kalevalafrage. 209 



valatlichtung sein volk »mystifiziert» hätte, nimmt schliesslich doch 
-ein eigenes unbefangenes urteil überhand: »andrerseits hat er sich 
durch dieses Werk um seine Stammesgenossen unsterbliche Ver- 
dienste erworben: denn durch ihn wurde das finnische Volk seiner 
Xationalität wieder bewusst; durch ihn wurde es zur Pflege der 
Muttersprache und der altfinnischen Poesie veranlasst, und durch 
ihn erst erhielt die finnische Poesie ihren berechtigten und bedeut- 
samen Platz in der Weltlitteratur > . 

Mehr verlangen wir in dieser hinsieht nicht. Das Ivalevala- 
rpos ist und bleibt das »monumentum fere perennius» für das fin- 
nische volk, so lange es lebt, und es bleibt es in der weltlitteratur 
noch lange, wenn einmal von diesem volke nur mehr der name 
übrig sein wird. 

Helsingfors, dezeniber 1901. 

Kaarle Krohx. 



P. S. Nachdem obiger aufsatz bereits in die druckerei gelie- 
fert, lese ich in Stockholms Dagblad ("A abends nr. 12) 
rinen artikel mit der Überschrift Kalevala. Dieser enthält ein refe- 
rat des referates in den Grenzboten und benutzt dasselbe als quell- 
schrift, ohne den ausdrücklichen hinweis auf die Wiklundsche bro- 
schüre zu beachten. Die sensationerregende wissenschaftliche ge- 
-chichte hat somit aus Upsala eine rundreise durch Finland und 
i^eutschland gemacht und wird bei ihrer rückkehr nach Schweden 
nicht mehr erkannt I Jedenfalls verdient der letzte referent vor 
den andern dafür anerkennung, dass er allein sich mit einiger kri- 
tik und reservation geäussert hat. 

Die meisten dürften wohl, sei es auch bloss dem namen 
nach, das Kalevala kennen, das nationalepos der finnen. das 
diese selber so hoch stellen und auch ausländer mit interesse stu- 
dieren. Man ist sich ja durchaus darüber klar geworden, dass die 
-ammlungen des berühmten Lönnrot eine menge sagenfragmente 
aus verschiedenen teilen des landes umfassten, und dass er eine 
rekonstruktion hatte vornehmen müssen. Keineswegs aber hat man 
diese rekonstruktion so aufgefasst, wie es Anton ^\'eis-Ulmenried 
in einem artikel in den Grenzboten thut. — — So weit der 
deutsche Verfasser. In einem punkte geht er unleugbar in der 
irre, da nämlich, wo er sagt, Lönnrot habe sein volk ->mvstifiziert». 



2 I o Z"!" Kalevalafrage. 



Man wüsste nicht, dass er jemals hätte verheimhchen wollen, 
dass er seine aufzeichnungen verarbeitet hat. Auch ist er, wie 
verf. selbst anerkennt, ehrlich genug gewesen, das von ihm Ije- 
nutzte material uns so aufzubewahren und zu hinterlassen, wie es 
ihm in genauen aufzeichnungen vom munde des volkes vorlag. 
Von ossianischer romantik kann hier nicht die rede sein, und 
Lönnrot ist kein mystifizierender Macpherson./> 

Eine andere frage kann ja sein, wie weit die Verarbeitung 
wissenschattlich haltbar, litterarisch berechtigt oder im ganzen ge- 
nommen den anforderungen entsprechend ist, die man an eint- 
behutsame rekonstruktion stellen darf. Da das material noch vor- 
handen ist, wird man in Finland nicht waffenlos dastehen, wo es 
gilt angriffe wie den obigen zvu-ückzuschlagen, insofern es sich 
nämlich nicht in Wirklichkeit so verhalten sollte, dass Lönnrot zu 
viel aus eigener phantasie geschöpft hat. Hier haben also die fin- 
nischen gelehrten das wort zu ergreifen.» 

Ich hoffe, dass der anonyme referent im obigen die antwort 
finden wird. Nur muss er statt »sagenfragmenten/ mit metrischen 
volksgesängen, welche nicht in descendenter richtung fragmentarisch 
geworden, sondern in ascendenter zugewachsen sind, und statt der 
»rekonstruktion» mit einer entwicklung derselben rechnen. Was 
die litterarische berechtigung Lönnrots betrifft, brauche ich bloss 
auf seine eigene erklärung hinzuweisen (Litteraturbl. 1849 16): 
»Schliesshch, als sich kein einzelner volkssänger mehr mit mir 
messen konnte, was die masse der von mir gesammelten lieder 
anbelangt, glaubte ich da.sselbe recht zu besitzen, von dem ich 
überzeugt war, dass es sich die meisten volkssänger zuerkannten, 
— — oder um den ausdruck des Volksliedes zu gebrauchen: »ich 
schuf mich selbst zum zauberer, ich erhob mich selbst zum Sän- 
ger», d. h. ich betrachtete mich als einen volkssänger ebenso gut, 
wie jene es waren». 

K. K. 



Zakov Ethnologische skizze über die syrjänen. 



Besprechungen. 

Zakov. 3THoaornqecKifi o-iepK'b dbqt-.nvb. = Ethnologische skizze über 
die syrjänen. (rKiißaü Ciapnna, T. XI, 1901, s. 3 — 36.) 

Zakov hat sich das ziel gestellt eine skizze der entwicklung 
des syrjänischen volkes zu schreiben, die sich auf ethnographische 
und sprachliche thatsachen gründet. Zur bequemeren Übersicht über 
die kulturellen bedingungen der entwicklung der syrjänen, oder wie 
sich Zakov ausdrückt, »über die faktoren der psychischen entwick- 
lung des Volkes», stellt er folgendes Schema auf: die beschäftigun- 
gen des volkes; die natur der örtlichkeit, in der das volk lebt; 
die ältere kultur des volkes; seine somatischen eigenschaften ; kul- 
tureller einfluss der nachbarn; gewerbe. Auf diese rubriken ver- 
teilt Zakov seinen stoft", der doch allzu dürftig ist, als man ihn 
von einem ethnographen hätte erwarten dürfen, der dem stamme 
angehört, den er beschreiljt. Augenscheinlich wird es, dass den Ver- 
fasser nicht allein der wünsch geleitet hat das äussere und innere 
leben eines finnisch-ugrischen Stammes darzustellen, als auch das 
bestreben einen versuch einer »sociologischen» Charakteristik des 
Volkes zu geben. 

Indessen habe ich weder in dem schema des Verfassers noch 
in seiner betrachtung klarheit und triftigkeit der gründe gefunden. 
Um mich dem ersten zuzuwenden, so habe ich einiges bedenken 
bei dem ausdruck: die alte kultur des volkes. Was soll man 
hier unter dem worte alt verstehen? Identifiziert Zakov hier das 
alter mit dem begrifl" der Vergangenheit des volkes im allge- 
meinen, dann fragt man sich unwillkürlich: ist die Vergangenheit 
eines volkes nicht eine sehr komplizierte erscheinung, in der sich 
die einflüsse der bedingungen der gegend, in der das volk wohnt, 
seiner kulturellen beziehungen und der übrigen :>faktoren der psy- 
chischen entwicklung» wiederfinden! In diesem fall ist die dispo- 
sition des themas vom logischen gesichtspunkt wenig gelungen. 
\'ersteht aber Zakov unter der bezeichnung alt ein ältestes wieder- 
herzustellendes Stadium des kulturlebens eines volkes, so wird mein 
bedtnk^-n noch stärker. Eine alte kultur lebt weiter entweder im 



212 Zakov Ethnologische skizze über die syrjänen. 

liewusstsein des volkes oder in seiner äusseren daseinsform, wt-lche 
— und da kommen wir wieder zu demselben schluss — sich initer 
dem einfluss jener »faktoren der psychischen entwicklung des Vol- 
kes» bildet, die der Verfasser an einer anderen stelle seiner abhand- 
lung erörtert. 

Der mangel an klarheit zeigt sich in ähnlichem masse in den 
ausführungen des verf. So verwechselt er z. b. bei der erklärung der 
herkunft der Zaubersprüche die Ursache mit der folge. Nach seiner 
ansieht ist die beschwörung bei den syrjänen aus der gewohnheit der 
syrjänischen Jäger entstanden im walde zur bezeichnung des weges 
gewisse zeichen anzubringen, die nur dem Jäger verständlich sind, 
der sie gemacht hat. In dieser weise »entsteht die Vorstellung 
eines geheimnisses, eines Zauberspruchs in dem sinn, wie ihn die 
syrjänen auffassen». Allem anschein nach kann kein zweilel dar- 
über sein, dass dieser Übergang des sinns nur liei dem wirklichen 
Vorhandensein der Vorstellung von der beschwörung möglich ist. 
Die mystische Stimmung ist die Ursache, nicht aber die folge der 
mystischen beziehung der syrjänen zu den zeichen in den bäumen. 

Indem Zakov von den bedingungen der örtlichkeit spricht, 
in der die syrjänen leiten, versucht er den einfluss dieser umgel:)ung 
auf die künstlerische entwicklung des Stammes zu bestimmen. Er 
meint, ihre künstlerischen anlagen hätten sich in den M-äldern des 
von l)reiten und tiefen strömen durchquerten russischen nordens 
nicht entwickeln können. Man braucht sich jedoch nur dir ent- 
zückten beschreibungen der nördlichen landschaften zu erinnern, 
die von Castren und unlängst von Karjalaixen ( »0.stjakkeja oppi- 
massa») gegeben worden sind, oder der waldlandschaften Siskin's 
und anderer künstler, so wird man an der richtigkeit der behauptung 
Zakov's gewaltigen anstand nehmen. 

Um den leser nicht mit einer aufzählung aller betrachtungen 
des Verfassers zu ermüden, die zweifei hervorrufen, lieschränke 
ich mich auf nur zwei weitere beispiele. Nach der ansieht Zakov's 
sind die rassen nur stufen in der entwicklung der mensclihi-it: ulie 
verschiedenen stamme sind auf verschiedenen stufen der biologischen 
entwicklung stehen geblieben, und so sind die rassen entstanden). 
Was in diesem falle der stamm darstellt, bleibt \-ollständi^" unklar. 
\'on diesem gesichtspunkt aus nennt Zakov die grossrussen und 
tataren (sind das rassen?) »die mannbaren» und die svrjänen >die 
jünsjüni^e». Die anscliauun<r des Verfassers, dass die oeschichte 



1 



Zakov Ethnologische skizze über die sjTJänen. 213 



). im räume in konzentrische kreise geordnet sei» (d. h. die stamme 
erlel)en, indem sie sich vom Zentrum entfernen, konsequent eine 
und dieselbe historische evolutionj, kann bei der völligen Unbe- 
stimmtheit der autt'assung vom Zentrum leicht ad absurdum geführt 
werden. Mitunter widerspricht sich Zakov: so schreibt er auf 
Seite ^4 den neid in der socialen weit der syrjänen dem umstand 
zu. dass sie die jagd aufgegeben haben und sich der sucht 
nach reichtum ergeben hätten, auf seite 1 1 aber behauptet er, 
die jagd vor allem entwickle bei den syrjänen den neid. Hierzu 
spricht der Verfasser seine meinung in äusserst kategorischer form 
aus. Aus meinen beobachtungen», sagt er, -ergiebt sich der 
schluss, dass die dolichokephalen der konsequenz, dem Unterneh- 
mungsgeist in industriellen und kommerziellen dingen günstiger 
sind als die anderen schädelformen». Mir scheint, Zakov thäte 
besser, wenn er hier statt der berufung auf seine beobachtungen, 
die jedenfalls wenig zahlreich sind, auf die ansichten GOBlNEAU's, 
Lapouge's und anderer anthropologen hinwiese. 

Derart sind die schwächen in dem artikel Zakov's, doch hat er 
auch starke seiten. Der Verfasser, der der syrjänischen spräche mäch- 
tig ist, hat einen überblick über die alte kultur des .Stammes auf 
grund der lexikalischen daten gegeben und seine bekanntschaft mit 
den topographischen benennungen des landes für einige historische 
kombinationen venvertet. Freilich ist auch hier die Schlussfolgerung 
des Verfassers etwas eilig: daraus, dass im westlichen teil des be- 
zirks Jarensk flussnamen — wie Zakov meint — nichtsyrjänischen 
Ursprungs vorkommen (Emva = wasser des Stammes Jem, Dilmez, 
Madmas, Kismola, Jarenca), dart man wohl kaum schliessen, dass 
hier kolonisten der westtinnen gewohnt haben. Nichts desto weniger 
verdienen die bemerkungen des Verfassers über das rayon »der 
tschudischen felder» die aufmerksamkeit der specialisten. 

Es wäre zu wünschen, dass Zakov seine aufmerksamkeit der 
VL-rgleichenden grammatik der indogermanischen und finnischen 
sprachen zuwendete. Dann würde er nicht syrj. rudzeg (roggen) 
direkt mit neuhochdeutsch roggen zusammenstellen. Leider ist 
ihm die wichtige abhandlung H. Paasonen's »Kielellisiä lisiä suo- 
malaisten sivistyshistoriaan» (— Sprachliche beitrage zur kultur- 
geschichte der finneni unbekannt geblieben, obgleich ich sie auf 
russisch referiert habe. 

St. Petersburg. A. POGODlX. 



21 A Brauu Goto-slavische berühruugeu. 

Th. A. Braun. PasbicKaHi« nb oo.iacTii roTOC.iaRaHCKiix-b OTiiomeiiiii. I. 
FoTH II nxt coci;;iH ;i,o V BliKa. ITepiiiaii nepio.nj. Fotf,! Ha Biic.Tfe. = 
Untersuchungen im gebiet der goto-slavischen berührungen. I. 
Die goten und ihre nachbarn bis zum \'. Jahrhundert. Erste 
periode. Die goten an der Weichsel. St. Petersburg 1899 
(C6opnHKi> OTniJienia pyccKaro asuKa n ciOßecHOCXH PlMneparopcKoü ana- 
aeMiii HayKb, t. 64). 

Braun 's buch giebt mehr, als der titel verspricht: der verf. 
hatte nicht nur von den goten zu reden, sondern auch von den 
nachbarn, die sie zu verschiedener zeit hatten ; aus diesem gründe 
sah er sich vor die notwendigkeit gestellt die alte karte von Mit- 
teleuropa wiederherzustellen, wobei ihm als hauptquelle Ptolemäus 
diente. Da er sich mit grossem interesse der germanischen weit 
zugewandt hatte, wie sie von Ptolemäus, Tacitus und Plinius be- 
schrieben ist, und den wünsch hegte die geographische läge einer 
menge von jenen geographen bekannten stammen zu bestimmen, 
musste Braun unbedingt auch die tinnen berühren. Leider ge- 
hören die urteile unseres germanisten über die linnen zu dem 
schwächsten in seinem buche. Er wiederholt mit Barsov (»OnepHii 
pyccKOT'i iiCTopiiHecKott reorpa({nn» = Entwurf einer russischen histori- 
schen geographie, 2 aufl.) und Nadezdin (»OnuTb HCTopiiMecKoii reo- 
rpa(})iH pyccKaro jiipa» =1 Versuch einer historischen geographie der 
russischen weit, 1837), dass östlich vom Dnjepr die finnische weit 
beginne, dass die linken nebenflüsse des Dnjepr, mit ausnähme der 
Desna, finnische namen tragen und dgl. mehr. Alles dies bed-arf 
der bestätigung. Es ist interessant zu sehen, wie sich diese theo- 
rie entwickelt hat, die im verlauf von 60 jähren von hand zu hand 
gegangen ist. Nadezdin, ihr begründer, hatte nicht eigentlich die 
finnen, sondern die tschuden im äuge, worunter er eine nicht ganz 
genau bestimmte Völkereinheit verstand; er nannte die linken neben- 
flüsse des Dnjepr die tschudischen, weil deren benennungen nicht 
aus dem slavischen zu erklären wai-en. Barsov identifiziert die 
tschuden mit den finnen, und auf diese weise entstand die durchaus 
falsche ansieht, an die sich auch Braun hält. Zur bekräftigung 
führt dieser forscher noch den namen des Nerus, eines nebenfius- 
ses der Desna, an, der nach seiner meinung die erinnerung an die 
alte Merja (Nerus aus *Merus) bewahrt hat. Freilich ist dies eine 
ganz vv-illkürliche annähme. Flussnamen mit ner, nar kennen wir 
sehr viele, die Nerusse in Preussen, den Wer, nebenfluss der 



Braun Goto-slavische Ijerührungeii. 



Warthe u. a. ^, und diese weisen uns eher nach Litauen als in die 
rinnische weit. Wie ich in meinem buche zu zeigen versucht habe, 
rinden sich in der geographischen nomenklatur Mittelrusslands ziem- 
lich viele litauische namen erhalten; zu ihnen wäre meiner meinung 
nach auch der tluss Nerus zu stellen. 

In dieser weise hält sich Braux an seine Vorgänger auch in 
der frage nach den linnen bei Ptolemäus, die er mit Zeuss irrtüm- 
licherweise statt der plinischen skiren hier erscheinen lässt. Wo 
dieses merkwürdige versehen herrührt, lässt Braun unerörtert, ja 
er geht nicht einmal auf die frage ein, die gleichwohl sehr wichtig 
ist. Eine lösung habe ich in meinem buch s. 15 vorzuschlagen 
versucht: »auf grund der ältesten weitkarten können wir behaupten, 
dass sich die römischen geographen die finnen irgendwo ober- 
halb Daciens gedacht haben, wobei sie die erzählungen der ger- 
manen von den barbaren im nordosten benutzten. Dieses wird 
auch durch andre thatsache bestätigt: bei Ptolemäus nehmen, 
wie schon ZeüSS vermutete und Braun bestätigt, den platz der 
skiren die finnen ein. Dies könnte sich nicht so verhalten, wenn 
er (wie auch Tacitus) nicht im norden der Karpathen am . lauf 
der Weichsel finnen gesehen hätte. Darnach verschwinden die 
rinnen bis zum VI. Jahrhundert aus der litteratur, eine neue be- 
kräftigung dessen, dass sie bei Agrippa und dann bei seinen nach- 
folgern, Tacitus und Ptolemäus, nur durch zufall in das Verzeichnis 
der Stämme geraten sind;>. 

Obgleich erst vor kurzem Snellman in seinem buch: > Itä- 
meren suomalaiset itsenäisyytensä aikana» (1896), das mit einer 
deutschen Übersicht versehen ist, die entstehung des namens 
Annus aus *Agnus berührt hat '•^, fährt Braun doch mit KoSKi- 
NEN, Müllenhof u. a. fort das Thiudosinaunxis bei Jordanes mit 
den tschuden (in Aunuksenmaaj zu identifizieren. Sehr eng hält 
sich Braun an Tomasek, indem er sich bemüht die nationalität 
der nichtskythischen stamme bei Herodot (c/i>dnco7Tn(päyoL — mord- 
winen, usXäyx^aivoi — tscheremissen, ßovöivot — permjakeni zu 
liestimmen, und dies ist sehr gut, weil die arbeit W. Toma<ek's 



1 Sie sind aufgeführt in meinem buche: »I'l3b iiCTopiii ciaiiüH- 
iKiixi. iiepciKir.Keijiii» = Aus der geschichte der slavischen Völkerwan- 
derungen (19GIJ 95 — 96. 

- Vgl. Ahlovist JSFOu III 126. 



2i6 Traiisskription der finn.-ngr. sprachen. 



in der that das beste ist, was bisher über die nichtskvthi- 
schen Völker bei Herodot geschrieben worden ist. Dazu giebt 
Braux aber eine eigene Vermutung, mit der man sich schwer ein- 
verstanden erklären kann. Nach seiner ansieht sind die Zv^iiÜTai 
des Periplus aus dem IV. Jahrhundert (fiarä dt Zy.vßug ZvtjLtäzaL 
f&voi -/.«i jiovafibg TüvaCs) identisch mit den syrjänen (Syrjäläiset), 
wobei er die existenz eines Wortes *sürnia {=^ li. syijä, mordw. 
siräi mit der bedeutung land annimmt. 

Aus dem gesagten wird klar geworden sein, dass die tinno- 
ugrier für Braux nur nebensächliches Interesse hatten; er hat sie 
nur obenhin berührt, da sie auf dem wege seiner Untersuchung 
lagen, und er hat sich aus diesem gründe bemüht sie so schnell wie 
möglich aus dem wege zu räumen, wobei er die wenig bestätigten 
hypothesen seiner Vorgänger . benutzte oder sich eigene, seinen 
hvpothesen förderliche theorien ausdachte. Die hauptbedeutung 
von Braux's buch liegt ausserhalb des gebiets der linnologie. Er 
hat einen versuch gemacht sich von neuem mit den dunkelen fra- 
gen der ptolemäischen geographie abzufinden, und wenn er nicht 
zu klaren und überzeugenden resultaten gelangt ist, so liegt das 
schon an der beschaflfenheit seines materials. 

St. Petersburg. A. POGODIX. 



Äusserung'en über die transskription der finniscli- 
ugrischen sprachen. 



Der auftorderung der redaktion an alle Interessenten sich über 
die transskription der finnisch-ugrischen sprachen und über die 
darin zu erzielende einigung zu äussern, haben schon einige 
geehrte fachgenossen, teils in briefen an die redaktion, teils öffent- 
lich in anderen Zeitschriften, folge geleistet. Diese äusserungen 
werden wir alle abdrucken oder wenigstens referieren; diesmal ist 
aber der räum der Zeitschrift so streng in anspruch genommen, 
dass wir nur zwei von denselben mitteilen können. Die eine ist 
in Keleti Szemle — Revue Orientale bereits veröftentlicht, aber der 
Vollständigkeit wegen hier abgedruckt; die andere ist von dern verf. 
der redaktion zur veröftentlichuns: zugesandt worden. 



i 



Äusserung B. Munkäcsi's. 2I' 



Äusserung B. Munkäcsi's. 

(KSz. II 227 — 233, Ethn. XII 396 — 380. j 

Als erste meritorische Abhandlung [in FUF I] veröffentlicht 
Setälä seine Ansichten über die Transscription der finnisch- 
magj-arischen Sprachen, nachdem er vorher darlegte, welch 
verschiedener Vorgang diesbezüglich bei den Fachgelehrten herrschte 
und noch herrscht. Es ist nur zu billigen, dass der Redakteur zu 
allererst diese Angelegenheit in Behandlung zog, denn thatsächlich 
tauchen seit fast einem Jahrzehnt in den finnländischen Mitteilun- 
gen die neufabrizirten Buchstaben für die schon längst bekannten 
und durch geeignete Schriftzeichen unterschiedenen Sprachlaute in 
solcher Menge auf, dass selbst die Fachleute sich nur schon mit 
grosser Mühe darin orientiren können. Sehen wir, wie sich über 
diesen Gegenstand eine anerkannte Autorität, M. Szilasi in seiner 
Kritik äussert, welche er über das »Wotjakische Sprachproben» 
(1893) betitelte Buch von Yrjö WiCHMANX schrieb (Nyelvtud. Közl. 
26: 494 j: 

^>Indem ich die Ausgaben Munkäcsi's (»Votjäk nepkölteszeti 
hag\'omänyok» 1887) und Wichmann's vergleiche, will ich bemer- 
ken, dass der phonetische Unterschied zwischen diesen nicht so 
gross ist, wie man auf den ersten Anblick glauben möchte. Die 
Finnländer gebrauchen näinlich in neuerer Zeit Buchstaben, welche 
von den unserigen ganz abweichen, woraus grosse \'erwirrung ent- 
stehen kann, zumal bei solchen Sprachen, welche man bloss liest, 
aber nicht hören kann. Nachdem ich M.'s Sammlung durchstudirt 
hatte und hierauf die von W. hervornahm, schien mir letztere so 
fremdartig, dass ich die schon bekannten Wörter nur mit 
grosser Anstrengung wieder erkannte. Ich befasste mich 
hernach wochenlang nur mit der Sprache W.'s, und als ich dann 
wieder zu M. griff, stellte sich wieder das alte Übel ein. Die 
\'erantwortung dafür trifft die Finnen, besonders in diesem 
Falle, da M.'s Sammlung der Wichmann'schen vorausging. Warum 
acceptirte dann nicht W. die Transscription von M.? Vielleicht 
deshalb, weil die von M. nicht vollständig genau ist? Allein ge- 
rade W.'s Text überzeugt uns davoTi, dass dies nicht der Fall ist 
und vielmehr M.'s Transscription ganz zuverlässig ist. Der Unter- 
schied ist ungefähr folgender (erst folgt M.'s Transscription; nach 
dem Doppelpunkte die von W.): ä:e: o:ö: e:e: e : i; u:ui: 
iü : 11. m; e : e; -.—'.• U, dS: c, ,5 ." tk dz; c : f's: ff : f/'z. Diese Laute 

^ [Hier stehen im originale die durchquerten c und .S, welche 
unsere druckerei nicht besitzt.] 



2 1 8 Transskription der finn.-ugr. sprachen. 

stimmen offenbar vollständig mit einander überein und demgemäss 
hätte man sie auch gleichförmig bezeichnen können, 
(1 . h . man hätte das bei uns in Gebrauch stehende Zei- 
chen acceptiren können. Anders steht die Sache bei jenen 
Lauten, die in M.\s Text oder in seinen Dialekten nicht vorkom- 
men, diesbezüglich hatte \V. natürlich freie Hand; aber auch da 
wäre es besser gewesen, wenn man die neuen Zeichen nach dem 
Muster der vorhandenen geschaffen hätte.» 

Wie wir irgend einen sprachlichen Laut zu t)ezeichnen haben, 
das ist eigentlich keine wissenschaftliche Frage, da es zur 
Darlegung wissenschaftlicher Wahrheiten ganz irrelevant ist, ob wir 
z. B. den Buchstaben ]) nach unserer Leseart, oder nach russischer 
Weise »/;> lesen, vmd der Werth unserer wissenschaftlichen Be- 
trachtungen wird nicht davon bestimmt, ob wir den palatalen Xasal 
mit /"■/ schreiben, wie es BuDEN'Z that, oder mit )). wie ihn SziN- 
XVEI emendirte, oder mit rj, wie es jetzt Set.\lä wünscht. Die 
Hauptsache dabei ist, dass unsere Schreibweise zweckentspre- 
chend sei und dass sie in möglichst weiten Kreisen Aufnahme 
finde; dessen erste Bedingung ist aber, wie bei jedem gesellschaft- 
lichen Übereinkommen, dass man die historischen Prämissen 
nicht ausser Acht lasse. Was thut aber nun Setälä? Er ignorirt 
vollständig, dass wir in Ungarn schon seit ungefähr drei Dezennien 
unsere stabile sprachwissenschaftliche Transscription haben, welche 
in einer ganzen Reihe literarischer Arbeiten, in unseren sämmtlichen 
sprachwissenschaftlichen Editionen zur Anwendung gelangt (u. zw. 
nicht bloss für die finnisch-magyarischen, sondern für sämmtliche 
ural-altaische Sprachen;, für welche unsere Buchdruckereien einge- 
richtet sind, und nun wünscht er, dass wir, diese aufgebend, aus 
blosser Hukligung vor der neuen Autorität, die neueren besonderen 
Bestimmungen der Finnen acceptiren, den durch ihr Vorgehen ent- 
standenen Wirrwarr auf unser Gebiet übertragen und dadurch mit 
unserer bisherigen Vergangenheit in Widerspruch gerathen sollen. 
Auf diese Weise hält es dann schwer, selbst unter den engeren 
Fachgenossen zur Übereinstimmung zu gelangen. Davon wollen 
wir gar nicht sprechen, dass wir uns doch vor den Forschern der 
übrigen Zweige der ural-altaischen vSprachwissenschaft nicht ver- 
schliessen können, mit denen wir - — obwohl die \'erwandtschafts- 
frage in irgend einem grösseren Werke noch immer nicht einge- 
hend dargelegt wurde — zufolge unseres Gegenstendes in aller- 
dings engerem Zusammenhange stehen. Allein betrachten wir uns 
näher jene Zweckmässigkeits-Rücksichten, die die gewünschten 
Neuerungen noth wendig machen würden. 

I. Unrichtig ist der bisher zur Bezeichnung des ungarischen 
>a» Lautes gebrauchte a Buchstabe; dafür müssen wir u schrei- 
ben, weil die schwedische literarische Schreibweise diesen Laut 
so bezeichnet. Dieser Grund ist aber noch nicht genug wichtig, 
um die Zweckmässigkeit der letzteren Bezeichnung anzuerkennen; 



Äusserung B. Munkäcsi's. 219 



(lugegen verweisen wir darauf, dass in neuerer Zeit auch Katanov 
tlen Buchstaben a zur Bezeichnung^ des in den Wolf>a-tatari sehen 
Dialekten vorkommenden Lautes acceptirte. 

2. Unrichtig ist die Schreibweise der durch Zurückziehung; 
der Zunge und Lippen gebildeten » Guttural- Vocale» ? und e (z. B. 
im tatarischen Tcez »Mädchen»), wofür namentlich / und e zu schrei- 
l)en wäre. Etwa deshalb, weil wir das Ringelchen bei dem Buch- 
staben a zur Bezeichnung der labialen Aussprache anwendeten? 
(Jegen die alte Praxis kann das kein entscheidender Grund sein. 
Ks ist üljrigens auch ein Unterschied in der Anwendung des Rin- 
gelchens, welches dort oben, hier aber unten ist, demnach mit 
ilieser Eintheilung eben so gut dem doppelten Zwecke dient, wie 
zum Beispiel der Punkt in Setälä's Vorschlag, der unten ange- 
wendet [t, (1) eine cacuminale Aussprache, oben aber (A, 0) eine 
geschlossenere Aussprache bezeichnet. 

3. Zur Bezeichnung der den ungarischen langen 6, 6 Lauten 
entsprechenden kurzen Vocalen hatte ich früher die Zeichen 0^ ö 
gebraucht, da aber im Drucken der Punkt unter dem Buchstaben 
leicht abbrach, so vertauschte ich sie mit den Zeichen 0, ö. Setälä 
wünscht dagegen die Zeichen 0. Ö. bei dem früheren hingegen ge- 
stattet er aus »Bequemlichkeits-Rücksichten» auch das punktirte ö 
Zeichen (dessen entsprechender palataler Laut etwa das dreifach 
punktirte ö wäre?) Wo wäre nun der wesentliche Unterschied 
zwischen der alten und neuen Bezeichnungsweise, und warum sol- 
len wir jene verwerfen? Etwa deshalb, weil Setälä das Neben- 
zeichen - zur Bezeichnung der naso-oralen Aussprache braucht, (so : 
rt. ä)'- In diesen Fällen konnte er ja dasselbe Zeichen über dem 
Buchstaben gebrauchen, so wie wir dieses Zeichen aus bisher ge- 
brauchten. In Setälä's Buchstabensystem passt der von mir ge- 
brauchte Buchstabe ^, womit ich den dem ungarischen langen e 
entsprechenden kurzen Laut schreibe, indem ich den Buchstaben 
der früheren ungarischen linguistischen Transscription entnehme, 
welche dies für das gewöhnliche geschlossene e anwendete (nach 
heutiger ungarischer Bezeichnung: e). 

4. Den Übergangslaut zwischen u und ü (z. B. in dem 
schwedischen Worte hus) bezeichne ich in meinen wotjakischen 
und wogulischen Aufzeichnungen mit //, womit ich Castren be- 
folge, der diesen Buchstaben in seiner burjatischen Grammatik und 
Wörterverzeichnis anwendet. Die Anhänger Setälä's gebrauchen 
dem gegenüber m (ein umgekehrtes m); dass aber dies logischer 
als jenes wäre, ist nicht einleuchtend. 

5. Den dem ungarischen ö ähnlichen, aber mehr offenen 
wotjakischen und wogulischen Laut bezeichne ich mit 0; unsere fin- 
nischen Collegen schreiben in diesem Falle ein halb zugestutztes ö. 
Zur bezeichnung des offenen e ist ihnen aber der Halbschnitt die- 
ses Buchstaben schon ungeeignet, dafür schreiben sie also nicht 
mit grosser Consequenz s, dem bei uns das ä entspricht. 



2 20 Transskription der finn.-ugr. sprachen. 



6. Das Fehlen des Stimmtones bei einem gewöhnlich stimm- 
liaften Laute wird von Halasz mit den unten punktirten Buchsta- 
l)en /•, p, f etc. geschrieben (ich würde sie lieber mit unterpunk- 
tirten Medien bezeichnen). Nach der finnischen Transscription ist 
das Zeichen für solche Laute das entsprechende Kapitälchen (G, D, 
B), w^as aber in der Cursivschrift sehr ungeeignet ist (z. B. im 
esthnischen tuBa »Zimmer»). 

7. Den palatalen Nasal schreibt man in neuerer Zeit allge- 
mein mit //; Setälä weicht davon ab, nach seiner Meinung wäre 
jy besser. Dieser Buchstabe hat aber im Griechischen eine ganz 
andere Aussprache. 

8. Das Zeichen für den stimmhaften bilal^ialen Spirant ist 
bei uns der Buchstabe ir: anstatt dessen braucht Setälä das grie- 
chische ß, offenbar aus blosser Consequenz, weil wir nämlich auch 
die Buchstaben ;(, y, i^, d für die betreffenden Spiranten anwenden. 
Allein das neugriechische ß ist nichts anderes als unser v, während 
das englische tr vollkommen entspricht. 

9. Sehr zweckmässige Zeichen sind unsere c und c (=z ung. 
c^ und cz), sowie das S und 5 (=. ung. ds und dz), aus denen 
ich zur Bezeichnung der mit dem cacuminalen t ausgesprochenen 
wotjakischen Variation das — und — ^ gebildet habe. Die buchstaben 
c und c gebraucht man auch auf dem Gebiet der indoeuropäischen 
Sprachen; die finnische Transscription jedoch verwirft auch diese, 
und zwar ebenfalls aus Consequenz, damit nämlich ein Buchstabe 
keinen doppelten Consonanten bezeichne. Nach derselben .sind die 
Bezeichnungen ts, fs, dz, dz die alleinseligmachenden, wo doch die 
zusammentreffenden Lautgruppen ts, ts nicht immer wie c, c aus- 
gesprochen werden (wie z. B. nicht in den ungarischen Wörtern 
ketsey, ve'tseg, ütszel). Und dann, wenn ein Buchstabe einen Dop- 
pellaut nicht bezeichnen dart\ warum dürfen in den langen Conso- 
nanten Ick, pp, tt u. s. w. zwei Buchstaben einen Laut bezeichnen 
und warum gebrauchen wir nicht auch hier derlei Dehnungszeichen 
wie bei den Vocalen ä, Ö u. s. w.? Darin liegt keine Consequenz; 
Consequenz ist aber auch gar nicht die Hauptsache. 

10. Setälä wünscht, dass wir bei Anführung von Daten, die 
mit der gewöhnlichen Orthographie literarischer, vorzüglich der 
ungarischen, finnischen, esthnischen und lappländischen Sprachen 
geschrieben sind, oder wenn wir aus den Werken früherer Autoren 
(wie z. B. Reguly, Hunfal\'y, Budenz, Castren, Wiedemaxx, 
Ahlquist u. s. w.). Daten schöpfen, wir diese als »gröbere Trans- 
scription ^ von der »feineren Transscription» unterscheiden sollen 
und zwar durch fettere Lettern. Die Art und Weise, womit 
diese Unterscheidung durchzuführen wäre, würde den Anblick des 
Druckes überaus bunt gestalten (wenn wir z. B. neben ungarischen 



^ [Im originale stehen hier die durchquerten c und .9, vgl. 
oben s. 217 fussnote.] 



Äiisserving B. Munkäcsi's. 



gemeinsprachlichen Daten Beispiele von Sprachdenkmälern und dia- 
lektischen Variationen mittheilen, würden ganze Zeilen mit fetter 
Schritt entstehen) und ohne Grund eventuell solche Daten hervor- 
heben, welche in der Abhandlung von geringerem Belange sind. 
Diese Unterscheidung ist auch ganz unnöthig, da wir doch unga- 
rische oder finnische Wörter nur hie und da transscribiren und 
wenn wir Daten älterer Schrittsteller anführen, wir doch ohnehin 
in Klammern die Quelle angeben, aus der wir unsere Daten schöp- 
fen und wir demnach keine Ursache haben, ein Missverständnis zu 
befürchten. 

Ich hofte nicht, dass mein schwaches Wort auf das Vorhaben 
unserer finnischen Fachgenossen Wirkung ausüben würde, und ob- 
wohl Setälä seine Arbeit Jedem, der sich mit finnisch-magyarischer 
Sprach- und Volkskunde befasst, zuschickte und ihn aufforderte, 
seine Bemerkungen dazu zu machen, nehme ich doch nicht an, 
dass diese, von welcher Seite sie auch kommen mögen, in irgend 
einem wesentlichen Punkte etwelche Veränderungen herbeiführen 
könnten. Wir können dies von den finnischen Gelehrten auch gar 
nicht verlangen; ist doch die Schreibweise, deren allgemeine An- 
nahme und Kanonisirung sie wünschen, schon seit last einem Jahr- 
zehnt in Gebrauch und gelangte bereits in einer ganzen Serie von 
literarischen Ausgaben zur Geltung. Unsere finnischen Collegen 
besitzen dazu genug Selbstgefühl und sind viel zu viel von dem 
Bewusstsein durchdrungen, dass sie vermöge ihres Zusammenhal- 
tens, ihrer Zahl und sonstiger günstigeren Umstände heutzutage 
die Führerrolle im Wettkampf der finnisch-magyarischen wissen- 
schaftlichen Bestrebungen haben, als dass sie geneigt wären, einem 
ihnen nicht convenirenden äusserlichen Einflüsse nachzugeben, selbst 
wenn auch ihnen die Einwendungen in dem einen oder anderen 
Punkte vielleicht begründet erscheinen sollten. Meine Worte sind 
in erster Reihe an meine ungarischen FachcoUegen, an den Rest 
der Budenzischen Schule gerichtet, denn das Verbreitungsstreben 
der finnischen linguistischen Schreibweise interessirt hauptsächlich 
sie. Ich wiederhole, die Transscription ist eigentlich keine wissen- 
schaftliche Frage, sondern eine Sache der Convention; die Einfüh- 
rung einer Menge neuer Zeichen mit Eliminirung gleichwertiger, 
längst gebrauchter und angewöhnter Buchstaben ist für uns gewiss 
nicht praktisch. Ohne Rücksichtnahme auf unsere historischen Prä- 
missen und unsere literarische Thätigkeit wurde die finnische sprach- 
wissenschaftliche Transscription zu einer Zeit festgestellt, als deren 
heutige Wortführer auf dem Gebiete der wissenschaftlichen Thätig- 
keit noch Anfänger waren, bei uns aber die eingebürgerte lingui- 
stische Schreibweise schon eine ansehnliche Vergangenheit und in 
BuDENZ einen europäischen Vertreter hatte. Uns kann keine Ver- 
antAvortung dafür treffen, wenn unsere Wege heute auseinander 
gehen und es wäre unklug von uns, ich kann sagen, sogar ein 
Zeichen des Mangels unserer eigenen Selbstschätzung, w^enn wir 



Transskription der finn.-ut^r. sprachen. 



bloss um eines zweifelwertigen Übereinkommens willen, ohne der 
Zweckmässio;keit auch nur mit einem Schritte näher zu kommen, 
mit unserer Vergangenheit brechen wollten, den Gebrauch unserer 
bisherigen Editionen dadurch erschweren und auf dieser Weise wir 
selbst dieselben hinsichtlich ihrer Form veraltet machen würden. 
Diese unsere ungarische sprachwissenschaftliche Transscription 
ist das Vermächtnis Budenz's. Meine Meinung in der aufgeworfe- 
nen Frage ist die: Möge diese Institution des grossen Meisters un- 
ter seinen Jüngern aufrecht bleiben, schon aus Pietät für ihn und 
als Zeichen der Zusammengehörigkeit seiner einstigen Schüler. Ich 
glaube nicht, dass diese Lösung der Entwickelung unserer Sprach- 
wissenschaft zum Schaden gereichen kihmte. 

Bernhard Muxkäcsi. 



2. 

Zui' transskriptionsfrage. 

In seiner anzeige der FUF (Ethnographia XII 373 u. KSz. II 
223 f.) verwirft MuNKÄcsi durchwegs die vorschlage Setälä's in 
Sachen der phonetischen transskription, wobei er sich auch auf eine 
bemerkung von mir beruft, die ich bei der besprechung von Wich- 
mann Wotjakische Sprachproben (NvK XXVI 494 1 geäussert habe. 
Es erscheint hieraus, als wäre ich auf demselben intransigentem 
Standpunkt mit Munkacsi; was aber bei weitem nicht der fall ist. 
Ohne auf jenen besonderen fall näher einzugehen, wo es sich doch 
nicht um eine allgemeine transskription handelte, und ohne mich 
weiters vor einem etwaigen Vorwurf der Inkonsequenz zu rechtferti- 
gen, erkläre ich die Verständigung über eine allgemeine transskrip- 
tionsweise für sehr wünschenswert, und bin im prinzip mit Setälä 
einverstanden. Nebst den sachlichen gründen hebt Ml'NKÄCSI noch 
gefühlsmomente, namentlich die pietät gegen unseren unvergesslichen 
meister Budenz hervor. Aber ich denke, niemand wird und kann 
es als eine pietätslosigkeit auffassen, wenn wir in rein wissenschaft- 
lichen Sachen von imserem lehrer abweichen. Darüber lässt sich 
allerdings überhaupt nicht streiten, ja sogar nach meiner meinung 
auch darüber nicht, ob die phonetische schritt eine wissenschaft- 
liche frage sei oder nicht, wäe es Munkacsi zu bezweifeln scheint. 
Unzweifelhaft ist doch die phonetik die wissenschaftliche grundlage 



IM. SziLASi. Zur transskriptioiisfrage. 223 

aller Sprachwissenschaft, der lautlehre, der etjmologie etc., und 
ihre ausdriicksweise ist ja alleinii;- die phonetische Schrift: wie 
sollte also dieselbe keine wissenschaftliche frage sein? 

Demgemäss ist es also theoretisch begründet ein System der 
phonetischen transskription zu suchen, und ebenso sehr aus jirakti- 
schen rücksichten. Nur eine systematisch, nach bestimmten prinzi- 
pien geordnete schrift lässt sich weiter entwickeln, nämlich in 
strenger sachgemässer Ordnung, und wir müssen immer vorbereitet 
sein, dass neue laute entdeckt werden in bekannten oder noch 
unlieholienen Sprachschätzen, endlich dass mit Verfeinerung der 
phonetischen Instrumente neue beobachtungen und entdeckungen 
gemacht werden. Wollen wir also einer unheilbaren Verwirrung, 
die leider schon jetzt besteht, für alle zukunft vorbeugen, so haben 
wir eine transskription zu schallen, welche systematisch entwicke- 
lungslähig ist, eine schrift. worin das zeichen irgendwie mit der 
beschaflfenheit, der artikulation der lautes zusammenhängt. Dies 
kann natürlich auch nur mittels wissenschaftlicher forschung erreicht 
werden. 

\'on diesen gesichtspunkten aus betrachtet, erachte ich die vor- 
schlage Setälä's für sehr gelungene. Die zeichen, die er anwen- 
det, z. 1). • ■ , zeigen wirklich die art der artikulation. Es 

ist also gar kein grund vorhanden sich ablehnend dazu zu verhal- 
ten. Die Überlieferung, mit der, wenn sie fehlerhaft und unbrauch- 
bar ist, einmal doch gebrochen werden muss, kann hiebei nicht 
als allein massgebend in betracht kommen. Allenfalls aber ist die 
überlielenmg soweit es angeht in ehren zu halten. Denn erstens 
sind wir dazu gezwungen, da wir doch kein neues aiphabet machen 
können oder wollen; andererseits ist es pflicht das würdige zu kon- 
st-rvieren, mit anderen worten, wir sollen ohne zwingenden grund 
nichts an dem althergebrachten rütteln und ändern. 

Dies wird auch von Setälä hervorgehoben, dennoch glaube 
ich, dass er viele überflüssige neuerungen befürwortet. 

Ich habe schon oben bemerkt, dass wir an unser altes aipha- 
bet gebunden sind, hierin aber hauptsächlich an eine, um kurz zu 
sagen, einheitliche schrift. 

Wenn möglich, so ist die vielartige bunte schrift zu vermei- 
den, also es wären nicht zu vermengen im Innern des wortbildes: 
ai kleine und grosse lettern — b) verschiedener satz, z. b. antiqua 
mit kursiver — c) verschiedene Schriftarten, wie lateinische, griechi- 



2 24 Transskription der finn.-ugr. sprachen. 

sehe, russische buchstaben — d) zahlen sind zu vermeiden — e) 
neue buchstaben ebenfalls. 

So dass zur lautbezeichnung nur die diakritischen zeichen zu 
verwenden wären, die prinzipiell mit der Überlieferung übereinstim- 
men und die gestalt der buchstaben nicht erheblich verändern. 
Aus praktischen bequemlichkeitsgründen wünsche ich dieselben 
unterhalb der zeile anzuwenden. 

Das sind die gesichtspunkte, nach denen ich eine transskrip- 
tion an den beigefügten tabellen, etwas abweichend von Set.\lä, 
versucht habe, und die ich hier kurz erklären möchte. 

Vorerst die konsonanten. 

1. Setälä schreibt die stimmlosen medien mit kapitalschritt 
£,/>...; SlE\'ERS h, d . . . ; ich empfehle h, d ■ . . , weil v für die 
offenere articulation das zeichen ist. Das zeichen - entnehme ich 
von den vokalen, wo ich statt dessen zur Zurückziehung der zunge 
das allgemeine • • • anwende; also / = /', wie es auch Wikluxd und 
Wichmann gebrauchen. 

2. Bei Setälä werden einige Spiranten mit griechischen 
buchstaben geschrieben, welche ich mit lateinischen ersetze; anstatt 
(f, ß — ' W, ic; anstatt g ^' g, beide auch bis jetzt üblich; nur das 
j^ habe ich gelassen, weil ähnliches auch in der lateinischen schritt 
vorkommt. So schreibe ich, und zwar nach alter Überlieferung, 
t, d, d statt i!A, (5, (?; f- statt .i; gestürztes .i für russisches r; (f) 
statt ip nach Sievers : >; für uvularisches o. 

Somit fehlen die kapitale und griechischen buchstaben i;f aus- 
genommen) in meiner konsonanten-transskription, da ich füglich das 
iy, welches nur eine kleine abweichung des lateinischen tt ist, nicht 
zu den griechischen buchstaben rechnen will. 

In der transskription der vokale sind meine abweichungen 
geringer. Wie ich schon oben bemerkt habe, schreibe ich i, statt /. 
Anstatt i — (e nach Wikluxd. Statt m, dessen wert ich nicht 
kenne, habe ich keinen Vertreter. Zur bezeichnung der engeren 
artikulation möchte ich • • • behalten, also P =^ e (ausgenommen «), 
so dass wir für schwedisches u anwenden könnten u = m. Zur 
Unterscheidung von (back) e bezeichne ich mit einem punkt an der 
Seite (mixed) f, und schreibe (mixed) 7. 

Alles übrige in SetäLÄ's vorschlagen linde ich annehm- 
bar und empfehlenswert, nur möchte ich es nicht für bindend erklä- 
ren, dass fortlaufender text kursiv gedruckt werde, nicht nur weil 



M. SziLASi. Zur transskriptiousfrage. 



225 



(las auch schon vom gewöhnlichen abweichend ist, sondern weil 
ich es auch für das äuge schädlich halte. 

Es wäre mir sehr angenehm, wenn ich mit diesen bescheide- 
nen vorschlagen etwas zu der sehr erwünschten gegenseitigen Ver- 
ständigung beigetragen hätte. 



Konsonanten. 



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226 



Über d. programm unserer Zeitschrift. 



Vokale 

Die z 11 11 g e 
zu rück yezo " en vorwärts 



i 

i i 








i 

< 


i 

i i 




< 










e- 

< 


e,i=e) 

e e 

> 








(ß 

< 








m 












a \ 


ä 
a(=a) 


^ 












\ a a ■ 

■ 1 
















<} 




ä 






' 















ö, ö^ 


1 

1 

i 




oi=o) 










\ ö 
ö 


u u 
u 


\ 




ü ii 
(=m) // 



Budapest. 



M. SZILASI. 



Bemerkungen über das programm unserer Zeitschrift. 



Der aufforderung der redaktion folge leistend haben sich einige 
von den geehrten fachgenossen und interessenten teils in privat- 
briefen, teils in der zeitschriftenlitteratur über das programm unse- 
rer Zeitschrift geäussert. Eine auslese solcher äusserungen, welche 
bemerkungen oder zusätze dazu enthalten, werden wir in diesem 
und den folgenden heften unserer Zeitschrift veröffentlichen. 



Gestatten sie mir gütigst einige worte über das programm. 
Scharf lassen sich ja die grenzen einer solchen Zeitschrift 



über (las programui unserer Zeitschrift. 227 

nicht ziehen : man wird vielfach in andere fächer überstreifen müs- 
sen, und so ist e«j auch recht. Den grössten vorzug erblicke ich 
darin, dass methodische bearbeitung als bedingung aufgestellt wird. 

Meine begründung ist ganz einfach : die grosse konkurrenz 
der vielen Zeitschriften hat viel »journalistische» elemente in die 
fachlitteratur gebracht; die 'beitrage» und die »közli» = »mitgeteilt 
von» sind baummassen, vor welchen man den wald nicht sieht. 

Die methodische behandlung allein steuert diesem übel. 

\'on nicht geringerer Wichtigkeit ist die absieht, den Littera- 
tur-Anzeiger methodisch zu gestalten. Er sollte meines erachtens 
in subdisciplinen zerfällt bearbeitet werden. 

Wenn der bearbeitung auch der charakter des bearljeitens 
aufgedrückt wird, desto besser: das gewicht kann auch negativ 
festgestellt werden. 

Budapest 19. 7. 01. Otto Herw.AN. 

2. 

— — Was das programm der Zeitschrift betrifft, so ^•ermis.se 
ich darin einen hinweis auf Ortsnamen-, bezw. personennamenkunde, 
welche vielleicht verdient einen besonderen platz in dem programm 
zu rinden. 

St. Petersburg iS. 8. 1901. A. POGODIN. 



— — Wenn tue Finnisch-ugrischen Forschungen, neben 
selbständigen aufsätzen durch Übersetzungen, referate und biblio- 
gTaphische nachweise den jeweiligen stand der Wissenschaft be- 
leuchten wollen, so verdient dies dankbare anerkennung; die absieht 
indess, jährlich eine bibliographie der zeitschriftenlitteratur mit kur- 
zen inhaltsangaben zu liefern, legt dieselben bedenken nahe, denen 
dr. Preuschen in seiner »Zeitschrift für die neutestamentliche Wis- 
senschaft / kürzlich ausdruck gegeben hat. Die an sich ausserordentlich 
erklärliche Wertschätzung bibliographischer hülfsquellen hat nämlich 
dazu geführt, dass die verschiedensten Zeitschriften literaturverzeich- 
nisse bringen, die nur zu oft in unnützer Wiederholung derselben 
entsagungsvollen arbeit ganz oder teilweise das gleiche gebiet be- 
handeln, dabei aber alle miteinander die wünschenswerte Vollstän- 
digkeit vermissen lassen; diese kann in den heutzutage erreichba- 
ren grenzen nur von einem zentralorgan erfolgreich angestrebt 
werden, das die l)il)liographische materialsammlung zum mittelpunkt 



2 28 E- ^'- Setälä. Die fiun.-ugr. studieu als iiniversitätsfach. 

seiner thätis^keit g;emacht hat. Wenn also die heraus<jeber der 
»Finnisch-ugrischen Forschungen» zugeben, dass eine bibliographie 
für die meisten wichtigeren erscheinungen auch auf ihrem gebiete 
bereits seit langen jähren vorhanden ist (p. 13J, so empfiehlt es 
sich wohl zweifellos, eben diese bibliographie durch ergänzende 
mitteilungen zu thunlichst erschöpfender berichterstattung zu be- 
fähigen, während der »Anzeiger» der neuen Zeitschrift eine sehr 
lohnende aufgäbe erfüllen würde, wenn er unter Verwertung jener 
bibhographie für seine zwecke in kritischen referaten diejeni- 
gen neuerscheinungen hervorzuheben suchte, welche die entwick- 
lung der speciellen fachwissenschaft in entscheidendem masse beein- 
flussen. Diesen Vorschlag erlauben wir uns um so eher der erwä- 
gung der redaktion zu unterbreiten, als diese selbst den wünsch 
nach bemerkungen und winken über ihr programm kundgegeben 
hat (p. 14). — — 

Beilage zur Allgemeinen Zeitung, ^München 8. 7. 1901, nr. 153 \ 



Nachtrag zu dem artikel ,,I^ie finnisch-ugrischen 
sUidien als universitätsfach". 



Als ergänzung zu dem artikel mit obigem titel (FUF I Anz. 
40 — 64) soll erwähnt werden, dass auch in Paris an der :>Ecole 
Pratique des Hautes Etudes» professor der äthiopischen und der 
turanischen sprachen Joseph H.\levy schon seit 18 jähren wenig- 
stens eine finnisch-ugrische spräche, die ungarische, in den l^ereich 
seines Unterrichts gezogen hat. Über seine thätigkeit teilt mir 
prof. Halev}- in einem privatbriefe i'/g 1901) folgendes mit: 

»A part mon cours principal de langue ethiopienne. je fais 
regulierement une fois par semaine une Conference sur la gram- 
maire comparee des langues touraniennes. J'ai l'intention de la 
continuer aussi cet hiver; j'espere meme avoir quelques eleves de 
plus que Tan passe. Comme base d'etude j'explique l'epigraphie 
turco-runique de la Siberie et l'interpretation prend soin de faire 
connaitre les formes grammaticales et lexicographiques qui sont 
propres aux autres idiomes turcs connus. Pour la brauche ouralo- 



' Zu merken ist, dass diese besprechung vor ilem erscheinen 
unserer bibliographie erschienen ist. 

Bemerk, d. red. 



Fiun.-uj^r. Vorlesungen und Übungen. 229 

rinnoise, l'interet pratique nous conduit ;i enseigner le hongrois 
d'une maniere serieuse, mais toujours au point de vue scientifique 
dt- la Philologie comparee, d'abord vis-ä-vis des dialectes propre- 
inent rinnois, en suite en comparaisoii avec le turc qui se montre 
vraimt-nt apparentc ä la hranche finnoise. II y a dejä 18 ans qua 
ces (itudes sont en marche. Avant moi elles n'existaient pas en 
France. » 

In dem »Annuaire 1902» für die »Ecole Pratique des Hautes 
Etudes > berichtet prcf. Halevv über seine thätigkeit während 1900 i 
tolgendermassen : 

>Plusieurs Conferences ont ete consacrees ä la grammaire 
liongroise. Les exercices pratiques etaient regles de maniere que 
la meme phrase füt exprimee ä la fois en turc et en hongrois. Les 
eleves appartenant ä l'une ou ä l'autre de ces nationalites ont en la 
meilleure occasion de se rendre compte du genie de ces idiomes. 
Les noms de nombre turco-magv'ars ont ete l'objet d'une analyse 
inauguree pour la premiere fois.» 

E. N. Setälä. 



Vorlesungen und übung-en 

auf dem gebiete der finnisch-ugrischen sprach- und Volkskunde 
an den Universitäten Europas 190 1/2. 



Budapest, Ungarn. 

Gyulai, Pal, ö. o. prof. d. ung. litt. H.-S. 1901 rgeschichte 
der ungarischen litteratur von 1526 bis 1606 (2. teil), 4 st.; semi- 
narübungen, 3 st. F.-S. 1902: geschichte der ungarischen littera- 
tur von 1526 bis 1606 (3. teil), 4 st.; seminarübungen, 3 st. 

Beöthy, Zsolt, ö. o. prof. d. ästhetik und poetik. H.-S. 
1901: überblick über die geschichte der ungarischen litteratur, 
I St.; erklärung von \^örösmarty's »Ket szomszedvär», 1 st. F.-S. 
1902: geschichte der neueren ungarischen litteratur (XIX. Jahrhun- 
dert), 2 St. 

SiMONYi, ZsiGMOND, ö. o. prof. d. ung. spräche u. litt. 
H.-S. 1901 : syntax I. (der einfache satz), 3 st.; germanismen und 
Übersetzung aus dem deutschen, 2 st. ; philologische gesellschaft 
(für fortgeschrittenere), 2 st. F.-S. 1902: syntax II. (der zusam- 
mengesetzte satzj. 3 St.; syntax III. (wortfolge), 2 st.; philolo- 



2^0 Finn.-ugr. Vorlesungen und Übungen. 



gische Gesellschaft (schriftliche arlieiten und abhandlumjen für fort- 
geschrittenere), 2 St. 

H.\MPEL, J(')ZSEF, ö. o. prof. d. numismatik u. klass. archäo- 
logie. F.-S. 1902: pannonische und dacische denkmäler, 2 st. 

SziNXYEi, JozsEF, ö. o. prof. d. altaischen sprachen. H.-S. 
1901: einführung in die finnisch-ugrische Sprachvergleichung, dar- 
nach: finnisch, 2 st.; ungarische Sprachvergleichung (vergleichende 
laut- und formenlehrei, 2 st. ; finnisch-ugrische vergleichende lingui- 
stische Übungen (wogulische lektüre, für fortgeschrittenerei, i st. ; 
ungarische grammatik, 2 st. F.-S. 1902: finnisch (fortsetzung: 
Syntax und texterklärungi, 3 st. ; ungarische Sprachvergleichung 
(fortsetzung), 2 st.; finnisch-ugrische linguistische Übungen (wotja- 
kisch und syrjänisch), 2 st. 

M.ARCZALi, Henrik, ö. o. prof. il. mittelalterl. geschichte. 
H.-S. 1901: geschichte Ungarns von 1301 I)is 1437, 4 st.; die Chro- 
niken (seminarübungen), I st. F.-S. 1902: geschichte Ungarns von 
1437 — 1526, 4 St.; Thurciczv und Bonfini ( seminarübungen 1. i st. 

Bekefi, REMUr, ü. o. prof. d. ung. kulturgeschichte. H.-S. 
1901: quellen für die ungarische kulturgeschichte im XVIII. Jahr- 
hundert, I St. ; ungarische kulturgeschichte : konstituierung, ent- 
wicklung und leben der ungarischen gesellschaft, 4 st. F.-S. 1902: 
quellen für die ung. kulturgesch. u. s. w., i st.; ungarische kul- 
turgeschichte ; die ungarische gesellschaft in der neuzeit, 4 st. 

BODXÄR, ZsiGMOXD, privatdozent d. ung. litteratur. H.-S. 
1901 ; die ungarische litteratur des XVII. und XVIII. Jahrhunderts, 
2 st. ; geschichte der ungarischen litteratur des XIX. Jahrhunderts, 
unter bezugnahme auf die socialen bestrebungen, 2 st. F.-S. 1902: 
geschichte der litteratur des XMII. Jahrhunderts, 2 st. : litteratur- 
geschichte des XIX. Jahrhunderts u. s. w., 2 st. 

Negyesy, LÄSZL('), privatdozent d. hülfswiss. f. ung. littera- 
turgesch. H.-S. 1901 u. F.-S. 1902: ungarische stilübungen (für 
Studenten der philologisch-historischen Sektion), 2 st.; ungarische 
Stilübungen (für Studenten der mathematisch-naturwissenschaftlichen 
Sektion), 2 st. 

CSUDAY, Jexö, privatdozent d. ung. geschichte. F.-S. 1902: 
Ungarn während der regierung Matthias II. 

ZOLXAI, GY'UL-A., privatdozent d. ung. spräche. H.-S. 1901 : 
ungarische lautlehre, 2 st. ; lektüre und Übersetzung der poetischen 
Katahn-legende, i st. F.-S. 1902: bedeutungslehre, 2 st.; einlei- 
tung in das Studium der ungarischen Sprachgeschichte. Unsere 
Sprache zur zeit der Arpaden, i st. 

HORVÄTH, CYTilLL, privatdozent d. ung. litteratur. Magvari 
und Päzmäny, 2 st.; Pelbärt Temesväri und die ung. codexlittera- 
tur (fortsetzung), i st. 



l"inn.-ugr. Vorlesungen und Übungen. 23 1 

AxGVAL, David, privatdozent d. ung. geschichte. H.-S. 1901 : 
Zrin\-i, das leben des dichters (fortsetzung). 

Thirring, Gustav, privatdozent f. demographie. H.-S. 1901 : 
demographie Ungarns, unter berücksichtigung der politisch-geogi"a- 
phischen Verhältnisse, i st. 

KoMÄROMV, AxDRÄs, privatdozent d. ung. geschichte. H.-S. 
1901: geschichte l'ngarns vom tode Matthias' bis zur niederlage 
l)ei Mohäcs (1490 — 1526), 2 st. 

Melich, JÄNOS, privatdozent f. ung. etymologie. H.-S. 1901 : 
slavische fremdwörter im ungarischen Wortschatz, 2 st. F.-S. 1902: 
die christliche terminologie der ungarischen spräche, 2 st. 



Christiania, Norwegen. 

Nielsen, Konrad, dozent des lappischen und finnischen 
(^»kvänischen»). H.-S. 1901: finnisch, 3 st.; lappisch, 2 st.; lappi- 
sche dialektproben, i st. F.-S. 1902: finnisch (fortsetzung und 
schluss), 2 st. ; daran anschliessend eventuell einen neuen kursus 
im finnischen, 2 st. ; lappisch (fortsetzung), 3 st. 



Dorpat (Jurjev), Russland. 

Hermann, August, lektor der estnischen spräche. H.-S. 1901 : 
grammatik der estnischen spräche, i st. ; praktische Übungen, lek- 
türe ausgewählter stücke aus der estnischen litteratur mit etymolo- 
gischen und syntaktischen erläuterungen, i st. F.-S. 1902: gram- 
matik der finnischen spräche verbunden mit etymologischen und 
syntaktischen Übungen, i st. ; fortsetzung der praktischen Übungen 
nebst lektüre ausgewählter stücke aus der estnischen litteratur, i st. 



Helsingfors, Finland. 

Setälä, Emil Nestor, o. professor der finnischen spräche 
und litteratur (besorgt zeitweilig die professur für finnisch-ugrische 
Sprachforschung). H.-S. 1901: verbalflexion in den fiugr. sprachen, 
i St. ; phonetik, 2 st. ; seminarübungen über die prinzipien der 
Sprachgeschichte, 2 st.; schriftliche arbeiten. F.-S. 1902: verbal- 
fiexion (forts.), i st.; estnische Sprachgeschichte, 2 st.; seminar- 
übungen wechselnd über die prinzipien den Sprachgeschichte und 
über lappische Sprachgeschichte, 2 st.; schriftliche arbeiten. 

Krohn, Kaarle Leopold, a. o. professor der finnischen und 
vergleichenden volksdichtungsforschung (besorgt zeitweilig die pro- 



232 Fimi.-ugr. Vorlesungen und Übungen. 

fessur für finnisclie spräche und litteratur). Kalevalaforschungen, 
2 st. ; Kanteletarforschungen, 2 st. 

NiEMl, AUKUSTI Robert, dozent der finnischen htteratur und 
Volksdichtung. Erklärung ausgewählter stücke aus dem Neuen 
Kalevala (für pädagogen), i st. 

Cajander, Paavo Emil, o. lektor der finnischen spräche. 
Mündliche Übungen im finnischen, schriftliche Übungen, 2 st. 

Almberg, Anton Fredrik, a. o. lektor der ungarischen sprä- 
che. Ungarisch für das kandidatenexamen, 2 st. 

Paasikivi, Juho Kusti, a. o. lektor der finnischen spräche der 
Jurist, fakultät. Mündliche Übungen im finnischen und schriftliche 
arbeiten über juristische themen auf finnisch. 



Kasan, Russland. 

Anderson, Nikolai, lehrer der finnischen dialekte. Gramma- 
tik der mordwinischen spräche, 3 st. ; ethnographische Übersicht 
der ugrofinnischen stamme, 3 st. 



Klausenburg (Kolozsvar), Ungarn. 

SzECHY, Karoly, ö. o. prüf, der ung. litteraturgesch. und d. 
ästhetik. H.-S. 1901 : die litteratur der katholischen reaktion, 4 st.; 
ästhetische und litteraturhistorische erläuterung von Märton Debre- 
czeni's »Kiövi csata», 2 st.; geschichte der ungarischen spräche und 
der ungarisch-ugrischen vergleichenden Sprachwissenschaft, 4 st. 
F.-S. 1902: die litteratur der katholischen reaktion, zweiter teil, 
4 St.; Käroly Kisfaludy's dramen, 2 st. 

SzÄDECZKY, Lajos, ö. o. prof. d. ung. geschichte. H.-S. 
1901: geschichte Ungarns von 1300 bis 1526, 4 st.; quellen un- 
serer geschichte im XIV — XV. Jahrhundert, 2 st. F.-S. 1902: 
geschichte Ungarns von 1490 — 1606, 4 st.; geschichtliche quellen 
des XVI. jahrh., i st.; Übungen auf dem gebiete der Urkunden- 
forschung, 2 st. 

Vajda, Gyula, ö. o. prof. d. ung. kulturgeschichte. H.-S. 
1901 u. F.-S. 1902: geschichte der materiellen und geistigen kul- 
tur Ungarns von 171 1 — 1848, 4 st.; kulturgeschichtliche bedeutung 
der dekaden des Antonio Bonfini, i st. 

PÖSTA, Bela, ö. o. prof. d. archäologie. F.-S. 1902: prak- 
tische altertumskunde, 3 st. 

Herrmann, Antal, privatdozent der ethnographie. H.-S. 1901 : 
ethnographische ausblicke, i st.; Übungen im ethnographischen 



I 

I 



F'inn.-ugr. Vorlesungen und Übungen. 233 

museum, i st. F.-S. 1902: ethnographische ausblicke (fortsetzung), 
I St. ; über die volkspoesie, i st. 

Erdelyi, PÄl, privatdozent der neueren ungarischen httera- 
turgeschichte. F.-S. 1902: biographie Vörösmarty's, 2 st. 

Paris, Frankreich. 
(Ecole Pratique des Hautes Etudes. 1 

H.XLKVV, Joseph, professeur de langue ethiopienne et des 
langues touraniennes. 1901 02: grammaire comparee des langues 
tuuraniennes, 1 h. 

Prag, Österreich (Böhmen). 

BrÄBEK, Frakti.sek, lektor der magyarischen spräche und 
litteratur. W.-S. 1901/2: grammatik der magyarischen spräche, 
tür anfänger, 2 st. ; altmag\-arische sagen, wie sie in der Volks- 
dichtung und in moderner bearbeitung (Arany u. a.) erscheinen, 
I St. S.-S. 1902: grammatik der magyarischen spräche, 2 st.; 
kurze Übersicht der ganzen magj'arischen litteraturgeschichte. 



St. Petersburg, Russland.. 

Kallas, Oskak Philipp, privatdozent der vergleichenden 
Sprachwissenschaft. F.-S. 1902: praktischer kursus der finnischen 
spräche, i st. 

Upsala, Schweden. 

WiKLUND, Karl Bernhard, dozent der finnisch-ugrischen 
Sprachwissenschaft. H.-S. 1901: u. F.-S. 1902: lappisch, 2 st.; 
estnisch, l st. 

Wien, Österreich. 

Tomecsek, Georg, akad. lehrer des ungarischen. Zwei kurse 
in der ungarischen spräche, einen für anfänger (2 st.; den anderen 
für vorgeschrittene (i st.). 



234 Mitteilungen. 



Mitteilungen. 

Statistische mitteilung-en über mordwinen, tsche- 
remissen, wotjaken und syrjänen. 

Im gonvernement Kasan gab es im jähre 1899 126,394 
tscheremi ssen, 25,794 mordwinen und 10,460 wotjaken. — 
Von den tscheremissen wohnten 63,882 (darunter 3,765 heiden 1 
im kreise Carevokoksajsk, 38,857 im kr. Kozmodemjansk, 16,012 
im kr. Ceboksark, 5,578 (darunter 304 heiden) im kr. Kasan unil 
2,065 (darunter 1,009 heiden) im kr. MamadyS- — Von den 
mordwinen: 11,030 im kr. ('istopol, 7,823 im kr. Spassk, 6,890 
im kr. Tetjusi und 51 im kr. Ka.san (in der Stadt Kasan). — Von 
den wotjaken: 9,228 (darunter 2,745 heiden) im kr. Mamadys 
und 1,232 im kr. Kasan '. 

Im gouvernement Wjatka, in demselben jähre, wotjaken: 
397,817, tscheremissen: 150,836 und syrjänen ( »permjaken» ) 
13,268. — Von den wotjaken wohnten 163,763 (darunter 7,575 
bessermanen) im kr. Glazov, 99,797 (darunter 43 bessermanen) 
im kr. Sarapul, 70,476 im kr. Malmyz, 56,131 im kr. Jelabuga, 
5,924 im kr. Slobodsk, 1,358 im kr. Urzum und in verschiedenen 
Städten 368. — \'on den tscheremissen wohnten 77,444 im 
kr. Urzum, 55,681 im kr. Jaransk, 9,684 im kr. Malmyz, 6,087 
im kr. Jelabuga, 1,557 im kr. Sarapul und 383 im kr. Kotelnic''. — 
Von den syrjänen 7,720 im kr. Glazov und 5,548 im kr. Orlov "-. 

Im govivernement Ufa, in demselben jähre, wotjaken: im 
kr. Birsk 22,251 ^ und im kr. Menzelinsk 59 (im dorfe Uzungu- 
lova in der wolost Aktanj'sev^sk) *, im ganzen: 22,310. Tsche- 
remissen gab es im kr. Birsk 64,843 •* und im kr. Menzelinsk 
ungef. 500 ■* (ausserdem giebt es tscheremissen auch im kr. Belebeii. 



' Oösopb KiiiiaHCKdil ryoepinn ;!ii ISij!» nub. Kazau 1!)00. 

- IlaMMTHiifl KHna;Ka B^tckuii ryoepHiii n Ku.it^HMpb Ha I!H»1 niri,. 
Kazan 1900. 

' OöopHHK'fc cxaTHCTHqecivHxi, (■Bb.it.HÜi IM .V(|iiiMci;'in ryo. T. V. liHp- 
cKiü yfeuÄi. Ufa l'JOO. 

• Ibid. T. VII. Menae.niHCKifi \ t.:i,xi.. Ufa liHM). 



Tliätigkeit wissenscliaftl. ges. u. instit. Litterarisches. 235 

Wenn wir beachten, dass es noch im u^ouv. Perm iingef. 
4,000, im o^ouv. Samara unscef. 1,300 wotjaken, und im gouv. 
Perm unget. 15,000, im gouv. Niznyi Novgorod ungef. 5,460 
und im gouv. Kostroma ungef. 3,000 tscheremissen giebt, 
wäre die gesammtzahl der woljaken wenigstens 435,887 und 
die der tscheremissen wenigstens 3 6 6,033. 

Y. W. 



I 



Thätig'keit wissenschaftlicher g-esellschaften und 
institute. Litterarisches. 

- — Auf die FL'F I Anz. 173 erwähnten preisaufgaben der 
rngarischen Akademie der Wissenschaften hin, für die die kon- 
kurrenzzeit am 30. sept. 1901 ablief, sind preisschriften über die 
türkischen elemente im ungarischen (von B. MunkÄcsi und J. 
IvÜNOS), über die quellen der ungarischen Codices und über die 
geschichte Ungarns (Semsey-preis) eingelaufen. Dagegen haben sich 
um die Semsej'-preise auf eine wissenschaftl. ungarische gramma- 
tik, geschichte der ungarischen litteratur und archäologie Ungarns 
keine bewerber eingestellt. 

— Das Kalevala auf italienisch. Von der italienischen 
Kalevala-übersetzung prof. P. E. Pavolini's (FUF I Anz. 176) 
ist die Übersetzung der 41. rune (über den gesang imd das spiel 
X'äinämöinens) bereits erschienen (II XLI" Runo del Kalevala. 
Tradotto da P. E. Pavolini. Remo Sandron — editore, Milano-Pa- 
lermoj. Ein grosser teil der Übersetzung liegt schon im manu- 
skript fertig vor, obgleich die urprüngliche absieht des Übersetzers, 
das ganze am 9. april 1902 (der 100. Wiederkehr des geburtstages 
Lönnrot's) erscheinen zu lassen, sich nicht verwirklichen lassen 
dürfte. 



Forschung sreisen. 

— Dr. H. Paasonen, Stipendiat der Helsinglbrser Universität, 
hat sich nach seiner rückkehr aus Surgut auf dem mordwinischen 
gebiet im bezirk Tambov aufgehalten und sich u. a. mit den sog. 



b 



236 ^Mitteilungen. 

Karatai-morchvinen l^efasst. Hiernach ist er nach Kasan gereist. 
wo er sich mit der Sichtung und ergänzung seiner auf der langin 
forschungsreise gesammelten reichen materialien beschäftigt. 

— Dr. Yrjö Wichm.anx, Stipendiat tler linnischen Universität. 
befindet sich jetzt auf einer forschungsreise zu den syrjänen. Kr 
brach im september von Helsingfors auf. In den bibhotheken zu 
Petersburg und Moskau hatte er das glück für die ältere syrjäni- 
sche litteratur bedeutsame funde zu machen, mit deren hülfe sich 
u. a. die liturgie des Hl. Stefans annähernd rekonstruieren lässt. 
Ferner hat er in ^'qlogda von einem heiligenbild eine alte svrjäni- 
sche Inschrift kopiert, die der forschung bisher nur in mangelhafter 
nachbildung zu geböte gestanden hat. Über Vologda. Utsjug, 
Kotlas und Jarensk ist dr. W. am 19. Oktober 1901 in Utssysolsk ein- 
getroffen, wo er in reins^TJänischer gegend seinen Studien obliegt. 
Durch Schüler, die aus der Petschora-gegend gebürtig sind, hat er 
sich daselbst auch mit dem dialekt dieser gegend vertraut machen 
können. 

— Mag. phil. K. F". K.xrj.-M.AINEX, Stipendiat der Helsingfor- 
ser Universität (mit unterstützimg aus den dispositionsmitteln des 
kanzlers) und der Finnisch-ugrischen Gesellschaft, ist nach einem 
längeren aufenthalt in Surgut. während dessen er auch einen ab- 
stecher nach Alexandrovo am oberen Ob machte, gegen ende des 
sommers 1901 nach Berezov weitergereist, wo er auch den Kaz\'m- 
dialekt untersucht hat. Im anfang des Jahres 1902 beabsichtigt er 
sich nach Obdorsk zu begeben und im trühling mit dem Studium 
der mundarten zwischen Berezov und .Samarovo zu beginnen. 

— Mag. phil. Artturi K.wnisto ist als Stipendiat der Hel- 
singforser Universität (mit Unterstützung aus den dispositionsmitteln 
des kanzlers) und der Finnisch-ugrischen Gesellschaft zwecks sprach- 
licher Studien zu den wogulen gereist. Den i. november d. j. 
kam er in Tobolsk an, wo er etwa drei wochen Studien in dem 
gouvemementsmuseum trieb. Am 29. nov. traf er in Pel3rm ein, wo 
er einen monatlang Sprachstudien oblag. Ende dezember 1901 
reiste er nach dem kirchdorl Verch-Pelymsk um seiire wogulischen 
Studien fortzusetzen. 



Personalien. 237 



Personalien. 

— \'ILH. Thomsen. Professor der \ ergUicluMulen Sprachwis- 
senschaft (und jetziger rektorj an der Universität Kopenhaj>;en feierte 
den 25. Januar 1902 die 6o:ste Wiederkehr seines geburtstages. 
L'nter den glückwunschzuschriften sind an erster stelle zwei adres- 
sen zu nennen, die eine von der Finnisch-ugrischen Gesellschaft 
und die andere von der Finnischen Litteraturgesellschaft, deren 
fhrenmitglied prof. Thomsen ist. Der einband der ersteren war 
mit natürlicher birkenrinde bekleidet, und beide mit dem tinländi- 
schen wappen geziert; die beiden adressen haben neben der Würdi- 
gung der bedeutung Thomsens für die internationale Wissenschaft 
und für sein Vaterland besonders seine Verdienste auf dem finnisch- 
ugrischen und finnischen forschungsgebiete hervorgehoben. — Aus- 
serdem sind telegramme von der Ungarischen Akademie der Wis- 
senschaften, von den ungarischen Sprachforschern, von finländischen 
gelehrten u. a. (eins mit 105 unterschritten) eingegangen. 

— Zum Professor der ungarischen Sprachwissenschaft und 
vergleichenden ugrischen linguistik an der Universität Kolozsvär 
(Klausenburg) ist (nach dem neulich verstorbenen I. Halasz) von 
derselben Universität M. SziLASi, professor am Eötvösinstitut (Insti- 
tut für künftige g\'mnasiallehrer) in Budapest berufen worden. Um 
die Professur hatten sich l>e\vorben N. KöNNYE, J. Melich, B. Vi- 
kar und Gy. Z0LN.A.1. Die schliessliche entscheidung hängt von 
dem k. ung. kultusminister ab. 

— Zum privatdozenten der vergleichenden (finnischen) Sprach- 
wissenschaft an der St. Petersburger Universität ist dr. Oskar Kallas 
ernannt worden. Am 6. febr. 1902 hielt er seine antrittsvorlesung, 
in welcher er »die entwickelung der finnischen Schriftsprache» be- 
handelte. 

— ■ Zum korrespondierenden mitgliede der Ungarischen Aka- 
demie der Wissenschaften wurden in der general Versammlung der 
Akademie im mai 1901 dr. L. Katoxa und zu ausw^ärtigen mit- 
gliedern derselben Akademie die prof. Fr. Hirth und H. OsTHOFF 
gewählt. 

— Zu auswärtigen mitgliedern der Finnisch-ugrischen Gesell- 
schaft wurden in der jahres.sitzung am 2. dez. 1901 präsident der 
2:ten abteilung der St. Petersburger akademie, prof. A. \'eselovsky, 
vicepräsident der Kais. Russischen Geographischen Gesellschaft P. 
Semkxov und prof. ]. Baudouix de Courtexay gewählt. 

— Als bewerber um die vakante professur für finnisch-ugri- 
sche Sprachforschung an der Helsingforser Universität haben sich 
gemeldet H. Paasonen und Yrjö Wichmaxx. 



238 



Autoren Verzeichnis. 



Autorenverzeichnis 

zu der bibliographie für das jähr 1900. 



Aborigen-Vyc egodskij. Ust- 
. sysolsk. VI 3. 

Abränvi K. Räkoczv-lied u. 
-marsrh. VIII 219. 

Acsädy I. Die kolonisation in 
unsr. geschichte. VIII '296. 

Ailio J. Die geschichte d. Weih- 
nachtsbaumes. U 112. — Ein 
brouzezeitl. hügelgrab im kirch- 
spiel Pernio. II 1.05. — Zur Vor- 
geschichte d. getreidearten. II 
152. 

Alenius C. F. IX 8. 

Anderson X. Zur etj^mol. d. 
kantele. kankles. II 14. — Zur 
etvmol. d. benennungen Biar- 
mija, Periii, permjaki u. Z3'rjane. 
VI 1. 

Apponyi S. Ausländ, druck- 
schriften, die sich auf Ungarn 
, beziehen. VIII s. 

Asböth 0. Bürü. VIII 51. — 
Das seklerwort csinälmäny. VIII 
54. — Die anfange d. ung.-slav. 
ethnisclien berührung VllI 71. 
VIII 69. VIII 7(1. — Lencse — 
szerencse. VIII 46. — Ort u. 
zeit d. aufnähme d. slav. Wör- 
ter ins ung. VIII 69. VIII 7(i. 

— Szavaty, zavagy, zuvat. V'III 
42. — AVie ist zuodus zu lesen? 
VIII 43. Zivatar u. zaj. VIII 
45. 

Aspelin J. ü. Der handelsplatz 
Koroinen in Räntamäki. II 159. 

— Die briider Hijo, Oulas u. 
Limas. II 78. — AA ahrsagungen 
Kihovauhkonen's. II 81. 

A t o V i c h F. Die johannisgebräu- 
che in d. Zobor-gegend. VIII 
256. 

B a I a s s a J. Deutsch-uug. u. ung.- 
deutsch. schulwöiterbuch. I. VlIT 
156. — Die deutschen lehnwör- 



ter d. ung. spr. VIII 75. — Die 
ung. benennungen d. sprech- 
fehler. VIII 1 68. — Kleine ung. 
Sprachlehre. VIII 148.^ — Komö- 
dien über d. neologismus. VIII 
186. — Phon, iustrumente füi' 
d. unterr. d. taubstummen. I. KX». 

B a 1 ä s V D. Weihnachtsglück- 
wünsche. VIII 213 b. 

Ballö I. Daten zur geschichte 
d. sekler. VIII 107. — Verzeich- 
nis d. alten hausar/neien d. 
bauern. VIII 246. 

Balogli P. Die völkerrassen in 
Unoarn. VIII 285. — Ung. Sprach- 
lehre. VIII 149. 

Bär dos E. Beitr. zur bedeu- 
tungslehre d. neologismus. VIII 
1'34 

B a r d o s s y ü . Über d. verwandt- 
sch. d. sprachen. I 93. 

B a r t h a J. Ung. Sprachlehre. 
VIU 150. 

Batky Zs. Die spielpuppe. 1 
138."— Käte Tamäs, säni>erin 
aus Bänffv-Hunyad. VIir281. 
— Verbreit. d. sicheln. T 139. 1 
140. 

Beiän}"! T. Von d. benemiun- 
gen d. teile d. leiterwagens. 
VIIl 89. 

Bellaagh A. Th. Kempis. De 
imitatione Christi. VIII 108. 

Bellosics B. Alter aberglaube. 
VIII 244. 

B e n e d e k A. Beiträge zu d. ung. 
bestandteilen d. slovak. spr. 
VIII 76. 

Benedek E. Die allerschönsten 
märchen. VIII 227. — Riesen u. 
zwerge. VIII 229. — Sagen d 
mongoleneinfalles u. and. mär- 
chen. VIII 230. — Schnurrige 
märchen. VIII 226. — Vergan- 
genheit u. gegenwart d. tmg. 



Autorenverzeichnis. 



239 



Volkes. YIII 187. — Zauber- 

uiärchen. VlII 228. 
Benkö I. Aus d. archiv d. famil. 

S/odoray. VlII 111. 
B e ö t h 3' Zz. Die ung. litt, zur 

zeit d. Mohäcser schlacht. VIII 

167. — Gesohirlite d. un<>-. litter. 

Vm löö. 
Eerendts A. Altere estn. druk- 

ke. II s. 
Ber;!4-roth 0. Von einer reise 

in ßuss.-Karelien. II 126. 
Bern er E. Jahresber. d. Ge- 
schichtswissenschaft. I 17. 
Bezzenh erger A. Urspr., be- 

deut. und verbieit. d. volksna- 

mens ..("«udden". II 41. 
Bihari K. Prakt. phon für d. 

Unterricht d. taubstummen. I 99. 
B i 1 1 s o n Cii. J. The popul. Poe- 

trv of the Finns. II 67. 
Binder J. Parallelen zu Aranv. 

VIII 1S2. 
B i r k ä s G . Beitr. zu d. volks- 

poesie jenseits d. Donau. VIII 

211 a. 
B l o m s t e d t Y. Karelische ge- 

bäude u. ornanientsmotive. II 

123. 
Hödiss J. Die lehre d. aktio- 

nen in tlieorie u. prax. I 104. 
B o d n ä r Zs. Das Schicksal d. 

völkerras.sen. I 107. 
H o e r M. Ethnogr. skizze v. Szi- 

lägysäg. VIII 191. — Über d. 

Völkerschaften v. Szilägysäg. 

VIII 19(1. 
Bognär T. Beitr. zur geschichte 

d. Wanderung v. märchen. VIII 

221 1. 
Bogdj a vi enskij S. K. Aus- 
grabungen in d. gou\'. Livland 

u. Kurland. II 165. 
B o 1 d t \l . Ortsbeschreibungen in 

Finland. II 150. 
Borsos I. Daten zur geschichte 

d. ung. metrischen dichtung. 

VIII 181». 
B ö 1 ö n i T. Popul. -wissenschaft- 
liche vortrage. VlII 266. 
Brancic B. Magyar, grammatik. 

VIII 155. 

Ijrun .V. W. Das hörn dapp.j. 

IX 25. 

B u c h li (1 1 1 z A. Funde aus d. 
bronzezeit. II 161. — Über grä- 
ber im Kokenhusenschen kirch- 
s[>iele. 11 166. 



Budenz J. Finn. Sprachlehre. 
II 32. 

Caunelin K Gebr. d. partic. I. 

pass. im finn. II 28. 
C a r 1 b 1 o m J. Eine estn. übers. 

Horaz'scher Oden. II 64. 
C e r n a v s k i j X. Die orenburg. 

eparchie. V 5. 
C h a r u z i n N. Xamenszeichen bei 

d. Mordwinen im XVI. u. XVII. 

jh. ly 3. 
C s a 1 1 a n Y G- Über d. avar. grab- 

funde. Vin 304. 
Cserna J. Die csängös u. ihre 

Sitten. VIII 196. 
Csikös I. Der aberglaube in d. 

palästen. VIII 249. 
C s o m a J. Der brautschatz d. 

Dora Gechey 1548. VIII 98. — 

Nachlass v. Steph. Panka 1596. 

VIII 106. — Regestr., factum 

super res mobiles Martini Gett- 

se3 . VIII 99. 
C z i m m ermann J . Sprachneue- 
rer u. Sprachbildner. VIII 128. 

— D. Szobö V. Barczafalu. VIII 

129. 
Cziraky Gy. Über d. alt. denk- 

mäler aus Bogojeva. VIII .302. 
C z i r b u s z G . Avassäg. land u. 

Volk. VIII 192. 

Dalotti Ö. Charakterisierung d. 
Volkes uns. Alfölds. VIII 189. 

D a r n a 3' S z e n t ni ä r t o n i K. Die 
Urzeit Ungarns. VIII .301. 

Deäk I. Sagenkreis d. Vägge- 
gend. VIII 224. 

D e n e s M. Laut- u. formenlehre 
d. Winkler-codex. VIII 10. 

Deniker J. Les dernieres fouil- 
les dans le gouv. de St. Peters- 
bourg. II 168. — Les races et 
les peuples de la terre. 1 106. 

Deri Gy. Über ung. tanze. VIII 
260. 

D e z s i L. Die pflichten d. rek- 
tors d. Bethlenkollegs zu Nagy- 
Enyed. VIII 124. — Die ung. 
Übersetzung d. regulae d. heil. 
Augustin von Gregor Coelius 
(Bänffy). VIII 97. — Megy bele 
mint Lödanba a menkü. VlII 
234. — Reversal v. S. Szerencsi. 
VIII 121. — Zur biogr. d. ge- 
schichtschreibers J. Nadänyi. 
VIII 12(1. 



240 



Autoren Verzeichnis. 



Dobrzycki S. Über d. masurie- 

rimg im polnischen. I 88. 
Dokus Gy. Grabfunde aus d. 

Arpaden-zeit im Zempliuer ko- 

mit. VIII .309. 
Domonkos I. Blasiusa;änger. 

VIII 214. 
Donner A. Notices sur la Fin- 

lande. II 130. 
Donner O. Eröffnungsrede in d. 

jahresversamlung d. Finn.-ugr. 

Gesellschaft I 27. I 28. I 31. 

I 32. 

Du das Gy. Über d. erdarbeiten 
in Vaskut.Parabutv u. Karavu- 
kova-Räcz-Militics. '\'1II 30.^. 

Einer H. Estn. Sprachlehre f ilr 

elem. schulen. II 54. 
Eisen M. J. Die entstehimg d. 

Domberges u. d. Oberen-sees. 

II 96. - Hiiud. II 42. — Men- 
schen im winde. II 109. — Tonn. 

II 106. 

Ekman E A. Erinnerungen an 
d. woteu? II 149. — Über d. 
namen d. Kupittaa-quelle II 18. 

Elekes I. Volkslieder der sek- 
1er. VIII 212. 

Erdelyi P. Alter abergiaube u. 
(juacksalberei. VIII 243. — Die 
komödie v. B. Balassa. A^lII 177. 
— Geschichte d. ung litter. 
VIII 166. 

Etelväri A. Von unsn. Orts- 
namen. VIII 3b. 

Faludi F. Winterabende. VIII 

126. 
Finn W. Ein lappl. gfitzenbild. 

III b. 

Franssila K. A. Die grosse 
eiche. II 72. — Einige motive 
des Kalevala. II 71. — Über d. 
alter unsr. Volkslieder. II 73. 

F r e c s k a y J. Wörterbuch d. 
handwerke. 18—23. VIII 161. — 
Zxim sprachgeschichtl. wörter- 
buche. VIII 82.^ 

F r e d e r i k s e n X. C. Die natio- 
nalitäten Österreich-Ungarns. 
VIII 289. 

F r e 3^ t agh - L o r i n g h o v e n L. 
Referat über altheidn. opfer- 
steine auf Oesel. II 170. 

Fuchs K. Das haus in d. ung. 
Sprache. VIII 31. — Magyar, 
grabpfähle. VIII 278. 



Füredi M. ini 
VIll 204. 



ung. vi; 



Gaal M. Die gesetze d. ung. 
rechtschreibiing. VIII 142. — 
Sagen v. hunufu u. ungaru. 
VIII 185. 

Gabna^' Hathalmi F. Die spiel- 
puppe. I 137. — Die wieue. I 
136. 

Galgöczy J. Nachlese zur Ur- 
geschichte. I 153. 

Genetz A. Das verbum ..jäädä'. 
II 13. 

G e o r g i e V s k i j M. D. Das fischen 
mit d. netz im sommer u. im 
winter im gouv. Olonetz. 11 121. 

f ; i e s s w e i n 8. Wie sprachen 
unsere vorfahren? 1 92. 

Gleye A. Die ethnol. Stellung il. 
lykier. I 8(^ — Über d. urspr. 
d. grusinischen Volkes. I 79. 

(^lu'ikov I. N. Die cerdynischen 
wogulen. VII 5. 

Goldzilier I. Max Müller. 158. 

Goll .1. Ung. nationalleier 200 
alte ung. Volkslieder in männer- 
c^uartett \Ul 238. 

Gombocz Z. Beitr. zu d. türk. 
elementen d. ung. spr. VIII 39. 
— Bölcs. VIII 63 — Die expe- 
rim.-phou. u. d. Sprachunter- 
richt. I 98. — Worterklärungen. 
II. VIII .38. 

G o r o d c e V V. A. Archäoloi;'. un- 
tersuch, im thale d. Oka im j. 
97. I 157. 

Gönczi F. „Danai"s aus Göcsej. 
VllI 210. — Hoclizeitslieder aus 
Göcsej. VIII 215. 

Granit A. W. Xotfeuer. II 118. 

Grotenfelt G Xotices sur la 
Finlande. II 1-30. 

G r o t e n f e 1 1 K. Finn. Ortsnamen 
Alands. 11 23. 

Grotenfelt O. Aus d. neueren 
Kalevalaforschung. II 70. 

V. Gutzeit W. Die Eiis d. ara- 
bischen Schriftsteller. II 14(i. 

György E. Über d. Moldau- 
csängös. VIII 195. 

Hacker K. Die wortableituug 
u. -zusammensetz, bei Faludi. 
VIII 16. 

Hackman A. Aus unsn. [)rivat- 
sammlungen. II 157. — Die 
neuesten funde aus unsr. bron- 



Aiitoreiiverzeichnis. 



!4I 



zezt'it. II 154. — Vorü,esfhic-lit- 

liche altertiimer in Finland. LI 

151. 
Ilaliis/ I. Gesfliiclit«' '1. img. 

etvniol. I 23. 
Hampel J. AtcIiH VI 11 MH). — 

Xf'ue Vaterland, t'unde avis d. 

zeit d. avaienheiTSohat't. VIII 

11 annikain eu O. Die nationa- 
litiitenverhältnisse in Österreich- 
Tn-arn VIII 290. 

H a n 11 .s 7. I. Die vögel in d. volks- 
sa-en. VIII 222. 

Haralyi Fejer I. VoIksaber,ü,lau- 
be. VIII 247. 

Havvasso witz O. Katalo]i>e. I 
19. 1 20. 

Hausmann R. Eine ausgrabiing 
auf d. Kabelli-mäggi in Pulla- 
päh. II 171. — Einige bemer- 
kungen über d. ausstellung zum 
XI. archäol. kongress in Kiew. 
II 162. — „Marienland". II 40. 
— Über d. verschiedenen typen 
tl. livl. gräber. II 163. — Zur 
bestimmuug eines eisernen ge- 
räts d. altertümer-samnilung. II 
164. 

llavas A. Glossen zum Komor- 
ner liederbur-h. VIII 181. 

Havas I. Bujnyik. VIII 53. 

Häyhä J. Schilderungen d. al- 
ten gebrauche d. ostfinn. II 111. 

Heg vi Ö. Zwei testamente v. 
P. Gyulai. VIII 105. 

Heikel A. O. Die funde auf d. 
hügel Korkeapyörtäneenmäki. II 
156. — Ethnogr. litt. I l30. — 
Praktische ergänzungsbl. zu d. 
werke ^Trachten u. muster d. 
mordwinen". IV 4. — Über d. 
liaarschmuck d. finn. Völker. I 
129. 

Heikel H. J. Ein fundplatz aus 
d. .Steinzeit. II 153. — Vorge- 
schichtliche altertiimer in Fin- 
land. II 151. , 

Hellebrant A. Bibliogr. 111. 
Ethnogr. bibliogr. I 12. — Keper- 
toriiim. VIII 7. 

Herman 0. Das ung. haus. VIII 
262. VIII 264. — Dritte asiat. 
reise d. o-r. E. Zichy. I 120. I 
121. — ^Nachtrag z. rezension 
über d. reise d gr. E. Zichy. I 
124. — Schlusswort zur rezen- 
sion über d. reise d. gr. E. Zichy. 



I 125. — Über d. urbescliäfti- 
gungen. VIII 261. — Zur pole- 
mik über il. ung. haus. VHl 267. 

Hermann K. A. Das sumeri- 
sche. I 83. — Ein wörtchen zur 
erklarung. II 51. — -gi u. -ki 
oder -gi allein? 11 45. 11 49. — 
Konversationslexikon für esten. 

II 5. — über estn. Ortsnamen. 
II 39. — über wortwui'zel u. 
-stamm. I 94. 

H e r r m a n n A. Das gewei-be u. 
d. ethnogr. I 134. — Die sekler 
bailade v. Kömi'ves Kelemennt'-. 
VIII 207. 

Hickmann A. L. Spracheu-at- 
las. VIII 288.. 

Hilden A. Über d. disti-ib. d. 
finn. bibelauflage d. j. 1642. 
II 58. 

Hirn Y. The origins of art. I llo. 

Hitter M. jun. „Die armen bur- 
schen" id. räuber) in d. volks- 
poesie. VIII 200. 

Hoff mann Fr. üng.-deutsch 
u. deutsch-ung. Taschenwörter- 
buch. II. VIII 157. 

Hollösy K. Die d. laute ö. ö. e 
vertretenden vokale in unsn. 
heut, dialekten. VIII 13. 

Horger A. Brassö U.Kronstadt. 
VIII 68. — Ein csängöung. 
Volksmärchen in versen aus 
Hetfalu. VIII 208. — Szällok 
kendnek. VIII 85. 

Hultin T. Xotices sur la Fin- 
lande. 11 130. 

Hurt .1. Berichte über d. sam- 
meln estn. folklore u. über dia- 
lektforschung. II 87. II 8s. II 
89. — Estn. himmelskunde. II 
98. H 99. — über d. sammeln 
estn. folklore. II 85. — Über 
estn. Schreibweise u. schriftspr. 
II 44. II 48. - Vom Verwalter 
d. „alten Schatzes". II 86. 
'Huszar Gy. Poesie d. friedho- 
fes. VIII 203. 

Huszka J. Nochmals d. sekler- 
haus. VIII 270. 

H V o s I e f Fr. Bekannt macliung 
(lapp.). IX 18. 

nie SSV J. Daten über B. Ba- 

lassa.^VlII 178. 
I m e t s J. Einige worte über d. 

Unterricht in d. rechtschreibung. 

VIII 145. 



^4^ 



Autoreil Verzeichnis. 



1 m r e S. Über d. volkspoesie u. 
d. Volkslied. I 112. 

•lacobi J. Die richtige aussprä- 
che d. magyar. VIII 141. 

•lahnsson N. Zwei volkssagen 
die einwauderuno- d. schwetlen 
nach d. inseln Pargas u. Hout- 
skär betreffend. II 144. 

Jak ab F. Die regeln d. iing. 
grammatik. VIII 152. 

Jakovlev E. K. Ethnogr. über- 
sieht d. alteingess. bevölkerung 
d. Jenissei. I 133. 

4 a k u b o V K. I. Über d. Ursprung 
d. namens Rns. II 14.Ö. 

Jancnk N. A. Ethnogr. rund- 
schau. I 8. 

Jankö J. Antwort an O. Her- 
man auf seine rezension. I 122. 

I 123. — Das nng. haus. VIII 
263. — Der XI. russ. archäolog. 
kongress zu Kiew. I l.öö. 1 156. 

— Die ethnogr. in Finland. II 
114. — Herkunft d. magvar. fi- 
scherei. I 119. — Intelligenzbl. 
d. ethnogr. abt. d. Ung. National- 
museums. I 109. — Magvar. tv- 
pen. VIII 284. — .Schamanis- 
miis. I 113.- — Zur polemik über 
d. ung. haus. VIII 267. 

J e go r o V I. Die heilige geschich- 
te (ostj.). IX 31. 

Jeuö S. Der dialekt d. Er-gegend. 
VIII 12. — Die reja's in uns. 
volkspoesie VIII 217. — Die 
ung. gaunerspr. u. ihr Wörter- 
buch. "VIII 93. — Diod: Gyogy, 
zug: szeg. VIII 36. 

Joannovics Gy. Akt, ami, aminö 
u. a. VIII 14. — Die Schreibung 
d. Zusammensetzungen. VIII 144. 

— Verneinung, zweifei, verbot 
u. a. VIII 22. 

Jösa A. Denkmäler aus d. zeit 

d. landnahme. VIII 310. 
Joutsen 0. A. Bautypen aus" 

d. nördl. teile d. mittl. Finlands. 

II 122 

Jung J. Eine relig. sage. II 97. — 
Über estn. Volkstrachten. II 128 

Jürgens E. Beitrag zum Tön- 
niscultus d. esten. II 1<I5. 

Kallas O. 80 märchen d. Ijut- 
ziner esten. II 93. II 94 — ^Vie 
d. Ludzener esten d. mutterspr. 
abhanden kommt. II 138. 



Kallas R. Die zahlen in il Ka- 
levipoeg-sage. II 92. 

K a 1 1 6 s Zs. Die negation in unsr. 
spraclie. VIII. 21. 

Kalmar E. Über d. sprachrein- 
heit. VIII 138. 

Kann! st o A. Über d. taufna- 
men im kalend. d. Ges. für Volks- 
atifklärung. II 31. — Volksety- 
mologien. II 21. 

K a n y a r 6 F. Ein akromonosy 1- 
labikon in d. alten ung. dich- 
tung. VIII 179. 

Karäcsonyi J. Die ung. ge- 
schlechter bis zur mitte d. XI\ . j. 
VIII 298. 

Kar dos \. Die kulturelle be- 
deutung unsr. litt. d. XVI. j. 
VIII 16s. — Wie weit sind wir 
mit d. Verhältniswörtern'.' VIII 
28. _ 

Karjalainen K. F. Forschun- 
gen bei d. ostjaken. VII 10. VII 11. 

Katanov N. Archäol., bist. u. 
ethnogr. litt. I 13. — Ural-alt. 
bibliogr. I 14. 

Katona L. Alte ung. quacksal- 
bereien u. Zaubersprüche. VIII 
241. — Alte ung. übersetz, 
zweier gedichte aus d. mittel- 
alter. VIII 175. — Der eremit 
u. d. engel. VIII 171. — Die 
festfrevler. VIII bs4. — Die le- 
gende V. Barlaam u. Josaphat 
in d. ung, litt. VIII 170 — Die 
Selbstverteidigung Max Müller's. 
I 114 — Eine alte ung. über- 
setz, von Hrotsuitha's Duicitius. 
Vlil 174. — Max Müller. I 59. 
Vergl. litteraturgeschichte. I 56. 
— Warum fastet man d. frei- 
tags .' VIII 176. — Zum sj)rach- 
geschichtl. wörterbuche. VIII 
82. 

K a u p p i n e n M. Variante d. sage 
V. Kurki u. Pohto. II 83. 

Kazinczv F. Briefwechsel. VIII 
1.32. VIll 1.33. 

V. Keissler Fr. Das ende <1. 
russ. herrschatt in d. balt. län- 
dern im XIII. jahrh. 4 147. 

Keler . G}-. Zur ethnogr. der 
puszten bei Kecskemet. VIII 
274. 

K e m e n y 
chung d. 
V. Steph. 
127. 



K. Kritische bespre- 
„kleinen grammatik - 
Katona v. Gelej. VIII 



Autorenverzeichiiis. 



243 



K e m e n v L. jini. Aus d. archiv 
(l. Stadt KasclKui. VIII KU. VIII 

116. 

Kemke H. Die bedeutung- d. 
ostbalt. altt'itünnT für d. vor- 
gi'scliii-lite d. prov. Ostpreiissen. 
II imt. 

\\ e m p i s Th. De imitatione Chri- 
sti (ung.). VllI 10-S. 

Kertesz J. „Verlobuiigssonn- 
tag". Vill 2.Ö5. 

K (■ V i (• /. k V F. Ein lit'd aus d. 
/fit Eäkoc/.i's. Vni 21s. 

Kiräly I'. Die gruppen d. uiig. 
nominalsuffixe. Vlli 2(). 

Kiss E. Stilistik u. poetik. I 
102. — Vfirclsmartv als sprach- 
künstler. Vlil VM'\ — Zur ge- 
schichtc d. liiii;r. sprachvergl. 
I 24. 

iii g e n 1) e r g - L e n g v e 1 J. 
üng. s])rachU'lire u. Stilistik. 
Vm l.i4. 

K m ä r o ni v .\. Archivl'orsoh. 
VllI IKi. '— Aus d. archiv d. 
fauiilie Peronvi. VIII lUO. — 
Briefe u. <lokunieute, die sich 
auf die freie haiducken bezie- 
hen. VIII 112. — Die berichte 
V. E. Teuffenbach über d. arre- 
tierung v. S. Balassa. VIII 113. 

— Zur geschichte v. Steph. 
Bocskav. VIII lu«). 

Komiäthv 8. Die ung. spr. der 
ung'. Schriftsteller. VIII 139. 

Koväcs S. Die mittel d. quack- 
salbere! n. Zauberei in d. 8zege- 
diiier hexenprozessen. VIII 24.'). 

— Haus eines ung. iierrn im 
XVli. jli. VIII 272. ' 

K o V a t s A . Ung. Volkslieder. 
Vlil 2().x 

Kovats L. I5eitr. zur geschichte 
d. iijig. vulksgebräuche. VIII 
252. — Daten zum Volksglauben 
im XVII. jh. VIII 242. —Die bi- 
bliogr. litt, in rngarn. VIII 4. — 
Period. litt, in Ungarn. VIII ö. 

— Jiepertorium d. bibliogr. litt, 
in Ungarn. VIII b. 

K (■■) n i g Gy. Alte ung. disticha 
in d. kaiendarien. VIII 103. — 
Eine alt ung. cisio. VIII So. — 
Zum sprachgeschichtl. wörter- 
buche. VllI 's2. 

ivürösi 8. Bago u. tobak. VIII 
60. — Eiickschrittstendenzen. I 
10.5. 



Krasev A. Die volkselementar- 
schulen in gouv. Wjatka. I 149. 

I 150. 

Kraus/ 8. Keitr. zur sage vom 
„Wunderhirsch". VIII 221. — Der 
blutaberglaube. 1 1 16. 

Krohn I. Melodien d. fiun. Vol- 
kes. II 100. 

Krohn .1. Kanteletar-studien. II 
74. 

Krolin Iv. Ist d. Kalevala ein 
hnn. nationalepos od. nicht? 

II 6S. — Kanteletar-studien. II 
74. — Worterklärungen zum 
Kalevala. II 17. 

K r o |) f L. Ein paar altung. sprich- 
wln-tev. VIII 232. 

Kudrjavcev V. V. Das alter- 
tum d. Kamalandes. VI 7. 

Kuhlbars F. Offene bitte an 
d. fretmde d. wissens, d. bildung 
u. d. litt. II 43. 

K ü n o s I. Bericht über d. orient. 
fachverein. I 41. - Notre Pro- 
gramme. I 57. — Kritik über 
eine preisschrift d. türk. elem. 
im ung. I 53. — K8z. I. I 5. 

Kuun Cr. Ethnographie-Ethnolo- 
gie. I lOS. — Kritik über eine 
preisschrift d. türk. elem. im 
ung. I 53. 

Ladanvi B. Die reja's in uns. 

Volksdichtung. VIII 216. 
Lagus \V. Numismatische noti- 

zen II. II 1.58. 
Lau tos A. Über d. „blumenlie- 

der". VIII 201. 
Läszlö I. Volkslieder aus Ha- 

las. VIII 211 b. 
Läzär 1. Lederzubereitung zu 

Nagy-Enyed. VIII 283. 
Leder er B. Katalog. 1 21. 
L e e t b e r g K. -gi u. -ki. II 46. 
L e h 6 c z k y T. Über ein grab 

aus d. zeit d. landnahme. VllI 

308. 
L e i n b e r g K. G. Finnischsjir. 

disputationspoesie an d. univ. 

üpsala. II 60. — Notizen über 

J. J. Tornieus. III 2. 
V. Lern an N. Studien auf d. 

geb. d. Volksmärchens. 1 111. 
L e s z n e r E. Gesundheit u. krank- 

heit in ung. Sprichwörtern. VllI 

235. 
Li den E. Studien zur altind. u. 

vergl. spracligesch. I 74. 



244 



Autoren Verzeichnis. 



Lindholm K. A. V. Über d. 
myth. poesie d. läppen. III 6. 

Liptai K. Der könig in d. lie- 
dern uns. volkes. VIII 109. 

Lönnberk G. Notices snr la 
Finlande. II i:30. 

LöAve F. Kalewipoeg. II 91. 

V. L ö \v i s o f ]M e n a r K. Ein 
skelett-hügelgrab in Kurland. 
II 1H7. 

Lumtz er V. Deutsche Ortsna- 
men u. lehnwörter d. ung. Sprach- 
schatzes. VIII 72. 

Lund G. F. Xunrttanaste. 1X15. 

^ladaräsz F. Versegliy u. die 
Sprachneuerung. VIII 135. 

^I a i 1 a n d O. Ethnol. parallelen. 
VIII 197. 

]\lajor A. Die ethnogr. d. sek- 
1er. yill 193. 

Makläry Pap M. Svstem. ung. 
Sprachlehre. VIII 147. 

M a I i n o V s k i j F. Sibir. alter- 
tum. I 45. 

Margalits E. .,Sieb" d. ung. 
sprichworter u. redensarten. VIII 
231. 

Masing K. Bericht über d. 
stand d. Sammlung d. estn. eth- 
nogr. museums. II 127. 

Mätlie Gv. Die anal vse d. Satzes. 
I 97. 

M a t o 1 c s y L. Geschichte d. theo- 
rie d. ung. Wortfolge. VIII 25. 

M ä t y ä s J. Einige übereinstimm. 
Züge zwischen d. volkssitten 
d. Ungarn u. slovaken. VIII 
259. 

Mäkinen A. Ein neues stamm- 
volk d. finn. in Indien. I 86. 

^I e c li e 1 i n L. Notices sur la 
Finlande. II 13U. 

Meli eh J. Aus welch, dialekt 
stammen d. alten deutschen 
lehnwörter d. ung.? VIII 73. VIR 
74. - Bürü, VIII 50. — Dana, 
danna. VIII 49. — Das haus in 
d. ung. Sprache. VIII 31. — Deut- 
sche Ortsnamen u. lehnwörter 
d. ung. Sprachschatzes. VIII 72. 
— Die baschkir.-ung. Verwandt- 
schaft. 1 163. — Die familie d. 
zivatar. VIII 44. — Eine unbe- 
bekannte abschrift d. Festetich- 
codex. VIII 173. — Räba, Räbcza. 
VIII 48. — Slav. fremdw(lrt<'r. 
VIII 52. ~ Taban. VIII 41. 



Meomuttel J. Von d. estn. ko- 
lonisten im weiten Tiussland. 11 
137. 

Merenyi L. Hrietr .M. Eszter- 
häzv's an Kristina Xvari 1624 — 
39. "VIII 115. -- Testament des 
bischofs G. P]szterh;'izv 1663. 
VIIl 119. — Testamente. \'III 
102. 

Mettig C. Liv-, Est- ii. Kur- 
land. I 17. 

Micheev I. Aus d. relig. leben 
d. kasanschen wotjaken. VI 9. 

Mihalik J. Unsere histor. denk- 
mäler in d. Pariser Weltausstel- 
lung. Vlli 299. 

^[ i h a 1 o V i c s E. G eschichte d. 
kathol. predigt in Fug. VIII 169. 

Miljukov P. N. Was ist ,..l. 
Virjanische meer"' u. d. Stadt 
^Ledenec" ? II 148. 

Miller \'sev. X. X'. Cliarnzin. 
1 62. 

Minerva. Katalog 35. I 22. 

Miske K. Lanzenspitzen aus 
Keczöl. VIII 306. 

^foldoväu (^. Die rumän. spi-. 
VIII 77. 

Molecz B. Die geschichtl. ent- 
wickl. d. ung. Wortfolge. VIIl 
24. — Zum sprachgeschichtl. 
Wörterbuche. VIII 82. 

Molnär J. Die natur d ablei- 
tungssilbe -va, -ve. VIII 27. 

M o n t e 1 i u s O. Die chronol. d. 
alt. bronzezeit in Xorddeutsch- 
land u. Skandinavien. 1 154. 

M ö r a F. Volkstüml. pHanzen- 
naraen in d flora Klein-Kuma- 
niens. VIII 90. 

Moskov V. Das hörn im Volks- 
glauben. V 3. — Die Weltan- 
schauung unsr. östl. „fremilvöl- 
ker-'. 1 117. 

Mö rn e A. Die fennisierung unsr. 
schwed. landbevfilkerung. II 1-35. 

Mörtsell J. Luthers kl.' katech. 
(läpp.). IX III. 

Munkäcsi B. Arisch, eintl. in 
d. fiugr. Zahlwörtern. [ 73. — 
„Baum" als benenn, d. sarges. 

VII 4. — Beitr. zu d. heidn. tra- 
ditionen d. ung. totengebräiiche. 

VIII 239. — Das wiesei als svm- 
bol d. braut. VIII 29. - 'Der 
Kaukasus u. Ural als „gürtel d. 
erde"*. VII 7. — Der Ursprung 
uns. Wortes „Iniszär". \'lll 55. 



Autoren Verzeichnis. 



245 



f ^ 



— Die alte glaubensweit d. wog. 
Volkes. VII ü. — Eröffnungs- 
rede. I 41. - Ethn. XI. I 6. - 
lienieins. wort für „käse" im 
o.sset.. tschuwass. u. uiig. VIII 
4t I. — Kaukasisrher einfl. in d. 
finn.-magyar. sprachen. I 7(). I 
77. — Keievez. \'II1 61. — Kri- 
tik ülier eine preisschrift über 
d. türk. elem. im img. I 53. — 
KSz. I 15. — Notre Program- 
me. I .")7. 

Nagy (.;. Geschichte d. ung. 

trachten. VIII 279. — Herkunft 

d. ung. fischerei. I 126. — üng. 

ethnol. I l.>'^. 
Xagv .1. Die Volksgebräuche in 

Hegvhät. VIII 25.3. — Über 

bauart in Hegvhät. Vi II 268. — 

Zui- ethnogr. v. Hegvhät. VIII 

277. 
Nagvsz ige tili siehe Szily K. 
X e c s e V 1. Die hemdspange. VIII 

2S(i. 

egyesy L. Ung. Sprachlehre. 

VI 11 153. — Von d. benenn, d. 

teile d. leiterwagens. VIII 89. 
Xemedi D. Von d. benenn, d. 

teile d. leiterwagens. \'II1 89. 
Nenies M. Geschichte d. ung. 

trachten. \'I11 279. 
X e in p s Ö. Der mädchenmarkt 

/.u (iajna. VIII 257. 
Xeovius E. R. Notices sur la 

Finlande. II 130. 
Nervander E. Mittelalterliche 

sai;e v. weihe, welches d. teu- 

fel half. II y4. 
N e V V L. Bemerk, über d. tnig. 

haiidelsspr. VIII 140. 
Xiemi A. R. Das Helkafest in 

Ritvala II 75. 
Noreen A. Phon. erkl. d. alt- 

nord. Vokalharmonie. I 90. 
X ordenstreng R. Zur frage 

nach unsni. finländ. -schwedisch. 

II 24. 
N o r d q V i s t O. Erinnerungen v. 

einer reise in Finn.-Lappland 

99. III 8. — Notices sur la Fin- 
lande. II 1.30. 
X ö r r e n b e r g C. Was bedeutet 

Xord? I 89. 
Xosilov K. Eine schule unter 

d. ostjaken. VII 17. 
Xvers K. Die geograph. termi- 

nol. VIII 162. 



Ojansuu H. Dial. Wörter in il. 
schriftspr. II 10. — M. A. Ca- 
strens ansichten über il. sprach- 
richtigkeit. II 27. - Parahultai- 
nen. II 16. - Sprachl. bildiuigen 
auf fremdem gründe. II 11. — 
Gelehrte volksetvmoloa.ien. II 
22. 

01a sz J. Die poesie d. elentls. 
VIII 202. 

Olsson P. Jämtland u. Härje- 
dalen in d. heidenzeit. III 16. 

Otterbech J. Sami usteb. IX 1 6. 

Osz J. Feiertagsverse. VIII 213a. 

Paasouen H. Bericht über d. 
resultate d. sammlungsreisen d. 
mordw. Stipendiaten. IV 2. — 
Eeisebericht aus d. lande d. 
mordwinen. W 1. 

P a c h m a n n 8. W. Sammlung 
d. jurid. Volksgebräuche. I US. 

P a I a n d e r E. W. Finn.-russ. 
Wörterbuch. II 38. 

Palmen K. E. Xotices sur la 
Finlande. II 130. 

P an die S. Wörterbuch für Sol- 
daten. VIII 1.58. 

P a t k a n o V S. . Die Irtysch-ostj . 
u. ihre volkspoesie. VII 9. — 
Irtysch-ostj. wörterverz. VII 8. 

— Über das volk d. sabiren. I 
159. L 160. 

Paul er Gy. Das erste auftre- 
ten d. nng. nation. VIII 295. — 
Die baschkir.-ung. Verwandt- 
schaft. I 162. — Die quellen d. 
ung. landnahme. VIII 293. — 
Geschichte d. ung. nation bis 
auf d. heil. Stephan. VIII 292. 

- Offener brief. I 164. 
Peltouen V. Der Stilist. I 103. 
Penttilä V. Karelische gebäude 

u. Ornamentsmotive. II 124. 

P e t e r d i L. Gebräuche bei Ver- 
lobung u. hochzeit. VIII 251. 

Pethö Gy. Hopkän van penze. 
VIII 66. ■ 

Petz G. Giebt es ein gramm. 
Subjekt u. präd. l 96. 

Philipp, herz. v. Koburg-Gotha. 
Volkssitten im Garamthai. VIII 
258. 

Pogodin A. Über d. sprachen, 
kultur d. indogerra. I 82. — Zur 
frage nach d. thrakiern. I 78. 

Pongracz S. Turanische volks- 
u. Sprachstudien. I 85. 



246 



Autoren Verzeichnis. 



Popiui A. Fiiilanil iin XIX. jh. 

II 131. 
i'opov 1. D'w heil, geschichte. 

IX 31. 
J'ögelmanu H. Über d. estn. 

poet. litt. ., II. II 90. 
Püld H. Über d. ostseetinn. 

während ihrer Selbständigkeit. 

II 14(1. 
Prikkel ]\1. Zum sprachge- 

schichtl. worterbuche. VIII s2. 
Pröhle V. Melak, sumäk. VI!! 

6.Ö. 

V. Q van tan ¥j. Die nanien Fin- 
lands. II 141. 

(^)vigstad J. Bekanntinacliung 
(läpp, übers.). IX 21. — Ge- 
brauche nie berauschende Ge- 
tränke (läpp, übers.). IX 23. — 
Luthers kl. katech. (lapp.i. IX 
24. 

li. e c h n i t z J . Ursprung d. s}irich- 
wörter. VIII 233. 

Rechuitzer I. Zur ethnogr. v. 
Hajdü-Szovät. VIII 276. 

Jleiman W. Das 19 jh. im leben 
d. estn. Volkes. II 65. — Der 
alte glaube d. esten. II l(i2. — 
Ein Stückchen alten estn. giau- 
beus. II 107. — J. Jung. I 65. 
I 66. — Kalewipoeg. II 91. — 
„Bistikogudus" od. „kristlik ki- 
rik?" II 53. — Über O. W. Ma- 
sing. I 68. 

Renyi I. Kombinierte wiirter. 
VIII 20. 

Ilethv L. Geschichte <l. ung. 
litter. VIII 166. 

Revesz K. Die eheprozesse in 
d. Protokoll d. reform, kirchen- 
gemeinde zu Abauj. VIII 123. 

Jl e V i 1 1 e J. (Jongres intern, d'liist. 
d. religions 19Ö0. I 43. 

Rio mar T. An estn. sprach- 
kenner. II 47. — Die geschwun- 
dene hoffnung'. II 50. 

Kjabinskij K. Das kirchspiel 
Ardinsk im kreise Kozmodem- 
jansk. V 2. 

Rosberg J. E. Das kirchspiel 
Sääksmäki. 11 133. — Magvaren 
u. kroaten. VIII 291. 

Uothsten F. W. Jahresber. d. 
FL(!. 1 35. 

Itubinyi M. Übei- d. Moldau- 
csansös. \'I1I 194. 



R u s s o w Fr. Ethnogr. u. antli rup. 

Sammlungen d. kaiserl. akad. d. 

Wissenschaft zu St. I':biirg. 1 

135. 
Riiuth J. W. N'erzeichn. d. dör- 

fer. II 2(i. 



ajövölgvi (i. Zur ethnogr. 
von Dorogma. Vl'l 275. 
allmen E. Th. Xotices sur la 
P'inlande. II 13(i. 
alo W. Die gedäclitnisfeier. II 
104. 



H. 



irdl. 



lau 



linn. namengf- 

Über namen u. 

II 19. 



a m z e I i u 
dern. III 4. 
axen R. Dii 
bung. II 2(1. — 
namenforschuug 
eher man L. Orient. Bibliogr. 
XIII. I 9. I 10. 

chruiherr Cv. MK.^z. VIII. 
VIII 3. 

ehr ad er O. Lexikon d. iudu- 
germ. Altertumskunde. I 75. 
chuchardt H. Bölcs. VIII 62. 

- Filier. VIII .59. — Kunstaus- 
drücke d. tischerei. VIII .56. 
chvindt Th. An die abfasser 
ethnogr. berichte. II 115. II 116. 
c h w e i t z e r K. Wörterbuch ftir 
Soldaten. VIII 158. 
ebestven Gv. Der „todlose- 

Dietrich. ¥111172. — Die „gyäsz- 
magyaren-. VIII 19s. — Die ung. 
zaub'ertrommel. VIII 240. — 
Ethn. XI. I 6. — Geschichte d. 
ung. litter. VIIl 166. - Jahres- 
bericht d. Ung. ethn. Gesell. 
1900. I 41. 

ebillot P. Congres intern, d. 
trad. populaires l9o0. I 44. 
emayer V. Das haus ii 
ung. spräche. VIII 31. 
estakov 1. Zur geschichte d. 
perm. landes. VI 2. 
etälä E. X. Ein neues stamm- 
volk d. linn. in Indien .' I 87. 
I. X. Smirnows \uiter.suchiuigen 
über d. ostiinnen. I 151. — Lelu-- 
buch d. üun. spr. für d. elemen- 
tanniterr. II 36. — Lehrbuch d. 
mutterspr. für Volksschulen. II 
33. II 34. II 35. — Max Midlei'. 
I 60. — Possessivsuffix -mi. II 
12. Südwestfinn. verf. II 5(). 

— Wann sind d. .schwed. nach 
Finland gekommen? II 142. II 
143. 



d. 



Autorenverzeichnis. 



247 



S i e l) e r .1. Von d. iiiarht d. i S 
Iraner. II s2. 1 

Simon vi Z. „Abstraktion"'. VIII I 
18. — t^erifht über d. ergebn. d. S 
konkurrenz in d. fiugr. Sprach- 
wissenschaft. I bi. — Bericht ü. 
die preise d. Akad. I 52. — Das S 
wort falusi u. ä. VIII 19. — 
Deutsch-ung. u. ung.-deutscii. S 
Schulwörterbuch. 1. VIII 156. — 
Die tiexion in d. liugr. spr. I S 
69. — „Doge- im ung\ VIII .57. ' 

— Ein mittelalterl. Jurist, kunst- , S 
wort. VIII 58. Geschichte d. 
ung. litter. VIII 166. — Hinär: 
csinär? VIII U. - Kelevez. VIII | 8 
(11. — Neue Wörter im ]. 1835. | S 
VIII 8ti. — Nyr XXIX. VIII 1. 

— Staatliche massregeln in sa- I S 
chen d. rechtschreibung. VIII 
1-13. — Subjekt u. prädikat. I S 
95. — Zum sprachgeschichtl. 
Wörterbuche. VIII 82. S 

S i r e 1 i u s U. T. Ber. üb. d. ostj. u 
wog. reise 1899— 19(>0. VII 13. j S 

— Von meiner ostj. reise. VII 12. [ 
Öismanov Iv. Urspr. d. proto- 

bulgaren. I 165. 
Skrusits M. Über d. ehemal. S 

lett. färbekunst. II 129. [ 

Smirnov I. N. Das leben d. 

östl. tinn. im altertum. I 152. 

Die uralalt. weit in d. russ. litt. 

I 1.5. I 16. 
S n e 1 1 m a n A. H. Ljungo Tho- 
mas. II 57. 
S o i k k e 1 i K. Die ersten für uns. 

volk gedr. bist, berichte. II 59. 

— Die geistl. melodien d. finn. I 
Volkes II IUI. 

S o 1 o V j e V E. Verbrechen u. : 
strafe nach d. auf f. d. bauern- S 
Schaft an d. Wolga. V 4. 

Sozin V. Vom leben d. wotja- 
ken. VI 10. 

Spectator. Die schwed. spr. 
u. nationalität in Finland. II 
1.36. 

S p i f e r ^I. Wörterbuch für Sol- 
daten. VIII 158. 

Stenberg A. Die fremdvölker 
Xordwestsibiriens. VII 1. 

S t r a c k H. Das blut im glauben : S 
u. aberglauben d. menschheit. ' 
I 115. S 

Sucksdorf V. Karelische ge- ! 
bände u. omamentsmotive. II 
123. 



V ä b y Fr. Instructio pro Culi - 
nae Magistro (v. Steph. Csäkyi. 
VIII 117. 

V a r t e n g r t- n T. H. G esetze 
im betreff, d. renntierweiderechts 
ilapp. übers.). IX 4. 

weet H. The bist, of language. 
I 81. 

ynnerberg C. Xotices sur la 
Finlande. II 130. 
zabö J. Zum sprachgeschichtl. 
Wörterbuche. VIII 82. 
zakäts P. Handbibliothek d. 
ethnogr. abt. d. Ung. National- 
nius. I 18. 

zarvas G. Xjr XXIX. VIII 1. 
zarvas Gäbor-ne. Über (!. 
Szarvas. I 61. 

zendrev I. Das ung. haus. 
VIII 265.", 

zilädy A. Litteraturhist. mit- 
teilungen. VIII 2. 
zilägyi S. Die quellen d. ung. 
landnahme. VIII 293. 
zilasi M. Tscher. Wörterbuch. 

V 1. — Ungewöhnl. ableitungen 
u. beugungen. VIII 17. — Wort- 
erklärungen. I. VIII 37. 

zily K. Bericht d. thätigkeit 
d. ÜAW. I 38. I 39. I 40. - 
Die benennungen d. teile il. 
bauernleiterwagens. VIII 88. — 
Die Wörter ocsö nyulai bei Fa- 
ludi. VIII 81. - Elkövetkezik. 
VIII 33. — Önkente 11. önszinte. 
VIII 83. — Preisaufg. d. Ung. 
Akad. d. Wissenschaften. I 50. 

— ßandbemerk. zur geschichte 
d. neologismus. VIII 131. 
Zum sprachgeschichtl. wörtcr- 
buche. VIII 82. 

zinuyei J. (jun.i Bericht über 
d. ergebnis d. konkurrenz in 
d. fiugr. Sprachwissenschaft. I 
.54. — Finn. Sprachlehre. II 32. 

- Häm. VIII ,30. — NYK XXX. 
I 4. — Ung. dialektlexikon. VIII 
87. — Ung. Schulgrammatik auf 
syntaktischer grundlage. VIII 
146. — JJrspy. d. endung vel 
VIII 9. — Urs 
suff. -n. I 70. 
zi nny e i J. (sen.) 
in Ungarn. VIII 6. 

z i n t e G . Das 
VIII 271. — Das 
VIII 269. 



d. persona 1- 

l'eriod. litt. 

hühnergitter. 
seklerhaus. 



248 



Autoreuverzeichnis. 



Takäts S. Hajdu. VIII 32. 
Tallgren J. M. Sage v. d. rie- 

seii. II 79. 
T a n d b e r g G. Sanii ustcV). IX 

' *^- 
T a r k i a i n e 11 V. Ubur d. aure- 

de\\()i-ter unsr. i^emeiiispi'. II 

29. 

T ein es Vary R. Vülks,i;ebi-ilu- 
rhe u. aberglauben in d. ge- 
burt.shilf'e u. d. pflege d. ueu- 
geboruen in Ungarn. VIII 250. 

Thaly K. Die Munkäcser inven- 
tare u.liofhaltungsscliriften. VIII 
122. 

Thomsen V. Die liveii. 11 (36. 

Thurzö F. Der dialekt d. po- 
lowzen in d. gegend von Neu- 
tra. VIII 95. 

Tikkanen J. J. Kinn. Ornamen- 
tik I. 1 128 

Tolnai V. Alte pflanzennanien. 
VIII 79. — G. Kalmär's neolo- 
gi.stische bestrebungen. VIII l30. 

— Magvarisierendes Wörterbuch. 
Vlll .60. - Meläk. VIII 6-1. - 
Seilerrad. VIII 282. 

Töth E. Korresp v. J. Kemenj' 
u. Anna Lonj^ai. VIII 1 1 8. 

Töth T. Wörterbuch für Solda- 
ten. ViII 158. 

Tör()k I. Alte ])flanzennamen. 
VIII 79. 

Trencseii}^ K. Ejtözik. Vlll 9]. 

— Ursprung d. Sprichwörter. 

VIII 238. 

Ursiu N. Bekanutmachuug (finn. 
übers.). IX 2l. 

V.äczy J. F. Kazinczvs biief- 

wechsel. VIII ]33. 
Vägö A. Beitr. zur ethnogr. von 

Nagy-Bakönak. VIII 273. 
Wallin G. Spec. nov. test. läpp. 

IX 6. 

Wall in V. Ein d. Djeknische 
geschlecht betreff, dokum. u. 
„Elinas tod". II 76. 

Varga I. Lautlehre d. dialekts 
d. umgeg. V. Weppendorf. VIII 
11. 

Varga K. Kongruenz im nume- 
rus bei J. Arany. VIII 23. 

Varga L. Ostergebräuche. Vlll 
254. 

V a r j 11 E. Die Batthyänv-biblloth. 
in Karlsburo-. V-VlI.'VIII 96. 



Varpa c h o vs k i j N. Der tiscli- 
fang an d. Petschora. \'I 4. 

V ä s ä r li e 1 y i (j . Über zwei denk- 
malsreste in d. Ofener .n'eg'end 
VIII 307. 

Weis A. Die kulturverliältnisse 
Lapi)niarkeiis. III 15. 

V. A'elics A. Über d. ni-((uelle 
allei- sprachen. I 84. 

Werner JM. Die ansiedlung il. 
deutschen in Siebenbürgen. Vlll 
297. 

Westling G. 0. F. Mittlieil. 
ül)ci- d. ki rohen verfass. in Est- 
land. II 139. — Über d. kirchl. 
cultus in Estland. II 62. — Von 
d. relig. u. sittl. zuständen in 
Estland. Jl llO. 

W^eszely Ö. Method. ung. Sprach- 
lehre auf svntakt. grundlage. 
VIII J51. ■ 

Veto I. Die ung gaunerspr. u. 
ihr Wörterbuch. Vlll 93. 

W i c h m a n n Y. Jahi-esbericht d. 
FUG 98. I 25. 1 26. — Jahres- 
ber. d. FUG 99. I 29. I .SO. 

Vikar B. Beitr. zur volkspoesie. 
VIII 237. — r. Szöllösi u. d. 
fuchs. VIII 225. 

W i k I u n d K. B. Das wort auhto 
II 15. — Erwiderung. II 69. - 
J. Toriiifei bericht über d. Lapp- 
marke. III 3. — Sind unsere läpp. 
Ortsnamen richtig.' 111 '. — 
Sprachproben. I 72. — Über d. 
art u. weise d. begrüssung bei 
d. läppen. III 7. 

Winkler H. Die nralalt. spr. 

} '1- 

Winkler It. Über kirchen u. 

capellen Ehstlands in geschichte 

u. sage. II 95. 
Virchow E. Über d. ältesten 

bewohner d. nördl. Europa. 11 

160. 
Voronov A. G. Jurid. gebrau- 
che d. westsibir. ostj. u. d. sa- 

luojed. VII 14. 
Wundt \V. Völkerj>svchologie. 

1 91. 
Vutkovich S. Gut ungarisch. 

VIII 1.37. 



Y r j ü - K o s k i n e n E. S. 
naire fiun.-franc. II 37 



Diction- 



Zaborowski. Les slaves dt 
races et leurs orisines. 1 166. 



Rezensionenverzeichnis. 



249 



Zieh}' E. Notes de voyages en 
Siberic. I 4S. 

Z 1 i n s z k V A. Quellen v. Ara- 
nvs balladen. YlII ]83.— Rhe- 
torik. I IUI. 

Z o 1 n a i G y. Das Königsberger 
fragment'in d. ung. sprachhist. 



\yörterbuche. VIII 78. — Juss. 
Ejj. VIII 15. — Karancsi betük. 
VIII 67. — Lengyel. VIll 47. 
— Szemely. MII »4. ~ Zum 
sprachgeschii'htl. wörterbuche. 
VIII 82. 



Rezensionenverzeichnis für das jähr 1900. 



Dieses Verzeichnis umfasst nur die rezensionen, die im jähre 
1900 erschienen sind; die Jahreszahl (1900) ist bei den betr. Zeit- 
schriften nicht angesetzt. 

Die Ziffern in eckigen klammern verweisen auf die nummern 
der »Bibliographie für das jähr 1900» (Anz. 71 — 172). 

Beim sammeln der notizen für das rezensionenverzeichnis 
haben mich in erster linie mag. phil. Alfr. Hackman (archäologie, 
ethnographie) und dr. YrjÖ Wichmann (bes. russische erscheinun- 
gen) unterstützt; einige beitrage verdankt das Verzeichnis den her- 
ren dr. O. Kallas und dr. GusT. Schmidt. 

Absolute Vollständigkeit hat nicht erzielt werden können. 

E. N. S. 



I 



Abereromby J. The pre- and proto-historic Finns: Th. Volkov, 
L' Anthropologie X 460 — 463. 

Appelgren Hj. Barbariska efterbildningar af orientaliska mynt. 
:=: Barbarische nachbildungen orientalischer münzen (FM 1898): 
J. Mestorf, Arch. f. Anthr. XXVI 154. 

Appelgren Hj. De runda djurspännena i Finland. =z Die run- 
den tierspangen in Finland (FM 1897): J. Mestorf, Arch. f. 
Anthr. XXVr24i. 

Appelgren Hj. En brandgraf ä Yliskylä (Öfverby) k3'rkogärd i 
Bjemo. =:= Ein brandgrab auf dem kirchhof zu Yliskylä, propstei 
Bjerno im Äbo län (FM 1897): J. Mestorf, Arch. f. Anthr. 
XXVI 245. 

Appelgren Hj. Stenäldersfynd. =z: Steinzeitliche funde (FM 1898): 
A. Hackman, Centralbl. f. Anthr., Ethnol. u. Urgesch. V 180. 



250 Rezensionenverzeichnis. 



Appelgren Hj. Svenskamcs inflyttning i Finland. := Die ein- 
wanderung der Schweden nach Finland (FM 1897): J. Mestorf, 
Arch. f. Anthr. XXVI 241 — 243. 

Appelgren Hj. S3^npunkter i museifrägan. m Gesichtspunkte be- 
treffend den museumbau [in Helsingfors] (Helsingfors 190OJ: J. 
Mestorf, Arch. f. Anthr. XXVII 151 — 152. 

Aspeün J. R. Historiantakaisia muistoja K3-rönjoen suistamolta. 
:= VorgeschichtHche altertümer aus dem gebiete am unteren 
laufe des Kyröflusses (SM 1899): A. Hackman, Centralbl. f. 
Anthr., Ethnol. u. Urgesch. V 181. 

Atlas de Finlande: H. R. Mill, Geogr. Journal X\' 145 — 149. 

— Oscar Montelius, Nordisk Tidskrift 80 — 84. — J. E. Ros- 
berg, Geogr. Föreningens Tidskr. XII 85 — 88. — Supan, Pe- 
term. Mitteil. XLVI, II, Beil. 

Atovich Ferencz. ^= Johannis-gebräuche in der gegend des Zobor- 
berges fkom. Nyitra) [VIII 256]: S. Bätky, Centralbl. f. Anthr., 
Ethnol. u. Urgesch. V 289. 

Balassa Jözsef. A magj-ar nyelv. = Die ungar. spräche: J. Kont, 
Revue Critique d'hist. et de Htt. XLIX 311 — 312. 

Balassa Jözsef. Kis magyar nyelvtan. Elsö resz [\'III 148]: A. 
Kardos, EPhilK XXR^ 566—569. 

Ballagi Geza. A Magyar nemzet törtenete IX. :rr: Geschichte des 
ung. Volkes IX.: J. Kont, Revue Critique d'hist. et de litt. XLIX 
30—33- 

Balogh Peter. Magj-ar nyelvtan közepiskoläk I. osztälya szämära. 
= Ungarische Sprachlehre für die I. klasse von mittelschulen : 
Albert Kardos, EPhilK XXIV 750-753. — M. Maurer, 
Magy. Kritika nr. 23. — Friedr. Riedl, Hivatalos Közlöny 
nr. 16. 

Balogh Peter. Mag^'ar nvelvtan. Közepiskoläk II. osztälya szämära 
[VIII 149]: Albert Kardos, EPhilK XXIV 1900 823—826. 

Bartalos Julius. := Altertümer aus der zeit der landnahme (der ma- 
gy aren) in der gegend von Erlau (ArchE XIX 1899 353 — 
360;: F. Milleker, Centralbl. f. Anthr., Ethnol. u. Urgesch. 
V 178. 

Bartha Jözsef. A mag}'ar nemzeti irodalom törtenete. ir^ Ge- 
schichte der ungarischen nationallitteratur: K. Sebestven, EPhilK 

XXIV 569-575- 

Belejev J. D. = Wie bildete sich der grossrussische volksstamm, 
und welcher stamm kann für den Vertreter des grossrussischen 
volksstammes gelten? (Hsb. Hmd. 06m. JIioßiiTejieii EcxecTBOSHaHia II 
32 — 43. Moskau 1865): L. Stieda, Arch. f. Anthr. XXVI 771 

— 772. 



Rezensionen Verzeichnis. 



251 



Nach Belejev ist der grossrussische stamm eine mischung der in 
Mitteh'ussland ansässigen finnen, der eingewanderten slavischen stamme 
und der skandinavischen kolonisten. 

de Bertha A. Mag\'ars eti Roumains devant rhistoire (Paris 1899): 
B. A., Revue Grit, d'hist. et litt. L (34 a. II) 287 — 288. — 
J. Kont, Revue Grit, d'hist. et de litt. XLIX (34 a. I) 309 — 
310. 

Bihari K. Gyakorlati hangtan [I 99]: J. Balassa, Nyr XXIX 
260 — 263. 

Bogdanov A. zz= Materialien zur anthropologie der kurganperiode im 
gouvernement Moskau (IIsb. Hmd. Oöm,. ÄioöaTe^eü EcTecTBOsnaHia IV 
I. Hef. Moskau 1867;: L. Stieda, Arch. f. Anthr. XXVI 773. 

Urbevölkerung der Moskauer gegend ein (nichtfinnischer) lang- 
köpfiger stamm; dann folgten die finnen: als dritter stamm kam der sla- 
vische, der die finnen verdrängte und slavisierte. 

Charuzin N. N. zzr Zur Frage nach den zwei tv'pen unter den läp- 
pen (H3B. IlMn. Oön^. JlHJÖHTeJieit EcTecTBosHaHiii LXVIII 132 — 140): 
L. Stieda, Arch. f. Anthr. XXM 837 — 838. 

CsaUany G. = Eine begräbnisstätte aus der völkerwanderungszeit in 
Szentes (kom. Gsongräd) (ArchE XIX 414 — 419): F. Mille- 
ker, Gentralbl. f. Anthr., Ethnol. u. Urgesch. V 179 — 180. 

CsaUany G. Az öskor. ;:= Die urzeit (Szentes 1899): ab., ArchE 
XX 91 — 92. 

Csuday E. Die Geschichte der Ungarn: J. Loserth, Zeitschr. f. 
öst. Gymn. L 909 — 914. 

Darnay (Szentmärtoni) K. Mag}-arorszäg öskora [VIII 301]: sz., 
ArchE XX 91. — N — s, Ethn." XI 168 — 171. 

Deniker J. Les races de FEurope. I. (Paris 1899): E. Schmidt, 
GIoIdus LXXVII 217 — 220. 

Deniker J. The races of man (London 1900): P. Ehrenreich, 
Globus LXXVII 311. 

Dezsi Lajos. Mags-ar irö es könyvn3'omtatö a XVII. szäzadban. z= 
Ung. Schriftsteller u. buchdrucker aus d. XML jh. (Budapest 
1899): E. Csiiszär, EPhilK XXIV 37—42. 

Eesti Üliöplaste Seltsi Album IV. :^ Album des Vereins 
Estn. Studenten. IV. (Jurjev 1899): A. J. Linda XII 73. Valv. 
XX 71. — U. K[arttunen]. Vir. IV 28 — 29. 

Ekman E. A. Suomen kielen keräilysanasto I. :=r. Sammelwörter- 
buch der finn. spräche (Helsingfors 1899): H. A. Ojansuu, 
Valv. XX 282-284. 

Eliseev A. V. siehe Jelissejew A. W. 

Gabnay (Hathalmi) Ferenz. A bölcsö [I 136]: Zs. Bätky, Ethn. 
XI 141 — 142. 



2 c 2 Rezensionen Verzeichnis. 



Hacker Kälmän. A szökepzes es szoösszetetel Faludinäl [^^II i6|: 
Zs. Simonyi, Nyr XXIX 322. 

Hackman A. Die bronzezeit in Finland (SMVAik. XVII 18971: 
J. Mestorf, Arch. f. Anthr. XXVI 243 — 244. 

Hackman A. Ett märkligt bronsäldersf\nd. ;^ Ein wichtiger bronze- 
zeitlicher fund (FM 1899): A. Hackman, Centralbl. f. Anthr., 
Ethnol. u. Urgesch. V 181. — J. Mestorf, Arch. f. Anthr. 

XXVII 154—155- 

Hackman A. Ett nytt bronsaldersfynd fran Egentliga Finland. r= 
Ein neuer bronzezeitlicher fund aus der landschaft Eigentliches 
Finland (FM 1899): A. Hackman, Centralbl. f. Anthr., Eth- 
nol. u. Urgesch. V 182. — J. Mestorf, Arch. f. Anthr. 
XXVII 155- 

Hackman A. Om likbränning i bätar under den yngre järnäldern 
i Finland. :=: Über leichenverbrennung im boot während der 
jüngeren eisenzeit in Finland (FM 1897): J. Mestorf, Arch. 1. 
Anthr. XXM 244. 

Hackman A. TrouvaiUes prehistoriques (Atlas de Finlande. Feuille 
n:o 31. Texte. 1899): A. Hackman, Centralbl. f. Anthr., Eth- 
nol. u. Urgesch. V 182 — 185. — J. Mestorf, Arch. f. Anthr. 
XXVII 152-153. 

Hackman A. u. Heikel Heikki J. \'orgeschichtliche Altertümer 
aus Finland [H 151]: A. O. H[eikel], FM VII 68—69. 

Hahnsson J. A.. Kallio A. H., Paasonen H., Cannelin K. Ruot- 
salais-suomalainen sanakirja. :=: Schwed.-tinn. Wörterbuch: A. \'. 
Forsman, Xh. 1\ 126 — 134. — K. F[orsman], Valv. XX 
451-453- 

Hampel J. = Neuere vaterländische funde aus der zeit der ava- 
renherrschaft [VTII 165]: J. Milleker, Centralbl. f. Anthr., Ethn. 
u. Urgesch. V 364 — 365. 

Heikel A. O. De sibiriska Jenissej-inskrifterna. r=r Die sibirischen 
Jenissei-inschriften (FM 1898): J. Mestorf, Arch. f. Anthr. 
XXVn 154- 

Heikel A. O. Mordvalaisten pukuja ja kuoseja. = Trachten und 
muster der Mordwinen (Helsingfors 1899): A. Hackman, Cen- 
tralbl. f. Anthr., Ethnol. u. Urgesch. V 218 — 219. — St. Pe- 
tersburger Zeitung i90oV2> märz, nr. 69. 

Heikel H. J. Ett graflf^^nd frän bronsäldem. z= Ein grabfund aus 
der bronzezeit (FM 1898): J. Mestorf, Arch. f. Anthr. XXVII 
154- 

Heikel H. J. Päiväniemen, Säijoen ja Kirmukarmun polttokalmis- 
tot. =z. Die Brandgräber von Päiväniemi, Säijoki und Kirmukarmu 
[in Satakunta] (Analecta archsologica fennica R'. Helsingfors 



Rezensionenverzeichnis. 253 

1899): A. Hackman, Centralbl. f. Anthr., Ethnol. u. Urgesch. 
V 1900 182. — M. Hoernes, Mittheil, der Anthr. Gesellsch. in 
Wien XXX 24. 

Herman Otto. Die Forschungsreisen des Grafen Eugen Zichy in 
Asien [I 120]: F. Birkner, Globus LXXVIII 262—263. 

Hermaiin, K. A. Eesti üleüldine teaduseraamat [II 5]: H. P., 
Linda 1900, nr. 36 — 7, 40 — 2. 

Der rez. wendet seine aufmerksamkeit besonders dem artikel 
.,Aesti'' zu. 

Herrmann Antal. Az ipar es neprajz [I 134]: Ethn. XI 283. 

HeiTraann Antal. Iparos es nemzet. =r Der gewerbtreibende und 

das Volk (Märamaros-Sziget 1900;: Ethn. XI 467 — 468. 
Horger Antal. Brassö es Kronstadt [MII 68]: J. Melich, Nyr 

XXIX 509-513. 
Horvath Cyrill. A regi magj'ar irodalom törtenete. =: Geschichte 

der alten ungar. litteratur (Budapest 1899): P. Erdelyi, EPhilK 

XXIV 311 — 320. — J. Kont, Revue Grit, d'hist. et de litt. 

XLIX (34 a. I) 311-312. 
Horvath A., Kardos C. et Endrödi A. Histoire de litterature 

hongroise, adaptee par J. Kont: Z., Revue Grit, d'hist. et de 

litt. L (34 a. II) 80. 
Hurt J. Eesti astronomia [II 98]: W. R[eiman], Postimees 

1900 nr. 250. 
Infantev P. P. lIjTemecTBie Kb .t1;chumi> ;iK);iaMi>. :=: Reise zu den 

waldleuten: V. P-n., BsTCKaa rasexa 1900V9, nr. 36, 4 — 5. 

Eeise des verf. des rez. buches zu den Kondawogailen. — Leben, 
sitten und gebrauche der besuchten Völker. 

Ivanovskij X. P. ^ Über menschenopfer (Arbeiten der Anthro- 
pologischen Gesellschaft der K. St. Petersburger Militär-mediz. 
Akademie. I. lief 2): L. Stieda, Arch. f. Anthr. XXVI 186. 

Die arbeit knüpft an einen im j. 1892 geschehenen angeblich ri- 
tuellen mord bei den wotjaken an. 

Jacobi Julius. Kurze Anleitung zur richtigen Aussprache des Ma- 
gyarischen [VIII 141]: J. Balassa, Nyr XXIX 369 — 370. 

Jakovlev E. K. 9THorpa(|)U4ecKiH oßsopt Hnopo.inecKaro Hace-ieniH ;io.ihhbi 
H);KHaro Eimceji etc. [I 133]: V. Gh., Etn. Obozr. XLVI 152 
— 154- 

Jakuskin E. I. OßbiMHoe npauo pyccKHXb HHopo,iueB'b. Marepia-iu jjih 
oiiö.iiorpactiin oßbiqnaro npasa (Hienia ht> IImu. 06m. Hot. n .^ZpeBH. 
Pocc, KH. 190-a). = Das eigenrecht der russ. fremdvölker. Mate- 
rialien zu einer bibliographie des eigenrechts: A. Maksimov, 
Etn. Obozr. XLVI 145. 

"Wird als eine sehr wertvolle arbeit bezeichnet. 
CtisepHtiii Kpaü 190073, nr. 61, s. 3. 



k 



2 54 Rezensionenverzeichnis. 

Jankö J. A mag^^^ar haläszat eredete. Herkunft der magj^arischen 
Fischerei [I 119]: F. Birkner, Globus LXXVIII 257 — 263,344. 

— B. M[unkäcsi], KSz. I 147. — G. Nagy, Ethn. XI 241 — 
249 [z= Bibl. I 126]. 

H. Schuchardt, Mittheil, der Anthr. Gesellsch. in Wien XXX 

158—167. 

Trotz vieler bemerkuugen anerkennend. — Vgl. Bibl. I 120 — 127. 
Jelissejew A. W. ^ Anthropologische bemerkungen über die iin- 

nen (IIsb. Hmd. Oöm. JltoßiiTe-ieii EcTecTBOsHania XLIX 424 — 469. 

Moskau 1890): L. Stieda, Arch. f. Anthr. XXVI 803 — 807. 
Jenö S. u. Veto I. A mag3-ar tolvajnvelv es szötära [VIII 93]: 

EPhilK. XXIV 856— 857. " 
Joutsen O. A. Rakennustyyppejä Keski-Suomen pohjaisosasta 

[II 122]: K. Rhamm, Globus LXXVIII 158. 
Jung J. Muinasaja teadus Eestlaste maalt. I. irr Archäologie esten- 

landes: M. Boehm, Sitzungsber. d. Gel. Estn. Ges. 1899 106. 

„Enthält in guten illustrationen eine Übersicht über die verschie- 
denen typen der einheimischen gräberfunde sowie einen abriss der 
entwickelung der archäologischen forschung u. s. w." „Der 2. band 
des verdienstlichen werkes ist bereits früher erschienen." 

Jung J. Üleüldine muinasaja kirjeldus. ^ Allgemeine archäo- 
logie: A. J., Linda XII loi — 102. 

II. abt. der arbeit: über die urzeit des finn. Stammes u. des estn. 
Volkes. III. abt. : über die periode der entwicklung der kultur des 
estenlandes. 

Kalevipoeg, übertr. v. F. Löwe, herausgg. v. W. Reiman [II 91]: 
Eesti Postimees nr. 29. — — Im — , Revaler Beobachter nr. 104. 

— R. K., Postimees nr. 116. — A. C. Winter, Globus 
LXXVIII 148. 

Kallas Oskar, Achtzig Märchen der Ljutziner Esten. Kaheksa- 
kümmend Lutsi maarahva muinasjuttu [II 94]: V. Bugiel, Re- 
vue des traditions populaires XV nr. 11. 

Mit der anordnung der niärchen ist rezensent, „tout en reconnais- 
sant l'utilite de cette publication", nicht zufrieden, spricht aber seine nä- 
heren wünsche betreffs derselben nicht ans. 

A. J., Linda XII 380—381. 

L. Katona, Ethn. XI 377 — 379. — L. Katona, KSz. I 331 

— 333- 

Rez. empfiehlt diese „vorzüglich eingeführten, tadellos belegten 
und durch dankenswerte deutsche auszüge (teilweise vollständige Über- 
setzungen) auch weiteren kreisen zugänglich gemachten märchen". 

F. Ke, St. Petersburger Zeitung Vis- april, nr. 96. 

Rezensent schreibt (historisch) Ludzen (nicht Ljutzin); stellt den 
aus Bielenstem"s „Grenzen des lett. volksstammes" herübergenommenen 
historischen lapsus, Ljutzin sei 1660 an Polen gekommen, zurecht (die 
betr. gegend sei schon 1561 polnisch geworden). Spricht von den for- 
schungen O. Kallas" mit erosser anerkennung. 



Rezensionen Verzeichnis. 255 

p., Liter. Centralbl. 161 2. 

Rez. empfiehlt die sammhing als ., wichtiges hilfsmittel für die Volks- 
kunde — — auch für Stilforschungen". 

H. Prants, »Nelipühi Album» 28. 

Es vnrä avxf die vex'wandtschaft der Ijvitz. märcheu mit denen der 
alten heimat aufmerksam gemacht. 

St. Petersburger Zeitung 'V24. märz, nr. 71. 
Keleti Szemle. Revue Orientale [I 5]: S. Bätky, Centralbl. f. 
Anthr., Ethn. u. Urgesch. V 289 — 290. — A. Chachanov, 
Etn. Obozr. XLVI 140— 141. — Q., NyK XXX 231—232. 

Kempis T. Krisztus követeseröl, ford. Päzmäny P. [VIII 108]: 
M. Teveli (xMaurerJ, EPhilK XXIV 748—750. 

Kis Bälint. Az Arpädok kirähä vere a Magv'arorszäg csalädai- 
ban. :^= Le sang des Arpades dans les familles magyares (Buda- 
pest 1895): Ch. Ujfalvy, L' Anthropologie XI 626 — 627. 

Konstantinov-Scipunov N. P. = Zur kraniologie der alten bevöl- 
kerung des gouv. Kostroma (HaBtcria TImh. 06m. JIroÖHTejieö Ecie- 
CTBoaiiaHia XC 526 — 554. Moskau 1897): L. Stieda, Arch. f. 
Anthr. XXVI 889. 

Kondratovic O. V. =: Zur ethnographie der Ostjaken (Arbeiten 
der Anthropologischen Gesellschaft d. K. St. Petersburger Mili- 
tär-Mediz. Akademie II 328 — 351): L. Stieda, Arch. f. Anthr. 
XXVI 206—211. 

Keane A. H. Man past and present (Cambridge 1899): G. Bu- 
schan, Centralbl. f. Anthr., Ethn. u. Urgesch. V 86 — 87. 

K. teilt die menschheit in 4 primäx'gruppen ein: die äthiopier, die 
mongolen, die amerikaner, die kaukasier. mit Untergruppen. Die fin- 
nen-ugricr werden als 12. vmtergrnppe dem nördlichen zweig der mongo- 
lischen gruppe zugeteilt. 

Krausz Fr. Allgemeine Methodik der A'olkskunde (1891 — 97): 
B. Munkäcsi, Ethn. X 1:1899) 397 — 403, XI 38 — 42, 88—93. 

Krohn Julius. Suomalaisen kirjallisuuden vaiheet. = Geschichte 
der finn. Htteratur (Helsingfors 1897): [E. D. Butler], Athe- 
na;um V2, nr. 3771 145—146. 
Kurz, aber sehr anerkennend. 

Kuznecov A. A. /Khjhihr, o;ie:K;ia 11 niima ]\IiiHycnHCKHXT> 11 Ahiihckhxi. 
iiHopo;iueB'i>. = Wohnstätten, trachten und nahrung der einge- 
borenen von Minusinsk und Acinsk (Krasnojarsk 1898) [vgl. I 
130]: Axel O. Heikel, JSFOu. XVII,.5 1-8. 

Liv-, Est- und Kurländisches Urkundenbuch. Begründet v. F. 
G. V. Bunge, fortges. v. H. Hildebrand u. Ph. Schwartz. 
X Bd. — Dasselbe, fortges. v. H. Hildebrand, Ph. Schwartz 
u. L. Arbusow. 2. Abt. I. Bd. — Sachregister zum Liv-, 
Est- und Kurländischen Urkundenbuch Bd. VII -IX, bearb. v. 



256 Rezensionenverzeichnis. 



B. Holländer: D. Schäfer, Deutsche Litteratiirzeitung XXI 
3051—3054. 

Lumtzer V. u. Melich J. Deutsche Ortsnamen und Lehnwörter 
des magj'arischen Sprachschatzes [YUl 72]: Richard Andree, 
Globus LXXVIII 17—18. 
J. Balassa, Nyr XXIX 412 — 420, 462 — 468. 

Rez. bezweifelt u. a. eine ganze reihe zusainmenstellungen. 

Luppov P. Hapo;iHoe oopasoiianie cpe;ui botakob-i. co BpeMenii nepBuxb 
iiSBicTÜi HHXi. ;io 1840-XT. ro;iOKi,. zz=: Volksbildung bei den wotja- 
ken seit den ersten nachrichten über sie bis in die i840:er jähre: 
A. Maksimov, Etn. Obozr. XLVI 146. 

Luppov P. XpncTiaHCTBO y hothkobii co BpeMenu nepBi,ixT> iicTopuMeiKuxb 
ii3Bf.cTin Hiix'i ;io XIX p-fena. i^ Das Christentum bei den wotja- 
ken seit den ersten nachrichten über sie bis zum XIX. jh.: I. 
Syrnev, Ziv. Star. X 277 — 283. 

Melich Jänos. Melyik nyelvjäräsböl valök a magyar nyelv regi 
nemet jövevenyszavai? [VlII 73]: J. Balassa, Nyr XXIX 412 — 
420, 462 — 468. 

Vgl. Lumtzer V. u. Melich .T. Doutsehe ortsnamen n. lohnwür- 

ter etc. 

Melich J. :=: Das haus in der magyarischen spräche [VIII 31]: V. 
Semaver, Centralbl. f. Anthr., Ethnol. u. Urgesch. V 290. 

Munkacsi B. zzz Daten zu den heidnischen traditionen der ma- 
gyarischen totengebräuche [VIII 239]: S. Bätky, Centrall)!. f. 
Anthr., Ethnol. u. Urgesch. V 290 — 291. 

Müller F. Max. Beiträge zu einer wissenschaftlichen Anthologie. 
Aus dem Engl, übers, von Dr. Heinr. Lüders (Leipzig 1898 
— 99): L. Katona, Etn. XI 18 — 26. [== Bibl. I 114]. 

Müller W. Th. = Über ein kürzlich herausgegebenes werk: Kurze 
beschreibung des Volkes der ostjaken, verfasst von Gregori No- 
vickij, im j. 171 5, herausgegeben von L. Maikov 1884 
(Pl3B. IImh. 06ut. JlfoöHTeJieii EcTecTBoaiianiH XLIX 523 — 526. Moskau 
1890): L. Stieda, Arch. f. Anthr. XXVI 809 — 810. 

Nazarov P. S. := Eine bemerkung über die kurgane im kreise Orsk, 
gouv. Orenburg (Hsn. TTmo. 06ih. tlH)ÖHTejieii EcTecTBOsnaHifl LXVIII 
87 — 92. Moskau 1890): L. Stieda, Arch. f. Anthr. XXVI 
S31-832. 

Nemes Mihäly u. Nagy Geza. A magyar viseletek törtenete 
[VIII 279]: d.. Budapesti Szemle CIV 463 — 465. — L. Eber, 
Ethn. XI 425 — 427. 
E. Varjü, ArchE. XX 410 — 431. 

Eine eingehende, in vielen punkten ablehnende kritik. 

Nefedov F. D. = Über die Steinzeit im gebiet der Vetluja (Pri- 
vetlus) des gouv. Kostroma (II3B. Ihm. OCnn. JlKiöiiTCieii EcrecTBO- 



Rezensioiienverzeichnis. 



aiianiii XLIX 493 — 500. Moskau 18901: L. Sticda, Arch. f. 
Anthr. XXVI 80S. 

Niederle L. O kolebce näroda slovanskeho (Otisk ze Slpvanskeho 
Prehleda. II rocn.) = Über die wiege des slavenvolkes : A. Po- 
godin, H3FJ. Otji. pyccK. H3. 11 cioB. Hmn. Ak. Haj'Kj. IV 1458 — 
1537- 

Nikolsky B. =s Edmographisch-anthropologische skizze der östlichen 
tscheremissen (Arbeiten der Anthropologischen Gesellschaft der 
K. St. Petersburger Militär-mediz. Akademie II 3 — ^io8j: L. 
Stieda, Arch. f. Anthr. XXVI 187—190. 

Nosilov K. D. = Eine anthropologische skizze der wogulen (Il^u. 
Ibin. O61U. JlwöHTeJieii EciecTBOSHaHia XLIX 528 — 538. Moskau 1890): 
L. Stieda, Arch. f. Anthr. XXVI 810 — 811. 

Nosilov K. D. ;= Historische denkmäler des volksstammes der 
manssen (wogulenj (IIsb. Ihin. Oßui,. JlRionTeJieit EcTecTBOsnaHia XLIX 
559 — 568. Moskau 1890): L. Stieda, Arch. f. Anthr. XXVI 
811 — 813. 

Paasonen H. Itäsuomalaisten kansain runoudesta. = Über die 
poesie der ostfinn. Völker: A. Pogodin, Hsb. Ot;(. pyccK. aa. n 
c.iOB. Hmd. Ak. HayKt V,i 357 — 363. 

Ein ausführliches russ. referat nebst bemerkungen. 

Patkanov S. Die Irtysch-Ostjaken. I. [vgl. VII 9]: A. C. Winter, 
Glol)us LXXVII 132 — 133. 

Petsch Robert. Neue Beiträge zur Kenntnis des Volksrätsels (Ber- 
lin 1899): L. Katona, Ethn. XI 463 — 467. 

Pipping Hugo. Zur Phonetik der finnischen spräche (MSFOu. 
XI\' 1899): K. B. Wiklund, Deutsche Litteraturzeitung. 1187 
— 1189. 

Pokrovskij E. A. = Die physische erziehung der kinder bei ver- 
schiedenen Völkern, insbesondere bei den Völkern des russischen 
reiches (IIsb. Hmo. Oöm. Jlio6iiTe.neii EcTecTBOSHania XL^^. Moskau 
1884): L. Stieda, Arch. f. Anthr. XXVI 774 — 787. 

Pokrovskij V. J. ^ Einige historisch-statistische bemerkungen über 
die korelen im gouv. Twer (II3B. Hsin. Oöiu. JIioöidTejieü EcTecTBOSHaHia 
LXVIII 106 — 112, 153 — 159. Moskau 1890): L. Stieda, Arch. 
f. Anthr. XXVI 836 — 837. 

de Polignac Melchior. Notes sur la litterature hongroise (Paris 
1900): J. Kont, Revue Critique d'hist. et de litt. L (34 a. II) 
402— 464. 

„ il a doune . . . un livre oü les idees generales sont assez 

agreablement presentees, le caractere eminemment patriotique et national 
de la litterature hongroise bien mis en rolief. mais oü les noms ma- 
gyars . . . sont horriblement estropies et oü les bevues ne se comptent 
plus." 



2:;8 Rezensionenverzeichnis. 



Raitio K. u. Niemi Herrn. Äidinkielen opetusoppi. ^ Lehre des 
Unterrichts in der muttersprache (1899): Ralf Saxen. Kasva- 
tusopill. Yhdistyksen Aikakauskirja XXXVII 342 — 343. 

Regi Magyar Könyvtär XV., XVI. =: Alte ung. bibliothek XV., 
XVI.: J. K[ont], Revue Grit, d'hist. et de litt. XIX (34 a. I) 

277 278. 

Reich Emil. Hungarian Literature. An historical and critical sur- 
vey. With an authentic map of Hungar\- (London 18981: D., 
Irod. Közl. X 119 — 120. 

Reizner Jänos. Szeged törtenete. :zr: Geschichte von Szegedin : 
L. Koväts, Ethn. XI 281—282. 

Eez. macht besonders auf den teil des buches aufmerksam, wo die 
dokumente der hexenprozesse abgedruckt sind. 

//.. ArchE XX 173. 
Rell Lajos. Latin szök a magyar nepnj-elvben. =z Lateinische 
Wörter in der ungar. Volkssprache (Kolozsvär 1898): E. Kal- 
mar, Nyr XXIX 23 — 24. 

Eez. verzeichnet u. a. einige beitrage zu den lat. be-standteilen der 
Ungar. Volkssprache. 

Retzius Gustaf. Crania suecica antiqua (Stockholm 18991: O. 
Almgren, Centralbl. f. Anthr., Ethnol. u. Urgesch. V 211 — 
212. 

„Ob die geringen brachykephalen demente der vorgeschichtlichen 
bevölkerung Schwedens, wie man behauptet hat, von tui'anisch-finnischem 
bezw. lappischem Ursprung waren, lässt sich aus dem vorhandenen man- 
gelhaften materiale nicht entscheiden." 

Sander T. Eesti kirjanduse ajalugu. I. Rahwaluule. =: Geschichte 
der estn. litteratur. I. Volkslied (1899): ise, Linda 73. — W. 
R[eiman], Postimees nr. 14. — V. [Karttunen], Vir. IV i 13 — i 14. 

Sayous Edouard. Histoire generale des Hongrois. 2:eme edition: 
Z-, Revue Grit, d'hist. et de litt. L (34 a. II) 79. 

Schmidt G. R. s= Untersuchung von gräbem im gebiete des gouv. 
St. Petersburg, im Kreise Gdow (Hsb. Hmo. 06m. JlK)6iiTe.ieii Ecie- 
CTBOSHanifl XLIX 610 — 622. Moskau 1890): L. Stieda, Arch. f. 
Anthr. XXVI 816. 

Schuchardt Hugo. Romanische Etymologieen. IL (Aus den Sit- 
zungberichten der Wiener Akademie, Philos.-hist. Gl. B. GXLI. 
III. Wien 1899) [vgl. VIII 56]: J. Melich, XyK XXX 125 — 
126. 

Schvindt Th. Xaturfolkens föreställningar om .sjukdomarna. s= 
Die Vorstellungen von krankheitsursachen bei den natur\'ölkern 
(EM 1898): J. Mestorf, Arch. f. Anthr. XXVU 153—154. 

Sebestyen Gyula. Az avar-szekely kapcsolat emlekei. = Denk- 
mäler der Verbindung zwischen den avaren und seklem (1899J: 
J. K[ont], Revue Grit, d'hist. de Htt. XLIX (34 a. I) 277. 



Rezensionenverzeichnis. 259 



Semayer V. = Das haus in der magyarischen spräche [VIII 31]: 
V. Semayer, Centralbl. f. Anthr., Ethnol. u. Urgesch. V 
290. 

Setälä E. N. Suomen kielioppi alkeisopetusta varten [II 36] : K., 
Kansakoulun Lehti XVIU 520. 

Setälä E. N. Suomen kielioppi. Aänne- ja sanaoppi. =z Finni- 
sche grammatik. Laut- u. wortlehre (Helsingfors 1898): J. 
Szinnyei, NyK XXX 347 — 348. 

Setälä E. N. Äidinkielen oppikirja kansakouluja varten [II 33] : 
Kansakoulun Lehti XVIII 244. 

Setälä E. N. Äidinkielen oppikirja kansakouluja varten [vgl. U 
34]: S. G. M[ikander], Kasvatusopill. Yhdistyksen Aikakauskirja 
XXXVIII 340—342. 

Sirvilauad. Eesti rahva tähtraamat 1901 aasta jaoks [II 65]: 
U. [Karttunen], Vir. IV 113 — 114. 

Smirnov I. N. BocroHHbie ct^nnHii. = Die ostfinnen (1889 — 1891): 
E. N. Setälä, JSFOu XVII [=z Bibl. I 151]. 

Sograf X. J. z= Anthropologische Untersuchungen der männlichen 
grossrussischen bevölkerung der gouvernements Wladimir, Jaro- 
slaw und Kostroma (EIsb. Hmd. Oöiu;. JIioÖHTejeü EcrecTBOSHaHia LXXVI. 
Moskau 1892): L. Stieda, Arch. f. Anthr. XXVI 860—868. 

Sograf behandelt u. a. den einfluss, den die roischung mit den fin- 
nischen Stämmen in anthropologischer beziehung auf die grossrussen 
ausgeübt hat. 

Strack Hermann L. Das Blut im Glauben und Aberglauben der 
Menschheit [I 115]: Etn. Obozr. XLVI 143 — 145. 

Der verf. weiss nicht — hebt der rez. hervor — , dass der Multaner 
prozess, wobei wotjaken des menschenopferns beschuldigt wurden, mit 
der freisprechimg der wotjaken endigte; ausserdem referiert er die einzel- 
heiten des prozesses nicht vollkommen richtig; er sagt, dass die wotj. so 
vollkommen von der gesetzmässigkeit ihres handelns überzeugt waren, 
dass sie den mord nicht einmal verheimlichen wollten; seiner ansieht nach 
sind die menschenopfer bei den wotjaken eine konstatierte thatsache. 

S. Krausz, Ethn. XI 232 — 233. 

Szanto Jözsef. Babona a gj'ögyitäs teren. :=i Aberglaube auf 
dem gebiete des heilens (Budapest 1900): L. K[atona], Ethn. 
XI 379- 

Teinesväi*y Rudolf. Volksbräuche und Aberglauben in der Ge- 
burtshilfe und der Pflege des Neugeborenen in Ungarn fV'III 
250]: Max Bartels, Weinholds Zeitschr. des Vereins für Volks- 
kunde X 239 — 240. — Max Bartels, Zeitschr. f. Ethnol. XXXII 
178. — (e.), Ethn. XI 142. — A. Haas, Centralbl. f. Anthr., 
Ethnol. u. Urgesch. V 216 — 217. — O. v. Hovorka, Mitteil, 
der Anthr. Gesellsch. in Wien XXX 97. 



26o Rezensionenverzeichnis. 



Thesleflf A. Finlands zigenare. :;= Finlands zigeuner (Finsk Tid- 
skrift 1899): A. Hackman, Centralbl. f. Anthr.. Ethnol. u. 
Urgesch. V 217 — 218. 

Tipray Jänos. Nemet-magj-ar iskolai szötär. — — Teljesen ätdol- 
gozta Schuber Mätyäs. =r Deutsch-ungarisches Schulwörter- 
buch. Vollständig umgearbeitet von M. Schuber: I. Szemäk, 
EPhilK XXR^ 227—231. 

Tolnai Vilmos. Magj^aritö Szötär [VIII 160]: E. Kiss, Kath. 
Szemle 90 — 93. — I. Pap, Tanäreg}-. Közlöny 274 — 278. — 
L. Sassi Nagj-, Kereskedelmi Szakoktatäs, dez. — Gy. Zolnai, 
Ethn. XI 427—428. 

Vali Dezsö. Elöitelek, nepszokäsok es babonäk a szüleszet kört- 
ben Szabadkän. = ^'orurteile, Volksgebräuche und abergläubi- 
sche gebrauche zur zeit der geburt zu Szabadka (Budapest 
1899): — g~, Ethn. XI 468. 

Varga Damjän. Kodexeink Märia-siralmai. =z Die Mariä-klagelie- 
der in unseren Codices (Budapest 1899): c, Irod. Közl. X 121 
— 123. 

Waronen ^I. Vainajainpalvelus muinaisilla suomalaisilla. m Die 
totenverehrung bei den alten linnen (Helsingfors 1898): A. 
Hackman, Centralbl. f. Anthr.. Ethnol. u. Urgesch. V s. 217. 

Wibling Carl. Om kustfynd frän stenäldern i Blekinge. =r Über 
funde aus der Steinzeit an der küste von Blekinge (Ymer 1899): 
O. Almgren, Centralbl. f. Anthr., Ethnol. u. Urgesch. V 295 
— 296. 

E,ef. verhält sich skeptisch gegenüber der ansieht des verf., dass 
die steinzeitliche kultur des nordens von einem mongolischen volke her- 
stamme. 

Vologdin P. A. := Der Tschuden-Gorodischtsche »Ropitscha> (im 
gouv. Perm). (II3B. IImd. Oöui JlKißiiTe.ien EcTecTBOSHaeiH XLIX 11 — 13. 
Moskau 1886): L. Stieda, Arch. f. Anthr. XXVI 787. 

Xenopol A. D. Magx-ars et Roumains devant l'histoire. Reponse 
ä M. A. de Bertha (Paris 1900): B. A., Revue Grit, d'hist. et 
de litt. L (34 a. II) 288. — J. Kont, ibid. 465. 

Zograf X. J. siehe Sograf X. J. 



Die redaktion des bandes abgeschlossen am 12. febr. 1902 



ANZEIGER 



DER 



FINNISCH-UGRISCHEN FORSCHUNGEN 



HERAUSGEGEBEN 



VON 



E. N. SETÄLÄ UND KAARLE KROHN 



ERSTER BAND 



1901 



w 



HELSINGFORS LEIPZIG 

RED. DER ZEITSCHRIFT OTTO H ARR ASSOWITZ 



HELSINGFORS 

DRUCKEREI DER FINNISCHEN LITTERATUR-GESELLSCHAFT 
1902. 



Hl 



Inhalt des Anzeigers. 



Besprechungen. 

Braun Th. A. PasHCKaHiji bi. oö.iacxH roTO-ciaBaHCKiix-f. ^^''*^ 
OTHomeHÜi. I. = Untersuchungen im gebiet der 

goto-slavischen berührungen. I, . A. Pogodin 214 — 216 

Franssila K. A. Kansanrunouden tutkimuksia. I. Iso 
tammi. := Folkloristische Untersuchungen. I. Die 

grosse eiche Kaarle Krohn 26 — 35 

Hagfors K. J. Om Elias Lönnrot och Kalevala. 

Kaarle Krohn 207 — 208 

Janko J. A magyar haläzsat eredete. — Herkunft der 

magyarischen fischerei. . . . U. T. Sirelius l — 26 

SetäLÄ E. N. I. N. Smirnow's Untersuchungen über 

die ostfinnen Yrjö Wich mann 35 — 40 

Weis-Ulmenried Anton. Die Ergebnisse der Kale- 

valaforschung Kaarle Krohn 208 — 209 

Wiklund K. B. Om Kalevala, finnarnes nationalepos 
och forskningarna rörande detsamma. z=: Über 
das nationalepos der finnen, das Kalevala, und 

die Kalevalaforschungen. . . Kaarle Krohn 1S5 — 207 

Zakov. 3THO.iorHHecKin OHepKi. StipaHi). r= Ethnologische 

skizze über die syrjänen. . . . A. Pogodin 211 — 213 



Bibliographie der finnisch-ugrischen sprach- und 

Volkskunde für das jähr 1900 68— 172 

Einleitung 68 — 71 

I. Allgemeines 71 — 96 

II. Ostseefinnen. (Finnen. Karelier. Wepsen. 

Woten. Esten. Liven) 96 — 121 

III. Lappen 121 — 123 

IV. Mordwinen 124 

V. Tscheremissen 124 — 125 

VI. Permische Völker 125 — 127 

VII. Ob-ugrische Völker 127 — 130 

VIII. Ungarn 130 — 167 

IX. Schriften in den finnisch-ugrischen sprachen 

(mit ausnähme des finn., est., ungar.) . 167 — 172 



I 



Autorenverzeichnis zu der bibliographie für das jähr ^*^'"* 

1900 238 — 249 

Rezensionenverzeichnis für das jähr 1900 249 — 260 



Krohn Kaarle. Zur Kalevalafrage 185 — 210 

SetäLÄ E. N. Die finnisch-ugrischen Studien als uni- 

versitätsfach 40 — 64 

— » — Nachtrag zu dem artikel »Die finnisch-ugri- 
schen Studien als Universitätsfach» 228 — 229 

Anhang zum obigen aufsatz. Vorlesungen und Übun- 
gen auf dem gebiete der finnisch-ugrischen sprach- 
und Volkskunde an den Universitäten Europas 

1 900/1 901 64 — 67 

Dieselben 1901/1902 229 — 233 

Äusserungen über die transskription der finnisch-ugri- 
schen sprachen 216 — 226 

1. Äusserung B. MunkÄCSi's 217 — 222 

2. M. SziLASI. Zur transskriptionsfrage . . 222 — 226 
Bemerkungen über das programm unserer Zeitschrift 

von Otto Herman, A. Pogodin und Münchener 

Allg. Zeitung 226 — 228 



Mi tteilungen. 

Thätigkeit wissenschaftlicher gesellschaften und insti- 

tute. Litterarisches 173 — 176, 235 

Forschungsreisen 177 — 179, 235 — 236 

Über die benennungen der finnisch-ugrischen Völker 

und sprachen und die abkürzungen derselben v. 

E. N. S 179— 181 

Statistische mitteilungen über mordwinen, tscheremis- 

sen, wotjaken und syrjänen v. Y. W 234 — 235 

f Ignäcz Haläsz v. E. N. Setälä 181 — 183 

Personalien 183 — 184, 237 



ANZEIGER 

DER 

FINNISCH-UGRISCHEN FORSCHUNGEN 

BAND 1 MÄRZ— JULI 1901 HEFT 1—2 

Besprechungen. 



ZiCHY Jenö Gröf harmadik äzsiai utazäsa. I. kötet. Elsö es mäso- 
dik feie. A magj-ar haläszat eredete. Irta Jankö JÄnos. Zichy 
Jexö gröf elöleges beszämolöjäval. — Dritte asiatische For- 
schungsreise des Grafen EuGEX Zichy. Bd. I. Erste u. zweite 
Hälfte. Herkunft der mag\-arischen Fischerei von Dr. Johann 
Jankö, mit einem vorläufigen Berichte des Grafen Eugen Zichy. 
Budapest und Leipzig 1900, V. Hornyänszky u. Karl W. Hierse- 
mann. 4:0. 635 s. 565 abbildungen. 

»Eine Nation, die leben will, bedarf der Ideale und die mäch- 
tigsten unter diesen sind vielleicht diejenigen, welche sich von den 
geheiligten Erinnerungen vergangener Zeiten nähren», sagt graf 
Zichy in dem vorläufigen bericht, der an den anfang des hier 
zu besprechenden Werkes gesetzt ist. Von diesem gedanken be- 
geistert hat graf Zichy, wie schon der titel des Werkes verrät, 
grosse opfer gebracht um über die in das dunkel der vorzeit ge- 
hüllte Vergangenheit des magyarischen Volkes klarheit zu schaf- 
fen. In dem eben zu ende gegangenen Jahrzehnt hat er nämlich, 
von wissenschaftsmännern seines landes unterstützt, ganze drei wis- 
senschaftliche expeditionen ins werk gesetzt. Die beiden ersten hatten 
sich das ziel gesteckt die spuren aufzuhellen, die die mags'aren nach 
annähme der forschung vor ihrer auswanderung in ihr jetziges Vater- 
land im Kaukasus zurückgelassen. Die ergebnisse der forschungs- 
reisen erschienen im jähre 1897 in dem werke: »Comte Eugene 
de Zichy. Voyages au Caucase et en Asie Centrale. La migration 
de la race hongroise etc.» und haben meistenteils rühmenden bei- 
fall geemtet. 

Die dritte expedition, die in den jähren 1897- — -98 ausgeführt 
wurde, beabsichtigte teils in den finnischen und russischen museen 
zu arbeiten, die material für die erforschvmg der Vergangenheit 
der mag;y-aren bieten konnten, teils direkte forschungen auf den 
gebieten zu veranstalten, wo nach der Vermutung der vergleichen- 



Jankö Herkunft der magyarischen Fischerei. 



tlen Sprachforschung die vorfahren der jetzigen magyaren gewohnt 
haben, sowie bei den Völkern, die, wie die Sprachwissenschaft nach- 
gewiesen, mit den magj'aren stammverwandt sind. An dieser ex- 
pedition nahmen teil ausser graf ZiCHY selbst, der die Oberleitung 
hatte: als archäolog doktor, jetziger professor, Bela PöSTA, als 
ethnograph doktor Johann Jankö und als Sprachforscher doktor 
Josef Papay. Später schloss sich den reisenden noch der natur- 
forscher herr Ernst Csiki an. 

Die vergleichende Studie über lischerei aus herrn Jankö's fe- 
der, die den ersten band von den publikationen der dritten expe- 
dition bildet, ist aus der anregung einer im ausländ vielleicht relativ 
wenig bekannten, nichts destoweniger aber vorzüglichen arbeit ent- 
standen, die Otto Herman im jähre 1887 über die ungarische 
volkstümliche fischerei unter dem titel: >'A magyar haläszat könyve» 
(»das buch von der ungarischen fischerei)^; veröffentlicht hat. Dieses 
werk, welches 860 Seiten stark ist und üljer dreihundert Zeichnun- 
gen enthält, beabsichtigte in erster linie die aufklärung der formen 
und benennungen der ungarischen volkstümlichen fischerei, ver- 
suchte jedoch auch, soweit es das material gestattete, die histo- 
rischen und vorhistorischen elemente der ungarischen fischerei fest- 
zustellen. In zwei besonderen kapiteln gesammelt veröffentlichte 
Otto Herman hier auch die nachrichten, die zur zeit des erschei- 
nens seines werkes über die alte und vorhistorische fischerei 
überhaupt bekannt waren. Wir setzen die hauptergebnisse, die in 
dem werke zu finden sind, wie sie Herman selber darstellt, hierher: 1 

>'l. Die Ungarn konnten nur aus einer fischreichen Gegend 
auf ihr jetziges Gebiet gekommen sein. 

2. Die Fischerei war jedenfalls eine Urbeschäftigung der 
Ungarn. 

3. Viele Geräthe der ungarischen volksthümlichen Fischerei 
entsprechen den praehistorischen Formen, sind also praehistorisch 
und ethnisch höchst werthvoll. 

4. Gewisse Analogien deuten auf den Nordosten hin, und 
wäre die Kenntniss der russischen volksthümlichen Fischerei höchst 
Wünschenwert. > 

Aus der in Hekman's werk gegebenen ungarischen terminologic 
der fischerei versuchte dann Bernhard Munkäcsi durch sprachver- 



' Die Forschungsreisen des Grafen Eugen Zichy in Asien. Re- 
censiert von Otto Herman, s. 13. 



Janko Herkunft der niagyanschen Fischerei. 



gleichende anatyse die ugrischen bestandteile zu finden und zu be- 
stimmen, von welchen Völkern die lehnwörter hergekommen sind. 
Das werk erschien 1893 unter dem titel »A magyar nepies haläszat 
miinyelve» (»Terminologie der ungarischen volkstümlichen fischerei»), 
und die ergebnisse waren im allgemeinen dieselben wie die, zu 
denen Herman gelangt war. 

In Herman's und MuNKÄcSl's werken waren also die vorar- 
l)eiten für die erforschung der ungarischen fischerei geschaffen, und 
als graf Zichy im herbst 1896 herm Jankö zur teilnähme an sei- 
ner expedition aufforderte, da war dieser nicht einen augenblick 
im zweifei darüber, welches der boden für die ethnographische 
forschung sein würde, auf dem er durch diese reise zu den alten 
Wohnsitzen der magyaren und ihren Stammesvölkern die besten ergeb- 
nisse erreichen könnte. Herman und Munkacsi hatten deutlich auf 
die richtung hingewiesen, aus der das Vergleichsmaterial für die er- 
forschung der ungarischen fischerei zu holen war, welches die ge- 
schichte der fischerei aufhellen würde. Jankö beschloss dieses mate- 
rial zu sammeln und darnach die arbeit seiner Vorgänger fortzusetzen. 
Im sommer 189? reiste er nach Helsingfors, wo das finnische staat- 
liche ethnographische museum sein hauptziel war. Daselbst arbeitete 
er emsig während dreier monate. Er begab sich alsdann nach 
Petersburg und betrieb, nachdem er den endlichen plan für seine 
reise festgesetzt, seine Studien in den meisten russischen museen 
und unternahm schliesslich im sommer 1898 eine dreimonatliche 
reise zu dem nächsten Stammesvolk der magv'aren, den ostjaken. 
Überall richtete herr Jankö sein augenmerk hauptsächlich auf die 
finnisch-ugrische ethnographie und besonders wieder auf die fischerei 
und die mythologie, wobei er Zeichnungen von allen charakteris- 
tischen gegenständen anfertigte und litteratur sammelte. 

Das erste sichtbare ergebnis dieser inhaltsreichen reise ist 
die Studie: »Herkunft der magyarischen Fischerei». Indem Jankö 
von kleinen abweichungen abgesehen demselben System wie Otto 
Herman in seinem werke »A magyar haläszat könj've» folgt, ver- 
sucht er, hauptsächlich auf die typologische methode gestützt, an 
der hand jedes einzelnen fanggerätes festzustellen, was in der heu- 
tigen ungarischen volkstümlichen fischerei ursprünglich, was entlehnt, 
imd von wo es entlehnt ist. Nachdem hiermit die analyse abge- 
schlossen, stellt der Verfasser am Schlüsse seines Werkes die ge- 
schichte der ungarischen fischerei dar und zeigt dabei, welche fang- 



I 



A Jankö Herkunft der niaj^varischen Fischerei. 

Werkzeuge bei den vorfahren der magyaren in der finnisch-ugrischen, 
welche in der ugrischen zeit in geljrauch gewesen, welche von anderen, 
sowie von wem und woher sie entlehnt worden sind. Daneben bezeich- 
net er auch den weg, auf dem die vorfahren der magyaren in ihr 
jetziges land gelangt sind und zeigt, wie sie, die bekanntschaft ver- 
schiedener Völker machend und einwirkungen und Unterweisung 
von ihnen annehmend, vom Ural allmählich die Wolga hinab und 
dann über den Don, Dnjeper und Dnjester in ihr jetziges Vaterland 
ausgewandert sind. Die meisten von Otto Herman's annahmen wer- 
den nach der ansieht des Verfassers umgestürzt. Die wichtigste von 
ihnen ist die, dass Herman den fischfang für einen uralten erwerbs- 
zweig der magj'aren hielt (s. oben punkt 2 ). In ein paar wichti- 
gen beziehungen schliesst sich der Verfasser jedoch, wenn auch 
zum teil auf anderen umständen fussend, den ergebnissen der Her- 
MANschen forschung an, so denen, die im ersten und vierten punkt 
der obengegebenen hauptergebnisse anzutreffen sind. Zum schluss 
versucht Jankö, auf die namen dreier fische gestützt, das gebiet 
zu bestimmen, auf dem sich die gemeinsame heimat der ugrischen 
Völker befunden hat, und kommt zu dem schluss, dieselbe müsse 
zwischen dem Ural und der Wolga mit dem mittleren laufe des 
Uralflusses als süd- und dem 55:ten breitengrade als nordgrenze 
gelegen haben. 

Wir gehen nun daran das werk näher zu betrachten und müs- 
sen sogleich bemerken, dass wir es für einen mangel halten, dass der 
Verfasser in keiner weise das System begründet hat, welches er in 
seinem werke befolgt. Uns scheint es z.b., als ob die arten der fische- 
rei, bei denen der fischer als der aktive d. h. angreifende teil er- 
scheint (beim fischen mit gabel, schlaghaken oder beim pfeilen) in 
einem auf die entwicklungslehre gegründetem System vor den ande- 
ren darzustellen gewesen wären. — Seme methode trägt der Ver- 
fasser kurz mit folgenden Worten vor: 

»Ich lege das Werk Herman's zu Grunde und nehme sodann 
die durch ihn aufgezählten ungarischen Fischereigeräthe der Reihe 

nach vor ; dieser Basis füge ich die russischen, wenn nöthig, 

die westlichen Daten bei, um so dann, wenn sich eine Überein- 
stimmung constatieren lässt, auf die Verwandschaft zu schliessen. 
Als Kriterium der Verwandtschaft benütze ich die sprachlichen 
Daten, wie ja diese letzteren Daten auch in vielen derartigen Fällen 
entscheidende Bedeutung besitzen, wenn die Objecte selber — z. B. 
l^ei den türkischen Völkern — nicht zur Genüge sprechen.» 



Jankö Herkunft der inagyarischeu Fischerei. 



Wie man aus dieser festlegung der methode sieht, ist in dem 
werke den sprachHchen Zeugnissen ein merkhcher räum gegeben. 
Und das ist ja auch natürlich bei einer ethnographischen forschung, 
die sich so eng an die Sprachwissenschaft anschhesst. Jedoch hat 
der Verfasser die Sprachwissenschaft in einigen fällen in einer weise 
als hilfsmittel gebraucht, die seinem werke nicht zum verdienst ge* 
reicht. Es muss zugestanden werden, dass zwei worte verwandter 
sprachen, die die Sprachwissenschaft hat zusammenstellen können, und 
die ein und denselben der typologischen vergleichung unterworfenen 
gegenständ bezeichnen, eine bedeutende beweiskraft besitzen, aber 
ebenso sicher ist auch, dass der beiderseitige mangel eines Wortes nicht 
annähernd immer das fehlen des gegenständes selbst beweist, noch die 
entlehnung eines Wortes die entlehnung des begriifes. ' Daher kann 
auch die letztere in Verbindung mit anderen thatsachen derselben 
natur die aufnähme des lehens nur wahrscheinlich machen, tür die 
aufstellung einer absoluten behauptung aber ist sie unzureichend, wenn 
auch die tj^pologische beweisführung, die typen zweier verwandter 
Völker zusammenstellt, aus dem einen oder anderen gründe unzu- 
länglich oder unsicher bleibt. Es ist ja nämlich immer die mög- 
lichkeit vorhanden, dass eine zwischenform dem forscher unbekannt 
geblieben ist. Erst wenn die entlehnung auf typologischem gründe 
glücklich nachgewiesen, und klargestellt ist, dass man respektive 
formen mit formen verwandter Völker nicht in typologische Ver- 
bindung setzen darf, kann man der sprachlichen entlehnung die be- 
deutung eines Zeugnisses, aber auch nur eines nebenzeugnisses ein- 
räumen. Es ist dies aber schon an sich wichtig, da es einen 
schluss "betreffs der entlehnung bekräftigen kann ; denn es könnte ja 
eine form, die ein volk mit einem nichtstammverwandten gemein 
hat, die aber in dieser form den verwandten Völkern fehlt, dennoch 
ursprünglich sein. Derart ist meiner ansieht nach die bedeutung 
der lehnwörter in der typologischen ethnographie, jedoch nur in dem 
falle, dass sich die objekte, die behandelt werden, bei den stamm- 
verwandten Völkern, wenn auch in abweichenden formen, finden. 
Einfacher ist die Sache, wenn bezügliche objekte bei stammverwand- 
ten Völkern nicht existieren. Alsdann können nämlich die lehn- 



' Vgl. über den relativen wert der negativen und positiven sprach- 
lichen thatsachen vSet.\l.\, I. N. Smirnow's Untersuchungen etc., JSFOu 

XVII 4 7. 



Jankö Herkunft der magyarischen Fischerei. 



Wörter stärkere beweiskraft haben. Dass Jankö die bedeutung; der 
lehnwörtcr nicht immer von diesem g;esichtspunkt aus erfasst hat, 
wollen wir mit einem beispiel beleuchten. Nachdem er alle ihm 
l)ekannten formen des fischzauns in tjpologische gruppen geteilt, 
bemerkte er, dass mit flügelleitwänden versehene, gehöfte fisch- 
zäune nur auf ungarischem und süd- 
russischem gebiete begegnen, auf dem 
ersteren nur eine, der sog. Neusiedler- 
see-fischzaun (fig. i, Jankö fig. 4) und 
auf dem letzteren zwei formen, beide 
am Dnjeper (fig. 2 — 3, Jankö 14 — iS). 
Auf grund dieses faktums, das an sich 
zu gar keiner Schlussfolgerung bezüg- 
lich der entlehnung in der einen oder 
anderen richtung führen konnte, beson- 
ders wo die in frage stehende ungarische und die betreffenden 
russischen fischzaunformen sich bedeutend von einander unterschei- 
den, schliesst Jankö gleichwohl unbedenklich, die magv'aren hätten nach 
dem muster der russischen fischzäune die anwendung der gehöften 




Fig. I. (Jankö Fig. 4). 




Fig. 2 (Jankö Fig. 14) 




Fig. 3 (Jankö Fig. 15). 



flügelleitwändigen fischzäune erlernt, da solche formen den ostjaken 
und finnen fehlen. Über die Schwierigkeit in der form, die er trotz- 
dem bemerkt hat, sucht er dadurch hinwegzukommen, dass er er- 
klärt, die ungarischen seen erforderten eine kompliziertere konstruk- 
tion, und der mag}'arische fischzaun habe sich aus diesem gründe 



Jankö Herkunft der magyarischen Fischerei. 



zu ^össerer Vollkommenheit entwickelt als die russischen analoga. 
Um seiner Schlussfolgerung absolute gültigkeit zu verleihen, bringt 
er als nebenzeugnis herbei, einige teile des Neusiedlersee-fisch- 
zaunes hätten namen slavischen Ursprungs. 

Er sagt: »Dass die Magj^aren mit der neuen Fischzaunform 
auch die Namen der neuen, folglich durch sie bisher nicht benann- 
ten Theile übernahmen, beweist der slavische Ursprung der Benen- 
nungen der accessorischen Theile: kotrocza (Höfiein), pelöcze 
( Vorhof ), lesza (Leitwand).» Es bleiben jedoch zwei sehr wichtige 
umstände von Jankö unberücksichtigt: 

i) dass zwischen dem Neusiedlersee- und den Dnjeper-fisch- 
zäunen eine sehr grosse form Verschiedenheit besteht (das zeugnis 
betretfs der Veränderungen, die durch die geographischen Verhält- 
nisse bedingt sein sollen, bedeutet nichts, denn in Ungarn sind nicht 
im mindesten alle seefischzäune kompliziert); 

2) dass die magyaren, welche — und das giebt der verfasset 
auch selber zu — den fischzaun seit uralten zeiten gekannt haben, 
sehr leicht die gehöfte form erfinden konnten, die nur eine natür- 
liche entwicklung aus der ujigehöften war. 

Schliesslich halben auch die lehnwörter in diesem falle nach 
dem oben erwähnten prinzip keine beweisende bedeutung. So 
wenig die benennung kürtö nach der meinung des Verfassers 
beweist, dass die magj-aren die herstellung der fischkammer (hofiose 
fischzäune hält der Verfasser für finnisch-ugrische formen) von den 
türken erlernten, sowenig können die erwähnten lehnwörter sla- 
visches lehen beweisen. Dass Jankö's annähme der entlehnung un- 
begründet und nicht einmal glaublich ist, beweist auch der um- 
stand, dass rezensent gegen herrn Jaxkö's Versicherung weiss, 
dass es auf ostjakischem gebiete gehöfte flügelleitwändige fischzäune 
giebt, und zwar in einer gegend, wo sie in keinem falle als aus 
russischem einfluss hervorgegangen angesehen werden können. Be- 
zeichnend ist übrigens, wie der Verfasser selbst mit seiner an- 
nähme des prinzips des Neusiedlersee-fischzauns als slavisches le- 
hen in Schwierigkeiten gerät. Er ist nämlich in seinem werke zu 
dem schluss gekommen, dass die slaven den fischzaun von finnischen 
Völkern entlehnt haben. Die sache verhält sich wesentlich folgen- 
dermassen. Bei der Untersuchung über die Verbreitung des fisch- 
zauns macht der Verfasser die beobachtung, dass er auf dem alten 
grund und boden der ""rossrussen ijanz fehle. Die slavische be- 



Jankö Herkunft der magyarischen Fischerei. 



nennung des Jischzauns (kottj, koth, KOieub, Kyreub) stellt er, auf 
MuNKÄCSl's Vermutungen gestützt, zu ostj. kot, knl, yjat 'zeit, haus', 
mordw. kut, tscher. kudo, rinn, koti u. s. w. und kommt aus 
dieser vergleichung zu dem schluss, dass der stamm des tisch- 
zaunnamens kot, und daher auch der lischzaun selbst, tinnisch- 
ugrischen Ursprungs seien. Unter diesen umständen wurde es dem 
Verfasser schwer ohne weiteres die herleitung des Neusiedlersee- 
fischzauns aus formen des Dnjeper-fischzaunes zu erklären. Aus 
dieser Schwierigkeit herauszugelangen erklärte er, die vorfahren der 
magyaren seien schon lange vor ihrer ankunft im thale des Dnje- 
per mit den slaven bekannt geworden und zwar auch mit dem 
stamm, aus dem die heutigen kleinrussen hervorgegangen sind (bei 
diesen findet sich nämlich der fischzaun), und dieser habe von 
jenen die anwendung des fischzaunes gelernt. In den händen der 
slaven hatte sich dann — erklärt der Verfasser — der fischzaun 
der mag^-aren mit schnellen schritten entwickelt, bis er vor der 
ankunft der magyaren am Dnjeper die formen erlangt hatte, die 
jetzt daselbst existieren, und die die magj'aren dann entlehnten. 

Es dürfte nicht zu leugnen sein, dass die ganze beweisart 
durch und durch schwach und seltsam ist — sowohl soweit sie den 
Ursprung des Neusiedlersee-fischzauns betrifft, wie auch darin, dass 
der fischzaun der slaven finnisch-ugrisches lehen wäre. Bezüglich 
des letzteren besonders ist schon die behauptung, die » stamm »- 
form kot des russischen, fischzaun bedeutenden wortes sei fin- 
nisch-ugrischen Ursprungs, sehr zweifelliaft aus dem gründe, weil 
die entsprechenden finnisch-ugrischen Wörter in keiner der stamm- 
verwandten sprachen fischzaun bedeuten foder glaubt der verlasser, 
das finn. katiska sei finnisch-ugrischen Ursprungs? es ist jedoch 
klar altruss. lehnwort, ursprünglicher katitsa < asl. kot(>ci>^; aucli 
indoeuropäischerseits scheint nichts zur annähme der entlehnung zu 
zwingen"''). Wenn der Verfasser meint (s. 133): »Der Umstand, dass den 



* Siehe Setäl.X, Archiv für slav. Phil. XVIII 259; eine müiuUiche 
erkläning Setälä's findet sich zitiert bei Saxex, Finska länord i öst- 
svenska dialekter 141, siehe auch Virittäjä 1900 73. 

- Der Verfasser sagt selbst u. a. : »dass das Haus bedeutende 
finnisch-ugrische Wort kat, kot, kut, von den Finno-Ugriern noch vor 
ihrer Ablösung von den Iraniem übernommen wurde und ursprünglich 
eine in die Erde gegrabene Wohnung bedeutete» . . . Wenn es sich so 
verhält, was zu beurteilen ausserhalb meiner kompetenz liegt, so darf 
man wohl fragen, warum in diesem falle nicht russ. kot (wenn wir von 



Jaiikö Herkunft der inagyarischen Fischerei. 9 

sprachlichen Forschungen zufolge die russ. Benennung kot für 
Fischzaun ugrischen [früher finnisch-ugrischen?] Ursprunges ist, 
wird wiederum durch jenes Resultat der typologischen Forschungen 
bekräftigt, dass die in Europa verbreitete Formenreihe des Fisch- 
zaunes einen Urbesitz der Ugrier bildete, den sowohl Russen, wie 
auch Türken den Ugriern ablernten», so beweist dieser ausspruch 
des herrn Verfassers gar nichts, da er ja, wie wir weiter oben gesehen 
haben, im gegenteil den Neusiedlersee-fischzaun nicht von ugrischen 
formen herleiten kann ohne die Dnjeper-formen als Zwischenglieder 
zu setzen. Die behauptung, dass der tischzaun in den alten Wohn- 
sitzen der grossrussen fehle, erscheint ebenfalls bei näherer betrach- 
tung durchaus haltlos. Der Verfasser hat ein zu grosses ver- 
trauen zu den von ihm Itenutzten russischen quellen gehabt, 
oder richtiger, sich zu sehr dem glauben hingegeben, die fang- 
geräte, die er nicht in seinen quellen fand, seien wirklich dem 
russischen lischfang fremd. Schon aus dem umstand, dass der 
Verfasser in der litteratur keine nachrichten darüber gefunden hat, 
ob es zwischen Astrachan und Kasan fischzäune giebt oder nicht, 
obgleich er gelegenheit gehabt hatte, auf diesem gebiet manchmal 
von ihnen zu hören, hätte ihm ein zweifei über die möglichkeit kom- 
men müssen, dass dies fanggerät in den alten Wohnsitzen der 
grossrussen ganz fehlte. In der that existiert auch bei den gross- 
russen der tischzaun und zwar an der Oka. Hierüber schreibt 
I. S. POLJAKOV in seinem werke: ^»Ilacji'feaoBaHia no KayeHHOMj' Bt.Ky bi. 
<).TOHeuKOH ry6epHin, ht. ACJiBHi Okh h na BepxoBbaxi. Bojirn» (»Untersu- 
chimgen über die Steinzeit im gouvernement Olonetz, im thal 
der Oka und am oberlauf der Wolga») auf 76 Seiten. Wir wol- 
len hierzu bemerken, dass POLjAKOV im anschluss an einen tisch- 
zaunfund aus der frühen Steinzeit auf den jetzigen grossrussischen 
hschzaun (KOTasbi) zu sprechen kommt. Der fund ist sehr interes- 
sant, wenn er auch für unseren gegenständ keine bedeutung hat, da 
schwer zu sagen ist, was für ein volk in jener urzeit an der Oka 
gewohnt hat. Eine lehre kann man jedoch daraus ziehen, und 
zwar die, dass man die grösste vorsieht bei einer behauptung zu 
beobachten hat, wie der, dass eine durchaus ursprüngliche tanggerät- 



(1er Verschiedenheit der bedeutung abstrahieren) ebensowohl ein ur- 
sprüngliches, einem iranischen original entsprechendes slavisches wort 
sein könnte? 



lO Jaiikö Herkuuft der inag3-arischen Fischerei. 

art als lehen von einem volksschlag zu einem anderji »gewan- 
dert sei. 

Aus dem gesagten dürfte hervorgegangen sein, dass sich der 
Verfasser nicht immer der nötigen kritik befleissigt hat, wenn er 
Schlüsse gezogen oder sich über entstehende Schwierigkeiten klar- 
zuwerden versucht hat. Um diese unsere bffehauptung noch augen- 
scheinlicher zu machen, stellen wir noch ein charakteristisches bei- 
spiel hierher. 

Wir besprechen die stelle, wo der Verfasser, auf drei üsch- 
namen gestützt, die gegend zu bestimmen sucht, wo die gemein- 
same heimat der ugrischen Völker gewesen ist. Er leitet seinen 
beweis aus den folgenden prämissen her: 

»In der m^agy arischen Fischerei giebt es drei grosse Fische: 
der Hecht (csuka), der Wels (harcsaj, der Karpfen fpo?ilyJ; diese 
drei sind so gross, dass sie in wirthschaftlicher Beziehung für den 
Fischer von der grössten Bedeutung sind; dem Äusseren nach sind 
sie aber derart von einander verschieden, dass, wenn diese Fische 
erst mit Namen belegt wurden, diese ohne jede besondere Ursache 
auf keinen anderen Fisch übergehen konnten, und ging ich bei 
meinen weiteren Untersuchungen von der Voraussetzung aus, dass, 
wenn die Benennungen dieser Fische im Magyarischen ugrischen 
Ursprunges sind, diese Benennungen nur dort entstehen konnten, 
wo alle drei Fische in den Gewässern vorkamen. Wenn sich dieses 
Gebiet bestimmen lässt, so können wir auf diesem naturhistorischen 
Wege die Urheimat der Ugrier, oder wenigstens eines Theiles 
derselben nachweisen. •■•> 

Dann beweist der Verfasser, dass zu dem gebiet, wo alle er- 
wähnten fische zusammen anzutreffen sind, asiatischerseits, Südasien 
nicht eingerechnet, nur der Aralsee sowie der Syr-Darja und Amu- 
Darja, in Europa der Dnjeper, Dnjester, Don, die Wolga und der 
Uralfluss — mit dem 55:ten breitengrad als nordgrenze — gehören. 
Hierauf fährt er fort: »Nachdem unsere geschichtlichen Daten bewie- 
sen, dass dj^ Magyaren aus dem Uralgebirge kamen, ist wohl er- 
laubt, aus dem Verbreitungskreise des Welses und Karpfens einst- 
weilen das Aral-Becken und dessen Wassergebiet auszuschliessen [!]» 
So bekommt Jankö als gebiet der gemeinsamen heimat der ugrischen 
Völker das land zwischen Wolga und Ural — mit dem 55:ten brei- 
tengrade als nord- und dem mittellauf des Uralflusses als südgrenze. 

Die lokalbestimmung war unter der annähme gemacht, dass 
die namen csuka, harcsa und ponty ugrischen Ursprungs, und 



Jankö Herkunft der niagyarischen Fischerei. 



die fische der art waren, dass sich ihre benennunj^^en nicht vertau- 
schen lassen konnten. 

MUNKÄCSI hatte bewiesen — die gültigkeit des beweises dürf- 
ten die fachleute nicht mehr für sicher ansehen — dass die beiden 
letzteren benennungen ihre entsprechungen haben: wog. särt^ nordwog. 
sort, Unterloswa sort, nordostj. sort, südostj. snrt, surf — südostj. 
/HTjos. Aber — den namen csuka leitete MuNKÄCSl aus den sla- 
vischen sprachen her. Dazu aber kam noch eine andere bedenkliche 
Schwierigkeit — sowohl sarf als .petjaS bedeuten 'hecht', obwohl 
ihre entsprechungen im mag}-arischen 'weis' und 'karpfen' bedeuten. 
Die Voraussetzungen haben also nicht stich gehalten. Aus der 
Schwierigkeit versucht sich der Verfasser auf die folgende seltsame 
weise zu ziehen. 

MUXK.Ä.SCI hatte die thatsache gegeben, dass der hecht im 
magyarischen einen namen slavischen Ursprungs hat, weil nämlich 
der hecht seinerzeit bei den magyaren (wie noch heute bei den 
wogulen) ein heiliges tier gewesen ist, dessen eigentlichen namen 
auszusprechen man sich fürchtete, aus welchem gründe der sla- 
vische name in der praxis leicht dej herrschende wurde. 

Auf dieser erklärung MunkaCSi's fussend suchte der Verfasser 
aus dem Widerspruch herauszukommen, in den er geraten, als er 
konstatierte, der name des hechts sei slavisch, und die namen 
harcsa — sorf und ponty — perjas haben verschiedene bedeutung in 
den verschiedenen sprachen, und erklärte die sache folgendermassen : 

»Als die Mag\aren aus diesem zwischen Wolga und Ural 
gelegenen Vaterlande aufbrachen, trafen sie auf ihrer Wanderung bis 
zur Theiss und der Donau überall nur auf solche Flüsse, in welchen 
diese drei Fische in grosser Menge vorkamen, sie hatten also keine 
Ursache weder die Benennungen harcso für Silurus glanis, noch 
ponty für Cyprinus carpio zu vergessen oder auf andere Fische 
zu übertragen; nachdem jedoch Esox lucius keinen besonderen Na- 
men besass [?], übernahmen sie damals, als in den Gegenden 
des Dnjeper schon die Russen [?] für sie fischten, anstatt der bisher 
gebräuchlichen attributiven Benennung den russischen [?] Namen csuka. 
Es ist dies ganz natürlich. Nach der anderen Richtung hin zogen die 
Wogulen und Ostjaken, nachdem sie im Mittellande zwischen Wolga 
und Ural von den Mag}'aren abschieden, nach Norden und Nordosten, 
wobei sie den Ural überstiegen und ihre W^anderfahrten im Irtysch- 
Obbecken begannen. In diesem Becken war jedoch von den ihnen 
bekannten drei Hauptfischen bloss einer, der Esox lucius bekannt, der 
aber heilig war, und als solcher keinen besonderen Namen besass [?], 



Jankö Herkifiift der mag\-arischen Fischerei. 



während Silurus glanis und Cyprinus carpio nicht vorhanden waren, 
und daher die Bezeichnungen derselben sort, l)eziehentlich penas 
überflüssig wurden. Als dann Esox lucius an seiner religiösen 
Bedeutung eine Einbusse erlitt, und die Berührung mit anderen 
Völkern eine Benennung des Fisches mit einem Nennworte not- 
wendig machte [?], wählten hierzu ganz allgemein sowohl 0.stjaken,_ 
wie Wogulen das Wort sori, auf einem kleineren Gebiete das Wort 
pehah, da sich diese schon im Sprachschatze befanden, dieselben 
im neuen Vaterlande ganz überflüssig waren, und sie sich dessen 
recht gut erinnerten, dass ig ihrer Urheimat, jenseits des Ural, 
sowohl sorf^ wie auch pciiah grosse Fische bedeuteten.« 

Wie man sieht, ist von den ursprünglichen annahmen des 
Verfassers nichts übrig geblieben. Dagegen aber dehnt sich das 
beweisfundament, das er von MuNKACSl übernommen, unter seinen 
händen sehr erheblich in die weite. MuNKÄcsi hatte gesagt: >; Diese 
tiere [bär, schlänge, wolf, hirsch] sind nämlich in der religiösen 
Vorstellung des wogulischen volkes jelpin ujil, heilige tiere, deren 
wahren namen sie aus ehrerbietung oder furcht nicht auf die 
lippen nehmen.» Statt dessen geht der Verfasser, wie wir oben 
gesehen haben, von der annähme aus, die heiligen tiere hätten 
überhaupt keinen eigentlichen namen. Diese behauptung hat er 
jedoch nicht bewiesen, und schwer dürfte sie auch zu beweisen 
sein, denn wenn irgendwer, so müssten ja gerade die heiligen tiere 
ihre namen haben, werden sie auch ihrer heiligkeit wegen nicht 
in der profanen rede gebraucht. Sind doch auch die alten tinni- 
schen namen des baren: ohto (tinn.-mord. ^1, kontio ( Ann. -läpp. ■■^) 
karhu (finn.-est. ) (auch die Annen haben nämlich, wie die ost- 
jaken und wogulen, dem baren grosse Verehrung erzeigt und früher 
augenscheinlich auch für heilig gehalten), als eigentliche namen, 
ungeachtet vieler beinamen (mesikäminen 'honigtatze', simasuu 
'metschnautze') erhalten. Hätte da also der eigentliche name des 
hechts z. b. bei den wogulen in Vergessenheit zu geraten brauchen, 
weil die heilighaltung desselben bis auf diese tage bei diesem volke 
bewahrt geblieben ist? Wenn anderseits der vom Verfasser ange- 
nommene fremde einfluss die namengebung für einen namenlosen 
fisch nötig gemacht hätte, wäre es dann nicht glaublicher, dass 
die wogulen und ostjaken angefangen hätten den hecht mit einem 
lehnwort zu lienennen, wie es die mag^'aren gethan ha1)en? 



' Setäl.v, äH 202. 

- Set.\iJv üuantitätswechsel JSF"Ou XIV 3 10. 



Jaukö Herkunft der mag3arischen Fischerei. 13 

Um zu zeigen, in welches knäuel von Schwierigkeiten sich 
der Verfasser in dieser sache verwickelt hat, sei noch die art er- 
wähnt, auf die er aus den türkischen Wörtern loszukommen sucht: 
kasantat. curtan, kojb. sortan, alt.-tat. corton, jakut. sordon, 
tschuw. surtan, von denen sich nach MuxKÄCSl's Vermutung 
die Wörter harcsa — sorf herleiten. Unbequem ist nämlich dabei, 
dass auch diese türkischen Wörter 'he cht' bedeuten und, wie wir 
oben sahen, hatte Jankö angenommen, die Wörter harcsa — sort hät- 
ten ursprünglich weis bedeutet. Es war also zu beweisen, dass das 
wort bei seiner entlehnung aus einer türkischen spräche durch die 
ugritr auch in dieser spräche 'weis' bedeutet hat! Und dies geschieht 
in der weise, dass der Verfasser annimmt, jene türkischen Völker, 
l)ei denen das wort curtan jetzt hecht bedeutet, wären später vom 
welsgebiet in solche gegenden ausgewandert, wo es keine weise 
gab, und die bedeutung des in frage stehenden wortes hätte 
sich auch in diesem fall in derselben weise wie vorher bei den ost- 
jaken und wogulen geändert. So waren alle der hypothese wider- 
streitenden Schwierigkeiten mit hilfe der methode beseitigt, mit der man 
— scheint es — alles nach wünsch beweisen kann. Dies merkt jedoch 
der Verfasser nicht, sondern er sagt zu guter letzt: »Demnach kann 
also die uralische Urheimat der Magyaren, von der aus sie ihren 
europäischen Wanderzug antraten, mit der Gewissheit naturwis- 
senschaftlicher Daten derart bestimmt \verden, dass dieselbe 
zwischen den Flüssen Ural, Wolga, Kama und Bjelaja lag.» 

Aus dem obigen ist deutlich geworden, wie sich der Verfasser 
über die Schwierigkeiten klar wird, auf die er bei der erklärung der 
entlehnungen und der Zusammenstellung von Wörtern von verschie- 
denem begriff aber formlicher Zusammengehörigkeit triflft. Im fol- 
genden bringen wir ein beispiel dafür, wie er die Schwierigkeiten 
überwindet, denen er bei der Zusammenstellung verschiedener tj'pen 
l)egegnet. Wir nehmen unser beispiel aus dem stück, wo er vom 
quackholz spricht. 

Auf die forschungen des russischen gelehrten Faleev ge- 
stützt, kommt der Verfasser zu dem schluss, dass von dem ihm 
bekannten quackhölzern das hornförmige die älteste form sein 
müsse, da sie am meisten seinem zweck entspreche. Für diese 
annähme hat er noch einen beleg in einigen versen aus Homers 
Ilias. 1 Weiter bemerkt er, zu der vollkommensten konstruktion 

> Jankö s. 553. 



14 Jankö Herkunft der magyarisclien Fischerei. 

des quackholzes gehöre auch, dass die angelleine gleich mit dem 
holz verbunden sei. Von einer solchen quackholzform, die beiden 
anforderungen genügte, wusste Jankö am Njemen, und diese war ein 
wirkliches hörn (Jankö fig. 519). — Unter den quackhölzern, die 
Herman in seinem werke darstellt, waren drei mit holzstiel und 
vollsohle versehen. Ihren Ursprung konnte herr Jankö leicht ab- 
leiten, denn er wusste, dass es am Dnjeper ebensolche gab. Jetzt 
befand sich aber, auch unter den quackhölzem, die Herman auf- 
zählt, eine an ein hom erinnernde form und zwar aus t-inem 
blechstreifen hergestellt. Es erhob sich daher die frage, woher 
diese quackholzform in die bände der mag\^aren gekommen war. 
Schwer war anzunehmen, dass die magyaren jemals motive vom 
Njemen hätten bekommen können. Indem sich der Verfasser nun 
nach einer antwort auf diese schwierige frage umsah, bemerkte er. 
dass in Herman's werk von einem quackhclz die rede war, dessen 
vollsohle aus hom war, und jetzt macht er den schluss^ dieses 
homsohlige quackholz sei natürlich die zwischenform zwischen dem 
homenen vom Njemen und denen mit vollsohle. Zugleich bemerkte 
er, dass das voUsohlige quackholz vom Dnjeper hornform hatte [?]. 
Und um keinen zweifei darüber zu lassen, dass das voUsohlige 
quackholz vom Dnjeper und das homene vom Njemen zusammen- 
zustellen seien, bewies der Verfasser noch, dass an beide eine an- 
gelleine geknüpft gewesen sei, und dass sie daher eine uralte ei- 
genschaft bewahrt hätten. So war also bequem durch die vollsohli- 
gen quackhölzer eine brücke zwischen den quackhülzern vom Dnjeper 
und Njemen gebaut, die beide hornförmig waren, und von denen 
das letztere aus wirklichem hom war. Somit brauchte man, meinte 
der Verfasser, nicht anzunehmen, dass die mag\'aren jemals ein- 
flüsse von den geländen am Njemen aufgenommen haben. Das 
quackholz vom Dnjeper schien darauf hinzuweisen, dass es auch 
hier vor alters homene quackhölzer gegeben habe. 

Gegen das ergebnis des beweises haben wir für upser teil 
nichts zu sagen. Der Verfasser scheint jedoch auf sehr schwachem 
fundament zu diesem ziel gelangt zu sein. Betrachten wir die 
Njemen- und Dnjeper-form näher und vergleichen wir sie mit einan- 
der, so bemerken wir als einzig gemeinsames die gebogenheit, die 
Verschiedenheiten sind dagegen wichtigerer art: mit dem quackholz 
vom Njemen wird in der wxise geschlagen, dass die hornöffnung 
(also der breitere teil) ins wasser dringt, mit dem vom Dnjeper so. 



Jankö Hcrkiiuft der magyarischen Fischerei. 



dass das spitzende (also der schmalere teil), soojar mit der Seiten- 
fläche, ins wasser kommt; das erste ist aus hörn, das letztere aus 
holz ; das erstere besteht aus einem stück, während das letztere 
aus zweien zusammengesetzt ist. Dass man das ungarische horn- 
sohlige quackholz für die zwischenform jener beiden formen anse- 
hen könnte, darauf können wir zum wenigsten nicht aus der form 
lies gegenstands schliessen, und dem umstand allein, dass das 
(juackholz eine homsohle hat, kann in der t\-pologischen ethnographie 
kaum ein so grosser wert beigelegt werden, dass man berechtigt 
wäre dieses quackholz für die über gangsform oder gar für die 
>klassische übergangsform» zu halten. 

Aus dem vorausgegangenen dürfte klar geworden sein, dass 
rs dem Verfasser nicht an phantasie fehlt, die für Wissenschaftler ein 
so wichtiges hilfsmittel ist — lieber nehmen wir an, dass sich ein 
ziemliches übermass davon bei ihm herausgestellt hat. Dass er 
wirklich bisweilen bei seinen typologischen vergleichungen etwas 
sieht, was anderen schwer wird zu beobachten, dafür ein paar 
beispiele. 

In den Zeichnungen 4 — 5 sehen wir ein paar lischzäune, die 
Jankö in seinem werke mit den nummern 45 und 38 bezeichnet 
hat. Auf s. 86 sagt er von dem 
ersteren : »Fig. 45 ist, wie er- 
sichtlich, bloss eine ein bischen 
entwickeltere Form der auf Fig. 
38 dargestellten, indem sich der 
Hof bei jener in der Nacken- 
gegend viel stärker abhebt als 
bei dieser.» Wir wissen nicht, 
was wir von dieser scharfsich- 
tigkeit sagen sollen; zwei mög- 
lichkeiten bieten sich — entwe- 
der: der Verfasser sieht, was an- 
dere leute nicht sehen, oder: er 
sieht ganz unnötig scharf. 
Nachdem der Verfasser sein material an fischzäunen in zwei 
hauptgruppen, in solche mit mittelständiger leitwand und solche 
mit flügelleitwänden, geordnet, blieben ihm drei formen übrig. 
Wir stellen sie in den Zeichnungen 6 — 8 dar. Nachdem er dann 
von allen möglichen selten gezeigt, dass man sie nicht den schon 





Fig. 4 (Jankö 
Fig. 451- 



Fig. 5 (Jankö 
Fig. 38). 



i6 



Jankö Herkunft der magyarischen Fischerei. 



fertigen reihen einverleiben könne, kam er schliesslich zu dem 
schluss, dass sie unter einander eine besondere g;eschlossene gruppe 
bildeten, in der li";. 6 die grundform der anderen und fiir. 8 die 
am meisten entwickelte von allen dreien sei. Durch seine ver- 
gleiche war der Verfasser zu dem schluss gekommen, dass lig. 7 

und 8 gehöfte fischzäune seien, und ersah 
es unter diesen umständen für unum- 
gänglich, dass auch in der grundform 
derselben, fig. 6, ein höfchen sein müsse. 
Durch diese behauptung schien näm- 
lich die herleitung der beiden letz- 
teren formen aus der ersten leichter zu- 
stande zu kommen. Betrachten wir diese 
fischzaunformen, so können wir zwar — 
das müssen wir gestehen — in den bei- 
den ersten bei gutem willen ein höfchen 
finden, wenn dies ausdrücklich gefordert 
wird, im letzteren aber ist es dem rezensenten unmöglich eins zu 
entdecken. - Übrigens fehlt die möglichkeit zu konstatieren, ol) 
sich die vom Verfasser zusammengestellten formen wirklich aus 
einander herleiten, da er hier (wie auch in einigen anderen fällen) 




Fig 6 (Jankö Fig 6S). 





Fig. 7 (Jankö Fig. 60). 



Fig. 8 (Jankö Fig. 2). 



nicht die Verhältnisse angegeben hat, unter denen fig. 6 ins fisch- 
wasser eingestellt ist. Rezensent hat allerdings auf ostjakischem 
gebiet analoge formen gefunden, aber hiermit kann man herrn Jankö's 
Zusammenstellung nicht sicher verteidigen, wohl aber für einiger- 
massen möglich halten. Näher schiene jedoch die erklärung der 
fig. 7 (der Parikkala-form) und daher auch der fig. 8 (der unga- 
rischen form) von der einstellungsart des einkammerigen fischzauns, 



Jankö Herkunft der magyarischen Fischerei. 17 



I 



wie sie üg. 9 zeiget, zu liegen (siehe Jankö fig. 67). Hierfür giebt es 
wenigstens einige andeutungen in ostjakischen fischzaunformen, die 
dem Verfasser unbekannt geblieben sind. Es scheint diese erklä- 
rung um so natürlicher, als nämlich dadurch, dass auch auf der 
hinteren seite der kammer ein ein- 
gang angebracht ist, auch die fische 
ungehindert in das fanggerät zu 

bekommen sind, die das rechte ^___^^^^ 

tkissufer entlang kommen. ^ /^ \ 

Eine darstellung der biologi- \ y \_y 

sehen thatsachen, soweit dieselben 
mit den fanggeräten in Verbindung 
stehen, ist ganz unvermeidlich in ei- 
nem werke, das über die zusam- Fig. 9. 
mengehörigkeit und Verwandtschaft 

der verschiedenen fanggeräte zu einem ziel gelangen will. Leider 
müssen wir jedoch bemerken, dass der Verfasser diesem punkt nicht 
immer hinreichend aufmerksamkeit geschenkt hat. Es kann sogar 
vorkommen, dass ihm das Verständnis für die biologische seite eines 
fanggeräts vollständig fehlt. 

Wir nehmen als beispiel das wehr, das die ostjaken zur ein- 
legung ihrer babuschenreuse bauen (Jankö fig. 112). Dasselbe 
wird im frühsommer für die flutzeit hergerichtet, denn nur in star- 
kem Stromwasser ist die babuschenreuse »fängisch». Wegen der von 
dem riutwasser mitgeführten gegenstände ■ — äste, blätter u. m. — 
machen die ostjaken das wehr so undicht, dass selbst der grösste 
fisch ohne Schwierigkeit hindurchkommt. Nichtsdestoweniger aber be- 
kommt man durch das wehr reichlich fische. Es liegt dies daran, 
dass der fisch, der mit dem ström herunterkommt, vor dem im 
Strome sich biegenden wehrhölzern und dem durch sie hervorge- 
brachten brausen erschrickt und als durchgang die grösste Öff- 
nung im wehr, das reusenthor, wählt und ohne es zu bemerken 
in die schmale babuschenreuse gleitet. Hier ist also der wichtige 
umstand zu beachten, dass nicht die dichtigkeit des wehres den 
tisch am durchschlüpfen durch dasselbe hindert, sondern die von 
den wehrhölzern erzeugte bewegung und ihr brausen. Der Ver- 
fasser hat die sache jedoch nicht von diesem biologischen gesichts- 
punkt aus aufgefasst. Dass der fisch in die babuschenreuse gerät, 
erklärt er nämlich auf die folgende unmögliche weise: »Der Fisch 



Jankö Herkunft der magyarischen Fischerei. 



findet die Wehre im Wege, tappt mit der Nase tastend an 
derselben entlang und gelangt zur Mündung, die ihn in den engen 
Arm hineinlockt». Um zu zeigen, dass der Verfasser keineswegs 
den unterschied erfasst hat, der zwischen diesem und anderen 
wehren besteht, erwähnen wir, dass er (s. 175) als den ostjakischen 
namen des wehrs der bal)uschenreuse das wort var angiebt, wel- 
ches ein aus sparren zusammengebundenes dichtes wehr liedt-utet. 

Dass der Verfasser sich nicht näher auf die biologischen be- 
dingungen der verschiedenen wehre eingelassen hat, tritt auch darin 
zu tage, dass er in dieser hinsieht keine einteilung der wehre vor- 
genommen, und dass er überhaupt dem wehr keine ethnische be- 
deutung beizumessen vermocht hat. 

Es kommt auch vor, dass er von den fanggeräten eine fal- 
sche meinung hat, ohne dass sich diese auf ein missverständnis der 
biologischen thatsachen gründet. Indem er das ungarische fang- 
gerät kecze mit dem ostjakischen kolydan vergleicht, legt er bei 
der aufzählung der Verschiedenheiten das grösste gewicht auf eine 
eigenschaft, welche am kolydan eigentlich sehr wenig bedeutung 
hat. Er sagt: »diese Eigenschaft besteht darin, dass der Fischer, 
wenn er das Anschlagen des Fisches an die Garnwand fühlt, die 
Fühlleine fallen lässt, wobei das Netz zuklappt und der Fisch in 
die Falle geräth». Wie der Verfasser das zuklappen des kolydan's ver- 
standen hat, bleibt in der zitierten stelle ungesagt, vermuten lässt 
sich jedoch, dass er annimmt, es komme hauptsächlich durch das 
gewicht eines eisenrings, wodurch die Zugleine des von ihm er- 
klärten kolvdan's ins boot hineinschlägt; denn das gewicht des 
netzes selbst ist so gering, dass man nicht hiervon allein das plötz- 
liche zusammenklappen des netzes abhängig machen kann. Nun 
verhält sich die sache aber so, dass jener eisenring nicht annäliernd 
an allen kolydan zu finden ist, dass er vielmehr noch vor einiger 
zeit sehr selten war und sein musste, und dass man statt dessen 
im allgemeinen einen hornenen ring gebrauchte. Rezensent hat 
sogar auch kolydan-ringe gesehen, die aus holz waren, welches 
bekanntlich im wasser nach oben und nicht dem gründe zustrebt. 

Die thatsache also, dass der fischer, während der fisch in 
die falle gerät, die fühlleine aus den bänden fahren lässt, kann 
unter diesen umständen kein wesentliches gewicht haben und 
braucht es auch nicht zu haben, denn in dem augenblick, wo der 
fischer das anstossen des fisches fühlt, hebt er den kolvdan em- 



Jaukö Herkunft der magyarischen Fischerei. 19 



por. Infolge des Wasserdrucks schliesst sich allerdings, das ge- 
stehen wir ein, auch die öftnung des kolydan's zusammen. Aber 
dieses zusammenklappen ist nicht die Wirkung des loslassens der 
fühlleinen, vielmehr erfolgt dieses thatsächlich nur aus dem gründe, 
weil der hscher die leinen nicht weiter braucht, und sie nicht verhin- 
tlern sollen, dass sich die netzöffnung schliesse. Den kolydan kann 
man also füglich nicht zu den fallfischereigeräten rechnen, die nach 
des Verfassers aussage die hyperboräische fischerei charakterisieren. 

Die forschungen des Verfassers gründen sich zum grössten 
teil auf litterarische quellen, zu denen er — wie wir schon oben 
gelegenheit hatten zu sehen — grosses vertrauen gehabt hat. Es 
ist dieses vertrauen stellenweise so weit gegangen, dass er 
nur aus dem umstände, dass die von ihm benutzten quellen 
von der Verwendung eines objekts in einem bezirk nichts erwähnt 
haben, geschlossen hat, das betreffende objekt fehle wirklich in dem 
betreffenden bezirke. Ein derartiges vertrauen zu den negativen Zeug- 
nissen von quellen könnte man füglich für kritiklosigkeit ansehen, 
da der Verfasser auf grund derselben geneigt ist solche züge in der 
ungarischen fischerei für verhältnismässig spät, d. h. entlehnt zu 
erklären, die ihrer natur nach zu den allerfrühsten eriindungen des 
menschlichen geistes auf dem gebiet der fischerei gehören. Er- 
wähnt sei nur ein beispiel. Bei besprechung der Schleusenfischerei 
macht der Verfasser die beobachtung, dieselbe werde auf russischem 
gebiet nirgends als in Kaukasien ausgeübt, und zieht daraus den 
schluss, die mag\'arische Schleusenfischerei müsse also kaukasischen 
Ursprungs sein: ;>und müssen wir annehmen, dass die Schleusse 
kaukasischen Ursprunges ist und auf ungarischen Boden durch jene 
Szekler gelangte, in denen die neuere Geschichtsforschung kauka- 
sische Kabaren sieht». Hätte der Verfasser diese frage auf seiner 
ostjakischen reise genauer untersucht, so hätte er wenigstens dieselbe 
idee, wenn auch nicht dieselbe form dieser fischerei dort gefunden. 

An das voraufgehende schliesst sich seiner natur nach der 
folgende fall an. An der band der sprachwissenschaftlichen hülfs- 
mittel kommt der Verfasser zu der Schlussfolgerung, die sackwate 
sei türkischen, und die verschiedenen sacklosen waten seien entweder 
germanischen oder slavischen Ursprungs. Man hätte nun aus der 
thatsache, dass sich der fang mit der wate als lehen erweist, als 
natürliche folgerung erwartet, dass auch der netzfang, der nun der 
analvse zu unterwerfen war, sich als ebensolches lehen erwiese. 



20 Jankö Herkunft der magyarischen Fischerei. 

Aber in dieser annähme wird man getäuscht. Der Verfasser be- 
weist nämlich, dass das Met-netz ugrischen Ursprungs sei. Zu diesem 
letzteren haben wir unsererseits nichts zu bemerken. Aber unbegreif- 
lich ist uns, wie ein volk, das perfekte zwirn- und spinnfertig- 
keit voraussetzende netze von so feinem material herzustellen ver- 
steht, netze, die zum fang nicht mehr die handhabung seitens des 
lischers erfordern und sich auch dadurch als verhältnismässig ent- 
wickelt verraten, wie ein solches volk nicht die wate hätte kennen 
sollen, zu deren herstellung es nicht unbedingt perfekter spinnfer- 
tigkeit bedarf (so steht es bei den nordsamojeden), und mit wel- 
chem zu fangen, da es die aktive teilnähme des fischers erfordert, 
zu den ältesten arten der fischerei gehört. Der Verfasser hätte Ur- 
sache gehabt, genauer auf diese thatsache einzugehen und ein- 
gehendere Studien unter den ugrischen Völkern zu treiben, bevor 
er behauptete, diese hätten die idee der wate von fremden Völkern 
entlehnt. 

Schreiten wir nun dazu einige worte über die in das werk 
eingeschlüpften sachlichen fehler zu sagen. Aus seite 593 geht 
hervor, dass der Verfasser die warjagen für »russen» ^ ansieht, 
eine annähme, die die Wissenschaft schon seit langer zeit als un- 
haltbar endgültig aufgegeben hat. Seite 94 behauptet der Verfas- 
ser, die nachricht Varpachovskij's, in den seen des tobolskischen 
kreises existieren eckwändige fischzäune, sei unberechtigt mit der 
begründung, dass er selber keine solchen gesehen habe. Rezensent 
hat jedoch seinerseits gelegenheit gehabt einen eckwändigen iisch- 
zaun bei den tobolskischen tataren zu sehen. Nachdem der Ver- 
fasser bemerkt, dass die ostjaken am Salym-flusse die Öffnung 
des fischzauns schliessen, bevor sie ihn visitieren, meint er, 
dieses schliessen der Öffnung sei von osten als lehen zu den ost- 
jaken gekommen; dies thut er auf grund einer von Sostakovic 
aus dem gebiet des Narym mitgeteilten Zeichnung, in der sich auf der 
innenseite der öflfnung eine wand befindet, von der der text 
nichts zu berichten weiss, in der aber der Verfasser den schliesser 
der Öffnung sieht. Der Verfasser hätte wissen dürfen, dass das 
schliessen der fischzaunöfifnung vor dem visitieren eine sitte ist, 
die auch anderswo, sogar auch in Finland anzutreffen ist, und die 



' Siehe Thomsen, Ryska rikets grundläggning l)es. s. 93 f., über 
die skandinavischen nanien der Stromschnellen des Dnjepers siehe s. 51 f. 
— Der Ursprung des russischen vStaates iio, 57. 



Jankö Herkunft der magyarischen Fischerei. 21 



ihren Ursprung in dem einfachen grund hat, dass man verhüten 
will, dass die tische beim visitieren aus der kammer entwischen. 
Sie kann also in keinem fall von den asiatischen hyperboräern ent- 
lehnt sein. 

In den Zeichnungen des Verfassers finden sich eine ganze 
menge fehler. Es ist dabei verdriesslich zu bemerken, dass sie 
nicht immer durch zufall hineingekommen, sondern oftmals aus 
der mangelhaften auflfassung des fangwerkzeugs entstanden sind. 
So hat der Verfasser zu der ganz richtigen erklärung, die der rus- 
sische forscher Varpachovskij von dem ostjakischen vaäan giebt, 
ein bild gesetzt, virelches deutlich zeigt, dass er die benutzung des ge- 
rätes nicht verstanden hat. Es ist dies ein netzsack, der in der weise 
aus dem wasser gezogen wird, dass die an den unteren rand der Öff- 
nung festgebundene stange, die brunnenpeitsche, mit einer hebestange, 
die mitten in die erstere eingefügt ist, in die höhe gehoben wird. 
Der Verfasser hat jedoch sowohl in der Zeichnung wie im texte 
das gerät so dargestellt, dass an dem netz statt einer hebestange, zwei 
Stangen seien, von denen keine mit der brunnenpeitsche verbunden 
ist, welche vielmehr vom eis aus als gewicht auf die brunnenpeit- 
sche hinabgelassen werden, und dass das aufziehen des netzes da- 
durch bewerkstelligt werde, dass diese Stangen von der brunnen- 
peitsche am ölfnungsrande fortgezogen würden, worauf die letztere 
zur Oberfläche aufsteige und die netzöftnung schliesse. Von einem 
solchen vazan weiss jedoch Varpachovskij, dessen erklärung 
die Zeichnung beleuchten will, nichts, noch hat rezensent der- 
gleichen bei den ostjaken gesehen. SoSTAJCOVic giebt allerdings 
in seinem artikel eine Zeichnung, die an diejenige des herrn Jankö 
erinnert, aber erstens (wenn SoSTAKOVic's Zeichnung überhaupt zu- 
verlässlich ist) finden sich hier eine ganze anzahl von teilen, welche 
in Jankö's Zeichnung nicht existieren, und zweitens hat SOSTAKOVIC 
nicht von der fischerei der ostjaken, sondern von der fischerei der 
in dem gebiet des Narym wohnenden samojeden gesprochen. — Von 
der Zeichnung 505, welche darstellt, wie der hölzerne angelhaken 
mit einem köder versehen wird, schreibt der Verfasser: »der Stiel 
ist an beiden Enden spitz, weil derselbe an der Bauchseite des 
Fisches unter die Haut verborgen wird, ausserdem wird er aber 
auch durch das Vorfach umschlungen». Sabaneev, nach welchem 
herr Jankö die Zeichnung giebt, sagt jedoch: »Ein ganzer fisch 
wird entw'eder nach karelischer weise als köder verwandt, indem 



Jankö Herkunft der magyarischen Fischerei. 



ihm der angelhaken in den bauch eingeführt und die schnür um 
den rücken geschlungen wird, oder der haken wird bloss durch die 
kiemen in den mund eingeführt, und diese art ist viel einfacher 
und bequemer, besonders wenn man im ströme fischt». 




Fig. lo. (Jauk(') Fig. 37.) 



^ 



/ 



^ 



\ 



6 



Fie. II. 



Des Verfassers text und bild zeigen keine von diesen weisen. 
Sabaneev's köderungsweise ist jedoch wichtig zu beachten, da sie 
sehr originell ist, da sie als karelisch vorgeführt wird, und da sie 
auch bei einem weiteren, den finnen verwandten volke eine analo- 
gie hat. 

In Zeichnung 35 
bringt der Verfasser ei- 
nen tischzaun, der, wie 
er sagt, aus dem Ta- 
vastland in Finland 
stammt (tig. 10, J.\XK(') 
'^^- 37'- Wegen seiner 
eigentümlichen, mir 

unbekannten form (es 
war nämlich daran die 
kammerwand zugleich der zweite Öffnungspfeiler) stach er mir sofort 
in die äugen, und um die richtigkeit der fakta zu konstatieren, 
nahm ich seine quelle (A. E. Sxellman, Muinaisjäännöksiä ja tari- 
noita Laukaan kihlakunnasta = Altertümer und Volksüberlieferungen 
aus dem sprengel Laukas) vor und fand das original in einer ganz 




Fig. 12. (Jankö Fig. 53.) 



Jankö Herkunft der tnagjarischen Fischerei. 



:3 



anderen form und zwar so, wie es fig. 1 1 zeigt. Hier bildet also 
die kammerwand nicht zugleich eine zweite Öffnungswand, sondern 
beide öft'nungspteiler 

sind teile für sich. Ich 
habe dies vor allem 
deshalb erwähnt, weil 
der Verfasser dieser 
form in seiner typologi- 
schen reihe einen ver- 
gleichsweise wichtigen 
platz anweist, indem er 
in ihr die einfachste Fig. 13. 

form der seitenkammer- 

fischzäune sieht. — Ebenso ist fig. 53 (bei mir hg. 12) etwas fehler- 
haft. Nach der quelle muss sie die form der fig. 13 haben. Ich 





Fig. 14. (Jankö Fig. 73.) 

stelle auch diese Verbesserung hierher, weil der Verfasser an einer 
stelle seines Werkes (s. 1 1 8 ) anzunehmen scheint, es existiere in 




Fig- 15- 

Finland (wir sprechen hier nicht von der Parikkala-form fig. 7, Jankö 
fig. 60) der rundkammerfischzaun, der schon aus dem einfachen 
grund unmöglich ist, weil die fische nicht darin bleiben. — Die 



24 Jaiikö Herkunft der magyrischen Fischerei. 



in fig. 73 (bei mir fig. 14) zu sehende fischzaunform hat auch 
rezensent bei den ostjaken gesehen, aber aus leicht begreif- 
lichen gründen in der form der fig. 15. — In fig. 391 stellt der 
Verfasser den kolydan als spitzauslaufend dar — er ist jedoch 
stets ffachgründig. — In fig. 146 wird die reuse von Kuhmalahti 
als mit ihrer flossleine an einen in den grund eingerammten pfahl 
angebunden dargestellt. Das holz, das herr Jaxkö in dem ethnogra- 
phischen museum zu Helsingfors abgezeichnet hat, ist jedoch kein 
pfahl, sondern ein flossholz (dazu noch mit dem zeichen des besit- 
zers versehen), das an das ende der flossleine angebunden wird, 
um anzuzeigen, wo die reuse eingelegt ist. Dieselbe wird also an 
keinem pfahl befestigt. 

Es finden sich auch derartige fälle, dass die Zeichnungen 
ganz richtig sind, während ihre heimat falsch angegeben ist. So 
soll fig. 50 aus Hollola sein, während sie jedoch aus Sahalahti 
stammt, fig. 51 Sahalahti — Längelmäki, fig. 52 Längelmäki — Hol- 
lola. Der schlimmste von diesen fehlem ist der, dass die russische 
kartschaga fig. 126 für eine jakutische reuse erklärt wird. — Fig. 
159 fehlt ganz. 

Druckfehler finden sich nicht erwähnenswert. Doch haben 
sich dergleichen in einige Ortsnamen eingeschlichen, wo sie schlecht 
aussehen (»Jäeski» statt »Jääski», »Musikaupunki» statt »Uusikau- 
punki», »Peiveniemi» statt »Päiväniemi»). In anknüpfung hieran 
müssen wir auch unsere Verwunderung darüber ausdrücken, dass 
der Verfasser die aus russischen quellen entnommenen ostjakischen 
namen nach der russischen Orthographie transskribiert hat, die zur 
wiedergäbe der ostjakischen laute ganz ungeeignet ist .t-iki =r 
Ijäk, MUKeBT> := mykev, nvEi-iaroTb-ioxt =r pon-tjagot-jtix; oiixohi, 
=: ajxon? (statt auxoiii. r= aj-xop u. Das wort sinki (russ = cnatKE), 
das wie auch die vorhergehenden von Varpachovskij stammt, 
scheint Jankö für ostjakisch zu halten. Es ist jedoch russisch und 
lautet auf ostjakisch loroin, türoiii etc. 

Im voraufgehenden haben wir mit keinem wort von solchen 
fällen gesprochen, in denen der Verfasser aus dem gründe zu fal- 
schen Schlussfolgerungen gelangt ist, weil er nicht das ganze aui 
den betr. gegenständ bezügliche material gekannt hat. Wir wollen 
auch jetzt nicht darauf eingehen, da in dieser hinsieht gegen das 
werk eine menge bemerkungen zu machen wären, welche der die- 
ser rezension zu eebote stehende räum nicht alle zu fassen imstande 



Jankö Herkunft der magyarischen Fischerei. 25 

wärt.'. Wir benutzen nur die o;elegenheit uns darüber zu ver- 
wundern, dass der Verfasser, der von so vielen selten und so fer- 
nen ländern sein material mit verhältnismässig; grossem erfolg zu- 
sammengetragen liat, hie und da in seinem werke wegen mangeln- 
den materials dann in Verlegenheit gerät, wenn die frage auf 
einen gegenständ kommt, der seine heimatliche fischerei betrifft 
(s. 211, 229, 327, 379, 435). Ohne grund scheint sich für den 
leser der fehler in einem solchen fall auf Otto Herman's schultern 
zu laden. Hätte der Verfasser nicht grund gehabt sorge dafür zu 
tragen, dass in dem heimischen material keine lücken blieben? So 
scheint es wenigstens dem rezensenten. 

Die ergebnisse, zu denen der Verfasser in seinen vergleichen- 
den Studien über fischzaun-, netz-, stech-, pfeil- u. a. tischerei 
gelangt ist, dürften sich auf grund weiteren materials in gewissem 
masse ändern. Und das ist ja auch nicht zu verwundern, wo 
man weiss, wie jung und wenig bebaut die ethnographische for- 
schung überhaupt noch ist, und wie wenig systematisch gesammeltes 
material für wissenschaftliche forschung auf dem gebiet der erfor- 
schung der fischerei zu haben gewesen. Im gegenteil muss man 
sich freuen und waindern über die seltene energie, mit welcher herr 
Jankö sein material gesammelt und zu einem werke verarbeitet hat, 
das für lange zelten, wenn auch nicht für immer, eine der 
ersten quellen sein wird, mit der sich jeder forscher der verglei- 
chenden ethnologischen lischerei wird vertraut machen müssen. 
Anerkennung verdient auch die scharfsichtigkeit, mit der der Ver- 
fasser im allgemeinen seine vergleichungen ausgeführt hat. Nur 
dadurch hat er auch solche blätter zur geschichte der ungarischen 
fischerei zeichnen können, die selbst eine heftige feuerprobe aus- 
halten werden. 

Stellen wie die Verdienste des Werkes in kurzen zügen dar, 
so müssen wir zugeben, dass es dem Verfasser gelungen ist, eine 
reichliche menge von bisher der ethnographischen forschung unbe- 
kanntem material zu sammeln, und dass er in manchen fällen mit 
erfolg die entwicklimg der vmgarischen volkstümlichen lischerei 
erklärt hat. 

Es ist kein woinder, dass dies werk, welches die historische 
beleuchtung eines erwerbszweiges "uezweckt hat, der seiner zeit im 
leben der magyaren einen der allerbemerkenswertesten platze 
eingenommen, in der heimat grosse aufmerksamkeit erweckt hat. 



26 .Franssila Iso tamnii. 



An das werk anschliessend ist eine o^anze polemische litteratur (s. 
die biblioojaphische abteilung) entstanden, die leider nur zu oft 
einen recht leidenschaftlichen Charakter trägt und sogar persönliche 
Verunglimpfungen nicht verschmäht. Hieran ist jedoch der Verfasser 
in gewisser weise selber schuld. Die polemik ist nämlich- zum 
grössten teil daraus entsprungen, dass der Verfasser — dem nicht- 
ungarischen leser bleibt es rätselhaft, aus welchem gründe — in 
höchst ablehnender weise die schriftstellerische thätigkeit seines 
eignen Vorgängers, Otto Herman's, kritisiert hat, dessen mängel er 
mit um so mehr grund hätte entschuldigen können, als er wusste, 
wie schwer es ihm selbst gewesen war, zu ergebnissen zu gelangen. 

Helsinsrt'ors. U. T. SiRELlu.S. 



K. A. Franssila, Kansanrunouden tutkimuksia I. Iso tammi liit- 
teineen (Folkloristische forschungen I. Die grosse eiche nebst 
daran anschliessenden liedern). Suomi III i8. Helsingfors, Finn. 
Litt. -Ges. 1900. 490 s. 8:0. Preis: 5 Fmk. (Auch als disser- 
tation -"9 1900 erschienen.) 

Vorliegende arbeit ist ein erster versuch die lieder des Kale- 
vala-cyclus monographisch, bis auf jede einzelne zeile analysierend, 
zu Ijehandeln. Sie hat zum gegenständ das thema von der grossen 
eiche, welches uns in der zweiten rune der Kalevala entgegentritt. 
Die aufgäbe ist eine sehr dankbare, da sich dieses thema direkt 
oder indirekt aufs ganze finnisch-estnische gesanggebiet bezieht. 

Ursprünglich ist der gesang von der grossen eiche ein von 
jungen, heiratslustigen mädchen gesungenes episch-h-risches lied. 
Diesen charakter behält er sowohl auf estnischem als ingerman- 
ländischem und südkarelischem boden. Erst nördlich vom Ladoga- 
see entwickelt sich daraus eine episch-magische rune. 

In der estnischen urform des liedes erzählt die Sängerin, wie 
sie vergeblich versucht die eiche im namen ihrer nächsten verwand- 
ten : vater, mutter, bruder und Schwester, zu pflanzen. Erst in 
ihrem eigenen namen gepflanzt wächst die eiche bis zum himmel, 
die äste durch die wölken. Jetzt bittet sie ihren bruder die eiche 
mit der axt zu fällen. Aus dem holz der gefällten eiche werden 
die verschiedensten gegenstände verfertigt, vor allem aber der sän- 
srerin eine brautschatzkiste. 



Franssila Iso tanimi. 



27 



Die Urform des liedes erscheint an der Westküste des est- 
nischen Sprachgebietes am besten vertreten. Weiter nach osten 
kommen Variationen vor, die durch spätere Veränderungen des the- 
mas entstanden sind. An der nordküste (Harrien, Jenven, Wier- 
land) wird die eiche von der Sängerin nicht im namen, sondern 
gewöhnhch auf dem hofe oder (in Wierland) auch unterm fen- 
ster der vervvandten, und zuletzt nicht ihr selber, sondern ihrem 
bräutigam zum glück gepflanzt. 

Doch ist diese ursprüngliche form des liedes nur mit 44 Va- 
rianten vertreten, während die gesammtanzahl sich auf circa 230 
beläuft. Noch öfter, 55 mal, ist dem liede eine andere einleitung 
angehängt, in welcher die Sängerin schildert, wie beim fegen des 
meeres oder der Stube aus den spänen eine eiche entsteht oder 
gefunden wird: im letzteren falle ist manchmal von einer eichel 
die rede. In anderen 48 Varianten wächst die grosse eiche aus 
dem abgeworfenen schäume des ausgetrunkenen bieres ; ursprüng- 
lich gehört aber dieser zug zum liede von der entstehung der esche. 
Andere einleitungen sind seltener und zufälliger; zahlreicher aber 
sind die bruchstücke des liedes, in welchen nur das wachsen und 
fällen der eiche, oder ausschliesslich das letztere vorkommt. 

Die Verbreitung des liedes und seiner verschiedenen haupt- 
formen kann folgendermassen geographisch dargestellt werden. 



Gresammtanzahl. 



14 21 



29 



1 1 



49 



Lettische 
Sprachgrenze 



37 



43 



Finnische 
spracho-renze 
Peipus- 
i see 



14 



Urform. 



2 


765 


I 


1 

7 9 7 



Fege-form. 



Bier-foi'in. 



3 


4 


6 


20 




I 


5 


6 


9 










I 






1 
3 5 j 




I 


7 8 II 

i 






9 


4 



28 Franssila Iso tammi. 



Noch ist zu bemerken, dass am ende des liedes öfters, be- 
sonders an der nordküste, aus der eiche zuletzt dem bruder eine 
badestube verfertigt wird, die von allen vorübergehenden bewun- 
dert wird, als wäre sie ein schloss oder eine kirche. Auch in der 
mitte des liedes kommt im nordöstlichsten gebiete viermal ein ein- 
schiebsei vor: der bruder wird zum fällen der eiche aus der Stadt 
geholt, wo er gerade gold- und silberschmuck kauft, angelilich für 
die Schwester, in Wirklichkeit aber für seine frau. Beide zusätze 
sind besondere themata, die auch als selbständige lieder vorkommen. 

Aus Wierland ist das lied der grossen eiche über den Na- 
rowa-fluss nach West-Ingermanland gewandert und tritt daselbst in 
folgender form auf. i) Ich gehe zum trinkgelage der götter; 21 
mir wird bier gebracht, ich werfe den schäum 3 1 unters fenster 
des vaters und vor die hofpforte des bruders; 41 es wächst eine 
grosse eiche empor, 5) welche mit ihren ästen und blättern sonne 
und mond verdunkelt; 6) ich suche meinen bruder überall, finde 
ihn in der Stadt in der wohnung schlechter weiber gold- und silber- 
schmuck kaufend und, 7) hole ihn nach hause, damit er die eiche 
fälle; 8) aus der eiche werden verschiedene gegenstände verfertigt, 
9) aus den Überresten endlich eine l^adestube, die von 'allen be- 
wundert wird. 

Das westingermanländische lied ist also eine Verbindung von 
drei estnischen liedern: a) die grosse eiche, b) der bruder in der 
Stadt und c) des bruders badestube, welche sich zu zweien (a -f- '^ 
und a -|- cj schon auf estnischem boden vereinigt haben. Vom 
erstgenannten ist hier die »bier»-form (2) mit der urform 13) ge- 
mischt und mit einer scheinbar mythischen einleitung ( i ) versehen 
worden, welche der einzige zusatz tinnischen Ursprungs ist. Sie 
stammt nach meiner ansieht aus einem legendenhaften Hede vom 
gelage des königssohnes, der alle l:»linden und lahmen zu sich ein- 
lädt. Dagegen kommt das verdunkeln der sonne und des mondes, 
obwoTil sehr selten, schon im estnischen vor. 

Dass die estnischen lieder originale des ingermanländischen 
sind, sieht man am deutlichsten am liede von der l)adestube. 
Unzweifelhaften estnischen Ortsnamen: Lihula linna (Leali, Keila 
kiriku (Kegel) und Rakavere (Wesenberg) entsprechen im finni- 
schen liede, wie schon Julius Krohx nachgewiesen hat, die 
völlig apokryphischen Ihalmon linna, Kirjamon kirikkö und 
Rakkavuori. Ebenso zeigt uns der Verfasser, wie aus den est- 



Franssila Iso tamnii. 29 



nischen appellativen venda 'l)ruder' und virved 'sprösslinge, be- 
nennuno: jung^er mädchen' als nomina propria Vento und Virpo 
tntstchen, von welchen ersterer nebst (!) den brüdern der Sängerin, 
zusammen mit Unto sich der badestube bedient. 

Zu diesen beweisen für die Originalität des estnischen liedes 
könnten noch einige sprachliche und metrische hinzugefügt werden. 
Der estnischen zeile: ei olnd tamme raiujaida 'es fand sich kein 
abhauer der eiche', entspricht wörtlich eine Variante aus dem west- 
lichsten Ingermanland, in welcher das wort raiuma unübersetzt 
entlehnt ist: ei olt tammen raijvijaa; sonst aber wird in West- 
Ingermanland gesungen: ei olt tammen tagrojaa. Ebenso hat 
sich in Mittel-Ingermanland das wort tagroja ein mal erhalten ; 
gewöhnlich lautet hier die zeile: ei olt tam^men taittajata. — 
Die estnischen zeilen : tüvist tegi tünderida 'aus dem stammende 
machte er tonnen' und latvast lapse kätkisida 'aus dem gipfel 
kinderwiegen' sind im westlicheren teile von West-Ingermanland 
( Xarwusi ) förmlich entsprechend ins finnische übertragen worden : 
tyvestä teki tynnyriä, latvasta lapsen kätkysiä. Da aber im 
finnischen das metrum mit einer silbe überlastet wird, so ist schon 
im ("istlicheren teile von West-Ingermanland (Soikkola) diesem abge- 
liolfen worden durch eine syntaktische Veränderung: tyven veisti 
tynnyi'iksi, latvat lapsen kätkysiksi. 

In Mittel-Ingermanland, zwischen Oranienbaum und Peters- 
liurg, hat sich unser lied in demselben umfange und fast denselben 
umrissen erhalten. Nur die einleitung ist eine andere: i) vier 
Jungfrauen wandern auf dem wege und 2) finden eine eichel, welche 
sie nach genauer beratung 3) unterm fenster des vaters einpflanzen. 
Hier scheint eine Vereinigung der estnischen »fege »-form und der 
Urform vorzuliegen; dieselbe muss also auch in West-Ingerman- 
land in älterer zeit vorhanden gewesen sein, obwohl sie später 
durch die »bier;-form ersetzt wurde. Die vierzahl der mädchen 
stammt aus anderen liedern, in einer Variante erscheint noch die 
ursprüngliche einzahl (ich = Sängerin). Ein scheinbar mytholo- 
gischer Zusatz tritt in der Schilderung der badestube zu tage, in- 
dem in dieser nicht nur UntO und VentO baden, sondern noch 
Gott mit seiner familie. Dieser zug stammt nach meiner mei- 
nung aus hochzeits- und festliedern (z. b. Europasus III. 3. n. 199, 
Porkka III. n. 435), in welchen man bittet die pforte zu öffnen 



30 



Fraiissila Iso tauimi. 



damit Gott mit seiner familie (d. h. der hochzeits- oder festzug;) 
hereinkommen könne. 

In Nord-Ingermanland, Süd-Karelien und Süd-Savolax tritt 
dieses lied in stark verkürzter form auf. Vom pflanzen und wachsen 
der eiche, vom suchen des bruders und von der badestube ist 
keine spur mehr vorhanden. Als einleitung dient ein anderes hed 
westfinnischen Ursprungs, wo eine eiche auf den hof gesungen wird, 
oder noch öfter fängt das lied ohne jede einleitung an mit der er- 
wähnung des bruders, der so tüchtig ist, dass er die eiche mit der 
axt, nachdem er diese noch geschliften hat (dieser letztere zug 
gehört einem anderen Hede zu), fällen kann. Die gerate, welche 
aus der eiche verfertigt werden, sind nicht mehr abwechselnd und 
mannigfaltig, sondern stereot\'p die folgenden: schiffe oder schifts- 
masten, kellen, tonnen, becher und kannen ; im anschluss hieran 
werden die verschiedenen trinkgefässe aufgezählt, die von leuten 
verschiedenen geschlechts und alters gebraucht werden. 

Dass aber die mittelingermanländische form in früherer zeit 
vollständiger auf der sog. »karelischen landzunge > zwischen dem 
Finnischen meerbusen und dem Ladogasee aufgetreten sein muss, 
beweist die ostkarelische form des liedes nördlich und östlich von 
der Stadt Sortavala. i) Die vier Jungfrauen erscheinen hier wie- 
der, 2) sie sammeln aber heu, welches von einem alten manne, 
zuweilen aus Lappland, oder auch vom winde aus Olonetz in brand 
gesteckt wird; aus der asche wird seife gemacht, mit welcher der 
köpf des Sonnensohnes gewaschen wird. Diese einleitung kommt 
weiter nach Süden als selbständiges lied vor; dass der personifizier- 
ten sonne der köpf gewaschen wird, erklärt sich aus einem sprach- 
lichen missverständnis. In Ingermanland singt man: Alkoi päivöin 
päätä pestä d. h. fing an am tage den köpf zu waschen; da 
aber päivöin nicht nur als instruktiv, sondern auch als genitiv 
aufgefasst werden kann, so konnte dieses auch gedeutet werden: 
fing an des tages köpf zu waschen. — 31 \'on jener asche bleibt 
noch ein rest, welcher weggeworfen wird, und erst aus dieser 
wächst die grosse eiche, welche sonne nebst mond verdunkelt und 
die wölken in ihrem laufe hinder. 4) Vergeblich wird nachge- 
forscht, wer diese eiche zu fällen im stände sei, 5) bis aus dem 
meere ein mann in metallener rüstung emporsteigt, welcher die 
eiche niederhaut. 6) Aus dieser werden aber keine gerate direkt 
verfertigt; es ist ferner nur die rede von den spänen der eiche. 



Fraiissila Iso taninii. 



31 



welche schliesslich dem bösen zauberer als material zu seinen pfei- 
len dienen. Diese ostkarelische form hat sich als zauberlied gegen 
stich auch nach Nord-Karelien, östlich von der Stadt Joensuu, und 
endlich nach Russisch-Karelien verbreitet, im einzelnen sich immer 
reicher entwickelnd. 

Dass die Verbindung des gesanges von der grossen eiche mit 
dem Zauberspruch gegen stich eine spätere ist, kann leicht be- 
wiesen werden. Letzterer kommt auch als selbständiges zauberlied, 
ohne erwähnung der eiche, besonders auf finnischer seite häufig 
vor. Auch ersterer gesang von der eiche hat einige mal in fin- 
nisch Ost-Karelien und ein paar dutzend mal in Russisch-Karelien 
seinen ursprünglichen episch-lyrischen charakter bewahrt. i) Die 
4 Jungfrauen finden ein liebesblatt, einen span der eiche und pflan- 
zen denselben in »wachsende erde». 2) Die eiche wächst bis zum 
himmel und hindert die wölken in ihrem laufe. Die fortsetzung 
geht über in ein anderes lied: eine wölke kommt doch durch, in 
dieser befinden sich grosse tropfen, in den tropfen seen, in den 
Seen böte, in den böten unverheiratete männer, welche einen strick 
verfertigen um einen meerbusen festzubinden u. s. w. Es ist 
aber augenscheinlich, dass die erste hälfte des liedes dem mittel- 
ingermanländischen Hede noch näher steht (eichel ^ blatt, spanj 
als die allgemeinere mit dem zauberliede verbundene form. 

Die erwähnte allgemeine nördliche form des liedes von der 
grossen eiche hat Lönnrot in seiner redaktion der Kalevala haupt- 
sächlich benutzt. Schon in ihrer volkstümlicher fassung scheint sie 
eine gewisse mythische färbung zu haben. Die eiche erhält epi- 
theta wie puu Jumalan 'Gottes bäum' und rutimoraita, welches 
letztere gewöhnlich 'höUenbaum' gedeutet wird (rutimo = läpp. 
rota-aibmoi. Das heu der jungtrauen wird von einem merkwür- 
digen meerbewohner Tursas verbrannt. Der ebenfalls aus dem 
meer emporsteigende niederhauer des baumes hat nicht nur eine 
wunderbare rüstung, sondern erscheint entweder sagenhaft klein 
oder fabelhaft gross ; LÖXXROT hat nur diese beiden Variationen des 
Volksliedes zu einem bilde vereinigt. Auch der alte Wäinämöinen, 
welchen Lönnrot hier überall eingeführt hat, kommt im volksliede 
zuweilen als Sucher des niederhauers vor. 

Auf grund dieser züge hat man versucht den gesang von der 
grossen eiche von einem naturmythus herzuleiten. Die eiche wäre 



^2 Franssila Iso tanimi. 



ursprüns^lich ein wetterbaum, eine wölke, welche die sonne ver- 
dunkelt und vom blitze zerspalten wird. 

Bei näherer betrachtung jener züge verschwindet jedoch jede 
spur von mythischer färbung. Das epitheton der eiche puu Ju- 
raalan stammt aus einem christlichen zauberliede gegen schaden, 
den ein bäum oder holz verursacht hat : puu Jumalan luoma, 
vesa Jeesuksen vetämä 'von Gott geschaffner bäum, vom Hei- 
land gezogener sprössling'. Die benennung rutimoraita hat als 
pendant puu murska 'spröder bäum' und bedeutt-t einfach zer- 
brechliche palm weide. Die eiche ist im nördlichen gesang- 
gebiete ein unbekannter bäum und wird daher auch mit der tanne, 
richte und sogar der birke parallel gestellt. — Die benennung 
Tursas bedeutet wahrscheinlich: wallross, und ist in dieses lied 
hineingekommen durch eine zufällige Verwechselung von Tursas 
Lappalainen <^ Turjan Lappalainen 'der norwegische Lappe'. 
Der aus dem meer emporsteigende mann in metallener rüstung ge- 
hört ursprünglich in eine estnische ballade, in welcher die Sängerin 
freier aus dem meer erhält: mittelalterliche ritter zu pferde in 
kupferner, silberner und goldener rüstung. 

Ebenso wie auf jede hochmythologische erklärung unseres 
liedes, müssen wir verzichten auf die vergleichung mit Yggdrasil 
in der Edda, schon aus dem gründe, weil dieser bäum eine esche 
ist. Das erwähnte estnische lied von der esche ist ein kleines 
lyrisches und enthält den gedanken, dass aus dem trinken der ge- 
sang ensteht. »Ich trinke und werfe die reifen in das gebüsch; es 
ensteht eine grosse esche, auf jedem ästchen ein eichhörnchen 
oder ein sing\-ogel. » — Nur bei den letten und litauern finden 
sich reelle pendants zu dem estnischen Hede von der grossen eiche: 
)ich» oder »mein bruder» fällt die eiche und verfertigt daraus ver- 
schiedene gegenstände u. a. der Schwester eine brautschatzkiste. 
Ob die esten dieses lied von den letten erhalten haben oder 
umgekehrt, lässt sich schwerlich bestimmen, bevor die lettischen 
lieder in einer grösseren anzahl geographisch geordneter Varianten 
vorhanden sind. Jedenfalls steht fest, dass unser lied ein einfaches 
mädchenlied ist, ohne irgend welche m^-thologische bedeutung. Die 
grosse eiche ist z=: eine grosse eiche, die schon an und für sich 
als hoher, gen himmel strebender, schattiger bäum anlass zu poe- 
tischen gedanken geben kann. 

Die frage nach dem Verhältnis des estnisch-finnischen liedes 



Franssila Iso tanimi. 



33 



zu ähnlichen liedern anderer Völker lie^^t schon ausserhalb der 
g^renzen, in denen sich der Verfasser bewegt, er hat diese auch 
garnicht behandelt. Statt dessen erklärt er das Verhältnis des 
liedes von der grossen eiche zu einem anderen estnischen liede 
von der weinenden eiche. Die Sängerin trifft im walde eine eiche, 
welche sich beklagt, dass alle anderen bäume abgehauen werden, 
sie aber allein dem wind und regen preisgegeben sei. Die Sänge- 
rin tröstet sie mit der erklärung, dass sie zu hause fünf brüder 
habe, die sie schon fällen werden, und beschreibt dann, was alles 
aus ihr verfertigt werden könne. Die gegenstände, die sie aufzählt, 
sind dieselben, die in der that aus der grossen eiche verfertigt 
werden. Der Verfasser meint, dass die fingierten gegenstände eine 
ursprünglichere form, als die wirklichen, aufweisen ; doch muss ich 
der entgegengesetzten ansieht sein, weil dieser schluss im liede 
von der grossen eiche wesentlich, in dem von der weinenden aber 
entbehrlich ist. Richtig erklärt der Verfasser den gedanken des 
letzteren: es giebt ein bild von der klage eines mädchens, welches 
unverheiratet geblieben ist. Dieses lied ist wohl auch in 
der nähe der lettischen Sprachgrenze entstanden, wie aus folgendem 
Schema ersichtlich ist. 



4 


o 


3 


I 




o 


37 12 


5 






Lettische 








sprach- 


3 


8 




srreE 


ze. 







In Wierland ist es nur ein mal aufgezeichnet worden, über die 
finnische Sprachgrenze ist es nie gewandert. Im Südosten hat sich 
an dasselbe ein anderes lied vom verkauf des honigs angehängt, 
und infolge dessen klagt die eiche darüber, dass sie nicht zum 
bienenstock »gereinigt» worden sei. Die erklärung des Verfassers, 
wie man aus der eiche einen bienenstock macht (s. 97), ist ethno- 
graphisch unrichtig; es ist auch hier vom fällen und abhauen 
die rede. 

Ich habe hiermit versucht die hauptergebnisse, welche sich aus 
der vorliegenden arbeit ziehen lassen, zusammenzustellen. Sie enthält 
noch mehrere excursionen über verschiedene lieder, welche auf das 
von der grossen eiche einfluss gehabt haben, und zuletzt einen 

6 



34 



Franssila Iso tammi. 



anhang über die Zaubersprüche gegen den stich. Diese alle zu 
referieren würde zu weit führen. Ungeachtet mehrerer guter beo- 
bachtungen, sind sie meistens ohne genügende Verarbeitung des 
materials behandelt. Eine durchgeführte analysierung eines jeden 
liedes, das nur irgendwie bezug auf die grosse eiche hat, kann 
natürlich vom Verfasser auch nicht gefordert w^erden. Doch hätte 
derselbe umstand die Verpflichtung auferlegt, manche behauptungen 
viel vorsichtiger aufzustellen. 

Im einzelnen kann das werk nur mit kritik benutzt wer- 
den. Es kommen nicht nur unabsichtliche sprachliche Verwech- 
selungen vor, wie z. B. s. 44, 109, 285: pölle 'schürze' — 
pöllu 'feld', lauda 'tisch' — lauta 'stall', Hnti "koptband' — 
linnnnknva 'bild eines vogels auf dem helme'. Mit der absieht 
die Zusammengehörigkeit zweier oft weit entfernter zeilen zu be- 
weisen, macht der Verfasser vergleiche folgender art. S. 331 Sa- 
rentola (aus sara ^ 'segge', 'carex', in Ost-Karelien) <^ Saaremaa 
'Ösel' (im estnischen). S. 426 lemmen lehti 'liebesblatt' (in Rus- 
sisch-Karelien) <^ leeme, leegi 'feuchtigkeit, feuer' (im estnischen 
Hede von der klagenden eiche: leeme ist vielleicht ein Schreib- 
fehler, eine andere Variante hat lume = schnee). S. 382 cuuta 
'wunder' (russisches lehnwort, in Russisch-Karelien) <^ tuutsa "wind- 
stoss' (in ingermanländischen Schöpfungsliedern). Ganz abgesehen von 
der Unmöglichkeit dieser ableitungen in sprachlicher hinsieht, können 
vom folkloristischen Standpunkt aus überhaupt Zusammenstellungen 
von Zeilen, die auf der ähnlichkeit eines einzigen Wortes beruhen, 
nicht ohne weiteres gutgeheissen werden; z. b. die Zusammen- 
stellung s. 153: nosti saunan selkähää 'er hob die badestube 
auf seinen rücken' und nosti soan sormistaa 'er hob den krieg 
von seinen fingern' gründet sich auf das blosse gemeinsame verbum 
nosti. Überhaupt muss an der forderung festgehalten werden, dass 
wenigstens zwei züge zusammenfallen müssen, um einen vergleich 
einigermassen sicher zu stellen. Auch eine ganze zeile hat wenig 
beweiskraft, wenn sie so allgemeinen inhalts ist, wie s. 374: oli 
aikoa vähänen, welche sich in einer ingermanländischen und auch 
nur einer russisch-karelischen Variante findet. 

Allgemeine Schlussfolgerungen auf grund ungenügender prä- 
missen zu ziehen kann in einer jungen Wissenschaft nicht immer 
vermieden werden. Wenn aber estnischer einfluss in Russisch- 
Karelien angenommen werden soll — natürlich unter der Voraussetzung, 



Franssila Iso tammi. 35 



dass die vermittelnden formen unterwegs vergessen worden sind — 
so dürften sprachliche wortvergleichungen, wie die erAvähnten, nicht 
in frage kommen. 

Dergleichen etymologien wie Sampsa (richtiger Sämpsä) <; 
Santti Pietari (s. 172), Ahti = fi. ahti 'passionspredigt' [<< lat.- 
schwed. akt] is. 174) und hüsi <^ fatum (s. 456) stehen schon 
ausserhalb der grenzen einer ernsten wissenschaftlichen abhandlung. 

Immerhin ist dies erstlingswerk ein Zeugnis für das interesse 
und den tieiss des Verfassers. Künftige forscher finden nicht nur 
das lied von der grossen eiche übersichtlich geordnet, sondern auch 
die beziehungen des hedes zu anderen liedern dargestellt, deren 
eingehende erforschung dadurch erleichtert wird. 

Helsingfors. Kaarle Krohn- 



E. N. Setälä, I. N. Smimow's Untersuchungen über die 
ostfinnen. Ein gutachten, an die Kaiserl. Akademie der Wissen- 
schaften zu Petersburg abgegeben von — — . (Journal de la 
Societe Finno-Ougrienne XVII, 4.) Helsingfors 1900. 52 s. 8:0. 

Anlässlich dessen, dass prof. Smirnov seine historisch-ethno- 
graphischen Untersuchungen über die > ostfinnen» (tscheremissen, 
mordwinen, wotjaken und :>permjaken> d. h. syrjänen im gouver- 
nement Perm) zum Wettbewerb um die sog. Uvarov'sche prämie 
angemeldet hatte, bat die Akademie der Wissenschaften zu St. Peters- 
burg prof. Setälä um ein gutachten über die sprachliche seite 
dieser werke, welches dieser schon im Vorfrühling 1896 an die 
Akademie einsandte; erst zwei jähre später wurde es in den Pu- 
blikationen der Akademie gedruckt und später auch, mit einigen 
kleineren Zusätzen, in der Zeitschrift der Finnisch-ugrischen Gesell- 
schaft veröffentlicht. Die kritik richtet sich zunächst auf die methode, 
die Smirnov bei der benutzung sprachlicher quellen befolgt hat, 
wornach der Verfasser besondere, für die geschichte der finnisch-ug- 
rischen Völker wichtige fragen untersucht, die Smirnov in seinen 
werken zu lösen versucht hatte. In dem ersten, die methode 
betreffenden teile spricht der Verfasser u. a. von der bedeutung von 
auf dem boden der > sprachlichen paläontologie» gezogenen positi- 



36 Setälä Smirnow's Untersuchungen. 

ven und negativen Schlüssen, wobei er mit vollem grund die 
Wichtigkeit der ersteren betont. Im letzteren teile gelangen zur 
besprechung die älteste kultur der finnisch-ugrischen Völker, ihre 
ursprünglichen familienverhältnisse, ihre berührungen mit fremden 
Völkern, ihre älteren Wohnsitze sowie ihr geistesleben, soweit man 
überhaupt auf grund sprachlicher beweismomente Schlüsse darüber 
ziehen kann. Der Verfasser hat sich hierl^ei nicht auf die kritik der 
SMiRNOV'schen Untersuchungen und Schlussfolgerungen beschränkt, 
sondern er hat auch viel positives vorgebracht, zum teil auf den 
forschungen anderer, zum grossen teil auf eigenen früheren Unter- 
suchungen fussend. Hierdurch gestaltet sich Setälä's gutachten 
zu einem büchlein, welches trotz seiner begrenzten äusseren form 
einen reichen Inhalt bietet und eine wichtige hilfsquelle für jeden 
forscher der prähistorie der finnisch-ugrischen Völker darstellt. Ich 
möchte dieses mit einigen beispielen beleuchten. Das bild, welches 
Smirnov auf grund der »kulturwörter» von der ur-finnischugrischen 
und ur-finnischmordwinischen kultur geschaffen, ist in vieler be- 
ziehung mangelhaft und im allgemeinen schief. Darnach stand 
u. a. das ur-finnischmordwinische volk noch auf derselben kultur- 
stufe, wie, nach seiner meinung, das ur-finnischugrische, d. h. es 
war ein jägervolk, das von haustieren bloss den hund kannte. 
Ganz anders ist das bild, welches wir allein auf grund der kultur- 
wörter erhalten, die Setälä — und zwar berücksichtigt er nur die 
wichtigsten der bis dahin konstatierten — anführt. So treffen wir 
in allen, oder wenigstens in weiter entfernung von einander ge- 
sprochenen finnisch-ugrischen sprachen auf gemeinsame Wörter für 
'hund', 'schaf, 'remitier', 'bogen', 'pfeil', 'Schneeschuh', 'kupfer', 
'hemd', 'kienspanhalter', 'bohrer (pfriem)', 'topf, 'suppe (brühe)', 
'haus' ; den ostseefinnischen sprachen und dem mordwinischen ge- 
meinsam sind die Wörter für 'kuh', 'pferd' (welches möglicherweise 
schon früher bekannt war), 'kalb', 'schwein', 'buttern', 'weizen' (auch 
im tscheremissischen), 'getreide, körn' (auch tscherem.; ein anderes 
wort für denselben begriff ist der finnischen und permischen gruppe 
gemeinsam), 'stroh', 'schwingen, worfeln' (auch in den perm. spr.), 
'mehl mahlen' (auch tscherem.), 'larot', 'wickeln', 'knäuel', 'aufzug, 
Zettel', 'hammer', 'messer', 'mörser' (auch tscherem.), 'mörserkeule', 
'kästen, schale', 'schwelle (thür)', 'schnalle (haisschmuck)' (auch 
tscherem.), 'boot', 'rüder', 'verkaufen', 'bezahlen', 'preis' ; eine 
kulturstufe, die älter war als die rinnisch-mordwinische, bezeichnen 



Setälä Smirnow's Untersuchungen. -jy 

noch die den ostseefinnischen und permischen sprachen gemein- 
samen Wörter mit den bedeutungen 'riege', 'dreschflegel', 'grütze 
(suppe)', 'melken', 'weben', 'spindel', 'nadel', 'bettvorhang', 'schloss' ; 
seit sehr alter zeit ist dem mordw. und läpp, auch das 'gebiss am 
zäum' bedeutende wort gemeinsam. Sehr wahrscheinlich ist daher 
der von SetäLÄ auf grund dieser sprachlichen thatsachen gezogene 
schluss, dass eine art halb nomadenhaften ackerbaus wenigstens zur 
zeit des Zusammenlebens der finnisch-mordwinischen gruppe getrieben 
wurde, vielleicht auch, soviel sich aus den gemeinsamen Wörtern der ost- 
seefinnischen und permischen sprachen schliessen lässt, schon früher. 

Indem der Verfasser auf die besprechung der primitiven 
familienverhältnisse übergeht und die von Smirnov auf sprach- 
lichem boden gezogenen Schlüsse kritisiert, giebt er meiner mei- 
nung nach sehr wohl begründete bemerkungen über die art und 
bedeutung der benennungen von familienmitgliedern bei mehreren 
finnisch-ugrischen Völkern (mordwinen, tscheremissen, wotjaken und 
auch Ungarn) und kommt zu der ansieht, dass sich mehrere von 
denselben, z. b. wotj. (ICJCli., (ipcii, Icencik, ihrer bedeutung nach 
von blossen anredewörtern zu konventionellen höflichkeitsformeln 
verallgemeinert haben, und dass dieses System der anredewörter tür- 
kisch-tatarischen Ursprungs sei. 

Der Verfasser schreitet nun zur besprechung der kulturellen 
berührungen zwischen den finnisch-ugrischen und anderen Völkern 
und stellt in lichtvoller weise die grosse bedeutung der berührun- 
gen mit den indoeuropäem, indoiraniern und altiraniem für die 
bestimmung der älteren Wohnsitze der finnisch-ugrischen stamme 
und die erforschung ihrer ältesten kultur dar. So deuten diese z. 
b. darauf hin, dass die finnisch-ugrischen Völker, besonders die 
heute im nordosten wohnenden, seinerzeit mehr südlich gewohnt 
haben ; dazu weisen gewisse bei den östlichen finnisch-ugrischen 
Völkern anzutreft'ende, auf eine altiranische spräche deutende lehn- 
wörter (für metalle, begrift'e aus der Viehzucht, dem ackerbau, dem 
gesellschaftlichen und staatlichen leben und der religionj auf eine 
viel ältere kultur hin, als sie z. b. Smirnov annimmt. 

Bei dem versuch mit hilfe von Ortsnamen die älteren Wohn- 
sitze der zu erforschenden Völker zu bestimmen, trägt Smirnov auch 
seine gedanken über die nationalität der )tschuden:> vor, und zwar 
hält er dieses volk für Klie vorfahren der heutigen bewohner des 
nordwestens des gouvemements Perm — d. h. im westen für perm- 



ß8 Setälä Smirnow's Untersuchungen. 

jaken, im osten für ugrier». Setälä, nach dessen meinung man die 
Wörter russ. MVJI.b, asl. UJTOyA'Ä {'yi^ac') nicht wohl von den 
Wörtern russ. qyjKOU, dial. qy^tun, asl. lilTOyjK^fi ('u)J.6rQioc\ 
'alienus') trennen kann, meint, dass man mit »IVAb eigentlich nur 
'fremde Völker', »ungefähr das, was man jetzt unter dem wortc 
lIHOpOAUM versteht», bezeichnen wollte, wobei er zum beweis u. 
a. bemerkt, dass die russen nicht nur die permier und ugrier, son- 
dern, wie bekannt, auch die esten, woten und wepsen tschuden 
genannt haben; der Verfasser hält auch »für sehr wahrscheinlich, dass 
auch ein teil der iranischen stamme 'tschuden' genannt wurden >. 
In der hauptsache stellt er sich in der frage also auf denselben Stand- 
punkt wie seinerzeit Schlözer, F. H. Müller und M. A. Castrex i. 
Zur Stützung seiner kritik und beweisführung bringt der Ver- 
fasser u. a. eine menge rein sprachliches, etymologisches beweis- 
material herbei, besonders, wo er die frage nach der älteren kul- 
tur der finnisch-ugrischen Völker Ijehandelt. Seitdem Ahlovist 
1875 seine bekannte Untersuchung über »Die kulturwörter der 
westfinnischen sprachen» veröft'enthcht hat, ist die finnisch-ugrische 
forschung mit grossen schritten vorwärtsgegangen und nicht zum 
wenigsten gerade durch die forschungen des Verfassers des büch- 
leins, welches wir hier besprechen. Natürlich ist daher, dass jetzt 
auch in kulturhistorischer beziehung beweiskräftiges material viel 
reichlicher und zuverlässiger vorliegt, als vor 25 jähren. Setälä 
hat der forschung einen wertvollen dienst damit geleistet, dass er 
das wichtigste von diesem material in seinem büchlein sammelte 
und uns in grossen zügen ein bild von der ehemaligen kultur der 
finnisch-ugrischen Völker zeichnete, wie es die forschung nach 
ihrem heutigen stand überhaupt zu bieten vermag. Den wert der 
darstellung erhöhen noch einige ganz neue Wortzusammenstellungen, 
die weder andere forscher noch der Verfasser selber (vor 1896) auf- 
gestellt hatten. Es dürften die folgenden sein: fi. sopa 'hemd'. 
wog. sup id; [?] 2 h. paras 'der beste' — skr. para-s 'eximius, 
preecipuus' ; wog. vani 'wald' — skr. vana; fi. lypsää 'melken' 
syrj. listhli 'auspressen, melken': fi. rokka 'erbsensuppe', sj'rj. 
rolc. wotj. (IzuTc 'brei' ; est. taba 'schloss, hängeschloss', S5-rj. 
toman, wotj. turjcjon id.; p]'-^ weps. K-ercmdez 'zuber', syrj. harandis 

1 Siehe M. A. Castrex's Reisen und Forsch. V (Kleinere 
Schriften) 86 — 89. 

2 Fragezeichen von Set.\lä. 



Setälä Sminiow's Untersuchungen. 



39 



'zuber, kübel' ^; p]^ fi. loimi 'aufzug, zettel', mord. l'hhä id. ■'; mord. 
ure 'verheiratete frau' zu mord. ura 'diener, sklave', li. orja 
'sklave' ; über fi. arpa s. näheres FUF I in meinem artikel über 
wotj. urves, urhet'S s. 99 — 104. Besondere beachtung; verdient des Ver- 
fassers hinweis auf einige von indoeuropäischer seite gekommene 
lehnwörter (vgl. z. b. fi. orpo 'waise', onki 'angelhaken', porsas 



1 Wegen des konsonantismus (-nd-) ist das syrjänische wort 
nach meiner meinung entweder lehnwort oder kompositum : liciran 
+ dis'i, vgl. syrj. Wied. f.hin-d/s, wotj. ttindis, fSindis, 
t'sind/s 'tingerhut' (syrj. t'Snn, fhlu, wotj. tMui, Uini 'finger'); 
syrj. auch WiED. fSun-doz: syrj. doz, dbz, duz 'gefäss, schale, 
korb', wotj. duz 'kleine kufe, hölzernes wassergeschirr'. Es 
ist nicht unmöglich, dass syrj. -wotj. -dis in beziehung zu dem 
Worte dos, dllZ steht. Auf alle fälle bleibt syrj. *karan unklar. 
Oder wäre Saw. Tcarandis vielleicht *karnan-äis zu lesen: syrj. 
karncui 'Schwengel, handhabe, griff', wotj. Tcarnan 'schulterjoch 
zum wassertragen', sodass *lcarnan-duz =^ »mit handhabe ver- 
sehenes wassergefäss» bezeichnete? Merkwürdig ist jedoch die 
Übereinstimmung des syrjänischen wortes mit dem wepsischen so- 
wohl hinsichtlich der form wie der bedeutung. Hätte man viel- 
leicht doch das s)TJänische wort für eine entlehnung aus dem 
wepsischen anzusehen? (im russischen und den türk. -tatarischen 
sprachen habe ich kein wort gefunden, das man für das original 
nehmen könnte). Unmöglich ist es ja nicht, dass die westlichsten 
syrjänen (JcavCLndiS ist aus dem Udor-dialekt) zu den östlichsten 
ostseetinnen in Verkehrsbeziehungen gestanden haben (vgl. syrjUd. 
Sa\^'. lusJca, Wied. I'usTca 'löffel' — fi. lusikka, kar. hiziklca, weps. 
JiUZlk [syrj. lösTca 'löffel' ist dagegen aus dem russ. .lOUIKa entlehnt] ; 
syrj. Wied. Ical'jci 'dünnbier, zweiter aufguss auf die maische', kci/'ja- 
irös 'schwacher kofent' ■ — finn.kalja 'speisebier, dünnbier', est. kalja, 
kali 'kofent, dünnbier, drittes bier aus den nachbleibseln von der 
zweiten aufläge von bier' ; schwer ist es, das syrjänische wort nicht 
für ein lehen von finnischer seite anzusehen. Das russ. KaJbü 
'eine suppe aus salzlake mit gurken, beten und fleisch' kann mit 
rücksicht auf die abweichende bedeutung kaum das original des 
syrjänischen Wortes sein. Das russische wort ist übrigens, wie 
mir MiKKOLA mitteilt, ein verhältnismässig junges türkisches lehn- 
wort: vgl. osm. kalja 'eine speise aus mit butter gekochtem ge- 
müse z. b. aus kürbis, kohl u. s. w'.). Auf alle fälle scheinen 
die von Setälä (mit einem fragezeichen) zusammengestellten Wör- 
ter in irgendeinem Zusammenhang zu stehen. 

2 Das Fragezeichen von Setälä. 

3 Auch bei Paasonex, Kielellisiä lisiä suomalaisten sivist3-s- 
liistoriaan (^> Sprachliche beitrage zur kulturgeschichte der finnen»). 



40 



E. N. Setäiä. 



'ferkel', ora 'bohrer, pfriem', mehiläinen 'biene'), in welchen 
der vokalismus auf eine Originalsprache hindeutet, die die indo- 
europ. vokale o und e bewahrt hat ; nach der ansieht des Verfas- 
sers weist dies am ehesten auf einen eintiuss von armenischer 
oder thrakisch-phrygischer seite. 

Ich habe den leser mit diesen zeilen besonders auf die 
positive seite des SETÄLÄ'schen gutachtens aufmerksam machen 
wollen, welche neben der klaren und treffenden kritik das büch- 
lein zu einem fesselnden und lehrreichen werkchen gestaltet. 

Helsingfors. YrjÖ Wichmaxn. 



Die finnisch-ugrischen Studien als universitätsfach. 

Die nachrichten über die Vertretung der finnisch-ugrischen Studien 
an den verschiedenen Universitäten verdanken wir der liebens^vürdigkeit 
verschiedener Universitätslehrer, -beamten und mitarbeiter; für Ungarn 
hat prof. J. SziNNYEi die betr. nachrichten herbeigeschaift; für Eussland : 
prof. Staatsrat N. Anderson (Kasan) und stud. Lui Olesk (Dorpat), wo- 
neben ich für Dorpat einen aufsatz von K. A. Hermann in der estni- 
schen Zeitung „Postimees" (1889, nr. 109) benutzt habe; für Österreich: 
prof. hofrat V. Jagic und durch seine Vermittlung k. u. k. sektionsrat 
dr. Karl Schrauf (Wien), jirof. Alfr. Ludwig land durch seine Vermitt- 
lung kanzleidirektor dr. J. Sgherer (die ungeteilte und deutsche Uni- 
versität zu Prag) und prof. Jos. Züb.\ty (die ungeteilte und böhmische 
luiiversität zu Prag); für Norwegen: seminarvorstand J. Qvigstad und do- 
zent KONR. Nielsen; für Schweden: dozent K. B. AViklund; für Devitsch- 
land: prof. A. Leskien, prof. G. Weigand und dr. Gust. Schmidt; für 
Dänemark: prof. Vilh. Thomsen; für Italien: Senator D. Comparetti. 
Allen diesen herren spreche ich meinen herzlichen dank aus. Die lektions- 
verzeichnisse der Universitäten zu Berlin und Basel habe ich in unserer 
Universitätsbibliothek durchgesehen. 

Die notizen sind etwas ungleichmässig, was die genauigkeit anbe- 
langt, weil die primärnachrichten in dieser hinsieht ungleich gewesen 
sind; jedoch hat man das einmal gesammelte material veröffentlichen 
wollen. ■ — Besonders wäre es erwünscht, dass die geschichte des betr. 
nniversitätsunterrichts in Un"-arn etwas genauer dargestellt würde. 



Obgleich die finnisch-ugrischen Studien an verhältnismässig 
wenigen Universitäten getrieben werden, sind sie auch als universitäts- 



Die iinn.-ue;r. Studien als universitätsfach. 



41 



fach doch nicht ohne bedeutung. Während an einigen Universitäten nur 
praktischer Unterricht in einigen bestimmten finnisch-ugrischen spra- 
chen erteilt wird, giebt es auch solche, wo finnisch-ugrische sprach- 
und Volkskunde wissenschaftlich und nach vollkommen modemer 
methode getrieben wird; an einigen Universitäten haben bedeutende 
Sprachforscher, die dem fache nach nicht die speciell finnisch-ugrischen 
Studien vertreten, auch über diese gegenstände vorgetragen, und die 
fruchte solcher Vorlesungen sind oft — abgesehen von dem interesse, 
welches sie haben erwecken können — auch in der litteratur der 
Wissenschaft zu gute gekommen. Deshalb haben wir die absieht in 
dieser Zeitschrift regelmässig auch dem Universitätsunterricht in den 
finnisch-ugrischen Studien zu folgen und besonders jährlich ein Ver- 
zeichnis aller diesbezüglichen Universitätsvorlesungen mitzuteilen. 
Bevor wir aber zur Veröffentlichung eines solchen Verzeichnisses des 
lehrjahres 1 900/1 schreiten, wollen wir eine Übersicht der art und 
weise geben, wie die finnisch-ugrischen Studien von früheren zeiten 
bis auf den heutigen tag an verschiedenen Universitäten vertreten 
gewesen sind, in der hoftnung, dass eine solche Übersicht für unsere 
leser von interesse sein werde. 

In Finland haben wir eben das 50-jährige Jubiläum der 
errichtung der professur für die finnische spräche gefeiert; jedoch 
ist die finnische spräche und sogar die finnisch-ugrische Wissenschaft 
schon viel früher gegenständ des Universitätsunterrichts gewesen. 
Schon bald nach der gründung (1640) der Universität in Abo (Turku) 
wurde die finnische spräche und besonders ihre vermutete Ver- 
wandtschaft mit dem hebräischen und griechischen in dissertationen 
behandelt. Unter der anregung von Henrik Gabriel Porthan, 
Professor der »beredtsamkeit;> {d. h. der lateinischen spräche), in 
der zweiten hälfte des XVIII. Jahrhunderts, erhielten diese disser- 
tationen, die entweder von Porthan selbst geschrieben waren, oder 
unter seiner unmittelbaren anleitung ausgeführt wurden, einen wis- 
senschaftlichen Charakter; in ihnen wurde z. b. finnische poesie, 
aberglaube der finnen, finnische spräche und finnische kulturge- 
schichte auf sprachlicher grundlage untersucht. Die lehrthätigkeit 
Porthan's auf diesem gebiete und die anregung zu finnischen Stu- 
dien, die von ihm ausging, ist folglich als sehr bedeutend zu 
bezeichnen, obgleich er an der Universität ein ganz anderes 
fach repräsentierte. Der erste specielle Vertreter dieses faches 



42 



E. N. Setälä. 



ist jedoch Carl Gustav Weman, der 1768 (den 9. januar) 
zum dozenten der finnischen litteratur ernannt wurde. 
Er scheint in den jähren 1768 — 71 Vorlesungen über die finnische 
prosa und dichtung gehalten zu haben. Erst 181 1 wurde nach 
ihm wieder ein dozent für die finnische litteratur, Gustav Ren- 
VALL, ernannt; er hat aber nach den lektionsverzeichnissen nur 
181 1/2 (sowie teilweise auch 18 14/5) über finnische spräche gelesen. 
Laut den Universitätsstatuten von 1828 wurde an der finlän- 
dischen Universität, die zur selben zeit nach Helsingfors übersie- 
delte, ein lektorat für die finnische spräche errichtet. 
Der erste lektor war Karl Niklas Keckman (1829 — 38); er hat 
aber nicht nur praktische Vorlesungen gehalten, sondern er kündigte 
auch z. b. für 1833/34 an: »grammaticam linguae fennicae . . . in- 
stituturus simul, qualem poterit, cum linguarum nostrae cogna- 
tarum grammatica comparationem >/ , welcher kursus wohl der 
erste über vergleichende finnische Sprachwissenschaft gewesen ist. 
Sonst hat er z. b. über die von Löxxrot herausgegebene Samm- 
lung Kantele und das Kalevala (gleich nach dem erscheinen 1835) 
gelesen. Die nachfolger Keckmax's als lektoren waren: Carl 
Axel Gottluxd (1839 — 75), ein sehr produktiver Verfasser eigen- 
tümlicher richtung, JULIUS Krohx (1875 — 85, siehe unten), VOL- 
MARI PORKKA (1886 — 89), ein begabter, allzufrüh dahingeschiedener 
forscher, welcher den ingrischen dialekt und die spräche der tsche- 
remissen untersucht hat, und der talentvolle Shakespeare-Übersetzer 
und finnische dichter Paavo Cajander (1890 — ). ■ — Als ausseror- 
dentlicher lektor der finnischen spräche wirkte 1854 — 76 
Carl Gustav Borg, der in seinen Vorlesungen erzeugnisse der 
finnischen litteratur (u. a. besonders die Kanteletar) durchging. — 
Ausser dem philologischen lektorat existiert seit 1865 eine lehrer- 
stelle für den praktischen Sprachunterricht in den juristischen fä- 
chern. Die stelle hiess 1865 — 81 ausserordentliche profes- 
sur, wurde aber nie oixlinariter besetzt, sondern nur provisorisch 
von Wilhelm Lavonius (1866 — 69), Jaakko Forsman (1869 — 78), 
Joel Napoleon Lang (1878 — 80) und Oskar Faven (1880 — 81) 
vertreten, bis die stelle 1881 auch dem namen nach in ein ausser- 
ordentliches lektorat verwandelt wurde. Zum a. o. lektor 
wurde Oskar Faven ernannt (1882, ausgesch. 1901, jetzt ist die 
stelle vakant, Stellvertreter: cand. jur. JUHO K. Paasikivi). 



Die finn.-ugr. Studien als Universitätsfach. 43 

Wir kehren jedoch zu der wissenschaftlichen Vertretung des 
finnischen und der mit ihm verwandten sprachen zurück. 

Im j. 1840 wurde Matthias Alexander Castrex zum dozen- 
ten der finnischen und altnordischen sprachen ernannt; ob- 
gleich er den grössten teil seiner dozentenzeit auf wissenschaftli- 
chen reisen verbrachte, hat er wichtige vorlesungskurse — wohl die 
ersten über diesbezügliche gegenstände von hoher wissenschaftli- 
cher bedeutung — gehalten, z. b. über ethnologie, über finnische 
spräche und über das Kalevala. 

Die ordentliche professur der finnischen spräche wurde 
nach einem dekret vom 22. märz 1S50 errichtet, und zum Inhaber 
derselben wurde Castrex am 14. märz 185 1 ernannt, an welchem 
tage der damalige kanzler der finländischen Universität, der thron- 
folger Alexander, später russischer kaiser und grossfürst von 
Finland Alexander II, ihm eigenhändig die vollmacht übergab. 
Im j. 1S51 2 hat Castren über finnische (d. h. finnisch-ugrische, 
sogar uralaltaische) m^-thologie und über das Kalevala gelesen ; 
den 7. mai 1852 ist er aber schon gestorben. 

Zu seinem nachfolger wurde Elias LÖNNROT, der bekannte 
herausgeber des Kalevala, am 21. Oktober 1853 ernannt; laut 
den Statuten von 1852 hiess er jetzt professor der finnischen 
spräche und litteratur. Während der neun jähre, die er profes- 
sor war, hat er in jedem semester über das Kalevala gelesen ; 
ausserdem behandelten seine vortrage auch »vergleichende gram- 
matik des finnischen, estnischen und lappischen» (1854/5, 1855/6) 
und finnische mythologie auf grund der zum grössten teil noch 
nicht veröffentlichten magischen lieder» ; ausserdem hat er in den 
meisten Semestern über die praktische anwendung der finnischen 
spräche auf verschiedene Wissensgebiete gelesen. 

Nachdem Lönnrot (4. juni 1862) seinen abschied erhalten, 
wurde die professur während der vakanz von August Ahlovist 
(seit 1859 dozent der finnischen sprachen) vertreten, der am 9. juli 
1863 zum ordentlichen Inhaber des amtes ernannt wurde. Als 
neues moment in dem Universitätsunterricht ist durch Ahlqvist die 
regelmässige rücksichtnahme auf die nächsten schwestersprachen 
des finnischen (est., wot., liv., karel., weps.) hinzugekommen. 
Sonst las er über das Kalevala, finnische Sprichwörter, finnische 
metrik (i 860/1 ), vergleichende darstellung der verschiedenen teile 
der finnischen g-rammatik fbisweilen nebst einer allgemeinen einlei- 



44 



E. N. Setälä. 



tung über die natur der spräche und die methode der vergleichen- 
den Sprachwissenschaft), >darstellung der kulturvvörter der finnischen 
spräche als quelle der ältesten kulturgeschichte der finnen > (zum 
ersten mal 1866/7), allgemeine und uralaltaische ethnographie, 
einmal über wogulisch. 

Im j. 1884 wurde Ahlqvist zum rektor der Universität ge- 
wählt und nahm seit dieser zeit am Universitätsunterricht nicht 
mehr teil (ausgesch. 1888, f den 20 november 1889). Die pro- 
fessur wurde dann von Julius Krohx (dozent der finnischen spräche 
und litteratur 1862, lektor der finnischen spräche 1875 — 85, aus- 
serordentlicher Professor der finnischen spräche und 
litteratur den 29. Oktober 1885) vertreten. Er, der als dozent 
zum ersten mal die geschichte der finnischen litteratur (im früh- 
jahrsems. 1866), zum gegenständ seiner Vorlesungen gemacht, hat 
als Vertreter der professur wichtige Vorlesungen besonders auf dem 
gebiete der litteraturgeschichte, folkloristik und ethnographie ge- 
halten (über die geschichte der finnischen litteratur, das Kalevala, 
die Kanteletar, den Kalevipoeg, die finnischen zauberlieder, mytho- 
logie der alten finnen und des finnisch-ugrischen Stammes, die hoch- 
zeitsgebräuche des finnischen Stammes); dazu kommen noch sprach- 
liche Vorlesungen (über die mit dem finnischen nächst\-er\vandten 
.sprachen, über das lappische). Nach seinem tode (ertrunken am 
28. aug. 1888) wurde die professur von dem dozenten K.aarle 
Krohx (siehe unten) bis (incl.) herbstsem. 1891 provisorisch ver- 
treten. Zum ordentlichen inhaber der professur wurde Arvid 
Genetz 1891 ernannt, hat dieselbe aber nur zwei semester (1892) 
innegehabt. In dem letztgenannten jähr erfolgte nämlich (durch 
die Verordnung vom 17. aug.j die Zweiteilung der professur der 
finnischen spräche und litteratur, nach welcher sich Gexetz die 
professur der finnisch-ugrischen Sprachforschung vorbehielt, und 
zum Professor der finnischen spräche und litteratur Emil N. Setälä 
ernannt wurde (1893 — ; dozent der finnisch-ugrischen Sprachwissen- 
schaft 1887; Vorlesungen: geschichte des finnischen, estnischen, 
wotischen, livischen, karelischen, wepsischen, ungarischen; urfinni- 
sche lautgeschichte ; vorfinnische, resp. finnisch-ugrische lautge- 
schichte; vergleichende formen- und bedeutungslehre des finnischen; 
über fremde demente der finnischen sprachen; über die alte kultur 
der finnisch-ugrischen Völker; prinzipien der Sprachgeschichte; 
phonetik; methode der dialektforschung). 



Die finn.-ugr. Studien als Universitätsfach. 45 

Dozenten der finnischen spräche, resp. litteratur 
sind nach der errichtung der professur gewesen : Henrik Konstan- 
tin' CORANDER (dozent der finnischen spräche 1860, hat nach dem 
lektionsverzeichnis 1 860/1 auf grund des epos Kalevipoeg eine 
eingehende vergleichung des estnischen und finnischen angesteUt), 
Julius Krohn (dozent der finnischen spräche und Htteratur 1862, 
siehe oben) und Arvid Genetz (dozent der finnischen spräche und 
Htteratur okt. 1877, aber schon nov. desselben Jahres zum lektor 
am normallyceum zu Tavastehus ernannt; er hatte jedoch schon 
vor seiner ernennung zum dezenten während eines teils des Jahres 
1877 die finnische professur während Ahlovist's abwesenheit ver- 
waltet). 

Die übrigen finnisch-ugrischen sprachen waren in den titeln 
der folgenden dezenten angedeutet: AuGUST Ahlqvist (dozent der 
finnischen sprachen '^^j^ 1859, siehe oben), Oskar A. F. Blom- 
STEDT (dozent der finnischen und ungarischen spräche * jj^ 1869, 
hat als der allererste in Helsingfors ungarisch gelesen, •}- ^^j^ 1871), 
Emil N. Setälä (dozent der finnisch-ugrischen Sprachwissenschaft 
1887, siehe oben). 

Nach der errichtung der professur der finnisch-ugrischen 
Sprachforschung (1892) wurde, wie schon erwähnt, Arvid Ge- 
netz der erste Inhaber der professur; seine Vorlesungen haben 
teils vergleichende finnisch-ugrische Sprachwissenschaft, teils tsche- 
remissisch, ostjakisch und lappisch behandelt. Auch besitzt die 
Helsingforser Universität zwei dozenten desselben faches: Heikki 
Paasonen (ern. 1893, Vorlesungen über mordwinische, ungarische, 
estnische, wepsische Sprachgeschichte) und Yrjö Wichmann (ern. 
1897, Vorlesungen über wotjakische, estnische, wepsische, wotische 
Sprachgeschichte, phonetik). 

Für die ungarische spräche hat die Universität einen aus- 
serordentlichen lektor in Anton F. Almberg, der seit 1881 
beinahe in jedem semester einen kursus in der ungarischen sprä- 
che hält. 

In diesem Zusammenhang möge erwähnt werden, dass Otto 
Donner, a. o. professor des sanskrit und der vergleichenden lin- 
guistik, Vorlesungen über die klassifikation der sprachen (1876 — 79), 
sowie ül)er die typen des Sprachbaus gehalten hat, in welchen auch 
die finniscR-ugrischen sprachen besonders berücksichtigt wurden. 



46 E. N. Setälä. 

Die folklor ist ische forschung als fach erhielt zum ersten 
mal an der Helsingtbrser Universität durch die ernennung Kaarle 
Krohn's zum dozenten (1888) und später (1898) zum ausseror- 
dentlichen Professor der finnischen und vergleichenden volks- 
tli chtungsforschung einen Vertreter. Seine Vorlesungen haben die 
geschichte der finnischen und estnischen litteratur, das Kalevala, die 
Kanteletar und die finnische mythologie behandelt. Dasselbe fach 
ist auch von einem dozenten, AuKUSTi R. NiEWi (dozent der finni- 
schen litteratur und Volksdichtung, 1899) vertreten; er hat über 
die Zusammensetzung des Kalevala gelesen (über die Vorlesungen 
1900 I siehe unten). 

Um den Jüngern der finnisch-ugrischen Studien gelegenheit 
zur selbstthätigkeit in denselben zu verschaffen wurde im j. 1893 von 
E. N. Setälä das Finnische Seminar gegründet, in dem unter lei- 
tung von Setälä, teils auch von K. Krohn, Wichmann und Niemi 
verschiedentliche schriftliche arbeiten ausgeführt und verschie- 
dentliche gegenstände behandelt worden sind z. b. die geographi- 
sche Verbreitung der finn. dialekteigentümlichkeiten, die finn. kultur- 
wörter, lappisch, ungarisch, wotjakisch, älteres estnisch und finnisch, 
methode der dialektforschung, die eigennamen des Kalevala, die 
Wanderungen der estnischen volkspoesie auf finnisches gebiet, Zusam- 
mensetzung des Kalevala u. s. w. 

Die finnisch-'ugr ische archäologie und Vorgeschichte 
wurde von JOHAN Reinhold Aspelin, a. o. professor der nordi- 
schen archäologie 1878 — 85, vertreten; er hat nämlich in mehreren 
Semestern über die finnisch-ugrischen altertümer (1878/9 — 81/2) und 
auch über die Wanderungen der finnischen Völker im lichte der 
archäologie gelesen. — Zum dozenten der finnischen ethnographie 
wurde Axel O. Heikel 1889 ern«nnt, hat aber in dieser eigen- 
schaft keine Vorlesungen gehalten. 

Zugleich mag erwähnt werden, dass KuSTAVl Grotenfelt, 
dozent der finnischen, russischen und nordischen geschichte, über 
die ältesten Wohnsitze und Wanderungen der finnisch-ugrischen Völ- 
ker (1892/3), und Artturi H. Snellman, dozent desselben faches, 
über die ältere geschichte der Ostseeprovinzen (der liven, kuren 
und esten, 189^/6) gelesen haben. 

Ungarn ist das land, welches den ersten festen lehrstuhl für 
eine finnisch-ugrische spräche aufzuweisen hat. Eine professur für 



Die finn.-ugr. Studien als universitätsfach. ^y 



die ungarische spräche und litteratur wurde nämlich schon 
im jähre 1791 an der Universität zu Pest (Budapest) errichtet. 
Die inhaber dieses katheders sind folgende männer gewesen : 

Andreas Valyi (Valyi Andräs) 1791 — 1801. 

Andreas Dugonics (Dugonics Andräs) als Stellvertreter 
1801 — 1802. 

Nikolaus Revai (Revai Miklös) 1802 — 1807. 

Franz Czinke (Czinke Ferencz) 1808 — 1830. 

Stephan Horvat (Horvat Istvan) als stellvertretender profes- 
sor 1S30— 1837 und als ordentlicher 1837 — 46. 

Josef Mächik (Mächik Jözsef) 1849 — 1861 (prov.). 

Franz Toldy (Toldy Ferencz) 1861 — 1875. 

Unter diesen professoren der ungarischen spräche und litte- 
ratur sind zwei, die als verdienstvolle forscher aufgetreten sind: 
der Sprachforscher Nikolaus Revai, welcher schon vor Grimm die 
historische methode (unter benutzung der Sprachdenkmäler) in der 
Sprachforschung angewandt hat, und Franz Toldy, der ein bedeu- 
tender litteraturhistoriker gewesen ist. Finnisch-ugrische Sprachfor- 
schung wurde von keinem dieser professoren getrieben. 

Im jähre 1875 wurde die professur der ungarischen spräche 
und litteratur an der Budapester Universität in zwei professuren 
geteilt, von denen die eine für die ungarische litteratur, die 
andere für die ungarische Sprachwissenschaft bestimmt war. 

Professor der ungarischen litteratur wurde der vorzügliche 
schriftsteiler und ästhetiker Paul Gyulai (Gyulai Palj 1876 — •. 
— Privatdozenten für ungarische litteratur : Siegmund Bodnar 

(BODNAR ZSIGMOND) 1875 und ZSOLT BEÖTHY 1878 83; 

der letztere hält auch als professor der ästhetik Vorlesungen über 
die ungarische litteratur. 

Die professur der ungarischen spräche wurde zuerst proviso- 
risch von Emil Thewrewk v. Ponor (Ponori Thewrewk Emil) 
und von JoSEF BuDENZ 1876 — 78 verwaltet. Seitdem wird die pro- 
fessur von Siegmund Simonyi (Simonyi Zsigmond), einem schüler 
BuDENz' und forscher auf linnisch-ugrischer grundlage, vertreten 
(privatdozent 1878, Stellvertreter der professur 1878 — 85, a. o. 
professor 1885 — 1889, ord. professor 1889). Simonyi hat sowohl 
in seinen Vorlesungen als in seiner regen litterarischen thätigkeit 
die verschiedenen Seiten der ungarischen Sprachwissenschaft unter 



48 E. N. Setälä. 



berücksichtigung der modernen analogistischen betrachtungsweise 
behandelt. 

Seit 1894 ist die ungarische Sprachwissenschaft auch durch 
einen privatdozenten, JULIUS ZoLNAl (ZoLNAl Gyula), vertreten. 

Die finnisch-ugrische Sprachwissenschaft kommt in Ungarn 
als Universitätsfach erst ziemlich spät vor. Der erste vorlesungs- 
kursus über diesen gegenständ wurde von dem dozenten der ver- 
gleichenden Sprachwissenschaft Anselm Mansuet Riedl (Riedl 
SzENDE, siehe unten) im ersten Semester des lehrjahres 1863/4 
gehalten (»vergleichende und erläuternde grammatik des ungarischen 
und der mit ihm verwandten sprachen», 2 st.). In vorzüglicher weise 
wurden die finnisch-ugrischen Studien durch Josef Budenz- (geb. 
^Ve 1836 in Rasdorf bei Fulda in Hessen) vertreten, der 1868 do- 
zent und 1872 professor der uralaltaischen Sprachwissenschaft 
an der Budapester Universität wurde und bis zu seinem tode (^^/^ 
1892) sowohl an der Universität als in der litteratur die erste stelle 
unter den ungarischen Sprachforschern einnahm.- — -\'on Büdenz wurde 
der erste vorlesungskursus über eine andere finnisch-ugrische spräche 
als die ungarische gehalten (1868/69 im I. Semester: »erklärung 
der finnischen grammatik und texte», im II. sem. »lektüre des 
finn. epos Kalevala»). Später hat er nicht nur über verschiedene 
finnisch-ugrische sprachen, sondern auch über vergleichende finnisch- 
ugrische Sprachwissenschaft gelesen; arbeiten wie »Mag\'ar-ugor 
összehasonlitö szötär» (»Ungarisch-ugrisches vergleichendes Wörter- 
buch», 1873 — 81) und »Az ugor nyelvek összehasonlitö alaktana» 
(»Vergleichende formenlehre der ugrischen sprachen», 1884 — 94) 
sind zum grossen teil in Universitätsvorlesungen vorgetragen wor- 
den. Budenz war der erste, der die forderung der rekonstruktion 
der finnisch-ugrischen Ursprache in der Wissenschaft ausgesprochen 
hat, und auch in seinen Vorlesungen wurde dieses endziel immer 
im äuge behalten. — Nach einer vakanz, während der SiMONYl die 
uralaltaische professur vertrat, wurde zu Budenz' nachfolger Josef 
Szinnyei ernannt (1893 — )> welcher heute mit anwendung der 
modernen methoden und mit berücksichtigung der neueren ergeb- 
nisse der Sprachwissenschaft die vergleichenden und einzelsprach- 
lichen finnisch-ugrischen Studien an der Budapester Universität 
vertritt. 

Im j. 1893 war iGNÄCZ HalAsz privatdozent der ungarischen 
Sprachvergleichung an der Budapester Universität. 



Die finn.-ugr. Studien als universitätsfach. 49 

Die finnische spräche (und litteratur) hat bisweilen 
an der Budapester Universität einen speciellen Vertreter gehabt: 
joSEF SziNNYEl 1883 — 86 als dozenten der finnischen spräche und 
litteratur, und im anfang der 9o:er jähre Johann Steuer (Steuer 
JANOS) als lektor der finnischen spräche. 

Die archäologie ist an der Budapester Universität durch 
jOSEF Hampel (professor der numismatik und klassischen archäo- 
logie), der sein Interesse auch der speciell ungarischen archäologie 
zugewendet hat, vertreten, die anthropologie und ethnogra- 
phie durch professor AURELIUS TÖRÖK (TÖRÖK AuREL). 

An der zweiten ungarischen Universität in Klausenburg 
(Kolozsvär) wurde eine professur der ungarischen spräche 
und litteratur imj. 1872 errichtet. Professoren waren: Ale- 
xander Ihre (Imre Sandor) 1872—85 (f 1900); Henrik Finaly 
1885 — 86 (;prov.) und JoSEF Szinnyei 1886 — 93 (a. 0. prof. 1886, 
ord. 18881. Der letztgenannte erhielt 1891 die genehmigung fiin- 
nisch-ugrische Sprachwissenschaft vorzutragen, hatte aber schon 
früher (seit 1886) Vorlesungen über verschiedene finnisch-ugrische 
sprachen (finnisch, mordwinisch, wogulisch) gehalten. 

Im j. 1890 wurde an der Klausenburger Universität die pro- 
fessur der ungarischen spräche und litteratur geteilt; für unga- 
rische litteratur wurde eine neue professur errichtet, deren er- 
ster Inhaber Karl Szechy (Szechy Käroly) ist (1890—). Die alte 
professur erhielt den titel: ungarische Sprachwissenschaft und 
vergleichende ugrische linguistik und wurde nach Szin- 
nyei von IgnÄcz Halasz (1893— 1901, ■]- d. 9. april d. j.) versorgt. 

Im j. 1893 errichtete man an derselben Universität auch eine 
professur für uralaltaische Sprachwissenschaft; professor 
derselben wurde Gabriel BAlint v. Szentkatolna (Szentka- 
tolnai Balint Gaborj 1893 — (zuerst a. o., 1897 ord.j. 

Die Klausenburger Universität hat auch einen professor für 
archäologie (Bela PöSTA 1899 — ) und einen privatdozenten für 
ethnographie (Anton Herrmann 1898 — ). 

An der kroatischen Universität Agram wurde 1894 eine pro- 
fessur für ungarische spräche und litteratur errichtet, ist aber nicht 
besetzt worden. 

In Russland hat die Universität Dorpat schon beinahe 
hundert jähre einen festen lehrstuhl für die estnische spräche 

■i 



50 



E. N. Setälä. 



gehabt; dieser lehrstuhl ist jedoch nur ein lektorat. Nach der 
neugründung der Dorpater Universität 1802 wurde das lektorat erst 
1804 besetzt, und der erste lektor wurde cand. Friedrich David 
Lenz (1804, I. sem. — 1809, IL sem.)- Er wird in dem lektions- 
verzeichnis als »linguarum estonicae et fennicae lector» ge- 
nannt, und seine Vorlesungen behandeln nach demselben »estoni- 
cam et fennicam»; wo aber seine thätigkeit näher specifiziert wird, 
kommen nur estnische Vorlesungen vor. Nach einer vakanz (1810, L) 
wurde Georg Philipp August vox Roth lektor der estnischen 
spräche (finnisch wird nicht mehr genannt), welches amt er 1810, 
IL — 1817, L vertrat; in seinen Vorlesungen behandelte er sowohl 
Reval- als Dörpt-estnisch (behufs praktischer Spracherlernung). Sein 
nachfolger war cand. Ludwig Willem Moritz (»assessor consistor. 
et pastor») 181 7, IL — 1822, IL, und nach ihm war das lektorat 
während dreier jähre (1823,1. — 1825, IL) unbesetzt, bis cand. Jo- 
hann Samuel Boubrig in die stelle eingesetzt wurde (1826, I. — 
1837, IL). Boubrig hat, wie seine Vorgänger, die sache nur prak- 
tisch betrieben und gewöhnlich, neben sprachlichen Übungen, Hupel's 
grammatik vorgetragen; einmal (1826, IL sem.) hat er eine Ȇbersicht 
des etymologischen teils der estnischen grammatik mit steter be- 
rücksichtigung der älteren und neueren Sprachlehren und der ver- 
schiedenen dialekte für eine allgemeine Schriftsprache» ange- 
kündigt (zugleich aber alternativ sauf begehren, für freunde des 
revalischen dialektes, O. W. Masing's Wiiskümmend kaks luggemist 
uest testamendist wäljawaUitsetud») ; ohne zweifei hatte er es damit auf 
das zustandebringen einer gemeinsamen Schriftsprache für die Reval- 
und Dörpt-esten abgesehen, was er aber sonst in dieser richtung gethan 
hat, ist nicht bekannt. Nach ihm waren lektoren : cand. Dietrich 
Heinrich Jürgenson 1838, L — 1841, IL (ein geborener este; er war 
der erste, der über estnische litteraturgeschichte geschrieben hat, 
Verhandl. d. Gelehrten Estn. Ges. I 2 40 ff., I 3 61 ff.) ; nach einer kür- 
zeren Vakanz (1842, I.) dr. med. Friedrich Fählmanx, I842, IL — 
1850, L, der aufzeichner des bekannten estnischen märchens ;>Koit 
und Hämarik», welcher auch als estnischer Schriftsteller und Verfas- 
ser sprachwissenschaftlicher abhandlungen' bekannt ist; und wieder 
nach einer vakanz von einem jähr (1850, IL — 1851, I.) cand. Carl 
MiCKWTTZ, 1851,11. — 1874, I. Die Vorlesungen waren fortwährend 
nur auf den praktischen Sprachunterricht (grammatik mit Übungen) 
beschränkt; im letzten semester seiner thätigkeit hat ]\Iickwitz 



Die finn.-ugr. Studien als universitcätsfach. 



51 



Unterricht über »die ersten gesänj^e des Kalevipoeg (privatissime):> 
angekündigt. 

Nach einer vakanz von einem semester wurde das lektorat durch 
dr. Michael (Mihkel) Weske, 1875, I. — 1886, L, besetzt. Weske 
hatte in Deutschland Sprachwissenschaft studiert (in Leipzig machte 
er das doktorexamen) und ist der erste lektor der estnischen spräche, 
der auch rein wissenschaftliche Vorlesungen gehalten hat. Von den 
gegenständen seiner Vorlesungen mögen, ausser der estnischen 
spräche, erwähnt werden : finnische spräche (grammatik und lese- 
übungen, in vielen semestern), leseübungen in den nächstverwandten 
sprachen (1884, II. j, lauts^-stem und Orthographie der estnischen 
spräche (1876, II. — 77, I.), vergleichende grammatik des finnischen, 
estnischen und livischen (1875, II., 1S78, IL), die stammverwandt- 
schatt der westfinnischen sprachen unter einander (1884, IL), ger- 
manische und letto-slavische lehnwörter im estnischen und in an- 
deren westfinnischen sprachen (1876, IL), Kalevala (1876, L, 1878, L), 
Kalevipoeg (mehrmals), erläuterung der estnischen Volkslieder, ins- 
besondere des mythischen inhalts derselben (1882, L, IL), estnische 
mythologie (1883, II.j und ethnologie der finnisch-ugrischen volks- 
stämme (1884, L). Während 1885, I. — 1886, I. ist Weske nach 
dem Vorlesungsverzeichnis »zu wissenschaftlichen zwecken abkom- 
mandiert», und nach seiner ernennung nach Kasan (febr. 1886) war das 
lektorat wieder drei und ein halbes jähr unbesetzt (1886, I. — 1889, L), 
so dass beinahe in fünf jähren kein Unterricht im estnischen erteilt 
wurde. 

Der jetzige lektor dr. August Hermann (der ebenfalls in 
Deutschland sein doktorexamen gemacht hat) unterrichtet seit 1889, IL 
Ausser der estnischen spräche hat er in vielen semestern die ge- 
schichte der estnischen litteratur vorgetragen, worüber er eine grös- 
sere arbeit veröffentlicht hat; dazu: Kalevipoeg; finnische grammatik 
(und lektüre), oft mit vergleichenden hinweisen auf das estnische, bis- 
weilen (1S9Ö, I.) sogar auf andere .>ugrische sprachen»; estnisch vergli- 
chen mit finnisch, lappisch, mordwinisch, tscheremissisch, woguliscli 
und magyarisch (1890, IL); in einem anderen semester (1893, I.) 
werden die vergleichungen auch auf das türkische und mandschu 
erstreckt ; magyarische grammatik mit vergleichenden hinweisen 
auf die anderen ugrischen sprachen (1891, IL) und insbesondere 
auf die estnische (1894, I.) ; in einigen semestern hat er Vor- 
lesungen über so fernstehende sprachen, wie »die mandschu- 



52 



E. N. Setälä. 



spräche mit vergleichenden hinweisen auf das tungusische und 
andere ugro-altaische sprachen» (1890, L, 1892, IL), türkische gram- 
matik mit vergleichenden hinweisen auf ugro-altaische sprachen 
(1892, I.) und sogar chinesisch (1890 II.) gehalten. 

Die zweite russische Universität, welche einen hierhergehö- 
rigen lehrstuhl besitzt, ist Kasan. Das katheder »der finni- 
schen dialekte an der Universität Kasan verdankt seine existenz 
einer Vorstellung Baudouin de Courtenay's vom mai 1883 und 
wurde 1885 begründet. Am 8. februar 1886 wurde Michael Weske, 
lektor der estnischen spräche zu Dorpat, zum lehrer (..iipenojaBaTe.ii.- ^) 
der finnischen dialekte an der Kasaner Universität ernannt, hat aber 
erst 1888 seine lehrthätigkeit begonnen. Von den Vorlesungen, 
die er angekündigt hat, mögen erwähnt werden : vergleichende fin- 
nische grammatik (1888 I., 11.^ 1889 I.); ethnographie der finnischen, 
bezw. der ostfinnischen stamme (1888 IL, 1889, IL); ältere kultur- 
geschichte der finnischen stamme auf grund sprachlicher thatsachen 
(1889 L, IL, 1890 L); praktische beschäftigung mit den finnischen 
dialekten (1889 11., 1890 L). Er starb am 4. mai (a. st.) 1890. 
Zu seinem nachfolger wurde am 23. Januar (a. st.) 1S94 Nikolai 
Anderson ernannt; krankheitshalber begann er seine thätigkeit erst 
im lehrjahre 1894/95. Die gegenstände der von ihm angekündig- 
ten Vorlesungen sind gewesen : ethnographische Übersicht der ugro- 
finnischen stamme (1894 — 1897); vergleichende grammatik der 
ugro-finnischen sprachen (1894/5); grammatik der estnischen spräche 
und erklärung ausgewählter texte (1894/5); grammatik der tschere- 
missischeii spräche und erklärung- ausgewählter texte (1895 6); ver- 
gleichende gramm. der tscher. spr. (1896/7); suom.i: grammatik 
und lektüre prosaischer und poetischer texte (l 897/8); Kalevala 
(1 899/1 900, angekündigt, aber nicht zustande gekommen); über 
den einfluss der indoeuropäischen sprachen auf die ugro-finnischen 
(1895/6); über den einfluss der litauischen und slavischen stamme, 
bezw. der slavischen sprachen auf die ugro-finnischen (1896/7, 
1897/8). In einigen Semestern sind die Vorlesungen nicht zu- 
stande gekommen, teils wegen der krankheit des dezenten, teils 
aus mangel an zuhörern. Die historisch-philologische takultät in 



1 Laut dem gesetze haben „die lehrer der östlichen sprachen im 
beruf der ausserordentlichen professoren" alle rechte und jiflichten „der 
ausserordentlichen professoren". 



Die finn.-.ugr. Studien als iiniversitätsfach. 5^ 

Kasan ist ja auch sehr klein (20 — 30 Studenten), und die obli- 
ijatorischen Vorlesungen sind sehr zahlreich (bis 40 in der woche), 
so dass es kein wunder ist, wenn die Studenten für nichtobligato- 
rische fächer wenig zeit linden. 

Schliesslich mag erwähnt werden, dass die Kaiserl. Russische 
Akademie der Wissenschaften zu St. -Petersburg den platz eines akade- 
mikers für die wissenschaftliche erforschung der finnisch-ugrischen 
sprachen besitzt. Dieses fach wurde an der akademie zuerst von 
.Andreas Johann Sjögren vertreten (1829 — 55) und nach ihm 
von Ferdinand Johann Wiedemann (1857 — 87). Seit seinem tode 
(•^*'/j2 1887) ist der platz unbesetzt. 

In Österreich ist die Wiener Universität die erste, wo 
wir einen lehr er der ungarischen spräche antreffen. Der 
erste lehrer dieser spräche Avar Josef Märton. Seine Vorlesung 
erscheint zum ersten male im lektionskatalog für das Studienjahr 
^^3^l7 unter dem titel »ungarische spräche und litteratur» als 
4-stündiges kolleg angekündigt. Marton ist hier als »lehrer» be- 
zeichnet, seine Vorlesung unter den »freyen, theils ordentlichen, 
theils ausserordentlichen gegenständen» aufgezählt ^. — Marton, 
der als Verfasser einiger lehr- und Wörterbücher der ungarischen sprä- 
che l:)ekannt ist, hielt seine Vorlesungen bis zu seinem tode (f 26 juli 
184OJ. Ihm folgte, ebenfalls in der eigenschaft als »lehrer» der 
ungarischen spräche und des geschäftsstiles, dr. phil. Johann 
Remele 1841 — 1873.2 Er las im laufe dieser zeit über ungarische 

^ Herr sektionsrat dr. Schrauf, dem ich die notizen über die Wiener 
Universität verdanke, fügt hinzu: „Näheres über Josef Marton findet 
sich T)ei Wl'rzbach, „Das Biographisclie Lexikon f. d. Kaiserthum Oester- 
reich'' XYII 57; allein, wenn hier gesagt wird, das Marton schon im 
j. 1806 (!) zum unbesoldeten öffentlichen „ausserordentlichen professor 
der ungarischen spräche" ernannt wurde, so muss ich daran festhalten, 
dass er vor dem j. 1836 in den lektionskatalogen nicht vorkommt und 
dass er auch nach dem j. 1836 nicht professor, sondern lehrer tituliert 
wird. Ob bei Würzbach die jahi'eszahl statt 1806 vielmehr 1836 lauten 
muss, oder ob ein anderes versehen vorliegt, kann ich augenblicklich 
nicht ausmachen". Dieselbe Jahreszahl 1806, wo er „zum ausserordentli- 
chen professor der ungarischen spräche und litteratur und zum besolde- 
ten lehrer der ungarischen spräche bei der königl. ungarischen leibgarde 
wiirde", wird auch in „A Pallas nagy lexikona" XII 379 genannt; wahr- 
■^(■heinlich stammt die nachricht aus derselben quelle. 

* Wlrzbach XV 277 enthält folgendes: „Als dann im .Tahre 1848 
liber seinen Antrag eine Lehrkanzel der ungarischen Sprache an der Wie- 



54 E. N. Setälä. 



spräche für anfänger, ungarische syntax, ungarischen geschäftsstil, 
geschichte der ungarischen litteratur; er hat einige arbeiten haupt- 
sächlich zu praktischen zwecken veröffentlicht. ^ 

Nach Remele befand sich 1873 — 1888 kein lehrer der ungari- 
schen spräche an der Wiener Universität. Erst im j. 1889/90 war 
Igxaz Haas, doktor der rechte, lektor für ungarische spräche — er hat 
seine Vorlesungen in zwei abteilungen gehalten, eine für anfänger, 
die andere für vorgeschrittene — und blieb als solcher bis inclusive 
1895/6. Seitdem war wieder kein lektor für ungarisch vorhanden. 
Erst 1899 wurde Georg Tomecsek lehrer der ungarischen sprä- 
che : er hält seine Vorlesungen in zwei abteilungen (wie Haas; und 
ist zugleich professor des ungarischen am k. k. Theresianum (in- 
temat aristokratischen Charakters, welches auch von söhnen Un- 
garns besucht wird, — für diese ist ungarisch obligatorisch). 

Waren alle diese kollegien auf die praktische erlernung des 
ungarischen gerichtet, so hat man auch sprachwissenschaftliche Vor- 
lesungen eines ord. professors an der Wiener Universität zu ver- 
zeichnen. Prof. Anton Boller — auch als wissenschaftlicher 
Schriftsteller auf diesem gebiet bekannt — las im Wintersemester 
1854/5 »über vergleichende grammatik der ünnischen sprachen 
mit besonderer rücksicht auf das magj'arische» (2 st.) und im win^ 
tersem. 1855/6 »formenlehre des niag}'arischen in ihrem organischen 
zusammenhange mit den finnischen sprachen;/, ebenfalls 2 st. — 
Ob er auch in den kollegien über »fremdwörter hochasiatischen 
Ursprungs im latein. und griechischen» (wintersem. 1859 6oj und 
über »fremdwörter aus den turanischen sprachen im griechischen»- 
auf die finn.-ugr. sprachen rücksicht genommen hat, mag dahinge- 
stellt bleiben. 

Endlich sei als kuriosum erAvähnt, dass der lehrer Johann 
Markovits 1864 — 66 kurse über »ungarische Stenographie» abhielt. 

An den Universitäten zu Prag sind die rein wissenschaftli- 
chen finnisch-ugrischen Studien stärker vertreten gewesen, als in 
Wien. Schon in den fünfziger jähren des vorigen Jahrhunderts 



ner Hochschule systemisiert wurde, erhielt E. die Professur derselben". 
Dies scheint jedoch nicht mit den aus offiziellen quellen geholten nach- 
richten dr. Schrauf's übereinzustijimien. 

• Auch einen Vortrag : ,.Über die Identität der Magyaren und .Ta- 
zygen". 



Die fiun.-utjr. Studien als Universitätsfach. 



55 



hatte die damals ungeteilte Prager Universität einen »kais. kön. 
sj'Stemisierten lehrer der ungarischen spräche und des un- 
garischen geschäftsst5'ls», Anselm Mansuet Riedl. Das lek- 
torat für die ungarische spräche wurde durch das dekret vom 
26. nov. 1853 »systemisiert», und Riedl durch das dekret vom 
18. aug. 1854 zu diesem amte ernannt 1. Seine vortrage begannen 
im Wintersemester 1855/6. In jedem kurse las er magj'arische 
(er bediente sich mitunter auch des ausdrucks »ungarische») gram- 
matik (3 st.) und ungarischen (magyarischen) geschäftsstil (2 st.). 
Aber schon im ersten Semester seiner lehrthätigkeit hat er auch 
einen rein wissenschaftlichen kursus - angekündigt: »vergleichung 
des ungarischen mit der tinnischen sprachfamilie» (i st.). Sonst 
hat er vorgetragen: »vergleichung des magyarischen mit der finni- 
schen und türkischen sprachfamilie» (sommersem. 1856), »abriss 
der geschichte der magyarischen spräche» (sommersem. 1858), 
»anfangsgründe der uralaltaischen grammatik» (sommersem. 1856), 
»über den uralaltaischen sprachstamm» (wintersem. 1856/7), »grund- 
züge einer vergleichenden grammatik des uralaltaischen sprach- 
stammes» (wintersem. 1857/8, sommersem. 1860), »vergleichende 
lautlehre des uralaltaischen sprachstammes» (wintersem. 1858/9), 
»über das Verhältnis der uralaltaischen sprachen zu dem indoger- 
manischen sprachstamme» (wintersem. 1859/60), » mag^^arische 
mythologie» (wintersem. 1857/8), »geschichte der magj-arischen 
poesie bis ende des XVIII. jahrh.» (wintersem. 1858/9) bezw. 
»im XIX. jahrh. (in den sommersemm. 1859 u. 1860), »ge- 
schichte der mag>-arischen litteratur» (wintersem. 1860/1). Das Win- 
tersemester 1860 I ist das letzte, in welchem er in Prag gelesen 
hat; 1861 2 wird sein name noch im personalstande der Universi- 
tät angeführt, im Vorlesungsverzeichnisse aber finden sich keine 
Vorlesungen von ihm angesetzt. Er war, wie in den »personal- 
veränderungen» angegeben ist, als gj-mnasiallehrer nach Pest ver- 



' Nach einer biographie Kiedl's in „Pallas nagy lexikoua" (von 
S. SiMONYi) wurde der lelirstuhl für ungarische spräche in Prag auf den 
Vorschlag von Schleicher errichtet, und Riedl zu der stelle infolge der 
empfehlung Grillp.\rzer*s ernannt. 

" Von seinen wissenschaftlichen tendenzen zeugt vorteilhaft auch 
seine „Magyarische grammatik" (mit einer allgemeinwissenschaftlicheu 
einleitung), welche in Wien (Prag) 1858 erschien. 



56 E. N. Setälä. 

setzt worden ^. Wie schon oben erwähnt, hat er als dozent der 
vergleichenden Sprachwissenschaft den ersten vorlesungskursus über 
vergleichende finnisch-ugrische Turalaltaische ?) Sprachwissenschaft 
an der Budapester Universität (1863/4) gehalten; später (;i866) 
wurde er ord. professor der deutschen spräche und litteratur an 
derselben Universität (-j- in Budapest d. 17 okt. 1873). 

Mit Riedl's abgang hörten die vortrage über ungarische 
spräche an der Prager Universität gänzlich auf. Beinahe zwanzig 
jähre später sind jedoch einige Vorlesungen, die sich auf das fin- 
nisch-ugrische Sprachgebiet beziehen, an dieser Universität zu ver- 
zeichnen. Der rühmlich bekannte professor der vergleichenden 
Sprachwissenschaft, Alfred Lud\\7G, hat im Wintersemester 1878 9 
>_grammatik der finnischen spräche (suomi) mit Interpretation ausge- 
wählter stücke des finnischen nationalepos Kalevala» ( i st.) gelesen. 
Auch im sommersemester 1879 hatte er zum gegenstände seiner Vorle- 
sungen »Interpretation ausgewählter stücke aus dem finn. national- 
epos Kalevala» und im Wintersemester 1883/4 »grammatik des 
suomi mit leseübungen >. Der vortragende hat immer die grammatik 
mit rücksicht auf die anderen finnischen sprachen» gelesen-. Die 
kollegien waren anfangs sehr besucht (15 zuhörer blieben bis zu 
dem ende des kollegs); in dem letzten finn. koUeg waren nur drei 
zuhörer. 

Als das letztgenannte koUeg prof. Ludwig's abgehalten wurde, 
war schon die Zweiteilung der Prager Universität in die »k. k. 
deutsche» und »k. k. böhmische Universität» (mit dem Winterse- 
mester 1882/3) eingetreten; es war das erste und bisher das letzte 
koUeg über dieses fach an der geteilten deutschen Universität. 
An der böhmischen wurde Fr.a.xtisek BrÄbek 1883 zum 
lektor der ungarischen spräche ernannt und wirkt in 
dieser eigenschaft bis heute. Nach den lektionskatalogen trägt 
er vor allem (in jedem semester) die magj'arische Sprachlehre 



' Xach der obengenannten biographie von Simonyi ist er „infolge 
iler ultramontanen bestreb ungen des grafen Leo Thun nach seinem Vater- 
land zuiiickgekehrt". 

- Als ein zeugnis von dem Interesse prof. Ludwig's füi* diesen gegen- 
ständ dient auch sein 1884 erscliienener aufsatz „Über die nominativ- 
l)ildung -nen im Finnischen (-ne im Ehstnischen) von nominalstämmen auf 
-se (-si) (Sitzungsber. der Königl. Böhm. Gesellschaft der "Wissenschaften). 



Die finn.-ugr. Studien als universitätsfach. 57 

mit praktischen übiins>;en vor, daneben werden ma,a;var. texte 
"gelesen (Riedl's Übersetzung; der Königinhofer Handschrift, Arany, 
proben aus der historischen Htteratur, Madäch, Pulszky, Vörüsmarty), 
fast in jedem semester kommt ein einstündiges koUeg über ein- 
zelne kapitel der ungarischen litteraturgeschichte vor (»die zeit des 
Math. Corvinus), »die magyar. epik», »das drama», »die wissen- 
schaftliche litteratur», »die juristische Htteratur», »die Sczechenyi- 
sche blütezeit 1831 — 49», u. dgl.j. Auch sprachwissenschaftliche 
vortrage hat lektor Brabek, wenngleich mehr referierenden Cha- 
rakters, abgehalten: ȟbersieht der bisherigen ergebnisse auf dem 
gebiete der magyarisch-ugrischen vergleichenden Sprachforschung» 
(sommersem. 1886), »die slavismen in der magyar. christlichen 
terminologie (Übersicht der bisherigen forschungen darüber)» (som- 
mersem. 1887), ȟber das leben und die Schriften M. Revai's, des 
gründers der magyar. Sprachwissenschaft», »die ersten anfange der 
finnisch-ugrischen vergl. Sprachforschung» (wintersem. 1893/4), 
>P. HunfalvY's Schriften über die uralischen Völker und ihre spra- 
chen ^ (sommersem. 1898); über seine Vorlesungen 1900/ 1 siehe 
unten. ' 

In Norwegen erteilte pastor N. V. Stockfleth seit anfang 
1847 durch öffentliche vortrage an der Universität Kristiania Unter- 
richt im lappischen, ohne jedoch an der Universität angestellt zu 
sein. Er trug die grammatik der spräche, die geschichte und my- 
thologie des lappischen volkes vor, während die praktischen Übun- 
gen in seinem hause abgehalten wurden. Durch königl. resolution 
vom 24. febr. 1848 wurde ihm eine jährliche Unterstützung be- 
willigt u. a. mit der Verpflichtung Vorlesungen an der Universität 
zu Kristiania über die lappische, finnische (»kvänische», wie 
man in Norwegen sagt) und die verwandten sprachen zu hal- 
ten. Ob er wirklich Vorlesungen über »die verwandten sprachen» 
gehalten hat, ist unbekannt, weil seine Vorlesungen in den lektions- 
verzeichnissen nicht angeführt werden; es ist jedoch kaum anzu- 
nehmen. Hauptsächlich war seine Wirksamkeit von praktischer art ; 
weil seit 1849 von den bewerbern um geistliche ämter in gewissen 
nördlichen kirchspielen ein praktisches examen ^ im lappischen und 



' Sie sollten lappische bücher, sowie die bibel und erbauunosschrif- 
ten im finniscdien, verstehen, die formen! ehre dieser sprardien daidegen 



58 E. N. Setälä. 



finnischen gefordert wurde, war es seine hauptaufgabe, den für die- 
ses examen erforderlichen Unterricht zu erteilen und das examen 
selbst abzuhalten. 

Als Stockfleth 1851 eine längere reise nach Finmarken 
antreten sollte, wurde cand. theol. J. A. Friis beauftragt provi- 
sorisch die Stockfleth als dozenten obliegenden amtsgeschäfte 
zu verwalten und bei der herausgäbe der lappischen bücher, die 
zum druck besorgt werden sollten, beizustehen. Auch nachdem 
Stockfleth ende mai 1853 schliesslich aus seiner Stellung als 
dozent der lappischen und finnischen spräche ausgetreten, verblieb 
Friis als dozent; aber er war nicht fest angestellt, nur »proviso- 
risch beauftragt», und seine Vorlesungen werden weder im lektions- 
verzeichnis angeführt, noch in den Jahresberichten der Universität 
erwähnt. Es fand in dieser hinsieht eine Veränderung statt, als 
Friis am 6. juni 1863 zum ausserordentlichen lektor der lappischen 
und finnischen spräche an der Universität ernannt wurde. Die 
majorität des »akademischen kollegs» hatte sich für die errichtung 
des neuen lektorats ausgesprochen, wesentlich mit rücksicht auf die 
praktische bedeutung dieses Unterrichts und um auf diese weise 
der langwierigen und verdienstvollen Wirksamkeit von Friis als 
lehrer des lappischen und herausgeber lappischer Übersetzungen und 
wissenschaftlicher arbeiten über die spräche, die ethnographischen und 
andere Verhältnisse der läppen anerkennung zu geben. Ausserdem 
wurde auch die bedeutung dessen, dass das wissenschaftliche Stu- 
dium des lappischen und der damit verwandten sprachen an der 
Universität vertreten sei, hervorgehoben. Die ansieht der majorität 
wurde von den oberen behörden angenommen, und das lektorat 
durch die königl. resolution vom 27. September 1862 errichtet. 
Den 25. juni 1866 wurde Friis zum ausserordentlichen^ und den 
IG. juli 1874 zum ordentlichen professor der lappischen und finni- 
schen spräche ernannt; er erhielt seinen abschied am 13. und starb 
am 16. februar 1896 (geb. 1821). Soviel man weiss, hat Friis in 
seinen Vorlesungen hauptsächlich nur aul die praktische erlernung 



und „befriedigend aus dem norwegischen ins lappische und finnische 
übersetzen können". 

* Dies bedeutete keine i^rinzipielle Veränderung in der Stellung des 
betr. fachs an der Universität, denn alle früheren lektorate wurden im 
genannten jähre in professuren verwandelt. 



Die tinn.-ugr. Studien als universitätsfach. 



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des lappischen und finnischen rücksicht genommen; die lektions- 
verzeichnisse besagen ohne jede nähere angäbe nur, dass er lap- 
pisch und linnisch (gewöhnlich etwas mehr lappisch als finnisch) 
gelesen habe. 

Laut der bestimmung des Kirchendepartements wurde dann 
dem pastor Chr. Kaukin aufgetragen, im ersten semester des j. 1896 
Vorlesungen im lappischen zu halten; er hat diese im märz 1896 
angefangen. Durch die königl. resolution vom 10. Oktober 1896 
wurde er Ijevollmächtigt provisorisch im lappischen und finnischen 
Vorlesungen zu halten und setzte diese bis zu seinem tode (•^•'/s 
1898) fort. Es mag erwähnt werden, dass Kaurin in seinen vor- 
tragen einen teil des Kalevala (die Kullervogesänge), aber mit nur 
sprachlichen erklärungen, durchging. Nach seinem tode wurden 
bis zum herbstsemester 1899 keine Vorlesungen im lappischen und 

finnischen abgehalten. 

» 
Unterdessen war das Schicksal der professur von dem norwe- 
gischen Storting entschieden worden. Im gegensatz zu dem gut- 
achten der Universität und des Kirchendepartements ' wurde die pro- 



' Ein vom ,.Collegium academicum" ein.oesetztes komitee hatte sich 
über die sache folgendermassen geäussert: 

„Hinsichtlich der Vertretung des lappischen und kväni sehen will 
das komitee die meinung äussern, dass dieselbe in eine dozentur umgewandelt 
werden könnte, falls dabei lediglich beabsichtigt sei, den künftigen be- 
amten. die Verwendung dafür haben, die nötigen kenntnisse im lappi- 
schen und kvänischen zu verschaffen, — obgleich zu befürchten ist, dass 
selbst unter dieser Voraussetzung ein für das amt qualifizierter mann 
unter solchen bedingungen dauernd in der Stellung schwer zu halten sein 
dürfte. Es komint aber hier ein andrer umstand hinzu, der nach der 
ansieht des komitees schwer ins gewicht fällt. Norwegen beherbergt inner- 
halb seiner grenzen eine zahlreichere lappische bevölkerung, als die ande- 
ren Staaten, auf deren gebiet sich läppen finden, es liegt daher uns zu- 
nächst die Verpflichtung auf, dieses volk gegenüber der civilisierten weit 
zu repräsentieren, wozu namentlich gehört, dass wir die wissenschaftliche 
Untersuchung seiner spräche, seiner Volksüberlieferungen und seiner ethno- 
graphischen Verhältnisse aufirecht erhalten, — Untersuchungen, die mit 
nicht geringem Interesse in mehreren, zum teil recht fernen ländern be- 
trieben werden. Dieser Verpflichtung ist nun Norwegen seit längerer zeit 
nachgekommen, inid kaum würde es angebracht sein sie aufzugeben oder 
die verhältnismässig unbeträchtlichen opfer, die bisher dafür gebracht 
worden sind, zu beschränken. Es ist also die meinung des komitees, dass 
dieser posten als ordentliche professur bewahrt bleiben müsse". — Das 



6o E. N. Setälä. 



fessur 1897 vom Storting aufgehoben, und eine bewilligung von 
2,400 krönen zur Verfügung der regierung gestellt für aufrecht- 
haltung des Unterrichts im lappischen und tinnischen, entweder an 
der Universität oder am lehrerseminar zu Tromsö. Auf admini- 
strativem wege wurde — nachdem die universitätsauktoritäten sich 
darüber geäussert hatten — die gegebene bewilligung zur errich- 
tung einer dozentur an der Universität angewendet. 

Durch königl. resolution vom 30. September 1899 wurde 
cand. theol. Konrad Nielsen, der in Helsingfors die finnische 
Sprachwissenschaft studiert und bei läppen sprachliche Untersuchun- 
gen getrieben, zum dozenten des lappischen und finnischen 
ernannt. Der junge dozent hat ausser dem praktischen Unterricht 
u. a. auch über das Kalevala (über Ursprung, Inhalt^ ästheti- 
sche und sprachliche eigenart und versmass desselben nebst Inter- 
pretation ausgewählter stücke) gelesen. 

In Schweden ist der erste Universitätslehrer in dem be- 
treffenden fache der dozent dr. Karl Bernhard Wiklund. Er hat 
im finnischen und lappischen seit dem frühjahrssemester 1894 un- 
terrichtet, wo ihm eine Unterstützung von 900 krönen für aufrecht- 
haltung dieses Unterrichts zuerteilt wurde. Im sommer 1896 wurde 
er zum dozenten der finnisch-ugrischen Sprachwissen- 
schaft ernannt und hat seitdem sowohl wissenschaftliche als prak- 
tische kurse in diesem fach abgehalten. Vom l. januar 1899 ist 
ihm für diesen zweck von dem schwedischen Reichstag eine Unter- 
stützung von 2,5oo krönen zuteilgeworden. 

Dies sind nun die länder und Universitäten, die lehrer 
in den finnisch-ugrischen lehrgegenständen besitzen oder besessen 
haben. Aber ausserdem, wie schon in ein paar fällen (in Wien 
und Prag), sind vorlesimgen über diese gegenstände auch an eini- 
gen solchen Universitäten Europas gehalten worden, wo sie nie 
einen speciellen Vertreter gehabt haben. 



Kirchendepartement hatte eine „bewegliche" professur für dieses fach 
empfohlen und später auch einen von dem bischof Skaar »-emachten an- 
trag, den seminarvorstand J. Qvigst.xd als professor dieses fachs anzustel- 
len, unterstützt. Derselbe antrag über die anstellung Qvigstad's wurde 
von dem repräsentanten für Finmark, herrn Hagemann, im Storting ge- 
macht, aber ohne erfolg. 



Die tinn.-ugr. Studien als Universitätsfach. 6 1 

Von diesen ländern ist Deutschland zuerst zu erwähnen. 
An der Universität zu Berlin wurden nämlich die ersten Vorlesun- 
gen in diesem fach schon in den vierziger jähren des vorigen Jahr- 
hunderts gehalten. A. o. professor Peter Feddersen Stuhr (ge- 
Ijoren in Flensburg 1787, f 185 1) hielt im sommersemester 1846 
einen kursus ab über slavische und finnische mythologie und im 
folgenden jähre »über das Kalevala und die finnische mvthologie>' 
(»de Kalewalae cantilenis et de mythologia Fennica», sommersem. 

1847, 2 st.) und schliesslich in mehreren Semestern über die fin- 
nische und lappische mythologie (in den sommersemm. 1848, 1849 
und 1850) ^ Während einer viel längeren zeit hat aber Wilhelm 
Schott an der Berliner Universität (a. o. professor seit 1838) auch 
die finnisch-ugrischen Studien vertreten. Seine ersten Vorlesungen 
in diesem fach wurden nämlich im Wintersemester 1846/7 (»de 
Unguis quae dicuntur Fennicae») gehalten, und die letzten sind bei- 
nahe vierzig jähre später, fürs wintersem. 1882/3, angekündigt. 
Als gegenstände seiner Vorlesungen werden in den lektionsverzeich- 
nissen angegeben: das Kalevala (sommersem. 1847, wintersem. 
1849/50, sommersem. 1858, wintersem. 1858/9 und wintersem. 
1859/60), die sog. finnischen 2 sprachen (wintersem. 1846/7 und 
sommersem. 1847) und ihr Verhältnis zu den mongolischen, tür- 
kischen oder auch zu den tungusischen sprachen (sommersem. 

1848, wintersem. 1848/9 und sommersem. 1849), die finnische 
spräche (bisweilen suomi genannt, in sehr vielen Semestern 1848 — 
80), einmal mit darstellung ihres Verhältnisses zu den übrigen 
europäischen und asiatischen sprachen (sommersem. 1857, 3 st.), 
öfters mit einer vorangehenden Übersicht der verwandten sprachen 
(in mehreren Semestern 1852 — 1858), die lappische spräche, (»in 
eorum qui Fennice callent gratiam de lingua Samelassorum», som- 
mersem. 1850), die finnische und estnische litteratur (1859 — 61), 
teils mit Übersicht der sog. »finnisch-altaischen sprachen» (som- 



^ Über Stl'hr siehe näheres in der Allji;emeinen deutschen Biographie 
XXXVI 738. — Über die finnische mythologie hat Stuhr auch einen 
aufsatz veröffentlicht: „Über die Bedeutung der finnischen Götternamen 
Jumala und Ukko" (Schmidt's Zeitschrift für Geschichte VI 269, 1846). 

^ Schott bedient sich gewöhnlich der benennung „Fennicae lin- 
guao (quae dicuntnr)'", einmal „Tschudicae seil Fennicae"; 1869 — 79 er- 
scheint der ausdruck „populi stirpis Eennico-ugricae", aber dann kehrt- 
wieder „Fennica stirps sensu latiorc" zurück. 



63 E. N. Setälä. 



mersem. 1871), die geistesdenkmäler des finnischen Stammes (;>de 
monumentis ingenü populorum Fennicae [resp. »Fennico-ugricae, 
>Fennicae latiore sensu»] stirpis:>, in den meisten Semestern 1862 — 
83). Es soll hervorgeholten werden, dass Schott's Vorlesungen, 
soweit man jetzt weiss, ausserhalb Finlands die ersten über finnisch- 
ugrische Sprachwissenschaft gewesen sind. — Unzweifelhaft hat 
auch Ferdinand Heinrich Müller (privatdozent, und seit 1845 
a. o. Professor an der Berliner Universität) in seinen oft wieder- 
kehrenden Vorlesungen über die ethnographie und geographie Euro- 
pas und Asiens die finnisch-ugrischen Völker mitbehandelt, was 
schon daraus zu schliessen ist, dass er eine arbeit in zwei bänden 
über »den ugrischen volksstamm» (1837 — 39) veröff'eritlicht und 
schon um die zeit des erscheinens dieser arbeit die obengenannten 
ethnographischen Vorlesungen gehalten hat. Er bleibt in den lektions- 
verzeichnissen der Berliner Universität bis 1886. Auch Her- 
mann Steinthal (seit 1850 privatdozent und 1863 a. o. professor 
an der Berliner Universität) hat wohl in seinen Vorlesungen über 
die typen des Sprachbaues, über allgemeine Sprachwissenschaft, über 
die vergleichende mythologie nicht umhin können, die finnisch- 
ugrischen sprachen und Völker mitzuberücksichtigen. 

An der Leipziger Universität hat der professor der slavi- 
schen sprachen August Leskien im sommersemester 1871 imd 
im Wintersemester 187 12 eine Charakteristik der sprachen Europas 
mit besonderer berücksichtigung auch der finnischen sprachen ge- 
geben. Später sind daselbst vortrage über die ungarische spräche 
(grammatik und lektüre) abgehalten worden, teils von Gustav 
Weigand, a. o. professor der romanischen sprachen (im wintersem. 
1896 7 und sommersem. 1897), vmd Asmus Sörensen, a. o. pro- 
fessor der osteuropäischen sprachen, geschichte und litteratur (winter- 
sem. 1899 900 und sommersem. 1900). Schliesslich sei noch er- 
wähnt ein kursus von dem privatdozenten dr. phil. W. Grube über 
»mongolische grammatik als einführung in das Studium der ural- 
altaischen sprachen» (sommersem. 1882). 

Über die übrigen Universitäten Deutschlands hat sich, trotz dr. 
G. Schmidt's und meiner bemühungen, aus den zugänglichen quel- 
len nichts in dieser hinsieht finden lassen. 

In Dänemark wurden die traditionen des grossen däni- 
schen Sprachforschers Rasmus Rask, der sich auch mit der er- 
forschuno; der finnisch-ugrischen sprachen beschättigt und auf diese 



Die finn.-ugr. Studien als universitätsfach. 63 



forschung einen bedeutenden einfluss ausgeüljt hat ', von sei- 
nem ebenso berühmten und genialen landsmann A'ilh. Thomsen 
aufgenommen. Als dezent (seit 1871, eig. :=: a. o. professor) und 
ord. professor der vergleichenden Sprachwissenschaft an der Uni- 
versität Kopenhagen hat er Vorlesungen über unser fach ge- 
halten. Über das finnische (grammatik, texte, u. a. Kalevala) hat 
er herbstsem. 1871 — herbstsem. 73, herbstsem. 1887, herl)stsem. 
1888, herbstsem. 1890 — herbstsem. 1891, frühjahrsem. — herbst- 
sem. 1897 gelesen; über das magyarische herbstsem. 1873 — herbst- 
sem. 1875; über den bau und die geschichte der finnischen spra- 
chen im frühjahr 1888 und wieder im frühjahr 1892. In diesen 
Vorlesungen hat er auch einen teil seiner Untersuchungen über die 
indoeuropäischen lehnwörter in den finnisch-ugrischen sprachen 
vorgetragen; die ausserordentlich grosse bedeutung dieser Untersu- 
chungen für die finnische und finnisch-ugrische Sprachwissenschaft 
ist allzu bekannt um hier näher erörtert werden zu müssen. 

In der Schweiz hat die Universität zu Basel einen tüchti- 
gen kenner des finnischen und ungarischen in Franz Misteli, pro- 
fessor der Sprachwissenschaft, gehabt. Wenn er in seinen Vorle- 
sungen eine Charakteristik der hauptsächlichsten typen des Sprach- 
baues (wintersem. 1884/5, sommersem. 1892 — sommersem. 1893, 
im erstgenannten semester »mit texinterpretationen») oder eine Über- 
sicht sämtlicher sprachen, bezw. der sprachen Europas (sommersem. 
1894, wintersem. 1894/5) gab, hat er natürlich auch die finnisch- 
ugrischen und »uralaltaischen» sprachen behandelt, wie auch aus 
seiner neubearbeitung der Steinthal'schen »Charakteristik der haupt- 
sächlichsten Typen des Sprachbaues» zu ersehen ist. Wie weit er 
dieselben auch in seinen Vorlesungen über die allgemeine Sprach- 
wissenschaft (in der allgemeinen einleitung in die Sprachwissen- 
schaft, darstellung der geschichte und litteratur der Sprachverglei- 
chung) l^^erücksichtigt hat, mag dahingestellt bleiben. 

In Italien hat Domenico Comparetti, der bekannte Kale- 
vala-forscher, der 25 jähre professor der griechischen litteratur zu- 
erst an der Universität zu Pisa und später an der hochschule zu 
Florenz (R. Istituto di studi superiori) war, in seinen Vorlesungen 
über Homer auch öfters die Kalevala-fragre berücksichtigt; auch in 



Er hat jedoch nie über dieses fach gelesen. 



64 E. X. Setälä. Die finn.-ugr. Studien als universitätsfach. 

der Accademia dei Lincei hat er einen vertrag über das Kalevala 
gehalten. 

Betreffs eventueller Vorlesungen über dieses fach in anderen 
ländern, bezw. Universitäten fehlen uns alle nachrichten. 

Wie schon aus dieser Übersicht liervorgeht, haben die fin- 
nisch-ugrischen Studien als universitätsfach in den letzten zeiten an 
fiele und wissenschaftlichem wert gewonnen; was aber die breite, d. h. 
die Vertretung an den verschiedenen Universitäten Europas, anbe- 
langt, ist zu dieser zeit ein rückgang zu konstatieren. Besonders 
dürfte das erscheinen des Kalevala Universitätsvorlesungen ver- 
anlasst haben, und kein neueres ereignis auf diesem gebiete 
hat in demselben masse das Interesse der gelehrten fesseln können. 
Wir geben uns jedoch der holfnung hin, dass die vertieften Stu- 
dien auf dem gebiete der finnisch-ugrischen Sprachwissenschaft und 
Volkskunde die aufmerksamkeit der gelehrten weit von neuem auf 
dieses gebiet werden hinlenken können. 

Helsinofors. E. N. Setälä. 



Anhang zum obigen aufsatz. 
Vorlesungen und Übungen 

auf dem gebiete der finnisch-ugrischen sprach- und Volkskunde 

an den Universitäten Europas 

1 900/1. 

Budapest, Ungarn. 

GvuLAi, PÄL, ü. o. prof. der ung. litteratur. H.-S. 1900; ein- 
führung in die ungarische litteraturgeschichte und geschichte der 
ungarischen litteratur bis 1526, 4 st.; seminarübungen, 3 st. F.-S. 
1901: geschichte der ungarischen litteratur bis 1526 und von 1526 
bis 1606, 4 St.; seminarübungen 3 st. 

Beöthy, Zsolt, ö. o. prof. d. ästhetik u. poetik. H.-S. u. F.-S. : 
überblick über die ungarische litteratur der neuzeit, 2 st. 

SiMOXYl, ZsiGxAlOND, ö. o. prof. der ung. spräche u. Htt. H.-S. 
1900: ungarische Wortbildung, 2 st.; ungarische etymologie, i st.; 
vergleichung der ungarischen vmd lateinischen svntax, 2 st. ; philo- 
logische gesellschaft (schriftliche arbeiten, Übungen für fortgeschritte- 



Finn.-ugr. Vorlesungen und Übungen. 65 

nere) 2 st. F.-S. 1901: wortableitung und komposition, 2 st.; dia- 
lektologische Übungen, l st. ; Übersetzungen ins ungarische, 2 st. ; 
philologische gesellschaft (schriftliche arbeiten), 2 st. 

SziNXYEi, JozSEF, ö. o. prof. d. altaischen sprachen. H.-S. 1900: 
Einführung in die vergleichung der finnisch-ugrischen sprachen, 
darnach : finnisch, 2 st. ; ungarische Sprachvergleichung I. (lautlehre, 
Wortbildung), 2 st. ; ungarische Sprachvergleichung II. (abschluss 
der vorsemestrigen Vorlesungen), i st. ; finnisch-ugrische sprachwis- 
senschaftliche Übungen, 2 st. F.-S. 1901 : finnische syntax und textinter- 
pretation, 2 st.; ungarische sprachvergleidung, 2 st.; interpretation 
und anah-se wogulischer texte, i st. ; interpretation und anal5'se 
estnischer, wepsischer und wotischer texte, 2 st. 

BODXÄK, ZsiGMOND, privatdozent d. ung. litteratur. H.-S. u. 
F.-S. : geschichte der ungarischen litteratur von XVI. bis XVIII. Jahr- 
hundert. 

ZoLNAl, Gyla, privatdozent d. ung. spräche. H.-S. 1900: 
ungarische wortlehre III. : wortsuffigierung, 2 st. ; sprachhistorische 
Übungen, i st.; F.-S. 190 1 : ungarische syntax, 2 st.; lektüre und 
interpretation der ältesten ungarischen bibelübersetzung, i st. 



Christiania, Norwegen. 

Nielsen, Konrad, dozent des lappischen und finnischen (»kvä- 
nischen»). Lappisch (fortsetzung), 2 — 3 st.; finnisch für anfänger, 3 
st. ; ausgewählte gedichte des Kalevala, i st. ; ausserdem täglich 
praktischer Unterricht im lappischen und finnischen für interes- 
santen (z. b. für pfarrer, die ein examen in diesen sprachen able- 
gen w'oUen). 

Dorpat (Jurjev), Russland. 

Hermann, August, lektor der estnischen spräche. H.-S. : Ge- 
schichte der neueren estnischen litteratur, i st. ; grammatik der est- 
nischen Sprache, i st. ; lektüre ausgewählter abschnitte aus der est- 
nischen litteratur in Verbindung mit etymologischen und syntaktischen 
Übungen, l st. F.-S. 1901: fortsetzung der beiden ersten Vorlesun- 
gen; lektüre ausgevählter abschnitte aus der estnischen und finni- 
schen litteratur, i st. 

Helsingfors, Finland. 

Genetz, Arvid Oskar Gustav, o. professor der finnisch- 
ugrischen Sprachforschung. H.-S. 1900: deskriptive und verglei- 
chende darstellung des tscheremissischen, 4 St., l st. repetitions- 
koUeg; F.-S. 1901: nicht gelesen. 



66 Fiiiu.-ugr. vorlesuugeu und Übungen. 

Setälä, Emil Nestor, o. professor der finnischen spräche und 
litteratur. Formen- und bedeutungslehre der finnischen spräche vom 
finnisch-ugrischen Standpunkte, 2 st. H.-S. 1900: Vorlesungen und 
Übungen über ältere finnische litteratur, 2 st. F.-S. 1901: über 
karelisch und olonetzisch, 2 st. Seminarübungen über ältere finni- 
sche Schriftsprache; anleitung zur abfassung schriftlicher arbeiten. 

Krohn, Kaarle Leopold, a. o. professor der finnischen und 
vergleichenden volksdichtungsforschung. H.-S. 1900: Volksdichtung 
Westfinlands, 4 st. F.-S. 1901: finnische zauberlieder. 

Snellman, Artturi H., dozent der finnischen, russischen und 
nordischen geschichte. F.-S. 1901: seminarübungen über die Chro- 
nik Heinrichs des Letten »Origines Livoniae». 

WiCHMAXX, Yrjö Jooseppi, dozent der finnisch-ugrischen 
Sprachwissenschaft. H.-S. 1900: phonetik, darnach: estnisch, 2 st.; 
F.-S. 1901: wepsisch, 2 st. 

Niemi, Aukusti R., dozent der finnischen litteratur und Volks- 
dichtung. H.-S. 1900: lettische volkspoesie mit der finnischen 
verglichen. F;-S. 1901: seminarübungen über die Zusammensetzung 
des Kalevala. 

Cajander, Paavo Emil, lektor der finnischen spräche. Prak- 
tische Übungen im finnischen; schriftliche Übungen. 

Almberg, Anton Fredrik, a. o. lektor der ungarischen sprä- 
che. Ungarisch für das kandidatenexamen, 2 st. 

Paasikivi, Juho K., stellvertretender a. o. lektor der finni- 
schen spräche in der Jurist, fakult. Mündliche Übungen im finnishen 
und schriftliche arbeiten über juristische themen auf finnisch. 

Kasan, Russland.. 

Anderson, Nikolai, lehrer der finnischen dialekte. H.-S. u. 
F.-S. vergleichende grammatik der ugrofinnischen sprachen, 4 st. ; 
über den einfluss der indoeuropäischen sprachen auf die ugrofinni- 
schen, 2 st. 

Klausenburg (Kolozsvar), Ungarn. 

Szechy, KAroly, ö. o. prof. der ung. litteraturgesch. und d. 
ästhetik. H.-S. 1900: die verserzählungen des XVI. Jahrhunderts, 4 
St.; ästhetische und litteraturgeschichtliche betrachtung von Emerich 
Madäch's »Az ember tragediäja», 2 st. F.-S. 1901: die verserzäh- 
lungen des XVL Jahrhunderts, 2:ter teil, 4 st.; ästhetische und litte- 
raturgeschichtliche betrachtung von Emerich IMadäch's »Az ember 
tragediäja ) (fortsetzung), 2 st. 



Fiun.-ugr. Vorlesungen und Übungen. 67 

HalAsz, Igxacz, ö. o. prof. d. ung. sprach wissensch. u. ver- 
gleichenden ugrischen linguistik. H.-S. 1900: System der ungarischen 
spräche, 4 st. ; finnische grammatik, i st. ; mordwinische gramma- 
tik, I St.; linguistische Übungen, 2 st.; F.-S. 1901 : System der 
ungarischen spräche (fortsetzung), 3 st.; finnische lektüre, 2 st.; 
linguistische Übungen, 2 st. 

SzADECZKY, LajoS, ö. o. prof. d. ung. geschichte. H.-F. 1900: 
die zeit der landnahme 4 st. ; quellenstudien aus der zeit der Ar- 
paden, 2 st. F.-S. 1901: geschichte Ungarns zur zeit der Arpa- 
den, 4 St. 

Vajd.a. G\XLA, ö. o. prof. der ungarischen kulturgeschichte. 
H.-S. 1900: Geschichte der materiellen und geistigen kultur Un- 
garns 1526 — 1711. 

PöSTA, Bela, ö. o. prof. der archäologie. H.-S. 1900: die 
bronzezeit, 2 st. 

Herrmaxx, Axtal, privatdozent d. ethnographie. H.-S. 1900: 
überblick über die ethnographie Siebenbürgens (fortsetzung), i st.; 
Übungen im ethnographischen museum, i st.; F.-S. 1901 : über- 
blick über die ethnographie Siebenbürgens (fortsetzung), l st. ; eth- 
nographische Übersicht, l st. 

Prag, Österreich (Böhmen). 

Brabek, Fraxtisek, lektor der mag3'arischen spräche und 
Htteratur. W.-S. 1900 l: wissenschaftliche im Interesse der ugr.- 
finn. sprachwissenchaft unternommene reisen bis zu der neuesten 
zeit, I St.; magj'arische Sprachlehre mit praktischen Übungen, 2 
St.; S.-S. 1901: magyar. Sprachlehre mit praktischen Übungen, 
2 St. ; geschichte des magyar. dramas seit Szigligeti bis auf die 
neuzeit, i st. 

Upsala, Schweden. 

WiKLUXD, Karl Berxhard, dozent der finnisch-ugrischen 
Sprachwissenschaft. H.-S. 1900: finnisch, 2 st. (4 zuhörer) ; unga- 
risch, 2 St. (4 Zuhörer); F.-S. 1901 : finnisch, 2 st.; ungarisch, i st. 



Wien, Österreich. 

To.mecsek, Georg, lehrer des ungarischen. Zwei kurse in der 
ungarischen spräche, einen für anfänger, den anderen für vorge- 
schrittene. 



68 Bibliographie. 



BIBLIOGRAPHIE 

der finnisch-ugrischen sprach- und Volkskunde 
für das jähr 1 900. 



Wie in dem plan dieser Zeitschrift ausgesprochen wurde, ist 
es unsere absieht die finnisch-ugrische bibliographie zukünftig ein- 
mal im jähre zu veröffentlichen. Da die nachrichten von verschie- 
denen Seiten herbeizuholen sind, so kann dieser erste versuch so 
wenig hinsichtlich seines inhalts wie seines plans mit dem anspruch 
auf Vollständigkeit und gleichmässigkeit auftreten. Aus Ungarn ist 
es uns schw'er geworden alle litteratur zu bekommen, ebenso erhält 
unsere Universitätsbibliothek, in die auch alle in Russland erschei- 
nende litteratur einlaufen sollte, und deren Sammlungen uns bei 
der vorliegenden arbeit hochwichtig gewiesen sind, dieses bücher- 
material so spät und oft unvollständig, dass notgedrungen lücken 
bleiben mussten. Über einen teil der unten angeführten Schriften 
standen uns notizen nur in anderer hand (aus bibliographischen Ver- 
zeichnissen u. dgl.) zur Verfügung, und in solchen fällen war der 
titel oft nicht genügend um den platz dieser Schriften in der biblio- 
graphie genau zu bestimmen. Soweit es möglich ist, werden wir 
bei gelegenheit der bibliographie für 1901 alle lücken, die offen 
bleiben mussten, auszufüllen versuchen. 

Was den allgemeinen plan der bibliographie betrifft, so hat 
man konsequent solche erzeugnisse unberücksichtigt lassen wol- 
len, w^elche nicht in irgend einer weise zur finnisch-ugrischen 
sprach- oder Volkskunde in berührung stehen. Daher w'erden wir 
uns z. b. nur mit solchen Schriften auf allgemein sprachwissen- 
schaftlichem gebiet zu beschäftigen haben, in denen durch beispiele 
oder anderweitig auf finnisch-ugrische sprachen bezug genommen 
ist. Man könnte allerdings sagen, die allgemeine Sprachwissen- 
schaft könne hier ebenso in frage kommen, w^ie in der bibliogra- 
phie der Indogermanischen Forschungen; diese rücksichtnahme 
würde jedoch zu einer zwecklosen Wiederholung anderer bibliogra- 
phien führen, und ausserdem wäre es für uns schwer auch nur 
einige Vollständigkeit zu erzielen. Jedoch sollen solche, die allge- 
meine Sprachwissenschaft berührende publikationen berücksichtigt 



Einleitung. 69 

werden, die in ungarischer, finnischer oder estnischer spräche abge- 
fasst sind. Nach demselben princip sind keine Schriften vom ge- 
biet der sog. uralaltaischen sprach- oder Volkskunde aufgenommen, 
wenn sie das finnisch-ugrische gebiet überhaupt nicht streifen. 

In den bereich unserer besprechung haben wir vorläufig die 
auf praktischen Sprachunterricht und Studium abzielenden 
Veröffentlichungen, auch wenn sie kaum einen eigentlichen wissen- 
schaftlichen wert besitzen, gezogen, da es wichtig sein kann zu 
verfolgen, wie der fortschritt der forschung auf diesem gebiet wirkt. 

Da der drucke in der mehrzahl der finnisch-ugrischen spra- 
chen sehr wenige und sie zugleich schwer zu beziehen sind, sollen 
in der bibliographie alle in anderen finnisch-ugrischen sprachen 
ausser auf finnisch, estnisch (d. h. in der allg. nordestnischen 
Schriftsprache) und ungarisch erschienenen bücher aufgeführt wer- 
den. Die lappische bibliographie ist da fortgesetzt, wo J. QviG- 
STAD und K. B. Wiklund's »Bibliographie der lappischen litte- 
ratur» (1899) abbricht. 

Von archäologischen Schriften haben diejenigen berück- 
sichtigung erfahren, in welchen die archäologie der gebiete behan- 
delt ist, in denen heute ein finnisch-ugrisches volk wohnt oder 
in früheren zeiten nach der annähme der forschung gewohnt hat. 
Funde aus diesen gebieten, welche aus der zeit vor der einwan- 
derung der betreffenden finnisch-ugrischen Völker stammen, sind im 
allgemeinen nicht berücksichtigt. 

Hinsichtlich der geschichte sei bemerkt, dass natürlich die 
neuere politische geschichte ausgeschlossen ist. Berücksichtigt 
wird die historische litteratur, welche die Wanderungen der finnisch- 
ugrischen Völker zu ihren jetzigen Wohnsitzen und ihre volkstüm- 
liche kultur betrift't. Die litteraturgeschichte — auch die 
neuere • — mitzubehandeln war unsere ursprüngliche absieht, da ihr 
gegenständ immerhin sprachlicherseits finnisch-ugrisch ist. Es stellte 
sich aber bald heraus, dass es uns unmöglich wurde besonders die 
vielen artikel, die von ästhetischem und rein litterarischem gesichts- 
punkt die neuere ungarische litteratur behandeln, mitzunehmen. 
Deshalb haben wir uns in der ungarischen, finnischen und estni- 
schen litteraturgeschichte in der regel auf die geschichte der älte- 
ren litteratur, die auch für die Sprachgeschichte von interesse sein 
kann, beschränkt. Die grenze haben wir für die ungarische litte- 
raturgeschichte um die zeit der Spracherneuerung (im i8:ten jahrh.j, 



^O Bibliographie. 



für die finnische um das jähr 1809 (jähr der Vereinigung des gross- 
fürstentums Finland mit dem russischen reiche) und für die estnische 
um das jähr 1850, zu welcher zeit die neue Schreibweise eingeführt 
wurde, angesetzt. 

Über die behandlung der litteratur anderer gebiete dürfte 
kaum etwas bemerkt zu werden brauchen. Im allgemeinen soll 
eher das zuviel als das zuwenig die regel sein. Die erfahrung 
wird voraussichtlich in diesem punkte zu grösserer gleichmässigkeit 
führen. 

Kurze inhaltsangaben werden im allgemeinen nicht von be- 
sonders erschienenen werken gegeben werden, welche nach mög- 
lichkeit besonders zu rezensieren sind, sondern bloss von zeit- 
schriftenartikeln und werken, die nur zu einem kleinen teil das 
finnisch-ugrische gebiet betrefifen, oder die hinsichtlich ihres Inhalts 
der art sind, dass eine besondere rezension nicht in frage kommen 
kann. Der Inhalt wird im allgemeinen ganz objektiv dargestellt, 
ohne dass der Standpunkt des Verfassers der Inhaltsangabe zur 
betr. frage zum ausdruck kommt. 

Der unterzeichnete der für den allgemeinen plan und für 
die Zusammenstellung der bibliographie verantwortlich ist, hat bei 
dem sammeln bibliographischer notizen und bei der besprechung 
der erscheinungen von vielen mitarbeitern Unterstützung gehabt. In 
erster reihe sind zu nennen dr. ZoltÄn Gombocz (Budapest, un- 
garische erscheinungen), mag. phil. Alfr. Hackman (Helsingfors, 
archäologie, ethnographie), mag. phil. Martti Nyholm (estnische 
Zeitungen), seminarvorstand J. Qvigstad (Tromsö, norwegisch-lap- 
pische erscheinungen), dr. GuST. Schmidt (Helsingfors, russische, 
ungarische erscheinungen, hülfe beim korrekturlesen), doz. 
Yrjö Wichm.wn (Helsingfors, bes. russische, aber auch andere 
erscheinungen, ist auch an der Zusammenstellung und am korrek- 
turlesen beteiligt gewesen) und doz. K. B. WiKLUXD (schwedisch- 
lappische erscheinungen). Kleinere beitrage haben gegeben: hon. 
John Abercromby (Edinburgh), prof. J. Baudouix de Courtexay 
(St. Petersburg), mr. E. D. Butler (London), mag. phil. A. K.\x- 
NISTO, (Helsingfors, über den Inhalt des vVirittäjä >), prof. A. Meil- 
LET (Paris), prof. J. J. Mikkola (Helsingfors). prof. J. SzixxVEl 
(Budapest) und prof. ViLH. Thomsex (Kopenhagen). 

Ich benutze schliesslich die gelegenheit um Unterstützung bei 
der ausarbeitung der bibliographie zu bitten. Besonders ist die 



I. Allgemeines. i. Zeitschriften und Sammelwerke. 7 1 

Zusendung von dissertationen, programmen, gelegenheit- 
schriften, sonderabzügen und -anschnitten aus Zeitschriften 
und Zeitungen und von anderen schwer zugänglichen Schrif- 
ten erwünscht. In fällen, wo eine Sendung von sonderabzügen 
nicht möglich ist, ist die redaktion für mitteilung des titeis 
(bezw. des orts und der Seitenzahl) nebst kurzer inhaltsangabe 

sehr dankbar. 

E. X. SetäLÄ. 



I. Allgemeines. 

1. Zeitschriften und Sammelwerke. 

1. Suomalais-ugrilaisen Seuran aikakauskirja. XVII. — Jour- 
nal de la Societe Finno-Ougrienne. XVII. Helsinki 1900. 8:0. 
72 -f 29 4- 52 -|- 36 s. Fm. 8. 

2. Suomalais-ugrilaisen Seuran aikakauskirja. XVIII. — 
Journal de la Societe Finno-Ougrienne. XVIII. Helsinki 1900. 
8:0. 29 -(- 10 -[- 9 -f- 49 s. Fm. 7. 

3. Suomi. Kirjoituksia isänmaallisista aineista. Toimittanut Suo- 
malaisen Kirjallisuuden Seura. Kolmas jakso. 18 osa. = Suomi. 
Abhandlungen über vaterländische gegenstände. Herausg. von 
der Finnischen Litteraturgesellschaft. Dritte serie. 18. teil, Hel- 
singfors, FLG. 1900. 8:0. IX -|- 480 s. Fm. 5. 

4. Nyelvtudomänyi Közlemenyek. A Mags^ar Tudomänyos 
Akademia nyelvtudomänj'i bizottsäg megbizäsäböl szerkeszti Szin- 
nj'ei Jözsef. = Sprachwissenschaftliche mitteilungen. Im auftrage 
des sprachwissenschaftlichen ausschusses der Ungar. Akademie 

der Wissenschaften redigiert von . Budapest, UAW. 1900. 

8:0. IV 4- 488 s. Kr. 6. 

5. Keleti szemle. Közlemenyek az ural-altaji nep- es nyelv- 
tudomän}' köreböl. A Magyar Neprajzi Tärsasäg keleti szakosz- 
tälyänak es a Keleti Kereskedelmi Akademiänak ertesitöje. — 
Re\Tae Orientale pour les etudes ouralo-altaiques. Journal de la 
section Orientale de la Societe ethnographique hongroise et de 
l'Academie Orientale de commerce ä Budapest. Herausg. von Ignäcz 
Künos und Bemät Munkäcsi. I. Budapest (Leipzig, in komm, 
bei Otto Harrassowitz). 1900. 8:0. IV -|- 336 -f- 4^ s. 
Kr. 8. =Rm. 8. 

6. Ethnographia. A Magyar Neprajzi Tärsasäg es a Magj'ar 
Nemzeti Müzeum ertesitöje. =: Ethnographie. Intelligenzblatt der 
Ungar. Ethnographischen Gesellschaft und des Ungar. Natio- 
nalmviseums. Herausg. von B. INIunkäcsi und Gv- Sebes- 



y2 I- Allgeiiieines. 



tyen. XI. Budapest, Ungar. Ethnoajaph. Gesellsch. 1900. 
8:0. 4S0 s. Kr. 10, für abonnenten Kr. 6. 
Als beilage folgt nr. 109. 

7. lIsBtcTifl 06niecTBa Apxeo.iorin. IIcTopin 11 ;-*Tiinr2)ai|iin iipii II.MiiepaTop- 
cKOMi KaaaHCKOML yennepcnTeTi;. =r ^Mitteilungen der Gesellschaft 
für Archäologie, Geschichte und Ethnographie an der Kaiserl. 
Universität zu Kasan. XVI. Kazai'i, Universitätsdruckerei. 1900. 
8:0. 321 + 25 -[- 64 -(- 128 4-91+20 s. Rbl. 5. 

8. BTHorpatfimecKoe ouosptHie. II:3;iaHie BiHorp. Oxjit.ia IImii. Od- 
mecTBa .TioönTe.iefi EciecTBosHaHin, AHTpono.iorin n 9THorpaiIiin, cocToümaro 
npn MocKOBCKOMt j-HnBepcnTeT-fc. Iloji, pejaKuicfi H. A. HH'ivKa. = 
Ethnographische rundschau. Publikation der ethnogr. abteilung 
der Kaiserl. Gesellsch. der freunde der naturforschung, anthropo- 
logie und ethnographie an der Universität zu Moskau. Red. von 
N. A. Jancuk. Jahrg. 12. XLIV— XLVI. Moskva. 1900. 
8:0. 187 + 186 + 171 s. Rbl. 5, fürs ausl. Rbl. 6. 

2. Bibliographie. 

9. Orientalische Bibliographie. Bearb. u. herausg. von Dr. 
Lucian Scherman. XIII (für 1899). I hälfte. S. i — 158. 
Berlin, Reuther & Reichard. 1900. 8:0. Jahrg. Rm. 10. 

S. 28—38: Ural-altaische Völker. 

10. Orientalische Bibliographie. Bearb. u. herausg. von Dr. 
Lucian Scherman. XIII (für 1899). II hälfte. S. 159 — 345 
+ Vni s. Berlin, Reuther & Reichard. 1900. 8:0. Jahrg. Rm. 10. 

S. 186—194: Ural-altaisclie Völker. 

11. Hellebrant Arpäd. Könyveszet 1899. z= Bibliographie 1899. 
NyK XXX, 1900. S. 102 — 116. 

Bibliographie der sprachwissenschaftlichen arbeiten 1899. 

12. Hellebrant Arpäd. Neprajzi könj'veszet 1899-böl. =z Ethno- 
graphische bibliographie 1899. Ethn. XI, 1900. S. 236 — 239, 
283—288, 380-382, 430-431. 

13. Katanov N. .InxepaTvpa apxeo.iorin, ncropin n 3THorpa(|tiii k;i Bropuii 
iio.TOBnHt 1899 ro;ia (no ras^-xaMi, Bt;ioMOCTHMB 11 Ht.KaTopHMi, jKypna.iaMi, 
no.iyjaeiiHiM'fc OomecTSOMt Apx., IIct. ii Bth.j. =:: Die archäologische, 
historische und ethnographische litteratur in der zweiten hälfte 
des Jahres 1899 (nach Zeitungen und einigen Zeitschriften, welche 
die Gesellschaft der archäol., gesch. u. ethnogr. empfangen hat.) 
IL^B. üijm. Apx., IIcT. n 3THorp. XVI. 1900. S. 309 — 320. 

Bibliograpliisclie notizen. 

14. Katanoflf N. Klehiere ethnographische Mitteilungen in rus- 
sischen Blättern und Zeitschriften über ural-altaische A'ölker aus 
der zweiten Hälfte des jahres 1899. KSz. I, 1900. .S. 147 — 
148 u. 240. 



2. Bibliographie. 77 



Bibliographisches. Die numnieni 1 — i ans ilem finnisch-ugrischen 
gebiete. 

15. Smirnov I. J'pa.iD-a.iTaiiCKÜi Mipi. ni. pyccKufi apxco.iornHecKOH, 
jicnipiiMccKoil II nTHOrpa(|iiiHt'CKoii .iiiTepaTypl;. = Die uralaltaische weit 
in der russischen archäologischen, historischen und ethnographi- 
schen litteratur. KSz. I. 1900. S. 61 — 66. 

Das „uralaltaische'' gebiet dient als gegenständ ununterbrochener 
forschungen niehi'erer russischer Wissenschaft!, gesellschaften u. institute, 
deren Publikationen jeder wissenschaftlichen gesellschaft Europas zur 
Verfügung stehen. Dagegen ist inizugänglich und geht verloren picht 
nur für die europäischen, sondern auch für die russischen gelehrten das 
reiche matevial, welches die provinzblätter und -publikationen liefern, 
welches jedoch die grösste aufmerksamkeit verdient. — Der verf. über- 
nimmt die Verpflichtung den russischen teil der KSz. zu leiten und aus- 
führliche berichte über das neueste in betreff der uralaltaischen weit in 
• \>-v russ. litteratur zu erstatten. 

16. Auszug aus der obigen russischen Mittheilung I. Smirnoff's: ,,Die 
ural-altaische Welt in der russischen archaeologischen, historischen 
und ethnographischen Literatur". KSz. I, 1900. S. 79 — 80. 

Vgl. die vorige nr. 

17. Jahresberichte der Geschichtswissenschaft im Auftrage der 
Historischen Gesellschaft zu Berlin, herausg. von E. Bern er. 
XXI (fürs Jahr 1898), 1900. 

Unter den referaten dieser Zeitschrift finden sich auch regelmässig 
kurze besprechungen von arbeiten auf dem gebiet der finnisch-ugrischen 
sprach- und Volkskunde. Solche besprechungen suche man vor allem 
in folgenden teilen: abteilung I, § 1. Urgeschichte, referent dr. A. 
Goetze (im Bd. XXI hat Goetze jedoch keine referate aus unserem ge- 
biet): abteilung II, § 41. Liv-, Est- und Kiu-land, referent Oberlehrer 
C. Mettig, rubriken Archäologie und Ethnographie; abteilung III, § 52 
B. Finnland, referenten professor dr. M. G. Schybergson u. mag. phil. 
A. Hackman: abteilung III, § 52 A. und § 52 B. Kussland, referent 
prof. W. Ikonnikow: abteilung III, § 57. Ungarn, referent prof. dr. L. 
Mangold (§ 52 A. n. B. u. § 57 fehlen jedoch im Bd. XXI). 

18. Szakats Peter. A M. N. Müzeum neprajzi osztälyänak kezi 
szakkönvvtära. =1 Die handbibliothek der ethnographischen ab- 
teilung des Ung. Nationalmuseums. NeprE I, 1900. S. i — 196. 

Katalog der bibliothek. 



Antiquarische kataloge. Buchhändlerische ankündigungen. 

19. Harrassowitz Otto. Bücherkatalog 252 enthaltend die orienta- 
lische Bibliothek des Baron Alfred von Krem er in Wien 
nebst Erwerbungen aus der Bibliothek des verst. Prof. A. So ein 
in Leipzig u. Anderer. Leipzig, Harrassowitz. 1900. 8:0. 126 s. 

20. Harrassowitz Otto. Antiquarischer Katalog 255. Völkerps}'- 
chologie, enthaltend u. A. den ersten Theil der Bibliothek des 
Professors Dr. H. Steinthal in Berlin. Mit einem Register. 
Leipzig, Harrassowitz. 1900. 8;o. 122 s. 



74 I- Allgemeines. 



2 1. Lederer B. Sprachwissenschaft. Orientalische, classische u. 

neuere Sprachen u. Litteraturen. Kat. nr. 70. 1900. 8:0. 58 s. 
22. Minerva. Luettelo N:o 35. Suomi, kirjallisuushistoriaa ja 

estetiikkaa, kielitiedettä, aikakauskirjallisuutta. [Auch mit schwed. 

titel]. ^ Katalog nr. 35. Finland, litteraturgeschichte und ästhe- 

tik, Sprachwissenschaft, periodische litteratur. Helsinki, Minerva. 

1900. 8:0. 20 s. 



3. Geschichte der Wissenschaft. 

23. Halasz Ignäcz. A magj'ar szöfejtes törtenete a legregibb idöktöl 
Hunfalvy Päl föUepteig. ^ Geschichte der ungarischen etvmo- 
logie von den ältesten Zeiten bis zum auftreten P. Hunfahy's. 
AkE XI, 1900. S. 5 — 19. 

Der verf. schliesst seine gescliiclitliclie darstellung mit den beiden 
hemerkungen: 1) dass man das etymologisieren der älteren zeiten nicht 
durch die brillen unserer zeit sehen solle; 2) dass, wie sicher auch, der 
grund der jetzigen etymologie sei, das etymologisieren immer einen sub- 
jektiven Charakter trage, sodass die nachwelt nicht viel anders einen 
grossen teil unserer etymologien beurteilen werde, als wir diejenigen 
der alten. 

24. Eiss Ernö. A finn-ugor nyelvhasonlitäs törtenetehez. ^=z Zur 
geschichte der finnisch-ugrischen Sprachvergleichung. NyK XXX, 
1900. S. 218 — 239. 

Kleine beitrage über Dobrowsky und Hell; der astronom Hell 
hat Sajuovics auf die ung.-lapp. Verwandtschaft aufmei'ksam gemacht. 

Thätigkeit der gesellschaften. kongresse, Universitäten etc. 

25. [Wichmann Yrjö.] Suomalais-ugrilaisen Seuran vuosikertomus v. 
1898. z= Jahresbericht der Finnisch-ugrischen Gesellschaft fürs 

j. 1S98. JSFOu. XVII,5. 1900. S.^18-26. 

26. [Wichmann Yrjö.] Rapport annuel de la Societe Finno- 
Ougrienne. Annee 1898. SFOu. XVII, 5. 1900. S. 27 — 36. 

Übersetzung der vorigen nr. 

27. Donner Otto. Alkajaispuhe Suomalais-ugrilaisen Seuran vuosi- 
kokouksessa 18 2^,2 98- ^^ Eröffnungsrede in der Jahresversamm- 
lung der Finnisch-ugrischen Gesellschaft i8 2/j2 98. JSFOu. 
XVII, 5. 1900. S. 8—12. 

28. Donner Otto. Discours prononce par — — ä la seance 
annuelle [de la Societe Finno-Ougrienne] 18Y1298. JSFOu. 
XVII,5. 1900. S. 13—17. 

Übersetzung der vorigen nr, 

29. [Wichmann Yrjö.] Suomalais-ugrilaisen Seuran vuosikertomus 
V. 1899. ^r. Jahresbericht der Finnisch-ugrischen Gesellschaft fürs 
j. 1899. JSFOu. XVIII,4. 1900. S. "29-38. 



Geschichte der Wissenschaft. 



30. [Wiehmann Yrjö.] Rapport annuel de la Societe Finno-Oug- 
rienne. Annee 1899. JSFOu. X\'III,4. 1900. S. 39—49. 

tjhcrsetzung der vorigen nr. 

31. Donner Otto. Alkajaispuhe Suomalais-ugrilaisen Seuran vuosi- 
kokouksessa 18 2/^2 99. = Eröffnungsrede in der jahresver- 
sammhing der Finnisch-ugrischen Gesellschaft 18 ^^'^^ 99. JSFOu. 
XVIII,4. 1900. S. 18—23. 

32. Donner Otto. Discours prononce par — — ä la seance 
annuelle [de la Societe Finno-Ougrienne] 182/^.^99. JSFOu. 
XVni,4. 1900. S. 23 — 28. 

Übersetzung der vorigen nr. 

33. Otteita Suomalais-ugjilaisen Seuran keskustelemuksista v. 1898. 

— Auszüge aus den Sitzungsberichten der Finnisch-ugrischen Ge- 
sellschaft im j. 1898, JSFOu. XVII, 5. 1900. 36 s. 

34. Otteita Suomalais-ugrilaisen Seuran keskustelemuksista v. 1899. 

— Auszüge aus den Sitzungsberichten der Finnisch-ugrischen Ge- 
sellschaft im j. 1899. JSFOu. XVIII, 4. 1900. 49 s. 

35. Rothsten F. W. Suomalaisen Kirjallisuuden Seuran vuosiker- 
tomus Maaliskuun i6:na 1900. = Jahresbericht der Finnischen 
Litteraturgesellschaft am 16. märz 1900. Uusi Suometar 1900, 
beilage zu nr. 71. 

36. Suomalaisen Kirjallisuuden Seuran vuosikokous 
19 ^^'3 00. :=r Jahresversammlung der Finnischen Litteraturge- 
sellschaft i9i*'/3 00. Helsingfors, FLG. 1900. Kl. 8:0. 38 s. 

Enthält die Jahresberichte des Sekretärs (= nr. 3.5), des kassierers, 
des bibliothekars, u. s. w. 

37. Sitzungsberichte der Gelehrten Estnischen Gesellschaft 
1899. Jurjew (Dorpat), Gel. Estn. Ges. (Leipzig, in komm, 
bei K. F. Koehler). 1900. Kl. 8:0. IV -]- 188 s. 

38. [Szily Kälmän.] Jelentes a M. Tud. Akademia munkässä- 
gäröl 1899-ben. = Bericht der thätigkeit der Ungar. Akademie 
der Wissenschaften im j. 1899. AkE XI, 1900. S. 217 — 255. 

Vgl. nr. 40 imten. 

39. Szily Kälmän. Jelentes a M. Tud. akademia munkässägäröl 
1899-ben. :=! Bericht der thätigkeit der Ungar. Akademie der 
Wissenschaften im j. 1899, AkE XI, 1900. S. 291 — 296. 

Kurze Zusammenfassung der vorigen nr., auf der jahresversamm- 
h;ng der Ungar. Akademie der Wissenschaften mitgeteilt. 

40. Szily C. Rapport sur les travaux de l'Academie Hongroise des 
Sciences en 1899. Budapest, L'AW. 1900. 8:0. 27 s. 

Übersetzung der nr. 38. 

41. Mag5^ar Neprajzi Tärsasäg 1900 märczius 21-en tartott 
rendes evi közgy^ülese. := Jahresversammlung der L^ngar. Ethno- 
graphischen Gesellschaft am 21. märz 1900. Ethn. XI, 1900. 
S. 174 — 189. 



y6 I- Allgemeines. 

Enthält u. a. eine eröifnungsrede von B. Munkäcsi, den jakres- 
hericht der gesellschaft von Gy. Sebestj-en und den bericlit über die 
Wirksamkeit des orientalischen fachvereins derselben von I. Künos. 

42. niioTOKOjH sact^aHiu X apxeo.iornHecKaro cttsja B't Pnrt. irr Sit- 
zungsberichte des X. archäologischen kongresses in Riga. Tpy.TbT 
X. apx. cBt)3;i,a bt> Pnrt 1896. III. 1900. S. 44 — 143. 

Ein ausführlicher deutscher auszug dieser bereits während des kon- 
gresses gedruckten protokolle findet sich im Archiv für Anthropologie 
XXV 154—164, 77—106; vgl. auch die berichtigung ebenda s. 538. 

43. Congr^s international d'histoire des religions tenu ä Paris, du 
3 au 8 septembre 1900. Proces-verbaux sommaires par M. Jean 
Reville. Paris 1900. 8:0. 22 s. 

44. Congres international des traditions populaires tenu ä Paris du 
10 au 12 septembre 1900. Proces-verbaux sommaires par M. 
Paul Sebillot. Paris 1900. 8:0. 19 s. 

45. Malinovskij F. CiiuiipcKaa cxapHiui. =: Sibirisches altertum. Ciiuiip- 
CKdsi J1»H3HL 1900, nr. 227. S. 2. 

Erwähnt auch die thätigkeit der sibirischen gesellschaft hinsicht- 
lich der geschichtlichen erforschung der eingeborenen. 

46. HayiHHH ;fficnejnu,iH $nHCKo-yropcKaro OömecxBa. =1 Die wissenschaft- 
lichen expeditionen der Finnisch-ugrischen Gesellschaft. IIpaBHi. 
B'bcTHnKi. 1900, nr. 250. 

AVahrscheinlich unter Zugrundelegung der Jahresberichte der Fin- 
nisch-ugrischen Gesellschaft für 1898 u. 1899. (JSFOu. XVII u. XVHI.) 

47. Suomalaisia tutkijoita Aasiassa. = Finnische forscher in Asien. 
Päivälehti 1900, nr. 224. 

Enthält mittcilungen über die forschungsreisen Karjalainen's, Paa- 
sonens, Eamstedt's, Sirelius' und Aimä's. Der aufsatz war auch in Uusi 
Suometar (nr. 242) und Hufvudstadsbladet (nr. 228 u. 230) publiciert. 

48. Zichy Eugene. Notes de voyages en Siberie. La Revue 
d'Europe 1900, 3 & 4 livr. 

49. A M. Tud. Akademia pälyakerdesei (1893 — 1900). = 
Die Preisfragen der Ungar. Akademie der Wissenschaften (1893 
— 1900). AkE XI, 1900. S. 518-536. 

Fortsetzung eines früheren Verzeichnisses (1832 — 1892, AkE 111, 
1892, s. 557 ff.); unter den Preisfragen sind auch sprachwissenschaftliche 
uml litteraturhistorische. 

50. Szily Kälmän. A M. Tud. Akademia jutalomtetelei. = Preis- 
aufgaben der Ungar. Akademie der Wissenschaften. AkE XI, 
1900. S. 276 — 288. 

Unter den Preisfragen zu erwähnen: über die türkischen elemente 
der ung. spräche; geschichte der ung. Orthographie; geschichte der 
iing. lyrik von den ältesten zeiten bis 18G7 ; Untersuchung über die quellen 
der ung. Codices bis zur mitte des XVI. Jahrhunderts. 

51. Jelentes a nagyjutalomröl es a Marczibän\'i mellekjutalomröl. 
^ Bericht über den grossen preis und den Marczibänyi-nebenpreis. 
AkE XI, 1900. S. 256 — 257. 



Geschichte der Wissenschaft. 



77 



Der Ungar. Akademie wird von der sjjrachwissenschaftlichen abtei- 
liing derselben vorgesclilagen, dass unter den sprachwissenscliaftlichen 
. ai'beiten 1893 — 99 der grosse preis der Akademie dem prof. J. Szinnyei 
für seine arbeit „Magyar täjszütär" (Ungarisches dialektlexikou), und der 
nebenpreis dr. B. Munkäcsi für „A votjäk nyelv szötära" (Wörterbuch 
der wotjakischen spräche) zuerteilt werde. Der Vorschlag wurde von der 
Akademie angenommen. 

52. Simonyi Zsigmond. Jelentes az akademiai nag\'jutalomr(!)l es 
a Marczibänyi mellekjutalomröl. = Bericht über den grossen 
preis der Akademie und den Marczibänyi-nebenpreis. Njt. XXIX, 
1900. S. 217 — 220. 

Ein ausführlicher auszug aus dem gutachten, welches die vorige 
nr. stark verkürzt wiedergiebt. Verzeichnis der zu prämierenden werke. 

53. Jelentes a Lukäcs Krisztina-fele jutalom nyelvtudomänj-i pälyä- 
zatäröl. nr: Bericht über die sprachwissenschaftliche konkurrenz 
um den preis von Krisztina Lukäcs. AkE XI, 1900. S. 432 — 440. 

Ableimende kritiken von gr. G. Kuun, B. Munkäcsi und I. Künos 
über eine haudschriftl. preisschrift über die türkischen demente im uug. 

54. Simonyi Zsigmond u. S2dnnyei Jözsef. Jelentes a finn-ugor 
nj-elveszetböl kihirdetve volt pälyäzat eredmenyeröl. = Bericht 
über das ergebnis der angekündigten konkurrenz in der finnisch- 
ugrischen Sprachwissenschaft. Acta Reg. Scient. Vniversitatis 
Vng. Anni MDCCCXCIX— MDCCCC. A Budapest! Kirälyi Ma- 
gyar Tudomäny-egj-etem üjjäalakitäsänak CXX. evfordulöja alkal- 
mäböl 1900. evi mäjus hö 13-än tartott ünnepe. S. 107 — 
109. Budapest, Univ.-druckerei. 1900. 8:0. 

Bemleilung einer universitäts-preisschrift von B. Falusy, ,.die 
Zusammenstellung der finnisch-ugrischen lautkombinationen nk, nt, mp 
und ihrer Vertretungen"; der preis wairde ihm von der Fakultät zuge- 
teilt (s. 79-80). 

55. Suomalais-ugrilaisten kansain kieliä ja kirjallisuutta koskevat 
luennot ja harjoitukset Europan 5diopistoissa tänä lukuvuonna. 
:^ Vorlesungen und Übungen in den europ. Universitäten über 
die sprachen und litteraturen der finn.-ugr. Völker in diesem jähre. 
Vir. IV, 1900. S. 12 — 14. 

Für das lelu-jahr 1899—1900. 

Programmaufsätze. 

56. Katona Lajos. Az összehasonlitö irodalomtörtenet feladatai. 
z= Die aufgaben der vergleichenden litteraturgeschichte. Buda- 
pest! Szemle CIV, 1900. S. 161 — 175. 

Der Verfasser fixiert den kreis, innerhalb dessen die aufgaben der 
vergl. litteraturgeschichte zu suchen sind, und weist auf die grenzgebiete 
hin, auf denen sich diese Wissenschaft mit anderen diszij^liuen berührt, 
die sich mit denselben gegenständen befassen. Bei dem vergleich ähn- 
licher erseheinungen stellt er die folgende gruppierung auf: 1. ver- 
gleichung der räumlich und zeitlich in Verbindung stehenden erseheinun- 
gen; 2. räumlich zusammengehörig, zeitlich aber getrennt; 3. gleichzei- 



I. AUeenieines. 



tig, aber räumlich duix-h abstände getrennt, und 4. solche, die räumlich 
und zeitlich von einander getrennt stehen. 

57. [Künos I. und Mvinkacsi B.] Törekveseink. — Notre Pro- 
gramme. KSz. I, 1900. S. I — 12. 

„La Revue Orientale publiera des e'tudes ethnologiqucs, ethnographl- 
ques, folkloristiqiies, philologiques. historiques, anthropologiques ot arche'ologi- 
ques, ainsi que des recueils de materiaux, de nature ä pouvoir eclaircir 
les origines et les rapports orientaux du caractei'e ethnique liongrois, ou 
pouvant foiu-nir des faits et donnees scientifiques aux questions qui s'y 
rattachent. Elle sera donc T.organe special de l'ethnographie des peuples 
oiu-alo-alta'iques. en j^remier lieu des peuples orientaux (volga-ouralsj de 
la famille finno-magyare, et ensuite de la race turque. Par rapport ä 
ces demiers, nous publierons toute communication ayant pour objet les 
traditions populaires ou anciennes des peviples nommes. 

Xous nous proposons de publier dans notre revue des etudes qui 
traiteront, au point de vue ethnographique et historique, les rapports 
mutuels des branches de la famille oui-alo-altaique, et leurs rappoits avec 
les races etrangeres, notaniment les races indo-iraniennes, caucasiennes, 
slaves, et avec les peuples du Thibet. — 

Dans la partie litteraire. nous nous proposons de faire connaitre 
ä nos leeteurs les nouvelles publications scientifiques touchant notre pro- 
gi'amme. — — — 

Dans les Communications nous publierons des faits divers et des 
Communications scientifiques relatives ä l'etude des peuples ouralo-altai- 
ques. — 

— — — Et pour obtenir la coUaboration de tous les gens 
compötents, nous souimes prets ä publier dans n'importe cßielle langue 
repandue de VEurope, toutes les Communications qui nous serons faites." 



Biographien, nekrologe. 

58. Goldziher Igriäcz. Müller Miksa. = Max Müller. XvK XXX, 
1900. S. 45S — 468. 

Eine biogi'aphie und Wertschätzung Max MüUer's. 

59. Katona Lajos. Müller Miksa. = Max Müller. Ethn. XI, 1900. 

s. 389-394- 

Eine darstellung des schafi"ens M. Müller"s auf dem gebiete der 
ethnologie. 

60. S[etälä] E. X. Max Müller. Uusi Suometar 1900, nr. 277. 
S. 2-3. 

Kurze biographie Max Müllers (auch über seine „turanische" 
hyjjothese). 

61. Szarvas Gäbor-ne. Szarvas Gäborröl. Bevezetesül össeg3üjtött 
munkäihoz irta: özvegA-e. = Über Gabriel Szarvas. Zur einfüh- 
rung in seine gesammelten werke, geschrieben von seiner wittwe. 
Uj Ma,g}-ar Szemle 1900. S. 50-81. 

62. Miller Vsev. HnKO.iaft HnKo.-raeBim> Xap\^^^H•b. f -5 iiapia 1900 r. 
=1 X. X. Charuzin. 7 den 25 märz 1900. 3th. Oöoap. XLV, 
1900. S. I —14. 

Xeki'olog nebst (s. 12 — 14) bibliographischem Verzeichnis der ge- 
druckten arbeiten Charnzin's. 



Geschichte der Wissenschaft. 



79 



63. Frans Wilhelm Rothsten -{-, August \''ilhelm Ervasti f. Kyläkir- 
jaston Kuvalehti, B sarja, XIII, 1900. S. lOi — 102. 

Xekrologe des Sekretärs der Finnischen Litt.-Ges. F. W. Kothsten 
(verf. eines lat.-finn. Wörterbuches^, und des mag. phil. A. V. Ervasti, 
der beschreibungen von seinen reisen zu den kareliern und zu den finnen 
am Eismeere veröffentlicht hat. 

64. Viron veikko. Jaakko Hurt. Pyrkijä XI, 1900. S. 43 — 44. 

Kurze biographie des estn. folkloresammlers J. Hurt. 

65. R[eiman] W. Jaan Jung -{-. Postimees 1900, nr. 136. 

Kurze biographie und blick auf die litterarische Wirksamkeit des 
römischen archäologen J. Jung, geb. den 6 nov. 1835, gest. d. 13 juni 1900. 

66. R[eiman] W. Jaan Jung. EU Alb. V. 1900. S. i — 14. 

Biographie des estnischen archäologen J. Jung (mit dem bilduis). 

67. Viron Veikko. Jaan Jung, virolainen kirjailija ja muinais- 
muistojen tutkija. = J. Jung, ein estnischer Schriftsteller und 
archäolog. P3'rkijä XI, 1900. S. 359 — 361. 

Nekrolog. 

68. Il[einian] W. Kiwid ja killud. MOned arwud ja teated Ottu 
Willem Masingi eluloost. =: Steine und Splitter. Einige daten 
und angaben zur biographie O. W. Masing's. Postimees 1900, 
nr. 89. 

Der verf. verbessert einige ältere angaben über den estnischen 
schi-iftsteller und Sprachforscher O. W. Masing. 



4. Sprachkunde. 

Die finnisch-ugrischen (bezw. uralaltaischen) sprachen mit einander 

verglichen. 

69. Simonyi Zsigmond. Hajlitäs a linnugor nj'elvekben. =^ Die 
flexion in den finnisch-ugrischen sprachen. XVr. XXIX, 1900. 
S. 241-245. 

IS'ach einer kurzen, die beugung in den flektierenden und agglu- 
tinierenden sprachklasseu betreffenden einleituug kommt der verf. aus 
anlass einer theorie von S e t ä 1 ä „über quautitätswechsel im finnisch- 
ugrischen" (u. Nachtrag: über den vorfiunischen vokalismus, JSFOvi. 
XIV), M'elche der verf. i-eferiert und mit eigenen belegen stützen will, 
&\\i den ablaut im ungarischen und anderen fiugr. sprachen zu spre- 
chen, der ein wichtiges merkmal der fiexion darstellt. Eine besonders 
prägnante erscheinung der flexion in den fiugr. sprachen ist die deutlich 
zunächst im fi. und Ip. auftretende konsonanten Schwächung. Nach. 
Setälä gehört diese erscheinung bereits der fiugr. Ursprache an. Sowohl 
die konsonanten als die vokale hatten nach Setälä in der beugung ein 
und desselben Stammes eine starke und eine schwache stufe, welche sich 
hauptsächlich in der quantität von einander unterschieden. Starke stufe 
der vokale ist bewahrt im ung. kez, level, schw. in kezet, levelet; starke 
st. des konsonanten in fi. pata, schw. st. in padan; vokalischer Wechsel 
regelmässig im ung., konsonantischer im fi. vi. Ip., qualitativer Wech- 
sel („ablaut") in ostj. und IpK. formen. Ausgleich der quantitätsunter- 
schiede durch analogie in allen fiugr. sprachen stark hervortretend, be- 



8o I- Allgeraeines. 



sonders, ausser im fi. und Ip., hinsichtlich des konsonantismus. Spuren der 
ursi^rüno-lichen Verhältnisse deutlich wahrnehmbar (un<?. büz '^ büdös 
u. s. V,-.). — Die LU'sache des genannten wandeis liegt im Wechsel der 
betonung. Nach Setälä war die betonung in der fiugr. Ursprache wech- 
selnd, beweglich: also z. b. kez ~ keze-t. leve-1 -^ vielleicht levelct. 
Weitere belege für die accentverschiebung worden aus dem ungarisclien 
und anderen fiugr. sprachen gegeben. Für alte lehnwörter aus dem ira- 
nischen gilt dasselbe, nicht in derselben ausdehnung flu- die aus dem 
türkischen und anderen sprachen. — Der verf. betont zum schluss die 
hohe bedeutung der Setälä'schen theorie fiü- die fiugr. Sprachwissenschaft 
und empfiehlt sie den fachgenossen. 

70. Szinnyei Jözsef. Az -n szemelyrag eredete 1=: Ursprung des 
personalsuffixes -n. EPhilK. XXPV, 1900. S. 164 — 167. Auch sep. 

Das ung. personalsufi'is -n gehört eig. niu- dem imperativ an: der 
Zusammenhang des suffixes mit dem pronomen der fiugr. 3. person wird 
nachgewiesen; van (vagyon) wird als urspr. nomen deverbale aufgefasst. 
Dieselbe frage -«-ii-d vom verf. eingehender in FUF I 7.3—81 behandelt. 

71. Winkler H. Die uralaltaischen Sprachen. I, II. KSz. I, 1900. 
S. 132 — 140, 195-205. 

„Mit erstaunlicher Gleichmässigkeit weisen alle altaischen Sprachen 
zwei Grundgesetze auf; das der losen Anreih ung von ge^-issermassen 
Gleichwertigem, woraus eine Art prädikativen Verhältnisses sich ergiebt , 
und das die ganze Sprache bestimmende der Unterordnung; dabei 
steht das Eegii'te voran, das Eegirende folgt. Das Verb ist ein Nomen, 
welches durch das ihm Voraufgehende näher bestünmt -w-ird; von den 
voraufgehenden Satzteilen ist auch wieder immer der vorangehende von 
dem nachfolgenden abhängig, und alle beziehen sich, manigfach gegliedert, 
auf das am Ende des Complexes stehende Verbalnomen; und somit ist der 
Satz, wenigstens der durch Unterordnung der Teile hergestellte gewöhn- 
lichste, regelmässigste Satz, eigentlich ein einziges, vielfach modificirtes Xo- 
men, 'ein Satz wort'". Indem der verf. dies mit mehreren beispielen be- 
leuchtet, wird besonders hervorgehoben, dass „das Japanische alle diese 
Grundlagen des altaischen Sprachbaues von sämtlichen altaischen Spra- 
chen am consequentesten festgehalten hat und am unverblümtesten zum 
Ausdi'uck bringt" ^ „Trotzdem das Altaische... der Flexionszei- 
chen entbehren kann, darf man... das doch durchaus nicht für 
den regelmässigen Zustand halten. Man kann sogar sagen, dass z. B. 
der finnische, samojedische Zweig . . . eine überreiche Anwendung von 
solchen Zeichen machen: les extremes se touchent. Einen snffixi-eichtum 
wie auf samojedischem Gebiet trifit man überhaupt selten im Leben der 
Sprachen." Nach der darstellung des bans des altaischen in den gröb- 
sten Zügen (L), geht der verf. (in II.) zum einzelnen über: subjektsver- 
hältnis („die altaischen Sprachen entbehren alle ein Subjectzeichen, Aus- 
nahmen sind sch'einbar e"), genetivverhältnis („braucht kein besonde- 
res Zeichen"), Objektverhältnis (,,kann in allen altaischen Zweigen unbe- 
zeichnet bleilsen"), kasus flu- örtliche Verhältnisse aller art und verwandte 
beziehungen („man darf keine Übereinstimmung im einzelnen Falle er- 
warten" ; „aber gewisse Grundelemente finden sich allerdings in allen 
oder den meisten altaischen Zweigen, welche nach Form und Bedeutung 
nahe verwandt, wo nicht identisch sind.") 



' In einer arbeit, welche in kurzem erscheinen wird, wird der verf. 
eingehend den altaischen Charakter und auch das altaische wortmaterial 
des japanischen darstellen. 



4- Sprachkunde. 



72. Wiklund K. B. Spräkprof. . . . Lulelapska, Finska, Ungerska. 
= Sprachproben. . . . Lulelappisch, Finnisch, Ungarisch. Alma- 
nack för alla, 1901. S. 171. Stockholm, Norstedt & Söner. 1900. 

Über.sctzung einer reihe von schwedischen Wörtern nnd kleinen 
Sätzen. 

Beziehungen zvr den indoeuropäischen und anderen sprachen. 
[Vgl. auch I SO.] 

73. Munkacsi Bernät. Arja hatäs a i^nn-mag^-ar nyelvek szämne- 
veibcn. ^ Arischer einfluss in den finnisch-ungarischen Zahl- 
wörtern. KSz. I, 1900. S. 241 — 258. 

Nach Munkacsi wäre: i) ostj. tapet etc., wog. soät 
etc., ung. het ('sieben' <^ skr. sapta = hapta 'sieben'. Fi. 
seit -j- semä-, Ip. ciheem, mord. sisim, S3rj.-w^otj. sizim, tscher. 
sem <^ skr. sapta -p samä- „eben sieben od. ganz sieben." 
— 21 Syrj.-wotj. -nun iz. b. in Jcomin, Jcuam/n 'dreissig'), wog. 
-man (z. b. in nalimän 'vierzig') und -jJm (z. b. in ätpen 'fünf- 
zig'), ung. -ven IZ. b. in negyven 'vierzig') =. *min ,,mass, 
zahl" <^ skr. mäna- 'mass; umfang, grosse'. — 3) Syrj.-wotj. 
-miß (z. b. in olcmis, lüctnis 'neun'), mord. -ms, (z. b. in koms 
'zwanzig', mag}-, -ncz (z. b. in harmiacz 'dreissig') <^ av. m.as, 
phl. mas 'gross'. — 4) Wotj. -don (z. b. in nil'don 'vierzig') <^ 
av. dasan(am), skr. da<?än(am) ,,von zehn". — 5) Fi. yksi, 
Ip. akta, tscher. ikte, mord. if'kä, syrj. ef'ik., wotj. odig, wog. 
äkw, ostj. it, ung. egy 'ein' <:^ skr. eka- 'ein, eins' := 
phl. evak. 

74. Liden Evald. Studien zur altindischen und vergleichenden 
Sprachgeschichte. Sonderabdr. aus: Skrifter utgifna af K. Hu- 
manistiska Vetenskapssamfundet i Upsala. VI, i. Upsala, druck 
von Almqvist & Wicksell, 1897 — 99, ersch. 1900. 8:0. 108 s. 

Der verf. führt auch fi. u. fiugr. Wörter an; eine neue etyiiio- 
logie ist fi. aisa, mord. aHa 'stange der gabeldeichsel, femerstange' < 
nicht belegtem urbalt. *aisö < ieur. *oisä (s. 62). 

75. Schrader O. Reallexikon der indogermanischen Altertumskunde. 
Grundzüge einer Kultur- und Völkergeschichte Europas. Erster 
Halbband. Strassburg, K. J. Trübner. 1901 [1900]. Gr. 8:0. 
560 s. Rm. 14. 

[Auf dem Umschlag des ersten halbbandes steht 1901, letzterer ist 
aber 1900 gedi-uckt.] Auch die beziehungen der indogermanen zu den 
finftougiiern werden berücksichtigt: siehe ai'tikel: Ackerbau 7, Bad 58, 
Beischläferin 67. Bernstein 74, Bier 88, Bi-ücke 114, Fasan 234, Fluss 
252, Hafer 320, Handel 329. Hanf 331 f„ der zweite Bestandteil des griech.- 
lat. ■aüvva-ßiq. neben dem wahrscheinlich ein *y.avvct-stiis, cajuiapis be- 
stand, findet vielleicht so seine Erklärung, insofern -/Jtj. -jitg der syrjä- 
nischen und wotjakischen Benennung des Hanfes, eigentlich der Xessel, 
pis, pus entsjirechen könnte": auch der ind. name des lianfes, skr. (jand 
ist an tscher. kehe etc. anzuknüpfen), Hausrat 345, Heirat 353, Hemd 366, 
Himmelsgegend 371, Hund 383, Kamm 407, Kaufmann 419, Markt 524. 

6 



82 I- Allgemeines. 

76. Munkacsi Bernhard. Kaukasischer Einfluss in den finnisch- 
magyarischen Sprachen. KSz. I, 1900. S. 38 — 49, 114 — 132, 
205 — 218. 

Vorläufige mitteilungen. Die resultate seiner forschimgen wird 
der verf. in seinem unter der presse befindlichen werke: ^Arja es kau- 
käzusi elemek a finn-magyar nyelvekben" = „Arische und kaukasische ele- 
mente in den finnisch-ungarischen sprachen" detailliert entwickeln: ge- 
genwärtig wünscht er bloss unter Vorführung einiger thatsachen die 
aufmerksamkeit der fachgenossen auf diesen gegenständ zu lenken. Eine 
grosse menge von et^anologien wird niitgeteilt. 

77. Munkacsi Bernät. Kaukäzusi hatäs a finn-mag;\-ar nyelvekben. 
=1 Kaukasischer einfluss in den finnisch-ungarischen sprachen. 
Nyr XXIX, 1900. S. 97 — iii, 150 — 160, 197 — 208. 

Desselben Inhalts vne die vorige nr. 

78. Pogodia A. Ki nonpocy GpaKiüuaxi,. (Ilai. .lOKuift 110 ciubüh- 
CKHMb ÄpeBHOCTHMfc). = Zur frage nach den thrakiern. (Aus den 
Vorlesungen über slavische altertümer). St. Petersburg, druck von 
A. P. Lopuchin. 1900. Gr. 8:0. 29 s. 

CTelegentlich des phryg. ßeöv (s. 26) bemerkt der verf.: „fi. vesi, 
veden ist aller Wahrscheinlichkeit nach aus einer ähnlichen form ent- 
lehnt, aber unbekannt vom welchem volke". 

79. Gleje [Gleye] A. npoHcxoajjeHin rpysnHCKaro Hapoja n ero H3HKa. 
= Über den Ursprung des grusinischen volkes und seiner sprä- 
che. Sonderabdr. aus CuopHnKb jiaTepia.iOBb ji,.ifl onncania MtcTHOCTeu 
H D-ieMeHi KaBKasa. XXVII. 1900. 8:0. 10 s. 

Verf. führt „Wörter und morphologische elemente, die der grusini- 
schen und den ugrofinnischen sprachen gemeinsam sind", an. Klein- 
asien wird als heimat sowohl der grusinen als der finnougrier voraus- 
gesetzt. Die grusinen (nachfolger der elamiten) gehören der spräche nach 
weder den semitischen noch den finnisch-ugrischen stammen zu, sondern 
haben nur eine zeit unter ihrem einfluss gestanden. 

80. Gleye Arthur. Die ethnologische Stellung der Lykier. Helsing- 

fors, druck d. FLG. 1900. 8:0. 30 s. 

Verf. führt im armenischen befindliche lehnwörter. „die einerseits- 
ugrofinnischen Ursprungs sind, andererseits beiden Sprachgebieten mög- 
licher AVeise aus di'itter Quelle zugeflossen sind", an, sieht „ugrofinni- 
sche Spuren" auch auf den inseln des Ägäischen meeres, an den küsten 
Makedoniens und wohl auch Thessaliens; auch für das griech. lassen 
sich beziehungen zu ugrofinn. sprachen nachweisen: im lykischen lässt 
sich ein griech. (achäischesi und ein ugrofinnisches (lelegisches) elenient 
nachweisen. 

Fragen nach den verwandtschaftlichen beziehungen anderer sprachen zu 
den finnisch-ugrischen. 

[Vgl. auch I 7y. 15^—106.] 

81. Sweet Henry. The history of language. (The Temple Primers.) 
London, J. M. Dent. 1900. KI. 8:0. XI -f- 148 s. 

Die fiugr. sprachen Averden in den kapp. „Morphological develop- 
ment" (bes. s. 51. 63—64: s. 63 „ modern Finnisch — — is as good 



4- Sprachkunde. 83 



a type as any of a fuUy developed inflectional language") und „Affini- 
ties of Aryan-* (s. 112—129) berücksichtigt. Der verf. plädiert für die 
indoeuropäisch-ugi'isch-altaische Urverwandtschaft. 

82. Pogodin A. HoBua coMHHeHifl o HauK-fe h Ky.itTypt HHÄorepMaHii;eBi.. 
;rr Neue arbeiten über die spräche und kultur der indogermanen. 
JfFiypHa.rf. MHHncxepcTBa Hapoinaro IIpocBtmeHiH. Sep. aus CCCXXI, 
1899, abt. 2. S. 493—512. 

Die ii. benennungen für 'meer" und "salz' werden besprochen (s. 
500). — Der verf. macht (s. 511) darauf aufmerksam, dass nach den for- 
schungen von S e t ä 1 ä Wechsel der stimmlosen und stimmhaften konso- 
nanten und vokalablaiit der fiugr. Ursprache angehört. Die gemeinsa- 
men eigentümlichkeiten der idg. und fiugr. spräche (konsonantenwechsel 
[d. h. die genn. lautverschiebung], ablaut, existenz einer engen Verbin- 
dung zwischen den teilen des Wortes) weisen nach der ansieht des verf:s 
besser als alle Zusammenstellungen idg. und fiugr. Wörter darauf hin, 
dass die indogermanen eine abzweigung des finnisch-iigrischen Stammes 
sind, welche nach ihrer trennung auf den Karpaten sesshaft wurde 
und doi't ihre Individualität erhielt. 

83. German [Hermann] K. A. cyMMepiilcKOMt asHict n eru oTHorae- 
Hin Ki. yrpoa.iT;iucKii.Mi> ji:!HKaMi>. =:^ Das sumerische und sein Ver- 
hältnis zu den ugro-altaischen sprachen. TpvAM X apx. ci>t33,a B't 
Piirt 1896. III. 1900. Sitzungsber. S. 124 — 125. 

Nach der meinung Hermann's ist das sumerische eine „ugro-altai- 
sche" spräche. 

84. Velics Anton von. Über die Urquelle aller Sprachen. Leip- 
zig, O. Harrassowitz (gedr. in Budapest). 1900. 8:0. 184 s. 

Der verf. sieht in dem chinesischen volke „den depositar der 
sprachlichen erben unserer Stammeseltern" ; die urchinesische spräche 
sei die mutter aller übrigen sprachen unseres erdkreises; auch tschere- 
missisch, ostjakisch, ungarisch, finnisch wird nach den theorien des verf:s 
analysiert. 

85. Pongracz Sändor. Turäni nep- es nyelvtanulmänyok. A sze- 
keh'ekrol. A baszkok n3-elve. A finnek nyelvrokonai Indiäban. 
Sitänparaszt. Szabartoi-asphaloi. A szemetyes nevmäs a turäni 
nyelvekben. := Turanische volks- und Sprachstudien. Über die 
sekler. Die spräche der basken. Die verwandten der finnen 
in Indien. Der Sitan-paraszt. Sabartoi-asphaloi. Das persönliche 
fürwort in den turanischen sprachen. Budapest, F. Pfeifer. 1900. 
8:0. 96 s. Kr. 3. 

86. M[äkinen A]. üusi Suomen sukuinen kansa Indiassa. r= Ein 
neues stammvolk der finnen in Indien, üusi Suometar 1900, 
nr. 262, s. 2-3; nr. 263, s. 3. 

Der verf. will auf grund grammatischer und lexikalischer Über- 
einstimmungen eine nahe Verwandtschaft der finn. (fiugr.) und der tamil- 
sprache (der dravidischen sprachen) nachweisen. 

87. S[etälä] E. N. üusi suomensukuinen kansako Indiassa? =; Ein 
neues stammvolk der finnen in Indien? üusi Suometar 1900, 
nr. 266, s. 3. 



84 I- Allgemeines. 

Antwort auf nr. 86. Der verf. zeigt, dass die vergleichungsmetliode 
des artikelverfis ganz un-vvissenscliaftlich ist und seine vergleichungen 
nicht stich halten: es ist hier nicht einmal von einer sog. „psychologi- 
schen" Verwandtschaft die rede, viel wenisfer von einer materiellen. 



Erscheinungen auf anderen Sprachgebieten durch herbeiziehung 
finnisch-ugTischer sprachen erklärt. 

88. Dobrzycki Stanis/aw. O tak zwanem mazurowaniu w jf^zj'ku 
polskim. (Z mapa). = Üeber die sogenannte masurierung in 
der polnischen spräche. (^Mit einer karte). Rozpra^v^' Wvdzia^u 
filologicznego Akademii Umiej^tnosci w Krakowie. XXXII. 1900. 
S. 208 — 235. Auch als sep. Krakau. Akademie der Wis- 
sensch. 

Behandelt die den meisten polnischen dialekten eigene nicht- 
aussprache der slavischen s, z. c. Auf s. 228 — 231 (21 — 24) versucht d. 
verf. die von J. Baudouin de Courtenay in seinen an der Krakauer 
Universität gehaltenen Vorlesungen gegebene erklärung durch den ,.fin- 
iiischen'' einfluss zu verwerten. B. d. C. 

89. Nörrenberg Constantin. Was bedeutet Nord? Globus LXX VII, 
1900. S. 371 — 374, 386- — 389. Auch sep.: Braunschweig, 

Vieweg u." Sohn. 1900. 12:0. 24 s. 

Behandelt auch finnisch-germanische beziehungen. -Die Verände- 
rungen des (Indo)germanischen im Munde der Finnen waren der Anstoss 
zu den Änderungen der Sprache der Germanen selbst"; unter solchen 
änderungen ^\•ird sogar der anfang der germanischen lautverschiebung 
und der grammatische Wechsel (das Vemersche gesetz) angeführt. 

90. Noreen Adolf. Den fomnordiska vokalharmoniens fonetiska 
förklaring. =z Phonetische erklärung der altnordischen vokal- 
harmonie. Arkiv för nordisk filologi X\1I, nv följd XIII, 1900. 
S. 207 — 208. 

Verf. giebt eine phonetische erklärung der altnordischen vokalhar- 
monie auf grund der experimentalphonetischen Untersuchungen H. Pip- 
p i n g" s (Über die Theorie der Vokale, Acta Soc. Sc. Fenn. XX, nr. ] 1 
und zur Phonetik der finnischen Sprache. MemSFOu. XIV). Die erklä- 
rung hat eine anwendung auf die fiugr. sprachen. 

Allgemeine Sprachwissenschaft (bezw. Sprachunterricht 1 unter beriick- 
sichtigung der finnisch-ugrischen sprachen. 

91. Wundt Wilhelm. Völkerpsychologie. Eine Untersuchung von 
Sprache, Mythus und Sitte. Erster Band. Die Sprache. I. u. 11. 
Theil. Leipzig, W. Engelmann. 1900. Gr. 8:0. XV -j- 627 -|- 
X + 644 s. Rm. 14 -\- 15, geb. 17 -}- 18.! 

Auch die finnisch-ugrischen, bezw. sog. „uralaltaischen" sprachen 
werden berücksichtigt (z. b. I 325, 330. 331, 333, 11 11. G9, 91, 275). 
Die wenigen beispiele aus den fiugr. sprachen sind zum teil wegen der 
fehlerhaften form ganz unkenntlich, z. b. ung. hyelo (.i: nyelv "spräche" ). 
fi. oeta "vater" [Vi. 



4- Sprachkunde. 



92. Giesswein Sändor. Hogyan beszeltek eleink? z= Wie sprachen 
unsere vorfahren? Kath. Szemle XIV, 1900. S. 803 — 819. 

Über die entstehung der spräche, bei gelegenheit des Wundf sehen 
buches „Völkerpsychologie''. 

93. Bärdossy Geza. A nyelvrokonsägröl. zir: Über die Verwandt- 
schaft der sprachen. Rozsnyöi kath. fogj'mn. ert. 1900. S. 
3 — 17- 

Über Sprachverwandtschaft im allgemeinen. 

94. Hermann K. A. Söna juurest ja tüvist. =^ Über wortwurzel 
und -stamm. Jöulu album 1900. S. 29 — 31. 

Ein versuch den unterschied z-\vischen wixrzel und stamm populär 
(mit anführuug estnischer beispiele) darzustellen. 

95. Simonyi Zsigmond. Alany es ällitmäny. rr: Subjekt und 
prädikat. Nyr. XXIX, 1900. S. i — 6. 

„Das grammatische prädikat ist der abschnitt des satzes, wo- 
durch wir irgendeine handlung oder einen in der weise der handlung 
gedachten zustand ausdrücken (erklären, wünschen, fragen) und zwar 
mit bcziehung auf die handelnde person oder sache. — Das gramma- 
tische Subjekt ist der abschnitt des satzes, womit wir den handelnden 
oder die in der weise des handelnden gedachte person oder sache be- 
nennen.'' 

96. Petz Gedeon. Van-e nyelvtani alany es ällitmäny? ::= Giebt 
es ein grammatisches subjekt und prädikat? EPhilK XXIV, 
1900. S. 136 — 144. 

Im gegensatz zur ansieht von Brassai u. Kicska, dass gramm. 
Subjekt und prädikat als selbständige kategorien nicht existieren, zeigt 
der Verf., dass solche kategorien neben den betr. logischen und psycho- 
logischen vorhanden sind. 

97. Mathe Gj'örg}'. A mondat elemzese. =^ Die analyse des 
satzes. Lugos. 1900. 8:0. 94 s. 

98. Gombocz Zoltän. A kiserleti fonetika es a nyelvtanitäs. = 
Die experimentalphonetik und der Sprachunterricht. Magy. Paeda- 
gögia IX, 1900. S. 180 — 187. 

Rousselot's und Zünd-Burguet's Instrumente für den Unterricht 
und zur Verbesserung der ausspräche. Mit 5 abbildungen. 

99. Bihari K. Gyakorlati hangtan különös tekintettel a siketne- 
mäk oktatäsära. :zr: Praktische phonetik mit besonderer berück- 
sichtigung des Unterrichts der taubstummen. Väc, S. Mayer, 
auch Singer u. Wolfner. 1900. 8:0. 85 s. Kr. i. 

100. Balassa Jözsef. Fonetikai keszülesek a siketnema-oktatäs szol- 
gälatäban. = Phonetische instrumente im dienste des Unter- 
richts der taubstummen. Gyögypedagögiai Szemle II, 1900. 
S. 229 — -231. 

10 1. Zlinszky A. Rhetorika. A prözai müfajok mintäi es törvenyei. 
= Rhetorik. Vorbilder und gesetze der prosawerke. Budapest, 
Wodianer. 1900. 8:0. II ■{- 272 s. Kr. 3,60. 



35 I. Allgemeines. 

102. Kiss Erno. Stilistika es poedka felsöbb leänyiskoläk es tanitö- 
kepzök szämara. ^=. Stilistik und poetik für die höheren töchter- 
schulen und die lehrerbildungsanstalten. Budapest, Szt.-Istv'.-tärs. 
1900. 8:0. 276 s. Kr. 2.80. 

103. Peltonen Vihtori. Kynäilijä. Opas kirjoitusten sepittämisessä. 
— Der Stilist. Wegweiser bei der abfassung schriftlicher arbei- 
ten. Por\-oo, W. Söderström. 1900. 8:0. 54 s. Fm. 0,65. 

Allgemeine populäre Stilistik (mit sprachlichen bemerkungen über 
das finnische). 

104. Bodiss Jusztin. Az actiök tana elmeletben es g^^akorlatban. 
= Die lehre der aktionen in theorie und praxis. Tanäregyes. 
Közl. XXXIV, 1900. S. 39 — 63. 

Gegen die aktionenlehre im Unterricht, auch mit berücksichtigung 
des Unterrichts in der ung. spräche. 

105. Körösi Sändor. Retrograd iränyzat. Rückschrittstendenzen. 
Mag^-ar Paedagögia K, 1900. S. 247—252. 

Die lehre von den aktionen im unterrichte. Berücksichtigt auch den 
Unterricht der ung. spräche. 

5. Volkskunde. 
Allgemeines. 

106. Deniker J. Les races et les peuples de la terre. Elements 
d'anthropologie et d'ethnographie. Avec 176 planches et figures, 
et 2 cartes. Paris, Schleicher Freres. 1900. 8:0. VIT -f- 692 s. 
Fr. 12.50. 

Hauptsächlich fitr das gebildete publikum berechnet, bietet aber 
avich fiü' den fachmann vieles von Interesse: besonders sind die littera- 
ttu-angaben wertvoll. „Peuples parlaut les idiomes finno-ougriens*" s. 409 
— 414, vgl. auch „Index". 

107. Bednar Zsigmond. A nepfajok sorsa es mäs kerdesek. z=z 
Das Schicksal der Völkerrassen und andere fragen. Budapest, 
Eggenberger. 1900. 8:0. 224 s. Kr. 3. 

io8. Kuun Geza. Ethnographia — Ethnologia. z=i Ethnographie — 
Ethnologie. Erdely nepei (Erdely) 1900, nr. i. 

109. A Magyar Nemzeti Müzeum neprajzi osztälyänak 
ertesitöje. Az »Ethnographia» melleklete. = Intelligenzblatt 
der ethnographischen abteilung des Ungar. Nationalmuseums. 
Beilage zur Ethnographia. Herausg. von J. Jankö. Budapest, 
Ung. Nationalmuseum. 1900. 8:0. 196 s. 

Mit 5 farbigen und 10 schwarzen tafeln und 30 textillustratiouen. 
Folgt als beilage der m-. 6. 

110. Hirn Yrjö. The origins of art. A ps3chological and sociolo- 
gical inquiry. London, Macmillan and Co. 1900. 8:0. XI -|- 
331 s. 10 sh. net. 



5- Volkskunde. 87 

Bis^veilen werden auch die finnisch-ugrischen Völker berücksichtigt 
(s. 159, 173. 211; s. 173 : „Ancient poems, whose historical and legendary 
character is quite incontestable, may often be used as charms in magical 
ceremonies"'. 



Volkslittcratur, mythus, sitten u. gebrauche. 

111. Leman Nicolai v. Vero;leichende Studien auf dem Gebiete 
des Volksmärchens. I. Zu den »Lügenmärchen». Separatabdr. 
aus dem Jahresberichte der St. Annenschule für 1900. St. Peters- 
burg, buchdr. d. Kais. Ak. 1900. 8:0. 35 s. 

„Der Verfasser erwartet sehr viel von der Märchen- u. Liederforsehung, 
wenn da einmal die 'geographisch-historische' Methode der Prof. Jul. u. 
Kaarle Krohn angewandt wird, fürs erste lässt sich dieselbe aber mit 
Erfolg nur in Ländern wie Finland anwenden, wo so grossartige Sammlun- 
aen vorliegen, dass sich Prof. Kaarle Kro h ns fast unglaublicher Wunsch 
<chon beinahe erfüllt zu haben scheint, dass nämlich 'aus jeder Land- 
schaft, ja fast aiis jedem Kirchspiele Varianten vorhanden seien". Darauf 
wird wohl in Russland schon wegen seiner gewaltigen Ausdehnung kaum 
einmal zu rechnen sein.'' — Sonst werden finn. märchen nicht herbei- 
gezogen. 

112. Imre Sändor. A nepkölteszetröl es nepdalröl. =: Über 
die volkspoesie und das Volkslied. Olcsö könvvtär 11 48 — 1152. 
Budapest 1900. 16:0. 247 s. Kr. 0,40. 

1 13. Janko Jänos. Adatok a samän valläs megismeresehez. =z Daten 
zur erkenntnis des schamanismus. Ethn. XI, 1900. S. 211 — 
220, 257 — 268, 326—333, 345 — 352, 394—399, 446 — 450. 

Ausführliches i-eferat der arbeit Potanin's „OiepKn CtBepo- 
:!aiia;iHoi-r Monro.iin", 1871 (II 81—101 u. IV 40—135). L Der tanz der 
Schamanen. IL Fragmente aus der schamanischen glaubensweit. III. IV. 
Die scharnanentrommel (mit abbildungen). V. VI. Die tracht des Scha- 
manen. 

114. Katona Lajos. Müller Miksa önvedelme. = Die Selbstver- 
teidigung Max MüUer's. Ethn. XI, 1900. S. 19—26. Auch 
sep. Budapest. 1900. 8:0. 8 s. 

Aus anlass der arbeit „Beiträge zu einer wissenschaftlichen Mytho- 
logie von F. Max Müller. Aus dem engl, übers, v. Dr. H. Lüders. 
I, IL Leipzig 1898—99." Verf. hebt besonders hervor, dass Max Müller 
hier zum ersten mal die denkmäler der uralaltaischen mythologie ihrem 
verdienst und wert nach eröx'tert. Sonst meint der verf., dass Max Müller 
in diesem werke kaum etwas neues sage, sondern nur seine alten be- 
hauptungen gegen die während vieler jähre wiederholten angriffe vertei- 
dige. Verf. äussert sich neben anerkennung der Verdienste stark ab- 
lehnend über die „meteorologische" theorie der Max Müller sehen my- 
thologie. 

115. Strack Hermann L. Das Blut im Glauben und Aberglauben 
der Menschheit. Mit besonderer Berücksichtigung der ,, Volks- 
medizin" und des »jüdischen Blutritus.» Fünfte bis siebente 
aufl. (Neubearbeitung der schrift »Der Blutaberglaube»). Mün- 
chen 1900. 8:0. XII -|- 208 s. Rm. 2,50 z=: Fr. 3,15. 



I. AUofemeines. 



11 6. Krausz Samuel. A verbabona. = Der blutaberglaube. Ethn. 
XI, 1900. S. 289 — 297. 

Verf. sticht den ui'sprung des blutaberglaubens bei den verschiede- 
nen Völkern in dem ausserordentlichen wert des blutes: auch über 
die verschiedenen anwendungen des blutes wird berichtet. 

117. Moskov V. Mipocoaepuanie naninxfc bocto^huxt, niii»po;;neBi> bo- 
THKOBf,, ^ii^pcMncoBi. H MopjBH. 3= Die weltanschauuHg unserer öst- 
lichen »fremdvölker», der wotjaken, tscheremissen und mord- 
winen. JKnBaH Crapnna X, 1900. S. 194 — 212. 

Enthält nachrichten über die Vorstellungen der genannten völ- 
ker^ von hinimel, sternen, sonne, mond, wölken, wind, kreislauf des 
Wassers, donner, regenbogen, meteoren, erde, steinen und metallen, den 
ersten menschen, nachbarvölkern. tieren. Am ende des aufsatzes ein Ver- 
zeichnis der berichterstatter und anmerkungen. 

118. CöopHiiKi. HapoiHHXf> lopHjnTOCKnxTi oöuqaeBi, (=oaiiHCKn Iljin. PyccK. 
Peorp. 06m. uo Otj. 3THnrp. XVIII). Tom7> BTopnil. IlajaHi iiojit, pe;iaKiiiefi 
C. B. n axMa Ha. =:: Sammlung der juridischen Volksgebräuche (Me- 
moiren der ethnogr. abteilung der Kais. Russ. Geogr. Gesellsch. 
XVIII). Zweiter band. Herausg. von S. W. Fachmann. St. Pe- 
tersburg. 1900. IX -\- 429 s. 

Enthält u. a. (s. 1—50) die aiafsätze: „Juridische gebrauche der 
westsibirischen ostjaken und der samojeden im gouv. Tomsk" von A. G. 
Voronov (siehe VII 14), und: (s. 275—300) „Verbrechen und strafe 
nach der auffassung der bauernschaft an der Wolga •* von E. Solovjev 
(siehe V 4). 



Stoffliche ethnographie der finnisch-ugrischen Völker, 

119. Janko Jänos. Zich^-^ Jenö gröf harmadik äzsiai utazäsa. I. 

kötet. Elsö es mäsodik feie. A mag}'ar haläszat eredete. Irta . 

Zichy Jenö gröf elöleges beszämolöjäval. — Dritte asiatische for- 
schungsreise des grafen Eugen Zichy. Bd. I. Erste u. zweite 
Hälfte. Herkunft der magyarischen Fischerei von — — , 
mit einem vorläufigen Berichte des grafen Eugen Zichy. Buda- 
pest u. Leipzig, V. Hornj^änszky u. K. W. Hiersemann. 1900. 4:0. 
635 s. 

120. Herman Otto. Gröf Zichy Jenö harmadik äzsiai utazäsa. 
:rr Dritte asiatische reise des Grafen Eugen Zichy. Budapesti 
.szemle CIV, 1900. S. 176 — 193. 

Besprechung der vorigen nr. (mit einigen abbildungen). 

121. Herman Otto. Die Forschungsreisen des Grafen Eugen 
Zich}^ in Asien. »Dritte Reise». Band I. Budapest, druck der 
Franklin-Gesellsch. 1900. 8:0. 112 s. 

122. Janko Jänos. Välasz Herman Otto ürnak a »Zichy Jenö 
gröf harmadik äzsiai utazäsa» czimü könyv I. köteteröl irt re- 
censiöjära. Függelek: dr. Semayer Vilibäld välasza Herman 



Volkskunde. 



Otto ürnak ugyanazon mü forditäsära tett megjegyzeseire. Buda- 
pest, V. Hornjänszky. 1900. 8:0. 44 s. Kr. 0,60. 
[Deutsche Übersetzung des titeis = d. folgende nr.] 

123. Janko Johann. Antwort an Herrn Otto Herman auf seine 
über Band I des Werkes »Dritte asiatische Expedition des Gra- 
fen Eugen Zichy» geschriebene Recension. Anhang: Antwort dr. 
Wilibald Semayer's auf die Bemerkungen Herrn Otto Hermans 
zur Übersetzung desselben Werkes. Budapest, V. Hornvänszky. 
1900. 8:0. 52 s. Kr. I. 

124. Herman Otto. Nachtrag zur Recension über »Die Forschungs- 
reisen des Grafen Eugen Zichy in Asien. Band I. Erste und 
zweite Hälfte». Budapest, druck der Franklin-Gesellsch. 1900. 
8:0. 19 s. 

125. Herman Otto. Schlusswort zur Recension über »Die For- 
schungsreisen des Grafen Eugen Zichy in Asien. Band I. Erste 
und zweite Hälfte». Budapest, druck der Franklin-Gesellsch. 
1900. 8:0. 8 s. 

126. Nagy Geza. A magx'ar haläszat eredete. i^: Herkunft der 
ungarischen fischerei. Ethn. XI, 1900. S. 241—249. 

Aus anlass der arbeit von J. Jankö (oben nr. 119», deren ergebnisse 
der verf. zusammeufasst. Verf. betont besonders die Schlussfolgerung 
.Jankö's, dass der älteste nalu'ungserwerb der finnougrier die jagd und 
nicht die fischerei gewesen sei; diese schlussfolgei'ung, welche J. nur auf 
grund der stofflichen ethnographie gezogen, kann auch durch andere 
ethnographische, archäologische und historische thatsachen, welche der 
verf. anführt, nachgewiesen werden. 

127. A haläszat törteneteböl. z:= Aus der geschichte der fischerei. 
Vasärn. Ujs. XL VII, 1900, nr. 21. S. 343 344. 

Giebt nach Zichy- Jankö's werke (nr. 119) beschreibungen des ostj. 
fischzauns und der ostj. ■vvintersenkreuse und berührt kurz einzelne fi- 
schereiarten (Ungarn, Krim, Uralfluss). 

128. Tikkanen J. J. Finsk Ornamentik I. =: Finnische Orna- 
mentik I. Finsk Tidskrift XLIX, 1900. S. 318 — 332. 

Der aufsatz ist aus anlass von arbeiten Th. Schvindt's, Axel O. 
Heikel" s, Yrjö Blonistedt"s und Victor Sucksdorff's über 
finn., karel., mord. Ornamente verfasst; der verf. hebt die grosse ähn- 
lichkeit her^'^or, welche in der Ornamentik der verschiedenen fiugr. Völ- 
ker herrscht. „Leiten diese muster ihren Ursprung wirklich aus der Ur- 
zeit her, wo diese stamme noch nachbaren warenV Schon die frage 
erscheint kühn, die antwort wäre heute eine vermessenheit. " 

129. Heikel Axel O. a. Sykerö ynnä muita senlaatuisia hius- 
laitoksia Suomen sukuisilla kansoilla. b. Lisiä sykeröstä ja sen- 
laatuisista hiuslaitoksista Suomen sukuisilla kansoilla. = a. Über 
den »sykerö» und ähnlichen haarschmuck bei den finnischen 
Völkern, b. Weiteres über den »sykerö» etc. SM VII, 1900. 
S. 1—8, 62 — 67. 

130. Heikel Axel O. Ethnographische litteratur. JSFOu. XVII, 5. 
1900. S. I — 8. 



go I- Allgemeines. 

Bei besprechung der abhandlung Kuznecov"s /Kn.iHma, ojeaijia ii nnma 
MiiiiyciiHCKiixi H AMnHCKiix't iiHopojufii'i, (= Wolinstätten, trachten und 
nahrung der eingeborenen von Minusinsk und Acinsk. Krasnojarsk 1898) 
stellt der referent auch einige A'ergleiche zwischen den ethnographischen 
gegenständen (mustern, trachten) der „tataren" und denen der finnougrier 
(bes. mordwinen) auf. 

131. — n. Neprajzi felolvasäsok a. M. N. Müzeumban. :::= Ethno- 
graphi.sche Vorlesungen im Ung. Nationalmuseum. NeprE I, 
1900. S. 28 — 30. 

Bericht über zwei Vorlesungen von J. Jankö: 1) -'/i 1900 über das 
ungarische haus: 2) */o 1900 über die Werkzeuge der ung. fischerei asiati- 
schen Ursprungs. 

132. K. A. HpociuBCKifi .MYseil. = Das jaroslavsche museum. CiiuiipcKafl 
JJiH3Hi>. 1900, nr. 233. S. 2. 

Nur sehr wenig ethnographisches aus den gebieten der „f'remd- 
völker". 

133. Jakovlev E. K. ^-^THorpailaiMecKÜl ou^iupL iiiiupcaiecKaro Hace.ie- 
hIh ÄO.iHnH toHiHaro EHiicea h o6T.flCHHTeji>Huft KaTaJiorb ^THorpacJjHie- 
CKaro oTjitjia Mysen. (OniicaHie ^IimycnHCKaro Mvüea. IV.) — Ethno- 
graphische Übersicht der alteingesessenen Bevölkerung des südl. 
Jenissei und Katalog der ethnogr. Abteilung des Museums. (Be- 
schreibung des Minussinskischen Museums. IV.) Minusinsk. 1900. 
8:0. IX + 122 4- 212 4- IX s. 

In dem minusinskischen museum giebt es auch eine finnische, mord- 
winische und ostjakische abteilung („Finny , katalog s. 172 — 173, 25 
nummern [trachten]; „Mordva" katal. s. 173 — 174, 23 nummern [trachten]; 
„Ostjaki", katal. s. 190 — 193, 74 nummern [von herrn A. V. Adrianov 
gesammelt und dem museum geschenkt]). Die finnischen u. mordwini- 
schen gegenstände sind unter den „in den minusinskischen distrikt aus 
Ei^ssland eingewanderten" finnen und mordwinen erworben. — Das titel- 
blatt und das Inhaltsverzeichnis des Werkes auch in deutscher spräche. 

Allgemeine stoffliche ethnographie mit berücksichtigung der 
finnisch-ugrischen A'ölker. 

134. Herrmann Antal. Az ipar es a neprajz. =. Das gewerbe und 
die ethnographie. Szekely Nemzet, nr. 64 u. 65. Auch sep. 
Brassö (Kronstadt), Brassöi Nemz. Szövetseg. 1900. 8:0. 23 s. 
Kr. 0,20. 

135. Russow Fr. Beiträge zur Geschichte der ethnographischen 
und anthropologischen Sammlungen der Kaiserl. Akademie der 
Wissenschaften zu St. Petersburg. Zusammengestellt und mit- 
getheilt von — . (Publications du Musee d'anthropologie et 
d'ethnographie de l'Academie Imperiale des Sciences de St. Peters- 
bourg. I.) St. Petersburg 1900. Gr. 8:0. XX -\- 153 s. Rbl. 
1,60 z= Rm. 4. 

136. Hathalmi Gabnay Ferencz. A bölcsü. =z Die wiege. Ter- 

meszettudomänyi közl. XXXII, 1900. S. 62 — 86. Auch sep. 

Mit 39 Zeichnungen. — Nach dem aufsatz von dr. Karutz — im Glo- 
bus 1899, 15 h., „Ursprung und Formen der "Wiege" — bespricht der verf. 



5- Volkskunde. 91 



I 



die formen der wiege bei den naturvölkern, besonders der tragbaren wie- 
gen: dann stellt er die wiegenfornien Ungarns in typologischer i-eihe dar, 
haiTptsäohlich auf grund der ethnographischen Sammlungen des Ung. 

Natioiialmusoums. 

137. Hathalmi Gabnay Ferencz. A jätekbaba. :== Die spiel- 
puppe. Termeszettudomänyi Közl. XXX, 1900. S. 377 — 395- 

Mit 26 Illustrationen. Nach einer allgemeinen einleitung über die 
kinderspiele Ijeschreibt der verf. das Spielzeug bei den nicht- oder 
halbcivilisierten Völkern und schliesslich die puppe in Ungarn. 

138. Batky Zsigmond. A jätekbaba. =: Die spielpuppe. NeprE 
I, 1900. S. 143 — 144. 

Referat der vorigen nr. 

139. Batky Zsigmond. Adatv/k a fogazottelü sarlö elterjedesehez. 
3= Daten zur Verbreitung der sicheln mit gezähnelter schneide. 
NeprE I, 1900. S. 13 — 16. 

Berichtet über die Verbreitung der gezähnelten sicheln in der gan- 
zen weit: imter den 10 abbildangen eine finn. (aus Räisälä) und 4 ung. 
sicheln. — Ein paar zusätze werden von M. Wosinszky und dem verf. 
selbst in XeprE 54 veröftentlicht. 

140. Batky Zsigmond. Meg egj'-ket adat a fogazott elü sarlö 
elterjedesehez. :=z Noch ein paar daten zur Verbreitung der sicheln 
mit gezähnelter schneide. NeprE I, 1900. S. 140 — 141. 

Ergänzung zur vorigen iu\ 

Statistik, sociale Verhältnisse. 

141. Ooaop'b KaaaHCKofi ryöepain 3a 1899 roxfc. ;=: Übersicht über das 
Kasansche gouvernement für das jähr 1899. Kazai'i, Gouverne- 
mentsverwaltung. 1900. Fol. IV -|- 92 (4- 138) s. 

Enthält u. a. eine Statistik der bevölkerung in ethnographischer 
hinsieht. 

142. 11p u.i ose Hie kb OTMexy ryoepacKaro cTaTncTHiccKaro KOMHieia 3a 1899 
roxb- Hace.ienie KaaaHCKoft ryöepHin. =^ Beilage zum bericht des 
statistischen komitees des gouvernements fürs jähr 1899. Be- 
völkerving des gouvernements Kasan. L'as. ryo. Btaoji. 1900 
i** jj, nr. 92. S. I. 

Tscheremissen: getaufte 118.387. 

ungetaufte 4,942. 
Mordwinen : getaufte 25,297. 

ungetaiTfte — 
Wotjaken: getaiifte ' 7,684. 

ungetaufte 2,675. 

143. llaMHTiiua KHiiHvKa Bhtckoh ryoepaiii n Ka-ieH^aph aa 1901 roat. = 
Gedenkbuch des gouv. Wjatka und kalender fürs jähr 1901. 
Wjatka, Statist, komitee. 1900. 8:0. VI -(- 195 -\- ^11 -\- 211 s. 
Rbl. 1,25. 

S. 32 (I): ethnographische bevölkerungsstatistik. S. 221 — 72: fort- 
setzung eines artikels ethnographischen Inhalts, siehe VI 7. 



92 I- Allgemeines. 

144. CöopHHKJj cTaTHCTHHecKiixL cBtjtHui HO yi|»nMcicoft rvoepHlH. T. V. 
EnpcKifi ytsjii.. = Sammlung statistischer nachrichten über das 
gouv. Ufa. Band V. Kreis Birsk. Ufa, Zemskaja uprava. 1899 
-1900. 8:0. 852 -f 455 + III s. Rbl. 3,25. 

Efithält u. a. (72 — 81) eine Statistik über die bevölkerung in ethno- 
graphisclier hinsieht. S 455 : „Eine kurze beschreibung der woloste 
und der bebauten punkte derselben". (Die nationalität jedes dorfes ist 
angegeben). 

145. CöopHnKb CTaTncTHiecKHXh CBtjiHiii 110 yi|in.Mcuofi rynepniii. T. VII. 
Cboä's 3KonoM. laHHHX^ no ryöepHiii. II. CnncoKt scmc.ilhuxi. B-iaitnifi. 
MeHiie.iiiHCKin yta^n.. =1 Sammlung statistischer nachrichten über 
das gouv. Ufa. Band VII. Zusammenstellung ökonomischer data 
über das gouvernement. II. Verzeichnis der grundbesitze. 
Kreis Menzelinsk. Ufa, Zemskaja uprava. 1900. 8:0. VIII -[- 117 
+ Xin s. Rbl. 9,75- 

Enthält u. a. berichte aber die nationalität und grosse der bevölke- 
rung in jedem dorfe. 

146. CoopHnK'fc cTaxncTHHecKnxt cßtji.'feHi.l no yituiMCKori ryoepiiiii. T. Vll. 
Cboä'B 3K0H0M. ÄaHHHXt üo ryßepHln. 11. CnncoKi aeMe-itHHxi) B-iiaitHift. 
y({)HMCKiii yfesA^. :::::= Sammlung etc. [siehe nr. 145]. Kreis Ufa. 
Ufa, Zemskaja uprava. 1900. 8:0. VIII -j-- 155 -f- XVI s. Rbl. 0,75. 

Inhalt wie unter nr. 145. 

147. CoopHHKi. CTaxHCTinecKHX'i. cBtjtHiii no y(I)UMCKoii ryoepnin. T. YII. 
Cboä'b 3K0H0M. ÄaHHHX'b no ryoepnin. n. CnncoKt seMe-itnuxi B.iajtHÜi. 
CTep.raTaMaKCKin y'fe3;ii.. =^ Sammlung etc. [siehe nr. 145]. Kreis 
Sterlitamak. Ufa, Zemskaja uprava. 1900. 8:0. VIII -\- 125 
+ XVII s. Rbl. 0,75. 

Inhalt wie unter nr. 145. 

148. lIsc.itjioBaHie no-ija^eniH H-iHa.iBHaro napojnaro oopaauBania bb Bax- 
CKOW ryoepnin et npoeKTOMt inKo.ibnofi cfexn i.ia BBejienifl Bceoomaro 
oCyienia. BHnycKX. 1. ^ Untersuchung über den zustand der 
elementaren Volksbildung im gouv. Wjatka nebst projekt eines 
volksschulnetzes zur einführung des allgemeinen Unterrichts. 
Wjatka, Gouvernements-zemstvo. 1900. 8:0. 265 s. 

S. 85 — 86 enthält nachrichten über die nationalität der schüler. Von 
den schlüern waren (im j. 1899) 6,13ß (= 9.5 "/o) wotjaken. 91 (= 0,i «/o) 
bessermanen, 1,676 (= 2,6 7o) tscheremisseu und 199 (== 0,3»/o) syrjänen. 

149. Krasev A. HaHa-iLnua naposHua yMn.inma BaxcKon ryoepnin. Kpax- 
kIh oiepK'B BOsnnKHOBenia h nocxenennaro pasBnxia BTnxt yrn.mni'b 3a BpeM« 
ex. 1786 no 1898 roÄB. =. Die volkselementarschulen im gouv. 
"Wjatka. Kurze skizze der entstehung und allmählichen entwicke- 
lung dieser schulen von 1786 bis 1898. Wjatka, Maiseev. 1900. 
8:0. 53 s. (ill.) 

Enthält u. a« eine abbildung einer wotjakischen schulklasse mit 
Schülern in wotjakischer nationaltracht (sonst nichts über die nationali- 
tät der schüler). 



5- Volkskunde. 93 



150. KrasseflT A. Les ecoles 616mentaires du gouvemement de 
Wiatka. Aper9u sur la fondation et le developpement de ces 
ecoles de 1786 ä 1898. Traduit du russe par V. Beerstecher. 
Wiatka, Impr. Ogorodnikoff & C:ie. 1900. 8:0. 47 s. 

Übersetzung der voriü:- nr. 

Urgeschichte und archäologie. 

151. Setälä E. N. I. N. Smirnow's Untersuchungen über die ost- 
finnen. Ein gutachten, an die Kaiserl. Akademie der Wissen- 
schaften zu Petersburg abgegeben von — . JSFOu. X\T^I,4, 
1900. 52 s. Fm. 2,50. 

152. Smirnov I. N., u. a. jipeBHOMi. Gurt boctoihhx'b (Iihiihobb no 
,ianiiLiMf. :tTnorpa(|)in. = Das leben der östlichen finnen im alter- 
tuni auf grund ethnographischer data. TpyÄH X apx. ctta^a b-l 
I'urb 1896. III. 1900. Sitzungsber. S. 119. 

Smirnov giebt ein kurzes resume der resultate seiner forschinigen auf 
dem gebiete der ost-finniscliugrischen ethnogi-aphie. Diskussion darüber. 

153. Galgoczy Jänos. Ostörtenelmi tarlözäs. = Nachlese zur Urge- 
schichte. Ethn. XI, 1900. S. 155 — 163, 250 — 257. 

Verf. macht bemei'kungen gegen einen aufsatz von G. Nagy 
(A törtenelmi korszak kezdete = Anfang der historischen epoche, Szäza- 
dok. okt. 1899). Beiläufig wird die sumerische frage, „die die Ungarn 
.^ehr nahe interessiert", berührt. 

154. Montelius Oscar. Die Chronologie der ältesten Bronzezeit 
in Norddeutschland und Skandinavien. Arch. für Anthrop. XXV, 
s. 443 — 483 u. XXVI,s. I— 40, 459—511, 905—1012. 1899 — 
1900. Auch sep.: Braunschweig, Vieweg u. Sohn. 1900. 4:0. 
V -|- 239 s. Rm. 20. 

Im letzten abschnitt, welcher die frage nach dem Ursprung der 
bronzekultur behandelt, bespricht verf. die bronzezeitlichen Verbindun- 
gen des ostrussisch-sibirischen gebietes mit Ungarn und der Balkan- 
halbinsel einerseits und den alten kulturländern Asiens andererseits. 
Die irrtümlichkeit der älteren ansieht, nach welcher die europäische 
bronzekultur durch einen einfluss aus Asien über den Kaukasus oder 
über Russland zu erklären sei, wird in kürze dargelegt. In den fällen, 
wo es sich um analoge formen in Europa (den Mittelmeerländern, Ungarn, 
"Westeuropa) und dem osten handelt, nimmt verf. entweder eine ein- 
wirkung aus den kleinasiatischen ländern oder einen einfluss an, der von 
Südeuropa nach dem ostrussisch-sibirischen gebiet, nicht aber in umge- 
kehrter richtung gegangen ist. 

155. Janko Joh. Der XI. russische archäologische kongress zu 
Kiew, (^13. — 31. August 1899). Centralbl. für Anthrop., Ethnol. 
u. Urgesch. V,i900. S. 249 — 252, 37 1— 379- 

Verf. erwähnt u. a. einen voi'trag A. J. Cerepin's über seine aus- 
grabungen im gouv. Rjäsan. Aus den funden folgert C., dass an der 
Oka vor der einwanderung der slaven (im IX. — X. jalu'h.) ein schwarz- 
haariges, mittelgrosscs, kleinhändiges und überaus kriegei'isches volk 
(zahh-eiche waffen) gewohnt habe, dessen kultur sich überall scharf von 
der slavischen abhebt. 



94 I- Allgemeines. 

156. Janko Jänos. A XI. orosz archceologiai kongresszus Kiev- 
ben. 3z: Der XI. russische archäologische kongress zu Kiew. 
ArchE XX, 1900. S. i — 16, 125 — 146, 241 — 252. 

Referat der vortrage; besonders beschäftigt sich referent im drit- 
ten teil seiner darstellung mit fanden ( illustr.), die die ungarische archäo- 
logie und speciell die zeit der landnahme berühren; es sind dies ca. 
40 reitergräber (von Chvojko iintersucht) im gouvernement Kiew, die 
nach der anficht der russischen forscher aus dem 8. — 10. jahrh. stammen 
und den magyarischen eroberern, bezw. den Völkern zuzuschreiben sind, 
aus denen sich damals die magyaren zusammensetzten. Ähnliche funde 
sind von T J. Knauer im Ackermannschen kreise des Bessarabischen 
gouv:s gemaclit worden. 

157. Gorodcev V. A. Oiiex't oui apxeo.iurnMecKHXb iisc.rfeiuBaHiHXh 
Bb ;;o.iuH't p. Okii 1897 rosa. =^ Bericht über archäologische 
Untersuchungen im thale der Oka im j. 1897. 4,pe.BH0CTH. Tpy- 
ÄH IImh. Mockobck. Apx. OumecTBa. XVII. 1900. S. i — 37. 

Verf. hat im thale der Oka an verschiedenen stellen, Avelche teils 
im gouv. Tula, teils im gouv. Rjäsan liegen, einige gorodischtsche (burg- 
wälle), hügelgräber imd vorgeschichtliche ansiedlungen untersucht. Bei 
Tedjasevsk (gouv. Tula) wurden in einem gorodischtsche spuren einer 
ansiedlung entdeckt, welche vom ende der eisenzeit bis in die neoli- 
thische zeit hinaufreichten. Ein kurgan, ebenfalls bei T.. enthielt ein 
ungeheures thongefäss (.3, .55 m durchmesser. 1 m höhe), das in einer 
grübe unter einer decke von balken stand, aber ausser einer kalkstein- 
platte keine funde barg. — Einige kurgane bei Voroneck (gouv. Tula) 
zeichneten sich durch holzsärge mit resten von leichenbrand aus; unter 
den funden befand sich eine eisentrense mit kupferbeschlag. — Auf 
einem fundplatz aus der Steinzeit bei Voroneck (gouv. Tula) wurden 
thongefässscherben, feuersteingeräte und knochen von wilden tieren an- 
getroflen. — Ein gorodischtsche bei der stadt Mcensk enthielt funde 
aus der eisenzeit, ein anderer ebenda datiert sich aus der geschichtlichen 
zeit vor dem einfall der mongolen. — Interessante funde stammen von 
einer durch den fluss ausgewaschenen stelle namens Mogilok bei dem 
dürfe Alekanovo (gouv E.jäsa,n), nämlich feuersteingeräte, ein hohl- 
celt aus bronze und eine giissfonn für ebensolche celte. Hier wurde 
auch ein skelettgrab aus der jüngeren eisenzeit aufgedeckt, dessen Inhalt 
aus 6 Schläfenringen aus bronze. einem armband aus silber, einem mes- 
ser und einem thongefäss bestand. 



Fragen nach den verwandtschaftlichen und anderweitigen beziehungen 
der finnisch-ugrischen Völker. 

[Vgl. I 73 -87, SO, 153.] 

158. Nagy Geza. Magyar ethnologiai kerdesek. =: Fragen der 
ungarischen ethnologie. KSz. I, 1900. S. 49 — 60. 

Der verf. legt kurz seine ansichten über die ethnische Zusam- 
mensetzung der magyaren dar. Das imgarische volk ist aus iigi'ischen 
und (leitenden) türkischen elementen entstanden; die letzteren begannen 
schon im X. jahrh. mit den ersteren (den Ungarn = kabaren od. 
chazaren des Konstantin Porph^Togennetos) sprachlich zusammenzuschmel- 
zen. Der verf. zieht, u. a. auf grund der ungarischen dialekte, die 
folgerung, dass die ungaren eigentlich aus drei arten von elementen: „ava- 
rischen", „türkischen" und „chazarischen"' zusammengesetzt seien, welche 



5- Volkskunde. ge^ 



sich schon vor der landnalime nahe zusammengeschlossen hatten. Zum 
schluss meint der verf'., dass sich die finnisch-ugrischen „hauptgruppen" 
im XVI. — XV. jahrh. vor Chr. gebildet haben, und dass sich die ug- 
rische gruppe im XIV. — VII. jahrh. vor Chr. in diejenigen der Avogulen, 
ostjaken und ungaren geteilt hätte. 

159. Patkanov S. Über das Volk der Sahiren. KSz. I, 1900. 
S. 258 — 277. 

Der verf. zeigt mit belegen aus dem wogulischen, ostjakischen 
und tatarischen, wie sehr der name fäpar. saber, saper, saper u. s. w. 
in den verschiedenen gebieten des Tobolskischen gouvernements ver- 
breitet ist. _Es scheint, da.ss die Sabaren einst den grössten Theil der 
wüsten Gegenden X.West-Sibiriens, welche gejfenwärtig den Tobolski- 
schen (mit Ausnahme vielleicht- seines Ostens). Turinschen (Tjumenschen) 
und Beresowschen Distrikte umfassen, inne gehabt haben." Die hypothese 
Florinskys von dem slavischen. und die des Verfassers von dem finnisch- 
ugrischen Ursprünge der sabaren (sabiren) werden angefülirt, und die 
letztere gegenüber der ersteren aufrechterhalten. 

160. Patkanov S. A szabirok nemzetisege. =: Die nationalität 
der sabiren. Ethn. XI, 1900. S. 337 — 344, 385 — 389. 

Übersetzung der vorigen m: 

161. N. A. AfijamnHCKie iiHopo;i,UH. = Das fremdvolk von Ajdaski. 
CnönpcKiü BtcTHiiKs 1900 ^^/y, nr. 206. S. 2—3. 

"Über die bewohner des ulusses Ajdaski (am flusse Culym, 15 werst 
von Acinsk). Ihre zahl 200 seelen. Sie sind chi'isten und haben das 
nomadentum aufgegeben. Nach dem Volksglauben finnischen (tschudi- 
schen) Ursprungs. Über ihre beschäftigung (fischerei, viehsucht), bildung 
(keine schule, aberglaube). 

162. Pauler Gyula. A baskir-magvar rokonsäg. =zr' Die baschki- 
risch-ungarische Verwandtschaft. Budapesti Szemle. CHI, 1900. 

s. 337—356. 

Verf. verölfentlicht hier einen auszug aus seiner arbeit „A magyar 
nemzet törtenete Szent Istvänig" (siehe unten VIIIj. Er sammelt die daten, 
die nach seiner ansieht bezeugen, dass die Ungarn und baschkiren ein 
und dasselbe volk seien; das erste bekannte Vaterland der Ungarn lag 
in dem lande der jetzigen baschkiren. in den gouvernements Ufa und 
vielleicht Orenburg; folglich waren die Ungarn nicht nur nachbarn, son- 
dern sie waren auch selbst baschkiren. Die historischen nachrichten 
über die alte heimat der ungarn werden zvisammengestellt und erörtert. 

163. Melich Jänos. A baskir-mag}-ar rokonsäg. z= Die baschkirisch- 
ungarische Verwandtschaft. X^r XXIX, 1900. S. 455 — 461. 

Verf. teilt mit, dass schon vor Gy. Pauler (in seinem werke „A 
magyar nemzet törtenete Szent Istvänig") forscher die Verwandtschaft 
der magyaren mit den baschkiren behauptet haben, unter anderem Chvol- 
son (1869), welcher die bei arab. Schriftstellern vorkommenden namen 
resp. Völker bäskard etc. und. bad-gard, mad.rgar etc., östliche und westliche 
baschkiren. zu einander in verwandtschaftliche beziehungen brachte d. h. die 
magyaren von den baschkiren abstammen Hess. Pauler lässt einen teil 
der baschkiren — von zwei Stämmen, wie Ch., weiss er nichts — nach 
Ungarn ausgewandert sein. Das positive ergobnis beider werke ist, 
dass die beiden Völker einmal bei einander gewohnt haben. Mehr hält 
verf. durch Pauler's Untersuchungen auf sprachlichem, ethnographischem. 
folkloristischem grund nicht für nachgewiesen. 



96 II- Ostseefiunen. 



164. Pauler Gyula. Nyilt level. = Offener brief. Budapest! 
Szemle. CIV, 1900. S. 469—476. 

Verf. antwortet in einem an die redaktion gerichteten offenen 
lirief auf den aufsatz von M e 1 i c li (siehe die vorige nr.) 

165. Sismanov Iv. D. KpnTHMeirt. ni)tr.iej't Ha Binpoca ;!a ii])ii]i:ixo;ia 
Ha npaub-irapiiTt oxt esiiKOBrt r-ieÄnme n eTnMO.iornHi'fe na iimcto „uki- 
rapnHt". =r Kritische übersieht der frage nach dem Ursprung der 
protobulgaren vom sprachHchem Standpunkt und die et^-mologie 
des namens »bulgaren». CoopiinKt 3a Hapo,iHH yMOTBop.. HavKa n 
KHHHi. II3J1,. MHHHCTepcTB. Ha Hap. Ilporh. XVI - XVII, 1900. S. 505 
— 753. Sofia, Staatsdruckerei. 1900. Gr. 8:0. Frcs 10. 

Giebt eine zuverlässige Übersicht aller früheren und späteren for- 
schungen über die nationalität der protobulgaren, der gründer des bul- 
garischen Staates. Der Verfasser verwirft die vage hypothese vom fin- 
nischen Ursprung dieses eroberervolkes und schliesst sich der ansieht 
von der türkischen herkunft der bulgaren an. 

166. Zaborowski. Les Slaves de races et leurs origines. Bulle- 
tins et memoires de la Societe d'anthropologie de Paris. V:e serie, 
t. I, 1900. S. 69—99. 

Beiläufig kommt der verf. auf die fiugr. stamme (bes. die Fenni bei 
Tacitus. esten, liven), ihre Wohnsitze und anthropologischen merkmale 
zusprechen (s. 70, 73, 77, 87, 88, 97,98, 99). S. 77 „(Les Gotlis] . . . ont 
penetre dans Test, se sont meles aux FinncÄs avant de constituer avec 
les Slaves le premier noyau de la nation russe". 

II. Ostseelinnen. 

Finnen. Karelier. Wepsen. Woten. Esten. Liven. 
1. Zeitschriften und Sammelwerke. 

1. Virittäjä. Uusi jakso. Kotikielen seuran aikakauskirja. Nel- 
jäs vuosikerta. 1900. = »Der anreger». Neue folge. Zeit- 
schrift der gesellschaft für heimische spräche. Vierter Jahrgang. 
Helsinki, druck der FLG. 1900. Gr. 8:0. 138 s. Fm. 2,80, durch 
die red. 2,50. 

2. Suomen Museo. Suomen" Muinaismuistovhdistj'ksen kuukaus- 
lehti. VII. = Finnisches Museum. Monatsblatt der Finnischen 
Altertumsgesellschaft. Helsinki, Centraldruckerei. 1900. Gr. 8:0. 
68 s. Fm. 2,50. 

3. Finskt Museum. Finska Fornminnesföreningens mänadsblad. 
VII. = Finnisches Museum. Monatsblatt der Finnischen Alter- 
tumsgesellschaft. Helsingfors, Centraldruckerei. 1900. Gr. 8:0. 
70 s. Fm. 2,50. 

Die beiden Zeitschriften der Finnischen Altertumsgesellschaft ent- 
halten Originalaufsätze antiquarischen Inhalts. 

4. Verhandlungen der Gelehrten Estnischen Gesellschaft. Zwanzig- 
ster Band. Jurjew (Dorpat), Gel. Estn. Ges. Leipzig, in komm, 
bei K. F. Koehler. 1900. 8:0. 405 s. Rm. 4 = Rbl. 2. 



I 



I. Zeitschr. vi. sammelw. 2. Bibliographie. 3. Sprachkunde, gy 

Enthält: 1) Zehn estnische Predigten aus der Mitte .des sieben- 
■zehnten Jahrhunderts. Mit einer Einleitung von Pastor Wilhelm Rei- 
man (- erstes heft, 1899 erschienen); 2) = II 93. 

5. Hermann K. A. Eesti üleüldise teaduse raamat ehk encvklo- 
pädia konversationi-lexikon, see on koige inimlise teadmise hari- 
dusline sönakiri hulga kujustustega kaunistatud. Asjatundliste 

kaastööliste abil toimetanud, kokku seadnud ja kirjutanud . 

irz Buch des gesamten wissens od. encyklopädisches konversa- 
tionslexikon für esten u. s. w. Heft i — 2. Jurjew-Tartu, K. A. 
Hermann. 1900. Gr. 8:0. 144 s. Rbl. 4 pro jähr für 12 hefte. 

Der herausg. will u. a. besonders die est. und finn. Verhältnisse 
(ebenso wie die russ. und lett.) im äuge behalten. Unter den artikeln 
sind hervorzuheben: Aesti. Aade, Aasta, Abielu, Adavere. 

6. Ainesten keräily. zz= Materialsammlung. Vir. IV, 1900. S. 32. 

Bericht über die Sammlungen der Finn. Litt,-Ges. (lexikalische, 
folkloristische, ethnographische materialien) ; eine anzahl sog. deskripti- 
ver verba aixs der Sammlung von Meriläinen werden angeführt. 



2. Bibliographie. 

7. Vuosiluettelo Suomen kirjakauppaan v. 1899 ilmestyneistä 
teoksista. I. Aakkosellinen luettelo. IL Aineenmukainen luet- 
telo. z=r Jahreskatalog der in Finland im j. 1899 [in finn. 
Sprache] erschienenen bücher. I. Alphabetisches Verzeichnis. 
II. Systematisches Verzeichnis. Helsinki, Finl. Verlagsverein. 
[1900]. 8:0. 64 s. Fm. 0,50. 

Mit diesem zusammengeheftet: jahreskatal. der in schwed. u. frem- 
den sprachen erschienenen bücher, 55 s. 

8. Berendts A. Aeltere estnische Drucke in der Bibliothek der Syno- 
dal-Typographie zu Moskau. Sitzungsber. d. Gel. Estn. Ges. 

1899. s. 39—40- 

Nach» einem 1896 erschienenen katalog wird mitgeteilt, dass sich in 
der bibliothek auch ältere estnische bücher befinden. 

9. Uus kirjandus. :^ Neue litteratur. Eesti Fostimees, beil. : Öhtu- 
sed Köned 1900, nr. 30 — 52. 

Verzeichnis der estnischen litteratur des jahres 1896. 

3. Sprachkunde. 

F innisch. 
[Vgl. I 72, VIII c6.J 

10. Ojansuu Heikki. Murresanoja kirjakielessä. z=z Dialektische 
Wörter in der Schriftsprache. Vir. IV, 1900. S. 65 -69. 

Verfasser bringt eine menge von in die finnische gemeinsprache 
eingedrimgenen wörtei'n bei, die in lautlicher hinsieht von dena Stand- 
punkt abweichen, zu dem die gemeinsprache sonst gelaugt ist. 

7 



I 



gS II- Ostseefinnen. 



11. Ojansuu Heikki. Kielellisiä muodostuksia vieraalla pohjalla. 
=. Sprachliche bildungen auf fremdem gründe. Vir. IV, 1900. 
S. 123 — 126. 

Verfasser zählt beispiele für sog. analogieformen auf fremdem 
gründe im finnischen auf. die dadurch entstehen, dass der redende ein 
aus einem fremden dialekt entlehntes wort nach seinem dialekt norma- 
lisiert, indem er an die stelle eines jeden lautes oder jeder lautgruppe 
andre .'setzt, die allerdings bisweilen, aber nicht in dem betr. worte, dem 
fraglichen fremden laut oder der lautgruppe entsprechen. 

12. Setälä E. N. Omistusliite -mi vai kirjoitusvirhe? = Possessiv- 
suffix -mi oder Schreibfehler? Vir. IV, 1900. S. 121 - 123. 

Verfasser hat in ein paar handschriften des „liedes vom tod 
des heiligen Henrik" das possessivsuffix der 1. pers. sing, -mi gefunden, 
das bisher aus dem finnischen nicht hat belegt werden können. Das 
Verhältnis des -mi zu -ni wird erklärt und zugleich eine übersieht der fi. 
possessivsuffixe mit tmd ohne coaffixum -n- gegeben. 

13. Genetz Arvid. Minkätähden jäädä sana vaatii tulosijoja? zzz 
Warum heischt das verbum ,jäädä" .bleiben') die zielkasus? 
Vir. IV, 1900. S. 27—28. 

Das wort hat anfangs „siirtyä" ('übersiedeln'), „muuttua'" ("sich 
verändern'), „tulla" ("kommen') bedeutet, welche bedeutungen es noch heute 
neben ,bleiben' im estnischen und livischen hat, und welche im wogu- 
lischen, ostjakischen und ungarischen die einzigen des Wortes sind. 

14. Anderson N. Bimicioria HasBaniü kantele, kankles n. t. j. 
^ Zur etymologie der benennungen kantele, kankles u. s. w. 
Tpy;iH X apx. cttsja B't PHrt 1896. III. 1900. Sitzuiigsber. s. 122. 

Anderson behauptet gegen Thomsen, FBB 178 ff., dass fi. kan- 
tele ein echtfinnisches wort (= Ip. koamtalas "deckel") und mit fi. kan- 
nus (< *kamtus) = Ip. koamtas, kümdes, gobdes 'zaubertrommel' =^ 
tscher. komögs 'deckel' zusammenzustellen sei. Lit. kankles wäre da- 
gegen ein lehnwort. 

15. "Wiklund K. B. Auhto sanan synt\-perä. r=i Der Ursprung 
des -Wortes auhto. Vir. IV, 1900. S. 40 — 43. 

auhto < * autso = Ip. autso. — In einem „zusatz" (s. 43 — 44) stützt 
E. A. Ekman die etymologie mit anderem beweismaterial. 

16. Ojansuu H. A. Parahultainen. Vir. IV, 1900. S. 74. 

Abgeleitet von parahulta, ablativ von parahus (> gemeinspr. pa- 
raus. vgl. parasi. 

17. Krohn Kaarle. Sanaselitvksiä Kalevalaan. = Worterklärungen 
zum Kalevala. Vir. IV, 1900. S. 20 — 26, 62 — 65. 

Der Verfasser zeigt, dass man über den wirklichen Ursprung uml 
sinn von gewissen Wörtern des Kalevala oft erst dann zu klarheit gelan- 
gen kann, wenn man in den Varianten der Volkslieder vorkommende 
wechselformen und die handschriften der verschiedenen Lönnrot"scheu 
Ivalevala-bearbeitungen in betracht zieht. So ist das wort kauno ("schön") 
aus Lünnrot"s band in das neue Kalevala gekommen; XVIII 3ß4 saoin 
kaunoin (instruktiv) < satakannoin oder satakannin, welchem in der 
parallelzeile tuhatnyplä ("mit 1000 knöpfen") entspricht; XVIII 399: 



3. Sprachkimde. 9g 



kaunot < kanaset ("täubchen"): XXXI 50 kaunot ('mädchen') < kannot; 
valas < valaskala ("wallisch") der originale. Turska XV 293 — schwed. 
torsk; XVI II 108 turskan < tursan (gen. von tursa) der originale; 
tursa. tursas. turso =- mursu (wahoss). Asu XXXVia (von Lönnrot 
nii^sver.^tandon) -= vene 'boot'). Muori = ältere ehrwürdige Aveibliche 
person. Vuoresta on vetosen synty (III 203) deutet auf die erzälilung, 
wie Moses (in der bibel; mit seinem stab an den felsen schlug und 
dadurch dem volke Israel wasser verschaffte. 

iS. E[knian] E. A. Kupittaan nimistä. ■=z Über die namen der 
Kupittaa-quelle. Vir. IV, 1900. S. 69 — 73. 
Kupitta(a) < * kupitsa < asl. kouptct. 

19. Saxen Ralf. Om namn och namnforskning. z=. Über namen 
und napienforschung. Finsk Tidskr. XLVIII, 1900. S. 257 — 
280. Auch sep. Helsingfors 1900. 8:0. 24 s. 

Verf. berücksichtigt auch (hau])tsächlich nach A. A". Forsman) die 
finn. namengebung. Etym. : fi. Kakskerta < nord. Kagsgerdi < Kagh (män- 
nername) — gerni „eingezäunte-; stück erde" (= Kaxjäla < Kags-gerdi, 
.'orfnanie. in Hiitisi: 11. Rekottila (doi-f im kirchspiel Paimio). früher 
(1540) Redekottila. vgl. reidgoterna "die sieg- od. ruhmreichen goten". od. 
Reidgot (inihinernanie): ti. Tiipilä (bauerngut in Kiikala) < schw. Tibble 
< alt. Thigbele 1. Thig-bile. 

10. Saxen Ralf. Huomioita suomalaisen persoonallisen nimistön 
alalta. I —II. =1: Beobachtungen auf dem gebiet der finnischen 
namengebung. Vir. III — IV. 1899 — 1900. 1899,8. i — 5, 1900, 
loi — 109, 117 — 121. 

Der verf. weist darauf hin, dass auf dem gebiet der finnischen 
namengebung viele entlehnungen aus germanischen sprachen zu finden 
-ind. Zuer-st wird eine menge späterer, ursj^rünglich skandinavischer 
.itlehnter namen beigebracht, darauf eine grosse anzahl namen, flir 
iio man der form nach entsprechende vorzugSAveise in dem namen- 
-ihatz des althochdeutschen finden kann. Schliesslich wird auf die in 
len ableitungen der namen und den abgeleiteten formen anzutreffenden 
Vergleichspunkte hingewiesen. Auf diesem gebiet sichere Schlüsse zu zie- 
hen ist schwer, da die bedeutung der namen gewöhnlich ganz unbekant 
oder nur problematisch ist, und der forscher sich aus diesem gründe 
nur der form des wortes zuwenden muss. Die Übereinstimmungen in 
'Icr form können oft zufällig sein, erst von einer systematischen for- 
liirng erhofft der Verfasser gesichtspunkte. mit deren hilfc man zu 
_rösserer Sicherheit wird gelangen können, als die blosse etymologische 
Erklärung einzelner namen zu bieten vermag. 

2 1. Ki^annisto] A. Kansanjohdannaisia. ^ A'olksetj-mologien. Vir. 
IV, 1900. S. 137. 

Finnische volksetA'mologieu (aus der neiisten zeit) mit psycholo- 
gisch-historischen erklärungen. 

2 2. Ojansuu Heikki. Muutamia ,,oppineita kansanjohdannaisia" 
3;r Einige ;> gelehrte Volksetymologien«. Vir. IV, 1900. S. 74 — 75. 

Beispiele der „volksetjanologie" bei einigen Verfassern (heluntai 
lifingsten" aus helu bei Ericus Erici 1(521). muukalainen. muukolainen 
fremd', mit dem völkernamen "mongole". varpu islav. urspr.] 'passer" mit 
varpu ramus' zusammengestellt. 



loo II- Ostseefinnen. 



Beziehungen zu indoeurop. sprachen. 
[Vgl. II 14, 18— 20.] 

23. Grotenfelt K. Suomalaiset paikannimet Ahvenanmaalla. = Die 
finnischen Ortsnamen Alands. Historiallinen Arkisto. X\'I,2, 1900. 
Sitzungsber. s. 23 — 25. 

Verf. weist nach, dass es auf der in sei Aland einige finn. Orts- 
namen giebt, lind schliesst daraus, dass die finnen -n-ährend ihrer aus- 
breitung auf dem finländischen festlande auch auf Aland einige ansied- 
lungen gegründet haben. 

24. Nordenstreng Rolf. Till trägan om vär finländska svenska. 
:== Zur frage nach unserem finländischen schwedisch. Finsk Tid- 
skrift. XLIX, 1900. S. 184 — 200. 

Behandelt u. a. auch den finn. einfluss auf das schwedische in 
Finland. 

Denkmäler der älteren spräche. 

25. Suomenkielinen terveyshoidoUinen kirjoitus viime vuosisadalta. 

z= Eine h3-gienische schrift in finnischer spräche aus dem letzten 

Jahrhundert. Terveydenhoitolehti XII, 1900. S. 118 — 122. 

Ein hygienischer aufsatz aus dem kalender füi's jalir 1765, neu- 
druck. 

26. Ruuth J. W. [z=z Verzeichnis der dörfer in den früher unbe- 
bauten orten der kirchspiele Ruovesi und HämeenkjTö aus d. j. 
1590]. Historiallinen Arkisto. XVI,2, 1900. Sitzungsber. s. 
35—44- 

Das Verzeichnis (in schwed. spräche) ist auch wegen der finnischen 
namensformen bemerkenswert. 

Geschichte der Wissenschaft. 

27. Ojansuu Heikki. M. A. Castrenin oikeakielis^yskannasta. =: 
M. A. Castren's ansichten über die Sprachrichtigkeit, ^'ir. IV, 
1900. S. 59 — 62. 

Referat des Castren'schen aufsatzes „Anmärkningar rörande nägra 
Ijud i Finskan". dessen Standpunkt hinsichtlich der Sprachrichtigkeit der 
„etymologische" oder „graumiatische" ist, wenn er auch teilweise mit 
bruchstücken des gedankengangs des sog. zweckmässigkeitsprinzips ver- 
einigt erscheint. 

Sprachrichtigkeit. 

28. Cannelin K. Suomen kielen passivin i:sen partisipin käytäntö. 
=r Gebrauch des participium I. passivi im finnischen. Vir. IV. 
1900. S. 5 — 9. 



3- Sprachkuude. joi 



Die bedeutungen des part. I. pass. im finnischen werden an bei- 
spielen aus der finn. Volkssprache und der neueren litteratur ( für sprach- 
richtigkeitszwecke) dargelegt. 

29. T[arkiainen] V. Yleiskielemme puhuttelusanoista. zz Über die 
anredewörter unserer gemeinsprache. Vir. IV, 1900. S. 91 — 95. 

Über die verschiedenen anredeweisen im finnischen; beurteilung 
derselben vom Standpunkt der Sprachrichtigkeit; die anredeart mit dem 
titel und dem prädikat in der 3. person wird abgelehnt und ntu' die 
anredefoiin mit der 2. person (sinä 'du' im vertraulichen und te = 
franz. "vous' im höflichen umgang) verteidigt. 

30. Oikeakielis3yttä. =: Sprachrichtigkeit. Vir. IV, 1900. S. 14 — 

16, 29—30, 45—48, 75—83, 97 — 100, 114— 116, 134—136. 

Bemerkungen (von verschiedenen Verfassern) über fehlerhafte rede- 
weisen und Wörter bei verschiedeneu finnischen Schriftstellern („antibar- 
barus"). 

31. K[anmsto] A. Kansanvalistusseuran Kalenterin ristimänimis- 
töstä sananen. 3= Ein wörtchen über die taufnamen im kalender 
der Gesellschaft für Volksaufklärung. Vir. IV, 1900. S. 9 — 12. 

"über die finn. taiifnamen; bemerkungen vom Standpunkt der sprach- 
richtigkeit aus, mit einigen sprachgeschichtlichen erklärungen 



Granunatiken und Wörterbücher. 

32. Budenz Jözsef. Finn nyelvtan. (Hang- es szötan.) Atdolgozta 
Szinnj^ei Jözsef. Ötödik, javitott kiadäs. z=z Finnische Sprach- 
lehre (Laut- und wortlehre.) Bearbeitet von J. Szinn3-ei. 
Fünfte, verbesserte aufläge. (Finn-ugor kezikönyvek z= Finnisch- 
ugrische handbücher, redigiert von J. Szinnyei. I.) Budapest, 
V. Hornyänszky, 1900. 8:0. 69 s. Kr. 2. 

33. Setälä E. N. Äidinkielen oppikirja kansakouluja varten. Toinen 
osa. = Lehrbuch der muttersprache für Volksschulen. Zweiter 
teil. Helsingfors, Otava. 1900. 8:0. 96 s. Em. 0,50. 

34. Setälä E. N. Äidinkielen oppikirja kansakouluja varten. Toinen, 
tarkastettu painos. := Lehrbuch der muttersprache für Volks- 
schulen. Zweite, revidierte aufläge. Helsinki, Otava. 1900. 8:0. 
141 s. Em. I. 

35. Setälä E. N. Äidinkielen oppikirja kansakouluja varten. Ylei- 
nen osa. Toinen, tarkastettu painos. =^ Lehrbuch der mutter- 
sprache für Volksschulen. Allgemeiner teil. Zweite, revidierte 
aufläge. Helsinki, Otava. 1900. 8:0. 48 s. Em. 0,35, geb. 0,50. 

36. Setälä E. X. Suomen kielen oppikirja alkeisopetusta varten. 
= Lehrbuch der finnischen spräche für den elementarunterricht. 
Helsingfors, Otava. 1900. 8:0. 120 s. Fm. 1,60. 

In diesen lehrbüchern (nr. 33 --36) will der verf. die resultate und 
auffassung der heutigen Sprachwissenschaft auf den ersten Sprachunter- 
richt angewandt wdssen. Überall wird von der lebendigen spräche aus- 
gegangen, und die kenntnisse werden durch Übungen gesichert. — Defi- 
nitionen des pradikats iind Subjekts: „Die personalform des verbums 



I02 II- Ostseefinneu. 



wird als satzteil prädikat genannt. Die person des prädikats vird als 
Satzteil Subjekt genannt." 

37. Yrjö-Koskinen E. S. Suomalais-ranskalainen sanakirja. — 
Dictionnaire tinnois-francais. Helsingfors, FLG. 1900. 8:0. XVII 
-f- 982 s. Fm. 20. 

38. Palander E. W. Suomalais-venäläinen sanakirja. — <I>nHCKo- 
pyccKÜi c.TOBapt. ;=: Finnisch-russisches Wörterbuch. Porvoo, Wer- 
ner Söderström. 1900. 8;o. 582 s. Fm. 10,50, geb. 12. 



Estnisch. 

39. German [Hermann] K. A. Ool wcTOHCKnxt HaaßaHiaxb jitcTHocieil. 
= Über estnische Ortsnamen. 1= TpjMH X apx. ciisja Bt Pnri 1896. 
III. 1900. Sitzungsber. s. 122. 

U. a. wäre Tartu (Tarbato, Dorpat, ,I,epnTt) eine verklü-zung von 
..Taara abuda'" („Taara's hüte") 

40. Hausmann R. „Marienland". Sitzungsber. d. Gel. Estn. Ges. 
1899. S. 109 — 112. 

Der Tortragende behauptet, in dem est. werte M arj a ni a [= Maarja- 
maa] wäre ,,eine. wenn auch vielleicht dunkle Erinnerung an die Zusam- 
mengehörigkeit von Est-, Liv- und Kurland enthalten'*. 

4 1 . Bezzenberger A. Ursprung, Bedeutung und \"erbreitung des 
Volksnamens ,,Gudden". Sitzungsber. der Altertumsges. Frussia 
1896 — 1900. XX, 1900. S. 217 — 242. 

S. 236 — 237 : Über die mit Koda-. Kodi- beginnenden estnischen 
Ortsnamen. 

42. [Eisen M. J.] Hiiud. Postimehe eralisa 1900. S. 202. 

Der verf. untersucht die namen der Kalevipoeg-sage : Hiid, Hiigla 
tark. Hiigla tütar. 

43. Kuhlbars F. Awalik palwe teaduse, hariduse ja kirjanduse 
söpradele. = Offene bitte an die freunde des wissens, der bil- 
dung und der litteratur. Postimees 1900, nr. 275. Eesti Posti- 
mees 1900, nr. 52. 

Aufforderung zum sammeln von Ortsnamen. Der verf. teilt mit. 
dass er schon seit Jahrzehnten namen sanunle. Die etymologien einiger 
Ortsnamen werden angegeben. 



Sprachrichtigkeit. 

44. Hurt J. Eesti kirjaviisist ja kirjakeelest. = Über estnische 
Schreibweise und Schriftsprache. Postimees 1900, nr. 45, 46. 

Im gegensatz zu dr. Hermann" s ansieht, dass suffixales -gi immer 
in dieser weise zii sclureiben sei. will Hiu"t der ausspi'ache gemäss nach 
vokalen, liquiden, nasalen, v ( und j » -gi. nach verschlusslauten und s 
(so\^-ie h) -ki geschrieben wissen, z. b. kalagi. kavalgi. laevgi. dagegen 
sinepki. möötki. löugki. puhaski. 



3- Sprachkunde. 103 

45. Hermann K. A. Kas -gi ja -ki voi -gi üksi? SOnake vas- 
tuseks ja seletuseks hr. Dr. J. Hurt'ile. = -gi und -ki oder -gi 
allein? Ein wort zur entgegnung und erklärung an herrn dr. 
J. Hurt. Postimees 1900, nr. 51 — 54. 

Verfasser verteidigt gegen Hurt's ansieht die Schreibweise -gi. 

46. Leetberg K. -gi ja -ki. Dr. Hurt'i kirja pääle. = -gi und 
-ki. Auf dr. Hurt's artikel. Postimees 1900, nr. 69. 

Verf. stellt sich gegenüber den beiden schreibAveisen auf keinen 
bestimmten Standpunkt ; zu wünschen sei vielleicht, dass man -gi schreibe, 
man könne jedoch auch die Schreibweise -ki für bestimmte fälle ver- 
teidigen. 

47. — o — . [Riomar T.] Eesti keeletundjatele. = An estnische 
Sprachkenner. Postimees 1900, nr. 83—84. 

In der frage -ki oder -gi stellt sich der Verfasser auf Hurt's stand- 
]ninkt. Ausführlich werden die den buchstaben b, d, g, p. t, k, s ent- 
sprechenden laute des estnischen behandelt. Der verf. macht darauf 
aufmerksam, dass, wenn zwei dieser buchstaben nebeneinander geschrie- 
Ijen stehen, dieselben immer harte lautierung haben, z. b. kurbdus. arg- 
dus, kuubgi. siidgi, umbsed, kuldsed, lies: kurptus, arktus. kuupki. siitki, 
umpsed, kultsed. In der Orthographie ist nach seiner ansieht in diesen 
fällen nur der letztere laut durch den entsprechenden buchstaben zu be- 
zeichnen, also z. b. kürbtus. argtus. siidki u. s. f. Schliesslich bemerkt 
der verf.. dass Hermann's behauptuug, den finn. p, t, k entsprächen 
est. b. d, g und den finn. pp. tt, kk est. p, t, k, nicht immer stich hält, 
da im estnischen papa, kaku, tatar, katsuda, katk, kosk, leht ausgespro- 
chen wird. 

48. Hurt J. Eesti kirjawiisist ja kirjakeelest. = Über estnische 
Schreibweise und Schriftsprache. Postimees 1900, nr. 145 — 148. 

Verfasser macht darauf aufmerksam, dass -ki f-gi) ein siiffix und 
kein selbständiges wort sei. Als suffix wird es wie die silben behandelt. 
Die süben sind zu schreiben, ^vie sie ausgesprochen werden, daher ist 
in bestimmten fällen -ki, in anderen fällen aber -gi zu schreiben. 

49. Hermann K. A. Weel kord seilest, kas -gi ja -ki wöi üksi 
-gi. = Nochmals darüber, ob -gi und -ki oder nur -gi. Posti- 
mees 1900, nr. 168 — 172. 

Verf. sucht ausführlich darzathun. dass die Schreibweise -gi die 
allein richtige sei. 

50. — o — . [Riomar T.] Luhta läinud lootus. zzr Die geschwun- 
dene hoffnung. Postimees 1900, nr. 252 — 255. 

Verf. setzt die polemik in der frage -ki oder -gi gegen dr. Her- 
mann fort. 

51. Hermann K. A. Sönake seletuseks. = Ein wörtchen zur 
erklärung. Postimees 1900, nr. 259. 

Auf Hiurt's aufforderiTng im Postimees nr. 179 erklärt verf. die 
ableitungssilben -line und -lik u. m. 

52. t^. Lahtine küsimus. r^'Eine offene frage. Postimees 1900, 
nr. 127. 

Verf. möchte die estnische spräche von fremdwörtern gereinigt 
wissen und schlägt im besondern das wort isand für herra vor. Da- 
neben spricht er vom unterschied zwischen alten und veralteten Wörtern. 



I04 !!• Ostseefinnen. 



53. R[eiman] W. Kas ristikogudus vöi kristlik kirik? = ,,Risti- 
kogudus" oder „kristlik kirik?« Postimees 1900, nr. 91. 

Yerf. giebt die etymoloo-ien der wörtpr rist, Kristus, ristitud. kirik 
xmd kommt zu dem scliluss, dass ristikogudus als bezeiclmung der christl. 
kirclie (gemeinde) riclitiger sei. als kristlik kirik. 

Grammatiken nnd praktische lehrbücher. 

54. Einer H. Eesti keele opetus algkoolidele. 3= Estnische Sprach- 
lehre für elementarschulen. Jurj-ew, J. Tönisson. 1900. 8:0. 82 s. 
Rbl. 0,35. 

55. Könelemised öppimiseks Eesti rahwale, kes Saksa keelt ja Saksa 
rahwale, kes Eesti keelt tahawad öppida. Kaheksas trükk. Saksa- 
eesti ja eesti-saksakeele sönastikuga. — Unterredungen zur Ue- 
bung für Esten, welche die deutsche Sprache und für Deutsche, 
welche die estnische Sprache erlernen wollen. Mit einem deutsch- 
estnischen und estnisch-deutschen Wöiterbuche. Achte aufläge. 
Jurjew (Dorpat), H. Laakmann. 1900. 8:0. 240 s. 

4. Litteraturgeschichte. 

F i n n i 8 c h. 

56. Setälä E. N. Lounaissuomalaisia kirjailijoita. ^ Südwesttinni- 
sche Verfasser. Festschrift Räntämäki. 1900. S. 2 — 4. (4:0). 

Über die älteren finnischen Verfasser, welche im südwestfinnischen 
dialekt geschrieben haben oder aus dem südwestlichen Finland gebürtig 
sind. Der aiifsatz ist für eine festschrift der südwcstfinländisclien Stu- 
denten verfasst. 

57- Snellman A. H. Ljungi Tuomaanpoika, Pohjanmaan pappi ja 
lain suomentaja. := Ljungo Thomfe, pfarrer in Österbotten und 
gesetzübersetzer. Historiallinen Arkisto XVI, 2. 1900. S. 1 — 24. 

Biographie des pfarrers Ljungo Thomge, der 1602 das landgesetz 
und 1609 das stadtgesetz des schwed. königs Christopher ins finnische 
übersetzte. 

58. Hilden A. Om distributionen af 1642 ärs finska bibelupp- 
laga. ziz Über die distribution der finnischen bibelauflage des 
Jahres 1642. Historiallinen Arkisto XVI, 1. 1900. S. 63 — 73. 

Verf. berichtet über die Verteilung des ersten vollständigen finn. 
bibelwerkes (dessen aufläge 12 00 war). Es mag erwähnt werden, dass 
exemplare auch einigen 1 a p p i s cli e n gemeinden zugeteilt wurden ; auch 
Johannes Tornseus, der an einem Manuale im lappischen arbeitete, erhielt 
ein exemplar. Unter den ausländem erhielten exemplare die Universität 
zu Leyden, wo früher viele finnen studiert hatten, und der berühmte 
pädagog Arnos Comenius. 

59. Soikkeli, Kaarlo. Ensimmäiset kansaamme varten painetut 
historialliset tiedonannot. r=i Die ersten für unser volk gedruck- 
ten historischen berichte. Festschrift Räntämäki 1900. S. 
10—13. 



4- Litteraturgeschichte. 5. Volkskunde. 105 

Behandelt die historischen berichte nnd chroniken, die den kalen- 
darien in den finn. kirchl. hand- n. g:esano;büchern („Manuale finnonicum" 
1646 u. d. folji'.) beigelegt wurden, teils auch selbständig erschienen. 

60. Leinberg K. G. Finskspräkig disputationspoesi vid Upsala uni- 
versitet. 1= Finnischsprachige disputationspoesie an der Univer- 
sität üpsala. Historiallinen Arkisto, XVI, 1. 1900. S. 74 — 92. 

VeröfFentlicht fünf finnische gratulationspoeme aus den Upsala- 
dissertationcu (1717 — 1818), mit biographischen notizen. 

61. A. A. Lönnrotin Mehiläinen. ^ Lönnrot's Mehiläinen. Uusi 
Kuvalehti X, 1900. S. 169 — 171. 

Darstellung der von Lönnrot in den jähren 1836 — 40 herausgegebe- 
nen Zeitschrift „Mehiläinen" (= 'biene'). 



Estnisch. 

62. Westling G. O. F. Mitteilungen über den kirchlichen Cultus 
in Ehstland zur Zeit der schwedischen Herrschaft. Kirchen- 
geschichtliche Studie von — — . Beiträge zur Kunde Ehst- 
Liv- und Kurlands V. 1900. S. 270 — 302. 

Der Verfasser bespricht s. 280—287 die ältere estnische predigten- 
litteratur und die kirchlichen gesangbücher. 

63. Uus Lauluraamat. Kirikus, koolis ja kodus pruukida. =z Neues 
gesangbuch für den gebrauch in kirche, schule und haus. Jurjew 
(Tartu). Trükitud K. Mattieseni juures. 1900. XXXII -(- 687 s. 

In der einleitung eine historik des est. gesangbuches von der ältes- 
ten zeit an. 

64. Carlblom J. Eine estnische Uebersetzung Horaz'scher Oden. 
Sitzungsber. d. Gel. Estn. Ges. 1899. S. 94 — 107. 

Heinrich Bochmann's estnische Übersetzungen der 3 ersten öden 
des Horaz aus dem jähre 1822. 

65. Reiman Willem. Üheksasteistkümnes aastasada Eesti rahwa 
elus. z=r Das neunzehnte Jahrhundert im leben des estnischen 
Volkes. Sinvilauad. Eesti rahwa tähtraamat 1901 aasta jaoks 
{^ Runenbretter. Kalender für das estnische volk 1901). S. 
I — 22. 

Der verf. wirft u. a. einen blick auf die estnischen schriftsteiler des 
XIX. Jahrhunderts. 

5. Volkskunde. 

Allgemeines. 
[Vgl. III 4.] 

66. Th[oinsen] Vilh. Liver. ^=. Die liven. Salmonsens störe illustr. 
Konversationsleksikon for Norden XI. S. 897. 

Kurze nachrichten über das liv. volk u. seine spräche : biblio- 
graphie. 



Io6 II- Ostseefinnen. 



Yolkslitteratur. 

Fi Ulli seh. 

f Vgl. II 112, Ui, 1.59.] 

67. Billson Charles J. The populär Poetr\- of the Finns. Populär 
Studics in M3"tholog\', Romance & Folklore Nr. 5. London, D. 
Nutt, 1900. Kl. 8:0. 37 s. 6 d. 

68. Ar Kalevala ett finskt nationalepos eller icke? ^ Ist das Kale- 
vala ein finnisches nationalepos oder nicht? Upsala Nya Tid- 
ning 1900 i2/i2' nr. 1633. 

Enthält einen Ton Thorsten Eenvall veröftentlichten brief von 
Kaarle Krohn anlässlich eines populären Vortrags von K. B. "Wikluml 
über das Kalevala, Avelcher in den schwed. Zeitungen referiert worden 
war. In dem briefe äussert sich Ki'ohn über den anteil Lönnrots am Kale- 
vala, über den anteil der esten, Schweden und litauer od. letten an dem- 
selben, über die Sampo-sage u. s. w. 

69. Wiklund K. B. Genmäle. = Erwiderung. Upsala Xya Tid- 
ning 1900 ^*/i2) nr. 1634. 

Erwiderung auf die vorige nr. ; der verf. behauptet, dass das zei- 
tungsreferat über seinen vorti'ag unrichtig und verworren gewesen sei. 

70. Grotenfelt O. Ur den nyare Kalevalaforskningen. :z= Aus 
der neueren Kalevala-forschung. Finsk Tidskrift XLIX, 1900. 
S. 98 — 102. 

Referat der neuesten forschungen über die zusammensetziuig des 
Kalevala. 

71. Franssila K. A. ^Nluutamia Kalevalan aiheita. = Einige mo- 
tive des Kalevala. Kansanopisto IV, 1900. S. 137 — 142. 

Stellt in populärer form einige motive des Kalevala dar (über den 
fäller der grossen eiche: über die webende Pohja-jungfi'au, in welcher 
der verf. eine spinnende parze sieht). 

72. Franssila K. A. Kansanrunouden tutkimuksia. I. Iso Tammi 
liitteineen. =: Folkloristische Untersuchungen. I. Die grosse eiche 
nebst daran anschliessenden liedern. Suomi III, 18. Helsinki 
1900. 8:0. IX -j- 480 s. Em. 5. 

73. Franssila K. A. Kansanrunojemme iästä. z^ Über das alter 
unserer Volkslieder. Vir. IV, 1900. S. 85-91. 

Bei der altersbestimmung der finnischen lieder, sagt der verf.. 
sind wichtige Zeugnisse gewisse, überall auf savolasischem gebiet anzu- 
trelfende zusammengesetzte lieder. Diese lieder, die teils aus westfinni- 
schen, teils aus estnischen stolFen zusammengesetzt sind, müssen sich vor 
der einwanderung der savolaxer in ihre verschiedenen Wohnsitze, vor 
1550, gebildet haben. • Setzt man^ ca. 150 jalii'e für die Wanderung der 
lieder von Westestland und den Aboer gegenden nach Finnisch-Karelien 
an, wo die Verschmelzung stattgefunden hat, und dieselbe zeit für die 
zusanmienschmelzung der lieder und die Wanderung der zusammenge- 
setzten lieder nach Südsavolas, so konunt man nach der ansieht des 
Verfassers auf zeiten zurück, in welchen auf beiden, selten des finnischen 
meerbusens die christliche lehi'e ihren lauf besann. 



5- Volkskunde. 107 

74. Krohn Julius. Kantelettaren tutkimuksia. Edellinen vihko. 
I. Ritvakm Helkavirret. IL Historialliset runot. Toimittanut ja 
tä3-dentän3-t Kaarle Krohn. z=z Kautel etar-stuclten. Erstes heft. 
I . Die Helkagesänge von Ritvala. II. Historische runen. Be- 
sorgt und ergänzt von Kaarle Krohn. Helsinki, FLG. 1900. 
8:0. 212 s. Fm. 3,75. 

75. Niemi A. R. Ritvalan Helkajuhla. 3= Das Helkafest in Rit- 
vala. Vir. IV, 1900. S. 17 — 20, 33—37, 49—57- 

Der aufsatz behandelt ein bis in die letzten Jahrzehnte hinein 
in Tavastlaud, im dorfe Eitvala des Kirchsi^iels Sääksmäki, unter eigen- 
artigen ceremonien gefeiertes fest mit abbrennen von feuern. Aus dem 
alter der bei dem fest gesungenen lieder — mittelalterlichen balladen — 
weigert sich der Verfasser Schlüsse auf das alter des festes selber zu zie- 
hen und hält eine späte entstehung des festes, ebenso einen etwaigen kirch- 
lichen Ursprung für unwahrscheinlich. Die allgemeine Verbreitung des 
feuerablirennens in "Westfinland, Tavastland und Nyland, ja sogar auch in 
Ingermanland und Estland deutet auf hohes alter. Verf. findet in den 
finnischen gebrauchen des abbrennens von feuern, besonders in dem 
Helkafest von Eitvala und in dem frühlingsfest der baltischen Völker 
gemeinsame züge, u. a. den, class beide zur erzielung einer guten jahres- 
ernte gefeiert werden, und schliesst daraus, dass das Helkafest zu einer 
zeit entstanden sei, wo die finnen in nachbarschaft mit den baltischen 
Stämmen gelebt haben. 

76. Wallin Väinö. Eräs Djeknin sukua koskeva asiakirja ja ,,Eli- 
nan surma". r=: Ein das Djeknische geschlecht betreffendes 
dokument und ,, Elinas ^tod". Historiallinen Arkisto XVI, 2. 1900. 
S. 104 — HO. 

Verf. veröffentlicht ein dokument aus d. j. 1551, welches die han- 
delnden personen der finnischen volksballade „Elinas tod" berührt. Nach 
diesem wäre Klas Djekn (richter 1390 — 1434) das vorbild des ritters, der 
nach der ballade seine frau verbrannte ; in der ballade A\ird die that sei- 
nem enkel Klas Kurki zugeschrieben. 

77. H. K. Leikkiloruja Lapualta. zi= Spielreime aus Lapua. Vir. 
IV, 1900. S. 30^31. 

Einige spielreime, die beim spielen von kindorn recitiert wer- 
den etc. 

78. A[speliii] J. R., Hijo, Oulas ja Limas veljekset. nz: Die brüder 
Hijo, Oulas und Limas. SM VII, 1900. S. 33 — 36. 

Einiges über das sagenhafte Hiisi-volk im nördlichen Österbotten 
und die anlegung der orte li, Oulainen und Liminka durch die (riesen- 
oder läppen-) brüder Hijo, Oula, Limmi (Limas). In der sage von Limmi 
anklänge an die von Väinämöinen. 

79. Tallgren Jenny Maria. Tarn Matalasta vuoresta ja jättiläisistä. 
:=: Die sage von den riesen auf dem berge Matalavuori. SM 
VII, 1900. S. 67-68. 

Bei einena steinring auf dem berge Matalavuori auf der insel Kaks- 
Tcerta (provinz Abo) wurde früher den ,.riesen" geopfert. Krieg zwischen 
den riesen auf der insel Kakskerta und den „nonnen" auf der gegen- 
überliegenden insel Satava. Steine als Wurfgeschosse verwandt. 



lo8 II- Ostseefinnen. 



80. Kien. Vanunvuoren ja Vasaravuoren haltijat. zrr Die berggeister 
auf den bergen Vanunvuori und Vasaravuori. SM VII, 1900. S. 32. 

Der geist (riese) des berges A'anunvuori leiht, um sein pferd zu be- 
schlagen, von dem geist des Vasaravuori das schmiedewerkzeug. Dieses 
wird ihm 20 km weit durch die luft zugeworfen. Beide berge in der 
nähe von Kuopio. 

8 1 . A[spelin] J. R. Kihovauhkosen ennustuksia. z=: Wahrsagun- 
gen Kihovauhkonen's. SM VII, 1900. S. 16. 

Kihovavihkonen, ein sehn Kalevas, ist in der volkssage besonders 
als Wahrsager bekannt; einige von seinen Prophezeiungen werden mit- 
geteilt. 

82. Sieber J. Murheen voimasta. = Von der macht der trauer. 
Valvoja XX, 1900. S. 578 — 585. 

Schliesst sich einem aufsatz mit gleichem titel von E. Aspelin 
(Valvoja n, 1882, 191—199. III, 1883, 383-387) an, wo das thema der 
bekannten Bürger'schen ballade „Lenore" in der volkssage behandelt 
wurde, mit besonderer berücksichtigung der finnischen Varianten. Verf. 
weist dazu parallelen — welche oft in einzelnen zügen mit den finnischen 
Varianten übereinstimmen - — aus dem sagenschatz verschiedener Völker 
nach ; besonders interessant sind die polnischen Varianten. Die Verbreitung 
der sage in Finland betreff'end weist der verf. darauf hin, dass abgesehen 
von den deutschen und Schweden, die nach Finland übergesiedelt sind, 
auch finnen auf kriegszügen in Deutschland und Polen sich aufgehalten 
haben; auch hat vielleicht der aufenthalt der polnischen edelleute am 
hofe des herzogs Johann in Finland spuren hinterlassen. Es sei erwähnt, 
dass der deutsche gelehrte seinen artikel selbst im finnischen niederge- 
schrieben hat. 

83. Kauppinen M. Kurki- ja Pohto-tarinan toisinto Ruovedellä. 
= Eine Variante der sage von Kurki und Pohto aus dem kirch- 
spiel Ruovesi. SM VII, 1900. S. 31 — 32. 

Zweikampf zwischen dem befehlshaber der Schweden, Kurki, und 
dem der russen, Varis, auf einer insel im meere. Auf der seite des rus- 
sen ficht ein dreiköpfiger teufel. Kach drei waffengängen sind die köpfe 
des teufeis abgehauen, worauf K. den V. zu boden streckt. Damit ist 
der krieg zwischen den Schweden und russen entschieden. 

84. N"[ervander] E. Medeltidssagan om käringen som hjelpte 
djefvulen. =: Mittelalterliche sage vom weihe, welches dem 
teufel half. FM VII, 1900. S. 45 46. 

Unter den mittelalterlichen Wandmalereien in einigen schwedischen 
und finnischen kirchen findet sich das motiv vom weibe dargestellt, das 
dem teufel half Uneinigkeit zwischen liebenden anzustiften. Beschrei- 
bung solcher maiereien (aus dem anfang des XVI. jahrh., in den kirchen 
von Sjundeä und Inga in Nyland). 



Est niscli. 

55. Gurt [Hurt] J. coupaHin 3ctohckhx-i> HapoiHux'b npejanift. ^ 
Über das sammeln estnischer folklore. Tpy;iH X apx. ctta^a b-i> PHrt 
1896. III. 1900. Sitzungsber. S. 51 — 52. 

Hurt giebt einen bericht über die von ihm 2:eleitete Sammelarbeit. 



Volkskunde. 



109 



>". Hiirt J. Wanawara aidamehelt. = Vom Verwalter des „alten 
Schatzes" (^ folklorej. Postimees 1900, nr. 133. 

Der aufsatz behandelt die letzten Veranstaltungen und ergebnisse 
der estnischen folkloresammlung. 

87. Hurt J. Sada kaheskümnes kuues aruanne Eesti wanavara 
korjamisest ja keelemurrete uurimisest. ::r: 126. bericht über das 
sammeln estnischer folklore und über dialektforschung. Posti- 
mees 1900, nr. 233. 

88. Hurt J. Sada kaheskümnes seitsmes aruanne Eesti wanavara 
korjamisest ja keelemurrete uurimisest. 11= 127. bericht über das 
sammeln estnischer folklore und über dialektforschung. Posti- 
mees 1900, nr. 238. 

89. Hurt J. Sada kaheskümnes kaheksas aruanne Eesti wana- 
vara korjamisest ja keelemurrete uurimisest. = 128. bericht 
über das sammeln estnischer folklore und über dialektforschung. 
Postimees 1900, nr. 273. 

90. P[ögelraann] H. Eesti luulekirjandusest I. II. =: Über die 
estnische poetische litteratur I. IL Postimees 1900, nr. 231, 
232. 

Handelt nach einer allgemeinen einleitung über die verschiedenen 
arten estnischer volkspoesie (volkslied und seine form, märchen, epos). 

91. Kalewipoeg. Aus dem Estnischen übertragen von F. Löwe. 
Mit einer Einleitung und mit Anmerkungen herausg. von W. R e i- 
man. Reval, Franz Kluge 1900. 8:0. XXXII -\~ 343 s. Rbl. 2. 

92. K[allas] R. Kalewipoja laulu arwud, nimelt arw 7. ^ Die 
zahlen in der Kalevipoeg-sage, besonders die zahl 7. EU Alb. V. 
1900. S. 15 — 18. 

Verf. spricht über auftreten und bedeutung der zahlen (bes. 7) 
in der gedruckten Kalevipoeg-sage. 

93. Kallas Oskar. Achtzig Märchen der Ljutziner Esten. Gesam- 
melt von -. Kaheksakümmend Lutsi maarahva muinasjuttu. 

Kogunud . Verhandl. d. Gel. Estn. Ges. XX, 2. 1900. S. 79 - 

405. Jurjew (Dorpat), Gel. Estn. Ges. (Leipzig, in komm, bei 
K. F. koehler.j 

94. Kallas Oskar. Kaheksakümmend Lutsi maarahva muinasjuttu. 
Äratrükk Opetatud Eesti Seltsi toimetuste 20. andest. = 80 mär- 
chen der Ljutziner esten. Sonderabdruck aus dem 20. bände 
der Verhandl. d. Gel. Estn. Ges. Jurjev-Tartu, Schnakenburg. 
1900. 8:0. 202 s. 

Enthält den estnischen teil der vorigen nr. 

95. Winkler R. Ueber Kirchen und Capellen Ehstlands in Ge- 
schichte und Sage. Beiträge zur Kunde Ehst- Liv- und Kurlands 
V. 1900. S. I - 38. 

Es werden u, a. an kirchen und kapellen geknüpfte volkssagen und 
abergläubische gebrauche des volkes mitgeteilt. 



IIO II- Ostseefinnen. 



96. Eisen M. J. Toompää ja Ülemiste jänve sündimine. = Die 
entstehung des [Revaler] Domberges und des Olieren-sees. Eesti 
Postimees, beil.: Öhtused Köned. 1900. S. 318 — 319. 

Verf. teilt alte sagen von der entstehung des Eevaler Domberges 
und des Oberen-sees mit. 

97. Jung J. Eine religiöse Sage. Sitzungsber. d. Gel. Estn. Ges. 

1899. S. 144—148. 
Eine volkssage. 

98. Hurt J. Eesti astronomia. Kone Peeterburi Eesti Jaaniko- 
guduse Xoortemeeste Seltsis 10. Jaanuaril 1899 pidanud — — . 
= Estnische astronomie. Vortrag geh. im Estnischen Jünglings- 
verein zu St. Petersburg am 10. januar 1899 von — — . Dor- 
pat (Jurjew), Buchhandlung des Postimees. [1900.] 8:0. 63 s. 
Rbl. 0.20. 

Auch deutsch erschienen, siehe folg. nr. 

99. Hurt J. Über estnische Himmelskunde. Vortrag gehalten im 
estnischen Jünglingsverein zu St. Petersburg am 10. Januar 1S99 

von- . St. Petersburg, druck v. Trenke u. Füsnot. 1900. 

8:0. 91 s. Rbl. 0,50 

TJbei'setzung u. bearbeitung der vorigen nr. 

Melodien. 

100. Suomen kansan sävelmiä. Ensimmäinen jakso. Hengel- 
lisiä sävelmiä, 4, 5 vihko. ^r: Melodien des finnischen volkes. 
Erste Serie. Geistliche melodien, 4., 5. heft. Herausg. von Ilmari 
Krohn. Gedr. in j3-väsk3-lä, FLG. 1900. 8:0. S. 385 — 644. Fm. 3 
pro heft. 

loi. Soikkeli Kaarlo. Suomen kansan hengelliset sävelmät. ;^ Die 
geistlichen melodien des finnischen volkes. Kansanopisto IV, 

1900. S. 4 — 10, 23-27. 

Bericht über die Sammlungen und Publikationen auf dem betr. ge- 
biete: darstelluno; der verschiedenen melodienarten. 



Mythus, abergiaube, sitten u. gebrauche. 
[Vgl. II 75, 95, 170.] 

102. E[eiman] W. Eesti muinasusk. = Der alte glaube der 
esten. EÜAlb. V. 1900. S. 82 — 97. * 

Übei'sicht über die estnische und finnische mythologie : die ansichten 
verschiedener forscher über die estnisch-finnischen götterwesen und den 
lieidnischen glauben werden angefühx't. 

103. Immosen kivi. z= Der stein Immosen kivi. Mr. l\', 1900. 

s. 58—59- 



Volkskunde. m 



Bild und beschreibung (nach K. Killinen) des opfersteins, der 
sich im Kirchspiel Euskeala in Karelien befindet. 

104. Salo W. „Muistajaiset". Rajakarjalasta. = „Die gedächt- 
nisfeier*'. Aus den grenzgebieten Kareliens. Päivälehti 1900, 

nr. 257. 

Eingehender bericht über die totenfeier bei den kareliern. 

105. Jürgens Erwin. Ein weiterer beitrag zum Tönniscultus der 
tston. — Vorwort von Max Buch. JSFOu. XVIII,.!. 1900. 9 s. 

106. Eisen M. J. Tonn. Linda 1900. S. 74. 

Kurze auiForderung z\ir einsendung von nachi'ichten üT)er Tonn 
1 zugleich erwähnung früherer arbeiten über den gegenständ. 

107. R[einian] W. Tükikene Eesti muinasusust. = Ein Stückchen 
alten estnischen glaubens. Postimees 1900, nr. 255. 

Verfasser stellt dar, Avas in der letzten zeit über den „Tünn" der 
<n ans tageslicht gefördert worden ist. 

lON. S. J. Tükikene Eesti muinasusku. = Ein Stückchen alten 
estnischen glaubens. Postimees 1900, nr. 287. 

Einige berichtigungen und bemerkungen zu Koiman's aufsatz 
über den Tönnkultus im Postimees nr. 255. 

109. Eisen M. J. Inimesed tuules. =: Menschen im winde. Jöulu 
Album 1900. S. 10 — 14. 

Volksglaube über den wirbehvind. 

iio. Westling G. O. F. Von den religiösen und sittlichen zu- 
ständen in Estland. (1560 — 17 10.) Beiträge zur Kunde Ehst- 
Liv- und Kurlands V. 1900. S. 333 — 352. 

Es wird u. a. von dem aberglauben des volkes erzählt. 

111. Häyhä Johannes. Kuvaelmia Itä-Suomalaisten vanhoista ta- 
voista. Xaimistavat. (Kansanvalistusseuran toimituksia 113 =^ 
XXVI,2. =: Schilderungen der alten gebrauche der ostfinnen. Die 
heiratsgebräuche. (Schriften der Gesellsch. für Volksaufklärung 
113 = XXVI, 2). Helsinki 1900. 8:0. 228 s. Em. 2. 

Auf dem Umschlag 1900, auf dem titelblatt 1899. Mit 10 abbil- 
dimgen. 

112. A[ü]io J. Joulukuusen tarina. := Die geschichte des Weih- 
nachtsbaumes. Uusi Suometar 1900, nr. 319. S. 4—5. 

Bemerkungen über den Ursprung der weihuachtsgebräiache. bes. 
des Weihnachtsbaumes: der verf. teilt aus den Sammlungen Rein ho 1ms 
einen auszug aus einem weihnachtslied aus Ilomantsi (Finland) mit u. 
erwähnt den gebrauch, welcher in einigen gegenden Finlands herrschte, 
tannen auf den höfen, sogar in den kirchen aufzustellen. 

113. KoppecnoHjeHuia nsr, c. IlajaHH, IIuBtHCUKaro yfcsja. = Brief 
aus dem kirchspiele Padan im kreise Pov^nec. 0.iuHeu,Kiji l'yn. 
BtjOM. 190Ö, nr. 30. 

Einiges über die russische und die karelische hochzeit. 



112 li- Ostseefiunen. 



Stoftiiche ethnographie. 
[Vgl. I V2S, 129, 13:^, 139.] 

114. Janko Jänos. A neprajz Finnorszägban. z= Die ethnographie 
in Finland. NeprE I. 1900. S. i — 13. 

Eine sehr anerkennende Übersicht der ethnographischen und folk- 
loristischen Sammlungen und Untersuchungen in Finland. 

115. Schvindt Theodor. Kansatieteellisien kertomuksien laatijoille. 
:= An die abfasser ethnographischer berichte. Helsinki, FLG. 
1900. 8:0. 4 s. 

Einleitung zu nr. 117. Kurzer bericht über anzahl und Inhalt der 
an die Finnische Litteraturgesellschaft eingelaiifenen ethnographischen 
berichte. 

116. Kansatieteellisien kertomuksien laatijoille. = An die abfasser 
ethnographischer berichte. Vir. IV, 1900. S. 83 —84. 

Auszug aus nr. 115. 

117. Ky symyssarj a kansatieteellisiä kertomuksia varten. I— X. :^ 
Fragebogen für ethnographische berichte. I — X. Helsinki, FLG. 
1900. 8:0. 8 -|- 6 + 7 + 8 + 7 -f- 8 (= VI u. VII.) 4-8 4- 
6 + 6. 

I. Wohnung. TL. Jagd. III. Fischfang. IV. Wirtschaftsgebäude. 
V. Ackerbau. VT. Viehzucht. YIl. Verbindungswege. VIII. Zuberei- 
tung des leines, hanfs und der wolle. IX. Trachten nebst zieraten 
X. Hausgeräte, geschirre, masse. 

118. Granit A. W. Nyingen (nuotio). = Notfeuer. Geogr. För. 
Tidskrift XII. 1900. S. 176 — 179. 

Ethnographische beschreibung v. nuotio = "feuer im groben holz, 
notfeuer', nebst einer Volksüberlieferung über d. Ursprung desselben. Der 
verf. nimmt an, dass die läppen erfinder v. nuotio seien: die Ip. benen- 
nung njuortschu od. njoartschu [0: Lind. & Öhrl. nuotsjo] soll das 
original von h. nuotio u. schwed. nying, nödeld sein. 

119. P. E. Kalastusoloista Kuolemajärvellä. =: Die fischerei in 
Kuolemajärvi. Suomen Kalastuslehti IX. 1900. S. 175 — 176. 

Beschreibung der fischerei in Kuolemajärvi. 

120. P. A. Talvikalastuksesta Tammiossa vuonna 1900. z=z Die 

Winterfischerei in Tammio im j. 1900. Suomen Kalastuslehti 

IX, 1900. S. 42—43- 

Kurze beschreibung der winterfischerei in Tammio. Mit einem 
nachtrag s. 73. 

12 1. Georgievskij M. D. .loii.iji pbiuH ctTHMn .itioM-t 11 smioii sb 0.v>- 
HeuKOH rvuepain. = Das fischen mit dem netz im sommer und 
im winter im gouv. Olonetz. O.iOHeuKifl Tyn. Btjoji. 1900, nr. 
20, 22. 

122. Joutsen O. A. Rakennustyyppejä Keski-Suomen pohjois- 
osasta. Koonnut — — . z=i Bautypen aus dem nördlichen teile 
des mittleren Finlands. Geogr. För. Tidskr. XII, 1900. S. 89 — 



5- Volkskunde. 1 1 -i 

103, 113 — 135. Auch sep. (= Meddelanden af Geogr. Förenin- 
gen i Finland V, 7.) Helsingfors, Geogr. Verein. 1900. 8:0. 
41 s. 

Verf. hat sein material aus d. kirchspielen Sumiainen, Laukaa u. 
Kautalampi gesammelt: er beschreibt kota (kochhaus), sauna (badestube , 
riihi (rie^e). pirtti (wohnstube), nebengebäude, die baukonstruktion, die 
dächer, den hol' und den situationsplan (auch mit rücksicht auf den 
verkehr. 

123. Blomstedt Vrjö u. Sucksdorf \'ictor. Karjalaisia rakennuksia 
ja koristemuotoja. := Karelische gebäude und ornamentsmotive. 
Helsingfors, Selbstverlag (Unterstützung durch die Finn. Alter- 
tumsges.i. 1900. 4:0. 89 tafeln und i karte. Fm. 25 geh. (für 
die ganze arbeit). 

Der text im jähre 1901 erschienen; wird demnächst auch in deut- 
scher spräche veröiientlicht. 

124. P[enttilä] V. Karjalaisia rakennuksia ja koristemuotoja. = 
Karelische gebäude und ornamentsmotive. Suomen TeoUisuuslehti 
1900. S. 2 — 3. 

Besprechung der nr. 123; verf. spricht über den finnischen stil. 

125. Kuvia Venäjän Karjalasta. z= Bilder aus Russisch-Karelien. 
Väinämöinen IV, 1900. S. 42. 

Illustriert (bauten, typen). 

126. Bergroth Ossian. Frän en resa i ryska Karelen. = Von 
einer reise in Russisch-Karelien. Geogr. För. Tidskr. XIII. 1901. 
S. 1—30 (ill.) 

Enthält u. a. beobachtungen über die gebäude, die erwerbszweige, 
den Charakter, das gesellschaftliche leben und die russifizierung der 
karelier. 

127. Masing K. Vorläufiger Bericht über den Stand der Samm- 
lung des estnischen ethnographischen Museums. Sitzungsber. 
d. Gel. Estn. Ges. 1899. S. 159 — 163. 

Das im j. 1895 in Dorpat gegründete museum enthält ca. 900, zum 
teil von Stipendiaten gesammelte ethnographische gegenstände aus dem 
Estenland und den benachbarten, von esten bewohnten gebieten. 

128. Jung J. Eesti rahwa riietest. =^ Über estnische Volkstrach- 
ten. Linda 1900. S. 417 — 419, 449 — 451. 

Der Verfasser giebt zunächst die Wörter fürdie heutigen estnischen 
kleidungsstücke an, welche nicht ursprünglich estnisch sind, und stellt 
dann auf grund sprachlicher, archäologischer (und historischer) quellen 
fest, was auf diesem gebiete wirklich altes erbe ist. 

129. Skrusits M. Über die ehemalige lettische Färbekunst. Sit- 
zungsber. der Altertumsges. Prussia 1896 — 1900. XXI. 1900. 
S. 199 — 216. 

S. 213 — 245: Über die tracht der esten (ihre Vorliebe für dunkle 
kleidung, ausnahmen s. 214); s. 214 — 5: „Es kann kein Zufall sein, dass 
die Tracht in den früher livischen Gebieten Kurlands braun oder schwarz 
ist. Die Grenze für die Kegion der dunklen Kleidung lässt sich zwar 
nicht scharf markieren, doch kann man im grossen und ganzen annehmen, 

8 



114 



II. Ostseefinnen. 



rlass letztere in den Gebieten vorherrschend ist, in ■welchen nach B i elen- 
stein s Untersuchungen livische Bevölkerung um das XIII. .Tahrh. vor- 
handen war." 

Statistik. Sociale Verhältnisse. 

[Vgl. II 126.] 

130. Notices sur la Finlande. Publiees ä l'occasion de Texposition 
universelle ä Paris en 1900. Helsingfors, Imprimerie Centrale. 
1900. 8:0. 473 s. 

Table de matieres : I. Vajs et population par E. R. N o v i u s. II. 
Organisation politique et administrative par L. Mechelin. III. Culture 
intellectuelle. Universite et societes savantes par Anders Donner. 
Enseignement secondaire par C. Synnerberg. Enseignement primaire 
par G. Lönnbeck. lY. Culture materielle. Monnaies, banques, caisses 
d'epargnes par L. Mechelin. Communications par L. Mechelin. 
L'agriculture en Finlande vers la lin du XIX siecle par Gösta Groten- 
felt. Forets par E. Th. Sallmen. La peche en Finlande parO. Nord- 
qvist. Apercu general du developpement de Tactivite industrielle en 
Finlande par K. E. Palmen. Commerce par L. Mechelin. Y. Etat so- 
cial par Tekla Hui t in. 

131. Popini Albert. Finnorszäg a XIX. szäzadban. A „Finnorszäg 

a XIX. szäzadban" clmü finn diszmunka nyomän ismerteti . 

Finland im XIX. Jahrhundert. Auf grund des finnischen pracht- 
werkes „Finland im XIX. Jahrhundert". Nyiregj-häza, druck v. 
E. Jöba. 1900. Gr. 8:0. 128 s. 

Mit einer karte. 

132. Suomenmaan tilastollinen vuosikirja. Tehnyt Tilas- 
toUinen Päätoimisto. Kahdeskymmenesensimäinen vuosikerta 
1900. (Annuaire statistique pourla Finlande. Yingt-et-unieme annee. 
1900.) Helsinki, verl. der druckerei der FLG. 1900. 8:0 214 s. 
Geb. Fm. 5. 

Inhaltsverzeichnis und rubriken auch französisch. „Supei"ficie, terri-. 
toriale et population legale, selon ]a langue parlee", s. 4 — 5. „Mouve- 
ment de la population", s. 15 — 25. „Instruction pubUque", s. 124 — 151. 
„Jo\rrna\ix et revues au l:er Septembre 1899", s. 214. 

133. Rosberg J. E. Sääksmäki socken. LTtkast tili en geografisk 
sockenbeskrifning. = Das kirchspiel Sääksmäki [in Finland]. 
Entwurf einer geogr. beschreibung. Meddelanden af Geogr. För- 
eningen i Finland V,6. 1900. 8:0. 86 s. 

Inhalt: Geschichte. Lage, grenzen, grosse. Orographie. Topographie. 
Geologie. Hydrographie. Klima. Tierwelt. Gewerbe, höfe, volk 
(s. 53—77). "^Bevölkerungsstatistik (s. 77—82). S. 83—86: Refe- 
rat in deutscher spräche. 

134. Ruotsin Lapin suomalaisista. = Über die finnen des schwedi- 
schen Lappland. Valvoja XX, 1900. S. 681 — 682. 

Über die anzahl und die Verhältnisse der finnen im schwed, Lapp- 
land nach einem artikel von Martin Johansson „Den andliga kulturen i 
Lappland (Kyrklig tidskrift 1899, s. 498-524). Ygl. III 12'. 

135. Mörne Arvid. Förfinskningen af vär svenska landsbygd och folk- 
bildningsarbetet därstädes. = Die fennisierung unserer schwedi- 



5. Volkskunde. 115 



sehen landbevölkerung und die kulturarbeit unter derselben. Finsk 
Tidskrift XLIX, 1900. S. 233 — 246. 

Über die Ursachen der fennisierung der schwedischen gebiete in 
Finland; teilweise politischen Inhalts. 

136. Spectator. Ruotsin kieli ja kansallisuus Suomessa. z^ Die 
schwedische spräche und nationalität in Finland. Valvoja XX, 
1900. S. 690 — 695. 

Antwort auf die aufsätze Norde nstreng's und Mörnes (II 
24 u. 135): behandelt auch u. a. die Ursachen und die geschichte der 
auf natürlichem wege geschehenen fennisierung in Finland und über den 
Standpunkt, den man gegenüber dieser erscheinung einnehmen sollte. 

137. Meomuttel J. Eesti asunikkudest laialises Veneriigis. = Von 
den estn. kolonisten im weiten Russland. Postimehe eralisa, 
1900. S. 64? — ? 

Angaben über die zeit der auswanderung, zalil und lebensverhält- 
nisse der esten in den verscliiedenen russ. gouvernements. 

138. Kallas O. Kuinka äidinkieli katoo Lutsin virolaisilta. =:.-. Wie 
den Ludzener esten die muttersprache abhanden kommt. Vir. 
rV, 1900. S. 109 — 113. 

Auszug (in Übersetzung) aus der in estn. spräche abgefassten schrift 
des verf:s „Lutsi maarahvas" (= Die esten der Ludzener gegend, Suomi 
in,2, 1894). mit einer kurzen einleitung. 

139. Westliag Gust. Osk. Fredr. Mittheilungen über die Kirchen- 
verfassung in Estland zur Zeit der schwedischen Herrschaft. 
Beiträge zur Kunde Ehst- Liv- und Kurlands V, 199. S. 131 
— 190. 

Erwähnenswert düi'fte die ganz kurze darstellung der bevölkenings- 
verhältnisse Estlands zur zeit der schwedischen heiTSchaft (s. 132, 133) sein. 

Geschichte. 
[Vgl. II 159.] 

140. P[öld.] H., Läänemere soomlastest nende iseseiswuse ajal. = 
Über die ostseefinnen während ihrer Selbständigkeit. EÜAlb. 
V, 1900. S. 19 — 36. 

Keferat der dissertation A. H. Snelhnan's „Itämeren suomalaiset 
itsenäisyyteusä aikana". 

141. Qvanten Emil von. Finlands namn. zzz Die namen Finlands. 
Hufvudstadsbladet 1900, nr. 282 A & 295 (beilage). 

Verf. glaubt, dass die namen „finnen" mid „kvänen" bezeichnun- 
gen für skandinavische Völkerstämme waren. „Venäläiset" 'nassen' soll 
aus „kvänen" hergeleitet werden und auch urspr. Skandinavier bezeich- 
net haben. 

142. Setälä E. N. Milloin ruotsalaiset ovat tuUeet Suomeen? irr 
Wann sind die Schweden nach Finland gekommen? Valvoja XX, 
1900. S. 615 — 638. Helsingfors 1900. 8:0. 

Verf. wendet sich besonders gegen einen Vortrag von O. Montelius, 
der 1898 in Finsk Tidskrift veröffentlicht wurde („När kommo svenskame 



Ii6 II- Ostseefinnen. 



tili Finland? = Wann kamen die Schweden nach Finland?), wo die hypo- 
these aufgestellt wurde, dass die schwedischen bewohner Finlands schon 
2000 jähre vor Chr. in Finland gewohnt hätten. Verf. weist zuei-st nach, 
dass keiner der von Montelius angeführten Ortsnamen mit Sicherheit 
auf den heidnischen kultus hinweist od. nord. götternamen enthält. 
Auf grund der, archäologie lassen sich überhaupt kultur-, nicht aber na- 
tionalitätsgebiete bestimmen. Aiif grund sprachlicher Zeugnisse kommt der 
verf. zu dem schluss, dass sich die schwed. dialekte Finlands, welche sich 
sehr nahe an diejenigen Schwedens anschliessen, zu einer zeit von den 
letzteren abgesondert haben, in welcher nicht nur das altschwedische sich 
aus den übrigen nord. sprachen differenziert hatte, sondern auch die 
dialekt. eigentümlichkeiten in der schwed. spräche selbst sich zu ent- 
wickeln angefangen hatten ; folglich habe die einwanderung der vorfahren 
der jetzigen schwed. bewohner Finlands frühestens in der ^-ikingerzeit ange- 
fangen, das eigentliche fortschreiten der schwed. kolonisation aber sei 
in die periode 1000 — 1300 zu verlegen. 

143. Setälä E. N. När kommo svenskarne tili Finland? ^ Wann 
sind die Schweden nach Finland gekommen? Ateneum (Helsing- 
fors) m, 1900. S. 336—355. 

Übersetzung der vorig, nr. 

144. Jahnsson Ninni. Tvänne folksäg-ner anknytande sig tili sven- 
skames immigration tili Pargas och Houtskär. = Zwei volks- 
sagen die einwanderung der Schweden nach den inseln Pargas 
u. Houtskär betreffend. FM VII, 1900. S. 47 — 48. 

Infolge einer hungersnot auf Gotland wird ein teil der dortigen 
bevölkerung weggesandt imd gelangt nach Pargas. — Die männliche 
bevölkerung von Houtskär wird vom schwedischen könig zur strafe für 
ihre aufsässigkeit nach Schweden geschickt und durch männer aus Dale- 
karlien ersetzt. 

145. Jakubov K. I. u. a. liii Bonpocy o npoiicxoHiieHiH HMeHnPyct. 
^ Zur frage über den Ursprung des namens Rus. TpyjH X apx. 
cbtsja B-b Pnrt, 1896, III, 1900. Sitzungsber. S. 118 — 119. 

Enthält eine diskussion über die frage. 

146. Gutzeit W. von. Die Rüs der arabischen Schriftsteller. Riga, 
W. F. Hacker. 1900. 8:0. 16 s. 

Verfasser polemisiert gegen die ansieht Sceglov's. der name „Eüs" 
bedeute einen finnischen volksstamm. Indem er ebenso Kotljarevskij s 
und Ilovaiskij's annähme ablehnt, die „Eüs" seien ein slavisches volk 
(= russen), verteidigt er die ansieht, die bezeichnung „Rüs" bedeutete 
Skandinavier. 

147. Keissler Friedrich von. OKOHHanie iiepBOHaia.ibHaro pyccKaro 
B.TaaHnecTBa bi. npnoa.TTiücKOMb Kpat bt, XIII CTiutrin. Ci> ojHoi'i KapToft. 
=: Das ende der ursprünglichen russischen herrschaft in den 
baltischen ländern im XIII. Jahrhundert. St. Petersburg, Akad. d. 
Wiss. 1900. 8:0. VIII -|- 132 s. Rbl. 1,60. = Rm. 4. 

148. Müjukov P. X. ^Ito xaKoe „Mope BnpflHCKoe" H „ropoj,i .leieHeuT." y 
(CnpaBKa ki. Bonpocy o BpeJieHH n Jitcxt nponcxoiK;i,eHiH öh.ihhh o Cc- 
.lOBbt By4,nMnpoBnHt.) izr Was ist ,,das \'irjanische meer" und die 
Stadt »Ledenec»? (Beitrag zur lösung der frage, wann und wo 
die byline von Solovej Budimirovic entstanden ist). lOoiLieiiHuil 



5- Volkskunde. uy 



CBopHnK'b KU MecTb B. H. Mu.i.iepa, 110,1t ijejiiKuieu H. A. fluHVKa = IIsä. 
IImii. Ooih. .TiooüT. f]cTecTB03H., Ahti). n 3rH.. X(JVII, (Ti)y,Ti)i Bth. 
Oiji'Lia, XIV. Moskva. 1900. 4:0. XXII -f- 369 s. Rbl. 3.) S. 
314—315. 

Der rühmlich bekannte russische historiker weist hier nach, dass die 
namcn ..Mope BHpHHCKoe od. BepaHCKoe'' und die stadt Ledenec (JEe^e- 
Hen;'i>) der russischen byline aufs Esteuland hinweisen: das erstere ist Viron 
meri, Wierlands nieer, das letztere ist mit dem alten namen Kevals, Lin- 
danisa, zusammenzustellen. Auch liD.io.iUKÜi od. Ka,infi.ioBi)iii octijobt. = die 
insel Kattila. russ. Kotlin, deutsch Ketlingen. 

149. E[kmanJ E. A. Vatjalais-muistojako? = Erinnerungen an 
die woten? Vir. IV, 1900. S. 95 — 97. 

Verfasser vermutet, dass solche südostestnischen ärgerlichen aus- 
rufe wie a]i sa vadi.ionö ! und ah sa vadiiazö kihä!, {= etwa: "geh zum 
kuckuck") in denen vadiAanö lautlieh dem finn. vatjahtmen entspricht, aus 
den Zeiten stammen könnten, wo die södostesten und woten noch mit ein- 
ander zu thun hatten. Die bedeutung der ausrufe würde alsdann be- 
zeugen, dass die letzten berührungen der beiden Völker keine friedlichen 
gewesen sind, ein schluss, den auch die historischen nachrichten bela'äftigen. 

150. Boldt R. Ortbeskrifningen i Finland pä 16- och 1700-talen. 
:^ Ortsbeschreibungen in Finland während des XVI. und XVII. 
Jahrhunderts. (Meddelanden af Geogr. Föreningen i Finland V,i.) 

1900. 8:0. 64 s. 

Der verf. giebt ein Verzeichnis der beschreibungen von gauen, 
Städten und kirchspielen, die während des XVI. u. XVII. jahrh. in Fin- 
land entstanden sind. Die erste gaubeschreibung erschien im j. 1643. 
Im anfang waren es die regierung, die Universität u. die geistlichkeit 
welche zu heimatsbeschi-eibungen aufforderten, später erwarb sich das 
landmesserkorjDS in dieser hinsieht grosse Verdienste, luid vom j. 1771 
au erschienen, dank der eifrigen Wirksamkeit H. Gr. Porthan' s. zahlreiche 
topographische beschreibungen aus Finland in der zeitung „Abo Tidnin- 
uar." Auch andere, besonders die professoren Gadd u. Kalni, Avaren au.f 
diesem gebiete thätig, und schliesslich wiu'den durch die initiative der 
im j. 1797 gegründeten finnischen Ökonom, gesellschaft ,,Suomen talous- 
seiu'a'" mehrere gegenden untersucht und beschrieben. — S. 26 — 60: lit- 
teratiu'verzeichnis. S. 61 — 46 Referat in deutscher u. französ. spräche. 



Archäologie, 
[Vgl. II U2, 1«.] 

151. Hackman Alfred u. Heikel Heikki J. Vorgeschichtliche 
Altertümer aus Finland. Photographische Tafeln aus dem Histo- 
rischen Museum des Staates in Helsingfors. Helsingfors, Hist. 
Museum^ des Staates 1900. 8:0. 84 s. u. 85 tafeln. 

152. A[il]io J. Hiukan viljalajien esihistoriaa. = Zur Vorgeschichte 
der getreidearten. SM VII, 1900. S. li — 14. 

Verf. erwähnt die ergebnisse der neuesten forschungen auf diesem 
uebiete. welche das hohe alter des ackerbaues in Skandinavien bezeiigen. 
I )ie vorgeschichtlichen funde in Finland haben bisher kaum irgendwelche 
Aufschlüsse über die anfange des ackerbaues bei inis ergeben. Gewisse 
irrosse steinhacken, welche in verschiedenen teilen des landes gefunden 



Il8 II- Ostseefinnen. 



sind, könnten möglicherweise als höchst primitive Werkzeuge beim feld- 
bau benutzt worden sein. Resultate der vergl. linguistik auf diesem ge- 
biete werden kiirz berührt. 

153. H[eikel] H. J. Piirtolan kivikauden löj'töpaikka Ilmajoella. 
z= Ein fundplatz aus der Steinzeit bei dem bauemhofe Piirtola 
im kirchspiel Ilmajoki [provinz Wasa]. SM VII, 1900. S. 46—48. 

Die funde bestehen aus scherben von thongefässen mit grubenorna- 
ment, einem Schleifstein und einigen Steingeräten. 

154. Hackman Alfred. De senaste fj'nden frän vär bronsälder. 
r= Die neuesten funde aus unserer bronzezeit. FM MI, 1 900. 
S. 52—61. 

Unter den 5 bronzezeitlichen fanden, welche neuerdings zur kennt- 
nis des Hist. Museums in Helsingfors gelangt sind, bestehen 2 in gegen- 
ständen von nichtskandinavischen typen. Verf. hält diese für erzeugnisse 
einer einheimischen, mit der permisch-sibirischen verwandten Vjronze- 
kultur, deren spuren bereits in einigen fräheren funden (u. a. gussfor- 
men) zu tage getreten sind. Die 3 anderen funde enthalten gegenstände 
skandinavischen Charakters. 

155- Ailio Julius. Pronssikautinen hautaraunio Perniössä. 1= Ein 
bronzezeitliches hügelgrab im kirchspiel Pernio. SM VII, 1900. 
S. 52—57- 

In einem steinhügelgrab im kirchspiel Pernio (Bjerno), prov. Abo, 
fand Verfasser bei einer mit grüsster Sorgfalt vorgenommenen Unter- 
suchung ein kleines bronzemesser aus der 3. periode (nach Montelius' 
einteilung). Eine fi-üher dem museum zugesandte lanzenspitze aus feuer- 
stein soll in demselben grabhügel gefunden worden sein. 

156. Heikel Axel O. Korkeap3-örtäneenmäen löytö Uudellakirkolla 
Turun- ja Porinläänissä. = Die funde auf dem hügel Korkea- 
P3"örtäneenmäki im kirchspiel Uusikirkko, provinz Abo-Bjömeborg. 
SM Vn, 1900. S. 22—26. 

Beim sandholen auf einer niedrigen anhöhe, namens Korkeapyör- 
täneenmäki. bei dem dorfe Varhela im kirchspiel Uusikirkko sind wieder- 
holt Waffen und schmuckgegenstände sowohl aiis der älteren als aus 
der jüngeren eisenzeit gefunden worden. Das interessanteste fundstück 
ist eine armbrustfibel aus der römischen eisenzeit. 

157- H[ackma]n A. Ur vära privatsamlingar. Ett silfverfj-nd 
frän vikingatiden. = Aus unseren privatsammlungen. Ein silber- 
fund aus der vikingerzeit. FM VII, 1900. S. 17 — 25. 

In der nähe von Abo wurde in den 70:er jähren des vorigen jahrb. 
ein grosserer fund von silbernen Schmuckstücken gemacht, der bis 
auf einen halsring, eine hufeisenförmige übel und die nadel einer gros- 
sen ringfibel eingeschmolzen wurde. Die geretteten gegenstände stam- 
men etwa aus dem X. jahrh. 

158. Lagus Wilhelm. Numismatiska anteckningar II. Om mynt 
funna i finsk jord. z= Numismatische Notizen II. Über münz- 
funde auf finnischem boden. Bidrag tili kännedom af Finlands natur 
och folk LX. 1900. S. I — 264. 

Ein mit einer einleitenden übersieht versehenes vollständiges Ver- 
zeichnis aller bisher bekanntgewordenen münzfunde in Finland. Römische 
und ältere bvzantinische münzen sind in sehr geringer anzahl gefunden wor- 



5- Volkskunde. 1 1 g 

den. Recht zahlreich sind daii:eo;en die münzfunde aus der jünjyeren eisenzeit 
(hauptsächlich deutsche, angelsächsische und kuhsche silbermünzen). Dir 
fundgebiet deckt sich im allgemeinen mit dem der übrigen vorgeschicht- 
lichen funde (in Österbotten jedoch nur wenige münzfunde). "Wenn Ver- 
fasser annimmt, dass die im westlichen Finland gefundenen münzen 
ausschliesslich durch den handel mit Schweden (Gotland) nach Finland 
gelangt seien, da zwischen dem westlichen und dem östlichen fundgebiet 
(Ladogagegend) ein breiter landstrich (Njdand u. westliches Karelien) 
liege, welcher weder münz-, noch andere gleichzeitige altertiimsfunde 
geliefert habe, so hat er nur teilweise recht und übersieht die bedeutung, 
welche der direkte handel zwischen Estland und dem westl. Finland 
auch zu jener zeit gehabt hat. "Weit seltener und weniger ergiebig sind 
die funde mit münzen aus dem XII. — XV. jahrh. 

159. AspeHn J. R. Koroisten Turku Räntämäellä. uz: Der Han- 
delsplatz Koroinen in Räntämäki. Festschrift Räntämäki 1900. 
S. 4—9- 

Neudruck eines aufsatzes in SM V, 1900, 1 — 12. Verf. berichtet 
über den alten handelsplatz [Turku = handelsplatz ; stadt Abo], wo die 
Stadt Abo früher, schon in der heidnischen zeit stand. Eine volksbal- 
lade (von K. Krohn nach ingermanländischen Varianten zusammenge- 
stellt), welche mit dem lebeij daselbst in beziehung steht, wird mitgeteilt. 

160. Virchow R. j.peBHl3iimiixL aiUTe.iüxi. ciBepHoil Eßponu h, ocooeHHO, 
.TiibohIii. := Über die ältesten bewohner des nördlichen Europa, 
besonders Livlands. Tpj7,bi X apx. cttsja Kb Porli 1896. III, 
Sitzungsber. S. 80 — 81. 

Xach der meinung Virchow's waren die aborigenen der baltischen 
länder tinnen. 

161. Buchholtz Anton. [Funde aus der bronzezeit]. Sitzungsber. 
d. Ges. f. Gesch. u. Alterthumsk. der Ostseeprovinzen Russlands 
1899. S. 7, 24, 34. 

A. Buchholtz berichtet über 3 neue funde aus der bronzezeit in 
den Ostseeprovinzen. Mit den neu hinzugekommenen beträgt die ge- 
samtzahl solcher funde in den drei baltischen ländern erst 10. 

162. Hausmann R. Einige Bemerkungen über die Ausstellung 
zum XI. archäologischen Kongress in Kiew. Sitzungsber. d. Ges. 
f. Gesch. u. Alterthumsk. der Ostseeprovinzen Russlands 1899. 
S. 112 — 116. 

Verf. macht u. a. auf einzelne analogien zwischen den eisenzeit- 
lichen altertümern in den Kiewer Sammlungen und baltischen funden 
aufmerksam. 

163. Gausman [Hausmann] R. pa:iHuxi> ranaxt .niBnucKiixb Morn.iL- 
HiiKojit. ^=1 Über die verschiedenen tj'pen der livländischen gräber. 
Tpyjbi X apx. cbt:ua Bb Tiirl; 1896. III, 1900. Sitzungsber. S. 81 — 82. 

Übersicht der vorgeschichtlichen bestattungsweise in den baltischen 
ländern. 

164. Hausmann R. Zur Bestimmung eines eisernen Geräths der 
Alterthümer-Sammlung. Sitzungsber. d. Gel. Estn. Ges. 1899. 
S. 77—80. 

Ein zuweilen iu gräbern der jüngeren eisenzeit in Estland und 
Livland gefundenes eisernes gerät — ein stift mit durchbohrtem köpf. 



I20 II- Ostseefinnen. 



an welchem ein ring hängt — wird von H. als ein beim zusammenflech- 
ten von tauenden benutztes Werkzeug erklärt. 

165. Bogojavlenskij S. K. PacKonKn m. .Iin|uHH;iCKoft 11 K'yp.TaHjcKtii 
ryCepinHXh .iLtumi, 189B ruja. zir Ausgrabunjjen in den gouv. Liv- 
land und Kurland im Sommer 1896. Tpy,T.u X apx. cbtrua bs 
Pnrt 1896. HL 1900. S. 92—116. 

Vei-f. hat in den kreisen Riga (Livland), Talsen u. AVindau (Kur- 
land) gräberfelder verschiedener art und ans versclaiedenen zeiten stam- 
mend aufgedeckt. In Livland waren es flachgräber mit Skeletten aus 
der jüngeren eisenzeit (bei Fistehlen, Kaipen u. Eömershof). in Kurland 
teils grabliügel mit leichenbrand, die an die litauischen tumuli der jün- 
geren eisenzeit erinnerten (Brinken-Pedwalen, kr. Talsen). teils flach- 
gräber mit leichenbrand angeblich aus der jüngsten heidnischen zeit 
(Mattkuln im kr. Talsen, Dondaugen im kr. Windau), teils auch skelett- 
gräber des XV. — XVI. Jahrhunderts (Füssen im kr. Windau. Xogallen u. 
Stenden im kr. Talsen). Bei Dondangen wurde eine schifförmige stein- 
setzung untersucht: keinerlei funde. An die beschreibung der flachgrä- 
ber östlich von Riga schliesst verf. eine erörterimg der ethnographischen 
Verhältnisse Livlands wälirend der jüngeren eisenzeit. Aus archäologi- 
schen, folkloristischen und historischen gründen bestreitet er die richtig- 
keit der ansieht A. Bielensteins, nach welcher die liven zur see von. 
Kardien aus an die livländische küste gelangt wären iind sich von da 
aus landeinwärts ausgebreitet hätten. Die einwanderung derselben hätte 
vielmehr über das jetzige gouv. "Witebsk (das grabfeld von Liidzen 
— livisch) stattgefunden. Die von den baltischen archäologen für livisch 
angesehenen gräber im thale der livländischen Aa (Kremon, Segewold, Trei- 
den etc.) sind nach B. lettengräber. Ihr Inventar unterscheidet sich 
scharf von dem der flachgi-äberfelder im südöstlichen Livland (Fisteh- 
len, Kaipen, Ascheraden etc.), welche B. aus guten gründen für livisch 
erklärt. A. H. Snellmans arbeit „die Ostseefinnen zur zeit ihrer unab- 
hängigkeif, von welcher ein ausführlicher deutscher auszug existiert, hat 
verf. nicht l)enntzt. 

166. Buchholtz Anton. Ueber Gräber im Kokenhusenschen Kirch- 
spiele. Sitzungsber. d. Gesellsch. f. Gesch. u. Alterthumsk. der 
Ostseeprovinzen Russlands 1899. 

Aufdeckung von skelettgräbern aus der jüngeren eisenzeit: sie 
werden als lettengräber bezeichnet. Verzeichnis der sonstigen vorge- 
schichtlichen funde im kirchspiel. . 

167. Löwis of Menar K. von. Ein Skelett-Hügelgrab unter Stab- 
ben in Kurland. Sitzungsber. d. Ges. f. Gesch. u. Alterthumsk. 
der Ostseeprov. Russlands 1899. S. 443—445. 

Der grabhügel enthielt das skelett eines kriegers ausgestattet mit 
Waffen (axt, lanzenspitze, schwert) imd einigem schmiick aiis der jünge- 
ren eisenzeit. (Ein sporn wird dem XIII. Jahrhundert ziigewiesen). 

168. DIeniker] J. Les dernieres fouilles dans le gouvemement de 
Saint-Petersbourg. L' Anthropologie XI, 1900. S. 644 — 645. 

Kurze mitteilung über die aufdeckung einiger grabhügel und 
flachgräber in der gegend von Peterhof durch mitglieder des Russischen 
Archäologischen Instituts im mai 1900. Der Inhalt zweier isoliert gele- 
gener grabhügel wird hervorgehoben, weil er sich von dem slavischen f?] 
Charakter der übrigen grabhügel unterscheidet. Er bestand aus arm- 
ringcn, Schläfenringen, perlen, schellen, gürtelbeschlägen, äxten. messerri. 



I 



III. Lappen. 12 1 

sicheln und 2 mimzen des XI. jahrh.: die eine aus Ref^ensburg, die andere 
wahrscheinlich angelsächsisch. Leider sind keine abbildungeu beigefügt. 

169. Kemke Heinrich. Die Bedeutung der ostbaltischen Altertü- 
mer für die Vorgeschichte der Provinz Ostpreussen. Centralblatt 
für Anthropologie, Ethnologie u. Urgeschichte VI, 1900. S. 
257—262. 

Verf. zeigt, wie einige durch arabische, angelsächsische und deut- 
sche münzen datierte funde in den Ostseeprovinzen und Finland für die 
Chronologie der jüngsten vorgeschichtlichen funde in Ostpieussen ver- 
wertet werden können. Da in Ostpreussen altertümer gefunden sind 
von typen, welche in den von finnen, esten und liven beAvohnten gebieten 
häufig auftreten, fragt der verf., ob dieser umstand nicht darauf deute, 
das finnische stamme einstmals so weit nach Süden vorgedrungen seien. 

— Das in Ostpreussen vorkommende provinzialwort palw "beide, ausge- 
rodete waldfläche' etc. soll mit dem est. palu, fi. palo mit ähnl. bedeu- 
tung in Zusammenhang stehen. 

170. Preytagh-Lormghoven Leon. Referat über altheidnische 
Opfersteine auf Oesel und den den Hafen bei Kurrefer behandelnden 
Vortrag des Herrn Baron Bernhard v. ToU-Piddul. Sitzungsber. 
d. Ges. f. Gesch. u. Alterthumsk. d. Ostseeprov. Russlands 1899. 
S. 60—61. 

Der vortragende weist u. a. darauf hin, „dass der Hafen bei Kurre- 
fer, bei dem, wie der Name anzudeuten scheint, eine Colonie der Kuren 
bestanden haben mag, wahrsc]*einlich schon in ältester Zeit ein Haupt- 
hafen der alten Oeseler, ein Ausgangspunkt ihrer häufigen Eaubzüge ge- 
wesen sei." 

171. Hausmann R. Eine Ausgrabung auf dem Kabelli-mäggi in 
PuUapäh, Gut Linden, Kirchspiel Röthel in der Wiek in Est- 
land. Sitzungsber. d. Gel. Estn. Ges. 1899. S. 81 — 93. 

Die ausgrabimgen förderten skelette, teile von Skeletten, schädel, 
geldstücke aus dem XVII. jahrh. u. a. zutage. Indem der Verfasser die 
Volkszugehörigkeit der toten erörtert, von denen Überreste gefunden wor- 
den, kommt er auf die schwedische kolonisation in Estland zu sprechen. 

— Er kommt zii dem schluss, dass die skelette estnischen Ursprungs 
seien. 

III. Lappen. 

1. Sprachkunde. 

[Vgl. I 72, VI 11 16.] 

1. WlMund K. B. Äro vara lapska ortsnamn riktiga? 1= Sind 
unsere lappischen Ortsnamen richtig? Gellivarebladet 1900 ^o/^^ 
nr. 15. Luleä. 

2. Litteraturgeschichte. 

2. Leinberg K. G. [=: Notizen über Johannes Jonte TornEeus]. 
Historiallinen Arkisto XVI, 2. 1900. Sitzungsber. s. 51 — 52. 

Eine bittschrift von dem pfarrer J. Tornseus (um 1660) um Unter- 
stützung der königin Hedvig Eleonora fltr seine lappischen arbeiten. Tor- 



122 III- Lappen. 

naeus teilt mit, dass er einen kleinen katechismus ins lappische übersetzt 
und eine lappische postills- in arbeit habe ; dann ^411 er die geschichte 
der läppen studieren (das resultat war die schrift, die unter folg. r_r. 
erwähnt wird). 

3. Volkskunde. 
Allgemeines. Mythus, sitten u. gebrauche. Stoffliche etnographie. 

3. Johannis Tornaei Berättelse om Lapmarckerna och Deras Till- 
ständ. =^ Johannis Torntei bericht über die Lappmarke und ihren 
zustand. Herausgeber: K. B. Wiklund. Svenska Landsmälen 
XVII, 3. 1900. Upsala. 64 s. 

Ein manuskript aus dem jähre 1672 über die läppen in Tome und 
Kemi Lappmark. 

4. Samzelius Hugo. I Nordanland. = In nördlichen ländern. Stock- 
holm, Fritze. 1900. 8:0. 269 s. Kr. 3, 50. 

Skizzen aus dem leben im nördlichsten Schweden, Norwegen, Fin- 
land und Eussland; viele von ihnen enthalten beitrage zur kenntnis der 
nördlichsten läppen und finnen. 

5. Finn W. Ein lappländisches Götzenbild. Zeitschrift für Ethno- 
logie, Verhandlungen der Berliner Gesellschaft für Anthropologie, 
Ethnologie und Urgeschichte XXXII, 1900. S. 233. 

Kurzer bericht über einen im see Kastijaur, kirchspiel Sorsele. 
AYesterbotten, gefundenen lappländischen Sejte, der sich jetzt im „Skan- 
sen" in Stockholm befindet. 

6. Lindholm K. A. V. Om lapparnes mytiska poesi. :=: Über die 
mythische poesie der läppen. Nordan. Probeheft I, 1900. S. 27 
— 30. Stockholm. 

Nach Fj eil ner; u. a. wird ein bisher ungedrucktes bruchstück von 
Fjellner's „aufzeichnungen", d. h. selbstverfertigten gedichten mitgeteilt 
(mit hochidealistischer, schwedischer Übersetzung). 

7. Wiklund K. B. Om lapparnes satt att hälsa. = Über die art 
und weise der begrüssung bei den läppen. Meddelanden frän 
Nordiska Museet 1898, 1900. S. 39 — 48. Auch sep. 

8. N[ordqvist] O. Muistelmia matkalta Suomen Lapista kesällä 
1899. z=: Erinnerungen von einer reise in Finnisch-Lappland 
im sommer 1899. Suomen Kalastuslehti IX, 1900. S. 2 — 5, 19 
—23, 33—41, 94—98. 

Bericht über eine reise in Finnisch-Lappland im j. 1899; die f ische- 
rei in den Aussen Tenojoki (Tanaelf), Neidenfluss (Näytämäjoki) und 
Pasviksfluss (Paatsjoki) sowie in Inari Lappmark wird besonders dar- 
gestellt (6 illustr.). Derselbe aufsatz schwed. in „Fiskeritidskrift för Fin- 
land-, IX, 1900, s. 2—6, 19—23, 33-41, 95—99. 

Sociale Verhältnisse, mission etc. 

9. Norsk Finne-Mission 1899. Tolvte Aarsberetning meddelt af Be- 
styrelsen. ^ Norwegische lappenmission 1899. Zwölfter jahres- 



3- Volkskunde. 123 



bericht, vom vorstand mitgeteilt. Tromsü, J. Kjeldseths Bog- 
trykkeri. 1900. 8:0. 24 s. 

S. 10 — 21 die berichte der reiseprediger. 
lO. Beretning om Rotsundelvs lappiske Barnehjems Virk-somhed i 
Aaret 1899. (Fjortende Aarsberetning). =z Bericht über die thätig- 
keit der lappischen kinderheimat in Rotsundelv im jähr 1899 
(14. Jahresbericht). Tromso, Tromsopostens Bogtrykkeri. 1900. 
8:0. 47 s. 

S. 2 — 7: Lappenkinder [eine skizze]; s. 8—18: Einiges aus der 
lappischen kinderweit. 

11.:=: Bericht des lappenvogts in Norrbottens län über die Ver- 
hältnisse der läppen im jähre 1899. Gellivarebladet nr. 9 — 10. 
1900 ■'"'1— ^2- Luleä. 

12. zz^ Bericht des lappenvogts in Westerbottens län über die 
Verhältnisse der läppen im jähre 1899. Skellefteä Nya Tidning 
nr. II — 13, 1900 5/2, S/^, 1^/2. Skellefteä. 

13. l'acnpocxpaHeHie xpHcxiaHCTBa cpe^H pyccKHXt Jonapefi. (lIcTopHHecKÜl 
oiepHT..! :zz: Die Verbreitung des Christentums unter den russischen 
läppen. (Historische skizze). Apxanr. Enapx. Biji. 1900, nr. 2, 
10, 12, 13. 

14. M. \'. IIu pyccKoff Jaii.iaHAiiT. II:3't ;i,HeBHiiKa siiiccionepa. =: In Rus- 
sisch-Lappland. Aus dem tagebuch eines missionars. CiBepHaü lipatt 
1900 3/3, nr. 58. S. 3—4. 

Reiseabenteuer eines russischen missionars in Russisch-Lappland 
(Kola). 

15. Weis Anton. Die kulturverhältnisse Lappmarkens. Globus 
LXXVIl, 1900. S. 226 — 228. 

L^nter Zugrundelegung des artikels „Den andliga kulturen i Lapp- 
marken" von Martin Johansson (Kyrklig tidskrift 1899, s. 498 — 524). 



Archäologie. 

16. Olsson Peter. Jämtland och Härjedalen under hednatiden. zr: 
Jämtland und Härjedalen in der heidenzeit. Jämtland o. Härje- 
dalen frän älsta tider tili vära dagar. En minneskrift utgifven 
af Joh. Lindström (Saxon). Östersund. 1900. 8:0. 39 s. Kr. i. 

Eine intressante übersieht über die vorgeschichtliche zeit dieser 
entlegenen schwedischen provinzen. Von den wenigen steinzeitlichen fun- 
den besteht die grössere hälfte (97 gerate von 177) aus gegenständen von 
arktischen, mit den finländischen übereinstimmenden typen, wie sie auch 
sonst in Norrland, im nördlichen Norwegen und hier und da im südlichen 
Skandinavien vorkommen. Die andre hälfte setzt sich aus Werkzeugen 
von südskandinavischen typen zusammen. Einige mit einer unauslösch- 
lichen roten färbe ausgeführte felsenzeichnvmgen (figuren von menschen, 
baren, elentieren, renntieren o. s. w. ) Averden den vorfahren der läppen 
oder einem mit ihnen verwandten volke zugeschrieben und mit ähnlichen 
Zeichnungen in Sibirien verorlichen. 



124 



I\'. INIordwiuen. V. Tscheremissen. 



IV. Mordwinen. 

1. Allgemeines. 

1. Paasonen H. Matkakertomus mordvalaisten maalta. = Reisebe- 
richt aus dem lande der mordwinen. JSFOu. XVII, 3. 13 s. 

Enthält 11. a. sprachliche und folkloristische nachrichten. 

2. Volkskunde. 

[Vgl.I 11:, 12S-1B0, la^, 141, 14-.'.] 

2. Paasonen H. Kertomus Seuran mordvalaisten stipendiaattien 
keräysmatkain tuloksista. I — II. = Bericht über die resultate 
der Sammlungsreisen der von der Gesellschaft ausgesandten mord- 
winischen Stipendiaten. JSFOu. XVIII, 4. 1900. S. i — 18. 

Enthält auch proben der mord. volkslitteratur (4 numrncrn), bes. 
jjebete (von diesen 2 in metrischer form). 

3. Charuzdn N. „oHaMena" y Mupj,BH wb XVI n XVII eb. := Namens- 
zeichen bei den Mordvinen im XVI. und XVII Jahrhundert. lOon- 
.leilHHii cöopHnKb b-b Mecrt B. 0. Mn.i.Tepa, no;!^ pejaKii,iei1 H. A. ilmyKa. 
Il3BtcTifl Ihm. OumecTBa .iKioiiTe.ieft p]cTecTB., Auxpon. n. BxHorp. XCVII 
(TpyjlH 3THorpa(|imecK. OTjit.ia XIV. 1900). S. 62 — 72. 

Ausser 168 namenszeichen der mordwinen, welche der Verfasser, 
ein unlängst verstorbener tüchtiger ethnograph, aus alten Urkunden ge- 
sammelt und kulturhistorisch verwertet hat, bietet der aufsatz auch eine 
anzahl alter mordwinischer namen. 

4. Heikel A. O. Käytännöllisiä lisälehtiä teokseen »Mordvalaisten 
pukuja ja kuoseja ». — Praktische Ergänzungsblätter zu dem Werke 

)Trachten und Muster der Mordvinen >. Nr. 31 — 45. Helsinki, 
Finn.-ugr. Ges. 1900. 4:0. Fm. 0,15 pro blatt. 



V. Tscheremissen. 

1. Sprachkunde. 

I . Szilasi Möricz. Cseremisz szötär. V — VII. =: Tscheremissisches 
Wörterbuch. V — VII. NyK XXX, 1900. S. 37 — 73, 172 — 208, 
270-346. 

Enthält die Wörter 0. ö — i (schluss). Der anfang des Wörterbuches, 
welches auf grund der bisher erschienenen tscheremissischen litteratur 
und der Wörtersammlung von Genetz ausgearbeitet ist, ist in b. XXIX 
der Zeitschrift ei-schienen. Die woiterklärungen worden auch deutsch mit- 
geteilt. — Die ganze arbeit erschien 1901 separat mit deiitschem register. 



VI. Permische Völker. 125 



2. Volkskunde. 

[Vgl. 1 117, 118, Ul-l-l=i.] 

2. Bjabinskij K. Ap,T,nHCKin iipiixoji, Ku3i,.Mo,i,c.MbJiHCKar(j yt;wi. (JIcTopii- 
HecKiH CB-i.xtüiii. Ksu^ecRin EtponaHiii n oGuHan MepeMiici. HeppMnccKoc 
Hace.ienie.) := Das kirchspiel Ardinsk im kreise Kozmodemjansk. 
(Historische nachrichten. Heidnischer glaube und heidn. ge- 
brauche der tscheremissen. Die tscheremissische bevölkerung.) 
IIsB. Oum. Apx., IIcT. II ;-)THorp. XVI, 1900. S. 176 - 212. 

Enthält auch nachrichten über die hochzeitsgebräuche der tschere- 
missen: aiisserdem einige tscher. lieder in russischer Übersetzung. 

3. Moskov V. Tpyöa bi. HapoaHHxt BtpoBaHiaxt. = Das hörn (blas- 
instrumentj im Volksglauben. iKiiBaa CxapnHa X, 1900. S. 297 
— 359. Mit 6 tafeln. 

U. a. wird das tscheremissische blashorn von holz (im kreise Ur- 
/nm gouv. "Wjatka 1 '/^ arschinen lang, paltemput; im kreise Carevokok- 
^^ai.sk im goxiv. Kasan 2 ä 3 arschinen lang, putso, tafel IV B.) genannt, 
welches auch bei der Vertreibung der bösen geister angewandt wird (s. 
345—346). Forts, folgt. 

4. Solovjev E. lIpecTvn.ieHifl n HaKasania iiu iioHaxiaMt KpecraHb IIoBOJacfcfl. 
:= Verbrechen und strafe nach der auft'assung der bauernschaft 
an der Wolga. CoopHiiKb Hapo;iHHx^ ropiijnMecKHXi. oöHMaeBb II. 
[siehe I 118]. S. 275 — 300. 

Berührt auch finnisch-ugrische Völkerschaften, besonders die tsche- 
remissen. Inhalt: I. (s. 275— 283): AUgem. bemerkimgen. II. (s. 283— 290): 
Verletzung des besitzerrechts. III. (s. 290—295): Verbrechen gegen die 
Sittlichkeit. IV. (s. 295— .300j: Hehlerschaft gegenüber flüchtlingen. Land- 
streicherei. Bettelei. 

5. Cernavskij N. OpeHnyprcKafl enapxia bi> nponi.iojit ea h HacTOHmeMi.. 
Bbiiivi-Kb iitpBuii. (TpyjH OpeHu. y^en. apxnsH. KojniHccin. VII.) = Die 
orenburgische eparchie, früher und jetzt. Erste lieferung. (Publi- 
kationen der orenburgischen gelehrten archivkommission. VII. j 
Orenburg. 1900. 8:0. 346 -|- VI s. Rbl. 2,50. 

Enthält u. a. eine erörterung über die Ureinwohner der Orenburger 
eparchie sowie eine darstellung des Verhältnisses der nichtrussen (u. a. 
(tscheremissen und mordwinen) zu den russen und dem orthodoxen mis- 
sionswerk. 

VI. Permisclie Völker. 
A. Syrjänen. 
1. Sprachkunde. 

I. Anderson N. Oui. &TnMiuorin Ha:3Banift IjiapjiiH, Ilep.vib, iiopMaKii 
n .obipflHe. := Zur etvmologie der benennungen Biarmija, Perm', 
permjaki und zyrjane. Tpy;iu X apx. cbtwa bt, Piirt 1896. III. 
1900. Sitzungsber s. 125. 



126 VI. Permische Völker. A. S3"rjänen. 

Xach der meinung Anderson's sind niss. IlepMb (älteres IlepeMH), 
iiepjiHHe finnischen Ursprungs (vgl. finn. perä Vlas hintere'), eig. = „die 
hinten wohnenden"; ebenso SHpHHimb (älteres CHpHHnHt, cepaHiiHfc, cypa- 
HHHT>) eig. = „die abgelegen wohnenden, die an der seite gelegenen"', 
(vgl. finn. syrjä "rand, seite"). Die syrjänen t3HpflHe, nepMHKiii wurden 
von den russen mit den namen der filiheren (karelischen, d. h. finnischen) 
bewohner Bjarmaland's benannt. Zur zeit Otliars wohnten die syrjänen 
im Westen (A^gl. Moskva = Mosk-va < syi-j. ''^mösk + va „kuh-wasser") 
und gelangten nicht viel früher als die russen zu ihren jetzigen nörd- 
lichen Wohnsitzen, wo die letzterwähnten noch ugrische flussnamen fan- 
den. Syrj. komi-mort 'syijäne", komi-voityr 'syrjänen' sei vielleicht nur 
eine Übersetzung jeuer namen (,vgl. syrj. kom "der hintere winkel im 
zimmer). 

2. Volkskunde. 

[Vgl. I 143, 148.] 

2. [Sestakov lakov]. Kl iicxopin IlepMCKaro Kpaa. IL := Zur geschichte 
des permischen landes. IL Hsb. Oöni,. Apx., Her. ii Hin. XVI, 1900. 
S. 81—83. 

Auszüge aus einem artikel, den der geistliche .Sestakov im j. 1898 
in IlepMCK. YyC). Btj.ii.MOcin unter dem titel „HacymHHfl hj'Hvjh nHBeHCKHXb 
HHopoÄUCB't-nepMHKOB'L Co-iHKaMCKaro v'taj.a. Ilnctiia nsb saoHxaro Kpaa." 
(^ Die dringenden bedürfnisse der am Inva-flusse im kreise Solikamsk 
wohnenden permjaken. Briefe aus einem vergessenen lande ) veröffent- 
lichte. — Die ökonomischen Verhältnisse unter den solikamskischen 
syrjänen schlecht. Die bevölkerung sehr iingebildet und abergläubisch. 

3. Aborigen-'Vycegodskij. ycTtcHco.iLCKL. ^ fst'sj-solsk. B(i.Tnrn3,cKia 
Lyo. BtsoMOCTii 1900 i*^/.^, nr. 46. S. i. 

Bericht über eine winterreise von L^stsysolsk nach Cerdyi'i. Be- 
gegnung mit syrjänen. 

4. Varpachovskij N. Phöhhü iipoMbice.Ti) bl cpejueMt Tewnin ptKii IleiopH. 
C-b 20 pucvHKaMK n Kapxüti. ^ Der tischfang am mittleren lauf 
der Petschora. Mit 20 abbildungen und einer karte. St. Peters- 
burg, Minist, des ackerbaus und der Staatsdomänen. 1900. 8:0. 
55 s. RbL 0,35. 

Enthält einen bericht über eine im j. 1897 unternommene reise mit 
dem zweck aus ökonomischem gesichtspunkt den fischfang an der Pet- 
schora und die möglichkeiten der eröifnung eines handelswegs von der 
Kama zru' Petschora zu untersuchen. Die arbeit hat auch als quellsclirift 
für die ethnographische forschung über den fischfang einige bedeutung. 

5. Z. HapoÄHoe oßpasoBaHie bi. ycTb-cHco.ibCKOMX. yt33,t no seiicKnüt san- 
HHMt. =: Volksbildung im kreise -Ustsysolsk auf grund der 
kommunalnachrichten. CtBcpHufi Kpafi 1900 ^ '-, nr. 176. S. 2. 

Betont u. a. die notwendigkeit von vorbereitungsklassen in schulen, 
wo sich syrjänische kinder befinden. 

6. [Bestimmungen über russisch-syrjänische schulen]. BcuorojcKiH 
T\6. BtjioMOCTn 1900 ^/g, nr. 145. S. i. 

Enthält unter der rubrik ..MtcTHHH n ropojiCKiH n.3BfecTiH" eine mit- 
teilung der bilulerschaft von Jarensk. nach der die gehälter füi" die leh- 
rer der kirchschulen (russisch und syTJänisch) geregelt sein sollen. Leh- 
rer aus der betr. 2,egend sollen bevorzugt werden. 



VI. Penn. Völker. B. Wotjaken. VII. Ob-ugrische völker. 127 

B. Wotjaken. 
Volkskunde. 

[Vgl. I 117, 141-1.50.] 

7. Kudrjavcev V. F. CxapnHa, naMflinnKn. npe;iaHia 11 .iereH;iH ripiiKaii- 
cKaro Kpaa. (O'iepK'BV Tlpojio.iÄeHie. XXVIII — XXXII. =z Das alter- 
tum, die denkmäler, die traditionen und die legenden des Kama- 
landes. (Skizze.) Fortsetzung. XXVIII — XXXII. OaiihTHaH nHnaiKa 
BflTCKOH ryöepnin XXII [siehe I 143]. S. 221 — 272. 

Der anfaug des artikels kommt in DaMaTHaa KHnaiKa etc. Ha 1899 
roji. vor. Kap. XXXII enthält historisches, ethnographisches, mytholo- 
gisches u. a. über die wotjaken (nichts neues). 

8. Pa3HHH pasHOCTH (BipoBania BOTaKOBt). zr: Miszellen. (Aus dem 
wotjakischen Volksglauben). Bo.iorojrcK. Fyo. Bt^- 1900, nr. 223. 

9- Micheev I. IIsi pe-inriosHoft amsnn KasaHCKnxi BOTÄKOBi. = Aus dem 
religiösen leben der kasanschen wotjaken. IIsBicxia no KasancKOH 
enapxin. 1900. S. i — 10. 

Einige nachrichten über kilfsii'i, peri, mudor und mudor hnala : ein 
wotj. gebet russisch; berichte über einige opfer, bes. über d'iu-kiirbou. 
10. Sozin Vas. IIsi snsHn botakobi.. ^ Vom leben der wotjaken. 
BflTCKaH ra.3eTa. 1900 ^/^, nr. 9. 

Kurze mitteilung über das leben und treiben der wotjaken von Uvar- 
vaj (180 werst von Malmyz) von einem augenzeugen. 

VII. Ob-ugrische Völker. 

A. Allgemeines. 

Volkskunde. 

1. Stenberg A. IlHopojmH ctBepo-sanajlHoii Cnonpn h pojit BeHrepcKExt 
n i|inHCKnxt> vieHbixi bi jt.it nxt nayieeia. =: Die fremdvölker Nord- 
westsibiriens und der anteil der ungarischen und finnischen ge- 
lehrten an ihrer erforschung. CnonpcKiii .T^CTOK^ 1900 ^/jq, nr. 77. 
S. I — 2. Tobolsk. 

Kurze notizen über die reisen von Castren, Ahlqvist, Sirelius, 
Karjalainen. Reguly, Hunfalvj-, Munkacsi, K. und J. Päpai zu den wogu- 
len und ostjaken und die ergebnisse dieser reisen. 

Sociale Verhältnisse. 

2. Ilepece.ieHie n cnonpcKie nHopnji,nH. z= Die besiedlung und die 
sibirischen fremdvölker. CnunpcKaa JKnsHb 1900 20^4, nr. 84. S. 
I — 2. 

Vorschläge für die sesshaftmachuug der sibirischen nomadenhaf- 
ten Völker (auch der ostj., wog.). 



128 VII. Ob-ugrische Völker. A. AUgem. B. Woguleu. 

3. li'b npejn'uaraejioft peiliopMt vnpaB.ieHia n cyja y nHopajueBT,. = Zu 
der in aussieht genommenen reform der Verwaltung und gericht- 
barkeit der fremvölker. CnonpcKaa /Kh3hs 1900 ^'/j nr. 7. S. 3. 

Verf. betont die Wichtigkeit der durchführung der bei der gouver- 
nementsverwaltung von Tomsk eingebrachten vorschlage. 

B. Wogulen. 

1. Sprachkunde. 

[Vgl. VII 5.] 

4. Munkäcsi Bernhard. -Baum . als Benennung des Sarges. KSz. 
I, 1900. S. 160. 

Wog. jiv 'bäum, sarg'; ostj. xaia-jux 'sarg' (xala 'tot', jux 'baum'j. 

2. Volkskunde. 

5. Gluskov I. N. MepiuHCKie Burv-iu. yTHorpai|iinecKift oiepKi. rrr Die 
cerdynischen wogulen. Ethnographische skizze. "^THo^p. Ooosp. 
XLV. 1900. S. 15 — 78. 

Inhalt: I. (s. 15 — •22): Zur geographie des kreises Cerdyn (goviv. 
Perm). Die erwerbszweigo (fischfang ii. jagd) der bevölkerung am fluss 
Viäera. ^ II. (s. 22 — 25) : Über die älteren Wohnsitze der wogulen im 
kreise C. und überhaupt im gouv. Perm. III. (s. 25—28): Wogulische 
geschlechter. Wogiüische beneunungen für andere Völkerschaften. Orts- 
namen. IV. (s. 28—33): Das Verhältnis der Ijapinskischen ostjaken 
zu den wogulen. Die Losva-wogulen, zu denen auch die cerdynischen 
gehören, sind unter allen wogulen die am wenigsten denationalisierten. 
Das äussere und der Charakter der wogulen. V. (s. 33— 38): Wirtschafts- 
geräte. Die tättowierung. Handzeichen (mehrere abbild.). Farbennamen. 
Gesang und musik. Zeitbestimmungen. VI. (s. 88— 41): Die kleidertracht. 
Vn. (s. 41—42): Die nahruug. Vm. (s. 42—45): Die gebäude. IX. (s. 
45 — 49): Die i-enntierzucht. X. (s. 49 — 52): Fischfang und jagd. XI. 
(s. 52 — 64 1: Wörterverzeichnisse. XII. (s. 64 — 74): Die bekehrung zum 
Christentum. Die heidnische religiou. Abschluss (s. 74 — 78): Die „tschu- 
den''. Das Verhältnis der wogulen zu den samojeden. Die älteren Wohn- 
sitze der samojeden. — (Die kapital von "VI. an unrichtig numeriert.) 

6. Munkäcsi Bemät. A vogul nep ösi hitviläga TV — VII. ^ Die 
alte glaubensweit des wogulischen volkes. ^\K XXX, 1900. S. 
I — 36, 129 — 171, 241—269, 353-406. 

Der anfang der abhandlung ist im band XXIX. (129 — 165. 249— 
297. 361 — 396) erschienen und enthält hauptsächlich einen bericht der 
bisherigen forschungen über die wog. mythologie: hier behandelt der 
verf. „seelenglauben und todtenkultus^, „gotzen und geister". „die haupt- 
gestalten des wog. mythus''. 

7. Munkäcsi Bernhard. Der Kaukasus und Ural als »Gürtel der 
Erdec KSz. I, 1900. S. 236 — 240. 

«Die tiirkischen Wörterbücher bemerken gewöhnlich bei dem Worte 
käf, welches arabisch und türkisch den Kaukasus bezeichnet, dass die- 
ses Gebirge nach der Volksauffassung die ganze Erde umschliesse'". Eine 



C. Ostjaken. 129 

ähnliche aufiassung haben die vigi'isclien Völker vom Ural-gebirge : nach 
der wogulischen (auch den ostjaken bekannten) sage ist Ural „der Gürtel 
des himmlischen Vaters und die schneebedeckten Gipfel sind die silbernen 
Knüpfe dieses Gürtels. Der Gürtelberg zieht sich um die ganze Erde und 
dient zu ihrer Befestigung, indem sie sonst, wie zur zeit der Schöpfung 
sich fortwährend drehen A^-ürde." Der verf. fi-agt: ,,Ist dies in seinen 
wesentlichen Zügen ein allgemeiner Völkergedanke, welcher Bergketten be- 
treifend auch anderswo nachweisbar ist: oder können wir darin eine 
spezifische kaukasisch-uralische Sage erblicken, bei welcher die Über- 
einstimmung mit den kaukasischen Elementen der norduralischen Spra- 
chen in Zusammenhang gebracht werden kann?" 

C. Ostjaken. 

1. Sprachkunde. 

• [Vgl. VII 4.] 

8. Patkanov Szerafim. Irtisi-osztjäk szöjegyzek. = Irtysch-ostjaki- 
sches Wörterverzeichnis. NyK XXX, 1900. S. 407 — 457. 

Enthält die Wörter a — J. Die Wörter werden mit ungarischen 
und deutschen erklärungen mitgeteilt; die ersteren stammen von B. Mun- 
käcsi. 

« 

2. Volkskunde. 

[Vgl. I 118, 119, 127, 129, 131, 133.J 

9. Patkanov S. Die Irtysch-Ostjaken und ihre Volkspoesie. IL 
Teil. Ostjakische Texte mit deutscher und russischer Übersetzung 
nebst Erläuterungen. Mit einer phototypischen Tafel, einer Tafel 
in Farbendruck und einer Karte. St. Petersburg, Ak. d. Wiss. 
1900. Gr. 8:0. VIII ■+ XII -|- 025 -j- 302 + 113 s. Rbl. 
3,80 := Rm. 9,50. 

Der erste teil, „Ethnographisch-statistische Übersicht", erschien 
im j. 1897. 

10. Karjalainen K. F. Ostjakkeja oppimassa. Matkakirjeitä. I — III. 
^ Studien unter der forschungsreise bei den ostjaken. Reise- 
briefe. I— III. JSFOu. XVII, I. 1900. 74 s. 

Enthält nachrichten ethnographisch-folkloristisch-mythologischen In- 
halts, sowie auch über die socialen Verhältnisse (mit 10 abbildungen, 
von denen 6 über die opferfeste der ostjaken). — Inhalt: I. Die ost- 
jaken an der Demjanka. II. An den opferfeuern der ostjaken. III. Bei 
den Konda-ostjaken. 

11. Karjalainen K. F. Ostjakkeja oppimassa. Matkakirjeitä. IV. 
= Studien unter der forschungsreise bei den ostjaken. Reise- 
briefe. IV. JSFOu. XVIII, I. 1900. 29 s. 

Inhalt: IV. Von der Irtysch nach dem Ob. Mit 2 abbildungen. 

12. Sirelius U. T. Ostjakkilaiselta matkaltani v. 1898. :::= Von 
meiner ostjakischen reise im jähre 1898. JSFOu. XVII, 2. 1900. 
29 s. 

Bericht der ethnographischen forschungsreise des verf. bei den ostja- 
ken an der Vasjugan und Vach; beschreibung der ethnographischen und 



130 VII. Ob-ugrische völker. VIII. Ungarn. 

socialen Verhältnisse derselben in allgemeinen zügen; anch nachrichten 
über den gottesdienst der ostjaken. 

13. Sirelius U. T. Kertomus ostjakkien ja vogulien luo tekemäs- 
täni kansatieteellisestä tutkimu-smatkasta v. 1899 — 1900. = Be- 
richt über meine ethnographische forschungsreise zu den ostjaken 
und woguleh 1899 — 1900. JSFOu. XVIII, 2. 1900. 10 s. 

Kurzer bericht des allgemeinen ganges der reise. 

14. Voronov A. G. lOpHAHHecKie oÖHian OcTflKOBi> 3ana;iHori CnonpH n 
CaMoluoBt TüMCKOH ryoepniH. :=z Juridische gebrauche der west- 
sibirischen ostjaken und der samojeden im gouv. Tomsk. Cöop- 
HHK'fc HapojiHHX'b iopH3,niecKHXi oöuiaeBb IL [siehe I 118]. S. 
1—50. 

Inhalt: I. (s. 427): Geschlecht, familie und erbschaft. II. (s. 27—29): 
Grundbesitz. III. (s. 29 — 37): Verträge vmd Verpflichtungen. .IV. (s. 37 — 
44) : Verbrechen. V. (44 — 50) : Gerichtsverfalu-en. 

15. G. J. PuoHHÜ iipoMHce.ii uo ptKaiit 06h n HasH.My. = Der tische- 
reibetrieb an den Aussen Ob und Nadvm. Cnonpciuia iKntHb 1900 
•■^Vs, nr. 67. S. 2. 

Mitteilungen über die fischerei an den genannten Aussen. Erwähnt 
wird besonders, dass hier neben den russen auch samojeden und ostjaien 
fischen. 



Sociale Verhältnisse. 

16. L. S. BKOHCjinHecKoe ncuoKeHie ociaKOBi. ^ Die ökonomische 
läge der ostjaken. CnonpcKaH '/IinsHt 1900 " n, nr. 244. S. 2. 

Unter der rubrik XpoimKa Cnonpn. Beklagt die niedrige stufe der 
ökonomischen läge der ostjaken. 

17. Nosilov K. lilKO.ia y ocTAKiiBt. ::= Eine schule unter den ost- 
jaken. PojHHKT. [ill. zeitschr. für kinder] 1900, nr. 7. S. 87 — 90. 

X. hat im "winter 1898 die ostjaken von Kondinskoe besucht, imd 
erzählt, dass eine anzahl ostj. kinder im kloster bei einer nonne Nina 
Unterricht in ostj. spräche genossen. 

18. N. OcTHii,Ka,a niKo.ia. ;=r Eine ostjakische schule. BfliCKiiH Fasexa 
1900 '^^'q, nr. 38. S. 4-5. 

Auszug aus dem artikel Nosilovs (siehe vorig, nr.). 



VIII. Ungarn. 

1. Zeitschriften und Sammelwerke. 

Magyar Nyelvör. Meginditotta Szarvas Gabor. A Magyar 
Tudomänyos Akademia nyelvtudomänyi bizottsäga megbizäsäböl 
szerkeszti es kiadja Si monyi Zsigmond. = Der ungarische sprach- 
wart. Gegr. von G. Szarvas. Im auftrage des sprachwissen- 
schaftlichen ausschusses der Ungar. Akademie der Wissenschaften 



I. Zeitschr. und Sammelwerke. 2. Bibliographie. 131 

red. und herausg. von S. Simonyi. XXIX. Budapest, eigentum 
der UAW. 1900. 8:0. IV -(- 600 s. Kr. 10. 

Entliält ausser den längeren aufsätzen viele kleinere bei tränke unter 
den rubriken „nyelvmiiveles" (= spraclibehandlung), „magyaräzatok, hely- 
reigazitäsok" (= erklärnngen, berichtigungen, luiter dieser rubrik noch: 
erklärung von redonsarten, dialektworte etc.), „nepnyelvhag5'omänyok'' 
(= Überlieferungen aus der Volkssprache), „egyveleg" (= vermischtes), 
„kerdesek es feleletek" (= fragen und antAvorten), „välaszok a szerkesz- 
töseg kerdeseire" (= antworten auf die fragen der redaktion). Auch die 
meisten kleineren beitrage werden in unserer bibl. besonders verzeich- 
net, mit ausnähme derjenigen, die einen rein praktischen zweck haben. 

2. Irodalomtörteneti közlemeny ek. Szerkeszti Szilädy Ären. 
r=: Litteraturhistorische mitteilungen, red. von A. Sziläd}-. X. 
Budapest, UAW. 1900. 8:0. XVI + 496 s. Kr. 10. 

3. Mag3-ar Könyvszemle. A Magyar Nemzeti Müzeum könyv- 
täränak közlönye. Szerk. Schönherr Gyula. = Ungarische 
bücherrevue. Organ der bibliothek des Ungarischen Nationalmu- 
seums. Herausg. von Gy. Schönherr. N. f. VIII. Budapest. 
Ung. Nat.-Mus. 1900. 8:0. V -|- 484 -{- 54 s. -[- 4 beil. Kr. 
6, im buchhandel 8. 

Yierteljahrsschrift für bibliographie. 



2, Bibliographie. 

4. Kovats Läszlö. A Magyar bibliographiai irodalom a 1900-ik 
ev elsö feieben. =: Die bibliographische litteratur in Ungarn in 
der ersten hälfte d. Jahres 1900. MKsz. VIII, 1900. S. 
327—329. 

Bibliographie der in Ungarn erschienenen bibliographischen lit- 
teratur. 

5. Kovats Läszlö. A magyar bibliographiai irodalom repertoriuma 
(1900. Julius— szeptember). z^ Repertorium der bibliographischen 
litteratur in Ungarn jul. — sept. 1900. MKsz. \nil, 1900. S. 
419—422. 

Fortsetzung der nr. 4 

6. A hazai hirlapirodalom 1899-ben. =: Periodische litteratur in 
Ungarn 1899. MKsz. VIII, 1900. Beilage s. i — 54. 

I. ,.A magyar hiidapirodalom" (= Zeitungslitteratur in ung. spräche), 
s. 1 — 25, von J. Szinnyei sen. ill. „Folyöiratok" (= Zeitschriften), 
s. 36 — 53, von L. Kovats. 

7. HeUebrant Arpäd. Repertorium. Irod. Közl. X, 1900. S. 
124—128, 154—256, 382—383, 494—496. 

Bibliographie der a^^fsätze in der ungar. period. litteratur, welche 
die littcratturgeschichte behandeln. 

8. Apponyi Sändor. Hungarica. Magyar vonatkozäsü külföldi 
nyomtatvänyok. Gyüjtötte 6s leirta — — . I. kötet. XV. es 
XVI. szäzad. = Ausländische druckschriften, die sich auf Ungarn 



132 VIII. Ungarn. 

beziehen. Gesammelt u. beschrieben von — — . I b. XV. u. 
XVI. jahrh. Budapest, druck der FrankHn-Ges. ißoo. 8:0. V -\- 
478 s. 

3. Sprachkunde. 

Grammatik. 
[Vgl. I 69, 70, 72.] 

9. Sz[üinyei] J. A vel rag eredete. = Ursprung der endung vel. 
XyK XXX, 1900. S. 230. 

Das Stammwort des uug. -vel ist mit dem fi. väki 'kraft" etc., 
mord. vi u. s. w. zusammenzustellen: das -1 ist ein suffix für komit.-instr. 
(eventuell mit dem ablativisclien -1 identisch). 

10. Denes Miklös. A Winkler-kodeksz hangtana es alaktana. zrr 
Laut- und formenlehre des Winkler-codex. Budapest. 1900. 8:0 
56 s. 

11. Varga Ignäc. A vepvideki n\-elvjaräs hangtana. = Lautlehre 
des dialekts der umgegend von Weppendorf [komit. Eisen- 
burg. =r: Vas]. Nyr XXIX, 1900. S. 171 — 178. 

Lautbildung. Qualitativer Wechsel. Quantitativer Wechsel. 

12. Jenö Sändor. Az ermelleki nyelvjäräs. = Der dialekt der 
Er-gegend. Nj-r XXIX, 1900. S. 209 — 213, 252 — 255, 333 — 
336, 476 — 478, 531 — 533- 

Einleitung, laut- und formenlehre, syntaktisches, Wortschatz, rede- 
wendungen, gereirrite Sprüche, glückwunsch zum namenstag. familien-, 
spott-, tiernamen, geographische uamen. 

13. HoIIosy Kälmän. Az 6, ö, e hangokat helyettesitö magän- 
hangzök mai nyelvjäräsainkban. ^= Die die laute 6, ö, e ver- 
tretenden vokale in unseren heutigen dialekten. Felsölövöi äg. 
tanint. ertes. 1900. S. 3 — 16. 

14. Joannovics Györg}-. Aki, ami, aminö stb. Nyr XXIX, 1900. 
S. 79-80. 

tJber die betonung der Wörter: a"ki u. aki* u. s. w. 

15. Zolnai Gyula. Juss. Ejj. Nyr XXIX, 1900. S. 81 — 82. 

Die auslautsverlängerung in juss (lat. iusi, ejj (neben ej) 'nacht" 
aus rückwirkung von formeii wie jussa (mit dem suffix der 3. persou), ejjel 
('in der nacht") zu erklären. 

16. Hacker Kälmän. A szökepzes es szöösszetetel Faludinäl. 
Nyelveszeti ertekezes. z=i Die wortableitung und -Zusammensetzung 
bei Faludi. Sprachwissenschaftliche Untersuchung. Budapest. 
[Ohne Jahreszahl, 1900?] 8:0. 93 s. 

17- Szilasi Möricz. Különös kepzesek s ragozäsok. = Ungewöhn- 
liche ableitungen und beugungen. EPhilK. XXIV, 1900. 
S. 162 — 163. 

Eine anzahl beispiele (uomina, verba und pleonastische formen) 
aus der älteren litteratur iind der Volkssprache. 



3- Sprachkunde. 133 

18. Stmonyi Zsigmond. Elvonäs. =: »Abstraktion». Nyr XXXIX, 
1900. S. 481 — 491. 

Behandelt büdungen, die man „abstraktionsbildungen", bezw. ..sub- 
traktionsbildungen" nennen kann (z. b. gyök < gyöker); enth. : einleitung; 
I. abstraktion ans einer zvisammensetzung: II. abstraktion des Stammes 
aus einer suffigierten form. (Forts, folgt/. 

19. Simonyi Zsigmond. Falusi es tärsai. := Das wort falusi u. 
ä. Nyr XXIX, 1900. S. 422. 

Früher falus (z. b. in falus-bi'rdi. Ähnlich andre beispiele. S. 
519—520 teilt K. Heves beispiele für falusi, falus aus lebenden dialek- 
ten mit. 

20. Renjri Ignäc. Kombinält szavak. z= Kombinierte Wörter. Nyr 

XXIX, 1900. S. 276. 

Einige beispiele aus der Volkssprache von Hajdu-Szovät (komit. 
Hajdu) und Jokai's werken. 

2 1 . Kallös Zsigmond. A tagadäs nyelvünkben. =zz Die negation 
in unserer spräche. Nyr XXIX, 1900. S. 289 — 299, 337 — 346, 
395—403, 438—447, 551—556. Auch sep. 

Die negationspartikeln des ung., sprachgeschichtliches s. 337 ff. 
(„die form der ung. Verneinungswörter" mit ausblicken auch auf andre 
fiugr. sprachen). Accent in verneinten sätzen. Wortstellung bei nega- 
tion u. m. 

22. Joannovics György. Tagadäs, ketkedes, tiltäs, stb. = Vernei- 
nung, zweifei, verbot u. a. Nyr XXIX, 1900. S. 404 — 407, 
491 - 494. 

Vorläufig 2 kapitel, in denen über die Verwendung der partikeln 
nem (pleonastisch), bezw. ne (wirklich negierend) in von einem rei'bum 
des verneinens oder einem verbum mit verneinendem, zweifelndem etc. 
sinn abhängigen nebensätzen abgehandelt wird. 

23. Varga Käroly. A szäm szerinti egyeztetes Aran}- Jänosnäl. 
:zr Kongruenz im numerus bei J. Arany. Nyr XXIX, 1900. S. 
299—305, 356 — 361, 407—412. 

Eingehende Untersuchung über die numeruskongruenz in den wer- 
ken des ung. dichters J. Arany. 

24. Molecz Bela. A Magj'ar szörend törteneti fejlödese. A M. 
T. Akademiätöl Marczibänyi-dijjal jutalmazott pälyamunka. = 
Die geschichtliche entwicklung der ungarischen Wortfolge. Von 
der Ung. Ak. der Wiss. mit der Marczibänyi-prämie gekrönte 
preisschrift. Budapest, verf. 1900. 8:0. 194 s. Kr. 4. 

25. Matolcsy Läszlö. A magyar szörend elmeletenek törtenete. 
= Geschichte der theorie der ungarischen Wortfolge. Kolozsvär, 
druck V. Gämän. 1900. 8:0. loi s. 

26. Kiraly Päl. A magj'ar nevragok csoportjai. = Die gruppen 
der ung. nominalsuffixe. EPhilK XXIV, 1900. S. iio — 113. 

Einteilung in subjektsuffixe (besitzkasus -e, persönl. possessivsuf- 
fixe -em. -ed u. s. w.), ergänzungssuffixe (-nak, -t) und bestimmungs- 
suffixe (ort, zeit, art und weise, grund). Kurze tabellarische Übersicht. 



l^A \'III. Ungarn. 

27. Molnar Jänos. A -va -ve kepzö termeszete. :^ Die natur 
der ableitungssilbe -va, -ve. N3T XXIX, 1900. S. 313 — 317. 

tJber die bedetituug der vmg. deverbalbildung auf -va. -ve. 

28. Kardos Albert. Hänyadän is vagj'unk a hatärozökkal? z=: Wie 
weit sind wir mit den Verhältniswörtern? N5T XXIX, 1900. S. 
245 — 252, 306—313. 

Verf. wendet sich besonders- gegen die neuen gruppierungen der ung. 
verhältuisbestimmungen in den grammatiken J. S z i n n y e i" s (Iskolai 
magyar nyelvtan und Rendszeres magyar nyelvtan) und I. Gulyäs' 
Mödszeres magy. nyelvt. und Rendsz. magy. nyelvt. ) — Eine entgegnung 
Szinnj'ei"? findet sich s. 330— 331. Hierauf wieder Kardos s. 422 — 423. 

"Wortkiinde (etymologic). 
[Vgl. VI 11 0, 91.] 

29. Munkacsi Bernät. Men3-et mint a menyasszony jelkepe. =1 
Das wiesei als symbol der braut. Ethn. XI, 1900. S. 45 — 47. 

Verf. macht darauf aufmerksam, dass in ruthenischen hochzeitsge- 
bräuchen (nach Ethn. VI 432) das wiesei als Sinnbild der braut vor- 
kommt (der beistand des bräutigams sagt, dass sie nach einem Aviesel ge- 
kommen . Das ung wort menyet Viesel" hatte Budenz mit ung. meny 
'nurus', meny-asszony 'braut" zusammengestellt, darauf hinweisend, dass 
avich in anderen sprachen ein wort, welches 'braut" bezeichnet, als be- 
nennung dieses tieres dient (asl. nevestTbka "nova nupta' und "mustela", 
ngr. vviicpiv'Qa, ital. donnola, span. comadreja) : verf. stellt dazu ung. 
hölgy "liermelin" (= wog. ■■^öl'H 'hermelin', [vgl. Budenz, NyK XX 1491) 
und in der alt. spräche 'nupta, amasia, sponsa', in der jetz. spr. "vornehme 
dame", und fühi't ein citat aus einem wog. heldengesange au, wo über 
die braut des beiden erzählt wird, dass sie sich in einen marder verwan- 
delt hätte. 

30. Sz[innyei] J. Harn. NyK XXX, 1900. S. 171. 

Verteidigt mit neuen daten — gegen die ansieht Munkäcsi's — die 
Zusammenstellung von ung. häm "schale, Oberhaut' mit Ip. guolmas 
"membrana interior corticis abiegnae et pineae" etc. 

31. Semayer Vilibäld, Fuchs Käroly u. Melich Jänos. A häz 
a magyar nyelvben. = Das haus in der ung. spräche. NeprE 
I, 1900. S. 59 — 62, 78 — 80. 

Semayer teilt eine Übersetzung eines aufsatzes mit dem obigen 
titel von K. Fuchs in Mitteil, der Wiener Ges. für Anthropologie (1899, 
n. lieft) mit und wendet sich mit einem aufruf an die ungar. sprach- 
forsclier, indem er sagt, es sei ihre piiicht, die absurdität der in dem betr. 
aufsatz erscheinenden sprachwissenschaftlerei zu enthüllen. Xach einer 
kurzen antwort von Fuchs, beurteilt Melich die etymologien von 
Fuchs, welche sich überhaupt als falsch erweisen. 

32. Takäts Sändor. Hajdu. XyK XXX, 1900. S. 348 — 350. 

Ung. hajdu "haiduck' < hajto "viehtreiber" ("ochsentreiber"). Ein 
auszug aus diesem aufsatz wird in Vasärnapi Ujsäg XLVII, 1900, 680 
unter dem titel ,,A hajdu nev eredete" mitgeteilt. 

33. Nagyszigethi [=z Szily] Kälmän. XyK XXX, 1900. S. 457. 

Bei Kres/.neriis : elkeletkezik (mit 1) = elkövetkezik "abit". 



i 



3- Sprachkunde. 135 



34. Simonyi Zsigmond. Hinar : csinar? Nyr XXIX, 1900. S. 
270—271. 

Znsammenstellnn,<i beider ^vörter irrtümlich. 

35. Etelväri Alajos. Helyneveinkröl. =^ Von unsern Ortsnamen. 
Föklr. Küzlem. IQOO. S. 243 — 252. 

36. Jenö Si'indor. Diod : G-yogy, zug : szeg. Nyr XXIX, 1900. 

S. 47-^—473- 

Der namc Diöszeg iGyoszeg) < Diö-szug < Dios-zug: dio 'nuss\ 
zug "winkel" > szeg id. — Der red. bemerkt, dass szeg. szög in den 
Ortsnamen nicht < zug; zug der alten dokumente szög zu lesen. 

37. Szilasi Möricz. Szömagj-aräzatok. I. ^= Worterklärungen. I. 
NyK XXX. 1900. S. 484—487. 

Uns. i'rmag spross" ist eine „erläuternde zasammensetzung" : ir- 
(türk. Ursprungs) = "same, familie" 4- mag "same". — Ung. fer-fi, ferj ist 
eine zusamraensetzung, wie das tscher. pörgö < pü = ung. fi "filius" + 
ergä "filiii>. puer": der letzte teil des compositums soll tat. Ursprungs sein. 

3S. Gombocz Zoltän. Szömagyaräzatok. II. = Worterklärungen. 
IL NyK XXX, 1900. S. 487—488. 

Enthält einige beitrage zu den türk. lehnwörtern im ung. (bakcsö 
csar, csardak, kar. koslat). 

39. Gombocz Zoltän. Adalekok a magyar nyelv török elemeihez. 
:=r Beiträge zu den türkischen elementen der ungarischen spräche. 
Nyr XXIX, 1900. S. 53—56. 

Ung. aszö "thal, niederung" < kirg. asü 'bergpass" etc. : ung. boglya 
'acervus. cumulus foeni" < kas. tat. bogol: gyalü, 'hobel". gyalulni hobeln'. 
< türk. y *jara. — Eine bemerkuug zu boglya Xyr 134 von A. Kar dos; 
das wort wird hier mit boglyas „struppig" zusammengestellt. 

40. Munkacsi Bernhard. Gemeinsames Wort für »Käse» im Os- 
setischen, Tschuwaschischen und Ungarischen. KSz. I, 1900. 

s. 336. 

Mit osset. cyxt 'käse", tschuw. cygyt "käse' ..kann ganz gut ung. sajt 
'käse" als lehngut verglichen werden." 

41. Melich Jänos. Taban. Nyr XXIX, 1900. S. 423 — 424. 

Tabän ("innere Stadt, Stadtteil der Soldaten; äussere Stadt') < 
türk. taban sohle'. Belege zu demselben worte von A. Laukö s. 473, 
Steph. Tömörkeny s. 519, J. Klein u. S. Komjäthy s. 576. 

42. Asböth Oszkär. Szavaty, zavagy, zuvat. Nyr XXIX, 1900. 
S. 65—72. 

Bemerkungen zu einem aufsatz von Melich (Nyr XXVII 289 — 
295), wo die obengenannten Wörter (deren juristische bedeutung mit der- 
jenigen des deutschen „anefang", lat „intertiatio" übereinstimmt = be- 
weisführung der Schuldlosigkeit durch bezeichnung des wirklichen thä- 
ters) aus dem slav. (= abulg. siv^dt^ czecli.-russ. svod) hei-geleitet wur- 
den. Verf., der im allgemeinen die beweisführung Melich"s billigt, be- 
merkt u. a., dass das entsprechende wort in derselben juristischen bedeu- 
tung auch in polnischen und kroatisch-serbischen quellen vorkommt 
(nicht nur im czech. u. russ., wie von Melich angegeben wurde). Das 
anl. z im un<r. wird besonders behandelt. 



136 VIII. Ungarn. 

43. Asböth Oszkär. Hog;y olvasandö zuodus? (Fü2:g:elek a Sza- 
vaty, zavagy, zuvat cikkhez.) = Wie ist zuodus zu lesen? 
(Nachtrag zum artikel Szavaty, zavagy, zuvat.) Xvr XXIX, 
1900. S. 160—163. 

Gegen Simonj-i, der szovados (statt szvodus bei Asboth od. 
szvados bei Melich) lesen wollte. 

44. Melich Jänos. A zivatar szö csalädja. nr Die tamilie des 
Wortes zivatar. Nj-r XXIX, 1900. S. 145 — 149. 

.,Ung. zihar, zihal ("keuchen").^ zivatar ('gewittei'") und A-ielleicht 
zaj ("lärm")^ < slav. wurzelwort ze- (kroat.-serb. zihati etc. zivatar 
= abulg. zevatfB, rnss. zoj). 

45. Asböth Oszkär. Zivatar es zaj. XVr XXIX, 1900, S. 193 
— 197. 

Richtet sich gegen Melich's aufsatz {— vorig, nr.i und bestreitet 
die riclitigkeit der erschlossenen slav. formen. Zaj bis auf weiteres ugr. 
Ursprungs, 

46. Asboth Oszkär. Lencse — szerencse. Nyr XXIX, 1900. S. 
494 — 503- 

Bestreitet die Zusammenstellung Melich's von ung. lencse mit 
siebenb. -Sachs, lents und führt das wort auf asl. lesta zurück, wie 
ung. szerencse auf asl. stresta. 

47. Zolnai Gyula. Lengyel. Nyr XXIX, 1900. S. 132 — 133. 

Verteidigt (gegen Munkäcsi, Ethn. X 251 ff.) die erklärung J. 
Thürys (Erdely Müzeum XVI 342 If.) über lengyel "pole", lu'spr. len- 
gyen = gr. Asv^evi-vot). 

48. Melich Jänos. Raba, Rabcza. NvK XXX, 1900. S. 352. 

Die flussnamen Raba, Rabcza sind slav. Ursprungs (slav. Raba 
= lat. Arrabo; Rabcza < slav. Rabica). 

49. Mehch Jänos. Dana, danna. NyK XXX, 1900. S. 127 — 128. 

Ung. dana, danna 'böser geist, teufel" ist ein südslav. (serbo-ki'oat.) 
wort, welches auch im ung. lu'spr. nur "rheumatismus" bezeichnet hat 
(aslov. dna, altkroat. dna u. s. w.). 

50. MeUch Jänos. Bürü. Nyr XXIX, 1900. S. 503 — 505. 

bürü "steg" < ung.-wend. "*bri < abulg. brtvB (nom. 'fbryi: -i > -ü 
in einsilbern dem dialekt von Göcsej (Salader komit.) und (Jrseg (Eisen- 
burger komit.) eigentümlich. Vergl. hierzu folg. nr. 

51. Asböth Oszkär. Bürü. Nyr XXIX, 1900. S. 560 — 566. 

(regen Melich"s artikel (=; vorig, nr.). Abulg. *br'BvB > ung. *bröv 
*böröv > heutiges (u. bei Comenius) börü (über *böröu *börö *börä 
börü) und durch assimilation > bürü. 

52. Melich Jänos. Szläv jövevenyszavak. = Slavische fremdwör- 
ter. Nyr XXIX, 1900. S. 271 — 272. 

csarna (Oberungarn 1475, 158.3) < ostslovak. carny, fem. earna 
'schwarz"; — zerna (Comenius 1643, 167!^) "reh" < czech.-slovak. srna, ung. 
zer- < czech.-slovak. sr + konson.; — bocko, bocog (MTsz) "storch' 
< klruss. buska, busok, busko, buzok. 

53. Havas Istvän. Bujnyik. Nyr XXIX, 1900. S. 82 — 83. 



3- Sprachkunde. i^y 



Vnfx. (Bakoiiy bujnyik < slovak. zbojnyik. Der herausg. weist zu- 
gleich auf ung. bajnok < südslav. bojnik liin. 

54. Äsböth Oszkär. A szekely csinälmany, = Das seklerwort 
csinalmany. Nyr XXIX, 1900. S. 6 — 10. 

Nach dorn verf. ist das seklerwort csinälmany Zauberei" (ableitung 
von csinäl "machen") eine nachbildung des rum. facäturä "zauberei" und 
steht in keinem direkten Zusammenhang mit dem kroat.-serb. opciniti 
"bezaubern'. 

55. Munkacsi Bernät. >Huszär;> szavunk eredete. = Der Ursprung 
unseres Avortes »huszär». Ethn. XI, 1900. S. 47 — 48. 

Verf. bestreitet die etymologie von Vämbery (huszär < türk. 
khazar. ?khuzar), welche M. Prikkel verteidigt hatte, führt ein citat 
aus St rah lenb erg's „Das Nord- u. Ostl. Theil von Europa u. Asia" 
(s. 195) an und kommt zu dem ergebnis, dass Mikl o sich recht hat, wenn 
er sagt: „Das wort hängt weder mit dem germ. hansa noch mit chaza- 
ren z\isammen : es ist griech. •^ovgaÜQi];. türk. kursan, ital. corsare." 

56. Schuchardt H. Haläszati mnszök. = Kunstausdrücke der 
fischerei. Nyr XXIX, 1900. S. 56 — 65, iii - 115. 

Übersetzung aus einer abhandlung des verf:s: Romanische etymo- 
logieen II. (Sitzungsberichte der Kais. Akademie d. Wiss., Philos.-hist. Cl. 
CXLI. III, 1899, 141—158 u. 213— 215~i. Den mittelpunkt der Unter- 
suchung bildet das nng. wort turbokol "das wasser aufrühren wegen 
fischerei', welches der verf. mit einem rom. *turbicare, *turbiculare vergleicht. 
Beiläufig wird avich fi. tarpoa, Ip. duorbbot ('mit der störstange fische 
ins netz jagen") erwähnt. Alle möglichkeiten werden besprochen. Auch 
über andere ung. fischereiausdrücke. 

57. Siraonyi Zsigmond. A doge a mag}'ar nyelvben. = „Doge" 
im ungarischen. Nyr XXIX, 1900. S. 49—53. 

Das ung. düs "reich, üppig' (in der älteren spräche dwz, duz. duzs 
d: düzs "locuples, opulentus, dives, — patricius, Senator" : auch dwzs 'do- 
se", dus "consul") < ital. venet. doge (in älterer venet. schrift dux 0: 
duz). — H. Schuchardt macht s. 134 die bemerkung, dass die lesung 
dux: duz nicht gutzuheissen sei, das ung. zs (o: z) wäre vielmehr aus 
dem neueren venet. z, welches ein laut zwischen z und z ist. zu erklären. 

58. Siraonyi Zsigmond. Egy közepkori jogi müszö. = Ein mit- 
telalterliches juristisches kunstwort. EPhilK XXIV, 1900. S. 
159 — 161. 

Formen des XVI. u. XVII. jahrh. forbatlani, forbatol "pensare, com- 
pensare" etc. nebst ableitiingen < ital. forfatto. 

59. Schuchardt H. Filier. Nyr XXIX, 1900. S. 377 — 378. 

L"ng. filier "heller' nicht < tirol. vierer sondern < ragiis. follarus, 
foUar, "^foller. 

60. Körösi Sändor. Bago es tobak. Nyr XXIX, 1900. S. 556 
— 560. 

Bago < it. tabacco mit Schwund der ersten silbe. für den beispiele 
aus dem ung. angeführt werden. Verf. giebt folgende resultate: 

ung. bago -j it. tabacco 
XVI jahrh. ung. tabäka it. tabacco 

„ „ „ tabäk, tobäk !< tabacco, od. deutsch toback 

in d. heutigen ung. gemeinsprache tubak deutsch dial. tuback 

heut, rumän. tabäk ) XVII. jahrh. ung. tabäk. 



138 VIII. Ungarn. 

61. Kelevez. Nvr XXIX, 1900. S. 86-87. 

Über den Ursprung des wortes kelevez 'speer, spiess' (^von Simo- 
nyi, Munkäcsi, < ? lit. kalavljas). 

62. Schuchardt H. Bölcs. Xyr XXIX, 1900. S. 78 — 79. 

bölcs "weise, klug" < wälsch? Vgl. eine mitteilung von Melich, 
Xyr XXIX. 1900, s. 38. 

63. Gombocz Zoltän. Bölcs. Nyr XXIX, 1900. S. 353 — 356. 

Schliesst sich an Schuchardt's artikel bölcs < wälsch i = vorig, nr.) 
an. bölcs < türk *bel-£-ci. Zusammenstellung mit finn. mieli aus lautlichen 
gründen abgelehnt. 

64. Tolnai Vilmos. Melak. Nyr XXIX, 1900. S. 82. 

meläk ("eine art fleischhackerhund", Ballagi) nach dem grafen Me- 
lac. dem liekannten verwüster der Pfalz. 

65. Pröhle \'ilmos. Meläk, sumäk. Nyr XXIX, 1900. S. 181 

— 182. 

Gegen die vorig, nr: meläk n. sumäk "dumm^ seien slav. Ursprungs 
(slav. mil 'lieb', sum "lärm", mit der endiing ak). 

66. Pethö Gyula. Hopkan van penze. Nyr XXIX, 1900. S. 

231 — 2 32. 

Hopkän (dialektwort aus Pocs-Megyer) < deutsch, ho^b kan» (habe 
kein's). 

67. Zolnai G3'ula. Karancsi betük. N3'r XXIX, 1900. S. 230 

Bestätigt eine erklärung von Szinnyei: karancsi betiik 'typi usu 
attriti' nach dem namen des Debrecziner buchdruckers Karancsi. 

68. Horger Antal. Brassö es Kronstadt. r= Brassö und Kron- 
stadt. Brassöi m. kir. all. föreäliskola 1899 — 1900. evi ertesi- 
töje {z=z Progr. der kgl. oberrealschule zu Kronstadt). S. 3 — 27. 

Die Ortsnamen Bi'assö und Kronstadt in der etA^mologischen for- 
schung und in der volkssage. 

Beziehungen zu anderen sprachen. 
[Vgl. VIII 37—66.] 

69. Asboth Oszkär. A magyar nyelvbe került szläv szök ätvete- 
lenek heh^e es kora. z^ Ort und zeit der aufnähme der sla- 
vischen Wörter ins ungarische. N^-K XXX, 1900. S. 74 — 90, 
209 — 230. 

Verf. wendet sich gegen Munkäcsi's aufsatz „A magyar-szläv 
ethnikai erintkezes kezdetei" (— Anfänge der tnigarisch-slavischen ethni- 
schen berührung, Ethn. VIII, 1897, s. 1 — 30), wo behauptet wurde, dass 
die anfange der slavisch-ungarischen berührung älter seien als die land- 
nahme, und dass der Schauplatz derselben folglich nicht in Pannonien, 
sondern in den früheren Wohnorten der ungani zu suchen sei. Verf. 
zeigt, dass viele ausführungen Munkäcsi"s vom slavistischen gesichts- 
punkt durchaus nicht gutzuheissen sind, und verharrt bei seiner früheren 
ansieht, dass die grosse masse der slav. Wörter erst in dem jetzigen vater- 
lande der Ungarn in ihre spräche gekommen sei. 



3- Sprachkunde. 139 



70. Asböth Oszkär. A magj-ar n3-elvbe került szläv szök ätvete- 
lenek _hel}-e es kora. =z Der ort und die zeit der aufnähme der 
slavischen Wörter ins ungarische. AkE XI, 1900. S. 126 — 131. 

Anszuii: aus der vorig, nr. 

71. Asböth Oskar. Die Anfänge der ungarisch-slavischen ethni- 
schen Berührung. Arch. für Slav. Phil. XXII, 1900. S. 433 
-487. 

Wesentlich desselben Inhalts -wie nr. 69. 

72. Lumtzer Viktor u. Melich Johann. Deutsche Ortsnamen und 
lehnwürter des ungarischen Sprachschatzes. (Quellen und For- 
schungen zur Geschichte, Litteratur und Sprache Österreichs 
und seiner Kronländer. Herausg. von J. Hirn u. J. E. Wacker- 
neU. VI.) Innsbruck, Wagner'sj Univ. -Buchhandlung. 1900. 8:0. 
311- 

73. Melich Jänos. Meh'ik nyelvjäräsböl valok a magyar nyelv 
regi nemet jövevenyszavai? ir= Aus welchem dialekt stammen 
die alten deutschen lehnwörter des ungarischen? (Ertekez. a 
nyelv- es szeptud. köreböl XVII, nr. 4. S. 157 — 206.) Budapest. 
1900. 8:0. 50 s. Kr. 1,20. 

74. Melich Jänos. Melyik nyelvjäräsböl valök a magyar nyelv 
regi nemet jövevenyszavai? =^ Aus welchem dialekt stammen 
die alten deutschen lehnwörter des ungarischen? AkE XI, 1900. 
S. 61—72. 

Auszug aiis der vorig, nr. Verf. gelangt zu dem endergebnis, dass 
die deutschen lehnwörter im ungarischen hauptsächlich mittelfränkischen 
(nordmittelfränkischen) Ursprungs seien. 

75. Balassa Jözsef. A magyar nyelv nemet jövevenyszavai. z= Die 
deutschen lehnwörter der ungarischen spräche. Nyr XXIX, 
1900. S. 412 — 420. 

Kritik der nr. 72 v;. 73. 

76. Benedek Antal. Adatok a tot nyelv magyar elemeihez. =z 
Beiträge zu den ungarischen bestandteilen der slovakischen sprä- 
che. Xyr XXIX, 1900. S. 331 — 333. 

Die meisten aus dem komit. Hont. 

77. Moldovän Gergely. - — A romän nyelv. zrr Die rumänische 
spräche. Erdelyi Müzeum XVII, 1900. S. 61 — 70. 

Über die entstehung der rumänischen spräche. 



Beiträge zum Wortschätze. 
[Vgl. VIII 12, '.H, !).■), 108. 1 

78. Zolnai Gyula. A Königsbergi Töredek a Nyelvtörteneti Szö- 
tärban. z=:z Das Königsberger fragment in dem ung. sprachhisto- 
rischen wörterbucfie. Nyr XXIX, 1900. S. 129 — 131. 



140 VIII. Ungarn. 

Das Königsberger fragment (nng. Sprachdenkmal aus dem XIV. 
jahrh.) in dem NySz. wenig berücksichtigt. Die belege werden mitgeteilt. 

79. Tolnai Vilmos u. Török Istvän. Regi növenynevek. ^ Alte 
pflanzennamen. Nyr XXIX, 1900. S. 361 — 366. 

1. Andreas Beythe's handschiäftl. Verzeichnis (zwischen 1601 u. 
1616), mit einer anzahl nng. pflanzennamen (mitget. v. Tolnai l. 2. Franz 
Päriz Päpai's handschriftl. Verzeichnis (von 1706), „nomenclatura herba- 

rum, ex latino in hungaricvxm " (mitget. v. Török). Von 1. fehlen 

die meisten namen im NySz., 2. teilt übei'haupt nur solche mit, welche 
in dem NySz. nicht vorhanden sind. 

80. König G3^örg3-. Egy regi mag)-ar csiziö. (Adalek a Nyelv- 
törteneti Szotärhoz.) = Eine altungarische cisio. (Beitrag zum 
sprachgeschichtlichen Wörterbuch.) Nyr XXIX, 1900. S. 256 
— 260. 

Aus dieser im XVII. jahrh. gedruckten, aus dem deutschon ins ung. 
übersetzten „cisio" („kurze beschreibung der astronomischen Wissenschaft") 
werden ca. 60 Wörter und ausdrücke mitgeteilt, die im NySz. fehlen. 

81. Nagyszigethi [z= Szily] Kälmän. Faludi ocso nyulai. := Die 
Wörter ocso nyulai bei Faludi. Nyr XXIX, 1900. S. 127 — 128. 

Verf. weist nach, dass statt des viel umstrittenen Wortes ocso 
öcsö (= olcso) 'billig" zu lesen ist. 

82. A nyelvtörteneti szotärhoz. :^ Zum sprachgeschichtlichen 
Wörterbuche. Nyr XXIX, 1900. S. 127 — 131, 226 — 227, 366 
—369, 572—573- 

Unter dieser i'ubrik werden verschiedene beitrage zu dem woi't- 
schatze der älteren litteratur mitgeteilt (von J. Frecskay, L. Katona, 
Gy. König. B. Molecz, K. Nagyszigethi [= SzilyJ, il. Prikkel, 
S. Simonyi, J. Szabö, K. Szily, Gy. Zolnai; auch nr. 78 u. 81 
kommen unter dieser gemeins. rubr. vor). 

83. !N'agys2dgethi [= Szily] Kälmän. A önkente es önszinte. 
Nyr. XXLX, 1900. S. 36. 

Belege aiis der älteren spräche 

84. Zolnai Gyula. Szemely. Nyr XXIX, 1900. S. 80 — 81. 

Szemely ("person') in der bedeutung imago, facies" in der älteren 
litteratur i;nd Volkssprache. 

85. Horger Antal. Szallok kendnek. Nyr XXIX, 1900. S. 
114— 136. 

Belege und beitrage zur erklärung der betr. begrüssungsfonnel. 

86. Simonyi Zsigmond. Uj szök 1835-ben. ::= Neue Wörter im 
jähre 1835. Nj-r XXIX, 1900. S. 322. 

Einige Wörter, die in älteren Wörterbüchern nicht vorkommen. 

87. Szinnyei Jözsef. Magyar täjszötär. A M. T. Akademia meg- 
bizäsäböl szerkesztette — — . Mäsodik kötet. VI. füzet. TÖzeg 
— vernyakol. = Ungarisches dialektlexikon. Im auftrage der Ung. 
Akademie der Wissenschaften redigiert von — — . B. II. h. VI. 
Tözek — vernyäkol. Budapest, V. Hornyänszky. 1900. 4:0. Sp. 
802 — 960. Kr. 2 pro heft. 



3- Sprachkuude. 141 



88. Szily Kälmän. Az paraszt-szeker reszeinek elnevezesei. := Die 
benennungen der teile des bauernleiterwagens. Nyr XXIX, 
1900. S. 184 — 188. 

Genaue angäbe der einzelnen teile des wagens mit ihren unga- 
rischen benennungen (nebst deutschen wortcrklärnngen von J. Frecskay). 
Mit 4 Zeichnungen. Urspr. in „M. Mernök- i'-s Epitesz-Egylet Közlönye" 
veröffentlicht. 

89. A szekerreszek neveiröl. ^iz Von den benennungen der teile 
des leiterwagens. Nyr XXX, 1900. S. 381 — 382. 

Beiträge zu dem aufsatz von Szily (siehe vorig, nr.) geliefert 
von L. Ncgyesy, T. Belänyi und D. Nemedi. 

90. Möra Ferenc. Nepies növenj^nevek a Kis-Künsäg flöräjäban. 
^ Volkstümliche pflanzennamen in der flora Klein-Kumaniens. 
Nyr XXIX, 1900. S. 16 — 20. 

Bas Volk kennt überhaupt nur die pflanzen, von welchen es nutzen 
oder schaden hat, oder welche irgendeine auffallende eigentümlichkeit 
zeigen; die übrigen werden unter einigen allgemeinen namen zusammen- 
gefasst. Verzeichnis der pflanzennamen aus Klein-Kumanien. 

91. Trencseny Käroly. Ejtözik. Nyr XXIX, 1900. S. 273 
—274. 

Fehlt im MTSz. (bed.: "nach dem mittag schlummern, sich ausru- 
hen" 1; auch über den etymolog. Zusammenhang des wertes (mit eh-es 
'hungrig" zusammengestellt.). 

92. Samu nadrägja. = ,,Die hose Samuels". Nyr XXIX, 1900. 

S. 83—85. 

Beiträge zur bedeutung der redensart von verschiedenen seiten, 
von der zeitung Pesti Hirlap im j. ]897 gesammelt. 

93. Jenö S. u. "Veto I. A magyar tolvajnyelv es szötära. zz= Die 
ungarische gaunersprache und ihr Wörterbuch. Budapest, die 
verf. 1900. 107 s. Kr. 2. 



Sprachproben aus den voiksdialekten. 
[Vgl. VIII 12, 87-92, 139, 204—218, 225, 237, 251, 253—256.] 

94. Nepnvelvhagyomänyok. 1=: Überlieferungen aus der Volkssprache. 
Nyr XXIX, 1900. S. 41 — 48, 90 — 95, 138 — 143, 184 — 192, 
240, 279 — 287, 333—336, 381—384, 429—432, 476—480, 

531—543, 590-593- 

Unter dieser rubrik werden in jedem hefte von Xyi' beitrage zur 
kenutnis der ung. Volkssprache aller landesteile veröffentlicht: volkslitte- 
ratur jeder art dieder. märchen, erzählungen, Sprichwörter), aberglaube, 
gebrauche in dialektform mitgeteilt, ausserdem dialoge, redensarten und 
beitrage zum Wortschätze (dialektwörter. Spottnamen, tiernamen u. 
dgl.j. Einige von diesen beitragen sind in der Bibl. als versch. nummern 
aufgenommen (VIII 12, 95). 

95. Thvirzo Ferenc. A nyitravideki palöc nj'elvjäräs (vege). zzz 
Der dialekt der polowzen in der gegend von Neutra (schluss). 
Nyr XXIX, 1900. S. 279—285. 



142 VIII. Ungarn. 



Familien, spott-, tanf- und Ortsnamen: „hojedäk" (arbeits-. ernte- etc. 
lieder von dialogischer form zw. burschen iind mädchen, in denen zu 
anfang gewisser verse der ausruf hojeda! erscheint, lieder. die beim tanz 
ums johannisfeuer gesungen werden); hochzeitssprüche. 



Denkmäler der älteren spräche. 
[Vgl. VIII 78—84, 241— L'4r..] 

96. Varjü Elemer. A Gyulafejervüri Batthyäny-könyvtär. V — VIT. := 
Die Batthyäny-bibliothek in Karlsburg. V — \1I. MKSz. VIII, 1900. 

s. 17—55, 131 — 169, 328—249, 337—361. 

Verf. beschreibt die handschriften der bibUothek. Die handschrift, 
welche s. 35 unter nr. 21 (E-,. TT. 'S".) beschrieben wird (L MANUALE 
CONTINENS SEEMOXES ET ALIQUOT FORMULAS LITTEEAEUM. 
Saec. XIV.) enthält 15 kurze zeilen ung. text (Übersetzung einifer aus- 
drücke der reden), welcher hier (teilweise auch in faksimile^ veröflent- 
licht wird. „Dieser ung. text ist der zeit nach das zweite bisher be- 
kannte ung. Sprachdenkmal". 

97. Dezsi Lajos. Szent Agoston reguläinak magyar forditäsa Coe- 

lius (Bänfly-j Gergelytöl. (1537.) Bevezetessel ellätva kiadta -. 

= Die ungarische Übersetzung der regulae des heiligen Augustin 
von Gregor Coelius (Bänfif\-). (1537.) Mit einleitung heraiisg. 
V. — . (Ertekez. a nyelv- es szeptud. körebol. XVII, nr. 6. 
S. 319 — 369). Budapest 1900.- 8:0. 51 s. Kr. 2. 

98. Csorcta Jözsef. Gechey Döra näszhozomänya 1548. = Der 
brautschatz der Dora Gechey 1548. Veröff. v. — — . TörtT I, 
1900. S. 469. 

99. Csoma J. Gechey Märton ingösägainak összeiräsa 1551. — 
Regestrum, factum super res mobiles egregii Martini Gettsey de- 
functi. Veröff. v. — — . TörtT I, 1900. S. 470 — 471. 

100. Komaromy Andreis. A bärö Perenyi csaläd leveltäräböl. = 
Aus dem archiv der familie des barons Perenyi. Veröff. v. — 
— . TörtT I, 1900. S. 119— 134. 

Enthält auch (s. 133) ein ungar. dokum. v. 3. dez. 1560. 
I o I . YS. Szekelj- Antal tudösitäsa a hadadi csatäröl. iz:r Be- 
richt v. A. Szekely über die schlacht bei Hadad. Veröff. v. — . 
TörtT I, 1900. S. 141 — 144. 

Ein ung. brief von Szekely an F. Pesthy v. 4. märz 1562. 

102. Merenyi Lajos. Vegrendeletek. = Testamente. Veröff. v. 
— — . TörtT I, 1900. S. 310 — 320. 

Von den veröfientlichten 6 testamenten 5 ung., aus d. j. 1568 — 1600. 

103. König Gj'örg}-. Kalendäriombeli regi mag3'ar distichonok. = 
Alte ung. disticha in den kalendarien. Irod. Közl. X, 1900. S. 
403—412. 

Behandelt die ung. kalendarien aus d. XVI. u. XVII. jahrh. und ver- 
öfientlicht die in ihnen befindlichen ung. disticha (1581 — 1679): der 
aufsatz ist von einer nachschrift der red. (412 — 416) begleitet. 



3- Sprachkunde. i^^ 



104. Kemeny Lajos jun. Kassa väros leveltäräböl. rrr Aus dem 
archiv der Stadt Kaschau. Veröft". v. — — . TörtT I, 1900. S. 
473—480. 

Von den 10 dokumenten 4 ung., aus d. j. 1575, 1604, 1616 u. 1623. 

105. Hegyi Ödön. Gyulay Päl ket vegrendelete. = Zwei testa- 
mente v. P. Gyulai. Veröff. v. . TörtT I, 1900. S. 145 — 

147- 

Aus d. j. 1592. 

106. Csoma J. Panka Istvän hagyateka 1596. = Nachlass von 
Steph. Panka 1596. Veröff. v. — — . TörtT I, 1900. S. 471 

— 473- 

„Datum in civitate Sarospatak". 

107. Ballö Istvän. Adatok a szekelyek törtenetehez. ziz Daten zur 
geschichte der sekler. Veröff. v. — — . TörtT I, 1900. S. 
135 — 140. 

Ein dokument (s. 138, über das stenerwesen bei den seklern) ist 
uuii-. (abschrift aus dem XVI. jahrh.). 

108. Kempis T. Krisztus követeseröl. Forditotta Päzmän}- Peter. Be- 
vezetessel, magyaräzatokkal es szötärral szerkesztette Bellaagh 
Aladär. =^ Th. Kempis. De imitatione Christi. Übers, von Päz- 
mäny. Mit einer einleitung, erklärungen und ung.-latein. Wörter- 
buch von A. Bellaagh. (Mag}'ar Könyvtär 151 — 153). Budapest^ 
Wodianer. [1900.] Kl. 8:0. 275 + XX s. Kr. 0,90. 

109. K[oraaromy] A. Bocskay Istvän törtenetehez. z^ Zur ge- 
schichte v. Stephan Bocskay. Veröff. v. — - — . TörtT I, 1900. 
S. 160. 

Ein brief von „Stephanus dei gratia Hungariae, Transylvauiaeque 
Princeps et Siculorum comes" v. 13. jun. 1605. 

iio. K[omaromy] A. Leveltäri kutatäsok. z=z Archivforschun- 
gen. Veröft". V. — — . TörtT I, 1900. S. 600 — 607. 
6 vmg. dokumente aus d. j. 1606 — 1612. 

111. Benko Imre. A Szodora3--csaläd leveltäräböl = Aus dem 
archiv der familie Szodoray. Veröff. v. — — . TörtT I, 1900. 
S. 592 — 600. 

Briefe ii. a. dokumente aiis d. j. 1606 — 1742. 

112. Komaromy Andräs. A szabad hajdukra vonatkozö levelek 
es okiratok. 1=: Briefe und dokumente, die sich auf freie haiduk- 
ken beziehen. Veröff. v. — — . TörtT I, 1900. S. 411 — 448. 

Die dokumente (alle in ung. spr.) sind aus d. j. 1607 — 08. 

113. K[omaroniy] A. Teuffenbach Rudolf dunäninneni fökapi- 
täny jelentesei Balassa Zsigmond elfogatäsäröl. = Die be- 
richte von R. Teuffenbach über die arretierung von S. Balassa. 
Veröff. V. — — . TörtT I, 1900. S. 149 — 150. 

Zwei ung. briefe aus d. j. 1616. 



144 VIII. Ungarn. 

114. X — Y. A Fejerpataky csaläd leveles lädäjäböl. ■=: Aus der 
brieflade der familie Fejeq)atak)\ Veröflf. v. — — . TörtT I, 
1900. S. 489 — 512. 

Ung. briefe aus d. j. 11621 — 26, meistens von damen geschr.. auch 
von kulturhistorischem interesse. 

115. Merenyi Lajos. Eszterhäzy Miklös levelei Xyäri Krisztinä- 
hoz 1624 — 1639. =r Briefe M. Eszterhäzy's an Kristina Xyäri 
1624 — 39. Veröft". V. — — . TörtT I, 1900. S. 16 — 60. 

116. Kemeny Lajos, jun. Kassa väros leveltäräböl. := Aus dem 
archiv der Stadt Kaschau. Veröff. v. — — . TörtT I, 1900. S. 
155 — 160. 

Enthält einen ung. brief, welcher „Oxonii Anglorum .30. Mart. 
1626 — — Benedictus Pakaj Cassovius" unterzeichnet ist. 

117. Svaby Frigj-es. Szepesvär, 1643. april 28. gröf Csäky 
Istvän utasitäsa konyhamestere reszere. — Instructio pro Culinae 
Magistro (v. Steph. Csäky). VeröfF. v. . TörtT L 1900. 

S. 147 — 148. 

Unterzeichn. „in arce mea Scepuciensi die 28. aprilis 164.3. Co- 
mes Steph. Csiaki m. p." 

118. TÖth Ernö. Kemeny Jänos es Lönyai Anna levelezese. 1656 
— 1662. ^ Korrespondenz v. J. Kemeny u. Anna Lönyai 1656 
— 1662. Veröfl:'. v. . TörtT I, 1900. S. 161— 218. 

119. Merenyi Lajos. Eszterhäzy György püspök vegrendelete 
1663. =: Testament des bischofs G. Eszterhäzy 1663. Veröff. 
V. — — . TörtT L 1900. S. 452 — 457. 

In ung. spr. 

120. Dezsi L. Nadänyi Jänos törtenetirö eletehez. =:r Zur biogra- 

phie des geschichtsschreibers J. Xadänvi. Veröff. v. . Irod. 

Közl. X, 1900. S. 66 — 80. 

Dokumente (zum grössten teil klageschreiben gegen J. Xadanyi) 
aus d. j. 1673—1693 [1698 Vj. 

12 1. D[ezsi] L. Szerencsi Samuel nag}--envedi deäk reversalisa. 
z=z Reversal von S. Szerencsi. schüler aus Xag^'-Enved (Strass- 
burg). Veröflf. v. — — . TörtT I, 1900. S. 467 — 468. 
Geschr. 13. febr. 1674 (ung. . 

122. Thaly Kälmän. Munkäcsi leltärak s udvartartäsi iratok. (1680 
— 1701.) r= Die Munkäcser inventare und hofhaltungsschriften. 
Veröflf. v. — — . TörtT I, 1900. S. 321 — 384. 

Die mehi'zahl der veröffentlichten dokumente, die auch von kultur- 
historischem interesse sind, ist in ung. spr. geschrieben. 

123. Revesz Kälmän. XVII-ik szäzadi häzassägi pörök az abauji 
ref. eg}häzmeg\-e jegjznkönyvebeR. = Die eheprozesse in dem 
Protokoll der reformierten kirchengemeinde zu Abauj. TörtT 
I, 1900. S. 102 — 118. 

Teilt auszüge aus dem zum teil ung. geschriebenen protokoU 
(1689—1700) mit. 



3- Sprachkunde. 145 

124. Dezsi Lajos. A nagj'-enyedi Bethlen-coUegium rektoränak 
kötelesscgei. z:= Die pflichten des rektors des BethlenkoUegs zu 

Nagy-Enyed (Strassburg). Veröff. von . TörtT I, 1900. S. 

466 — 467. 

Aus d. j. 1709. 

125. Szirmay Tamäs ezredes bucsuztatöja. :=i Sterbegesang auf 
den obersten Th. Szirmay (Cidaris Szirmaiana). TörtT -I, 1900. 

s. 513—550. 

Von 1743. 

126. Faludi Ferentz. Teli ejszakäk. ^ Winterabende. Herausg. 
V. K. Rupp. (Regi Magyar Könyvtär XIX.) Budapest, Franklin- 
Ges. 1900. 8:0. 182 s. Kr. 1,60. 



Geschichte der forschung und Sprachbehandlung.- - 
Neologismus. 
[Vgl. VIII 25, 86, 186.] 

127. Kemeny K. Kolumbän. Geleji Katona Istvän »Grammati- 
kätskä janak birälatos ismertetese. z=r Kritische besprechung der 
»kleinen grammatik-> von Stephan Katona von Gelej. Györ. 
1900. 8:0. 54 s. 

128. Czimmermann Jänos. Nj-elvüjitök es nyelvmüvelök Barcza- 
falvi Szabö David fellepeseig. =1 Sprachneuerer und sprach- 
bildner bis zum auftreten D. Szabö's von Barczafalu. 1900. 
8:0. 20 s. Kr. I. 

129. Czimmerraann Janos. Barczafalvi Szabö David. Tatai alg3-mn. 
ertes. 1900. Auch sep. 8:0. 24 s. Kr. i. 

130. Tolnai Vilmos. Kalmar Györgj- nyelvüjitö törekvesei. =z 
Georg Kalmar' s neologistische bestrebungen. Nyr XXIX, 1900. 
S. 165 — 168. 

Neologismen bei Kalmar, von denen sich ein teil im gebrauch er- 
halten hat. 

131. Szily Kälmän. Szeljegv'zetek a nj'elvüjitas törtenetehez. = 
Randbemerkungen zur geschichte des neologismus. N}^ XXIX, 
S. 25 — 31. 

A^erf. hebt hervor, dass die Zeitschrift Xyr nicht mehr dieselbe 
[d. h. puristische] aufgäbe dem neologismus gegenüber habe, wie vor ei- 
nem viertcljahrhundert, sondern mehr die historische Wertschätzung und 
psychologische erklänuig dieser bestrebung. Der vei"f. bespricht sowohl 
einige einzelne Wörter, als ableitungssuffixe. 

132. Kazinczy Ferencz levelezese. Közzeteszi Väczy Jänos. X. k. 
18 12 — 1S13. zrr F. Kazinczj's briefwechsel. Veröff'. v. J. Väczy. 
Bd. X. Budapest, UAW. 1900. 8:0. XXXI -|- 592 s. Kr. 10. 

Enthält u. a. daten zur geschichte des neologismus. 



146 VIII. Ungarn. 



133. Vaczy Jänos. Kazinczy Ferencz levelezese. X. kötet. :^ 
F. Kazincz\-'s briefwechsel. X. band. AkE XI, 1900. S. 
555—571- 

Bericht über den Inhalt der vorig, nr. ; auch über die neologisti- 
schen besti-eVjungen Kazinczy's (s. 567 ff.) 

134. Bardos Remig. Adatok a nyelvüjitäs jelentestanähoz. ;= 
Beiträge zur bedeutungslehre des neologismus. Nyr XXIX, 1 900. 
S. 124 — 127, 168 — 171, 222 — 224, 318 — 321. 

Verf. stellt aus dem briefwechsel F. Kazinczy"s die wortgruppen 
zusammen, die für die Sprachgeschichte und bedeutungslehre von inte- 
resse sind. 

135. Madarasz Flöris. Verseghy es a nyelvüjitäs. =^ Verseghy 
und die Sprachneuerung. Budapesti Szemle CII, 1900. S. 
47—68, 195 — 211. 

136. Kiss Ernö. Vörösmarty mint nyelvmüvesz. ::^ Vörösmarty 
als Sprachkünstler. Nyr XXIX. 1900. S. 545 — 551. 

Nach der hochflut der sprachneuerer ,war es Vörösmarty, der zu- 
erst in der gestaltuug einer dichterischen spräche eigene wege fand. Die 
Sprache des Volkes, die spräche der älteren litteratur, die er studierte, 
waren der born, aus dem er schöpfte. Gegen die neologisten dagegen 
verhielt er sich im allgemeinen ablehnend. 



Sprachrichtigkeit. 

137. Vutkovich Sändor. Mag^-arosan. = Gut ungarisch. Pozsony, 
verf. (Budapest, Eggenberger.) 1900. 8:0. 90 s. Kr. 2. 

138. Kalmar Elek. A nyelvtisztasägröl. ;=i Über die sprachrein- 
heit. Nyr XXIX, 1900. S. 385 — 395. 

Verf. beleuchtet das fremdwörterunwesen in der ungarischen sprä- 
che und fordert dazu auf in der gebildeten \interhaltung. der zeitungs- 
und litteratursprache aus den quellen zu schöpfen, die die ungar. spräche 
darbietet. Deutlich fühlbare fremdwörter sind zu übersetzen. Es wird 
auf das werk „Magyaritö Szötär" [VIII 160] als ergiebiges hilfsmittel hinge- 
wiesen. Eingreifen der ministerien erwünscht, wo sich schon gut unga- 
rische Wörter anstelle unechter ausdrücke eingebürgert haben. 

139. Komjathy Sändor. Magj'ar irök mag}arossäga. := Die unga- 
rische spräche der ungarischen schriftsteiler. Nyr XXIX, 1900. 
S. 505—508. 

Volkstümliche Wendungen aus der spräche L. Kälnaj-'s. 

140. Nevy L. Eszrevetelek a magv'ar kereskedelmi nyelvröl. = 
Bemerkungen über die ungarische handelssprache. Kereskedelmi 
Szakoktatäs, nr. 6. 

141. Jacobi Julius. Kurze Anleitung zur richtigen Aussprache 
des Mag}arischen. Vortrag gehalten in der Lehrerversammlung 
in Schässburg. Hermanstadt, W. Kraft 1900. 8:0. 20 s. 

142. Gaal Mözes. A magyar helyesiräs törvenjxi. Gyakorlati 
peldäkkal es a helyesiräs rövid szötäräval. =: Die gesetze der 
ungarischen rechtschreibung. Mit praktischen beispielen und ei- 



3. Sprachkunde. i^y 



nem kurzen orthographischen Wörterbuch. (Tudomänyos zseb- 
könyvtär 45 :=: Wissenschaftliche taschenbibliothek 45). Pozsony 
u. Budapest, K. Stampfel. 1900. 8:0. 59 s. Kr. 0,60. 

143. Simonyi Zigmond. Kormänj-intezkedesek a helyesiräs dol- 
gäban. =z StaatHche massregeln in sachen der rechtschreibung. 
Nyr XXIX, 1900. S. 433—438. 

Die vom Kyr ausgearbeiteten vorschlage zur regelung der ortho- 
gi'aphie, die das kultusministerium zur beratung angenommen hat, har- 
ren der durchfülirung in der praxis. Verf. weist auf die bestrebungen, 
eine einheitliche rechtschreibung zu erzielen, hin, die in neuerer zeit in 
Deutschland und Frankreich lautgeworden und teilweise erfüllt wor- 
den sind. 

144. Joannovics Gj'örgy. Összetetelek leiräsa. = Die Schreibung 
der Zusammensetzungen. Nyr XXIX, 1900. S. 116 — 119. 

Betrifft die von Steph. C sap o di aufgeworfene frage, wie die länge- 
ren rmd kürzeren Zusammensetzungen im ungarischen zu schreiben seien, 

145. Imets Jänos. Nehäny szö a helyesiräs tänitäsäröl. zrr Einige 
Worte über den Unterricht in der rechtschreibung. Gyergyö-Szt.- 
Miklös. 1900. 8:0. 13 s. Kr. 0,20. 

Grammatiken u. wörterbucher für praktische zwecke. 

Grammatiken. 

[Vgl. I 101, 102.] 

146. Szinnyei Jözsef. Iskolai magj-ar nj-elvtan mondattani alapon. 

I. r. 10. kiadäs. — II. r. 6. kiadäs. = Ungarische schulgram- 
matik auf syntaktischer grundlage. I. teil. 10. aufl. — IL teil 
6 aufl. Budapest, V. Hornyänszky. 1900. 8:0. I. 4-j- 112 s. 

II. 4 + 80 s. Kr. 1,20 4- 1,60. 

147. Makläry Pap Miklös. Rendszeres mag\'ar nyelvtan. Közep- 
iskoläk alsöbb osztälyai szämära. :=: Systematische ungarische 
Sprachlehre. Für die unteren Massen der mittelschulen. Säros- 
patak, 1900. 8:0. Kr. 2,60. 

148. Balassa Jözsef. Kis mag^'ar nyelvtan. A közepiskoläk I. osztälya 
szämära. = Kleine ungarische Sprachlehre. Für die I. kl. der 
mittelschulen. Budapest, Franklin-Ges. 1900. 8:0. 86 s. Kr. 1,20. 

149. Balogh Peter. Magyar nyelvtan. Közepiskoläk II. osztälya 
szämära. = Ungarische Sprachlehre. Für die IL kl. der mittel- 
schulen. Budapest, Singer u. Wolfner 1900. 8:0. 73 s. Kr. 
1,40. 

Erster teil, für die I. kl. der mittelschulen, 1899 erschienen. 

150. Bartha Jözsef. Magyar nyelvtan mondattani alapon. z:z: Un- 
garische Sprachlehre auf syntaktischer grundlage. Budapest, Szt. 
Istvän-Tärs. 1900. 8:0. Kr. 1,60. 

151. Weszely Ödön. Mödszeres raag^'ar nyelvtan mondattani alapon. 

III. kiad. r= Methodische ungarische Sprachlehre auf syntakti- 
scher grundlage. III. aufl. Budapest, Wodianer. 1900. 8:0. 



1^8 VIII. Ungarn. 

152. Jakab Ferencz. A magj-ar nyelvtan szabälyai röviden össze- 
foglalva. Különös tekintettel a helyesiräs szabälvaira, a szö- es 
mondattani elemzes mödjära nezve. Kezirat gvanänt. r= Die 
regeln der ungarischen grammatik kurz zusammengestellt. Mit 
besonderer rücksicht auf die regeln der rechtschreibung, auf die 
art der etj-mologischen und syntaktischen anah'se. Als manuskript 
gedruckt. Györ, Verf. 1900. 8:0. 24 s. 

153. Negyesy Läszlö. Mag^^ar nyelvtan. I r. Közep- es polgäri 
iskoläk I. oszt. szämära. = Ungarische Sprachlehre. Für die I. kl. 
der mittel- und bürgerschulen. Budapest, Wodianer 1900. 8:0. 
77 s. Kr. 1,30. 

154. Klingenberg-Lengyel J. Magyar nyelv- es irälytan a nepis- 
kola V. es \'l. oszt. szämära. Ötödik kiadäs. :=z Ungarische 
Sprachlehre und Stilistik für die V. und. VI. klasse der elementar- 
schulen. 5. aufläge. Budapest, Franklin-Ges. 1900. 8:0. 176 s. 
Kr. I. 

155. Brancic Blagoje. Madjarska gramatika. =z Mag\-arische gram- 
matik. Xovi Sad. 1900. 



Wörterbücher und ■Wörterverzeichnisse. 

156. Simonyi Zsigmond u. Balassa Jözsef. Nemet es magj-ar 
iskolai szötär. I. Nemet-mag}"ar resz. — Deutsch-ungarisches 
und ungarisch-deutsches Schulwörterbuch. I. Deutsch-ungari- 
scher Theil. Budapest, Franklin-Ges. 1900. 8:0. 451 s. Kr. 3,50. 

157. Hoffmann Fr. Magyar-nemet es nemet-mag\ar zsebszötär. 
n. Magyar-nemet resz. — Ungarisch-deutsches und deutsch- 
ungarisches Taschenwörterbuch. IL Ungarisch-deutscher Teil. 
Leipzig, Otto Holze's nachf. 1900. Kl. 8:0. 396 s. Rm. 4.50. 

158. Töth Tivadar. Schweitzer Käroly, Pandic Sändor u. Spicer 
Mör. Katonai szötär. Mag^■ar-horvät resz. = Wörterbuch für 
Soldaten. Ungarisch-kroatischer teil. Budapest, druck v. Pallas 
1900. 8:0. 517 s. Kr. 5,46. 

159. A nemet-mag\'ar szötärhoz. =^ Zum deutsch-ungarischen wör- 
buch. Nyr XXIX, 1900. S. 32—33, I79— 180, 371, 513 — 516. 

Vorschläge von vei'scliiedenen selten zur Übersetzung einer anzahl 
deutscher Wörter und redensarten, zum teil (s. 371) auch gegenvorschläge. 

160. Tolnai Vilmos. Mag}-aritö szötär. A szüksegtelen idegen szavak 
elkerülesere. A Mag}-. Tudomänyos Akademia nyelvtudomänyi 
bizottsägänak megbizäsäböl. i^ Mag)-arisierendes Wörterbuch. Zur 
Vermeidung überflüssiger fremdwörter. Im auftrage des sprach- 
wissenschaftlichen ausschusses der Ung. Ak. der Wiss. Budapest, 
V. Hornyänszky. 1900. Kl. 8:0. 296 s. 

161. Frecskay Jänos. Mestersegek szötära. = Wörterbuch der 
handwerke. Heft. 18 — 23. Budapest, V. Hornyänszky. 1900. 
8:0. 24 -|- 15 4- 12 -[- 19 + 17 + 19 s. ä kr. 0,20. 



3- Sprachkunde. 4. Litteraturgeschichte. 149 

H. 18: Köuyvkötömesterseg = buchbinderhandwerk. 19: Kärpitos- 
mesterseo: = tapezierergewerbe. 20: Kosärkötömesterseg = korbmacher- 
gewerbe. 21: Kötelgyärtömosterseg = seilergewerbe. 22: Mäzolö-, lak- 
kozö- es szobafestomesterseg = weissbinder-, lackierer- und zimmer- 
malergewerbe. 23: Kefekötömesterseg = büi'stenbindergewerbe. 

162. Nyers K. A földrajzi terminologia. = Die geographische 
terminologie. Orsz. Közepisk. Tanär. Közl. XXXIV, 1900. S. 
190 — 195, 217 — 221. 

163. Balassa Jözsef. A beszedhibäk mag\-ar elnevezesei. = Die 
ungarischen benennungen der sprechfehler. Gyögypaedagögiai 
Szemle X, 1900, nr. 10. 

164. Nyomdai müszök jegyzeke. z=i Verzeichnis typographischer 
kunstwörter. Magv'ar Nj'omdäszat. 

Wird zunächst sep. erscheinen. 

165. A mezötüri ref. fögimnäziumban hasznält nyelvtani müszök 
jegvzeke. = Verzeichnis der im reformierten obergj'mnasium von 
Mezötür gebrauchten grammatischen termini technici. Progr. des 
ref. oberg\-mn. von Mezötür. S. 80 — 86. 



4. Litteraturgeschichte. 

[Vgl. VIII 97, 108, 2-21.] 

166. Beöthy Zsolt. A mag\-ar irodalom törtenete. Kepes disz- 
munka ket kötetben. Szerkesztette — — . II kiadäs. I. A 
legregibb idöktöl Kisfaludy Käroly fellepteig. IL Kisfaludy 
Käroly föUeptetöl a kiegyezesig. = Geschichte der ungarischen 
litteratur. Prachtwerk in zwei bänden. Red. von — — . II. 
aufl. I. Von den ältesten zeiten bis zum auftreten K. Kis- 
faludy's. II. Vom auftreten K. Kisfaludy's bis zum ausgleich. 
Budapest, Athenaeum. 1899 — 1900. 8:0. 852 -|- 683 s. 
Kr. 40. 

Ein reich illustriertes prachtwerk, durch zusammenAvirken mehre- 
rer fachleute zustande gebracht. Der abschnitt „über die urzeit des ung. 
Volkes" ist von L. Rethy, „der rursprung der ung. spräche" von Simo- 
nyi, „die denkmäler der heidnischen dichtuug" von P. Erdelyi, „die 
königs.sagen und die liedersänger" von Gy. Sebestye'-n, „die ältesten 
Sprachdenkmäler" von Simonyi u. s. w. 

167. Beöthy Zsolt. A magy'ar irodalom a mohäcsi csatäban. zu: 
Die ungarische litteratur zur zeit der Mohäcser schlacht. AkE XI, 
1900. S. 318 — 330. 

Darstellung des Standes der ung. litteratur vor der mohäcser 
schlacht und die Umwälzung derselben durch dieses erreignis und nach 
demselben. 

168. Kardos Albert. XVI. szäzadi irodalmunk kulturälis jelen- 
tösege. ^ Die kulturelle bedeutung unserer litteratur des XVI. 
Jahrhunderts. EPhilK XXIV, 1900. S. 96 — 98. 



I go VIII. Ungarn. 

Über die Wirkung von G. Käroli's bibelübersetzung, geistlicher 
liederpoesie, der „magyar krönika", Phsedrus" fabeln, von Volksbüchern 
und endlieh Balassa's poesie auf ihre zeit sowie sj^ätere tage und ihre 
bedeutung für die jetztlebenden. 

169. Mihalovics E. A kath. predikäciö törtenete Magyarorszägon. 
I. Päzmänyig. ■=. Geschichte der katholischen predigt in Un- 
garn. I. Bis Päzmän3^ Budapest, Szt. Istvän-Tärs. 1900. 8:0. 
437 s. Kr. 4. 

1 70. Katona Ludvig. Die Legende von Barlaam und Josaphat in 
der ungarischen htteratur. KSz. I, 1900. S. 76 — 79. 

Verf. führt kurz die ungarischen bearbeitungen der legende des 
Barlaam und Josaphat, wie auch die einzelnen fragmente derselben in 
ungarischer spräche an (die ältesten vom ende des XV. iahrh. u. anf. 
des XVI. jahrh., gedr. in Nyelvemlektar VI 216—233, II 375-401, XIV 
1 — 116; bruchstücke der legende auch in einem erbauungsbvtche von .T. 
Taxonyi, gedr. 1740-43). 

171- Katona Lajos. A remete es az ang3'al. z=z Der eremit und 
der engel. Ethn. XI, 1900. S. 145 — 154, 199 — 211. 

Ausgehend von einen seklermärchcn (litter. Ursprungs) giebt verf. 
eine darstellung von der Vertretung der parabeln, welche das betr. thema 
behandeln, in der mittelalterlichen Htteratur Europas. Ein nachtrag 
vom verf. Ethn. 333 — 334, wo ein ung. bruchstück ^derselben parabel 
aus der älteren ung. Htteratur mitgeteilt wird (aus Ersekujväri codex, 
gedr. in Xyelvemlekrär X 149). 

172. Sebestyen Gyula. Halältalan Detre. ■=. Der »todlose» Diet- 
rich. EPhilK XXIV, 1900. S. 152 — 159. 

Behandelt die legende Dietrich's von Bern (Theodorich) in den 
alten schriftlichen denkmälern Ungarns und überhaupt diejenigen züge 
derselben, die sich auf Ungarn beziehen. Verf. kommt über den ge- 
burtsort Dietrichs zu dem schluss, dass er im jetz. Ungarn, am Platten- 
see geboren sei. Der ausdruck halalthalan detreh in der chronik Thii- 
röczi's sei nicht halhata[t]lan D. "der unsterbliche Dietrich' sondern 
halältalan D. 'der todlose D." [d. h. der lange dem tod widerstehen konnte] 
zu lesen. 

173. Melich Jänos. A Festetich-ködex egy ismeretlen mäsolata. 
:^ Eine unbekannte abschrift des Festetich-codex. NyK XXX, 

1900. s. 350—351- 

Beschreibung einer abschrift (aus der zweiten hälfte des XVI. 
jahrh.) des Festetich-codex (eines breviers, welches am 1494 angesetzt 
ydrd); die abschrift ist im besitz eiuer privatperson (des herrn gutsbe- 
sitzers (t. Väsärhel}^). 

174. Katona Lajos. Hrotsuitha Dulcitiusänak regi magvar fordi- 
täsa. z:^ Eine alte ung. Übersetzung von Hrotsuitha's Dulcitius. 
Irod. Közl. X, 1900. S. 385 — 402. 

Nachweis, dass das stück der legende von Agape, C(h)ionia und 
Irene im Sändor-codex (gedr. in Nyelvemlektar II 227 — 288, anf. des XVI. 
jahrh.) eine Übersetzung von Hrotsuitha's Dulcitius ist. 

175. Katona Lajos. Ket közepkori versezet regi magyar forditäsa. 
= Alte ung. Übersetzung zweier gedichte aus dem mittelalter. 
Irod. Közl. X, 1900. S. 103 — iiS. 



4. Litteraturgeschichte. 151 

Der verf. weist die lat. originale zweier ung. prosagedichte ans 
der ersten hälfte des XVI. jahrh. (Nyelvemlektär VIII 110 — 117) nach: 
dialog zwischen dem Leben und dem Tod und ein gedieht mit dem re- 
frain „vado mori". 

176. K[atona] L. Miert böjtölik meg a penteket? ::= Warum fastet 
man des freitags? Ethn. XI, 1900. S. 334 — 336. 

Verf. stellt — bis die gemeinsame quelle gefunden werden wird — 
eine darstellnng der gründe des freitagsfastens in dem ung. Döbrentei- 
codex (aus d. j. 1508, Nyelvemlektär XII 225) mit einer gleichen in dem 
katalonischen Recull de eximplis (II 313) zusammen. 

177. Erdelyi Päl. Balassa Bälint komediäja. = Die komödie v. 
B. Balassa. MKSz. MIL 1900. S. i — 16. 

Der verf. behandelt ein bruchstück (4 bl.) einer alten ung. druck- 
schrift (wahrscheinlich aus d. j. 1588—89), welches durch kauf in den 
besitz der bibliothek des Ung. Nationalmuseums geraten ist, und in 
welchem der verf. ein bisher unbekanntes werk (Credulus es Julia Ko- 
media) des ung. dichters Balassa erkannt hat. Ein faksimile des bruch- 
stücks ist beigelegt. 

178. Illessy Jänos. Adatok Balassa Bälintröl. = Daten über B. 
Balassa. Veröff. v. — — . Irod. Közl. X, 1900. S. 194 — 
202, 336 — 344, 444—468. 

Daten zur biographie B. Bälint' s. 

179. Kanyaro Ferencz. Akromonosyllabikon a regi magj^ar költe- 
szetben. rzz Ein akromonosyllabikon in der alten ungarischen dich- 
tung. EPhilK XXIV, 1900. S. 93 — 96. 

Verf. hat ein mig. „akromonosyllabikon" (ein gedieht in wel- 
chem jede zeile auf ein einsilbiges wort endigt) v. J. Thordai (aus d. 
j. 1627) angetroffen; das gedieht (Übersetzung des CIL psalmes) wird 
nach einer abschrift v. j. 1679 veröffentlicht. 

iSo. Borsos Istvän. Adatok a magyar idömertekes verseles törte- 
netehez. = Daten zur geschichte der ung. metrischen dichtung. 
Irod. Közl. X, 1900. S. 472 — 473. 

Es werden in ung. druckschriften aus d. XVII. jahrh. zwei bisher 
unbekannte verf. ungarischer disticha (in lat. metrum) nachgewiesen: P. 
"Weszelin v. Kis-Maria (Kis-Mariai We.szelin Päl, 1641) und Steph. 
Balogh v. Selye (Sel3"ei Balogh Istvän, 1655). 

181. Havas Adolf. Glossäk a Komäromi enekeskönyvhöz. ^ 
Glossen zum Komorner liederbuch. EPhilK XXIV, 1900. S. 
199— 209. 

Verf. behandelt ein gedieht „Atok" (= Fluch) aus dem „Komäromi 
enekeskönyV (= Komorner liederbuch, v. 1698 — 1701): die frage nach 
dem verf. des gedichtes und nach dem Verhältnis desselben zu dem ge- 
dieht „Ibis'' von Ovidius. Das gedieht selbst wird hier emendiert und 
mit kritischem apparat veröffentlicht. 

182. Binder Jenö. Pärhuzamok Aranyhoz. z:= Parallelen zu Aran}'. 
EPhilK XXIV, 1900. S. 17 — 25. 

Verf. zeigt, dass man die motive der bailaden Arany"s „A hamis 
tanii" {— Der falsche zeuge) und „Az ünneprontök" (= Die festfrev- 
ler) in über ganz Europa sehr verbreiteten volkssagen zu suchen hat. 
Parallelen aus dem sagenschatz verschiedener Völker (aiich aus der mit- 



152 VIII. Ungarn. 

telalterl. litteratur) werden angeführt Dazu eine bemerknnü: von L. Ka- 
tona EPhilK XXIY, 1900, 421— 422. 

1-83. Zlinszky Aladär. Arany balladaforräsai. =r Quellen von 
Arany's bailaden. Irod. Közl. X, 1900. S. i — 30, 129 — 157, 
257 — 286. 

Eine eingehende Untersuchung der quellen von Arany's balladeu. 
Die quellen werden zum teil in der älteren litteratur gefunden (ung. 
Chroniken, legenden, auch in alten Volksbüchern: so bei der bailade „Az 
ünneprontök". deren unmittelbare quelle ein Volksbuch ist, wo eine 
tanzlegende erzählt Avird : siehe vorig, u. folg. nr.). 

184. Katona Lajos. Az ünneprontök. = Die festfrevler. Ethn. 
XI, 1900. S. 297 — 309. 

Im anschluss an die Untersuchungen über die quelle der Arany"- 
schen bailade mit dem obigen titel veröffentlicht der verf. ein von ihm 
im Ung. Xationalmuseum gefundenes ung. Volksbuch aus dem j. 1764, 
welches mit der nachweisbaren [siehe vorig, nr.] unmittelbaren quelle 
Arany's bis auf ganz unbedeutende abweichungen identisch ist. Das 
ung. Volksbuch scheint zunächst auf ein czech. od. slovak. original zu- 
rückzugehen. Die Urquelle der sage ist die mittelalterl. legende „die 
tänzer von Kölbigk'^, von welcher auch in einem erbauungsbuch des 
Jesuiten .1. Taxonyi (1740 — 43) eine Variante im luig. vorkommt (zunächst 
nach Trithemius' Chronicon Hirsaugiense). 

185. Gaal Mözes. Hün es magj'ar mondäk. = Sagen von hunnen 
und Ungarn. Budapest, Franklin-Ges. 1900. 8:0. 224 s. 
Kr. 2,50. 

186. Balassa Jözsef. Vigjätekok a nvelvüjitäsröl. := Komödien 
über den neologismus. EPhilK XXIV, 1900. S. 452 — 458, 
526—532. 

Verf. berichtet über komödien, die den sog. neologismus (^„sprach- 
neueruug") in Ungarn verspotten. 



5. Volkskunde. 

Allgemeines. ' 

187. Benedek Elek. A mag3'ar nep multja es jelene. II. kötet. 
A bölscötöl a sirig. =z Vergangenheit und gegenwart des unga- 
rischen Volkes. IL band. Von der wiege bis zum grabe. Buda- 
dapest, Athenaeum. 1900. 4:0. 463 s. Kr. 16. 

188. Gyiijtsük a nepkölteszet termekeit. z= Aufruf zum sammeln 
von erzeugnissen der volkspoesie. Ethn. XI, 1900. S. 31 — 32. 

Aufruf der red. der „Ethnographia''. volkspoesie sowie daten über 
Volksgebräuche und Volksglauben zu sammeln. Aiich in Xvr XXIX, 
1900, 87—88 veröffentlicht. 



' Unter dieser abteilung werden auch einige artikel angeführt, 
die der red. nur dem titel nach bekannt sind, und deren platz nicht ge- 
nauer hat bestimmt werden können. 



Volkskunde. 153 



189. Dalotti Ödon. Alföldünk nepenek jellemzese. = Charakteri- 
sierung des Volkes unseres Alfölds. Pozsonyi f("ireälisk. ertes. 
1900. S. 9—22. 

190. Boer Miklös. A Sziläg^'säg nepeiröl. = Über die Völker- 
schaften von Szilägysäg. Hazänk 1900, nr. 78. 

191. Boer Miklös. A Szilägysäg etnografiai väzlata. =z Ethno- 
graphische skizze von Szilägysäg. Magyar AUam 1900, nr. 16. 

192. Czirbusz Geza. Az avassäg es nepe. = Avassäg, land und 
Volk. Földr. Közlem. 1900. S. 225 — 243. 

(Im komit. Szatmär.) 

193. Major Antal. Az aldunai szekelyek neprajza orvosi szempont- 
böl. z= Die ethnographie der sekler an der unteren Donau vom 
ärztlichen gesichtspunkte. Hevesmegj'ei Hirl. 1900, nr. 103, 104. 

194. Rubinyi Mözes. A moldvai csängökröl. ^ Über die Moldau- 
csängös. Vasärn. Ujs. XLVII, 1900, nr. 42. S. 690 — 692. 

Kurze ethnograph. skizze über die csängos in der Moldau (mit 6 

illustr. ;. 

195- G-yörgy Endre. A moldvai csängökröl. =: Über die Moldau- 
csängös. Vasärn. Ujs. 1900, nr. 43. S. 706 — 708. 

Zusätze zu nr. 194. Beobachtungen des verf. auf zwei reisen. Die 
rumänisierung schreitet immer mehr vorwärts. Nachrichten über die 
bevölkerung in früherer und neuerer zeit. 

196. Cserna Jäczint. A csängök es szokäsaik. =: Die csängös 
und ihre sitten. Szentes es vid. 1900, nr. 71. 

197. Mailand Oszkär. Ethnologiai pärhuzamok. (A mag}'ar es 
romän nep szöhagyomänyainak köreböl.) ^= Ethnologische paral- 
lelen. (Aus dem kreise der traditionen des ungarischen und des 
rumänischen volkes.) Hunyadm. Tört. Tärs. XL evkön^ve. 1900. 

Volkslitteratur. 

[Vgl. VIII 1-2. 68. 94. 95, 171. 172. 182—184. 237. 238, 253. 2.55. 256.] 

198. Sebestyen Gyula. »Gyäszmagyarok». Adalekok a közepkori 
enekmondük törtenetehez. ^ Die »g^'äszmagyaren /. Beiträge 
zur geschichte der liedersänger im mittelalter. Ethn. XI, 1900. 
S. I — II, 49 — 62, III — 115. 

Der verf. zeigt, dass der ausdruck „gyäszmagyaren". mit dem man 
die sieben flüchtlinge aus der Augsburger Schlacht (955) bezeichnet hat, 
eig. avif einem di-uckfehler beruht; gyoz (worin man gyäsz "trauer", gaz 
'A\'ild' hat sehen wollen) ist nämlich an die stelle des gyak < .3: diäk "schü- 
1er. Student" in der bed. "umherziehender bettelnder sänger') der Ofener 
chronik (Croiiica Hungarorum) getreten. Die sieben verstümmelten flücht- 
linge, die man oft mit den sieben führern der „landnehmenden" magya- 
ren verwechselt hat, haben nämlich laut den Chroniken nach ihrer rück- 
kehr in die heimat durch das singen ihr brod verdient: daher der iiame 
diak der Chroniken, weil man in den litteraten oder umherziehenden pos- 
senmachem die fortsetzer der heidnischen traditionalen kunst der sieben 
Ungarn gesehen hat. Die fortsetzer der alten heidnischen sangeskunst wa- 



154 VIII. Ungarn. 

ren andrerseits die königlichen regus der dokumente aus der Arpa- 
denzeit (= joculatores, combibatores regales. possenreisser am königlichen 
hofe, o: regös . Die erinnernng an die letztere Verbindung lebt noch in 
den heutigen volkstümlichen regös-gesängen [regös = "ein am 2:ten weich- 
nachts- d. h. St. Stephanstage von einem hause zu dem anderen wandern- 
der und singender bursche'], in welchen es heisst. dass „die diener des 
heil. Stephan [— die sänger] aus einem schneeigen, kalten lande gekom- 
men sind, dem einem ist das ohr. dem anderen der fuss erfroren (vgl. 
die flüchtlinge, denen die obren verstümmelt wurden) Verf. hat solche 
regös-gesänge besonders gesammelt und ihre zahl auf anderthalb hundert 
zii bringen gewusst. Die heutigen volkstümlichen regös-gesänge und 
die damit zusammenhängenden gebrauche sind jedoch slavischerseits 
stark beeinfli^sst worden, und vieles ist direkt entlehnt. 

199. Liptai Käroly. A kiräl}- nepünk dalaiban. = Der könig in 
den liedern unseres volkes. Hazänk 1900, nr. 4. u. Torontäl 
1900, nr. 8. 

200. Hitter Miklös jun. ..Szegen}' legenyek» a nepkölteszetben. := 
>Die armen barschen» (die räuber) in der volkspoesie. Czegled 
1900. nr. 52. 

201. Lantos. A »viräg-enekek»-röl. z= Über die »blumenlieder». Zalai 
Közl. 1900, nr. 19. 

202. Olasz Jözsef. A nj'omor költeszete. :rr: Die poesie des elends. 
MagA'. Szemle 1900, nr. 3. 

203. Huszar Györg}-. A temetö költeszete. ^ Poesie des fried- 
hofes. Xag}-körösi Hirl. 1900, nr. 29. 

204. 10 1 magyar nepdal, melyeknek nagj'obb reszet Füredi 
M. enekelte. ^ loi ungarische Volkslieder, deren grösster teil von 
M. Füredi gesungen worden ist. Budapest u. Leipzig, Rözsavöl- 
gyi. 1900. 4:0. 96 s. Ivr. 3. 

205. Kovats A. Mag\'ar nepdalok. r^ Ungarische Volkslieder. 
(Mag}-ar Könyvtär 150.) Budapest, Wodianer. 1900. 16:0. 68 
s. Kr. 0,30. 

206. Balladäk es rokonnemüek. 3= Balladen und verwandtes. Ethn. 

XI, 1900. s. 32—35- 

6 ung. volksballaden aus verschiedenen gegenden. 

207. Herrmann Antal. Kömives Kelemenne szekely balladäja. n= 
Die sekler bailade von K. K. Szekely Nemzet 1900, nr. 85. 

208. Horger A. A kicsi kigjö a macska es a fereg. Hetfalusi 
csängö verses neprnese. 3= Die kleine schlänge, die katze und 
der Avurm. Ein csängöungarisches Volksmärchen in versen aus 
Hetfalu. Erdely Nepei II, 1900. S. 18 — 22. 

209 a. Szerelmi dalok. = Liebeslieder. Ethn. XI, 1900. S. 
35—36. 

11 ung. Volkslieder aus verschiedenen gegenden. 

209 b. Bordalok. ■= Weinlieder. Ethn. XI, 1900. S. 36 — 38. 
10 ung. Volkslieder aus verschiedenen gegenden. 



5- Volkskunde. 155 



210. Gönczi Ferencz. Göcseji »danajok». = »Danaj»s (^ liederj 
aus Göcsej. Veröff. v. — — . Ethn. XI, 1900. S. 83—87. 
16 Volkslieder aus Göcsej, Salader komit. (Zala). 

211 a. Birkas Geza. Adalekok a dunäntüli nepkölteszethez. :=r 
Beiträge zu der volkspoesie jenseits der Donau. Gesamm. v. 

— — . Ethn. XI, 1900. S. 366 — 370. 

18 Volkslieder aus Veszprenier, Salader (Zala) u. Schümeglier 
(Somogy) komit. 

211 b. Läszlo Imre. Halasi nepdalok. r= Volkslieder aus Halas. 
Gesamm. v. — — . Ethn. XI, 1900. S. 370 — 372. 
9 Volkslieder aus Halas (komit. Pest-Pilis-Solt-Kiskun). 
212. Elekes Istvän. Szekely nepdalok. r=r Volkslieder der sekler. 
Aufgez. V. — — . Ethn. XI, 1900. S. 276 — 277. 

Zwei Volkslieder (aus Sinfalva, komit. Torda-Aranyos) mit melodien. 
213 a. (>sz Jänos. Ünnepi rigmusok. :=r Feiertagsverse. Aufgez. 
V. — — . Ethn. XI, 1900. S. 273 — 275. 

Ein ung. weihnachts-, ein pfingst- und ein osternvers aus Kibed, 
komit. Maros-Torda. Die verse werden von 6 — 12-jälirigen hausierenden 
kindern gesungen. 

213 b. Baläsy Denes. Karäcson3i köszöntök. ^ Weihnachtsglück- 
wünsche. Aufgez. V. — — . Ethn. XI, 1900. S. 275 — 276. 

Zwei metrische weihnachtsglückw-ünsche aus den komitt. Udvar- 
hely u. Häromszek. 

214. Domonkos Istvän. Balazs-järö. = Blasiusgänger. Ethn. 
XI, 1900. S. 461 — 463. 

"Wiederbelebung des Blasiusgangs (= umzüge am tage des hl. 
Blasius) zu Dur im komit. Odenbiu-g (Soprou). Mitteilung der verse (dia- 
log), die bei der ceremonic verwandt werden. 

215. Gönczi Ferencz. Göcseji lakodalmi kurjantäsok. :=: Hoch- 
zeitslieder aus Göcsej. Ethn. XI, 1900. S. 131 — 137. 

Der verf. veröffentlicht ca. 100 hochzeitslieder aus Göcsej, die ge- 
wöhnlich aus zwei od. A-ier, seltener drei gereimten zeilen bestehen. 

216. Ladanjn. Bela. A rejäk nepköltesünkben. ^= Die reja's in 
unserer Volksdichtung. Nyr XXIX, 1900. S. 10 — 16. 

„Ec-ja's" sind klangfiguren der verschiedensten art (refrains, Sequen- 
zen, wiederholte ausrufe, Jodler, am ende "wie im vers), wie sie in der 
Volksdichtung, doch auch in der kunstpoesie, beliebt sind. Durch zahl- 
reiche beispiele aus der ung. volkspoesie beleuchtet. 

217. Jenö Sändor. A rejäk nepköltesünkben. zr Die reja's in un- 
serer volkspoesie. Nyr XXIX, 1900. S. 592 — 593. 

Eine anzahl reja's: vgl. vorig, nr. 

218. Keviczky Ferencz. Eg}' Räköczikori dal. = Ein lied ■ aus 
der zeit Käkoczi's. Veröft". von . Ethn. XI, 1900. S. 418 

— 419. 

Ein lied mit erwähnving Räkoczi's nebst der melodie aus Szegvär, 
komit. Csongräd. 



Igö VIII. Ungarn. 

219. Abränyi Kornel. A Räköczy-nöta is indulö. :=: Räköczy- 
lied und -marsch. Szekesfehervär es videke. 1900, nr. 78. 

220. Bognar Teofil. Adatok a mesek vändorläsänak törtenetehez. 
=1 Beiträge zur geschichte der Wanderung von märchen. EPhilK 
XXIV, 1900. S. 30 — 32. 

I. Der verf. giebt zu dem 5:ten märchen (von dem wirt und 
knecht) der „Sammhing ungarischer volkspoesie"' („A magyar nepköltesi 
gjrüjtemeny") II. die Varianten in dem märchenschatz anderer europäi- 
scher Völker an. — II. Es werden 3 märchen (legenden) vom hl. Petrus 
und seiner wegen ihres geizes und neides in die höUe verdammten mut- 
ter erwähnt, die verf. in Ödenburger komit. (in Pereszteg 2 und Mihälyi 
1) aufgezeichnet hat. Dergleichen sind bisher nicht in der gen. Sammlung 
enthalten. 

22 1. Krausz Samuel. Adalekok a csodaszarvas regej eh ez. = Bei- 
träge zur sage vom »wunderhirsch». Ethn. XI, 1900. S. 
116— 118. 

Die sage vom „wunderhirsch" kommt bei Kezai und bei den 
früheren ungar. chronikern vor; der verf. weist auf ähnlichkeiten in der 
dichtung anderer Völker hin. 

222. Hanusz Istvän. Madarak a nepregekben. 1=: Die vögel in 
den volkssagen. Hazänk 1900, nr. 78. 

223. A kezmüvesseg legendäi. = Die legenden der Handwer- 
kerschaft. Kecskemeti Friss Ujs. 1900, nr 66 — 67. 

224. Deak Idus. A Vägvidek mondaköre. := Sagenkreis der Väg- 
gegend. Nyitrameg\'ei Közl. 1900, nr. 26, 32. 

(Kom. Odenburg). 

225. Vikar Bela. Szöllnsi Päl meg a röka. Mese. z= P. Sznllösi 
und der fuchs. Märchen. Mitget, v. - — ■ — . Ethn. XI, 1900. 
S. 419 — 421. 

Aus Szent-Märton, Schümegher komit. (Somogy). Eine probe aus 
der märchensammlung von B. Vikar; letztere ist teils stenographisch 
aufgezeichnet, teils in den phonographeu hineingesprochen worden. 

226. Benedek Elek. Bohökäs mesek. = Schnurrige märchen. 
(Az Athenaeum mesekönyvtära XVI.J Budapest, Athenaeum. 1900. 
8:0. 85 s. Kr. I. 

227. Benedek Elek. Vilägszep mesek. izr Die allerschönsten mär- 
chen. (Az Athenaeum mesekön3'vtära XVII.) Budapest, Athenaeum. 
1900. 8:0. loi s. Kr. I. 

228. Benedek Elek. A tündermesek. =r Zaubermärchen. (Az 
Athenaeum mesekönyvtära XVIII.) Budapest, Athenaeum. 1900. 
8:0. 97 s. Kr. I. 

229. Benedek Elek. Oriäsok es törpek. ^ Riesen und zwerge. 
(Az Athenaeum mesekönyvtära XIX.) Budapest, Athenaeum. 1900. 
8:0. 90 s. Kr. I. 

230. Benedek Elek. A tatärjäräs mondäi es egyeb mesek. = 
Sagen des mongoleneinfalles und andere märchen. (Az Athe- 



Volkskunde. 157 



naeum mesekönyvtära XX.) Budapest, Athenaeum. 1900. 8:0. 
100 s. Kr. I. 

Die märchensammlungen v. Benedek (nr. 226 — 2.30 j sind nicht 
eigentliche Volksmärchen, sondern sind auf j^und der motive der Volks- 
märchen zusammengesetzt und ahmen sehr gut die tonart des Volks- 
märchens nach. 

231. Margalits Ede. A magyar közmondäsok es szöläsok rostäja 
\'. z= >Sieb) der ungarischen Sprichwörter und redensarten. 
V. XyK XXX, 1900. S. 91 — loi. 

Der anfang der Sammlung ist im b. XXIX abgedruckt. Der bisher 
erschienene teil enthält eine Sammlung (aus verschiedenen quellen) der- 
jenigen ungarischen Sprichwörter und redensarten. die mit lateinischen 
übereinstimmen. 

232. Kropf Lajos. Egy-ket regi magj'ar közmondäs. =^ Ein paar 
altungarische Sprichwörter. Nj-r XXIX, 1900. S. 272. 

233. Közmondäsok eredete. 1=: Ursprung der Sprichwörter. Nyr 
XXIX, 1900. S. 40 — 41. 

Erklärung einiger ung. Sprichwörter von J. Rechnitz, K. Tren- 
cseny it. Pesti Hirlap. 

234. Dezsi Lajos. Megy bele mint Lödänba a menkü. Nyr 
XXIX, 1900. S. 274 — 276. 

I'ber einige redensarten mit historischem hintergrund. 

235. Leszner Rudolf. Egeszseg, betegseg mag\-ar közmondäsok- 
ban. :=r Gesundheit und krankheit in ungarischen Sprichwörtern. 
Hazänk 1900, nr. 54. 

236. Egeszseg, betegseg a magyar közmondäsokban. =r. Ge- 
sundheit und krankheit in den ungarischen Sprichwörtern. Buda 
es vid. 1900, nr. 15. 

Melodien. 
[Vgl. VIII 212. 218, 219, 2.56.] 

237. Vikar Bela. Phonographfal gyüjtött nepköltesi adalekok. zzz 
Mit hilfe des phonographen gesammelte beitrage zur volkspoesie. 
Aufgenommen v. — — . Ethn. XI, 1900. S. 121 — 130. 

Ungar. Volkslieder mit den zugehörigen melodien. Die von Yikär 
phonographisch aufgenommenen melodien sind von Steph. Kereszty 
niedergeschrieben. 

23S. Goll Jänos. Magj'ar nemzeti lant. 200 regi magj'ar nepdal 
ferti negyesben. i. 2. füz. 3. kiad. =n Ungarische nationalleier 
200 alte ungarische Volkslieder in männerquartett. i. 2. heft. 
3. aufläge. Budapest, L. Kökai. 1900. S:o. IV -\- 91, III + . 
98 s. Kr. 2 pro heft. 



158 VIII. Ungarn. 



Mythus, aberglaube, sitten u. gebräuc-he. 
[Vgl. VIII 29, 21.3 a u. b, 214, 215.] 

239. Munkäcsi Bernät. Adalekok a mag}-ar halotti szokäsok po- 
gäny hagyomänyaihoz. z= Beiträge zu den heidnischen traditio- 
nen der ungarischen totengebräuche. Ethn. XI, 1900. S. 99 — ili. 

Ergänzung eines früheren aufsatzes desselben autors (Ethn. VII 
297 — 323); der verf. führt einige einzelheiten der heutigen ung. totenge- 
bräuche an, „deren vollkommener entwickelte iind in ihren psychologischen 
Verbindungen klar ersichtliche analoga bei denjenigen östlichen Völkern 
vorkommen, die mit den ungarn in älteren historischen epochen in berüh- 
rung standen, besonders aber bei den mit den ungarn sprachlich ver- 
wandten Völkern". — Ziisätze zu diesem aufsatz werden Ethn. XI, 1900, 
s. 190 u. 281 von D. Baloghy und e. p. mitgeteilt. 

240. Sebestyen Gyula. A magyar varäzsdob. =r Die ungarische 
zaubertrommel. Ethn. XI, 1900. S. 433 — 446. 

Verf. weist in der ungarischen volkspoesie und im hexenglauben 
einige reminiscenzen an die anwendung der zaubertrommel nach. Verf. 
hat konstatieren können, dass ein zauberweib in der Stadt Zala-Egerszeg 
noch vor kvirzem die trommel der stadt als zaubertrommel gebraucht 
hatte. Sie hatte auf dieselbe kreise gezeichnet, in die kreise bohnen ge- 
stellt und auf die trommel schlagend die bohnen springen lassen; aus 
diesen bewegungen hatte sie die zukunft voraussagen können. 

241. Katona Lajos. Regi mag\^ar kuruzsläsok es varäzsigek. = 
Alte ungarische quacksalbereien und Zaubersprüche. Veröff. von 
— — . Ethn. XI, 1900. S. 118 — 121, 270 — 272. 

Handschriftl. aus dem j. 1609 (auf den inneren selten der ein- 
banddecke und auf dem titelblatt einer druckschrift in der bibliothek des 
Graner komitats). 

242. Kovats L. Adatok a XVII. szäzadbeli nephithez. =: Daten 
zum Volksglauben im XVII. Jahrhundert. Ethn. XI, 1900. S. 280. 

Atiszüge aus einer handschrift der Budapester Universitätsbiblio- 
thek, welche ein arzneibuch aus dem anf. des XVII. jahi'h. enthält. In 
dem exemplar von Beythe's „Fives Könüv'"im Ung. nationalmuseum 
kommt eine handschriftl. ung. beschwörung aus dem XVII. .jahrh. vor. 

243. Erdelyi Päl. Regi babonäk es kuruzsläsok. z:= Alter aber- 
glaube und quacksalberei. Ethn. XI, 1900. S. 80 — 82. 

Notizen über aberglauben aus dem „Komäromi enekeskönyv" (=: 
Komorner liederbuch, in der handschriftensammlung des Ung. nationalmu- 
seums; die lieder sind zwischen 1617 — 1701 entstanden). 

244. Bellosics Bälint. Regi babonäk. ^ Alter aberglaube, Veröflf. 
von — — . Ethn. XI, 1900. S. 355 — 357. 

Eine alte handschriftl. aufzeichnung aus Siklös (komit. Baranya), 
mit unveränderter Orthographie. 

245. Kovacs Sändor. A kuruzsoläs es varäzsoläs eszközei a sze- 
gedi boszorkäny-perekben. ^ Die mittel der quacksalberei und 
Zauberei in den Szegediner hexenprozessen. Dugonics Tärs. 
evkönyve 1898/99. 



5- Volkskunde. X59 



-46. Ballo Istvän. Regi paraszt häziorvossägok jeg^'zeke. :^ Ver- 
zeichnis der alten hausarzneien der bauem. Veröff. von — — . 
Ethn. XI, 1900. S. 352 — 357, 411 — 418. 

Handschriftl. Verzeichnis der hausmittel der baueru, von fran- 
ziskanern 1740 — 1750 aufgezeichnet, aus der lehrerbibliothek des kath. 
realgymnasiums zu Csiksomlyö. 

247. Haralyi Fejer Ignäc. Nepbabonäk. := Volksaberglaube. 
Magi,ar Allam 1900, nr. 54 — 55. 

248. C — a. Bäcskai babonäk. =z Bäcser aberglaube. Bäcs-Bo- 
droghm. Tört. Tärs. Evk. 1900. S. 112 — 115. 

249. Csikos Istvän. A babona a palotäkban. z=z Der aberglaube 
in den palästen. Szekely Nemzet 1900, nr. 79. 

250. Temesväry Rudolf. Volksbräuche und Aberglauben in der 
Geburtshilfe und der Pflege des neugebomen in Ungarn. Ethno- 
graphische Studien von — — . Leipzig, Th. Grieben (L. Fer- 
nau). 1900. 8:0. VIII -\- 148 s. M. 2,80. 

Mit 16 abbildungen im text. Inhalt: I. Menstruation: L. 
Erstes auftreten der menstruation. 2. Hygiene während der menstrua- 
tion. B. Menorrhagie. Amenorrhoe. Dysmenorrhoe. — II. Sterilität: 
4. Ursachen der Sterilität. 5. Behandlung der Sterilität. 6. Hochzeitsge- 
bräiiche zur erzielung von fruchtbarkeit. 7. Sonstiger aberglaube. — III. 
Künstliche Sterilität: 8. Anticonceptionelle verfahren. 9. Hoch- 
zeitsgebräuche zur erreichung von Sterilität. 10. Coitus. 11. Gebräuchei 
während der geburt und des Wochenbettes behufs Vermeidung neuerlicher 
Schwängerung. 12. Fruchtabtreibende mittel und verfahren. — IV. 
Schwangerschaft: 13. Verschiedene gebrauche während der Schwan- 
gerschaft. 14. Diät der schwangeren. 15. Kleidung. 16. Hygiene der 
brüste. 17. Vorhersagung des geschlechts. 18. Willküi-liche knabenerzeu- 
gung. 19. Das versehen der schwangeren. — V. Geburt: 20. .Schutz- 
göttin der geburt. 21. Vorbereitungen für die geburt. 22. Stellung 
während des gebärens. 23. Kleidung der gebärenden. 24. Behandlung 
der geburt. 25. Geburtsanomalien. 26. Behandlung der uachgeburtspe- 
riode. 27. Nachgeburt und eihäute. — VI. Wochenbett: 28. Wochen- 
zimmer und Wochenbett. 29. Schutz gegen „böse geister", den „bösen 
blick"' und das „beschreien". 30. Diätetik des Wochenbettes. 31. Nach- 
wehen. 32. Hängebauch. 33. Chloasma uterinum. 34. Lochien. 85. Blu- 
tungen während und nach der geburt. 36. Ischurie und andere wochen- 
bettstörungen. 37. Das „milchfieber''. 38. Dauer des „Wochenbettes". 
39. Erstes bad der Wöchnerin. 40. Der erste ausgang. — "\T!I. Das 
s äug ege schaff: 41. Entwickelung der brüste. 42. Erstes anlegen des 
kindes. Colostrum. 43. Stillen durch fremde frauen. 44. Künstliche 
emährung. 45. Galaktogoga und verschiedene vei-fahren zur förderung 
der milchsekretion. 46. Dauer de